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Hl. Hubertus

„Beschützer vor Tollwut ,
Patron der Jäger , Schützen und Reiter“

( Günther Schlieker 2016 )

Nicolaes de Bruyn, St. Hubertus (Ausschnitt)

Vater der Parforce=Jagd

( Döbel 1746 )

30. Mai 727
vollendet vor 1290 Jahren

doch „bis in die heutige Zeit
eine der volkstümlichsten Heiligengestalten“

( Schlieker )

Hubertus nach 1290 Jahren

En vogue, en vogue. Eben „bis in die heutige Zeit eine der volkstümlichsten Heiligengestalten“, so Günther Schlieker, der es wissen muß. Und in seiner Dokumentation eine ganze Fülle der Fülle auflistend illustriert, die als Jäger, Schützen und Reiter unter seinem Namen — „das putzt ganz ungemein“, würde Thomas Mann auch hier spötteln — vereint ist. Vereint, doch auch verinnerlicht?

Und dieses Fragezeichen ist des Pudels Kern.
Heute. Aus hiesiger Sicht. Nach 1290 Jahren.

Als eines Merkmals der Nachgeborenen. Für deren Väter als Jäger, Schützen und Reiter Hubertus noch Selbstverständnis war. Auch als Vereinsname, gewiß. Doch zuvörderst, stimmte der ganze habitus, für den Mann, für die Frau, selbst. Nicht das in seinem Namen gehaltene fröhliche Schüsseltreiben war A + O des Bezuges, sondern die geistige Kraft, die übersprang, die von Vertrauen gespeiste Gewißheit, daß es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die nicht erklärbar sind. Dieserhalb auch eine ebenso lebenserfahrene wie illusionslose resolute Dame in Godesberger Kapellchen, kam sie vorüber, gern eine Kerze zündete. Es könne ja nichts schaden …

Über die Jahrzehnte, bis in die späten 80er hinein, keine der qualitätvolleren hiesigen Jagd-/Ridinger-Sammlungen, denen der Schutzpatron nicht als unverzichtbar galt. Als etwa ein marktweit kaufender Sammler erst einige Tage nach entsprechendem Offertenversand anrief und hörte, er käme zu spät, nur trocken kommentierte: das hab ich mir schon gedacht. Und so freute es mich besonders, ihm später eine Doublette des British Museum weitergeben zu können. Geschichten von gestern.

So wie denn auch des Amtstierarztes Günther Schlieker’s Berührungen mit dem Heiligen bis in die 70er Jahre zurückreichen. Als ihm eine Bäuerin „einen so genannten ‚Hubertusschlüssel‘ mit dem Hinweis (schenkte), dass der Grossvater … als Tierheilkundiger dieses Brenneisen bei Tollwutverdacht und auch zur Vorbeugung gegen Tollwut bis in die 90er Jahre des 19. Jahrhunderts noch benutzt hätte“. Ihm geschenkt mit der Folge 45jähriger Hubertus-Forschung. Mit dem Ergebnis einer Dokumentation, die ihresgleichen sucht, unwiederholbar bleibt. Doch nicht ohne — auch sein — résumé, wonach „ … nun auch

das Bild des hl. Hubertus als Schutzpatron mehr und mehr verblasst .“

Geschuldet zwangsläufig nicht zuletzt einem peu à peu Wegbrechen verwurzelten mittelständischen Feldes ganzer Branchen.

Hubertus einst + jetzt

Eben. Auch jetzt! Denn ebenso, wie es deren weniger geworden sind, gibt es sie noch. Die mit unverändert altväterlichem Elan, teils geradezu hektisch, sammelnd in den Kreis tretenden Jungen. Ihnen sei dieses 1290-Jahres-Gedenken gewidmet. Dargeboten nicht ohne dankbarem Gedenken der Väter,

denen schon der hl. Hubertus Selbstverständnis war .

niemeyer’s — wo St. Hubertus–Trophäen bezahlbar sind

„ Es darf angenommen werden , dass

Hubertus ( Hugbertus , Hugobertus , Chuchobertus )

zwischen den Jahren 655 und 665 geboren wurde …

Sicher ist nur, dass er ein Schüler des hl. Lambertus, des Bischofs von … Maastricht (Bischofssitz schon seit ca. 595) und nach dessen Ermordung (698 oder 705) Nachfolger auf dem Bischofsstuhl wurde. Wenig weiß man auch über seine bischöfliche Laufbahn … eigentlich nur so viel,

dass er die Ardennen christianisierte …

und später [720] seinen Bischofssitz nach Lüttich verlegte. Hier … starb (er) am 20. Mai 727 und wurde in der (von ihm erbauten) Petruskirche in der Nähe eines Nebenaltars beigesetzt. Am 3. November 743 wurden die Gebeine … erhoben

( — siehe Farbabb. Schlieker 5/1a im ca. 1440er Werkstatt-Öl Rogier’s van der Weyden De Vos, 1999, C11 mit farb. Detail-Abb. 131, sonst auch die blattgroße Farbabb. 72 im 2009er Ausstellungs-Katalog Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden — ]

und am Hauptaltar … erneut beigesetzt. Damit war nach damaliger Auffassung die Heiligsprechung … vollzogen. Der Tag der Erhebung, der 3. November, ist heute noch der Namenstag (nach Theodora Lepique, Der Volksheilige Hubertus in Kult, Legende und Brauch, Diss. Bonn 1951, SS. 10 + 12).

Wenn auch sonst keine sicheren Daten seiner Herkunft vorhanden sind, lohnt es sich doch, einer uns überlieferten Spur nachzugehen. ‚Am 13. Mai 706 – zitiert nach Kühn 1994 – taucht ein gewisser Chuchobertus episcopus in einer Schenkungsurkunde Pippins d. M. (II./P. von Herstal, Hausmeier von 679-714) und seiner Frau Plektrud für die Abtei Echternach in der Zeugenliste auf. Dieser Bischof Chuchobertus ist vermutlich kein Geringerer als der hl. Hubertus. Aufhorchen lässt die Stellung des Namens in der Zeugenliste, der als vierter nach den Namen des Stifterehepaares und dessen Sohnes Drogo rangiert. Ohne den interpretatorischen Bogen zu überspannen, wird man aus dieser Tatsache schließen dürfen, dass Bischof Hubertus in einem besonderen Verhältnis zu Pippin und Plektrud gestanden haben muß.‘ Bischof Hubertus wird gewiss ein Verwandter der Vorgenannten gewesen sein, woraus man den Schluss ziehen kann, dass Hubertus zum damaligen Hochadel gehörte “

(Schlieker, a. a. O., S. 23 [Sperrungen/Zentrierung nicht im Original; Ergänzungen in [] nach Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., XIII, 1889, 751 sowie bezgl. Tongern’s als mißverständlich erwähnten Bischofssitzes Wikipedia 6. 3. 2017]).

Analog zu Schlieker’s Hochadel-Schlußfolgerung denn auch Meyers VIII, 751 f.:

„ Sohn Bertrands, Herzogs von Guienne

[— das alte Aquitanien im SW Frankreichs mit Bordeaux als Residenzstadt ,

kam durch Heirat an Heinrich Plantagenet, seit 1154 als Heinrich II. König von England, der es 1169 seinem Sohn Richard Löwenherz abtrat, seit 1189 als Richard I. König von England, womit er dank seiner französischen und englischen Besitzungen zum mächtigsten Herrscher Europas nach Kaiser Friedrich Barbarossa avancierte und als solcher gleichen Jahres die Führung des 3. Kreuzzuges (1189-1192) zur Rückeroberung Jerusalems von den Truppen des Sultans Saladin übernahm, dann, 1196, Aquitanien/Guienne seinem Neffen Otto IV. von Braunschweig, von 1198-1218 (unangefochten jedoch nur von 1208-1211) römisch-dt. König und von 1209-1218 Kaiser des Römischen Deutschen Reiches mit dem Staufer Friedrich II. („Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen“) seit 1215 als Gegenkaiser, abtrat. – In späteren Zeitläuften erst nur zwischenzeitlich an Frankreich zurückgefallen, dann ab spätestens 1453 endgültig (nach Meyers VII, 910 f. + Wikipedia wie vor) — ],

„ lebte erst am Hof des fränkischen Königs Theoderich, später bei Pippin von Herstal [bei Lüttich], zog sich aber nach dem Verlust seiner Gattin von der Welt zurück und ward von Papst Sergius I. zum Bischof … ernannt … der Sage nach leidenschaftlicher Jäger, bis er, durch die Erscheinung eines Hirsches, der zwischen einem goldenen Geweih ein umstrahltes Kreuz zeigte, tief betroffen, dem Jagdvergnügen entsagte (und) der Schutzheilige der Jäger und seine Stola im Volksglauben das wirksamste Mittel gegen den Biß toller Hunde (wurde). “

Zu letzterem Schlieker S. 15 und dann weiter S. 25:

„ Nach der Legende hatte ein Engel dem beim Papst weilenden Hubertus – vor dessen Bischofsweihe – die Stola als Geschenk der Gottesmutter überbracht. Die Stola war der Gegenstand, der mit der Wunderkraft des Heiligen am meisten behaftet war. Für den Gläubigen war die Stola gleichsam ein Teil des Heiligen …

Am 21. September 825 wurden die Gebeine des hl. Hubertus … erneut erhoben und nach dem Kloster Andain (bald darauf in Saint-Hubert umbenannt) – gelegen in den Ardennen – gebracht … Hier soll bereits erwähnt werden, dass die Gebeine des Heiligen, die Jahrhunderte lang in einem kostbaren Schrein in Saint Hubert aufbewahrt wurden … seit dem 17. Jahrhundert nicht mehr – ungeteilt – auffindbar sind …

Etwa in der (recte, s. u., für die) Mitte des 9. Jahrhunderts, somit etwa 100 Jahre nach dem Tode des hl. Hubertus, berichtet ein Mönch vom Kloster Saint-Hubert von Wundern, die am Grab des Bischofs Hubertus geschehen seien … Es findet sich jedoch keines darunter, das zu einem Jagd- oder Tollwutpatronat in Beziehung stehen könnte (Lepique S. 75). “

Erst für das 10. Jahrhundert finden sich nach Schlieker zunächst „Spuren einer Hubertusverehrung in einem Kalendar der Diözese Trier“, gefolgt von dem Ende des 11. Jhdts. zugehörigen Wunderberichten eines Mönchs des Hubertus-Klosters, die im 10., vielleicht auch schon 9. Jhdt. geschehen seien, immer nach Lepique (SS. 20 + 75 f.). Zunächst tollwutbezogen, dann in medias res gehend …

„ In den vergangenen Jahrhunderten wurden ihm nicht nur im Gebiet von Lüttich, seiner Wirkungsstätte als Bischof, und im Ardennenstädtchen Saint-Hubert … eine große Verehrung zuteil, sondern auch in den angrenzenden Landesteilen. Er war Beschützer vor Tollwut, Patron der Jäger, Schützen und Reiter.

Tollwut- und Jagdpatronat des heiligen Hubertus
gehörten in früheren Jahrhunderten eng zusammen “

(Schlieker S. 9). Unterbrochen gleichwohl von einem Dianen-Zwischenhoch von etwa 1680 bis 1850, so Sigrid Schwenk in Diana – Ein Nachruf auf die fast vergessene Göttin der Jagd, in Blüchel, Die Jagd, Bd. I [1996], SS. 210-215. Siehe hierzu auch Ridinger’s Junge Jägerinnen in der Gestalt Dianens.


„ herzlichen Dank für Ihre Expertise zu dem (Hogarth-)Kupferstich. Er ist wohlbehalten angekommen. Besten Dank für die schnelle Zusendung. Gruss aus … “

(Herr F. B., 1. März 2013)