English

Der
Frankfurter Wohltäterin
May von Weinberg aus dem
Hause der
Earls of Granard

May von Weinberg. Mack, Abb. 6 mit Quelle
Institut für Stadtgeschichte (ISF), Frankfurt/Main

zum
150. Geburtstag
15. Dezember 2016

Literatur

Mack, Die Frankfurter Familie von Weinberg
Ernst Mack, Die Frankfurter Familie von Weinberg
– hier jeweils beiliegend –
sonst apart per 29.060/€ 12,80

Kunst

Alexander Archipenko

Kiew 1887 – New York 1967

Bronze-Büste May von Weinberg

1913

Bronze-Büste Carl von Weinberg

1961

Ethel Mary

«May» von Weinberg

Villa Waldfried: Bibliothek
Die Bibliothek in Villa Waldfried (Mack, Abb. 22)

geb. Villiers Forbes

aus dem Hause der Earls of Granard

May von Weinberg: Forbes-Wappen auf Grabstein
Forbes-Wappen (Mack, Detail Abb. 91)

Plymouth
15. Dezember 1866

Frankfurt am Main
21. Januar 1937

London
30. Oktober 1894

Trauung mit Carl Weinberg

Frankfurt am Main 1861 – Rom 1943

1919 + 1924 Mitglied der dt. Delegation bei den Versailler Friedens- bzw. Dawesplan-Verhandlungen ( „erwirkte er [1919] bei der Gegenpartei wichtige fachliche Zugeständnisse … ‚und damit dem ganzen dt. Volke so große Werte gerettet, dass ihre Höhe in Zahlen nicht errechenbar ist‘ [Frhr. v. Lersner, 1927] … “

Frankfurt

1898

Einzug in Villa Waldfried

– nächst Niederrader Rennbahn –

Villa Waldfried: Galerie
Galerie in Villa Waldfried (Mack, Abb. 21)

( englischer Landhausstil samt Gestüt [1896] und Poloplatz ) ,

deren Planung und Einrichtung wesentliches Anliegen May’s war ,
anmutend wie „die Residenz eines Fuggers oder Welsers“ ,
so lt. Mack 45 Walter Moszkowski am 26. 10. 1926 in der B.Z. am Mittag

1906

Stiftung des Waisenhauses Villa Waldfried-Eck

1907

Stiftung der Niederräder Kinderkrippe an der Odenwaldstraße

1908

Erhebung der Gebrüder
Arthur + Carl Weinberg

May von Weinberg: Weinberg-Wappen auf Grabstein
Weinberg-Wappen (Mack, Detail Abb. 91)

in den erblichen preußischen Adelsstand

wegen ihrer Verdienste um die chemische Industrie

( Casella Mainkur als zeitweise Weltmarktführer für synthetische Farbstoffe;
50 deutsche und zahlreiche ausländische Patente seitens Arthurs )

1911

Imprint für May von Weinberg

Beispiel für May’s Mitgliedschaft in der 1874
begründeten Societé des Amis du Livre Moderne ,
siehe nachfolgend .

1914 ff.

Einrichtung + Betreiben von Privatlazaretten

für Schwerverwundete in Villa Waldfried
und Arthur von Weinbergs benachbartem Haus Buchenrode

1915

Übertritt von der Anglikanischen Hochkirche
zum Katholizismus

Zur ganzen Vielfalt namentlich May’s wohltätiger Unternehmungen
siehe ausführlich bei Mack .

Provenienzexemplare
sind Bücher ,
die , wie das Supralibros , das Exlibris
Exlibris May von Weinberg
May’s graphisches Exlibris-Credo
eines geflügelten Engels mit dem Buch des Lebens vor Vatikan-Ambiente mit Petersdom, Engelsbrücke + Engelsburg, aufgeschlagen May’s Seite nebst Wahlspruch Dvm vivam et vltra [„hieme et aestate, et prope et procul, usque dum vivam et ultra“, winters und sommers, nah und fern, zeitlebens und darüberhinaus im Sinne des Kanons „Alles ist eitel Du aber bleibst und wen Du ins Buch des Lebens schreibst“]. Darunter beider Familien Wappen unter Krone

oder eine handschriftliche Eintragung beweisen ,
aus einer berühmten Bibliothek stammen
und zu deren Eigentümer
in persönlichem Verhältnis standen “

Hans Bohatta
in Lexikon des Gesamten Buchwesens,
Band III (1937), Seite 58

Im Wappen-Einband May von Weinbergs
Balzac, Paysans
von Ernst Ludwig in Frankfurt

„ der bis heute wichtigste Roman vom französischen Bauerntum “

mit den Jeanniot-Illustrationen

Honoré de Balzac (Tours 1799 – Paris 1850). Les Paysans. Scènes de la vie de campagne. Mit

50 Radierungen von Georges Jeanniot

in Braundruck, davon 24 als Tafeln (ca. 19-19,5 × 13-14 cm [7½-7⅝ × 5⅛-5½ in]), 24 im Text (ca. 7 × 12,5-13 cm bzw. die des Titels 7 × 5 cm [2¾ × 4⅞-5⅛ and 2¾ × 2 in resp.]) + 2 auf dem Umschlag (20 × 13 bzw. 10,5 × 10,5 cm [7⅞ × 5⅛ and 4⅛ × 4⅛ in resp.]), tlw. mit Signatur bzw. Monogramm in der Platte, die des Vorderumschlags auch mit Datum 1911, sowie Initialen + Schmuck-Vignetten in Grün- + Schwarzdruck. Paris, SOCIÉTÉ des AMIS du LIVRE MODERNE, 1911. 4° (28,5 × 22 cm [11¼ × 8⅝ in]). 4 unnum. Bll. Titelei, 378 SS., 1 Bl. Impressum. Kornblumenblauer Maroquin-Bd. a. 5 Bünden mit

Wappen-Supralibros May von Weinberg’s

nebst Forbes-Wahlspruch Bear and Forbear

auf dem Vorderdeckel, 4 cm breiter vielfältig gebildeter Einfassung beider Deckel mit namentlich

Kornblumenblüten-Leiste als Weinberg’schem Wappen-Symbol ,

nur von Titelschild unterbrochener kornblumenblütenbestimmter totaler Rücken- + Stehkantenverzierung sowie breiter Innenkanten-Bordüre, alles in Gold, blauem Seiden-Moiré für Spiegel + Vorsatz sowie eingeb. OUmschlag. einschließlich dessen Rücken. Goldschnitt. ( E. Ludwig , Frankfurta/M 1911. )

„ John Pierpont Morgan

… wollte nicht billig , sondern preiswert kaufen

und erwarb nur das Beste , was ihm angeboten wurde “

Hans Bohatta

in Löffler-Kirchner , Lexikon des gesamten Buchwesens ,

Band II (1936) , Seite 486

Loubier, Der Bucheinband in alter und neuer Zeit, 1903, Seite 178; Carteret IV, 55 „Belle publication cotée“ ); Mahé 122. – Arrangement von Charles Meunier + Jean Renouard. – Titelei in Rotbraun (so auch die Kapitelüberschriften) + Schwarz. – Druck der Radierungen von Ch. Wittmann, des Textes von FIRMIN-DIDOT („pflegt insbesondere auch ill. Werke, Prachtwerke“, Löffler-Kirchner I, 541) unter Leitung von Th. Levevre. Das eigens gefertigte Papier von PERRIGOT-MASURE .

Nr. 45/125 A-Explren. (Gesamtaufl. 150 Explre., davon 15 außerhalb des Handels [B] + 10 für Mitarbeiter [C]) als

Exemplaire imprimé

pour

Madame MAY VON WEINBERG

als Mitglied besagter zweitältester französischer Bibliophilen-Gesellschaft und hier im brandfrischen

persönlichen luxuriösen Meister-Einband
Seiden-Vorsatz
von Ernst Ludwig

( „Auch von Ernst Ludwig in Frankfurt a. M. sind in letzter Zeit geschmackvolle Einbände in verschiedenem Material bekannt geworden “

so Jean Loubier, „Anreger auf dem Gebiet der modernen Buchkunst … in der auf seine Anregung entstandenen Einbandkommission leistete er die wichtigsten Arbeiten“ [L.-K. II, 1936, 372]). Solchermaßen denn

exemplarisches Beispiel der Einbandkunst des frühen 20. Jahrhunderts

adäquat beinhaltend

„ de(n) bis heute wichtigsten Roman vom französischen Bauerntum “

aus der Feder der „grandios faunische(n) Natur Balzacs , erdhaft elementar und den dunklen Ursprüngen des Lebens verbunden“ (Laaths, Geschichte der Weltliteratur, 1953, Seite 612) und, wiederum adäquat – wie denn auch, abgesehen von leichter Wellung des Spiegel-Moirés, die Erhaltung – , kraftvoll illustriert von Pierre Georges Jeanniot (Genf 1848 – Paris 1934, seit 1906 Ritter der Ehrenlegion, befreundet mit Manet, familiär mit Degas) :

„ Dieselbe Vielseitigkeit des (malerischen) Stoffgebiets u. der Technik bekunden J.s graph(ische) Arbeiten.

Hauptsächlich pflegt er die Radierung …

Jeanniot, Marie TonsardJeanniot, Comtesse chez Olympe

Seine mühelose Beherrschung der Darstell(ung) der Bewegungsformen befähigte ihn besonders zum Illustrator … u. a. … Balzac’s (1845er) ‚Paysans‘ “

(Thieme-Becker XVIII [1925], 476). Sein Nachruf am 4. Januar 1934 in den New York Papers.

Waldfried, Blauer Salon
Der Blaue Salon in Villa Waldfried (Mack, Abb. 27)

BEILIEGT: Ernst Mack. Die Frankfurter Familie von Weinberg. Im Zeichen der Kornblumenblüten. Veränderte Neuauflage. Ffm. 2000.

Angebots-Nr. 28.946 / Preis auf Anfrage

„Pedigreebook
ist ein Buch ‚mit Stammbaum‘,
das aus bekanntem ,
Ridinger, Schwarzer Bär
Der große Schwarze Bär

vornehmen Besitz … stammt ,
und
dessen Wanderung
durch die verschiedenen Sammlungen

mit Eifer verfolgt wird “
( und damit ein Überleben in die Tiefe der Zeit )

G. A. E. Bogeng
Einführung in die Bibliophilie
1931 , Seite 187

Das
Frankfurter Ausnahme-Exemplar
von
Ridinger’s
Ridinger, Nashorn
Das seltene Panzernashorn Jungfer Clara
von Ridinger 1748 nach dem Leben gezeichnet

127blätterigen
Koloriertem Thier-Reich

Ridinger, Koloriertes Thierreich (Weinberg-Exemplar)

» A Thing of Beauty is a Joy for Ever «

John Keats

Mit 8 unbeschriebenen Erstzuständen !

Die allein kolorierte Erstausgabe
von

Ridinger’s
Koloriertem Thier-Reich

in einem
rundum absoluten Außerkonkurrenz-Exemplar

vermutlich letzter Ridinger’scher Originalität mit die Merkmale der Regel-Exemplare souverän hinter sich lassenden Besonderheiten . Wo Thienemann bei seinem mühsamen Zusammenstottern eines auch nur nahezu vollständigen Exemplars auf 7 Druck-Varianten stieß , hier denn , auf einen Schlag! , als Haupttreffer deren vierzehn ! Als gut 10% des Ganzen ! Und en passant gleich noch einige Varianten zu Thienemann obendrein .

Dazu eine Bindung von ganz einzigartiger Singularität ,

bemerkenswert überlegt und komfortabel in einem :

zunächst die Zusammenstellung von Text + Tafeln , dann einmündend in eine Leder-Aufbindung , deren Betitelung ihrerseits auf die Ridingers weist . Die das Exemplar solchermaßen ganz offensichtlich für Laufkundschaft erster Kreise auf Lager gehalten hätten . Eigens in Auftrag gegeben , eigens ausgewählt zusamengestellt . Als Bestes vom Besten .

Wie hier schon früher gelegentlich zweier Leder-Exemplare vermutet ,

deren Erwerber zwischen 1777 + 1779 in Augsburg vorgesprochen haben mußte .

Von all dem aber hatte jener frühe Kollege aus etwa letztem Viertel des 19. Jahrhunderts noch gar keine Ahnung, als er dies Exemplar mit

„ ein complettes Exemplar in solcher Erhaltung

complettes Exemplar in solcher Erhaltung noch nie im Handel

ist wohl noch nie in den Handel gekommen “

katalogisierte . Diese fundierte Erst-Provenienz als Auftakt zu nicht minder gewichtigen weiteren !

Literatur

Jan Hendrik Niemeyer

Johann Elias Ridinger im Reiche der Kolorierten Thiere

Entstehung und Vollendung einer Folge

Überarbeitete Neuauflage 2010

– schriften der ridinger handlung niemeyer 22 –

Thienemann 974-1102 + SS. 298 ff.; Schwarz 974-1102 (Bd. I, Taf. XXX + XXXI + Abb. S. 140); Weigel, Kunstkat., Abt. XXVIII, Ridinger-App. 63a (Torso von nur 120 Bll., entsprechend „Vollständige Exemplare sind fast unauffindbar“, 1857); Slg. Coppenrath II 1599 ( „Ausserordentlich seltenes ganz vollständiges Exemplar“, 1889); Reich auf Biehla 206 ( „Ausserodentlich seltenes Werk“, 1 Bl. fehlend, einige Bll. leicht beschädigt, 1894); Slg. Hamminger 1834 („Vorzüglich erhaltenes Exemplar“, 1895) + 1835 (1 Bl. fehlend) sowie drei Torsi (1836 ff.); Helbing, Arbeiten v. J. E. u. M. E. Ridinger (Kat. XXXIV, 1900), 1490 („Komplett äusserst selten“, Tl. II nicht ganz tadelfrei) sowie 1491 f. (Torsi); Schwerdt III, 145 f. (das Explr. D. C. Marjoribanks); Gräflich Faber-Castell 66b (1958; Deckel lose); Hippologische Slg. Sarasin 117 (1999); Nissen, ZBI, 3408; Ebert 19109; Graesse VI, 119-20; Brunet IV, 1299; Rümann, Illustr. Buch, 950; Fürstenberg, Frz. Buch, 128.

Nicht in der reichen schles. R.-Slg. 1885 bei Boerner XXXIX mit lediglich 16 Bll. der Folge (Pos. 1955); R.-Slg. bei Wawra (1890; neben 234 Zeichnungen 600 Graphiken).

Die Kupfer auf dem qualitätvollen holländischen Papier

— „ weil es hierzu das anständigste und beste ist “,

so Ridinger in der Vorrede zu den Hauptfarben der Pferde — mit Wasserzeichen Straßburger Lilie über Wappen (Heawood 73) sowie teils darunter (Heawood 64), teils als Nebenmarke, C & I Honig. Weitere Nebenmarke IV (Jean Villedary). Daneben vereinzelt auch nur typographisch C & I Honig ähnlich Heawood 3346 + 3348. Der Text auf gewöhnlichem Linienpapier mit vereinzelten figürl. (Wappenschild unter Krone?) und typograph. Wzz. – Die 150 Jahre prosperierende Papiermühle Villedary in Angoulême (1668-1758 lt. Churchill, 1935, S. 21) mit seit 1758 Fortführung/Niederlassung (auch) in Hattem/Gelderland erscheint „gelegentlich in Verbindung mit den Namen holländischer Papiermacher“ (Emma Ruffle), wo deren IV/I V u. a. auch als Gegenmarke zu denen von C & I HONIG (etwa 1724/26-1902) erscheint, generell aber auch als Raubmarke mißbraucht wurde wie auch sonstige für erste Qualitäten stehende Marken. „IV“-Papiere wurden in Augsburg auch von Rugendas estimiert.

Vorprovenienzen

Anonymus nach 1856

Katalogausschnitt
Montierter Katalogausschnitt

Dr. Alfred Ritter von Pfeiffer

( 1858 – 1913 )

Dessen Bibliotheksmarke in Golddruck (Lugt 2067a)

Bibliotheksmarke Alfred von Pfeiffer

sowie von Weinberg-Marke überdecktes Exlibris.
Dessen Versteigerung Leipzig Mai 1914, Tl. II, Nr. 92 als
„ Herrliches Exemplar … In dieser Vollständigkeit und Erhaltung von allergrößter Seltenheit “
Württembergischer Bankiersfamilie entstammend und väterlicherseits vorbelastet (Gemälde), wurden Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen + Miniaturen in erster Auktion zusammen mit Slg. Graf Hügel bereits im November 1913 in Wien versteigert.
In den Mai-Auktionen folgten Bibliothek + Kupferstichsammlung nebst Originalskizzenbüchern, die Graphik angeführt von „kostbaren Serien Dürers und Rembrandts“,
Ridinger selbst mit „belle série“ (Lugt) vertreten .

Weinberg-Provenienzen

Ethel Mary ( May ) von Weinberg

( 1866 – 1937 )

Deren Exlibris über dem Ritter von Pfeiffer’s auf dem vorderen Innenspiegel

1938

Städtische Sammlungen Frankfurt am Main

1950

Restituierung

„ … in Anwendung des Gesetzes Nr. 59 der amerikanischen Militärregierung ( Rückerstattungsgesetz ) … “

Siehe Mack, a. a. O., SS. 90 f.

Richard Baron von Szilvinyi

( 1899 – 1966 )

Schwiegersohn Carl’s und May’s von Weinberg

als deren Alleinerbe, nachdem sein und Wera von Weinberg’s († London 1943) Sohn Alexander 1944 deutscherseits an der Westfront hatte fallen dürfen.

1959 Ehrenplakette der Stadt Frankfurt.

Liselotte (Lilo) Baronin von Szilvinyi

( 1910 – 2008 )

geb. von Schnitzler

( Georg August von Schnitzler und Frau Lilly geb. von Mallinckrodt )

als Witwe Richard von Szilvinyi’s in dessen zweiter Ehe.

Der von Lilly von Schnitzler (Köln 1889 – Murnau 1981) und ihrem Mann namentlich in den 1920ern in Frankfurt geführte künstlerische und literarische (Rilke) Salon genoß legendären Ruhm, überhöht gleichwohl von ihrer freundschaftlichen Förderung Max Beckmann’s, den sie zweimal selbst in seinem Amsterdamer Exil besuchte, und der sie seinerseits als eine der fünf Frauen seines 1935er Großen Frauenbildes unsterblich machte. Ihre Beckmann-Sammlung umfaßte 22 Gemälde aus 1924 bis 1949.

Freundschaftliche Sammler-Verbundenheit bestand auch zu Carl von Weinberg und im Zuge der Verbindung ihrer Tochter Lilo mit Richard von Szilvinyi fanden sich schließlich Teile beider großen Sammlungen in deren Hand vereint.

Johann Elias Ridinger, A LionessJohann Elias Ridinger, A Lion of Light Color

Martin Elias und Johann Jacob Ridinger
( Hrsg. )

Das in seiner großen Mannigfaltigkeit und in seinen schönen Farben nach Original-Zeichnungen geschilderte Thier-Reich / Representations des Animaux selon leur grande varieté et leurs belle couleurs suivant des desseins (sic!) originels. 2 Tle. in 1 Bd. (Augsburg, Selbstvlg., 1754 – ca. 1773.) 2° (41 × 29 cm [16⅛ × 11⅜ in]). 20 SS. (frz. Textfassung), 24 SS. (dt.), 1 Bl. Index; 17 SS. (frz.), 20 SS. (dt.), 1 Bl. Index. 2 radierte Titelkupfer in Rötel, Holzschnitt-Bordüre, 5 große figürl. Vignetten (1 gestochene, 4 in Holzschnitt) und

127 kolorierten Kupfer-Tafeln

— hier auch noch meist lasiert —

nach und überwiegend von Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767) selbst, sonst Martin Elias, davon 4 in Gründruck, in Hoch- + 3 Querformaten von ca. 30,4-31,7 × 19,6-21,5 bzw. 21-21,1 × 31-31,6 cm (12-12½ × 7¾-8½ in bzw. 8¼ × 12¼-12½ in). Marmor. Frzbd. d. Zt. (auf 6 Bünden m. rotem Titelschild „Histoire naturelle des Quadru[pedes]“, fleuraler Rücken- + Stehkantenvergoldung sowie marmor. Vorsätzen + Rotschnitt).

Die allein kolorierte Erstausgabe .

Eine zweite, von den oben verkürzten, nunmehr numerierten, mit neuen Untertexten versehenen und teilweise auch sonst veränderten Platten gedruckt und in Schwarz-Weiß belassen, erschien 1824/25. – Die Tafeln zwischen den französischen Text gebunden und diesem nahezu durchgehend jeweils optisch gegenüberstehend; die der jeweiligen Rectoseite zuzuordnenden Tafeln also links, die der Versoseite aber rechts gebunden. Der deutsche Text nebst Indexblättern beiden Teilen jeweils nachgebunden. Als solchermaßen nicht die Regel

in schon besagter bemerkenswert überlegter komfortabler Bindung ,

siehe unten.

Das Titelkupfer von Tl. I mit vollkommen geglätterter Längsfalte und gesamthaft angeschmutzt. 3 Tafeln (ganz) schwach gleichmäßig gebräunt und neben 2 kleinen Wurmgängen in weißem Seitenrand bzw. Feld 6 Tafeln mit praktisch nicht bemerkbarem kleinen bis winzigen, säurefrei hinterlegten Einriß im unteren Bereich des Außenrandes. Die die Seiten 13-16 des 2. Tls. umgebenden 4 Tafeln mit leichtem Textabklatsch. Der Text namentlich im Ober- und Seitenrand tlw. leicht bis etwas stockfleckig, doch nur bei fünf der zwischengebundenen Erläuterungsblätter auch die unmittelbar vorhergehende bzw. anschließende Tafel von fast gar nicht bis schwach betreffend. Der Einband altersentsprechend namentlich an den Kanten etwas beschabt. Die Stehkanten der beiden Unterecken und kleine Fehlstelle im oberen Kapital gänzlich unauffällig restauriert, per letzterem damit auch den sich auf 3,5 cm anschließenden Riß lediglich des Leders am Vorderdeckelgelenk neutralisierend. Letzteres daselbst auch bezüglich des unten 1.5 cm gerissenen Leders ( dito: nicht des Gelenks ! ). Die minimale Fleckigkeit des Rückdeckels lediglich von Patinacharakter. Ein 2blätt. Vorder-Vorsatz von 1816er Whatman-Bögen nach Restauratorbefund eine Zutat späterer Hand. – An den Seiten ca. 2,5-3,5, oben 1-3, unten aber 5,5-7,5 cm breitrandig. – Solchermaßen denn das auf schwerem Bütten gedruckte Tafelwerk als ein rundum

beeindruckend schönes Exemplar

von grosser Frische und leuchtend-sattem Kolorit .

Ridinger, Koloriertes Thierreich / Inhalt Tl. I
Tafelverzeichnis Tl. I (deutsch)

Der französische Text — nach Thienemann von Johann Christoph Thenn, evangelischer Pfarrer an St. Ulrich in Augsburg und Freund Johann Elias Ridingers, „zu welchem er jederzeit eine besondere Liebe truge“ (Vorbericht), dessen Portrait von Gabriel Spitzel (auch Spizel, 1697 Augsburg 1760) der jüngere Sohn Johann Jacob in Schabkunst arbeitete, wie Thienemann gänzlich unbekannt geblieben und derzeit hier in einem Stillfried + Schwarz unbekannt gebliebenen aktualisierenden Zweitzustand aufliegend — zumindest des ersten Teils vor dem lt. Schlußbemerkung zusammen mit dem Index erst im Folgejahr herausgegebenen deutschen erschienen, was zur Vermutung Anlaß geben könnte, hiesige Abfolge der Bindung einschließlich des zwischengebundenen Textes bis hin zu den jeweils en face präsentierten Tafeln

entspräche den Vorstellungen der Ridingers

und einer jedenfalls von ihnen besorgten Interimsbindung .

Dies nicht zuletzt auch gestützt von besagtem Textabklatsch der SS. 13/14 + 15/16 des zweiten Teils als den beiden letzten Tafel-Text-Blöcken als offenbar letztgedruckten vor Heftung + Auslieferung. Einen ganz geringfügigen Abklatsch weist denn auch noch die der frz. Schlußseite 17 gegenüberstehende Versoseite der letzten Tafel auf.

Daß diese unterstellte Interimsheftung gleichwohl das Gesamtwerk und nicht nur dessen ersten Teil oder gar einzelne Lieferungen betrifft, folgt aus dessen sichtlich angeschmutztem Titelkupfer. Weder das des zweiten noch die Eingangsseiten der deutschen Textteile oder irgendeine der anderen Tafeln präsentieren sich auch nur andeutungsweise anders als von großer bis unberührter Frische. Der Interimsheftung entstammen könnte auch das hintere Vorsatzblatt mit seinen Linien + der Marke IB XL (?) als Wz.

Johann Elias Ridinger, An English Dogge and Bear BiterJohann Elias Ridinger, Greyhound and Dachs Hunde

Eines der nur drei

original-kolorierten Ridinger-Werke

(die üblichen Hinweise im Handel auf zwei beruhen auf der Unkenntnis von der Existenz von Exemplaren der zum Kolorieren bestimmten 2. Auflage der Zehn Tafeln Affen, Th. 541-550, die in diesem Zustand weder Thienemann, Weigel, Schwarz, Faber-Castell etc. zu Gesicht gekommen ist, Thienemann indes gleichwohl bekannt war und schönstens hierselbst 1972 durchgelaufen ist)

von sämtlichs allergrößter Seltenheit

aus dem Spätwerk des Meisters und von diesem – wohl mit Ausnahme der ersten, schwarzen Ausgabe der Affen – nur teilweise bzw. nicht mehr selbst veröffentlicht. Hierzu Thienemann :

„ Ridinger, der als grosser Thiermaler, wohl einsahe, dass bei ihnen die Farben nichts Unwesentliches wären, beabsichtigte in seinen späteren Jahren seinen … Arbeiten die Krone aufzusetzen und noch einige

nach der Natur genau und fein colorirte Folgen

erscheinen zu lassen. “

Diese Ausgaben sind von letztgültiger Schönheit und

gehören zum Feinsten vom Feinen

der illuminierten Tierbücher aller Zeiten .

Ihre Auflagenhöhe kann gar nicht klein genug gedacht werden. Und nur sieben Jahre nach Erscheinen hiesiger postumer Komplettausgabe des Thierreichs starb mit Martin Elias der werkvertrautere der beiden Söhne.

Und nach Übergang der Platten auf die Engelbrecht’sche Kunsthandlung spätestens 1821 wurden diese, Thienemann’s Anmerkungen hierzu hin oder her, unreparierbar verstümmelt, um unter auch abgeändertem Titel in den Folgejahren eine den vermeintlichen Anforderungen der Zeit gerecht werdende, tatsächlich aber auch

nie zu Koloritreife gelangte Neuausgabe

zu kreieren. Ein Schicksal, das praktisch allen übrigen der seinerzeit noch rund 800 erhaltenen Platten er spart blieb und – bis hin in Gegensatz auch zu den kolorierten Hauptfarben der Pferde, siehe Folgeabsatz – das Seinige dazu beitrug,

der kolorierten Original-Ausgabe des Thierreichs

für alle Zeiten seine Sonderstellung innerhalb des Œuvre zu sichern .

Das Geschenk der Falschmünzer
oder
Ridinger, Kranich von Oldenburg
Der Kranich
des Oldenburger Grafen Anton Günther

Nach einer Nacherzählung von Isabelle Yeginer auf einer homesite der Stadt Oldenburg, wonach Graf Anton Günther (1583-1667), eines Pferdefreundes von Graden, gelegentlich einer Reise in einem Spukschloß unter Falschmünzer geriet und nur gegen sein Versprechen absoluter Verschwiegenheit mit dem Leben davonkam, beschenkt Jahre später von jenen mit diesem

„ schönsten Pferd , das er je gesehen hatte “.

Das schon Ridinger staunenmachende, gleichwohl im Textvorspann wie folgt belegte Sujet:

„ … die Sache selbst ihre vollkommene Richtigkeit habe, indem uns der berühmte Herr Professor Klein in Danzig selbst solche Vorstellung gütigst mitgetheilet … So viel uns bekannt ist,

hat man dergleichen beynahe noch niemalen gesehen ,

wiewohlen man uns berichtet hat, daß ein dergleichen weißer Schweif von einem Isabellfarben Pferde in dem Naturalien=Cabinet in Dresden (ausgestopft) gezeiget werde (bei späterem Brand vernichtet) und daß zu Florenz sich auch ein dergleichen schwarzes Pferd gefunden habe .“

Mit der Folge, daß trotz der aus heutiger Sicht noch großen zeitlichen Nähe und unbeschadet des Umstandes, daß erst 1830 der zeichnerische Ridinger-Nachlaß auf Weigel als dem Gewährsmann für Thienemann übergegangen war, letzterem bei Abfassung seines Werkverzeichnisses (1856) die kolorierten Werke gar nicht (Affen) oder nur bedingt zu Händen gekommen waren. So wähnte er, 28 der Tafeln der Erstausgabe der Hauptfarben der Pferde zu kennen, bei denen es sich tatsächlich aber um jene 28 „Neu colorirte(n) Exemplare“ der 2. Auflage gehandelt haben dürfte, die bei Weigel unter 62 B figurieren, aber entgegen dessen offensichtlicher Annahme nicht zur nur 40blätterigen Neuausgabe Engelbrecht’s von 1824/25 gehören, die er unter 62 A in Schwarz/Weiß aufführt. Denn Thienemann vermerkt Seite 191 ausdrücklich, daß sich unter jenen 28 (neu)kolorierten Blättern „drei der weggefallenen zehn“ befanden. Und da jenes umfangreiche Neuauflagen-Projekt auch nicht die Zehn Tafeln Affen (Th. 541-550) enthielt, die hier, als Zweitauflage angesprochen, 1972 koloriert durchgelaufen war (vermutlich Explr. Hamminger, doch nicht dessen Katalog-Nr. 1674, da dort nur „meist mit vollem Rand“, ansonsten nirgendwo sonst bislang aufgetaucht), ist derzeit davon auszugehen, daß diese ebenso wie die 28 neukolorierten Hauptfarben-Blätter Weigel 62 B zu Neuauflagen vor spätestens 1821 gehören, um welche Zeit Engelbrecht den Ridinger-Verlag übernahm.

Zum Thierreich selbst äußerte sich Thienemann (1856) wie folgt :

„ Das (Thierreich) ist vollständig wohl nirgends mehr zu finden, vielen Verehrern und Sammlern Ridinger’scher Kunstblätter so gut wie gar nicht bekannt, und nur bei den angestrengtesten Bemühungen ist es uns gelungen, aus ganz verschiedenen Orten diese kostbare Sammlung so ziemlich vollständig – drei ausstehende schließlich noch per Nachtrag SS. 298 ff. – zu erhalten. “

Johann Elias Ridinger, AntelopesJohann Elias Ridinger, Wald=Teuffel (Mandrill)

Das Bisem-Thier (Moschustier, Th. 1004) noch mit der bereits von Thienemann als „ganz unstatthaft“ gerügten französischen Bezeichnung „Civette“. In Übereinstimmung auch mit hiesigem frz. Text + Index – aber eben auch nur dort ! – wurde die Plattenbezeichnung später in „Musc“ berichtigt, wie hier durch das in den 60ern in rheinische Privatsammlung abgebene Benedict Wilhelm-Exemplar belegt.

Korrespondierend mit jenem und einem hier bekannt gewordenen weiteren ist Th. 1040 hier abweichend mit „Tamandua= / Phatagin=“ – so auch bei Schwerdt – überschrieben, indes der Untertext lautet „Ameisen Fresser= Fourmiller= / besonders Schuppichtes Thier= Quogelo= / Familia III. Vierzeegig. & 5-“, wie für den deutschen Teil auch bei Schwarz. Helbing vermerkt euphemistisch lediglich „mit den Angaben Thienemann’s nicht ganz übereinstimmend“, der mit „Myrmecophaga; omnium maxima. Phatagin. / Groester Ameisenfresser. Fourmillier grand. / Familie III. Vierzaehige“ die zwar richtigere, aber eben doch gänzlich andere Bezeichnung zitiert und auch nicht erwähnt, daß anstehende Tafel von Martin Elias gestochen sei. Der Text mithin komplett geändert. Die Zeichnung nicht bei Thienemann + Weigel. Dem Text zufolge ist der Ameisenfresser unter Heranziehung auch Buffons nach Klein gearbeitet und „ziemlich gelungen“ (Th.). Eine von Helbing nicht näher erläuterte Abweichung bei Th. 1056, Sau Rüden etc., hingegen hier nicht belegbar. Alle hier vorgelegenen Exemplare dieses Blattes entsprechen Thienemanns allerdings erst per Nachtrag erfolgter Notierung, wie von Helbing möglicherweise übersehen.

Nachfolgende 7 Blatt schließlich in bislang unbeschriebenem Druckzustand. So

Das Pferd (Th. 975) noch mit „J. Theod. Kleinii Secr. Gedan. 2. (sic!, wie auch anderwärts unten, statt recte des sonst aus der 2 entwickelten Q) D. S. IV.“ oberhalb der Familia-Zeile als Verweis auf Jacob Theodor Kleins (Königsberg 1685 – Danzig 1759, „Gedanensium Plinius“) Quadrupedum dispositio brevisque Historia Naturalis von 1751, wie Thienemann ebenso unbekannt geblieben wie die entsprechenden Kurzreferenzen bei 978 („2. D. S. IV.“), 982 („Q. D. S. IV.“), 983 („Q. D. S. IV.“), 1032 („2. D. S. XIII.“), 1048 („Q. D. S. XXII.“) + 1065 („Q. D. S. XXVIII.“).

Hinzukommen Varianten zum Nashorn 1027 + dem Elefanten 1030, wie so nicht bei Thienemann, siehe nachfolgend.

Doch zuvor die sieben Thienemann in vorgenannter Form bekannten Tafeln 980 („2. D. S. IV.“), 1007 („Q. D. S. IX.“), 1027 („Q. D. S. XI.“), 1029 („2. D. S. XII.“), 1030 („2. D. S. XIII.“), 1034 („Q. D. S. XVI.“) + 1085 („Q. D. S. XXXVIII.“).

Bezüglich vorgenannter beider Varianten ist sowohl bei 1027 als auch bei 1030 Familia ausgeschrieben, bei Thienemann in beiden Fällen hingegen nach dem m abgekürzt, wie etwa bei 1029 explicit nicht. Das Familie statt Familia des letzteren mag ein Druckfehler sein, wie auch die Abkürzungen nicht zum Anlaß weiterer diesbezüglicher Überprüfungen genommen werden sollen. Gewichtiger indes ist bei 1030 zusätzlich, daß anstehendes Exemplar textlich zwar völlig mit Thienemann übereinstimmt, in der Anordnung der Familia-Zeile hingegen von diesem abweicht. Hier nämlich steht diese zwischen dem Klein-Verweis und der Signatur-Zeile, bei Thienemann hingegen unterhalb der letzteren. Angesichts dessen diesbezüglich korrekter Abfolgen bei etwa 1027 + 1029 sollte von einer Druck-Variante ausgegangen werden müssen.

Ridinger, Koloriertes Thierreich / Inhalt Tl. I
Tafelverzeichnis Tl. I (französisch)

Eine Untersuchung weiterer Exemplare sowie Torsi könnte hiesigen 14 Tafeln weitere hinzufügen. Hier einzubeziehen auch der von Thienemann in mehreren unkoloriert gebliebenen Exemplaren gesehene Große Schwarze Bär (Schwarz 526a) mit Klein-Referenz + Familia-Zeile, der tatsächlich der vielleicht wegen der hohen Position des Bären verworfene und für die Folge der Bären Th. 525-528 umgearbeitete Erstzustand von Th. 1079 ist. Ferner möglicherweise auch der Edle Hirsch (Th. 1005), der zwar nur mit „Ridinger fecit.“ – siehe unten – gezeichnet ist, jedoch sowohl bei anstehendem wie auch dem Benedict Wilhelm-Exemplar unterhalb der Familia-Zeile noch Spuren einer mit rund 10 cm Länge allerdings sichtlich längeren Zeile aufweist wie Thienemann unbekannt geblieben oder entgangen.

Das zeitgenössisch gebundene Benedict Wilhelm-Exemplar durchgehend ohne solche Referenzen, wobei der Vergleich zeigt, daß die Zeilen nicht allein gelöscht, sondern die Familia-Zeilen der besseren Optik halber nach oben verschoben – also gleichfalls gelöscht und neu gestochen – wurden. – Der linke Halbbogen des „Q“ wiederholt fehlend und somit als „2“ zu lesen.

Zu bemerken ist, daß besagte Blätter

durchgängig Johann Elias’ vollständige Signatur einschließlich des excudit

aufweisen. Was insofern von besonderem Interesse ist, als es eine genauere Datierung dieser ähnlich den Wundersamsten Hirschen gemeinhin und zu Unrecht als postum angesehenen Folge erlaubt.

Äußerer Ausgangspunkt hier zunächst das Erscheinen von Kleins besagtem 1751er Quadrupedum. Ohne sich ausdrücklich auf dieses zu beziehen und sich gar „der gewöhnlichsten und bekanntesten Eintheilung bedienen (wollend), indem (er) hierinnen nur den besten und geschicktesten Anführern, z. E. dem Herrn P. Klein und Linnäus folgen werde“, wiewohl sich deren Systeme – äußerlich erkennbare Merkmale einerseits, anatomische Untersuchung andererseits – diametral gegenüberstanden und gegenseitig ausschlossen, greift Ridinger namentlich für die von ihm nicht selbst gesehenen ausländischen Tiere „insonderheit (auf) die ungemein schöne Sammlung des Herrn P. Klein aus der Ludolphischen Verlassenschaft“ zurück.

Johann Elias Ridinger, A Bearded Monkey. A Bearded Green MonkeyJohann Elias Ridinger, The noble Stag

Sodann sind von den Thienemann bekannten 132 Zeichnungen zu dieser Folge einschließlich des ersten Titelblattes

die meisten mit 1754 datiert

(8. Mappe, gg, SS. 279 f.), von den 119 Zeichnungen, die noch in Weigels 1869er Nachlaß-Katalog figurieren (Nrn. 659-777), sind es mit 68 die reichliche Hälfte, die wenigen weiteren Datierungen beginnen 1748 und enden bereits 1755. Letzteres denn beispielsweise auch mit der Quellenangabe „ex Collectione L. B. de Zorn. 1755. Gedan.“ der beiden lapländischen Rentiere Th. 1011 f. korrespondierend, die, wenngleich ohne Stechersignatur, an Hand der Ortsbezeichnung gleichfalls Johann Elias zuzuweisen sind; Martin Elias schrieb „Danzig“.

Nur vier Jahre später indes hatte sich mit Kleins Ableben im Februar 1759 – unbeschadet des 1760er postumen Erscheinens der Natürlichen Ordnung und vermehrten Historie der vierfüssigen Thiere – auch dessen System äußerlicher Merkmale letztlich überlebt, das er, beginnend 1743 mit Summa dubiorum circa classes quadrupedum et amphiorum in C. Linnei systemate naturæ, entwickelt hatte:

„ Trotz der genauen, allerdings nur äußerlichen Kenntniß einer Reihe von einzelnen Formen lernte er nie eine große Klasse übersehen, weil ihm die Spezialkenntnisse zu einem eingehenden Studium fehlten. Dennoch hat K. durch die Aufstellung seines Systems der Wissenschaft wesentlichen Nutzen gebracht. Wenn auch viele seiner Zeitgenossen sich anfangs durch dasselbe blenden ließen und beim Mangel jeder genügenden Anordnung, welche zur Orientierung unter den thierischen Formen dienen konnte, dasselbe freudig begrüßten, so konnte man sich auf die Dauer doch der Einsicht nicht verschließen, daß ein System, welches nur auf Aeußerlichkeiten basirte und die natürliche Verwandtschaft unberücksichtigt ließ, wie das Klein’sche System deutlich zeigte, unhaltbar sei. Dadurch geschah es, daß das auf wissenschaftliche Untersuchungen gegründete Linné’sche System schneller Eingang fand, als sonst wohl der Fall gewesen sein würde, und K. bleibt das Verdienst, gegen seinen Willen diesem von ihm so hartnäckig bekämpften System den Weg gebahnt zu haben “

(W. Heß in Allgemeine Deutsche Biographie XVI, 93 f.).

Ridinger, Koloriertes Thierreich / Inhalt Tl. II
Tafelverzeichnis Tl. II (deutsch)

Eine Entwicklung, der sich Ridinger schon rücksichtlich seines wiederholten eigenen Anspruchs, mit seinen Arbeiten auch belehren zu wollen, kaum entziehen konnte und die somit zur Einstellung des Unternehmens führen mußte. Erst die Söhne – und hier sicher vor allem der in erster Linie als Stecher, kaum aber als selbständiger Zeichner hervorgetretene Martin Elias – würden es in einer vervollständigten postumen Ausgabe wieder aufleben lassen. Und dabei

nicht allein auf die vorhandenen Platten zurückgreifen ,

sondern ebenso auf Restbestände seinerzeitiger, noch die Referenzen zu Kleins Quadrupedum oder andere Fehler – siehe obigen Erstzustand des Bisam-Thiers – aufweisende Abdrucke.

Anstehendes Exemplar somit mit

16-17 als meist erste , sonst frühe Zustände der ersten Ausgabe

zu klassifizierenden Tafeln ,

davon 7 erste + 1-2 weitere bislang nicht beschrieben .

Der solchermaßen enge zeitliche Rahmen von 1754/55-1759/60 schließlich korrespondierend mit der väterlichen Ankündigung im undatiert gebliebenen Vorbericht, „alle Jahre 12 (Tafeln) zu liefern“ und

„ An der Fortsetzung darf um so weniger gezweifelt werden, da ich einen Sohn (hier Martin Elias) habe, der auch nach meinem erfolgenden Ableben stark und tüchtig genug ist in meine Fußtapfen einzutreten und mir zu folgen “.

Des letzteren es anstehendenfalls an Hand der Platten-Signaturen noch keineswegs bedurfte. Denn allein

63 Kupfer betreffen eindeutig Johann Elias selbst

(davon zwei zusammen mit Martin Elias’ sculpsit) mit den verschiedensten Abkürzungs-Varianten bzw. ohne solche, doch individueller Schreibweise (2, s. o.: Gedan statt Martin Elias’ Danzig) seiner tatsächlichen künstlerichen und handwerklichen Beteiligung, davon 6 mit ausdrücklichem ad vivum , nach dem Leben-Zusatz ,

gefolgt von starkem 42blättrigen Block , gezeichnet nur mit Ridinger

nebst, bis auf eines, nachfolgendem sculpsit (hat gestochen, 17) , fecit (hat verfertigt, 23) , fec. et excudit (… und herausgegeben/verlegt, 1), wovon auf Grund hier als individuell erkannter Schreibweise – siehe Literaturverweis oben – 25 mit Sicherheit Martin Elias zuzuweisen sind. Hinzu kommen 22 per Signatur für letzteren gesicherte, davon zwei mit väterlichem delineavit, hat gezeichnet. Womit Martin Elias’ Beitrag mindestens 47 Blatt ausmacht.

Vier Blatt schließlich nur mit Quellenangabe, davon schon besagte zwei dem Vater zuordbar.

Das Augsburger Mord-Kamel

Ridinger, Bactrianisches Kamel

von Ridinger „ nach dem Leben …

da es hier in Augspurg zu sehen war gezeichnet “

Die Ridingers im Textvorspann zu anstehendem Blatte :

„ … Ich selbst (wohl Martin Elias) sahe einmal einen lebendigen Dromedar, zu Ende des Februarii, welches eben die Zeit ihrer Brunft ware, der sehr böse ware, so daß ihm sein eigener Führer nicht trauen durfte und ganz behutsam mit ihm umgehen mußte, denn es beisset gerne mit seinen starken Zähnen, oder

knieet auch mit sonderbarer Behendigkeit auf den Menschen ,

oder suchet ihn an die Wand hinzudrücken. Unser seliger Vater hatte Gelegenheit … Dann  da  er  solches  abzeichnete , so wurde dieses Thier über seinen Herrn so erzürnet, weil er es mit öfterm niederknieen zu viel auf einmal ermüdete, daß es, nachdem er solches an seinen gehörigen Ort und in dem Verschlag zur Ruhe bringen und anbinden wollte,

auf ihn hinknieete und ihn drückte ,

daß er, wie man sagt, schwarz und blau wurde und nicht mehr schreyen konnte. Unser seliger Vater, der nur allein bey ihm ware, nahme hierauf eine ohngefähr daselbst befindliche Stange und stieße damit das Thier von hinten zu an das Gemächte, worauf es endlich seinen Führer loßließe

und er noch gerettet wurde . ”

Hiesige Bindung auch hinsichtlich nachgereichter versprochener Darstellungen generell dem Text folgend, ohne indes bei mehrblättrigen Gruppen in jedem Falle auch dessen innere Reihenfolge zu übernehmen. Lediglich See Hund und See=Kalb – die französische Bezeichnung Veau Marin ohnedies identisch – gegenüber dem Text untereinander vertauscht:

Th. 974 (Titel Tl. I) – 975 – 977 – 976 – 984 – 983 – 981 – 982 – 979 – 978 – 980 – 1012 – 1011 – 1013 – 1014 – 1002 – 1005 – 1006 – 1007 – 1008 – 1010 – 1009 – 1017 – 1018 – 1016 – 1015 – 1019 – 1001 – 1003 – 1004 – 1020 – 1021 – 1022 – 999 – 1000 – 997 – 996 – 993 – 992 – 994 – 995 – 998 – 1024 – 1023 – 1026 – 1025 – 989 – 986 – 985 – 988 – 987 – 990 – 991 – 1036 – 1034 – 1035 – 1037 – 1038 – 1027 – 1028 – 1029 – 1031 – 1030 – 1032;

Ridinger, Koloriertes Thierreich (Titel II)

1033 (Titel Tl. 2) – 1039 – 1041 – 1040 – 1042 – 1043 – 1044 – 1045 – 1046 – 1049 – 1051 – 1048 – 1047 – 1053 – 1054 – 1052 – 1061 – 1059 – 1057 – 1058 – 1060 – 1055 – 1056 – 1062 – 1064 – 1063 – 1067 – 1050 – 1066 – 1065 – 1069 – 1068 – 1070 – 1073 – 1072 – 1075 – 1071 (ohne Familia-Zeile, so auch bei B. W.) – 1074 – 1078 – 1077 – 1076 – 1080 – 1079 – 1081 – 1082 – 1083 – 1085 – 1084 – 1089 – 1093 – 1090 – 1092 – 1088 – 1087 – 1086 – 1091 – 1095 – 1094 – 1096 – 1099 – 1097 – 1098 – 1100 (wie 1071) – 1101 – 1102.

Mit wenigen eher marginalen Abweichungen entspricht diese Abfolge der des Benedict Wilhelm-Exemplars und trotz einiger sichtbarer weiterer Abweichungen auch dem Marjoribanks-Schwerdt-Exemplar.

Hauptgruppe des Ganzen

mit 17 Kupfern die internationalen Hirsche (14)

als des Meister’s Favoriten + Rehe (3) ,

gefolgt von den Hunden (7) + Affen/Meerkatzen/Faultier (11) als jener Specie, die „Künstler seit jeher fasziniert“ hat (Wolfgang Stechow, Pieter Bruegel, Köln 1977, Seite 76).

Ridinger, Koloriertes Thierreich / Inhalt Tl. II
Tafelverzeichnis Tl. II (französisch)

Résumé

Väterlicherseits konzipiert , begonnen und weit vorangetrieben – 41 seiner eindeutigen Signaturen mit dem ausdrücklichen Verleger/Herausgeberkürzel excudit stehen nur 5 entsprechende des Sohnes und 1 indifferente gegenüber , die größere Hälfte diesbezüglich aussagelos bleibend – als

„ einen kleinen Beytrag zu der Naturgeschichte und zu einer genauern Einsicht und Erkänntniß derselben, wenigstens in Absicht auf das Thierreich zu liefern. Dann ob gleich hierinnen schon so vieles gethan und untersuchet worden ist, so findet sich doch noch sehr vieles nachzuholen … “

und seitens der Söhne mit dem adäquaten Vorbehalt vollendet,

„ da unsere Absicht hier eigentlich nur diese ist , dem Liebhaber

gute Abbildungen der Thiere in die Hände zu liefern ,

nicht aber eine Naturgeschichte derselben zu schreiben. Wir gehen also ohne weitern Anstand zu der Beschreibung der Kupfer selbst fort “

(Seite 15 gelegentlich des Hirschen), so folgen sie doch eben auch mit letzterem dem Vater in seiner schon besagten Absicht, auch textlich so kurz und prägnant wie angenehm lesbar zu unterrichten. Mit dem Ergebnis eines

Kolorierten Thierreichs letzter Schönheit

Dargeboten in einem seinerseits seinesgleichen suchenden Exemplar , gehöht zudem von ebenbürtigen , mit May von Weinberg gar einzigartig ambientereichen Provenienzen . Dessen vorläufig hier nicht zu entschlüsselnde wohl früheste ein verso des vorderen Vorsatzes montierter Katalogausschnitt dokumentiert :

„ … Es ist dies das gesuchteste und seltenste Werk Ridinger’s in erster Ausgabe mit breitem Rand , dabei in tadelloser Frische und bester Erhaltung ,

ein complettes Exemplar in solcher Erhaltung

ist wohl noch nie in den Handel gekommen .

Thienemann , der  nie  ein  vollständiges  Exemplar  gesehen , schreibt darüber (pag. 199) : … “

Ridinger, Koloriertes Thierreich (Weinberg-Exemplar)

Wobei oben bereits namentlich auch dessen hochinteressante Bindung erörtert, der Einband selbst indes nur nüchtern beschrieben wurde. So sei zu letzterem ergänzend hier angemerkt, daß

das Vorkommen

des Kolorierten Thier=Reichs

in

zeitgenössischer Ganzleder-Bindung

als

crème de la crème

innen wie außen

wie hier

eine gar nicht hoch genug zu würdigende Trouvaille ist .

Wo immer uns ein Exemplar begegnet, in den alten Beständen, am Markt der letzten Jahrzehnte, die Regel ist allenfalls Halbleder der Zeit, meist nur 19. Jahrhundert und späteres Leder. Nicht ausgenommen Schwerdt’s Marjoribanks-Exemplar in seinem grünen Maroquin – des 19. Jahrhunderts. Nicht umsonst eben vereinte Dudley Coutts Marjoribanks, 1st Baron Tweedmouth, später Lord T. (1820-1894), seine reiche Ridingeriana-Sammlung möglichst in historischen Einbänden, eben den legendären Marjoribanks-Folios in ihrem roten französischen Maroquin des 18. Jahrhunderts, wie auch hier in den 1990ern durchgelaufen.

Es war ganz offensichtlich der Gesamteindruck anstehenden Exemplars, der zu vorgenanntem résumé des Katalogausschnitts aus wohl den ersten Jahrzehnten nach Thienemann führte. Ein Eindruck, der sich hierselbst bei Vorlage wiederholte und den Händler aus seiner 60jährigen Begegnung mit Kostbarkeiten heraus zu sich sagen ließ —

was für ein Exemplar !

Beeindruckend . Rundum .

Ganz so ,

wie über ihr Leben hinaus

May von Weinberg ,

15. Dezember 1866

May von Weinberg / Grabstein

21. Januar 1937

Frankfurt’s Grande Dame , als

königlich

auch in ihren Ansprüchen .

BEILIEGT: Ernst Mack. Die Frankfurter Familie von Weinberg. Im Zeichen der Kornblumenblüten. Veränderte Neuauflage. Ffm. 2000.

Angebots-Nr. 16.023 / Preis auf Anfrage

Jan Hendrik Niemeyer

Ridinger, Menschenaffen/Gibbons

Johann Elias Ridinger
im
Reiche der Kolorierten Thiere

Entstehung und Vollendung einer Folge

4° (30 × 20,5 cm [11¾ × 8⅛ in]), 36 Seiten, 14 teils farbige Abbildungen. Geheftet.

Anforderung unter Kenn-Nr. 16.113
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“ ich habe kuerzlich Ihre web site über die Rugendasfamilie gefunden, welche ich von grosser inhaltlicher Qualität und Interesse finde … ”

(Señ. G. E., 19. Dezember 2003)