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johann elias ridinger

zum 15. 2. 2018
als dem 320. Geburtstag

Johann Elias Ridinger, Signatur
Augspurg 21. Junÿ 1765

Werk-Résumé

Johann Elias Ridinger Pictor et Scalptor Augustanus
IOH. ELIAS RIDINGER
Pictor et Scalptor Augustanus mit Pinsel + Palette
Schabkunstblatt des Ridinger-Schülers Johann Jacob Haid nach Johann Gg. Bergmüller.
39,7 × 26,6 cm (15⅝ × 10½ in) mit selten schöner Beethoven–Provenienz-Geschichte

» ›pionierhaftes Schaffen‹ «

» R.s Wirkungs-Geschichte ist eminent .

Schon zu Lebzeiten wird er häufig kopiert .

Europaweit

dienen seine Tier-Darstellungen als Vorlagen für Öl-Gemälde, Wandfresken … Porzellanmalerei und -gruppen … Fliesen- und Glasmalerei.

Ein Schlüsselbild seiner physikotheologischen bzw. natur-philosophischen Grundhaltung ist das Abendblatt aus der Serie der Vier Tageszeiten der Hirsche … die in den Anblick des abendlichen Sternenhimmels versunken sind, was als Beweis für R.s Überzeugung zu werten ist, dass die Natur eine Offenbarung der Weisheit, Allmacht und Güte Gottes sei. Niemeyer (2015) attestiert R. ›pionierhaftes Schaffen‹. Spickernagel (2016) untersucht R.s Werke im Kontext der aus dem Protestantismus entstehenden Physikotheologie sowie R.s Bildmittel für die Visualisierung von Bewegung …

Unter den Abnormitäten aus dem Tierreich ragen der Fuchs mit zwei Schwänzen (1744) und die Zwei am Kopf zusammengewachsenen Hasen (1765) heraus, beide Stiche sind bis heute für die wissenschaftliche Geschichte der Veterinärmedizin von Belang …

(Seine) dramatisch inszenierten Landschafts-Kulissen
im Stil der Niederländer des 17. Jahrhunderts «

U. Heise
in Allgemeines Künstler-Lexikon, Bd. 98 (2017), SS. 472 f.

Literaturunbekannter
Altersbrief

an
Johann Elias Ridinger, Brief an Johann Georg Wille
Johann Georg Wille
Biebertal bei Gießen 1715 – Paris 1808
Zeichner + Graphiker , Händler + Sammler
» (H)eimlicher Vertreter deutscher Kultur in Frankreich «
stehend für
» Ein europäisches Netz von Verbindungen «
Décultot et al., a. a. O., Seiten 1 + 13

als
Werkrésumé
&
Charakterbild

Provenienz

Theodor Oswald Weigel

Leipzig 1812 – Hosterwitz/Pillnitz 1881

» Auch das Werk
Autographen-Prachtalbum
(1848-49)
ging aus der berühmten W’schen Slg. hervor «

E. + R. Kistner , Nürnberg

Hans Dedi

Basel 1918 – Fürth 2016

» Der Brief wurde den 13.4.1983 bei Kistner erworben ,
er ist
von einem Nachfahren Weigels ,
der in Kanada lebt , verkauft worden mit einer
Reihe von Zeichnungen und Stichen Ridingers «

Johann Elias Ridinger

Ulm 1698 – Augsburg 1767

Johann Elias Ridinger, Eigenh. Brief an Johann Georg Wille

Eigenhändiger Brief in Bister mit Unterschrift

an Johann Georg Wille in Paris.

Augsburg 21. Juni 1765. 230 × 186 mm. 3 Seiten zuzüglich
Anschriftseite auf Doppelbogen.

Feingeripptes Büttenpapier entsprechend den von Ridinger für die späten illuminierten Folgen der Hauptfarben der Pferde und des Kolorierten Thier=Reichs verwandten holländischen Papieren mit Wasserzeichen Gekrönter Schild mit Posthorn an Schnur nach heraldisch rechts und darunterhängendem Bienenkorb, darunter zweikonturig „C & I Honig“ (vgl. Heawood 2747 f. [? Holland after 1727 bzw. England] und Wasserzeichenkatalog SLUB Dresden, W-DI-854 [1744; ohne Abb.]).

Wasserzeichen Gekrönter Schild mit Posthorn an Schnur (C & I Honig)

Fehlend in Décultot, Espagne, Werner (Hrsg.), Johann Georg Wille / Briefwechsel, Tübingen 1999, denen aus wohl zwanzig Jahren anhaltender Korrespondenz lediglich vier Briefe zuzüglich eines der Söhne bekannt geworden sind.

Ridinger-Autographe sind generell von großer Seltenheit .

So lassen sich hiesigerseits neben anstehendem lediglich drei Briefe Ridinger’s am Markt nachweisen, von denen einer Mitte der 50er in öffentliche Sammlung ging (Décultot 8), während die beiden anderen – eine wegen Änderung der Reiseroute des Überbringers offenbar verzögerte Zahlung betreffend – Anfang der 80er im deutschen Handel figurierten, deren einer erneut nochmal Anfang der 2000er.

Die dreiseitige Ausführung mit der Anschrift auf der vierten in Einklang mit dem generellen Befund (Décultot et al., S. 14):

„ Die durchschnittliche Brieflänge betrug vier Seiten ,

wobei die vierte Seite oft als Kuvert diente. “

Am Oberrand letzterer rotes Siegel mit Portraitbüste nach links als hier bislang

nicht nachgewiesene

Johann Elias Ridinger, Siegel (Portraitbüste)

Eigenbild-Marke Ridinger’s

auf der Anschriftenseite (15 × 20 mm mit korrespondierendem halbgroßen Ausriß am Unterrand. – Innerhalb der Anschrift schwacher Stempel „d’ALLEMAGNE“. – Jeweils zwei geglättete Längs- und Querfalten der ursprünglichen Brieffaltung. – An der weißen Bugfalte der ersten Seite oben und unten schmaler Klebstreifenrest, rückseits auf der Anschriftseite ebda. Spuren bzw. Reste eines braunen Klebestreifens, der schwach auf den weißen Rand von S. 3 durchlägt.

Flüssig und gut lesbar geschriebener, auch vereinzelte Streichungen aufweisender, ebenso

inhalts- wie umfangreicher Altersbrief Ridinger‘s

als möglicherweise zugleich letztem an den seit 1736 in Paris ansässigen Johann Georg Wille (Obermühle im Biebertal bei Gießen 1715 – Paris 1808) als dem „heimliche(n) Vertreter deutscher Kultur in Frankreich … im Zentrum eines weitverzweigten Kommunikationsnetzes“ (Décultot et al., a. a. O., SS. 1 + 13 f.):

„ Die Beziehung zur deutschen Heimat hat W. zeitlebens aufrecht erhalten. Wie die deutschen Reisenden in Paris (neben Fürsten u. Aristokraten auch Künstler u. Gelehrte wie Mengs, Gluck, Herder) nicht versäumten, sein Atelier aufzusuchen, so

unterhielt er auch einen deutschen Briefwechsel

… der sein Interesse an deutscher Literatur bezeugt. Er tauschte mit Wieland u. Klopstock seine Stiche gegen Bücher; seine Schätzung Goethes wurde durch das Lob der ‚Väterlichen Ermahnung‘ in den ‚Wahlverwandtschaften‘ … erwidert … W.s in französ. Sprache von 1759 bis 1793 … geführtes ‚Journal‘ … registriert … auch Korrespondenzen … “

(Thieme-Becker XXXVI [1947], 11 f.).

Die Verbindung Ridinger’s zu Wille bestand seit spätestens 1746. So gehört denn auch Ridinger’s Brief vom 12. Feb. 1747, in dem er Bezug nimmt sowohl auf einen Brief Willes vom 3. Jan. ds. Js. als auch einen früheren eigenen, zu den allerfrühesten bei Décultot et al. überhaupt. Und obwohl Décultot nur drei weitere aus den Jahren 1748, 1761 + 1762 bekannt geworden sind, muß die Verbindung regelmäßiger und enger gewesen sein, wie auch Verweise auf Früheres erkennen lassen. Und unmittelbar nach Ableben des Vaters schreiben die Söhne Martin Elias und Johann Jacob bereits am 12. April 1767 an Wille:

„ … ich weiß wie viele Achtung Sie für den Teuschen aufrichtigen Ridinger … getragen haben … verbindet mich Dero schätzbahre Gunst und Geneigtheit so Selbige für meinen herrn Vatter getragen, es Ihnen so bald zu überschreiben … “

(Décultot et al., a. a. O., 394 f.). Wille erwiderte denn auch umgehend am 20. April.

Hier nun zunächst dankend für eine via dem Augsburger Kupferstichhändler Schrapp/Schropp erhaltene Arbeit Willes, revanchiert Ridinger sich mit zwei Zeichnungen aus seiner Sammlung, zugleich eine wohl eigene als Künftiges versprechend. Wobei entsprechend den unsicheren Post- und Transportverhältnissen geschuldetem Usus Brief + Beilagen – „Diese und noch ein Rölligen von Mr. (Georg Christoph) Kilian“ – wiederum nicht unmittelbar an Wille, sondern per Ridinger’s Geschäftspartner in Paris, den Kunsthändler Gilles Rosselin, erfolgen.

Johann Elias Ridinger, Eigenh. Brief an Johann Georg Wille

Von größerem Interesse indes Ridinger’s eingeschobene

Bemerkungen zum Stand der Künste in Deutschland ,

insbesondere im Vergleich zu Willes Wahlheimat Frankreich:

„ Gewiss es fehlet unseren wackeren Deutschen zumal der Noblesse nicht an Verstand und willen wohl aber an dem Genie wegen ermanglung der Leuthe so sie in früher jugend zu einer gründlichen einsicht der Kunst anführen könten, da es fehlet dem grösten theil derselben das sie selbst nichts davon wissen, wan(n) ich

meine wenige aber gründliche einsicht

ausfuhren solte müste ich einen ganzen Comendarum darüber schreiben und alsdann were dersebe erst geschriben und noch wen(i)g damit aus gerichtet seÿn.

„ Sie haben also eine glückliche wahl getroffen

das Sie in einem Lande zu leben sich entschlossen

darinn in disem Punkt eine weit grössere Heiterkeit herschet. doch es ist nichts weiters zu thun als das jeder mit seinen Schicksalen die ihme die vorsehung bestimt zu frieden seÿe. “

So schreibt denn auch Johann Caspar Füssli (1706 Zürich 1782) am 12. Juli 1772 an Wille – Zitat nach Décultot et al., S. 499 –

„ … und seiet dem ich Ridinger verlohren, finde ich keinen deütschen freünd der sich um die Kunst bekümmert.

Wenig Eifer , keine Talente ,
nichts als arbeit um Brod ist izo der herrschende Geschmack. “

» Leute von armseliger Einsicht

können allein behaupten ,

daß die Künste nur zur Anmuth und dem Zeitvertreibe da wären .

Wir kennen Nationen ,

bey denen dieses kein Mensch fast mehr

zu behaupten sich gelüstet «

Johann Georg Wille

an

Christian Ludwig von Hagedorn ,

8. Februar 1764 ,

zitiert nach Décultot et al., a. a. O., Seite 315

Außerordentlich aufschlußreich für Ridinger’s Werk wie Charakter

schließlich die Passage zu der von dem schon erwähnten Freund, Mezzotintokünstler und Künstlerbiographen Georg Christoph Kilian (1709 Augsburg 1781) verfaßten und ohne Wissen und Zustimmung Ridinger’s offenbar abschriftlich an Wille gesandten Biographie:

„ beÿ der erwähnung Mr. Kilian als meinem Guthen Freunde muss ich ich im vertrauen mich über ihne in etwas beschwehren da er meine Lebens um Stände wie ich glaube aus recht guther meinung aber ohne mein wissen an Sie gesant, ich aber sie in manchen dingen als ich sie durch gelesen allzuviel übertrieben gefunden so ersuch ich Sie ohne meine correction nicht von handen kommen zu lassen, bis von mir das übertriebene ausgemustert worden dise Gefæligkeit bitte ich mir von Ihnen als meinem besten u: wahren Freunde ergebenst aus, und Sie werden mir darunter besonderen Favor erweisen wan(n) Sie es in geheim beÿ sich ligen lassen. “

So findet sich denn auch am Rande einer mit dem Zeichnungsnachlaß in den Besitz von Rudolf Weigel in Leipzig gelangten weiteren Abschrift dieser Biographie Ridinger’s von den Söhnen bei Abdruck im Vorspann zum Kolorierten Thier-Reich indes nur teilweise befolgte Anmerkung von November 1764

„ dise passage mag gantz weg bleiben , weil sie vor mich viel zu hoch ist .“

Entsprechend denn auch fortfahrend in hiesigem Brief an Wille, zugleich die (Tier-)Maler François Desportes, Jean-Baptiste Oudry, Frans Snyders, Jan Fyt und Carl Ruthart als neben Adam Frans van der Meulen, Parrocel und weiteren seine Vorbilder benennend:

„ Herr Kilian hat mich über Mænner gestellet Deren Verdienste ungemein grösser als die Meinigen seÿn wenigstens ersuche ich Sie angelendlichst die passage weg zu lassen | vz. Wo er schreibt _ Eines Künstlers welchen Italien Franckreich und Deutschland _ _ _ auf solche arth nicht aufweisen können |

Johann Elias Ridinger: welche ich alle mir vor meine Meistere vorstelle

würden dise Vögel nicht wider meinen willen und mir zu frühe

aus dem neste geflogen seÿn ich würde sie nicht nur im neste erstickt

sonderen gantz vertilget haben

dises aber sage ich allein meinem Freunde ins ohr, Herr Kilian meinte zwar vor mich guth aber überlegte nicht das er mir Hass erregen würde ich kenne von ihren Landes Leuthen einen Desporte Parocel ourdÿ vander Meulen, einen Fr: Scheiers, Füt Ruthart etc: noch viel mehrere welche ich alle mir vor meine Meistere vorstelle und dises ist nicht gesagt nein ich bin es überzeugt und ich bitte das Sie meiner bitte mich gewehren werden möchten. “

Bezeichnend für Ridinger’s Selbstverständnis als Künstler

die Nennung von ausschließlich Malern als seinen Vorbildern, wie er denn bereits 18 Jahre zuvor an Wille schreibt:

„ … so wird es mir grossen vergnüegen geben zu mahlen wann meine geringe arbeit von denen spirituosen Geisteren derer Herren Franzosen nur in etwas günstig angesehen wird, vertretten sie meine Stelle und bedeuten ihnen das ich nicht als ein Virtuose im Graviren

sonderen als ein Mahler arbeite …

Ich bethaure das ich im Kupfer dahin noch nicht gelangen können wozu ich im Zeichnen gekommen bin Doch suche ich was ich thue mit Mahlerhaftem verstande zu thun … “

(12. Februar 1747, zitiert nach Décultot et al., a. a. O., S. 72).

» Seine malerische Nadel

drückte Haare und Pelz meisterhaft aus … «

G. K. Nagler

Neues allgemeines Künstler-Lexikon, Bd. XIII (1843), 161

Ridinger’s Entwicklung als Kupferstecher und Radierer hatte Wolf Stubbe schon 1966 an Hand eines Vergleichs der Lichtführung als Mittel der Strukturierung und Dramatisierung in Blättern der frühen Fürstenjagdlust (1729) und u. a. der Par force Jagd des Hirschen aus den 1750ern herausgearbeitet und zugleich auf die unterschiedliche Behandlung der glatten Decke des Rotwilds und des zottigen Pelzes eines Bären, aber auch von Felsformationen hingewiesen. Daß sich gerade in solchen Partien gerne auf den ersten Blick Original, Werkstattarbeit oder gar Kopie offenbaren, sei

für den auch und gerade im Kupfer als Maler denkenden Ridinger

nur am Rande erwähnt.

In jüngerer Zeit erweiterte Ellen Spickernagel diesen Aspekt um eine Betrachtung der Landschaftsgestaltung — „vor dramatisch inszenierten Landschafts-Kulissen im Stil der Niederländer des 17. Jahrhunderts“, so auch U. Heise 2017 im Allgemeinen Künstlerlexikon — und führt den Kupferstecher und Radierer Ridinger unübersehbar auf den Maler und vor allem seine Vorbilder zurück:

„ … anspruchsvollere Kompositionen in der verfeinerten Technik von Radierung und Kupferstich, mit der eine differenziertere Darstellung von Licht, Bewegung und Stofflichkeit zu erreichen war. Er verband damit

die Adaption niederländischer Landschaftskunst des 17. Jahrhunderts …

Sie stellte im Stil des Realismus vielfältige Landschaftstypen zur Verfügung … Bei Jan Breughel d. Ä., Gillis van Coninxloo (III), Abraham Govaerts und vielen anderen Malern waren die dichten, dämmrigen Waldinterieurs … vorgegeben. “

Und obschon ausschließlich auf den Kupferstecher und Radierer Ridinger bezogen, sei abschließend an Wolf Stubbes Bemerken hinsichtlich eines Blattes der Folge der Par force Jagd des Hirschen erinnert:

„ Es gehört sehr viel künstlerische Intelligenz dazu ,

diese ebenso zarte wie belebende Lichtwirkung zu erreichen. Mit ihr, wenn er es zu handhaben weiß, besitzt der Kupferstecher ein entscheidendes Mittel für einen der wesentlichsten Effekte, den die Kupferstichkunst überhaupt erreichen kann “

(Wolf Stubbe, Johann Elias Ridinger, Hbg./Bln. 1966, S. 16).

» Ich bethaure das ich im Kupfer dahin noch nicht gelangen können
wozu ich im Zeichnen gekommen bin
Doch suche ich was ich thue mit Mahlerhaftem verstande zu thun … «

Johann Elias Ridinger, Der Wolf in der Grube zu fangen
Der Wolff in der Grube zu fangen mit dem Schafe. Lavierte Tuschpinsel- und Bister-Federzeichnung. Ca. 1729. Rückseits mit Graphit hs. bezeichnet wie vor. 292-295 × 422-423 mm.

» Federzeichnung(en) mit Tusche und (Bister)
vorzüglich in Wirkung gebracht «

Ganz im Einklang mit seinem künstlerischen Selbstverständnis denn auch die Titelblätter zu den verschiedensten Folgen, beginnend mit den 1728er Neue(n) Thier Reis Büchl und den Unterschiedliche(n) Vorstellungen einiger aus dem Alterthum zur Historie dienlichen Figuren sowie der Fürstenjagdlust von 1729 als frühesten nun auch von ihm selbst herausgegebenen Folgen, auf denen er ebenso wie bei dem Entwurf einiger Thiere (1738-40), der Abbildung der Jagtbaren Thiere mit derselben angefügten Fährten und Spuhren (1740), den Fabeln von 1744, dem Entwurf einiger Pferde (und Maul-Thiere) (1754/5), zeichnet als

Johann Elias Ridinger , Mahler(n) in Augspurg .

Erst mit Ernennung zum evangelischen Akademiedirektor 1759 erscheint der zudem um ein „auch der Augspurgischen Academie Directori“ ergänzte Zusatz „und Kupferstecher“. So bei der Vorstellung und Beschreibung derer Schul und Campagne Pferden (1760) und den Von verschidenen Arthen der Hunden behæzte Jagtbare Thiere des Folgejahrs wie auch den Römisch- als Griechische(n) Kriegs-Leuthen und fortgeführt von den Söhnen in den postumen Titelblättern zu den Wundersamsten Hirschen sowohl als anderer besonderlicher Thiere und dem ersten Teil des kolorierten Thier-Reichs. Wie denn Johann Jacob auch das postume 1767er Altersportrait des Vaters am Zeichentisch im Fenster des Ateliers als dem wichtigsten der Portraits des Meisters mit „Jean Elie Ridinger Peintre et Graveur et Directeur de l’Académie d’Augsbourg“ bezeichnete.

Jean Elie Ridinger Peintre et Graveur et Directeur de l’Académie d’Augsbourg
Das wichtigste Portrait des Meisters: Peintre et Graveur et Directeur de l’Académie d’Augsbourg (Ausschnitt)

Anstehender , solchermaßen denn nur als ein Marktereignis der Extraklasse zu wertender

literaturunbekannter Altersbrief

mithin also auch ein Blick zurück auf mehr als 50 Jahre künstlerischen Schaffens und schlichtweg

Werkrésumé + Charakterbild in einem:

„ (D)ie künstlerische Gesamterscheinung Ridingers (hat) eigentlich nichts von einem ‚Augsburger‘ Künstler … es (ist) für Ridinger selbstverständlich, daß (sein Werk) in Folgen erscheinen soll, daß es lehrhaft sein dürfe und daß man das Gemeinte … dem Betrachter nachdrücklich ins reflektierende Bewußtsein bringen müsse. In diesen, seine eigentlichen bildnerischen Erfindungen nicht berührenden, Zügen ist Ridinger Augsburger, im übrigen haben seine graphischen Arbeiten kaum etwas gemein mit den dekorativ-ornamentalen Kupferstichen aus den Werkstätten der Nachbarschaft … daß er ein Tiergestalter sui generis gewesen ist,

dessen – wirklich einzige – Art von keinem anderen Künstler

auch nur ähnlich wieder erfüllt worden ist “

so zweihundert Jahre später Wolf Stubbe als 18. wie 20. Jahrhundert gleichermaßen verbundener früherer Direktor der Hamburger Kunsthalle (a. a. O., SS. 10, 11, 13). Und damit bestätigend, was Kilian schon in seiner Biographie schrieb:

„ Wer diese (Werke) nur mit flüchtigen Augen angesehen hat, der wird sich gewiss nicht entbrechen können ihm den Namen eines grossen Künstlers beyzulegen, eines Künstlers, dergleichen Italien, Frankreich und Deutschland sowohl als die Niederlande

in dieser seiner ganz eigenen Sache der Thier- Pferd- und Jagdstücke

bishero noch nicht haben aufweisen können. “

Und im Manuskript wie dem sonst generell gestrafften Abdruck noch zu Ridinger’s Lebzeiten in der Neuen Bibliothek … der freyen Künste fortfahrend mit der vom Meister – siehe oben – gerügten Passage

„ (D)er irrige Schluß fällt also auch in Herrn Riedingers Person weg, wenn man glaubt, es könne kein Künstler groß werden wenn er nicht in Italien studiret habe, und man kann mit Recht auch auf ihn anwenden, was unser vortrefflicher Landsmann in Paris, Herr Wille, in seinem Briefe an Herrn Fuißli in Zürch schreibt: ‚Ich bewundere Sie mehr, da Sie es (Italien) nicht gesehen haben, und so groß geworden sind, als ich sie bewundern würde, wenn Sie es gesehen hätten, und größer geworden wären; die Schwürigkeiten, welche sie in ihrem Vaterlande angetroffen, überwiegen die Schwürigkeiten der römischen Maler unendlich.‘ “

(Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste, II, 1, Lpz. 1766, S. 142).

Johann Elias Ridinger, Eigenh. Brief an Johann Georg Wille

Und in Einklang mit seiner entsprechenden Aussage und Bitte an Wille in anstehendem Brief wie auch der oben zitierten Randanmerkung zu vorstehender Passage fügte Ridinger im Anschreiben zum durchgesehenen Manuskript der Kilianschen Biographie am 12 November 1764 an:

„ Werthester Freund, Ehrlicher Mann. Ich bin über angeführte Tücke dess so genant falschen und blinden Glückes hinauss, und ich wünsche dass Sie diese Sache gar nicht berühren möchten, es gehet mir wie dem Barsilai, ‚Was ist es doch, dass ich noch zu leben habe?‘ und ich bin besorgt dass es Ihnen Verdruss und mir Neid machen möchte, aber halten Sie mir meine Sorge zu gut. Sie nehmen diese Beschreibung zur Verantwortung über sich! Sehen Sie zu, wie Sie es verantworten! “

Somit aber in allem Kilians auch seitens der Söhne übernommene Charakterisierung

„ Prangt also gleich sein Name nicht mit vielen Ehrentiteln,

nach welchen er niemals gestrebet “

durchaus auch in Hinblick auf die beiden einzigen und erst in späten Jahren innegehabten Ehrenämter – 1757 Assessor am Evangel. Ehegericht, 1759 Direktor der Stadtakademie – bestätigend. Wie denn auch Johann Caspar Füssli (1706 Zürich 1782) per Brief vom 1. Dezember 1758 Wille klagte:

„ Ich gehe mit meinen gedanken in die Nacht der deütschen Geister, aber mein auge ist hülflos … und wie könte es seÿn, da

meine Zu unehrgeizigen freünde Ridinger

und Haide Selbst, mir nicht mehr antworten, um mein Bombardement aus Zu weichen … “

(Décultot et al., a. a. O., SS. 185 f.).

Angebots-Nr. 16.215 / Preis auf Anfrage

— Zitat-Fettsatz , -Zentrierung , -Sperrung meist nicht im Original —

Johann Elias Ridinger

» … einer der hervorragendsten

deutschen Graphik-Künstler aus XVIII Jh. …

Dieser Künstler

wurde in der Vergangenheit einigermaßen verkannt ,

aber sein Rang in der Kunstgeschichte

wird mit der Zeit immer höher «

Alojzy Oborny

Direktor des Nationalmuseums in Kielce

im noblen polnisch-deutschen Ausstellungskatalog

zur großen polnischen Ridinger-Wander-Ausstellung 1997/98

am Vorabend des 300. Geburtstages

Und 2002
wird von den Meininger Museen
mit einer 10wöchigen Ridinger-Ausstellung
auf Schloß Elisabethenburg

» ein ziemlich intensives Schlaglicht

auf einen Künstler gesetzt ,

den die Forschung …

in seiner ganzen Größe

erst noch wieder entdecken muss «

Johann Elias Ridinger, Siegel (Portraitbüste)

  1. „… Buchhändler und Bibliophile in Leipzig … jüngster Sohn von Johann August (Gottlob) W. … übernahm 1839 das (1797 begründete) Geschäft seines Vaters und führte es unter der Firma ‚T. O. Weigel‘ fort … Unter seiner Leitung stieg die Firma zu Weltruf empor … Die von seinem Vater ererbten Slgn vergrößerte er mit gleicher Begeisterung um wertvollste Bestände … Zusammen mit Ad. Zestermann machte er die Schätze dieser Bücherei durch das monumentale zweibdge Werk: ‚Die Anfänge der Druckerkunst in Bild und Schrift‘ … bekannt. Auch das Werk ‚Autographen-Prachtalbum‘ …“ (Wilhelm Olbrich in Löffler-Kirchner, Lexikon des Gesamten Buchwesens, III [1937], 561). – Auf solchermaßen dessen Vorbesitz dürfte denn auch anstehender Brief zurückgehen. Daß er dennoch auch und gerade bei Th. (Leben und Wirken des … Johann Elias Ridinger, Lpz., Rudolph Weigel, 1856) keine Erwähnung erfährt, mag seinen Grund darin haben, daß er erst nach Drucklegung in Weigel’schen Besitz gelangte, genereller indes, daß Th.’s Weigel-Gewährsmann der Bruder Rudolph war (1804-1867, Ältester J. A. G. W.’s, dessen immenser Ridinger-Bestand an namentlich auch aus dem 1830 übernommenen zeichnerischen Ridinger-Nachlaß gespeisten Zeichnungen auf ihn überging, siehe Th., S. 273). Und Mangel an Tiefe in puncto Recherche erwiese sich auch an Th.’s Unkenntnis der 444 originalen Ridinger-Kupfer-Druck-Platten des sogenannten Thieme-Becker-Blockes, die zu eben seiner Zeit vor Ort seitens anderer Verlegerhand zusammengetragen wurden und deren unzählige er nichtsdestotrotz in seinem Werkverzeichnis explicit als nicht erhalten geblieben kennzeichnet. – Zwei Jahre nach Rudolph’s Tod erschien beim Bruder Theodor Oswald der hier gleichfalls vielfach zitierte väterliche Catalog einer Sammlung von Original-Handzeichnungen … gegründet und hinterlassen von J. A. G. Weigel, dessen Ridinger-Appendix zumindest zuvor auf Rudolph übergegangen war.
  2. So Hans Dedi in seiner nebst Transkription seinerzeit in Kopie nach hier übermittelten Inventar-Aufzeichnung.
  3. Als Bd. 44 / Frühe Neuzeit, der Studien und Dokumente zur deutschen Literatur und Kultur im europäischen Kontext.
  4. Georg Christoph Kilian (1709 Augsburg 1781), Schabkünstler, Künstlerbiograph, Verleger und Sammler. Verfasser der einzigen zeitgenössischen, anonymen 1764er Manuskript-Aufzeichnung zum Leben R.’s. Eine mit „K.“ gezeichnete, abgeänderte und gekürzte Fassung erschien in der Neuen Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste (Leipzig, Dyck, 1766, Bd. II/1, SS. 137-145), in der der Verfasser sich einen Schüler R.’s nennt („wie denn der Verf. dieser Nachricht selbst einen Winter lang das Glück seines Unterrichts genossen hat“, S. 142). Von Th. unentschlüsselt geblieben, gibt sich der Autor in der seitens der Ridinger-Söhne im Vorspann zum von ihnen herausgegebenen väterlichen Kolorierten Thier=Reich abgedruckten, bis nach R.’s Ableben fortgeführten, von Th. nachgedruckten Vollversion gleichwohl zwecks Bestärkung seines Urteilsvermögens durch Verweis auf seine „starke(n) Sammlungen von französischen, niederländischen, welschen und deutschen Kupferstichen“, wie von ihm besessen, zu erkennen. Siehe hierzu im einzelnen Th. namentlich Seiten I f. + XVI. – Vgl. auch Th.-B. XX [1927], 293 f.
  5. Der künstlerisch vielseitige Diplomat (Hamburg 1712 – Dresden 1780) und Bruder des Dichters. Seit Ende 1763 Direktor der Dresdner Akademie, dann, 1764, dortiger Generaldirektor aller kulturellen Einrichtungen. In seiner Eigenschaft als Legationsrat August III. (Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen), Königs von Polen, widmete ihm Ridinger per einziger Eigen-Dedication im rund 1600blätterigen graphischen Œuvre seine Folge der Vier Tageszeiten der Hirsche (aufliegend hier sowohl in deren originalen Kupfer-Druck-Platten als auch zeitgenössischen Abzügen.
  6. Hier derzeit aufliegend im absoluten Ausnahme-Explr. der Slgen. eines Anonymus nach 1856 („… ein complettes Exemplar in solcher Erhaltung ist wohl noch nie in den Handel gekommen …“), Dr. Alfred Ritter von Pfeiffer (1858-1913; „Herrliches Exemplar … In dieser Vollständigkeit und Erhaltung von allergrößter Seltenheit“, so Boerner 1914), Ethel Mary von Weinberg, geb. Villers Forbes aus dem Hause der Earls of Granard (1866-1937), Richard Baron von Szilvinyi (1899-1966), Liselotte Baronin von Szilvinyi, geb. von Schnitzler (1910-2008) per Ref.-Nr. 16.023.
  7. François Desportes (Champigneulles, Haute-Marne, 1661 – Paris 1743). Maler. Vgl. AKL XXVI [2000], 417.
  8. Joseph (Brignoles 1646 – Paris 1704) oder, wohl eher, Charles (1688 Paris 1752) Parrocel. Historienmaler, Radierer. Vgl. Th.-B. XXVI [1932], 256 bzw. 258.
  9. Jean-Baptiste Oudry (Paris 1686 – Beauvais 1755). Radierer, Maler. Vgl. Th.-B. XXVI [1932], 98.
  10. Adam Frans van der Meulen (Brüssel 1632 – Paris 1690). Schlachtenmaler, Genremaler, Landschaftsmaler. Vgl. Th.-B. XXIV [1930], 450.
  11. Frans Snyders (1579 Antwerpen 1657). Tiermaler, Stillebenmaler. Vgl. Th.-B. XXXI [1937], 190.
  12. Jan Fyt (1611 Antwerpen 1661). Maler, Radierer. Vgl. Th.-B. XII [1916], 612.
  13. Carl Borromäus Andreas Ruthart (Danzig 1630 [?] – L’Aquila nach 1703). Maler, Tiermaler, Radierer. Vgl. Th.-B. XXIX [1935], 239.
  14. Gleichwohl muß er schon am 29. Juni des Folgejahres mit Brief an Wille gestehen „Habe nimmermehr geglaubet das ich den pensel noch einmahl ergreiffen würde“, wobei es sich immerhin um einen Folgeauftrag von Zarin Elisabeth Petrowna, Peter’s des Großen Tochter, handelte, den abzulehnen er in Anbetracht eben des vorherigen nicht gut könne. Darüber auch nur nachzudenken er sich aber als 50jähriger immerhin leisten konnte! Siehe Décultot et al., a. a. O., SS. 76 f. Und eben diesbezüglich denn auch Kilian 1764: „Von seinen Malereyen will ich hier nichts gedenken als nur so viel, dass sie mit der Zeit sehr rar und kostbar werden dürften, weil er … derselben nicht gar viele, seit einigen Jahren aber gar keine mehr verfertiget hatte.“
  15. Ellen Spickernagel, Dem Auge auf die Sprünge helfen. Jagdbare Tiere und Jagden bei Johann Elias Ridinger (1698-1767), in Annette Bühler-Dietrich, Michael Weingarten (Hrsg.), Topos Tier: Neue Gestaltungen des Tier-Mensch-Verhältnisses, Bielefeld 2015, S. 111.
  16. Bd. 98 (2017), SS. 472 f.
  17. So auch Nicolaes de Bruyn’s Hl. Hubertus von 1614 im Rückgriff auf Coninxloo’s importante Waldlandschaft mit Jägern von 1598 (Plietzsch 14) wie offenbar bislang übersehen. Hier aufliegend mit Joannes Meyssen’s Adresse und dessen hubertuspraller Dedication für Frederik de Marselaer, wie erst hier hinzugekommen.
  18. Aufliegend u. a. in R.’s ARBEITS-EXEMPLAR mit exemplarspezifischen Berichtigungen in KASSETTE nebst originaler Kupfer-Druck-Platte des Löwen als dem Eingangs-Blatte als LÖWEN-EXEMPLAR.
  19. Aufliegend in Kassette als LE GRAND EXEMPLAIRE mit der originalen Kupfer-Druck-Platte des Titel-Blattes.
  20. Nagler, Monogrammisten, II (1860), 1740: „Einer der grössten Künstler seiner Zeit“. Und Alojzy Oborny im noblen polnisch-deutschen Ausstellungskatalog zur 1997/98er 18monatigen polnischen Ridinger-Wander-Ausstellung: „… einer der hervorragendsten deutschen Graphik-Künstler aus XVIII Jh. … Dieser Künstler wurde in der Vergangenheit einigermaßen verkannt, aber sein Rang in der Kunstgeschichte wird mit der Zeit immer höher“.
  21. Zum 1746 als Ehren-Belohnung verliehenen erblichen Wappen-Brief siehe Heft 33 der Schriftenreihe.
  22. Johann Jacob Haid (Kleineislingen 1704 – Augsburg 1767), „Vater des Joh. Elias H. … lernte bei J. El. Ridinger in der Malerei … erkannte aber bald sein Geschick für Schwarzkunst und wandte sich dieser zu. Blieb noch einige Jahre bei Ridinger … Wahrscheinlich ist er der Augsburger Maler Haid, von welchem die beiden Brüder Daniel Nicolaus und Gottfried Chodowiecki in der Emailmalerei um 1745 unterrichtet wurden. Gründete einen großen Verlag … H. ist vor allem bekannt durch seine Porträtstiche“ (Thieme-Becker XV [1922], 481). – Siehe dessen „Programmatische(s) (Ridinger-) Schabkunstblatt“ (Gode Krämer) nach Joh. Gg. Bergmüller, letzterer wiederum auf Haid’s entsprechende eigene Öl-Ausführung (Kunstsammlungen Augsburg, Inv.-Nr. 8610) zurückgriff, per hiesiger Ref.-Nrn. 15.185 + 15.221 mit selten schöner Provenienz-Geschichte nahe dem unsterblichen Beethoven.

„ … wartete das (Eulen-)AHA auf mich … Das Foto von den Waldohreulen(-Jungen in Ihrem Garten) fand ich sehr gelungen, es fügt sich nahtlos in die Stiche ein. Ein wenig beneide ich Sie, denn mir (als aktivem Waidmann) war es bisher nicht vergönnt, diese Tiere in freier Wildbahn zu erleben. Niemeyers Garten ist tatsächlich ein heimlicher Wildpark “

(Herr P. D., 1. Juli 2015)