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3-3-3 bei Issos Keilerei
Berühmter Kalauer
unzähliger Schüler-Generationen
blutigsten Ernstes
in diesen Novembertagen vor 2350 Jahren

Als Ganzes wie in Details seit Vorzeiten in allen Kommunikationsvarianten nachgestellt und besungen, je nach Einstellung vom Hymnus auf die siegreichen Waffen des Heldenmüthigen Alexanders bis hin zur Einladung, in Gestalt eines blutrünstigen Raubtiers ein Bild vom wilden Sieger zu schauen (Brockes), generell einen Blick zu werfen hinter die Kulissen gepriesenen Hellenentums, aus dessen Innerstem der Tiger voll wollüstiger Grausamkeit in seinem fürchterlichen Auge hervorschnellte (Nietzsche, Homers Wettkampf).

Wie schön, einem solchen Dunkel auch ein Licht beizugesellen, wie nicht jedermanns Können, aber Sache nicht zuletzt einer grande nation galanten Jahrhunderts. Und so folgt dem Gemetzel des Vortages, der Flucht des persischen Großkönigs Dareios III., ein neuer Tag. Und sieht

zwei galante junge Herren

Charles Le Brun/Gerard Edelinck, Die Familie des Dareios vor Alexander (Ausschnitt)

den Damen der gefangenen Königsfamilie ihre Aufwartung machen.

Wiedergegeben ist der gemeinsame Besuch Alexander’s und seines Vertrauten Hephaestion, den Dareios’ Mutter mit dem König verwechselt, am Morgen nach der legendär-berühmten Schlacht Drei-Drei-Drei … Es ist das heutige Erzün. Der zu dieser Zeit noch jugendlich unbekümmerte König nahm das Versehen im übrigen gelassen souverän mit den Worten „denn dieser Mann ist auch Alexander“ (Curtius Rufus).

Mit des Siegers Alexander nach alten Erzählungen überliefertem Auftreten gegenüber den Damen, mit seinem ihnen erwiesenen Respekt, seinem ritterlich selbstbeherrschten und damit königlichen Verhalten gegenüber der tugendhaften Schönheit der beiden Töchter, entsprach Le Brun so ganz den Erwartungen seines galanten Hofes.

„ Im Grand Siècle wurde die Geschichte in neuem Licht gesehen und die bildhaften Akzente, die LeBrun seinem Bild gab,

waren einzigartig in der Geschichte dieses Auftritts …

„ Die dramatische Betonung des Bildes liegt solchermaßen ganz auf Alexander’s Pose gegenüber den schönen und reinen Frauen, auf seiner Geste galanter Freundlichkeit … Durch Illustrierung dieses ‚ehrenhaften und fürstlichen Handelns‘, wie Plutarch es nennt, machte LeBrun sein Bild zu einer Lektion in formgerechter Ritterlichkeit, in der Ethik von Königtum “

(Donald Posner, Charles LeBrun’s Triumphs of Alexander, in The Art Bulletin XLI [1959], no. 3, 237 ff.).

„ Dieses Gemälde , erstes in der Alexander-Serie ,

war das berühmteste während Le Brun’s Lebzeit …

es war die Kraft dieses Bildes ,

daß Le Brun zum Ersten Maler Ludwigs XIV. berufen wurde. “

„ Alexander’s exemplarisches Verhalten bei dieser Gelegenheit scheint den 17. Jahrhundert-Franzosen so beeindruckt zu haben, daß Félibien, der das Bild ausführlich in einem 1663 publizierten Essay besprach, des Mazedonier’s Handeln ‚une des plus Glorieuse qu’Alexandre ait jamais Faites‘ nennen konnte. Es war glorios, weil es nur möglich war durch ‚se Surmontant Soy-Même … le Vainqueur de toutes les Nations‘ “

(Posner wie vor, bezüglich Félibien’s anmerkend, daß dieser Essay Les reines de Perse aux pieds d’Alexandre vor Ablauf des Jahrhunderts bezeichnenderweise noch drei weitere Male erschien, dann, in englisch-frz. Fassung, 1703 in London).

Dies denn auch der Tenor des Untertextes der hier abgebildeten, von Gerard Edelinck (Antwerpen 1640 – Paris 1707) um 1671 im Auftrage des Sonnenkönigs gefertigten Kupferstich-Fassung (69,5 × 90,2 cm [28⅜ × 35⅝ in] nebst Auflagenkennung: 900 Abzüge; die Gemäldevorlage entstand 1661/62 im Format von 2,98 × 4,53 m [117⅜ × 178⅜ in] ! ).

Mit seinem obigen Auftreten und seiner Fürsorglichkeit gegenüber den Damen während deren Mitnahme inmitten des Heeres erwarb sich Alexander ein lebenslänglich gutes Gedenken im Herzen der Königin-Mutter bis hin zu großer Betrübnis beim frühen Tode des Macedoniers, der ihr eigenes Hinscheiden bald darauf befördert zu haben scheint. Wie denn Alexander seinerseits den feigen Meuchelmord an ihrem Sohne seitens eines dessen Satrapen im Nachhinein an die Schlacht bei Arbela (331 v. Chr.) grausam strafte und den toten Dareios königlich bestattete. Letzterer denn auch seinen Bezwinger ebenso gehaßt wie bewundert, ja, die Schutzgötter Persiens gebeten hatte, so sie ihn auf dem Thron zu belassen nicht willens seien, ihm wenigstens seinen andern Wunsch zu erfüllen, nämlich „niemand anders über Asien herrschen (zu lassen), als diesen so gerechten Feind und mitleidigen Sieger“. Über den bei Issos selbst zu obsiegen die Chancen für die Perser letztlich durch eine taktische Fehlentscheidung des Königs schon vor Schlachtbeginn vertan worden waren. Verfügte er doch über nicht weniger als „5-600,000 Mann, darunter 100,000 wohlbewaffnete asiatische Fußsoldaten und 30,000 griechische Söldner“, adäquat gestützt von der Reiterei. So aber „ward das ganze persische Lager mit ungeheuern Schätzen Alexanders Beute“ (Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., I [1889], 317).

Alexanderzug
» Größter Eroberungszug aller Zeiten «

Literatur, Zeichnungen und Kupferstiche

Beginnend mit Quintus Curtius Rufus als der Quelle über Die Triumphe Alexanders in den so imperialen wie grandiosen Radierungen von Girard Audran und Gerard Edelinck nach Charles Le Brun sowie Zeichnungen auf blauem Papier von François Verdier mit weiteren Höhepunkten aus diesem einzigartigen Leben hin zum Wandel seines Bildes im 18. Jahrhundert bei Johann Elias Ridinger. Mehr …

Entsprechend war es namentlich im Europa des 17. Jahrhunderts manches Bekrönten Ehrgeiz, wenigstens ein Kuchenstück des Glanzes jenes gewaltigen Eroberers auf die eigene Person abfallen zu sehen, ja, sich als einen Alexander seiner Zeit zu verewigen. Allen voran Frankreichs Ludwig XIV., in dessen Reich die Sonne nicht unterging und für dessen 1. Minister Colbert „keine Ausgabe zu groß war, wenn der Ruhm, la gloire, des Königs in Frage kam“.

Dies denn der Auftragsgedanke für einen erst malerischen,

dann auch graphischen Alexander-Zyklus.

Der Sonnenkönig in gedachter Gestalt „Alexanders des Großen als Schlachtenmeister“. Und Ludwigs persönliche Ausstrahlung die Künstler allerdings in der Tat zu beflügeln vermochte. So meinte 1665 vor Ort der die Porträt-Büste schaffende große Bernini „der König habe einen Alexanderkopf“. Mit dem Ergebnis, daß „Die großartige Büste des jungen Königs … das selbstbewußte Wesen des Herrschers in unvergleichlicher Weise wieder(gibt): es ist etwas Jupiterhaftes, das aus den heitern Zügen des Monarchen spricht“ (jeweils Weigand, Der Hof Ludwigs XIV., 3. Aufl., Insel-Verlag 1925 — hier verfügbar als Vorzugsausgabe in goldgepr. rotem Maroquin — SS. 59, 152, 43). Und so war denn auch anstehenden Falles

„ schlußendlicher Konsens

daß niemand anders als Le Brun

( 1619 Paris 1690 )

Die (Historien/Triumphe Alexander’s) hätte kreieren können “.

Jene Höhepunkte des Handelns eines Mannes also, dessen Name allein schon Programm ist. „Alexandros … der ‚Männerbeschützende‘, griech. Mannesname“. Hier denn „der Große“ (356-323 v. Chr.),

„ der größte Eroberer aller Zeiten, Sohn des Königs Philipp und der Olympias … Sein erster Erzieher war Leonidas … dann von seinem 13. Jahr ab der berühmte Philosoph Aristoteles. Diesem gebührt der Ruhm, in dem leidenschaftlichen Knaben den Gedanken der Größe, jene Hoheit und Strenge des Denkens geweckt zu haben, die seine Leidenschaften adelte und seiner Kraft Maß und Bewußtsein gab. A. bewies seinem Lehrer stets die innigste Verehrung; er sagte oft, seinem Vater danke er nur sein Leben, seinem Lehrer, daß er würdig lebe … A. wurde schon bei Lebzeiten durch die bildende Kunst verherrlicht wie kein Held des Alterthums vor ihm “ (Meyers, a. a. O., 316 ff. ) .

Mit dem hier denn malerischen Ergebnis von

Charles Le Brun’s

Grand Peintre du Grand Siècle
Erster Maler König Ludwigs XIV.

gigantischem Alexander-Zyklus

auf fünf Leinwänden zwischen 2,98-4,7 × 4,53-12,65 m (117⅜-185 × 178⅜-498 in) !
aus den Jahren 1661-1668 .

— siehe deren 13 (5 gefalteten) Farbtafeln zuzgl. S/W-Tafeln zeichnerischer Wiedergaben bei Michel Gareau, Charles Le Brun. First Painter to King Louis XIV, New York, Abrams, 1992 —

Letzterem 1671/78

unter gestochener Kennzeichnung der Auflagenhöhen

wie in den graphischen Künsten ganz elitär

folgte .

Und für deren Realisierung keine anderen als Girard Audran (Lyon 1640 – Paris 1703) und für

Charles Le Brun/Gerard Edelinck, Die Familie des Dareios vor Alexander

Die Familie des Dareios vor Alexander

November 333 v. Chr.

Gerard Edelinck in Frage kamen. „ (I)n zwei Platten und im ersten Drucke mit Goyton’s Namen “.

„ Berühmtes Hauptblatt “

(Wurzbach 1906)

„ Seine ganze Kunstfertigkeit entfaltete er im Zelt des Darius “

(Nagler 1837)

Bezeichnet/untertextet wie folgt:

C. le Brun Pinxit / G. Edelinck sculpsit
Il est d’vn Roy de ce vaincre soy mesme

Alexandre, ayant vaincu Darius prez la ville d’Jsse entre dans vne tente ou estoient la Mere la femme et / les filles de Darius, ou il donne vn exemple singulier de retenüe et de clemence GoyTon (punktiert)

Graué par le Sr. Edelinck d’apres le tableau qu’en afaict Mr. le Brun premier peintre du Roy. et que sa Ma: prenoit plaisir de luy voir peindre a fontainebleau en lannée 1661

Sui victoria indicat Regem
Alexander, Dario ad Jssum victo tabernaculum Reginarum ingreditur, vbi singulare / clementiæ ac continentiæ præbet exemplum / GoyTon (punktiert) .........

Æri incidit Gerardus Edelinck adtabulam Caroli le Brun Regii Pictoris primarij, quem, illam pingentem Rex videre delectabatur apud fontem bellaquæum anno. 1661.

Und gleich den übrigen vier Audran-Blättern in den ersten Abdrücken

mit ( !! ) dem Namen des königlichen Druckers Goyton.

Lt. British Museum war Jean Goyton (1629 – Paris 1714) seit den 1670ern Verleger und Drucker in Paris,

„ (Vielleicht der erste , dem es erlaubt war ,

seinen Namen unter die von ihm gedruckten Platten zu setzen.) “

Womit es bezüglich Goyton’s Alexander-Drucken aber längst nicht sein Bewenden hat. Denn die sich seinem Namen unmittelbar oder doch nahe anschließende merkwürdige Reihe unterschiedlich etlicher Punkte entschlüsselte Ebert – aber nur gelegentlich jener 5 Blätter !! –

als Druckauflagen-Kennung , 100 pro Punkt

wie in den graphischen Künsten gänzlich ungewöhnlich, wozu immer wieder die ebenso alte wie nur vage beantwortbare Frage nach deren Auflagenhöhe diskutiert wird. Hier denn läge deren Anzahl zwischen 700 und 900. Gleichwohl war schon Wille 1763 „endlich so glücklich … die großen Schlachten des Alexanders … aufgetrieben“ zu haben (Decultot/Espagne/Werner [Hrsg.], Joh. Gg. Wille [1715-1808]. Briefwechsel, [1999], 302 f.). Und schon Jahrs zuvor hatte der alsbaldige Dresdner Kunstpapst Christian Ludwig Hagedorn in seinen Betrachtungen über die Mahlerey dieser

„ Meisterstücke des Grabstichels “

mit den Worten gedacht, „in jeglichen Abdrücken äußerst selten“ (Seite 597). Als überwiegend königliche Dedications-Exemplare im Rahmen der Großserie Cabinet du Roy waren sie eben in Hände mit langem Atem gekommen.

Welch letzterer uns denn auch hier und heute thematisch aus vorchristlicher, künstlerisch mit Abstand dreieinhalber Jahrhunderte entgegenweht. Dabei beileibe nicht grabeseisig, vielmehr mit der ganzen Wärme menschlichen Tuns, das eine wie das andere erfüllt von grandeur.

» ein wundervoller Rausch , ein Traum ,
in dem das homerische Zeitalter
noch einmal heraufbeschworen wurde «

(Oswald Spengler zum Alexanderzug)

Die Triumphe Alexanders des Großen

Die komplette Folge der von 15 (nicht 16!) Platten gedruckten, zusammengesetzten und auf Falze gehefteten 5 (3 gefalt.) Blatt (69,6-72 × 90,4-159,3 cm [27⅜-28⅜ × 35⅝-62¾ in]) in Radierung mit Kupferstich von Girard Audran (4) + Gerard Edelinck

in ersten Abdrücken auf schwerem Papier

einheitlich wundervoller, noch immer schwärzender Druckqualität leuchtenden Hell-Dunkels mit dem Namen des königlichen Druckers Jean Goyton (1629 - Paris 1714) und dessen einzigartiger Auflagenkennung

in bordeauxrotem Rindleder Designer-Einband

über Holzdeckel mit 4 von Fileten eingefaßten Zierbünden, überlaufenden Deckel-Fileten und jeweils 4 großen Bourbonen-Lilien in den Zwickeln, 2teil. Künstler- + Titelprägung auf dem Vorder- und großem ligierten R(oi)S(oleil)-Monogramm als Mittelstück auf dem Rückdeckel. Mehr …


„ … Die (vom Schwiegervater geerbten Par force-Jagd) Ridinger … habe ich in meinem Arbeitszimmer bestens neben einem Gobelin plaziert und möchte sie nicht mehr verkaufen. Besten Dank und ein Kompliment an Ihr Haus, dass Sie nach so vielen Jahren noch an mich gedacht haben “

(Herr K.-A. H., 2. Februar 2004)