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Wahlmonat

Ein Blick zurück in die Zeit von

William Hogarth

William Hogarth, The Politician

„ … daß er die nähere Flamme ,
die ihm Gefahr droht ,
nicht bemerkt “

William Hogarth (1697 London 1764). The Politician. Der zeitunglesende Politiker, der zwecks besseren Lesens die Kerze dicht vor die Augen hält und dabei nicht bemerkt, wie diese seinen Hut durchbrennt. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Hogarth pinxt. / T. Cook sculpt. / Published by Longman, Hurst, Rees, & Orme, July 1st. 1809., ansonsten wie vor. Bildgröße 17,8 × 14,3 cm (7 × 5⅝ in).

Erst postum veröffentlichte Zeichnung, anspielend auf die Verhältnisse um 1730. Der gebannt auf die kontinentalen Geschehnisse, von denen die Zeitung berichtet, blickende Politiker – übrigens der damals bekannte Londoner Spitzenhändler Tibson – , der darüber

die durch den brennenden Hut angezeigten

eigenen nächsten Probleme außerachtläßt :

„ Bekanntlich waren die Engländer im vergangenen Jahrhundert bis zur französischen Revolution die einzige Nation in Europa, bei welcher die größere Volksmasse wegen der Verhältnisse, die sich aus der Constitution und den Gesetzen ergaben, ein lebhaftes Interesse an politischen Zeitbegebenheiten nehmen konnte. In welcher Art diese ziemlich allgemein verbreitete Neigung, an der Politik der Regierung lebhaften Antheil zu nehmen, von den Nationen des Festlandes betrachtet wurde, kann man aus dem damaligen Buche eines Deutschen (Archenholz, England und Italien) am besten sehen … Somit hat (Hogarth) hier eine Figur gezeichnet, woran sich noch Andere in Staaten erbauen können, worin

dem eigentlichen Volke gar kein Antheil an der Regierung

und eben so wenig ein Urtheil hierüber gestattet ist …

„ Die Figur ist ein Mann aus dem Mittelstande … Sie soll das Porträt eines Possamontirers sein und in das Jahr 1730 fallen, wie man dies aus der Kleidung und aus dem Degen sieht. Englische Erklärer sagen nämlich hinsichtlich des letzteren: in jenen Jahren hätten die Handwerksleute sämmtlich jene Waffe getragen, um sich und ihr Eigenthum gegen Diebe zu schützen, durch welche bei schlechterer Polizei, wie später, die Straßen der Hauptstadt höchst unsicher geworden wären. Der Mann … ist so sehr in die Flammen versunken, welche auf dem Continente wüthen,

daß er die nähere Flamme, die ihm Gefahr droht, nicht bemerkt …

„ Uebrigens war dieser Gedanke (des bei der Lektüre feuerfangenden Hutes) nicht neu; es gibt nämlich eine nicht unbekannte Caricatur auf Wilhelm III. (ein Oelgemälde von Schalchen), welcher sich den Hut anzündet, indem er Depeschen liest, ein Bild, das die Torypartei gegen den König veranstaltete,

welcher den Einfluß und die Macht Englands

in die Wagschale warf ,

um den Ehrgeiz Ludwig’s XIV. auf dem Festlande Europas zu hemmen. Es sollte damit gesagt werden,

der König bekümmere sich mehr um die Angelegenheiten des Festlandes ,

als um die … Gefahr … die im Innern des Staates drohe

und

die er eben durch seine äußere Politik veranlasse “

(Lichtenberg).

Cook’s („machte sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher“, Thieme-Becker) kleinere Fassung. – Innerhalb des breiten weißen Plattenrandes geschnitten. – Kaum merkliche leichte Knickfalte im unteren Bild- / Plattenrand.

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» Wenn Sie die Zeitung nicht lesen ,

sind Sie nicht informiert .

Wenn Sie die Zeitung lesen ,

sind Sie falsch informiert «

Mark Twain (zugeschrieben)

Die Wahl eines Parlamentsmitgliedes
als
Portrait korrupter Parteien
und einer verrotteten Gesellschaft

William Hogarth (1697 London 1764). Die Wahl eines Parlamentsmitgliedes. Folge von 4 Blatt Kupferstichen von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Hogarth pinx(t). / T. Cook, sculp(t). / Published by Longman, Hurst, Rees(,) & Orme(,) (May 1st. 1807 – Oct. 1st. 1809). Bildgr. 14,6-15.5 × 18,8-19,7 cm (5¾-6⅛ × 7⅜-7¾ in).

1. Humours of an Election Entertainment. – 2. Canvassing for Votes. – 3. Polling at the Hustings. – 4. Chairing the Members.

Hogarth’s voll zeitgenössischer Anspielungen steckende berühmte Suite – zu seinen „reifsten Schöpfungen“ gehörend (Th.-B.) und hier in Cook’s kleinformatiger Wiederholung vorliegend – ist

die bekannteste graphische Schilderung

William Hogarth, Die Wahl eines Parlamentsmigliedes IV
Einführung der Parlamentsmitglieder (Chairing the Members)

einer Abgeordneten-Wahl .

Ihre Entstehung im klassischen Land des Parlamentarismus verleiht ihr besonderes Gewicht. Denn sie ist zugleich – inpiriert von Ereignissen in Oxfordshire während der 1754er Wahlen, herausgegeben 1755-58 – das Portrait nicht allein korrupter Politiker und Parteien, sondern einer verrotteten Gesellschaft an sich. War doch zu Hogarth’s Zeiten neben der auf allen Blättern dokumentierten zeitüblichen Schlemmerei und Trinkerei als Teil jeder Wahl die Bestechung,

„ … durch Sir Robert Walpole und die Whigs zuerst systematisch ausgeübt, noch bei weitem scandalöser als später betrieben worden; so blieb es während der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und bis auf unsere Tage … Damals wurde nämlich der Besitz einer Parlamentsstelle oft genug als bloße Handelsspeculation betrachtet, indem der Gewählte … seine Stimme an die Regierung für eine Geldsumme, eine Sinekur, ein Amt oder eine Lieferung verkaufte, und alsdann von einem verfaulten Flecken sich wieder wählen lassen konnte, ein Verfahren, welches um so leichter war, da der Minister Walpole eine solche Bestechung der Parlamentsglieder – ‚jeder Mensch hat seinen Preis‘ – förmlich zum Regierungssystem erhoben hatte. Auch die vorliegenden Blätter Hogarth’s geben hievon Andeutungen “

(Lichtenberg).

Ein Schelm, wer dabei an die Unabhängikeit der Abgeordneten, den Fraktionszwang und die von der Partei vergebenen, die tatsächlichen Mehrheitsverhältnisse in den Parlamenten bestimmenden Listenplätze heute denken mag. Und an den Überdruß, den die Kaste der Berufspolitiker beim heutigen Wähler erregt, wenn Thieme-Becker resümieren:

„ … eine köstliche Satire auf das Bestechungslaster und

die damit verbundene Demoralisierung des Volkes . “

Doch der Verwerflichkeit und käuflichen Parteilichkeit des gesamten Vorganges drückt Hogarth jenseits der Fülle der Anspielungen noch einen besonderen Stempel auf. Sind doch auch diese Blätter zugleich Karikaturen oder Parodien klassischer – und damit reiner – Werke aus Renaissance und Barock:

So das erste Blatt bis hin zum – in dieser Version nicht mehr wiedergegebenen – Untertext „He that dippeth his hand with me in the dish, the same shall betray me“ nach Leonardo’s Abendmahl. Gefolgt von Blatt zwei mit dem von beiden Seiten bestochenen Landmann als Umkehrung der Wahl des Herkules. Die Wahl selbst wiederum greift Tizian’s Präsentation der Jungfrau auf, mit Britannia selbst in zerbrochener Kutsche, deren beide Bedienstete auf dem Kutschbock Karten spielen und sich – Sinnbild des eigentlichen Wahlgeschehens vorne – dabei gegenseitig zu betrügen suchen. Das letzte Blatt schließlich, der Triumphzug des gewählten neuen Parlamentsmitgliedes, gar auf Alexander den Großen in Le Brun’s Sieg Alexanders über Darius anspielt. Wobei der königliche Adler dort einer Gans hier weichen mußte. Die zudem mit dem, was sie fallen läßt, den Beitrag des neuen Abgeordneten zur Debatte im hohen Hause vorwegnimmt.

Diese Einbettung in den Kanon zeitloser Kunst zugleich und entgegen Lichtenberg’s Auffassung, die Blätter und ihre Details seien nur aus und in ihrer eigenen Zeit verständlich, der Folge

eine eigene , über die Jahrhunderte gültige Zeitlosigkeit

verleihend. Die noch unterstrichen wird von Hogarth’ oft mehrdeutigen oder je nach Zeit und Standpunkt anders auslegbaren Sarkasmen.

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– – – Dasselbe. Folge von 4 Blatt Stahlstichen. Ca. 1850. Bezeichnet. 12,9-13,5 × 15,8-16,2 cm (5⅛-5¼ × 6¼-6⅜ in).

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Take it easy:

Die Wahlprocession
oder
Die Verhöhnung des Wahlverlierers

William Hogarth (1697 London 1764). A Country Inn Yard (oder Die Wahlprocession im Hofe). Unabhängig von der reichen Postszenerie betrifft das eigentliche Geschehen – in Ergänzung zu obiger Parlamentswahl-Suite – die Verhöhnung eines

„ bei der Parlamentswahl durchgefallenen Candidaten “

dessen ausgestopfte Figur – wie schon hinsichtlich des Herzogs von Newcastle auf Bl. 1 der Wahl-Suite – in Prozession von der Gegenpartei genüßlich herumgetragen wird. Dies umso ärgerlicher, als die Niederlage auf einer Formalie, nämlich dem noch knapp verfehlten Alter des Kandidaten, beruhte und somit voraussehbar war. Entsprechend unwillig zahlt denn auch ein Agent des Unglücklichen – einen Druck der Act against bribery and corruption in der Tasche – dem Wirt die Zeche für das nutzlos ausgegebene Wahlessen. Kupferstich. Bezeichnet: Design’d and Engrav’d by W. Hogarth. — Publish’d According to Act of Parliament. 1747. 22 × 31 cm (8⅝ × 12¼ in).

William Hogarth, Country Inn Yard

Nagler 30. – Nach dem Bild von 1747. – Abdruck auf starkem Papier von der vom kgl. Kupferstecher James Heath (1757 London 1834) um 1822 überarbeiteten Platte („Selbst diese Abzüge sind heute aber relativ selten geworden“, Kunstgalerie Esslingen 1970; und Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII [1888], 625: „Eine schöne Ausgabe“, geschätzt auch schon von zeitgenössischen Sammlern vom Range etwa eines A. T. Stewart [Catalog of the Stewart Collection, New York 1887, 1221, „fine plates“]).

„ Das bekannte Blatt … bringt mit Dickens’schem Humor eine behagliche Schilderung ländlichen Kleinbürgertums “

(Thieme-Becker XVII, S. 297, 2).

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William Hogarth, Country Inn Yard (Cook klein)

– – – Dasselbe in Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Hogarth pinxt. / T. Cook & Son sc. / Published by Longman, Hurst, Rees & Orme, May 1st. 1808. Bildgröße 12,2 × 17,1 cm (4¾ × 6¾ in).

Cooks kleinere Fassung, gestochen gemeinsam mit seinem Sohn. – Innerhalb des breiten weißen Plattenrandes geschnitten.

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William Hogarth, A Country Inn Yard (Riepenhausen)

– – – Dasselbe in Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840). Bezeichnet: W. Hogarth pinx. 1747. / E. Riepenhausen sc. 21,3 × 26,7 cm (8⅜ × 10½ in).

Riepenhausen’s Arbeiten nach Hogarth ( „sehr schätzbar“ ) zählen zu seinem Hauptwerk und werden tlw. den Hogarth’schen Stichen sogar vorgezogen. – Rücksichtlich des besonders guten, festen Papiers wohl Abdruck einer Vorzugsausgabe um 1830. – Ränder etwas altersfleckig. Desgleichen das Bild selbst ein wenig.

Angebots-Nr. 7.804 / EUR  118. (c. US$ 143.) + Versand

William Hogarth, A Country Inn Yard (Lithographie)

– – – Dasselbe in Lithographie. (1833/36.) Bezeichnet: Die Landkutsche. 24,7 × 23,7 cm (9¾ × 9⅜ in). – Ausführlicher Untertext in Deutsch.

Angebots-Nr. 7.805 / EUR  125. (c. US$ 151.) + Versand


„ Ganz herzlichen Dank für Ihre netten Wünsche und die sehr interessante Lektüre (Wild + Hund 23/2008), über die ich mich sehr gefreut habe. Mein Glückwunsch zu diesem schönen Artikel über Ihr Ridinger Wirken und die damit verbundene und verdiente Anerkennung. An meiner ‚Ridinger – Sammlung‘ erfreue ich mich stets aufs Neue. Schon deshalb war die Anschaffung des Pompadour Bandes (1998) ein guter Kauf … Mit besten Grüßen, Ihr … “

(Herr O. v. L., 5. Januar 2009)