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Rubens (Werkstatt), Löwen in einer Landschaft

ridinger
im zeichen des löwen

„ Ein einzelnes schönes Blatt “ (1856)

„ Hauptblatt “ (1889 + 1890)

Die seltenen Löwen in einer Landschaft der Rubens-Werkstatt

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Tableau de P. P. Rubens. de la Galerie Roïale de Dresde. Haut 7. pieds 4. pouces Largo 13. pied 5. pouces (200 × 369,5 cm [78¾ × 145½ in]). Löwen in einer Landschaft. In Bildmitte wachender Löwe, rechts vor einer Höhlung drei Junge säugende Löwin (Th. fälschlich: Tigerin) und eine sich einen Hasen bereitende zweite auf baumbestandenem Hang darüber. Links im Mittelgrund vor der sich öffnenden Landschaft eine Löwenjagd im Kleinen mit Hunden, Reitern – einer seinen Spieß bereits zum Wurf erhebend – und Fußvolk, deren ersterer das Jagdhorn bläst. Ganz vorne verschiedene Schädelreste nebst Schlange und zwei Fröschen, am Hang rechts eine Eidechse. Im Unterrand Medaillon mit dem sächsisch-polnischen Doppelwappen. Radierung mit Kupferstich nach Werkstattarbeit Peter Paul Rubens’ (Siegen 1577 – Antwerpen 1640) an Hand der Zwischenzeichnung von Charles François Hutin (Paris 1717 – Dresden 1776). (1757.) Bezeichnet: C. Hutin del. / J. E. Ridinger sculps., sonst wie vor in italien.-frz. Paralleltext. 32,7 × 49,7 cm (12⅞ × 19⅝ in).

Thienemann („ein einzelnes schönes Blatt“) + Schwarz 724; Nagler, Ridinger, 32 und, Rubens, S. 587 (siehe unten); Weigel XXVIII, 41; Coppenrath („Hauptblatt“) II, 1569 + III, 2003; Schwerdt III, 143; Rosenthal, (Ridinger-)Liste 126, 320; Ridinger-Katalog Kielce, 1997, 130 nebst Abb. – Vgl. auch Thieme-Becker XVIII, 189 (Hutin). – Nicht bei Helbing, Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger (Kat. XXXIV [1900], 1554 Nrn.!).

Voorhelm-Schneevoogt, Catalogue des estampes gravées d’après P. P. Rubens (1873), S. 229, No. 37 ([Bartsch 25.] Chasse aux lions. Sur le devant se voit un lion, et une lionne qui allaite ses petits. Dans le lointain sont des chasseurs, qui poursuivent avec une meute un autre lion. J. E. Ridinger sculps. …).

Woermann, Katalog der Kgl. Gemäldegalerie zu Dresden (1887), S. 321 (Nur Werkstattsbild; Rubens eigene Hand ist nirgends erkennbar. Die Hauptgruppe rechts vorn ist unserem Rubens’schen Bilde N. 974 entlehnt. – Gestochen von J. E. Ridinger …). – Rogner (Hrsg.), Verlorene Werke der Malerei (1939-1945), 1965, S. 103 (Rubens-Werkstatt, Landschaft mit wilden Tieren/Ebert S. 137, Nr. 982).

Die großformatige Wiedergabe

des erstmals im 1754er Inventar der Dresdner Kgl. Galerie (II 272) erscheinenden und als Rubens geführten, heute verschollenen monumentalen Bildes. Teils als Löwenjagd in die namentlich frühere Literatur eingegangen, ist dies in Anbetracht deren nur marginaler Bedeutung im Hintergrund links nicht recht zutreffend, vor allem aber irreführend hinsichtlich der nicht von Ridinger gestochenen tatsächlichen, großfigurigen Dresdner Löwenjagd, wie von Nagler im übrigen miteinander vermischt. Im Ridinger-Eintrag (32) noch apart als Löwenjagd gelistet, folgen per Rubens (XIII, 587) zunächst „Löwen und Tieger in einer Wildniss, im Hintergrunde links wird ein Löwe verfolgt … Gest.von J. E. Riedinger“, anschließend „Löwen in einer Landschaft, dabei eine Löwin mit den Jungen“, doch wohl jene bei Ridinger unten rechts. Welch letztere Thienemann als Tigerin bezeichnet, wie auch von Woermann unter Einschluß auch des einen Hasen im Rachen führenden zweiten weiblichen Tieres, in welchem Thienemann wiederum eine Löwin sieht. Beide Weibchen aber desselben, als Löwinnen anzusprechenden Gesichtes. Voorhelm-Schneevogt denn auch frei jeglicher Tiger-Untermischung.

Tatsache ist eben, daß die Darstellungen der nichtheimischen Fauna, wie auch seitens der Ridinger im Begleittext zum Kolorierten Thier=Reich entschuldigend vorausgeschickt, auch noch zu damaliger Zeit gegebenenfalls nur bedingt auf gesicherten Kenntnissen fußte. Umso unverständlicher die vorgenommene Löwen-Tiger-Mixtur, wie in alsbaldiger Umwandlung des Bildes zu einer Landschaft mit wilden Tieren zum Ausdruck gebracht. Was nur die eine der zudem säugenden „Tigerinnen“ in der Löwen-Gruppe zu suchen hätte, läßt Thienemann als sonst so auf zoologische Korrektheit bedacht offen. Und Dresdens 2 : 2-Version übersieht die Futter-Konkurrenz. An Ridinger’s Raubtiere und gerissener Hirsch in Berlin (Michaelis, 2002, 2272) sei erinnert: „Ein Löwen- und ein Tigerpaar kämpfen um den geschlagenen prächtigen Hirsch“. Und gegen eine Mutmaßung, anstehendes Bild könnte eine schmusige Paradies-Scenerie beinhalten, spricht die mituntergebrachte Löwenhatz ihre nur zu deutliche Sprache. Solchermaßen denn

malerisches Löwen-Ambiente pur .

Als zugleich Ridinger’s einzigem Beitrag zum von C. H. von Heinecken begründeten Dresdner Galeriewerk Recueil d’Estampes d’après les plus célèbres tableaux de la Galerie Royale de Dresde, dessen zweiter Band 1757 erschien. Wie der 1753er erste, umfaßte auch dieser 50 nach Zeichnungen Ch. F. Hutins und seines Bruders Pierre gearbeitete Tafeln. Ein dritter erschien unter Friedrich August III. (der Gerechte; 1750-1827, Kurfürst ab 1763/68, ab 1806 erster König von Sachsen).

Sehr schöner Abdruck auf festem Linienpapier vor den den Tafel- und Bandbezeichnungen

am Unterrand des Schriftfeldes. Offenbar erst nach und nach hinzugefügt und auch von Thienemann nicht erwähnt, ist ihr Fehlen möglicherweise ein Hinweis auf einen Ridinger-Abdruck vor der Auflage selbst. Wie denn Schwarz für unten rechts die Tafelbezeichnung „No: 46.“ nennt, wie so auch die Exemplare der Sächsischen Landesbibliothek, des British Museum und in der Wellcome Library. Ein in 2000 hier verhandeltes Exemplar in einem bemerkenswert hervorragenden späteren, die kleinen Auflagen belegenden Abdruck auf Kupferdruckpapier zusätzlich mit der Bandbezeichnung „T. II.“ unten links als möglicherweise erst für Neudrucke gelegendlich des Erscheinens des dritten Bandes hinzugefügt. Lt. Woermann wurden die Tafeln noch 1887 in der Königl. Galerie sowohl auf gewöhnlichem als auch chinesischem Papier zum Verkauf angeboten. – Die geglättete Mittelfalte bildseits nur im weißen Textfeld links des Wappenmedaillons bemerkbar. – Oben und unten 3,8-4, an den Seiten 1,9 cm breitrandig.

Angebots-Nr. 16.187 / EUR  1300. / export price EUR  1235. (c. US$ 1428.) + Versand

siegreich
im zeichen des löwen

Ridinger, Löwe von heller Farbe

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Ein Löwe von heller Farbe. „Ein schönes Männchen des gewöhnlichen Löwen steht majestätisch auf einem erlegten Wildschwein“ (Th.). Vor Palmen- und Strauchwerkkulisse. Kolor. Radierung mit Kupferstich. Bezeichnet: LEO, COLORE LUCIDO. / Ein Löwe von heller Farbe / Un Lion d’une couleur claire. / Familia IV. Fünffzähige. / J. El. Ridinger sculps. et exc. A. V. 30,9 × 20,6 cm (12⅛ × 8⅛ in).

Thienemann + Nachtrag Seite 299; Schwarz 1076. – IM  RIDINGER’SCHEN  ORIGINAL-KOLORIT  des seit 1754 entstandenen und nicht vor 1773 endgültig postum abgeschlossenen , unnumerierten Kolorierten Thier-Reichs („Vollständige Exemplare sind fast unauffindbar“, so Weigel, Kunstkat., Abt. XXVIII, Ridinger-App. 63a als lediglich 120blätt. Torso, 1857 ! , doch auch nur schon Einzelblätter nur sehr selten am Markt, bei niemeyer’s derzeit gleichwohl das eine wie die andern) wie denn bereits Thienemann anstehendes Blatt in hiesiger Erstausgabe erst per Nachtrag ergänzen konnte, „weil (er) das Blatt nicht habe“. – Eine entgegen Ankündigung unkoloriert gebliebene Zweitausgabe von den nunmehr unter Fortfall selbst von Tieren verkürzten und ohne die Ridinger-Signatur anders betitelten, jedoch numerierten Platten erschien 1824/25 bei Engelbrecht/Herzberg in Augsburg.

Zwei Skizzen in schwarzer Kreide – beidseitig auf 1 Blatt – im Gegensinn fanden sich in einem vom Meister einem Freunde zum Heiligen Abend 1766 zugeeigneten, 1979 von schnöder Händlerhand ansonsten erster Adresse vereinzelten Skizzenbuch und sind nunmehr hier verfügbar. Hiesige Recherche führte über 1976 und glanzvolle 1895er + 1869er Provenienzen zum Meister selbst zurück.

„ Der Löwe … hat in seinem ganzen Betragen und Verhalten viel edles und großmüthiges … Wenn er brüllt, so zittert der Wald und alle Thiere die ihn hören. Seine Stärke ist ganz außerordentlich und sein großer Kopf mit den langen Haaren machen ihm

ein majestätisches und ehrenvolles Ansehen …

In der Farbe sind sie sehr voneinander verschieden und man hat hier schon schöne gelbe, mittlere und ganz dunkle gesehen. Wenn man sie noch jung bekommt, so lassen sie sich ganz zahm machen … “

(Ridingers Söhne im Textvorspann zu Tl. II, S. 13, in Kopie beiliegend).

Auf C & I Honig-Papier als jener festen holländischen Qualität, wie sie Ridinger entsprechend seiner Vorrede zu den Hauptfarben der Pferde

„wegen der feinen Illumination“ für die kolorierten Werke

verwandte, „weil es hiezu das anständigste und beste ist“. – Dreiseits 1,9-3,3 cm, unten 5,2 cm breitrandig. – Rückseitige untere 9 cm mit partiellem schwachen, ins Rötliche verfärbtem Wasserrand, der bildseits nur ein wenig störend ins Text-/Papierfeld durchscheint.

Angebots-Nr. 15.987 / EUR  1300. / export price EUR  1235. (c. US$ 1428.) + Versand

– – – zusammen mit oberwähntem Skizzenblatt

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“ Thanks a lot for your answer to my request, in such a short time and in such a detail! I’m pleasantly surprised with the fact that you presented me 3 different options! The 2 options … although very tempting (pricewise, extra prints etc) do not interest me, because of the condition of the prints. As a collector I wouldn’t like anything else but the best – the first option. To be absolutely honest with you, I expected the price to be high, but not so much … (It’s a) ‘Museum quality’ piece … Congratulations for the excellent pieces you offer !!! ”

(Mr. L. M., January 12, 2016)