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Hl. Hubertus
Patron der Reiter

Johann Elias Ridinger, Redopp lincks an der Wand

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Redopp lincks an der Wand. Der Apfelschimmel springend. Radierung mit Kupferstich. (1734.) Bezeichnet: avec P. S. C. M. / Joh. El. Ridinger inv. des. et exc. A. V., ansonsten wie vor in zugleich frz.-latein. Paralleltext. 54 × 39 cm (21¼ × 15⅜ in).

Thienemann + Schwarz 639. – Neue (oder Wiener) Reit Schul VII (Th., überholt, Blatt 12). – Typograph. Wz. – Zuzüglich zum schönen weißen Platten- mit noch ca. 8 mm umlaufendem Papierrand. In diesem oben ein Rißchen säurefrei hinterlegt.

Das souveräne Sujet der majestätischen Folge ,

die Reich auf Biehla schon 1894 ( ! ) nur in den ca. 1850er Neuabdrucken besaß (Nr. 144 seines Katalogs).

Angebots-Nr. 14.389 / EUR  1180. / export price EUR  1121. (c. US$ 1355.) + Versand

Georg Philipp Rugendas I, Sammeln zum Ausritt I

Ausritt mit dem großen Pferde-Rugendas

Rugendas d. Ä., Georg Philipp (1666 Augsburg 1742). Sammeln zum Ausritt. Zwei große Gesellschaften in Aufbruchsbewegung. Zwei Pinselzeichnungen in differenziertem Grau bis Braun über Bleistift. Nicht vor 1730. 190-193 × 237-238 mm (7½-7⅝ × 9⅜ in).

Auf getöntem leichten HONIG-Bütten, davon eines mit der angeschnittenen Wortmarke C & I HONIG wie seit 1730 im Verkehr und von Rugendas auch für seine aus dem Nachlaß überlieferte Augsburger spektakuläre signierte 1738er zeichnerische „Reiterschlacht vor einer Festung“ benutzt (Biedermann, Meisterzeichnungen des deutschen Barock, Augsburg 1987, Nr. 173 + Krämer, Rugendas-Katalog Augsburg, 1998, Abb. 22), dort zusätzlich mit Lilien-Wappen und der für den franz. Partner Jean Villedary (dessen Eigenmarke „IV ILLEDARY“ auf hiesiger 1736er Zeichnung des jüngeren Georg Philipp) stehenden Gegenmarke IV. – Unter rahmungsgerechten säurefreien Schrägschnitt-Passepartouts nebst 23,5karätig goldgeprägten Künstler-Daten. – Der vom Wasserzeichen vorgegebene zeitliche Aspekt hingegen

bereichert den Bildreichtum anstehender Pendants

um einen Seltenheitsfaktor von Graden .

Denn nach Gode Krämer gilt die „Tatsache, daß sich außer dem Berliner Konvolut (von mit der Schabblattproduktion in Verbindung stehenden Rötelzeichnungen), einiger kleinerer und großer Zeichnungen für große Thesenblätter und ihnen ähnlicher Vorzeichnungen zu Fürstenporträts

praktisch keine Zeichnungen nach 1720 gefunden

haben; und vor allem aus dem Fehlen jeglicher zeichnerischer Vorbereitung zu den ab 1735 wieder begonnenen Gemälden“. Mit Ausnahme eben obiger Reiterschlacht als „Ganz am Ende seines zeichnerischen Werks (stehend) … durch Signatur und Datierung 1738 gesichert“ (a. a. O., S. 34/III).

Zwei seltenste zeichnerische Gegenstücke der Spätzeit

Georg Philipp Rugendas I, Sammeln zum Ausritt II

bislang unerkannt geblieben für ihre Stellung im Œuvre

Aber auch „Kompositionsstudien – und eben um solche handelt es sich hier – haben sich nicht sehr viele erhalten und keine die mit einer späteren Ausführung direkt zu verbinden ist“, so Krämer zuvor abschließend zur Gruppe kleiner Skizzen von Gestalten und Teilen von Gestalten in Kreide und Bleistift (S. 28/I) und wie letzteres offenbar auch auf hiesiges Paar zutrifft. Dennoch sind Rückgriffe auf frühere Arbeiten unverkennbar.

Nach hiesigem Kenntnisstand, dem sich nach Fotoansicht Dr. Krämer per mündlicher Äußerung zugleich mit dem Hinweis anschloß, daß, wie hier, die nah und groß gesehene Gruppe auch ein Charakteristikum der späten Öle sei, handelt es sich nach allem Obigen um literaturkonform

zwei der seltenen autonomen Zeichnungen des Meister’s .

Dazu schon Gode Krämer a. a. O., Seite 26/I:

„ … gibt es nur wenige autonome Zeichnungen von ihm .

Nahezu sein gesamtes zeichnerisches Werk ist gleichsam dienend, besteht aus Studien, Skizzen, Umzeichnungen, eigenhändigen Nachzeichnungen und Reinzeichnungen, die eigene Gemälde, Radierungen und Schabkunstblätter oder graphische Werke anderer Künstler vorbereiten. “

Und wenn A. Ch. Held (Gg. Ph. Rugendas, Gemälde und Zeichnungen, 1996) hinsichtlich der Qualität seiner Malerei „seiner schon früh ausgeprägten Begabung für

sanfte , atmosphärische Stimmungen ,

gedenkt (Seite 142), so bestimmt eben auch anstehende Zeichnungen

die Weichheit ihrer Pinseltechnik ,

mit Bedacht noch potenziert durch den tonigen Papiergrund. Letzterer denn auch die zumal rückseitige Bräunung von etwa 4 cm des jeweils rechten Bildrandes sowie beim zweiten Blatt 3 cm am Unterrand bildseits zu einem gut Teil auffängt und als nicht ungebührliche Patina dreier bewegter Jahrhunderte vermittelt. Im übrigen von makellos letzter Frische.

Daß diese Rugendasse zudem zivilen Bildinhalts sind, macht sie dem heutigen Pferdefreund zwangsläufig zusätzlich (sonnenabgewandt!) wandtüchtig und dem Sammler angesichts zeitbedingt mehrheitlich kriegerischer Szenarien besonders begehrenswert. Denn

„ Rugendas’ Interesse für Pferde ist … (eben) nicht nur durch die kriegerische Thematik seines Œuvre bedingt. Es ist auch Folge eines seit dem 16. Jahrhundert wachsenden hippologischen Interesses, das sich v. a. im 17. Jahrhundert in zahlreichen bebilderten Lehrbüchern zur ‚hohen Schule‘ manifestiert. Diese wurden mitunter von bekannten Schlachtenmalern wie z. B. Charles Parocell illustriert “ (Held, a. a. O., S. 127).

Tatsächlich war „der große Zeichner Rugendas“ (Krämer) ein genereller Pferde-Schilderer schlechthin und

„ ohne Zweifel ein Talent ersten Ranges, um nicht zu sagen, ein Genie. Zweifellos, unter bessere Verhältnisse versetzt, etwa in den Niederlanden um 1650 lebend, ein Künstler … der seine

sämmtlichen Pferde- und Schlachtenconcurrenten überflügelt hätte “

(Wilhelm Schmidt 1889 in der ADB, Bd. XXIX, S. 600).

Dessen Graphik-Folgen „ein wahres Lexikon für den Pferdezeichner“ bilden, so schon Meusel 1803 in seiner Lebensgeschichte des Bataillenmalers Georg Philipp Rugendas (nach Held, S. 126).

Und fürs unmittelbare 18. Jahrhundert brachte der Malerkollege Ferdinand Kobell seine Wertschätzung 1771 drastisch mit seinem résumé auf den Punkt, mit dem er das Augsburger Künstlertum der Vorgeneration beispielgebend differenzierte: „nur schade, daß in einem solchen Orth ein Ridinger – und Rugendas gelebet haben“ (Décultot und andere Hrsg., Joh. Gg. Wille, Briefwechsel, Tübingen 1999, S. 486).

Für letzteren denn hier + heute zwei „zivile“ zeichnerische Pendants von Rang und Schönheit. Und  jener für das zeichnerische Œuvre oben belegten absoluten Seltenheit, die sie so kostbar macht.

„ Sehr feine Qualitäten “,

urteilte gelegentlich eines Besuchs Christian von Heusinger, Kustos em. der Handzeichnungs-Abteilung des für seine Sammlungen gerühmten Braunschweiger Herzog Anton Ulrich Museums.

Angebots-Nr. 15.181 / Preis auf Anfrage

Einzigartig im Ridinger-Œuvre

Johann Elias Ridinger, Oberer Pferdekiefer

Die intime Kabinett-Zeichnung
der Sammlung Jolles

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Oberer Pferdekiefer eines alten Tieres, von der Unterseite gesehen. In Grau und Braun aquarellierte Graphitzeichnung. Links unten von alter Hand in Bister bezeichnet: Obrer Pferdekiefer. Ca. 1765. 257 × 145 mm (10⅛ × 5¾ in).

Provenienz

Boguslav Jolles

Dresden und Wien, dessen ligierter Monogrammstempel in Blau
(Lugt 381a) in der unteren rechten Ecke,
vermutlich auf dessen Versteigerung
„ der berühmten Sammlung von Handzeichnungen und Aquarellen
alter und moderner Meister“ Mchn. 28.-31. Okt. 1895;

Hugo Helbing, München. Katalog XXXIV (1900),
Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, Nr. 1554.

Abbildung

WELTKUNST Jg. LXIV, Seite 2688 (redaktioneller Teil)

Voll durchgeführte Studie auf feinem, leicht getöntem Bütten mit großem Wz. Seilschwingender Akrobat auf Kugel, auf einem Podest balancierend, ähnlich Heawood 1364 + 1365, doch etwas größer und wesentlich feiner und detailreicher. Das Papier in sich im übrigen korrespondierend mit jenen holländischen Papieren, wie sie Ridinger entsprechend seiner Vorrede zu den Hauptfarben der Pferde

„wegen der feinen Illumination“ für die kolorierten Werke

verwandte, „weil es hiezu das anständigste und beste ist“.

Links von der Bezeichnung Spuren gelöschter Datums- oder Jahreszahl (…9?). – Unten rechts von alter Hand in Bleistift bezeichnet: Joh. Elias Riedinger (sic!) f., wie rücksichtlich des „ie“ so in der 1. Hälfte des 19. Jhdts. und noch darüber hinaus vielfach Usus (siehe Th. S. X, Fußnote 1), doch wie auch von Ridinger selbst verschiedentlich (hier gesichert für 1724/40) signiert worden.

Verso Spuren früherer Montage punktweise an den Ecken und in schmalem Streifen im Mittelfeld der Seitenränder. Ein stecknadelkopfkleines Löchlein sorgfältig durch alte Hinterlegung restauriert und bildseits kaum noch bemerkbar. Von absolut wohlverwahrter Frische. – Unter säurefreiem Passepartout mit 23,5karätig goldgeprägten Künstler-Daten.

Vergleichbares nicht in den von Thienemann beschriebenen Weigel’schen Zeichnungsmappen

und auch nicht unter den zu 829 Nummern zusammengefaßten rund 1849 Arbeiten des Ridinger-Appendix des 1869er Weigel’schen Handzeichnungskatalogs. Ebenso fehlend in dem zu 146 Lots vereinigten 234blätt. Bestand der 1890 bei Wawra in Wien versteigerten „Schönen Sammlung von Handzeichnungen … Joh. El. Ridinger’s aus dem Besitz eines bekannten Sammlers“.

Angebots-Nr. 28.861 / Preis auf Anfrage

Das Exemplar Anderhub

Rugendas I, Georg Philipp (1666 Augsburg 1742). Diversi Pensieri. Landleute zu/mit Pferde(n). Folge von 8 Blatt. Radierungen. Bezeichnet: Diversi Pensieri p(er) Georgio Filippo Rugendas Pittore. Aug: Vind: 1699. Jeremias Wolff excudit Cum Privilegio Sac: Cæsar: Maiest. 1. (Titel) bzw., variierend, I. Wolff exc(ud). (Aug. Vind.) C(um). P(riv). S(ac). C(æc bzw. æs). M(aj). 2. (bis 8.). 11,6-11,8 × 14,1-14,2 cm (4⅝ × 5½-5⅝ in). Geheftet.

Provenienz

J. H. Anderhub

mit dessen 1937er Exlibris EX BIBLIOTHECA J. H. ANDERHUB unter seiner Büsten-Silhouette

Teuscher 23-30, I (von III, recte IV) nebst Abbildungen; Stillfried 20-27; Kunstlager-Catalog Weigel IX, 1840, 10.321 + VI, 7133 (Zustand II mit der Ridinger-Adresse nebst Datum 1750 bei Fortfall des Privilegvermerks); Schwarz, Ridinger-Slg. von Gutmann, 1910, XXVIII (nur 7 Bll.), Zustand II (Titel) bzw. II, 1 (Rid.-Adresse ohne Datum).

Bll. 1, 5 + 8 mit Wz.-Torso. – Mit 2-2,5 cm breitem partiell schwach stockigem Rand, nur der Titel auch im Bild ebenso und im weißen Rand etwas stärker. – Linksseits auf Montagekarton von 1919 aufgelegt. – Die Falzstreifen der Blätter tlw., von Bl. 8 ganz, gerissen, doch säurefrei verstärkt.

Die reizvolle Folge „bukolischen Inhalts“

gleich den „Capricci“ von 1698 (Gode Krämer in Katalog Augsburg), erfüllt von der Poesie des intimen Rugendas jenseits von Schlachtenlärm.

Die für die Übertragung aufs Kupfer gearbeiteten durchgegriffelten und rückseits gerötelten Bleistift-Vorzeichnungen im Gegensinn in Braunschweig, während sich für die Bll. 2, 6, 7 + 8 „sehr genaue gleichseitige und maßgleiche Zeichnungen (braune Feder) ohne Spuren zur Übertragung“ in Augsburg befinden, bei denen es sich keinesfalls um „Kopien nach den Radierungen“ handele und handeln könne, wie seitens Heusinger’s im 1987er Braunschweiger Ausstellungskatalog „Das gestochene Bild“ vertreten. Siehe hierzu Kat. Augsburg ad Pos. 26 + 29. Hier denn nun die von Rugendas selbst so betitelten graphischen Pensieris

im Erstzustand adäquater Provenienz.

Figurierte, wie auch weitere Graphik, nicht auf der 1963er Bücher-Versteigerung der „Bibliotheca Hippologica I. H. Anderhub“. Hier denn in rostrotem Umschlag, (eigenhändig?) beschriftet „Rugendas / Diversi Pensieri / 8 Bl / Wolff A. V. 1699 / complett s. Stillfried S. 1 No. 20-27“.

Angebots-Nr. 28.608 / verkauft

Mit Parrocel’s berühmter Reitschul-Suite

La Guérinière, (François Robichon de). École de Cavalerie; Contenant la Connoissance, l’Instruction, et la Conservation du Cheval. 2 Bde. Paris, Par la Compagnie (des Libraires), 1756. 8 unnum. Bll., 319 SS.; 2 unnum. Bll., 300 SS. Mit Autoren-Porträt + Frontispiz, gestochen von Simon Henri Thomassin (1687 Paris 1741) nach Louis Tocqué (1696 Paris 1772) bzw. Benoit II Audran nach Parrocel und

33 (4 gefalteten) Kupfern

(19 × 12 bzw. 19 × 24,5-26 cm [9⅝ × 4¾ bzw. 7½ × 9⅝-10¼ in] Blattgröße) von (14, darunter die Faltkupfer) und nach Charles Parrocel (1688 Paris 1752). Frz.-Bde. d. Zt.

Mennessier de La Lance II, 28. – Vierte Oktav-Ausgabe der 1729 erstmals kleinstformatig und unillustriert erschienenen und bis ins 19. Jhdt. wiederholt aufgelegten

fundamentalen Reitlehre des Kgl. Stallmeisters

und Gründers mehrerer Reitschulen, zu der Parrocel seine berühmte Folge schuf, die zur 1733er ersten illustrierten und zugleich folioformatigen Ausgabe führte. Die erste der ebenso illustrierten Oktavausgaben folgte 1736.

Textgenau eingebunden, startet die Folge mit 24 halbseitigen Dressur-Scenen auf 12 sämtlichs auch von Parrocel selbst radierten Tafeln, denen sich 8 ganzseitige, zugleich porträthaft ausgeführte Arbeiten anschließen, von denen zwei gleichfalls von Parrocel allein gearbeitet sind, eine nur sein invenit enthält und die übrigen fünf seiner Vorlagen von Fremdstechern (Tardieu, N. Dupuis, Laurent Cars, Beauvais, L. Desplaces) ausgeführt sind. Die vier großen Faltkupfer – neben zusammenfassender Dressurübersicht je ein reich nummernerschlossenes für die äußeren Teile des Pferdes, dessen Skelett und für das kranke Tier – wieder ganz allein von ihm. Zugehörig zwischengebunden schließlich 9 Kupfer Zaumzeug, Hufeisen, Werkzeug und Schemata, von denen acht die Stecher-Signatur von Guillaume Dheulland (D’Heuland, Anfang 18. Jhdt. bis um 1770) tragen. Sieben der eigenen Parrocel-Signaturen nur mit einem r geschrieben.

Für die hiesigen porträthaften blattgroßen Kupfer La Croupe au Mur + Le Piaffer hier von denselben Stechern Dupuis bzw. Cars ähnlich gearbeitete 1751er Folio-Formate (aus dem zweiten Folio-La Guérinière jenes Jahres?) bekannt, die statt der Dressurbezeichnung mit M. le Marquis de Beauvilliers bzw. M. de Kraut bezeichnet und von deren Wappen begleitet sind, dabei per „pinx.“ statt hiesigem „inv.“ auf Parrocels entsprechende Öle zurückgehen. Die 24 hier halbseitigen Dressur-Scenen übrigens dienten Leonhard Michael Steinberger (1713 – Augsburg 1772) als frei verwandte Vorlagen für seine im Ridinger-Verlag erschienene 24blätterige Schule (Th.-Stillfried S. 295 + Nachtrag III, S. 2; Schwarz Bd. I, XXV).

„ P.s Stärke – urteilen Thieme-Becker 1936 – liegt außer in der verblüffend treuen Darstell. des Pferdes u. aller kostümlichen Details, namentlich

in der kühnen Komposition lebhaft bewegter Gruppen .“

Hiesige Ausgabe bis auf einige Abweichungen identisch mit der von 1754. Deren gestochenes kleines Wappen auf dem Titel hier durch ein Holzschnitt-Zierstück ersetzt, abweichend auch die Pagination von S. I/319. Das Inh.-Verzeichnis von II in größerer Type gesetzt, sodaß es erst in der Mitte von S. 300 abschließt.

Die beriebenen Einbände an Ecken und Kanten leicht bestoßen sowie mit wenigen kleinen Abplatzungen und Wurmspuren. Vorderdeckelgelenk von Bd. I und das des Rückdeckels von II oben und unten jeweils 2-3,5 cm gerissen, doch allenfalls minimal nach innen durchgehend, sonst von völlig intakter Bindung, deren rotbraun marmorierter floraler Vorsatz nebst Innenspiegel eigens hervorgehoben sei. Die weißen Vorsatzrückseiten und das weiße Schlußblatt von II gebräunt, gleichmäßig schwach noch Porträt, Frontispiz und Titel von II sowie eines der Faltkupfer rückseits oben. Blatt 169/70 von I mit alter Randhinterlegung. Im übrigen praktisch fleckenfreies Exemplar mit mehrfachem interessanten alten Besitzvermerk:

Beide Vorderdeckel innen mit Wappen-Exlibris von Haugk, Vorsatzrückseite von I mit (wohl 18)42er hs. Glogauer Kaufvermerk und auf beiden Titeln hs. „M. Troost. 1881. Capitaine“.

Kurz, ein bis durchaus hin zum Einband mit seiner reichen Rückenvergoldung und den roten Rückenschildchen rundweg schönes Exemplar des unverzichtbaren Werkes mit seiner künstlerisch wie hippologisch Maßstäbe setzenden Parrocel-Illustration als eines Wertes sui generis.

Angebots-Nr. 15.149 / verkauft

Voilà , rauf geht’s

Stradanus, Johannes (= Jan van der Straet; Brügge 1523 – Florenz 1605). Staphæ, sive Stapedes. Die Erfindung des Steigbügels. Herstellung, Verkauf + Nutzung in ihrer ganzen geschäftig-prallen Fülle. Kupferstich von Theodor Galle (1571 Antwerpen 1633) bei Joan Galle (Sohn des ersteren; 1600 Antwerpen 1676). Ca. 1591. Bezeichnet im Bild u. l.: Joan. Stradanus inuent. / Joan. Galle excud. + innerhalb des Textfeldes: 9. / Titel wie oben / Pedes, humi vt, stetere equo, insidentium / Cito leuati, vt ipsa scala subleuat. 19,7 × 26,8 cm (7¾ × 10½ in).

Stradanus, Erfindung des Steigbügels

NOVA REPERTA / NEUE ENTDECKUNGEN + ERFINDUNGEN 9. – Leesberg (New Hollstein, Stradanus) 331, III; Hollstein (Theod. Galle) aus 410-430; Nagler (Stradanus) XVII, Seite 449, Nova reperta … Folge von 9 Blättern, mit Aufschriften … Gest. von Th. Galle.; Thieme-Becker (Galle Dynastie) XIII, Seite 105/II ad Th. G.: Ferner reproduzierte er eine Reihe von Kompositionen nach Stradanus.

Höchst seltenes hippologisches Specificum

aus der ersten Reperta-Folge, der sich eine gleichzeitige von Jan Collaert II gestochene, mit 10 ff. genummerte 10blätterige weitere anschloß. Es sind samt und sonders

berühmte frühe Darstellungen von Seltenheit ,

unter letzterem Aspekt die Steigbügel-Präsentation eine nochmalige Sonderstellung einnimmt und entspre-chend hier denn auch erstmals im Angebot erscheint, nachdem ein, eben nur nahezu, vollständiger Posten beider Folgen in den 1970ern hier durchlief.

„ die Alten kannten die Steigbügel nicht ,

die erst zur Zeit Ottos I. (gekrönt 936) aufgekommen zu sein scheinen “

( Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., XV [1889], 259/I ).

Sehr schöner Abdruck auf feinem leichten Bütten dieses gleichwohl späteren, unten um die Einfassungslinie ergänzten Zustands mit linksseits nur schwer lesbarem Doppelkreis-Wz. von mit 4,6-5,4 cm vorzüglicher Breitrandigkeit. – Oberhalb der rechten Bildkante verblaßte alte Numerierung „10“ in Bister. – Kleiner schwacher Fleck unterhalb des rechten Textfeldes.

Angebots-Nr. 16.084 / EUR  1380. / export price EUR  1311. (c. US$ 1585.) + Versand

„ Schleppjagd “

Vernet, Carle (eigentlich Antoine Charles Horace V., Bordeaux 1758 – Paris 1836). La Chasse. Die Hetze dürfte Reineke Rotvoß gelten, der im Augenblick noch eine Nasenlänge voraus ist. Aquatinta in Braundruck von Louis Philibert Debucourt (1755 Paris 1832). Bezeichnet: C. Vernet del. / P. L. Debucourt sculp. / Déposé a la Bibliotheque Nalle. / A Paris chez Rolland, Place Victoires, No. 6., ansonsten wie vor. 48,1 × 66,8 cm (19 × 26¼ in).

Carle Vernet, La Chasse

Dayot 2, II (m. Abb.); Fenaille 141, II, jeweils endgültiger Zustand mit der Schrift. – In der Himmelspartie zwei minimale Knickspuren. – Auf unbeschnittenem Van Gelder Zonen-Bütten mit dreiseits 4-4,8, oben 2,5 cm breitem Rand zum ohnehin breiten weißen Plattenrand.

Souveränes , prachtvolles Blatt

in der für Debucourt typischen, malerischen Aquatinta-Manier und wie alle dessen Arbeiten selten und gesucht. Für den Pferdenarren Vernet indes ein Sujet par exellence:

Derselbe Vater – der Landschafts- und Marinemaler Claude Joseph V. – kaufte ihm 1784 zu zusätzlicher Anfeuerung ein Pferd, der noch ein Jahr zuvor den Sohn ermahnt hatte, „er möge sich im Reiten mässigen, und seine Arbeiten nicht unvollendet lassen“.

Angebots-Nr. 12.292 / EUR  1508. / export price EUR  1433. (c. US$ 1733.) + Versand

Wände — unsere geheimen Kommunizierer

Hippologisches Wunder

Ridinger, Tigerpferd mit Ährenbouquet

„ Dises Junge Tyger=Pferd
welches zu Oranien=Polder einem Dorffe nicht weit von Delfft
in der Provinz Holland gezogen
hatte dises Aehren Poquet von farbe schwartz
gleich den anderen flecken u: ist 1743 .
von der Hochgräffl: Promnitzischen Herschafft aus Schlesien
auf ihrer Holländischen Reise
als eine Raritet sehr Theuer erkaufft worden . “

Die brandfrische Wiedergabe …

— J. El. Ridinger sc(ulpsit): et excud(it). 1745 —

des Tigerpferdes mit dem ganz einzigartigen Ährenbouquet nach dem nach dem Leben gemalten Porträt von Christian Ludwig Frhr. von Löwenstern (1701 Darmstadt 1754). Kupfer-Druck-Platte im Gegensinn. Bezeichnet: Lib: Baro de Löuenstern ad viv: pinx. Darmst. … 35 × 28.5 cm (13¾ × 11¼ in).

Das als hippologisches Wunder denkbar schon während der Rückreise gemalte und Ridinger als hierfür erster Instanz zu brandfrischer Dokumentation innerhalb seiner laufenden Serie zoologischer Fallbeispiele anvertraute Porträt der Promnitzischen Trouvaille. Der dem Darmstädter Hof nahestehende Baron von Löwenstern, wirkend auch als Dichter + Komponist, war gleich Goethe ein Liebhaberkünstler von gleichwohl höchst umfangreichem malerischen Œuvre. Adäquat hierzu denn

die originale Druck-Platte

im Gegensinn zu Blatt 38 (Radierung mit Kupferstich, Thienemann + Schwarz 280, „Die sechs Pferde, welche in dieser Sammlung enthalten sind, wurden später auch gesondert verkauft“) der Vorstellung der Wundersamsten Hirsche und anderer Thiere

im rotgoldenen Glanze ihres

272 Jahre alten Kupfers

als entsprechend trouvailleskes und hier weit über Thieme-Becker (Bd. XXVIII, 1933, S. 308) hinaus

nahtlos direkt bis in den Ridinger-Nachlaß selbst recherchiertes ,

von Thienemann im Rahmen der Kupferdruckplatten zu den Wundersamsten 1856 noch für verloren gehaltenes, weltweit unikates Sammlungsstück par excellence dazu. Denn

„ Erhaltene originale Druckplatten aus dem 18. Jahrhundert

sind eine große Seltenheit“

(Stefan Morét im Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, SS. 62 f. Siehe auch die hier erworbenen dortigen Kupferdruckplatten I.13, I.8 + I.11, Farbabbildung 6 + SW-Abb. SS. 63 f.).

Und speziell zu denen Ridinger’s :

„ Vom hohen technischen und qualitativen Niveau der Werke Ridingers und seiner Söhne, die im Verlag vor allem als Stecher mitarbeiteten, künden die (nur noch sehr partiell) erhaltenen Druckplatten noch heute. “

Im selben Sinne schon vorher Bernadette Schöller in Der Kölner Graphikmarkt zur Zeit Wenzel Hollars innerhalb Wenzel Hollar – Die Kölner Jahre, hrsg. von Werner Schäfke, Köln 1992, S. 19:

„ Die Kupferplatten ,

die aufgrund ihres Materialwertes wie auch der darin investierten Arbeitszeiten

eine weit höhere Wertschätzung genossen

als etwa eine allzu oft achtlos behandelte Vorzeichnung … “

Wie denn auch anderwärts: „Der Nürnberger Verleger Frauenholz war so angetan von diesem Blatt, daß er die Platte für eine beträchtliche Summe von Reinhart (1761-1847) erwarb“ (Teeuwisse III [2007], 29).

Und ganz konkret etwa Adrian Zingg, dem während seiner Pariser Jahre (1759/66) der große Wille schließlich „bis zu tausend Pfund für die Platte“ bezahlte, um „Bei der Sorgfalt, mit der er seine Arbeiten durchführte … trotzdem dabei nicht auf seine Kosten“ zu kommen. So dieser zwecks Durchsetzung seiner Dresdner Anstellungsforderungen gegenüber Hagedorn – dem Ridinger als einzige Eigen-Dedication seine Folge der Vier Tageszeiten der Hirsche widmete – als dem Generaldirektor der Künste in Sachsen:

„ Die Arbeit hatte akkordiert, als ich sie angefangen, und alle Zeit viel mehr Zeit zugebracht, als ich von Anfang geglaubt, und von meinem eigenen Geld aufgeopfert, um die Arbeit nach meinem Sinne fertigzumachen “

(Erwin Hensler 1923 im Begleittext zur 1923er Faksimileausgabe des Zingg-Stammbuches, S. 4). Etc. etc., wie in abrufbarer Komplett-Dokumentation fortfahrend.

Dabei anstehendenfalls, wohlgemerkt, gleichwohl doch immer nur Reproduktions-Platten betreffend! Welch künstlerischer und damit zeitloser Faktor denn erst dort wertbestimmend,

wo das Genie des Künstlers selbst

die Linien zieht, die Nadel führt, die Intensität des Ätzens dort verstärkt und hier zurücknimmt und dem Kupfer die eigene Vision aufzwingt!

Hier + heute denn solchermaßen eine Ridinger-Platte !

Und so hieß es hierselbst denn auch gelegentlich des Wiederauftauchens von Teilen des sogenannten Thieme-Becker-Blocks Ridinger’scher Druckplatten „Einer der sensationellsten Funde der Kunstgeschichte … Ridinger’s originale Druck- (sic!!!) Platten“. Daß anstehende

vom Meister eigenhändig allein gearbeitet ist

sei eigens erwähnt. So, wie denn auch entsprechend obiger Signatur dokumentiert.

Und zu Kupferplatten als Malgrund und generell  schließlich Keith Andrews, Adam Elsheimer, 2006, SS. 18/I, 2 bzw. 57/I,3:

„ Zum Teil waren sie doch sicherlich zur Dekoration von Möbelstücken, besonders als Furniere für Schränke bestimmt “ (Sperrung nicht im Original). Und, nochmals,

„ Außerdem ließen sich Kupferplatten auch gut in Möbelstücke einsetzen .“

Mittels feinen Lackauftrags vor Anlaufen geschützt ,

ist die Kupferdruckplatte im Rahmen ihres altersmäßigen Gebrauchs generell noch druckfähig. Angeboten und verkauft wird sie indes als Kunstwerk und Sammlungsstück, also unbeschadet ihrer schlußendlichen Druckqualität. – Kurz,

ein denkbar erfreuendes , weltweit unikates Absolutum .

Ihnen angetragen mit der Empfehlung zeitlos-eleganter rahmenfreier Hängung (Vorrichtung anbei), um Sie der jeweiligen Licht-Reflexe am schönsten teilhaftig werden zu lassen.

Und was sagten private Ridinger-Platten-Erwerber generell ?

„ … haben Sie mich überrascht … “

„ Ich möchte mich bei Ihnen bedanken ,
die Platten sind schöner , als ich erwartet hatte … “

Und ein amerikanischer Erwerber
noch ohne nachfolgenden niedersächsischen Paukenschlag im Ohr:

„ … and I know the plate will only gain in value “.

Zunächst aber präsentierten die Kunstsammlungen Augsburg 2001 den erworbenen 12er Satz zur Paradies-Folge innerhalb der Ausstellung „KUNSTREICH“ als den bedeutenden Erwerbungen des letzten Jahrzehnts (Katalog Nr. 102, SS. 198-201).

Zehn Jahre später dann fegte die Kulturstiftung des Landes Niedersachsen

mit ihrem schlagartigen Ankauf von 104 ( sic !! ) Platten

für’s exquisite Braunschweiger Herzog Anton Ulrich Museum

einen Großteil dieses Platten-Bestandes unwiederbringlich vom Markt .

Daß anstehende via Promnitz-Pless zudem bedeutsam in den 1. Weltkrieg hineinspielt sei abschließend nur noch erwähnt. Und so ist das Elitärste vielfach noch immer das Preiswerteste. Ihnen denn angetragen mit der Empfehlung zeitlos-eleganter rahmenfreier Hängung, um Sie der jeweiligen Licht-Reflexe am schönsten teilhaftig werden zu lassen.

Angebots-Nr. 14.946 / Preis auf Anfrage


“ the book has arrived! Many thanks for your helpfulness! Have a nice day, and kind regards ”

(Mr. S. S., May 9, 2016)