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Hl. Hubertus
Beschützer vor Tollwut

Tollwut-Edict Friedrich Wilhelms von Preußen (1697)

„ Es hat aber der Erfolg (des Tollwurm-Schneidens) der gehoften Wirkung nicht entsprochen “

Edict (Friedrich Wilhelms, König von Preussen, Markgraf zu Brandenburg) Wegen des Tollwerdens der Hunde. Gegeben Berlin 20. Februar 1797. (Berlin,) Georg Decker, (1797). 2° (34,5 × 24.5 cm [13⅝ × 9⅝ in]). Titel, 3 unnum. Bll. auf 2 Doppelblättern. Mit gedruckter kgl. Unterschrift und ebensolcher „L(oco) S(igilli)“-Marke nebst Gegenzeichnungen derer von Blumenthal, Heinitz, Werder, Arnim, Struensee und Schrötter. Unbeschnitten.

Großes Adler-Wz. – Mit Titelvignette und großer, reich gestalteter Anfangsvignette mit Adler (7 × 13,5 cm [2¾ × 5¼ in]). – Von einzelnen stecknadelkopfkleinen Braunfleckchen auf dem Titel abgesehen tadellos.

Sowohl jagdhistorisch als auch medizinisch außerordentlich reizvolle ,

„das Edict vom 20ten Februar 1767 — siehe Abbildung + Beitext eines solchen aus 1766 für Brschwg.-Lüneburg bei Schlieker, a. a. O., 3/10 — , auch schon vorher“ aufgreifende Verordnung, Bekämpfung und Vorbeugemaßnahmen – „daß den Hunden der sogenannte Tollwurm unter der Zunge geschnittensiehe unten — werden soll“ – dem neuesten Wissen anpassend bzw. gänzlich neu regelnd:

„ Wir haben Uns daher entschlossen, obgedachtes Edict wegen des Tollwurmschneidens der Hunde, wie hiermit geschiehet, ganz aufzuheben und dagegen andere Vorkehrungen zu treffen, wodurch Menschen und Vieh vor dem Biß toller Hunde gesichert und die von solchem Bisse entstehende traurige Folgen von Unseren Unterthanen abgewendet werden “.

In sechs Paragraphen die drei Grade der Tollheit beschreibend sowie Maßnahmen, Strafen und Schadenersatz, auch Besonderheiten für medizinische Versuche durch Ärzte und die Behandlung von angefallenen Menschen regelnd:

„ Das Kurieren der tollen Hunde wird … verboten; es sey dann, daß ein Arzt, zur Erweiterung seiner Kenntnisse, einen Versuch damit machen wolle … Sobald ein Mensch von einem tollen, oder auch nur verdächtig scheinenden Hunde gebissen worden, so soll … wer zuerst davon unterrichtet ist, solches dem Kreis-Physico oder Chirurgo … anzeigen, welche wegen der Heilungsart bereits mit hinlänglichen Vorschriften versehen sind … ein gleiches soll auch in Ansehung der Thiere, welche das Vermögen der Menschen mit ausmachen … statt haben. “

Angebots-Nr. 12.238 / EUR  322. / export price EUR  306. (c. US$ 350.) + Versand

Tollwut-Mandat Friedrich Augusts von Sachsen (1782)

„ eine vielleicht vielen befremdliche Cur=Art dem gewissen Tode des Kranken vorziehen . “

Mandat (Friedrich Augusts, Herzog zu Sachsen), die wider das Herumlaufen und die Wuth der Hunde vorzukehrenden Anstalten betreffend. Nebst den Beilagen „Ursachen der Wuth der Hunde, und die Kennzeichen solcher Wuth“ sowie „Anweisung wie man sich bey dem Bisse toller Hunde zu verhalten habe und dessen traurigen Folgen vorbeugen könne“. Gegeben Dresden 7. Sept. 1782. Dresden, Chur-Fürstl. Sächs. Hof-Buchdruckerey, (1782). 2° (34,8 × 21 cm [13¾ × 8¼ in]). Mit Eingangs- + Schluß-Vignette in Holzschnitt. 12 Bll. Mit gedruckter hzgl. Unterschrift nebst „L(oco) S(igilli)“-Marke und ebensolchen Gegenzeichnungen George Wilhelm v. Hopffgarten’s sowie des Sekretärs Chr. Gottlieb Kretzschmar. Geheftet. Unbeschnitten.

Aktenvermerk „Nom: 13.“ von alter Hand auf Titel. – Namentlich der Hauptteil in schöner, großer Typographie. – Breitrandig.

Außerordentlich inhaltsreiche Verordnung

zu Bekämpfung + Heilung der Tollwut ,

beginnend mit der Verminderung der überhaupt gehaltenen Zahl Hunde und „insonderheit auch die Hausbesitzere anzuweisen, daß sie denen bey ihnen wohnenden unbemittelten Leuten das Halten der Hunde, in soferne sie nicht derselben bey Ausübung ihrer Profeßion oder Hanthierung unumgänglich benöthiget sind, nicht gestatten, und, falls, dieselben die Hunde abzuschaffen sich verweigern, der Obrigkeit davon Anzeige thun sollen“. Ebenso sollen zweimal jährlich streunende Hunde eingefangen und – gleich den tollwütigen – nach vierundzwanzigstündiger Verwahrung, so sie nicht von ihren Eigentümern abgeholt wurden, totgeschlagen werden. Auch sollen Bauern, Kutscher, Fleischer und andere Hunde allenfalls „unter den Wagen angebunden“ mit in die Stadt bringen wie überhaupt in Stadt und Land Hunde nicht frei herumlaufen zu lassen sind, sondern an der Kette zu halten, mit Klöppeln zu behängen oder am Strick zu führen sind. Wird indes ein toller Hund vermeldet, sind alle anderen solange einzusperren, bis die Gefahr vorüber ist. Aber

„ Um den Ausbruch einer Wuth bey den Hunden möglichst zu verhindern, und den traurigen Folgen, welche der Biß toller Hunde nach sich ziehet, auf nur immer thunlichste Weise vorzubeugen, soll allen Hunden, ohne Ausnahme,

der sogenannte Toll=Wurm geschnitten … werden . “

Wofür durch die Stadträte Personen zu bestellen sind, „welche, den Toll-Wurm zu schneiden, gnugsame Gechicklichkeit besitzen (und) erhalten dieselben für jeden Hund … er sey groß oder klein, in Städten Zweene Groschen, und auf dem Lande Einen Groschen“. Für die Bestätigung aber „in Städten Einen Groschen, und auf dem Lande Sechs Pfennige“. Im übrigen aber auch anordnend, daß in Apotheken, aber auch andernorts, stets ein ausreichender Vorrat „aus Mäy-Würmern zubereitete(r) Artzney“ gehalten werde.

„ Über das Wesen des die Tollwut verursachenden Agens herrschten die verworrensten Vorstellungen … Auch der bei Fleischfressern unter der Zunge vorhandene Bindegewebsstrang, der als ‚Tollwurm‘ bezeichnet wurde, sollte für die Entstehung der Krankheit bei diesen Tieren verantwortlich sein. In vielen Landesteilen wurde es daher den Hundehaltern durch Verordnungen zur Pflicht gemacht, den ‚Tollwurm‘ ihres Hundes entfernen zu lassen …

Bereits Gracius Faliscus, ein Zeitgenosse Ovids († 18 n. Chr.), erzählte schon die Fabel von dem Wurm unter der Zunge als Ursache der Wut, die dann durch Plinius (23-79 n. Chr.) in seinen Naturgeschichten verbreitet worden ist – zitiert nach Froehner [in Abhandlungen aus der Geschichte der Veterinärmedizin, Heft 4, Leipzig] 1925, Seite 78 – … ”

(Günther Schlieker, a. a. O., Seiten 11/I + 13 per 3/10).

Als nicht ursächlich erkannt, wurde anstehende Wurm-Verordnung für Dresden 1796 (nunmehr auf Quarantäne + Hygiene setzend) und in Preußen 1797 (Kurierverbot für die erkrankten Hunde, Behandlungsvorschläge für gebissene Menschen) zurückgenommen.

Von ganz überragendem Interesse aber die 2seitige „umständliche Beschreibung“ der Ursachen der Tollwut, vor allem aber

die 8seitige Anweisung zur Behandlung eines Gebissenen

mit allen Einzelheiten zu Reinigung der Wunde, Hygiene, Ruhe, Nahrung – Holunder-Blüthen-Tee – und aufmunternder Pflege.

Dieser Detail-Reichtum macht anstehende Verordnung zu einer wahren Fundgrube. Zum einen hinsichtlich des sogenannten Tollwurms, dessen Entfernung später – so in einer preussischen Verordnung von 1797 – als unwirksam erkannt wurde. Ganz besonders aber im Vergleich mit der mit 16 Blatt deutlich umfangreicheren Nachfolge-Verordnung von 1796, die bei Tier + Mensch generell, besonders aber bei der „Entsorgung“ kranker Hunde wie auch der Pflege gebissener Menschen die Hygiene nunmehr in grundlegender, sichtbar über die Wundpflege hinausgehender, Weise gewichtet.

Angebots-Nr. 13.081 / EUR  496. / export price EUR  471. (c. US$ 539.) + Versand

Tollwut-Mandat Friedrich Augusts von Sachsen (1796)

– – – Nachfolge-Verordnung zu vorstehender gegeben Dresden 2. April 1796. Ebda. (1796). 2° (34,8 × 22 cm [13¾ × 8⅝ in]). Mit großer Anfangs-Vignette in Holzschnitt + Eingangs-Initiale. 16 Bll. Mit gedruckter hzgl. Unterschrift nebst “L(oco) S(igilli)”-Marke und ebensolchen Gegenzeichnungen Friedrich Adolph v. Burgsdorff’s sowie des Sekretärs Frdr. Moßdorf. Geheftet. Unbeschnitten.

Hs. Aktenvermerk “Nom. 23” von alter Hand auf Titel. – Letzte vier Blatt mit kleiner Wurmspur im breiten weißen Oberrand, Schlußblatt unten im Rand mit zwei Braunflecken. – Namentlich der Hauptteil in schöner, großer Typographie. – Breitrandig.

Wiederum außerordentlich inhaltsreiche Verordnung

mit direktem Bezug zu obiger, „da die Absicht nicht hinlänglich erreichet worden ist … haben wir Uns … bewogen gefunden … ein anderweites Mandat zu erlaßen, und darinnen,

nach den seit Erlaßung des obangeführten Mandates gemachten Erfahrungen,

alles dasjenige, was künftig in Ansehung dieses Gegenstandes beobachtet werden soll, zusammen zu faßen“.

Beginnend wiederum mit der Verminderung der überhaupt gehaltenen Zahl Hunde, „da überhaupt durch das Halten unnützer und unnöthiger Hunde die mit dem Herumlaufen derselben für das Publicum verbundene Gefahr vermehrt, und zugleich dem letztern ein beträchtlicher Theil der unentbehrlichsten Nahrungsmittel entzogen wird … Insbesondere ist notorischen Armen, welche aus der Allmosen=Casse des Orts ihren Unterhalt ganz oder zum Theil empfangen, und solchemnach ihre Hunde auf Kosten des Publicums unterhalten würden, das Halten der Hunde nicht zu gestatten, oder doch, wenn die Obrigkeit … Erlaubniß zu ertheilen, für diensam erachtet, diese auf mehr als Einen Hund in einer Familie nicht zu erstrecken“.

Frei und ohne Beißriemen laufende Hunde sollen Nachts grundsätzlich, sonst nach Bedarf, mindestens aber zweimal jährlich eingefangen werden und können gegen acht – bei Aufgriff durch den Nachtwächter 16 – Groschen ausgelöst werden, unbeschadet weiterer Strafen. Als unwirksam erkannt und daher hier nicht mehr erwähnt die Verpflichtung zum Schneiden des sogenannten Toll-Wurms. Dagegen hat nunmehr

— das ist die Einführung der vorsorgenden Quarantäne ! —

„ zu Abwendung der von wüthenden Hunden zu besorgenden höchst traurigen Folgen … jeder Eigenthümer eines Hundes … denselben auf das Genaueste zu beobachten, und bey Verspürung auch nur der entferntesten Kennzeichen – wie in Beilage I beschrieben – von einer ihn anwandelnden Tollheit sofort einzusperren … daferne aber die entstandene Vermuthung … sich bestätiget, selbigen ohne Verzug zu tödten. “

Und dann folgt auf die Quarantäne vollkommene Hygiene :

„ Ein getödteter toller Hund … so wie alles andere von einem wüthenden Hunde gebißene und getödtete Vieh, ist wenigsten zwey Ellen tief unter die Erde zu verscharren – so schon 1782 – und mit Kalk zu bedecken; auch ist dabey die Vorsicht zu gebrauchen, daß selbiges nicht mit bloßen Händen berührt, sondern

mit Handschuhen , oder mit Hülfe kurzer hölzerner Stangen ,

fortgeschafft und die dabey gebrauchten Instrumente oder Handschuhe mit in die Grube geworfen werden … nicht etwa in einen vorbeyfließenden Fluß oder Bach. “

Von überragendem Interesse im weiteren aber die 3½seitige „von Unserm Sanitäts=Collegio abgefaßte, Beschreibung“ der Ursachen der Tollwut, gegenüber der seinerzeitigen um neue Aspekte angereichert und im Umfang rund verdoppelt, vor allem aber die nicht zuletzt auch von einigen Ungereimtheiten befreite

6½seitige Anweisung zur Behandlung eines Gebissenen

mit allen Einzelheiten zu Reinigung der Wunde, Hygiene, Ruhe, Temperatur, Nahrung – Hollunder-Blüthen-Tee – und aufmunternder Pflege, ohne damit die möglichst schnelle Hinzuziehung eines Arztes oder – wenigstens – befähigten Baders ersetzen zu wollen. Gegenüber der 1782er Verordnung indes auch ergänzend

die Anleitung zu erster Selbsthilfe wie auch die Abbindung

des betroffenen Körperteils ,

„ damit die Einsaugung des Gifts verhindert werde “.

Solchermaßen aber ein

medizin- + hygiene-geschichtlicher Beleg allerersten Ranges .

Angebots-Nr. 13.082 / EUR  496. / export price EUR  471. (c. US$ 539.) + Versand

Tollwut-Vorschriften von Friedrich August von Sachsen (1797)

– – – – Dasselbe per Vorschriften, für die Bewohner der Städte und des Landes, aus dem unterm 2. April, wegen Einschränkung des Hundehaltens und der von wüthenden Hunden zu besorgenden Gefahr, publicirten Mandate, nebst den darzugehörigen Beilagen „Ursachen der Wuth der Hunde und die Kennzeichen solcher Wuth“ sowie „Anweisung, wie man sich bey dem Biße toller Hunde zu verhalten habe, und dessen traurigen Folgen vorbeugen könne“. (Dresden) 1797. Kl.-4° (20,5 × 17 cm [8⅛ × 6¾ in]). 24 SS. Geheftet und mit Garnschlaufe oben links.

Hs. Aktenvermerk „Nom: 24“ von alter Hand auf Titel. Dieser gebräunt und etwas schmutzstippig sowie mit kleiner unauffälliger, das zweite Blatt noch ganz minimal berührender Wurmspur.

Die mit Kordel zum Aushang verwandte Version

der außerordentlich inhaltsreichen Verordnung zu Bekämpfung + Heilung der Tollwut,

die Bestimmungen in teils abgeänderter Reihenfolge in knappen + einprägsamen Sätzen zusammenfassend.

Ungekürzt fast durchgehend wörtlich aus dem Mandat übernommen im weiteren aber die 5½seitige Beschreibung der Ursachen der Tollwut, vor allem aber die 10seitige Anweisung zur Behandlung eines Gebissenen mit allen Einzelheiten zu Reinigung der Wunde, Hygiene, Ruhe, Temperatur, Nahrung und Pflege.

Ein die Umsetzung von Kanzlei-Recht in den Alltag beispielhaft aufzeigender importanter Beleg.

Angebots-Nr. 13.083 / EUR  345. / export price EUR  328. (c. US$ 376.) + Versand


„ herzlichen Dank für die rasche und ausführliche Behandlung meiner Anfrage. Ich bestelle hiermit beide o. a. Gebote … bin ich auch mit Vorauszahlung einverstanden “

(Frau R. R., 20. November 2002)