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Am 10. April vor 250 Jahren

vollendete sich das Leben

Dedié à Monsieur Jean Elie Ridinger

„ … eine(s) der hervorragendsten
deutschen Graphik-Künstler aus XVIII Jh. … “

Alojzy Oborny ,
Direktor des Nationalmuseums in Kielce ,
im noblen polnisch-deutschen Ausstellungskatalog
zur großen
1997/98er polnischen Ridinger-Wander-Ausstellung

Ridinger

10. April 1767

Ridinger, Omnia Mihi Subdita

zum 250ten

10. April 2017

» Als ich vor etwa 60 Jahren

erstmals mit Ridinger in Berührung kam ,

hielt ich ihn für einen Darsteller der Jagd.

Seine Bilder habe ich (vielerorts) …

insbesondere bei und zwischen Jagdtrophäen (gesehen).

Dieser Eindruck ist inzwischen verschwunden.

Ridinger

hat sich mit einer Fülle von geistigen Problemen

auseinandergesetzt ,

die nichts mit der Jagd zu tun hatten.

Er ist offenbar ein vielseitig gebildeter Mann gewesen.

(So)daß ich Ridinger

heute umfassender sehe «

Wolfgang Weitz

Vorsitzender Richter em., Jagdhistoriker + Stifter ,

Träger der Verdienstnadel in Gold des Deutschen Jagdschutzverbandes ,

mit Brief vom 30. August 2006

Dedié à Monsieur Jean Elie Ridinger
Des Sohnes Johann Jacob 1767er Gedächtnisblatt nach väterlicher Vorlage

Die letzte Platte des Meister’s

Ridinger, Windhund Avion

— hier durchgelaufen in badische Privatsammlung —

mit dem Zusatz der Söhne

Verfertiget von Johann Elias Ridinger Mahler und Kupferstecher 1767

„ Verfertiget von Johann Elias Ridinger Mahler und Kupferstecher
in Augspurg: Ao. 1767. Mense Apr. in den lezten Tagen seines Lebens,
Ætatis 70. “

MEMENTO MORI

„ Quid q(uid) agis, prudenter agas et respice finem, Sir. 7.c.

Was du thust so bedencke das Ende, so wirst du nimmermehr übels thun .

(Sir. 7. Cap.) “

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Memento Mori. Auf der auf dem Tisch liegenden Bibel Totenschädel mit etlichen fehlenden Zähnen. Rechts davon Vase mit blätterndem Blumenbouquet, links, wie seltener, Schale mit Seifenblasen, auf der ein vierfingrig gezackter Stab mit anhängendem Siegel ruht, sowie heruntergebrannte(s) Kerze/Lebenslicht, auf dessen Ständer eine Kerzenschere, dahinter Sanduhr und darüber Vorhang mit großem zackigen Ausriß für den Vorhang des Lebens, seit dem Mittelalter aber auch Symbol des Geheimnisvollen, dessen ggf. religiöser Trost von dem Loch indes schon wieder konterkariert wird. Unter der Bibel hervorschauend und über den Tischrand hinausragend ein unbeschriebenes Blatt Papier mit Einriß und Eselsohr. Schabkunstblatt. Bezeichnet: Ioh. Elias Ridinger inv. et exc. Aug. Vind., ansonsten wie vor. 51,6 × 42 cm (20¼ × 16½ in).

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

deren Ridinger-Versteigerung 1958
mit deren Lot-Nr. 145 auf dem Untersatzkarton

Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen

(1922-2004)

Stillfried (3. Nachtrag zu Thienemann, 1876) + Schwarz (Coll. Gutmann, 1910) 1426, offenbar beide III (von III); Reich auf Biehla 295 („Aeusserst selten“, 1894! Ohne Zustandsangabe.); Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940), 434 (ohne Rand, wohl dito); Faber-Castell 145, Zustand I (von III) wie auch das Exemplar der Staatlichen Graphischen Sammlung München (1963:1644); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1, 289 (1975, Stillfried’s Beschreibung wiedergebend); Ridinger-Katalog Kielce (1997), 172, II (von III) nebst Abb.; Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger in Wunderlich (Hrsg.), L’Art Macabre 2, 2001, Abbildung S. 103 (III. Zustand).

Nicht bei Thienemann (1856), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1894), Slg. Coppenrath (1889 f.), Slg. Hamminger (1895), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1554 Positionen; 1900).

Die verschiedenen Zustände von der hier vorliegenden Literatur bislang nicht erfaßt und nach derzeitigem hiesigen Kenntnisstand in ihren Abweichungen wie folgt zu ordnen:

  1. wie hier vorliegend, mit der Schere quer über dem Fuß des Kerzenständers, mit dem mit seinem vierzinkigen Kopfende auf der Seifenblasen-Schale aufliegendem Stab, daran befestigt ein über die Tischkante herabhängendes Siegel. Von den aufrecht stehenden Blumen fallen zwei Blütenblätter herab.
  2. Fortfall des Stabes mit dem Siegel. Das Blatt Papier in seiner Unterkante minimal verändert, dessen rechte Ecke statt der spitzen Erweiterung nach unten glatt geschlossen. Das Bouquet bei nur unwesentlich veränderter Zusammenstellung weiterhin aufrecht. Die dritte Zahnlücke des rechten Oberkiefers geschlossen. Der aus dem Buchblock herausragende Papierstreifen etwas verkürzt.
  3. Fortfall nun auch der Schere auf dem Kerzenständer und Vereinfachung des Inhalts der Seifenblasen-Schale. Der Kerzenständer ein wenig von der Tischkante zurückgesetzt und die vorgesetzte oberste, wulstige Kantenabstufung weniger betont. Im Gegensatz zu jeweils zwei weiteren Abstufungen bei I+II hier nunmehr drei. Die umgeschlagene linke Unterecke des Papierbogens nervös-spitz, die rechte ihrerseits wieder leicht spitz nach unten weisend. Das Bouquet weniger üppig und auch sonst verändert, die vier Hauptblumen, namentlich die linke der beiden Rosen als Vergänglichkeitssinnbild, betonen durch Neigung der Köpfe ihr Dahinwelken. Außer den beiden herabfallenden Blütenblättern, davon das untere deutlich verändert, nun bereits zwei auf der Tischplatte. Die rechte dritte Zahnlücke wieder geöffnet. Der Papierstreifen im Buchblock weiter verkürzt. Die Ziselierung des Kerzenständers zu Gunsten vereinfachter Formen aufgegeben, dabei das Fußdesign in seinem Hell-Dunkel-Spiel von geradezu neuzeitlicher Expressivität, wie sie erstmals auch in der breiten Quastenbordüre des Vorhanges ihren Widerhall findet, doch auch von der nochmals verstärkten Akzentuierung des Vasenbauches aufgenommen wird. Wie die Vase generell mit dem Kerzenständer so überzeugender korrespondiert als mit dessen Feinziselierung in den beiden Vorzuständen.

Früheste Fassung
dieses bildhaft-schönen Vanitas-Stillebens

Johann Elias Ridinger, Memento Mori

als ein niederländisch gespeistes Wetterleuchten im Œuvre des Meister’s

und eine dessen

interessantesten Raritäten dazu .

Daneben marginalere Abweichungen. Durchaus ausgehend von der Notwendigkeit von Überarbeitungen der sich technisch bedingt extrem schnell abnutzenden Schabplatte, die nach Urteil des Praktikers Sandrart (1675) nur 50-60 gute Abdrucke ermöglicht, nutzte Ridinger die Gelegenheiten gleichwohl zur Verdeutlichung seines geistigen Standortes, wobei die ursprüngliche niederländisch verankerte bürgerlich-schöne Bildkomposition, wie anstehend, zu einer radikalisierten Vergeistigung führte mit ab II. Zustand dem Papierbogen so nackt wie der Schädel. Eine Entwicklung vergleichbar den in der Konzeption abweichenden vier letzten Blättern seiner Fabel-Folge. Von ihm selbst erdacht und gezeichnet, ins Kupfer übertragen und postum veröffentlicht aber erst durch seinen Ältesten, Martin Elias.

Die bewußte Fortentwicklung eines Bildinhaltes hat in Bezug auf Ridinger aber auch seitens verschiedener Hände eine interessante zeitgenössische Parallele.

So ließ Sebastian Walch (1721-1788) bei, so Stillfried + Schwarz, Überarbeitung der Schabplatte des bekannten Haid’schen Ridinger-Portraits Th. XX, 2/Schwarz 3 bei gleichzeitiger Gesichtsalterung Diana und das landschaftliche Beiwerk außerhalb des Spiegels/Medaillons fort und diesen ohnehin schon auf Postament ruhenden auch noch in Mauerwerk ein. Womit er der ursprünglichen Bildaussage („die erlegten Tiere im Vordergrund lassen an Jagdstilleben denken und erinnern so an die Vergänglichkeit alles Irdischen“, Morét) regelrechten Sepulkralcharakter verlieh.

Und noch zu Lebzeit Ridinger’s entstand hieraus das verkleinerte anonyme Brustbild-Medaillon Th.-St., 1876, S. 2, oben, Morét, Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, S. 57 nebst Abbildung, dem nunmehr außer dem Postament alles genommen ist. Also auch Palette und Staffelei innerhalb des Medaillons/Spiegels. Und anstatt in Mauerwerk ist es in einen schweren Vorhang mit Quaste eingelassen. Ein Weg also von bildharmonischem Ursprung zum nackten Kern von nur noch Portrait, Postament und, als Träger des Geheimnisvollen und Verborgenen, Vorhang. Nur noch in Umriß und sehr verkleinert findet sich diese anonyme Endversion schließlich 1775 als „3.“ bei Lavater, Physiognomische Fragmente, Bd. I, S. 253. An gleicher Stelle denn auch noch das Fenster-Vorhang-Portrait Th. XXI,3 (s. 1876er Stillfried-Nachtrag S. 2, Mitte).

Ein anderes Beispiel von Überarbeitung einer Schabplatte durch Ridinger selbst begegnet uns in Schwarz 1499/1500.

HIER denn nun der ERSTZUSTAND

von Ridinger’s ureigenstem MEMENTO MORI

in tiefbraunem Druck schönster Plastizität auf festem Bütten mit Wz. WANGEN und separater IV, wie beide für zeitgenössische Drucke stehend. Mit seitlich 8-14 mm, oben 17 mm Rand, unten unter partiell leichtem Signatur-Anschnitt, doch Verlust des „Sir. 7. Cap.“ als Schlußzeile des Untertextes beschnitten. Althinterlegte kleine Ausrisse im freien Feld links außen des tonig-schönen Textunterrandes bei noch minimalem Hineinreichen in den Kantenabschluß des Tisches sowie innerhalb der beiden Zitatzeilen unter Fastverlust der Buchstaben „uid“ im zweiten „quid“ der ersten und minimaler Berührung der Buchstaben „as“ im „Was“ der zweiten Zeile. Im Bild selbst vereinzelte altbeigelegte Klein(st)läsuren, optisch haarrißartig deren vier im Vorhang oben links und einer im rechten Schädelauge, stecknadelkopfartige drei weitere an Schädelrand, auf der Bibel, im Vorhang. Eine weitere Kleinläsur in der weißen Tischkante rechts unten kaum wahrnehmbar, bildseits gar nicht einige wenige unversorgt gebliebene stecknadelkopfkleine Löchlein, wie auch die nicht ganz unübliche geglättete Mittelfalte nur im Schädel noch sichtbar. Von zwei hinterlegten Kleineinrissen im weißen Rand rechts einer 7 mm in die Bildausfüllung reichend. Ein leichter Braunanflug vom Fuß des Kerzenhalters an abwärts vom Druckbraun optisch nahezu eliminiert. Gesamthaft somit etwas zeitspurig, doch nicht allein rücksichtlich der zusätzlichen Seltenheit als Erstzustand und der ridingerbezogen bedeutsamen Provenienz durch und durch erwerbenswürdiges

herausragendes Beispiel aus der Gruppe der Vanitas-Arbeiten und Totentänze .

Bezüglich der kostbaren Schabtechnik generell schließlich resümierte schon 1856 ( sic ! ) Thienemanns:

„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr

… zu bekommen … sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind … “ (Seiten VIII + 270).

Angebots-Nr. 14.856 / Preis auf Anfrage

„ … hat die künstlerische Gesamterscheinung Ridingers

eigentlich nichts

von einem ‚Augsburger‘ Künstler …

… daß er ein Tiergestalter sui generis gewesen ist ,

dessen – wirklich einzige – Art

von keinem anderen Künstler

auch nur ähnlich wieder erfüllt worden ist “

Wolf Stubbe

18. wie 20. Jahrhundert gleichermaßen verbundener

früherer Direktor des Hamburger Kupferstich-Kabinetts,

in Johann Elias Ridinger, Hamburg/Berlin 1966, Seiten 10 + 13

„ Das große Totentanzblatt “

Johann Elias Ridinger, Totentanz

erst 1876

seitens Graf Stillfried’s bekanntgemacht worden

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Totentanz. Kreiskettenreigen von neun Frauen plus Gerippen um geöffneten Sarg mit zwei Gerippen inner- und außerhalb der Friedhofsmauer als Mittelstück. Darüberhinaus, zurückgesetzt, Kapelle + Beinhaus (?) samt Mauern. In den Ecken Sündenfall – Golgatha – Ewiges Leben + Fegefeuer, dazwischen zwei Textkartuschen. Umgeben im Außenfeld von 12 Medaillons nebst Textkartuschen für den Tanz der Männer, getrennt von 8 (6 verschiedenen) Vanitas-Attributen. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger excud. Aug. Vindel., ansonsten wie nachfolgend. 65,3 × 48 cm (25¾ × 18⅞ in).

Th.-Stillfried + Schwarz 1428; Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX, 2032 ( „Aeusserst selten“, 1885 ! ).

Abbildung in L’Art Macabre 2, Jahrbuch der Europ. Totentanz-Vereinigung, D’dorf 2001, innerhalb des hiesigen Beitrags Die Vanitas-Symbolik bei Joh. El. Ridinger (erweiterte Online-Fassung).

II. Zustand (von 2?), wie auch das Explr. der Staatlichen Graphischen Sammlung München. – Die Exemplare Stillfried + Schwarz, Boerner und das der Versteigerung Gräflich Faber-Castell (1958) als

„ Das große Totentanzblatt / Hauptblatt “

an Hand ihrer Beschreibungen zustandsmäßig nicht fixierbar. Hingegen erweist sich das von Patrick Pollefeys im Internet vorgestellte als früherer, derzeit zu unterstellender Erstzustand.

Nicht bei Thienemann und damit auch nicht im Dresdner Cabinett, siehe oben, fehlend den umfangreichen Beständen Weigel (1857), Coppenrath (1889/90), Wawra (1890), Reich auf Biehla (1894; „Von allen [R.-Slgn.], welche seit langer Zeit [verhandelt wurden], kann sich keine in Bezug auf Vollständigkeit und Qualität auch nur annähernd mit der vorliegenden … messen … besonders die Seltenheiten und unbeschriebenen Blätter, welche in reicher Anzahl vertreten sind“; 1266 Blatt zuzgl. 470 Doubl. + 20 Zeichn.), Hamminger (1895), Helbing (1900), Rosenthal (1940) u. a. m.

Typographisches + figürliches Wz. – Oben + rechts mit nahezu durchgehend feinem Rändchen, links + unten (hier gleichwohl bei 1,5 cm breitem Plattenrand) überwiegend auf Plattenkante geschnitten. – Hälftig alt per Eckmontage auf breitrandiges Bütten aufgelegt, wovon eine Ecke sich unter Rißbildung (restauriert) gelöst hat. Praktisch nicht störende Mittelfalte.

Das druck- und erhaltensmäßig sehr schöne Exemplar

einer qualitätvollen Sammlung von in allen Partien nuanciertem Hell-Dunkel. Und solchermaßen

von größter Seltenheit

nicht allein am Markt, wie oben belegt, sondern generell. Bezifferte doch schon 1675 der Praktiker von Sandrart „saubere Abdrucke“ der samtenen Schabkunst auf nur etwa „50 oder 60 (!). (H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet“. Entsprechend denn 1856 Th., s. o., und erst 1876 machte es Graf Stillfried in Ergänzung Thienemann’s bekannt. Die dortigen Zitate nicht ganz akkurat.

DAS ERSTE DER GROSSFORMATIGEN ZWEIBLÄTTERIGEN FOLGE

mit der hier nicht präsenten Allegorie der Lebensalter als Gegenstück (Th.-St. + Schwarz 1429; Abbildung des Exemplars in Augsburg in L’Art Macabre 2 wie oben)

ALS EINEM HÖHEPUNKT DER RIDINGER’SCHEN VANITATES

in aktualisierter Wiederholung eines anonymen Flugblattes des späten 16. oder frühen 17. Jahrhunderts, jedenfalls „vor 1623“, als der

„ nachweisbar früheste(n) und bekannteste(n) Totentanzillustration

dieser Art im deutschsprachigen Raum “

(daß bezüglich „nachweisbar“ hierbei tatsächlich, gleichwohl sicherlich irrigerweise, nur an die Nachfolge jenes Anonymus seitens des Nürnberger Verlages von Paulus Fürst gedacht wird, findet unten Erwähnung), nämlich „jener Sonderform des Totentanzes, in der beide Darstellungsformen – der Reigen in Kreisform und der Tanz im paarweisen Aufzug der Lebenden und der personifizierten Tode als den beiden wichtigsten unter den Totentänzen – kombiniert werden“ und damit die „einzige Form (bildet), die in der Lage ist, den Totentanz ‘vollständig’ darzustellen … (wobei die) Kapelle mit Umfassungsmauer am Horizont (deren Komplex Ridinger hier mittels besagten zweiten Gebäudes nebst eigener Ummauerung erweitert hat) … (als) eine dritte Perspektive … eingeblendet wird … (dies alles entlehnt) der (der Darstellung auf Friedhofsmauern als Ursprung folgenden) geläufigen linearen Form der Buchtotentänze … aber dennoch in Kreisform angeordnet“ (siehe Imke Lüders, Totenreigen-Totentanz, Totentanzillustrationen auf Flugblättern des Barock und ihre Rezeption, in L’Art Macabre 1, D’dorf 2000, nebst Abbildungen, zu denen siehe unten).

Die Kartuschen-Texte jeweils in latein. + deutscher Version. – Im Mittelstück zwischen Golgatha + Ewigem Leben „Der Todt Christi zu nicht hat gemacht / Den Todt, und Sleben wider-bracht.“ + unten zwischen Südenfall + Fegefeuer „Den Todt und ewige höllische Pein / Hat veruhrsagt die Sünd allein.“

Das Außenfeld führt im Uhrzeigersinn die gesellschaftlichen Stationen des großen Endeinerleis von 1-12 vor, wobei die Statussymbole achtlos auf der Erde liegen. Nur dem Narren ist die Schellenkappe belassen und umfaßt die Rechte die Pritsche.

„ Papa. / Pabst. … Des Pabst gewalt den Tod nicht halt. // Imperator. / Kayser. … Das haupt der welt dem Tod heim fällt. // Rex. / König. … Des haupts gekront der Tod nicht schont. // Cardinalis. / Cardinal. … Den Cardinal ich auch hin hal. // Episcopus. / Bischoff. … Byder (nicht Stillfried’s ‘Vader’; latein.: Et Episcopalis mitra juris est mei), Bischoff, führ ich aufn Frythoff. // Dux. / Herzog. … Seyst Herr oder Fürst dem Tod zletz wirst. // Comes. / Graf. … In Graffn und Knecht der Tod hat recht. // Nobilis. / Edelman(n). … Kein Edel blut dem Tod ist zu gut. // Civis. / Burger. … Kein mensch hie hat ein bleibend Statt. // Rusticus. / Baur. … Der baur auch muß unters Tods fuß. // Mendicus. Bettler. / Miles. Kriegsman(n). … Kriegsman(n), Bettler, gleich halten her. // Stultus. Narr. / Enfans. Kind. … Kindt Narrn Zugleich gehören in mein reich. “

Als die wesentlichen Bindeglieder seien erwähnt oben/unten Mitte, jeweils untereinander, Zeituhr (12 Uhr 25), Stundenglas, Totenschädel, Knochen + Totenschädel mit aufsitzendem Kelch/Trichter (?), mit Flüssigkeit gefüllter Eimer mit Rührstab. Links/rechts Mitte gekreuztes Totengräberwerkzeug zwischen Totenbahre + Sarg mit Bahrtuch, von vier Leuchtern flankiert.

Im Gegensatz zur zeit-, mehr noch artikeltypisch klischeehaften Flugblatt-Vorlage entspricht das Erscheinungsbild des Ridinger’schen Tanzes in seinem anstehenden 2. Zustand sowohl seiner Zeit als auch einem anderen künstlerischen Anspruch. Die bei aller Grundform individuell ausgeformten Gesichter sind bis hin zu Naturhaar die lebender, neuzeitlicher Gestalten. Aber auch sonst erweist sich dieser Zustand als der zeitlich wie bildlich jüngste in der hier vergleichsweise heranziehbaren, vom besagten Flugblatt vor 1623 angeführten Reihe. Siehe dieses bei Imke Lüders, mutmaßlich irrigerweise vorgestellt als nur eine Kopie desselben „vom Ende des 17. oder frühen 18. Jahrhunderts aus dem Verlag der Erben Johann Peter Wolffs“ (1655 – nach 1702) in Nürnberg, obgleich

„ Nicht zu Unrecht dieser Reigen … in der Vergangenheit auf das Ende des 16. Jahrhunderts datiert (wurde), denn sowohl die Ausführung der Graphik als auch die Kostümierung der Standesvertreter lassen einen solchen Schluß durchaus zu. “

Denn sicherlich ist diese Wolff-Erben-„Version“ die für verloren gehaltene Originalfassung. Wobei Imke Lüders lediglich den Verlegerbrauch übersah, alten Platten Dritter, gegebenenfalls austauschend, die eigene Adresse einzugravieren. Mit der Folge, daß die Wolff-Daten sie zu irritieren vermochten. Dies ergibt nicht zuletzt ein Vergleich mit der von ihr gegenüberstellend abgebildeten Kopie des „sogenannten Monogrammisten ‚J.W.‘“ – sicherlich der Augsburger Kunst-Verleger + Stecher Jeremias Wolf(f), 1663-1724, zu dem in seiner Frühzeit Ridinger in Werkkontakt stand – „aus dem späten 17. Jahrhundert“ nach dem oben schon eingeführten Stich aus dem Verlag Fürst’s (ca. 1605 – 1666), mit dem dieser seinerseits dem später denn auch von Wolff Erben „kopierten“ frühen Original nachfolgte. Diese vor Wolff Erben gefertigte Monogrammisten-Kopie der Fürst-Variante ist moderner als jene sich erst anschließende, deren Ursprung somit in früherer Zeit zu suchen ist. Die sich bei dieser Überlegung ergebenden Komplikationen, nämlich insbesondere daraus, daß die Fürst-Variante im Mittelfeld noch der hochbedeutsamen Attribute von Friedhofsmauer, Sarg + Kapelle entbehrt, seien an dieser Stelle als für das Ridinger-Schabblatt von nur noch nachgeordnetem Interesse übergangen.

Belangreich hingegen, daß Ridinger sowohl die Wolff Erben-“Kopie“ der Urfassung jener neuartigen Totentanzdarstellung als auch die Monogrammisten-Kopie nach Fürst bekannt gewesen sind, letzterer er auch textlich vorrangig folgt. So etwa in der oberen Textkartusche mit „… zu nicht hat gemacht Den Todt, und SLeben widerbracht“ + im Herzog-Medaillon „… dem Tod (bei ‚J.W.‘ Todt) zletz wirst“, wohingegen es bei Wolff Erben heißt „… hat gemacht, den Tod u. das Leben …“ + „… Dem Tod zuletz wirst“.

Denn über die schon gedachte und auch als üblich anzusehende Zeitanpassung der Gestalten bei Ridinger hinaus, weicht dessen Version zumindest in anstehendem Zweitzustand auch anderwärts von jenen beiden Vorlagen ab. So zeigt er die unscheinbare Kapelle des Hintergrunds bei Wolff Erben nicht allein, wie auch Golgatha, als erhabener gelegen, sondern gestaltet sie generell dominanter und ergänzt sie um das gleichfalls ausgeformte Zweitgebäude mit u. a. einem Kreuz und einer sich anschließenden eigenen Ummauerung. In der Kartusche darüber Christus mit Kreuz. Darunter, unverständlich gegebenenfalls auch in seiner Distanz zur Kapelle, ein Kreuz inmitten nur schemenhafter Andeutung von Blattwerk, sofern die Phantasie hierin nicht einen Geisterzug mit dem vorangetragenen Kreuz zu sehen geneigt ist. Geändert und reicher die Fegefeuer-Figuration. Von reicher Prägnanz und Ausführlichkeit schließlich die den Ständen zugeordneten Gebäudekomplexe in den Medaillons. Der eleganter dargestellte Sarg zur Rechten auf Kosten der beidseits jeweils zwei Fackeln nunmehr von vier Leuchtern flankiert. Letztere fehlen bei Wolff Erben, sind aber, und zwar zusätzlich zu den Fackeln, bereits präsent auf der Monogrammisten-Kopie, deren Sarg noch unverändert kistenförmig ist. Im Gegensatz zur diesbezüglich miteinander korrespondierenden Kartuschen-Lage bei Wolff + Kopie liegen diese bei hiesigem Ridinger-Exemplar analog zu dem in München direkt an der Einfassungslinie.

Hingegen hat das Exemplar bei Pollefeys (1. Zustand) noch Fackeln und Leuchter, den Sarg kistenförmig, die Lage der Kartuschen à la Wolff Erben + Monogrammisten-Kopie und zwar modifizierte Perücken, doch noch kein Naturhaar. – Zusammengefaßt

das hier erstmals aufliegende großartige Blatt reichster Thematik .

Angebots-Nr. 28.933 / Preis auf Anfrage

Vanitas-Symbolik
Ridinger, Hirschjagd (Detail)
in Ridinger’s Jagd-Graphik I

Des 25jährigen Auseinandersetzung mit dem Tod

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Eine Hirschjagd par force im Wasser. Radierung, teils mit der kalten Nadel, von Johann Daniel Hertz I (1693 Augsburg 1754) für Jeremias Wolff dortselbst. 1723. Ca. 37 × 49 cm (14⅝ × 19¼ in).

Thienemann + Schwarz 10. – Blatt 2 der extrem seltenen 4blätterigen Hetzjagd-Folge als der drittfrühesten des Meister’s, der zu jener Zeit noch nicht selbst in Kupfer arbeitete.

Zwischen zwei Waldstücken mit Durchblick auf parkartige Hügellandschaft erreicht die Jagd – mehrfach von Meißner Porzellanen kopiert, siehe diesbezüglich auch Th. 9 – ihren Schlußpunkt. Ridinger zitiert hier generell

Savery’s zeichnerische Tiroler „Boslandschap met Jagers“

aus 1608 (letzte Ziffer undeutlich) in Paris (Collection Lugt 2436; Cat. Un Cabinet Particulier, 2010, SS. 276 ff. nebst [Farb-]Abbildungen; 1968/69er Ausst.-Kat. Landschaptekeningen van Hollandse Meesters uit de XVIIe Eeuw … in het Institut Néerlandais te Parijs Nr. 138 + Taf. 1; 193 × 269 mm [7⅝ × 10⅝ mm]), die Aegidius Sadeler 1609 formatgleich in Kupfer umgesetzt hatte (Hollstein, 1980, Nr. 225 als „Three Hunters and two Dogs near a Pool“ innerhalb der 6blätt. Suite 225-230 „Six Mountainous Landscapes in Tyrol“, bei Wurzbach 107 als nur 5blättrig mit hiesigem als Bl. 4), während für die jagdlichen Details Frans de Momper’s (1603-1660) malerische „Hirschjagd im Walde“ noch näher steht.

Bei Savery bleibt das Wild unsichtbar, ist es eine ganz auf die linke Seite konzentrierte Pürschjagd dreier Jäger nebst zwei Hunden. Beiden Versionen gemein gleichwohl die Position des anlegenden Jägers hinter dem toten Baum (bei Savery eine Gruppe toter und lebender), die Ridinger indes zur prononcierten Vanitas-Doppel-Symbolik fortentwickelte:

der Hirsch flieht geradewegs in sein Verderben ,

Ridinger, Hirschjagd

unübersehbar strecken sich ihm die toten Äste entgegen ,

erwartet ihn der Schütze .

Bereits bei Momper – siehe die Abbildung bei Beck, Künstler um Jan van Goyen, Nr. 823 – ist es denn die von rechts vorgetragene Parforcejagd, wobei der Hirsch indes am Rande des Wassers nach links flüchtet, von wo ihm zwei Hunde entgegenkommen. Hinter dem über das Wasser ragenden toten Baum kein Schütze, zumindest nicht im Anschlag, eher ein soeben einen weiteren Hund leinender Hundeführer. Ein solcher mit zwei Hunden findet sich ganz vorn links auch bei Ridinger. Denkbar, daß weitere letzteren inspiriert habende Wiederholungen existieren.

Momper’s kompositorische Anlage verweist im übrigen auf Sadeler’s gleichfalls nach Savery gestochene Hirschjagd Wurzbach 106/3 (Hollstein 233; Savery-Katalog Köln/Utrecht, 1985/86, 120 nebst Abb.), die auch dem späteren Jacob van Ruisdael für seine schon Goethe begeisternde berühmte Dresdner Hirschjagd Slive 37 — Adrian Zingg’s sepiagetuschte Umrißradierung derselben hier aufliegend — als Vorbild gedient haben dürfte. Und immer spielt demonstrativ ein toter Baum seine ikonographische Rolle. – Hier innerhalb der kompletten Folge in öffentliche sächsische Sammlung durchgelaufen.

Nicht Gegenstand hiesiger Offerte

In bildlicher Tradition von El Greco und Jusepe de Ribera

Die blühende junge Frau
Johann Elias Ridinger, Maria Magdalena
in Kontrast zu Totenschädel + Kette

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die hl. Maria Magdalena in der Buße in der Wüste. Schabkunstblatt. 51,6 × 42,4 cm (20¼ × 16¾ in).

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

deren Ridinger-Versteigerung 1958
mit deren Lot-Nr. 168
auf dem Untersatzkarton

Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen

(1922-2004)

Vergleiche Schwarz 1507 (51,2 × 38,6 cm [20⅛ × 15¼ in]; bezeichnet Ioh. Elias Ridinger exc.: Aug. Vind., mit links oben in den Wolken zwei schwebenden Engelsköpfen) als verkleinerter Wiederholung von Schwarz 1506 (66,5 × 48,8 cm [26⅛ × 19¼ in]; bezeichnet wie vor, doch statt des „exc.“ „invent. et delin.“ und ohne die Engelsköpfe); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975), 192 (Schw. 1507); Faber-Castell 115 (unachtsam als Schwarz 1506!).

Nicht bei Thienemann (1856), Stillfried (1876), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885), Slg. Coppenrath (1889 f.), Reich auf Biehla (1894), Gg. Hamminger (1895), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Unbeschriebene Variante zu Schwarz 1507 + 1506

in Probedruck vor aller Schrift

mit dem weit aussagekräftigeren Lichtstrahl statt unverbindlicher Allerweltsputten, der zudem nicht, wie letztere, in den Wolken angesiedelt ist, vielmehr aus dem gänzlichen, konturenlosen breitflächigen Schwarz oberhalb derselben hereinbricht. Als 3,8 cm breiter als Schwarz 1507 und damit außerhalb der Toleriergrenze unterschiedlichen Arbeitens der Papiere liegend, ist von einer selbständigen Version und nicht nur von abweichenden Zuständen ein und derselben Platte auszugehen. Schon Schwarz beurteilte eine solche Maßdifferenz entsprechend, indem er eine Identität seiner lesenden Magdalena Nr. 1508 mit der ihm nicht vorliegenden inhaltsgleichen von Th.-Stillfried 1421 wegen differierender Breite (38,4 : 42 cm, also ähnlich hier) in Frage stellte.

Die blühende junge Frau

— nach den Evangelien eine der ersten

bzw. (Joh. 20,1) die erste Zeugin(nen) der Auferstehung —

in Kontrast zu Totenschädel

und Kette in bildlicher Tradition von El Greco und Jusepe de Ribera und unvergleichlich reizvoller als namentlich das durch Stahlstich weitverbreitete Sujet der in idyllischer Landschaft lesenden Magdalena Correggio’s, doch auch exaltierter anderweitiger früherer Darstellungen. Daß Ridinger den Totenschädel auch in Verbindung mit dem Buch-Attribut einsetzte (besagte Schwarz 1508, Stillfried 1421) – wie übrigens auch sein italienischer Zeitgenosse Batoni, 1708-1787, aber auch bereits El Greco, 1541-1614 – ergibt sich angesichts seiner das Œuvre vielfältig abgestuft durchziehenden Vanitates von selbst. Aber auch bildästhetisch ist seine anstehende Magdalena mit ihrem elegant drapierten Busen eine Klasse für sich.

Herrlicher Druck adäquater Erhaltung

mit WANGEN-Wz. wie für zeitgenössische Abdrucke stehend bei umlaufend 5-10 mm Rand. Drei unterschiedlich lange professionell geglättete Querfalten bildseits ebensowenig wahrnehmbar wie eine kleine Restauriermaßnahme in Brusthöhe. Rostfleckchen in der Himmelspartie, drei stecknadelkopfkleine Löchlein rechts im weißen Papier- (2) bzw. Bildrand.

„ Die Schwarzkunstblätter – resümiert Thienemann –

sind im Handel fast gar nicht mehr … zu bekommen … “ siehe oben

An welcher Situation auch etwaige Neuauflagen wenig zu ändern vermochten, da die sich technisch bedingt extrem schnell abnutzende Schabplatte nach Urteil des Praktikers Sandrart (1675) nur 50-60 gute Abdrucke ermöglicht.

Angebots-Nr. 14.868 / EUR  1380. / export price EUR  1311. (c. US$ 1585.) + Versand

„ Große Künstler

sind niemals

das Ergebnis eines lokalen Stils ,

sondern

sie führen ihren eigenen Stil ein “

Dirk De Vos

Rogier van der Weyden, München 1999, Seite 75

gelegentlich des „Atelier Campin“ in Tournai

Vor dem Hintergrunde dessen
was Jerusalem’s Unvergänglichkeit ausmacht

Und nuancenreich
das von oben einfallende Licht

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). In manus tuas com(m)endo Spiritum meum et hæc dicens expiravit. Luc. 23. Der nach rechts aufblickende alleingelassene Christus in seiner wolkenverdüsterten Karfreitagsstunde am Kreuz, an dessen Fußende

Totenschädel + Gebeine , fortwirkend

Johann Elias Ridinger, Schlange und Schädel (Detail Kreuzigung)

zischelnde Schlange + verlockender Apfel

als bezugreicher Gesellschaft .

Breit dahintergelagert der Tempelberg mit linksseitiger Anschlußlokalität. Schabkunstblatt. Bezeichnet: I. N. R. I. am Kopf des Kreuzes / I. El. Ridinger excud. A. V., ansonsten wie vor. 51,7 × 39,2 cm (20⅜ × 15⅜ in).

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

deren Ridinger-Versteigerung 1958
mit deren Lot-Nr. 136
auf dem Untersatzkarton

Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen

(1922-2004)

Th.-Stillfried (1876) + Schwarz (1910) 1408; Faber-Castell 136; Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975), 153.

Nicht bei Thienemann (1856), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885; „von grösster Reichhaltigkeit … [viele Seltenheiten]“), Slg. Coppenrath (1889 f.) , Reich auf Biehla (1894; „Von allen [R.-Slgn.], welche seit langer Zeit [verhandelt wurden], kann sich keine in Bezug auf Vollständigkeit und Qualität auch nur annähernd mit der vorliegenden … messen … besonders die Seltenheiten und unbeschriebenen Blätter, welche in reicher Anzahl vertreten sind“), Gg. Hamminger (1895), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Kontrastreicher schöner schwarzer Druck – nuancenreich das von oben einfallende Licht – mit WANGEN-Wz. wie für zeitgenössische Abzüge stehend mit umlaufend 7-10 mm Rand. In der linken Hälfte, optisch von der Schabtechnik überspielt, leicht wellig und gesamthaft bildseits wenig bemerkbar stippig. Ein rundweg schöner Gesamteindruck gleichwohl gewahrt. Und Thienemann (1856) + Sandrart (1675) wie oben

„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr

… zu bekommen … sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten … “ + nur 50-60 gute Abdrucke möglich. Hier denn das Exemplar Gräflich Faber-Castell

einer der neun Ridinger Kreuzigungen
in ihrer immer wieder anderen Geschehens-Fascination .

Angebots-Nr. 14.863 / EUR  890. / export price EUR  846. (c. US$ 1023.) + Versand

ridinger — groß auch in seinen vanitates

Schaustück
einer naturkundlich großen Rarität

und zusätzlich getrüffelt mit einem Vanitas-Symbol von Graden
bereits in einem Papierabzug denkbar selten …
doch hier denn nun die originale Druckplatte !!

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Dieser Hirsch von 14 Enden, welcher noch ein End unter der Rose hat, so ein 3 Läuffer, u: welchen man 1 ganzes Jahr in dieser Figur herum lauffen sehn, ist 1748. d. 12 7brs. von Ihro Hochfürstl: Durchl: dem regierenden Herrn Land Grafen zu Hes=sen Darmstadt im Forst windhaußen im Kriegel Kopf bey meiches (bei Lauterbach, Hessen) in denen Loggen eingestellt geschoßen worden. durch wel=chen Zufall er um seinen Fuß gekom(m)en? wird wohl niemand so gleich errathen. ist es durch ein Schuß vor Zeiten geschehe(n) oder hat er ihn in einem Sprung abgebrochen. u: wie hät sich daß weesen so besonders selber geheilet u: der andere Rumpf vom Leibe getren(n)et, welcher Mensch mag sich selber so gut helfen oder curieren. / Detto zu Geißlingen (Steige) Ao. 1739 d. 20. Decbr. ist dieses mit 3 Läufen abgemahlte Hirsch=Kalb, im Ziegelwald geschoßen worden, von Joh. Martin Bückle, Holz=wart zu Ambt=stetten. so von natur also wunderbar gefallen, u: nur die Spur von einer Klauen, an der Brust zeigete. Des weiteren ein zweites Kalb mit gelähmten Vorderfüßen. In weiträumiger Parklandschaft vor einem zurückgesetzten Plateau mit Freitreppe und hoher Fontaine. Ganz vorn aber eine liegende Vase,

deren „ untere(r) Teil gebrochen ist .

Johann Elias Ridinger, Hirsch mit drei Läufen

Auch sie hat keinen Fuß , auf dem sie stehen kann “

(Wolfgang Weitz, Der Hirsch mit 3 Läufen aus Meiches, in Aus der Jagdgeschichte des Vogelsberges, Museum Jagdschloß Kranichstein 2006, S. 21). Kupfer-Druck-Platte im Gegensinn von Martin Elias Ridinger (1731 Augsburg 1780). Bezeichnet: M. E. Ridinger sculps. Aug. Vind., ansonsten wie vor und, zur väterlichen „Signatur“, unten. 35,7 × 26,8 cm (14 × 10½ in).

Die schon als Papierabzug höchst seltene Arbeit

(„Als ich 1999 zusammen mit Frau Dr. Gisela Siebert [†] die Arbeit ‚Ridinger, Bilder zur Jagd in Hessen-Darmstadt‘ vorgelegt habe, sollten eigentlich alle einschlägigen Kupferstiche der Familie Ridinger behandelt werden. Es fehlte indessen ein Stich [Siebert-Weitz S. 21], nämlich derjenige, auf dem drei Stück Rotwild abgebildet sind: Ein Hirsch mit drei Läufen, ein Hirschkalb mit drei Läufen und ein weiteres Kalb … Das Blatt konnte inzwischen von mir (Anmerkung: sprich hierselbst) erworben werden. Nun kann seine Besprechung nachgeholt werden“, Weitz, a. a. O., S. 18; Fettdruck nicht im Original)

hier denn als ein non plus ultra in ihrer optisch hervorragend erhaltenen

originalen Druck-Platte

im rotgoldenen Glanze

ihres 230-240 Jahre alten Kupfers

zu Blatt XIII (Thienemann + Schwarz 356; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, V.21; Weitz, a. a. O., SS. 18 ff.; letztere zwei jeweils nebst Abbildung) der vielfach nach väterlichen Vorlagen aus vorrangig 1752/53 (so Schwarz an Hand der Zeichnungsdatierungen der Folge) und ausschließlich von Johann Elias’ Ältestem in Kupfer übertragenen (Radierung + Kupferstich) und 1779 abgeschlossenen Folge der Besondere(n) Ereignisse und Vorfallenheiten bei der Jagd – „the rarest set of Ridinger’s sporting line engravings“ , Schwerdt 1928 – , in der „neben tatsächlichen ‚besonderen Vorfallenheiten‘ …

auch Darstellungen zoologischer Merkwürdigkeiten

ähnlich den ‚Wundersamsten Hirschen‘ (stehen) … Durch die Hinweise auf Landgraf Ludwig VIII. in einigen der Beschriftungen ist die Folge neben (letzterer)

ein wichtiges Dokument

für die Zusammenarbeit der Ridinger-Werkstatt mit dem Hessisch-Darmstädter Hof“ (Stefan Morét in Katalog Darmstadt, Seite 113).

Die der Umgebung von Meiches am Vogelsberg zugeordneten

„ Flurbezeichnungen ‚Kriegel Kopf‘ und ‚Loggen‘ existieren (im übrigen) nicht. Das Katasteramt Lauterbach hat mitgeteilt, es habe vergeblich nach der Lagebezeichnung recherchiert … Man wird davon ausgehen müssen, dass Martin Elias Ridinger den Kupferstich nach Erzählungen dritter Personen angefertigt hat. Dabei sind die Flurbezeichnungen wahrscheinlich ungenau oder falsch genannt bzw. aufgefasst worden. Es gibt im südlichen Teil der Gemarkung Meiches die Flurbezeichnungen ‚Der Kirchköppel‘ [Flur 6 Nr. 53] und ‚Im Loch‘ [Flur 6 Nr. 57]. Man kann nicht ausschließen, dass Ridinger diese beiden aneinandergrenzenden Flurstücke gemeint und ihre Namen nach seinem eigenen Verständnis geschrieben hat “ (Weitz, a. a. O., S. 20).

Thematische Stütze schließlich nachfolgende Beobachtung aus neuerer Zeit:

„ Im Funtenseegebiet war ein (Gams)bock, dem der Vorderlauf fehlte. Dieser dreiläufige Bock war während einer ganzen Brunftzeit der Platzbock. In der nächsten Brunftzeit ist er überhaupt nicht gesehen worden. Aber im übernächsten Jahre stellte er sich wieder an gleichem Brunftplatz ein, und trotz seiner drei Läufe verjagte er alle stärkeren Nebenbuhler mit solcher Schärfe, daß ihm keiner den Rang als Platzbock streitig machen konnte … Man konnte sehen, wie sehr energischer Wille und Mut Körpergebrechen auszugleichen vermögen (Thomas Mann titelte einst ein Vorwort zu einer einschlägigen Publikation mit „Werft fort eure Krücken“). Im gleichen Jahre traf den heldenmütigen Bock alsdann das tödliche Geschoß “

(Hans Fuschlberger, Das Gamsbuch, Mchn. 1939, S. 123, Abs. 1 im Zitat von Hauber, Das Gamswild, ohne bibliograph. Angaben).

Darüberhinaus als analog zum Geschehen

Johann Elias Ridinger, Zerbrochene Vase
„… Auch sie hat keinen Fuß, auf dem sie stehen kann“

die gebrochene Vase

als von gar nicht zu überschätzender Bedeutung für den „verharmlosten Ridinger“

(so der Titel des hiesigen kunsthistorischen Beitrags auf der Festveranstaltung der TU Dresden zum 300. Ridinger-Geburtstag; erweiterte Online-Fassung), der mittels dieser bildhaften Signatur den mannigfachen Vergänglichkeitssymbolen seines Œuvre über die reinrassigen Vanitates hinaus ein sich jeder Diskussion entziehendes Standbein hinzufügt und solchermaßen seine Küntlerschaft sui generis manifestiert. Siehe hierzu denn auch den hiesigen Beitrag Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger zur 6. Jahrestagung der Europäischen Totentanz-Vereinigung 2000 in Bamberg (illustrierte Fassung in Uli Wunderlich [Hrsg.], L’Art Macabre 2 – Jahrbuch der Europäischen Totentanz-Vereinigung, Düsseldorf 2001, SS. 94 ff.; erweiterte und überarbeitete Online-Fassung).

Johann Elias’ Urheberschaft anstehender Arbeit

ist somit als sich aus ihr selbst ergebend gesichert und bestätigt zugleich die von Weitz aus Thienemann’s gleichwohl nur pauschaler Angabe gezogene Folgerung („Thienemann [S. 81] meint, Johann Elias Ridinger oder der Darmstädter Hofmaler Georg Adam Eger [1727-1808] seien die Zeichner [der Vorfallenheiten-Folge] gewesen. Da Eger aber nicht als Zeichner genannt ist, wird man Johann Elias Ridinger als den Lieferanten der Vorlage ansehen müssen. Immer dann, wenn Eger als Zeichner aufgetreten ist, wird er von den Ridingers als solcher genannt“, a. a. O., S. 18).

Einer der wenigen thematischen Einzelgänger der Folge, die ansonsten „fast durchgängig so eingerichtet (ist), dass immer zwei und zwei mit einander harmonieren und Seitenstücke bilden, wie sie denn auch paarweise verkauft worden sind. Sie waren früher sämtlich mit römischen Ziffern bezeichnet. Wenn sie fehlen, so deutet dies auf spätere Abdrücke“ (Th. S. 81). Solches betrifft namentlich sieben Blätter, die austauschweise in eine spätere Neuausgabe der Wundersamsten übernommen wurden. Wie denn auch anstehende Platte, deren ursprüngliche „XIII“ in der Mitte des Oberrandes bildseits unsichtbar ausgeschliffen und durch eine „91“ oben links ersetzt ist.

Künstlerisch wie thematisch ein Ass ,

ist denn die Platte ein kostbares, hier weit über Thieme-Becker (Bd. XXVIII, 1933, S. 308) + Thienemann (1856, S. XXIII) hinaus nahtlos direkt bis in den Ridinger-Nachlaß selbst recherchiertes, weltweit unikates Sammlungsstück von Graden. Denn

„ Erhaltene originale Druckplatten aus dem 18. Jahrhundert

sind eine große Seltenheit “

(Stefan Morét im Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, SS. 62 f. Siehe auch die hier erworbenen dortigen Kupferdruckplatten I.13, I.8 + I.11, Farbabbildung 6 + SW-Abb. SS. 63 f.).

Und speziell zu denen Ridinger’s :

„ Vom hohen technischen und qualitativen Niveau der Werke Ridingers und seiner Söhne, die im Verlag vor allem als Stecher mitarbeiteten, künden die (nur noch sehr partiell) erhaltenen Druckplatten noch heute. “

Im selben Sinne schon vorher Bernadette Schöller in Der Kölner Graphikmarkt zur Zeit Wenzel Hollars innerhalb Wenzel Hollar – Die Kölner Jahre, hrsg. von Werner Schäfke, Köln 1992, S. 19:

„ Die Kupferplatten ,

die aufgrund ihres Materialwertes wie auch der darin investierten Arbeitszeiten

eine weit höhere Wertschätzung genossen

als etwa eine allzu oft achtlos behandelte Vorzeichnung … “

Wie denn auch anderwärts: „Der Nürnberger Verleger Frauenholz war so angetan von diesem Blatt, daß er die Platte für eine beträchtliche Summe von Reinhart (1761-1847) erwarb“ (Teeuwisse III [2007], 29).

Oder Adrian Zingg, dem während seiner Pariser Jahre (1759/66) der große Wille schließlich „bis zu tausend Pfund für die Platte“ bezahlte, um „Bei der Sorgfalt, mit der er seine Arbeiten durchführte … trotzdem dabei nicht auf seine Kosten“ zu kommen. So dieser zwecks Durchsetzung seiner Dresdner Anstellungsforderungen gegenüber Hagedorn – dem Ridinger als einzige Eigen-Dedication seine Folge der Vier Tageszeiten der Hirsche widmete – als dem Generaldirektor der Künste in Sachsen:

„ Die Arbeit hatte akkordiert, als ich sie angefangen, und alle Zeit viel mehr Zeit zugebracht, als ich von Anfang geglaubt, und von meinem eigenen Geld aufgeopfert, um die Arbeit nach meinem Sinne fertigzumachen “

(Erwin Hensler im Begleittext zur 1923er Faksimileausgabe des Zingg-Stammbuches, S. 4).

2011 fegte die Kulturstiftung des Landes Niedersachsen

– Stiftung Niedersachsen –

mit ihrem schlagartigen Ankauf von 104 ( sic !! ) Platten

für’s exquisite Braunschweiger Herzog Anton Ulrich Museum – nicht zuletzt, als am augenfälligsten, einen Großteil der Platten zur legendären 101blätterigen Folge der Wundersamsten Hirsche – unwiederbringlich vom Markt.

Etablierend mit diesem spektakulären Aderlaß zugleich

Ridinger als das Hoch im Norden !

Entsprechend hieß es hierselbst gelegentlich des Wiederauftauchens von Teilen des sogenannten Thieme-Becker-Blocks Ridinger’scher Druckplatten „Einer der sensationellsten Funde der Kunstgeschichte … Ridinger’s originale Druck- (sic!!!) Platten“.

Wobei nicht nur nach hiesigen Erkenntnissen die Bedeutung des Ältesten, Martin Elias, als dem Stecher anstehender Platte für das Ridinger-Œuvre sichtbar über eine nur engagierte Mitarbeit als Stecher hinausgeht. Schon als 30jähriger wirkte er geradezu als ein spiritus rector hinter den Kulissen. Der dafür sorgte, daß Folgen wie etwa die 101blätterigen Wundersamsten Hirsche, von deren letzten 27 Platten Martin Elias allein 21 fertigte, nicht vorzeitig abgebrochen wurden, oder, wie hier, postum erschienen. So arbeitete er nach überwiegend väterlicher Vorlage auch sämtliche Blätter der Vorfallenheiten. Ohne ihn gäbe es auch die Ihnen hier angetragene nicht!

Und indem Wolf Stubbe (Joh. El. Ridinger, Hbg./Bln. 1966, SS. 16 f. + Taf. 34), in medias res gehend, Th. 722, Der Wilde Büffel und das Crocodil, aus den Kämpfen reißender Thiere bezüglich seiner Lichtbehandlung als einen künstlerischen Zenit des Spätwerkes feiert, erweist er zugleich, da an Hand dessen Kupfer, nicht der Zeichnung, urteilend, auch Martin Elias als dem Ätzer/Stecher jener Arbeit seine Reverenz. Ein Aspekt, der das Ridinger’sche Zusammenspiel vertiefend beleuchtet.

Mittels feinen Lackauftrags vor Anlaufen geschützt ,

ist die Kupferdruckplatte im Rahmen ihres altersmäßigen Gebrauchs generell noch druckfähig. Angeboten und verkauft wird sie indes als Kunstwerk und Sammlungsstück, also unbeschadet ihrer schlußendlichen Druckqualität. – Kurz,

ein denkbar erfreuendes , weltweit unikates Absolutum .

Ihnen angetragen mit der Empfehlung zeitlos-eleganter rahmenfreier Hängung (Vorrichtung anbei), um Sie der jeweiligen Licht-Reflexe am schönsten teilhaftig werden zu lassen.

Angebots-Nr. 14.984 / Preis auf Anfrage

» John Pierpont Morgan

… wollte nicht billig ,

sondern preiswert kaufen

und erwarb nur das Beste ,

was ihm angeboten wurde «

Hans Bohatta

in

Löffler-Kirchner, Lexikon des gesamten Buchwesens, Band II, S. 486

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). S. Franciscus Seraphicus. Der in Gebet versunkene hl. Franz von Assisi in Halbfigur nach rechts vor aufgeschlagenem Buch mit Aufschrift „DEUS MEUS ET OMNIA.“, Totenschädel + gekreuzigtem Seraph neben oben grasbewachsenem Felsen als Attribut des „für Heilige gültige(n) Ideal(s) der Buße in der Wildnis“ (Nicole Hartje). Die Rechte der gefalteten Hände mit Kreuzigungswundmal. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iac. Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger exc. Aug. Vind. / S. | FRANCISCUS | SERAPHICUS. (in der Oberschleife der sonst leeren muschelförmigen Kartusche in der breiten Unterkante). 54,6 × 42,5 cm (21½ × 16¾ in).

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

deren Ridinger-Versteigerung 1958
mit deren Lot-Nr. 115
auf dem Untersatzkarton

Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen

(1922-2004)

Vergleiche Th. 1288 (ca. 52,6 × 39,1 cm [20¾ × 15⅜ in]; ohne die Stecher-Signatur Johann Jacob’s und nur „A. V.“ statt „Aug. Vind.“; unerwähnt geblieben Buchaufschrift + Felsstaffage; vgl. Schwarz 1543, hingegen allein formatmäßig nicht identisch mit Schwarz 1288) – Schwarz 1288 (61,8 × 49,5 cm [24⅜ × 19½ in]; ohne die Buchaufschrift, doch mit dem Felshintergrund; gekürzte Signatur wie Th. 1288, dessen Identität von Schwarz vorsorglich in Frage gestellt) – Schwarz 1543 (56,4 × 41,2 cm [22¼ × 16¼ in]; mit Buchaufschrift, doch ohne den Felsen, gekürzte Signatur wie vor, doch „excud.“ statt nur „exc.“).

Reich auf Biehla 250 („Aeusserst selten“, 1894! Ohne Zustandsangabe + „Etwas beschädigt.“); Faber-Castell 115 (unachtsam als Version Schwarz 1288). – Als Th. + Schwarz 1288 irrtümlich für identisch gehalten nicht bei Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975).

Nicht bei Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885), in Sammlungen Coppenrath (1889 f.) + Hamminger (1895), bei Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900) + Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Johann Elias Ridinger, Franz von Assisi

Unbeschriebene Variante

zu Th. 1288 , Schwarz 1288 + 1543

des schönen großen Blattes des Ordensgründers

(1182-1226) in schwerem Büßergewand mit zurückgeschlagener Kapuze mit deutlichem Bezug auf seine Vision eines gekreuzigten Seraphen, welcher ihm „unter brennendem Schmerz Jesu Wundmale ein(drückte), woher er den Namen des seraphischen Vaters, sein Orden den der seraphischen Brüder erhielt.“

Sehr schöner, nuancenreicher Druck, der geistige Gehalt der körperlichen Aussage widergespiegelt vom Hell-Dunkel. – Mit WANGEN-Wz. nebst Nebenmarke wie für zeitgenössische Abdrucke stehend. Der umlaufende Rand ungleichmäßig auf zwischen 1 mm kurzem Extremfall und 15 mm bei dreiseits meist 10-15 geschnitten. Zwei längere und drei kurze Rißspuren, jeweils nur fein, professionell restauriert und solchermaßen ohne bemerkenswerte Störung des auch erhaltensmäßig sehr schönen Gesamteindruckes. Hinterlegt zudem drei Kleineinrisse im weißen Rand.

Angebots-Nr. 14.860 / EUR  1730. / export price EUR  1644. (c. US$ 1988.) + Versand

Aus vorgenanntem Beitrag

Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger

in L’Art Macabre 2

„ Dem Außenstehenden erschien es bemerkenswert, die hiesigen (nämlich der Teilnehmer der 6. Jahrestagung der deutschen Sektion der Europäischen Totentanz-Vereinigung) ganz speziellen Erwartungen mit einem Künstler bedienen zu sollen, dessen Ruhm, im 18. Jahrhundert — und sicher weit über dieses hinaus — der Beste seines Faches gewesen zu sein, auf seinen Tierdarstellungen beruht; mitnichten aber auf solch geradezu letzten, intellektuellen, Hervorbringungen menschlichen Geistes, als denen die Kunsthistorie seit eh und je der bildnerischen Gestaltung des Vergänglichen mit la danse macabre als Zenit ihre tiefe Reverenz erweist.

Und doch tritt uns mit Ridinger’s (zeichnerischem) Selbstbildnis mit Tod (Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen Berlin) ein Künstler entgegen, dessen geistige und damit auch künstlerische Komplexität selbst den Eingeweihten immer wieder überrascht und zu neuen Ufern geleitet. Denn keineswegs ist dieses fulminante Selbstbildnis, geschaffen unmittelbar vor seinem Tode, lediglich das Einzelprodukt eines nunmehr über letzte Dinge meditierenden 70-jährigen, dessen gelassene Reaktion an Lessing erinnert, wonach Totsein an sich nichts Schreckliches hat. Zwar seien der Art des Sterbens unendliche, ‚aber es ist nur ein Tod‘. “


Einem sich nicht zu einer 12blätterigen Ridinger-Folge entschließen könnenden Interessenten mailte L.H.N. was sein altmärkischer Großvater zu sagen pflegte, wurde bei Tisch genörgelt: Wer nicht mag, ist der Beste.

Daraufhin der noch gleichen Tages nun zugreifende Reflektant:

„ … Denn : wer doch mag , ist nicht der Schlechteste “

(Herr C. R., 22. Februar 2017)