English

Bei den alten Griechen ,
namentlich in Athen ,
galt die Eule als ein

der Athene heiliger Vogel
Ridinger, Verschiedene Eulen
und demnach
als
Verkünderin des Glückes

Ridinger, Fangarten/Titelblatt (Ausschnitt)
Detail aus dem Titelblatt der „Fangarten der wilden Thiere“

„ Wegen ihres Aufenthaltes an einsamen Orten
und ihres nächtlichen Umherschweifens
galt sie zugleich als Symbol des tiefen, unermüdeten Studiums …

„ Wegen ihres nächtlichen Treibens erhielt die Eule
aber auch eine dämonische, infernale Bedeutung,
sie verkündet Unheil und den Tod;
verwünschte Seelen müssen in Gestalt von E. umherirren …

„ Die Stimme der E.
hat zu vielen Sagen von der wilden Jagd
Veranlassung gegeben …

„ Wegen seiner sonderbaren Gebärden ist der ‚närrische Kauz‘ bekannt,
und an das Komische reiht sich das Neckische (Eulenspiegel). “

Meyers Konversations-Lexikon V (1889), S. 907

Stellvertretend für
alle Eulenarten
Ridinger, Verschiedene Eulen
4. … scheint unsern Waldkautz zu bezeichnen …

ist der Waldkauz
Vogel des Jahres 2017

Johann Elias Ridinger ist dabei …

Ridinger, Verschiedene Eulen

„ Auf dem Titelblatt jenes Zeichenbuches lesen wir, daß Ridinger die Absicht gehabt hat, auch Vögelstudien zu liefern. Die vorliegende Kopie soll dies bestätigen. Wir finden darauf vier Vögelköpfe in recht braver Darstellung: 1. das Weibchen vom Turmfalken (Wanneweher, falco tinnunculus, Linn.);

2. die kleinste Ohreule (Schoffittel, Strix scops, Linn.);

3. den großen Schuhu (Strix bubo, Linn.),

und endlich 4. den Mäuse-Bussard (Mauser, falco buteo, Linn.). Das Original in schwarzer Kreide; Br. 6″ 5‴, H. 10″ 5‴. Es ist zu bedauern, daß Ridinger nicht durch den Grabstichel diese schöne Tafel weiter verbreitet hat “

G. A. W. Thienemann
Erklärung der dem Buche beigefügten XII Kupferstiche in Zeichnungsmanier, 5

— nicht hier im Angebot —

Johann Elias Ridinger

Ulm 1698 – Augsburg 1767

Tagraubvögel und Eulen

Jeweils in meist felsiger Umgebung und mit Nummernschlüssel erschlossen. Folge von vier Blatt. Radierungen mit Kupferstich, davon 3 von Martin Elias Ridinger (1731 Augsburg 1780). 1763. Bezeichnet wie nachfolgend. 33-33,6 × 24,7-24,8 cm (13-13¼ × 9¾ in).

Thienemann + Schwarz (Bd. I, Abb. von Bl. III) 755-758; Weigel 44 A (von A-C). – Nicht in den Ridinger-Katalogen Darmstadt, 1999, und Kielce, 1997. Fehlend auch in Slgn. Coppenrath (1889/90) + Schoeller (1921). Und bei Marktleerfeger Georg Hamminger 1895 nur ein einziges Exemplar („Sehr schöne Abdrücke mit breitem Rand“) sowie von zwei der Tafeln jeweils zwei Einzelblätter, davon eines aufgezogen und ohne Rand. Helbing hingegen versammelte für Kat. XXXIV, Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900, zwei Exemplare der Folge, davon eines in späteren Abdrucken, sowie mehrere Einzelblätter, teils Neudrucke oder beschnitten oder anderweitig beschädigt.

Hier denn auf festem Linienpapier, tlw. mit typograph. Wz., in

ganz einheitlich herrlich leuchtenden Druckqualitäten

auf dreiseits unbeschnittenen Halbbogen

und solchermaßen oben + unten 9,5-11 cm, an den Seiten 5,5-6,3 cm breitrandig. – Im Oberrand die beiden Löchlein der ursprünglichen Heftung, in den Schöpfrändern meist säurefrei hinterlegte kleine Einrisse, der untere Schöpfrand von Bl. 3 zudem etwas zeitspurig. Bl. 4 unten rechts mit schwachem, im weißen Plattenrand kaum merklichem Wasserrand.

„ Obgleich unser Künstler durch sie seinen Ruhm nicht begründet hat … so sind doch viele gut gerathen und wir verdanken ihm die recht brave Darstellung

mehrerer zu seiner Zeit noch gar nicht abgebildeten Vögel … “

(Thienemann).

So finden sich denn auch in Ridingers umfangreichem Zeichnungsnachlaß innerhalb des Zeichnungs-Nachlaßkatalogs von J. A. G. Weigel von 1869 noch rund zwanzig Zeichnungen mit Adlern und Eulen, zu denen noch eine Reihe weiterer in Gemeinschaft mit anderen Vögeln kommt, die auf Grund ihrer Bezeichnungen indes vielfach den gleichfalls vierblättrigen Vögeln mit allerlei biblischen Sprüchen als der anderen der beiden Ridingerschen Vogelfolgen sowie den Fabeln oder auch dem nicht im Stich ausgeführten Vogelkonzert zuzuordnen sind.

Bemerkenswert, daß die überwiegend datierten Arbeiten fast durchgehend aus 1741 stammen. Wenige Ausnahmen aus 1742 meist in Verbindung mit nicht in Kupfer ausgeführten Fabeln stehend. Lediglich ein von hinten gesehener stehender Adler mit ausgebreiteten Flügeln in schwarzer Kreide aus 1747. Undatiert blieben Zeichnungen zu den Vögeln mit allerlei biblischen Sprüchen.

ridinger — immer wieder extraclasse

Die Tagraubvögel

Ridinger, Tagraubvögel

I.

1. Der große Habicht. 2. Zweÿ kleinere Adler arten. 3. Der braun fahle Aas Geÿer. 4. Kræhe. 5. Aelster. J. El. Ridinger inv. et. del. A. V. / El. Martin Ridinger sculpsit.

„ No. 1 … mit ausgebreiteten Flügeln, scheint ein junger Vogel vom Taubenhabicht (falco palumbarius Linn.) zu sein“ (Th.). 2. + 3. sind „nicht zu bestimmen“, 4. + 5. „sind beide Elstern (corvus pica Linn.)“.

Vgl. hierzu auch die Federumrißzeichnung Weigel 379, Eine Versammlung von Vögeln, in der Mitte auf einem Steine der Adler mit ausgebreiteten Flügeln, umgeben von Eulen, Falken und anderen Raubvögeln auf Steinen und einem Baumstamme.

Ridinger, Königsgeier

II.

1. Orientalischer Adler oder Geÿer König. 2. Europæischer großer Adler. J. El. Ridinger ad viv. del. et excud. Aug. Vind. / M. El. Ridinger sculps. 1763. A. V.

„ Wir sehen hier den Königs-Geier (Vultur Papa Linn.) in sehr erregter Stellung. 2. … ist nicht zu bestimmen “ (Th.).

Heranziehbar eventuell der Gemeine Adler mit ausgebreiteten Flügeln auf einem Stamme in leichter Feder aus Weigel 323.

Die Eulen

Ridinger, Verschiedene Eulen

III.

1. Der große Uhu, Schuffut oder Horn Eule. 2. Mittlere art der Horn Eule. 3. Schleÿer Eule. 4. Kautze von der grösten art. 5. Kleinere Kautze. 6. Das kleinste Kæutzlein Schoffittichen genant. J. El. Ridinger inv. et fecit. / J. El. Ridinger sculps. A. V. (Th.: soll wohl heissen: Martin Elias).

„ 1. … ist strix Bubo Linn. Daneben eine unbezeichnete Eule, ohne Federohren. Ob junger Uhu? 2. … Wir haben allerdings eine mittlere Ohreule (strix otus Linn.), aber dazu ist sie viel zu gross. Es ist wohl auch die grosse Ohreule, Männchen. 3. … nicht übel gerathen (strix flammea Linn.), die man auch Thurm- oder Kircheule nennt. 4. … Dieser Name scheint unsern Waldkautz (strix aluco Linn.) zu bezeichnen, dieser aber ist in der Natur grösser, in der Abbildung bedeutend kleiner als der Schleierkautz. 5. … Käutze nennen wir die glattköpfigen Eulen, diese aber zeigt deutlich Federohren und könnte also die kleinste Ohreule (strix scops. Linn.) vorstellen. 6. … Soll vielleicht

die seltene Sperlingseule (strix acadica)

sein“ (Th).

Unter den Köpfen der voll signierten und bezeichneten 1741er Kreidezeichnung Weigel 332 – siehe nachfolgend – auch ein „Schoffittel“, dort von Thienemann indes als kleinste Ohreule (strix scops. Linn.) identifiziert. Als zu anstehendem Blatt gehörig Vier verschiedene Eulen an einem Felsen in schwarzer Kreide (Coppenrath II [1889], 1933, evtl. identisch mit Weigel 330). Heranziehbar auch die in Bleistift (Vögel) und Federumriß (Landschaft) ausgeführte Felsenparthie mit sechs Eulen: der grosse Schuhu, Schleiereule und Käuzlein (W. 333).

Ridinger, Verschiedene Eulen

IV.

1. Die große Ohr Eule. 2. Die graue Eule. 3. Brand Eule. 4. Stock Eulen. El. M. Ridinger sculps. / J. E. R. inv. et excud. A. V.

„ In einer Felsengrotte sitzen sieben Eulen, angeblich vier Arten angehörig … 2. … wahrscheinlich Schleiereule … 3. … so nennt man die braune Spielart vom Waldkautz. 4. … zwei Stück, davon die eine deutliche Federohren zeigt. Die könnte also

die erste richtige Vorstellung von der kurzöhrigen Ohreule (strix brachyotos)

sein: Dann merkwürdig “ (Th.).

Für die große Ohreule (Uhu) vgl. die zentrale große Kopfstudie der schon vorstehend angeführten Zeichnung Weigel 332 (Abb. Th., Taf. 5).

In der 1824/25er Neuausgabe bei Engelbrecht-Herzberg wurden hiesige vier Blätter um die aus den Wundersamsten Hirschen und anderen Thieren herausgelösten, im Format etwas größeren und allein von Johann Elias gearbeiteten Raub Vögel bey Tage (Th. 273) + Ißländischer weißer mit Schwarzen Federen gesprengter Falcke (Th. 284) erweitert offeriert. Hier indes , es sei wiederholt, die vierblättrige Folge wie von Ridinger geschaffen in zeitgenössischen Abdrucken auf jeweils vollem Halbbogen mit dreiseitigem Schöpfrand

von ganz einheitlich gleichmäßiger Schönheit

und solchermaßen ein feiner Beleg

für das nur schmale ornithologische Werk Ridingers .

Angebots-Nr. 16.163 / Preis auf Anfrage

niemeyer’s — für ridingers , wie sie sein sollten

Ridinger, Ach Ach

» Ach Ach «

Die Nacht Eulen verzehreten ein armes Häßlein, so bald kom(m)en auch Kazzen dazu, u: wollen sie mit samt dem Haasen fressen da heißt es wie um Haare so um Federn. Ein Uhu – kommentiert Thienemann – , auf einem erbeuteten Hasen sitzend, wird von zwei Katzen angefallen, welche ihm den Hasen entreissen wollen. Oben will eine zweite Eule herabfliegen und den Raub verhindern. / Welt Welt. Die Fuchsen hohleten sich im Hüner Stall ein Gastmahl, allein alsbald wurden Hunde auf Sie abgehezt, und also gilt es wie um Federn so um Haare. Zwei Füchse – kommentiert Thienemann – , der eine nimmt Reissaus mit einer Henne im Maule, der andere hat den getödteten Hahn fallen lassen, um sich gegen einen Hund zu vertheidigen. Zwei andere Packan eilen eine Anhöhe herab, um am Kampfe Theil zu nehmen.

2 Blatt als lebhaft-wandtüchtige Scenarien

in hügeliger schöner Gewässerlandschaft (bei Vollmond), angesiedelt jeweils am anderen Ende desselben Wassers. Radierung + Kupferstich von Martin Elias Ridinger (1731 Augsburg 1780). Bezeichnet: XXXIV. bzw. XXXIII. / Joh. El. Ridinger. del: et inv(in): 1753. / M. El. Ridinger. Filio suo. sp. 1777, ansonsten wie vor und unten. 33,3 × 24,8 cm (13⅛ × 9¾ in).

Thienemann + Schwarz 377 + 376; Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX, innert 1887 ( „Neue Abdrücke“, 1885! ); Slg. Reich auf Biehla 119 + 118 ( „Selten“, 1894!; Bl. 34 auf Plattenkante geschnitten); Helbing XXXIV, Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 893 + 892 (Bl. 34: „Selten“, 1900! ).

Das oben wellenförmig gerundete Paar XXXIII/XXXIV der 1779 abgeschlossenen 46blätt. Folge Zu den besondern Ereignissen u: Vorfallenheiten bey der Jagd ( „The rarest set of Ridinger’s sporting line engravings“, Schwerdt 1928, und, so Thienemann, „fast durchgängig so eingerichtet, dass immer zwei und zwei mit einander harmoniren und Seitenstücke bilden, wie sie denn auch paarweis verkauft worden sind“).

Die eingangs zitierten Untertexte ergänzt durch die Sinnsprüche

« Ach Ach =

« Des Raubens und Mordens ist kein Ende ,
und so wird Frevelthat zur dritten Sünde . »

« Welt Welt –

« Alle wackere Junggesellen sind den Schönen auch beschwerlich ,
aber Leztere wiederum erstern öffter auch Gefährlich. »

Dem Sammelband eines alten adeligen Bestandes entstammende breitrandige Abdrucke von leuchtendem Hell-Dunkel auf festem Bütten mit typograph. Wasserzeichen als einer der von Ridinger bevorzugten Qualitäten

mit der römischen Numerierung

(„Wenn sie fehlen, so deutet dies auf spätere Abdrücke“, Th.). – Im äußeren weißen Oberrand noch die beiden Löchlein der ursprünglichen lieferungsweisen Heftung, am rechten Außenrand von Bl. 34 kleiner Wasserrand.

Angebots-Nr. 15.820 / EUR  1780. / export price EUR  1691. (c. US$ 2046.) + Versand

Ridinger, Falkonierknecht mit Uhu

Falconier Knecht
de(n) Uhu auf der hand führe(n)d.
Valet de Faucon tenant les Hibou dess la main.

„Er reitet eine Schecke und hat auf der Linken den Uhu. Freie Landschaft“ (Th.) mit Kirchdörfern vom Hügel links oben bis rechts außen. Radierung mit Kupferstich von Martin Elias Ridinger (1731 Augsburg 1780). Ca. 1764. Bezeichnet: Joh. El. Ridinger inven. delin. et excud. Aug. Vind. / Martin Elias Ridinger Sculpsit., ansonsten wie vor. 33,7 × 25,5 cm (13¼ × 10 in).

Thienemann + Schwarz 120. – Blatt 8 der 25blätt. Suite der Jäger und Falconiers mit ihren Verrichtungen, ausschließlich von Johann Elias’ Ältestem ins Kupfer übertragen. – Die Vorzeichnung in der Staatlichen Graphischen Sammlung München. – Lilien-Wz. – Der 1-1,8 cm breite Rand mit schwachen alten Montageflecken. – Das schöne Motiv als zudem

prachtvoller Frühdruck vor der Numerierung „G“

oben rechts, wie hier mit nur einer Ausnahme – Helbing XXXIV, Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger (1900), 271 für Blatt „M“ als hochbewerteter „Probedruck vor aller Schrift und vor vielen späteren Arbeiten“ – ohne Literaturbezug ganz vereinzelt schon durchgelaufen.

Angebots-Nr. 15.822 / EUR  870. / export price EUR  827. (c. US$ 1001.) + Versand

Ridinger, Vogelfänger mit Uhu

„ Oben darauf aber thront
die Ohreule … “

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Vogelfænger auf den Vogel-herd mit seinem geræthe ziehend. Oiseleur sur L’oiselerie tirant les filets. Radierung und Kupferstich von Martin Elias Ridinger (1731 Augsburg 1780). Ca. 1764. Bezeichnet: Joh. El. Ridinger inv. del. et exc. Aug. Vind. / Mart. El. Ridinger sculps., ansonsten wie vor. 34 × 26 cm (13⅜ × 10¼ in).

Thienemann + Schwarz 131; Deutsches Leben der Vergangenheit, Eugen Diederichs Vlg., Abb. 1482. – Blatt 19 („S.“) der 25blätt. Suite der Jäger und Falconiers mit ihren Verrichtungen, hier

„ In den Händen trägt er die Scheibe auf der langen Stange, zum Sitz für die Eule bestimmt, welche bei seinem Fang eine wichtige Rolle spielt. Neben ihm sein treuer, wohlbepackter, daher ganz langsam einherschreitender Schimmel. Auf ihm Stangen, Vogelbauer, groß und klein, rund und viereckig, Netze, Tücher und was weiß ich sonst noch, oben darauf aber thront die Ohreule … Im Hintergrund der wohleingerichtete Vogelherd, das Ziel der Wanderung. “

Leuchtend kontrastreich auf festem Linien-Papier als Merkmal der zeitgenössischen Abdrucke. – Typogr. Wz. – An den Seiten mit 3,8-4 cm von schöner, oben und unten mit 7,8 bzw. 7 cm hervorragender Breitrandigkeit.

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Ridinger, Fangarten/Titel

„ Der Titel
gehört zu den schönsten Stichen
des deutschen Rokokos “

L’Art Ancien 1938

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Nach der Natur entworffene Vorstellungen Wie alles Hoch u: Niedere Wild, samt dem Feder Wildpræth auf verschidene weise mit Vernunfft List u: Gewalt lebendig oder tod gefange(n) wird! Radierung + Kupferstich. Bezeichnet: Alles nach dem Leben gezeichnet und heraus gegeben von Johann Elias Ridinger in Augspurg Anno 1750. d. 10. May., ansonsten wie vor nebst 8zeil. Erläuterung. 24,9 × 36,3 cm (9¾ × 14¼ in).

Thienemann + Schwarz (Bd. I, Tafel V + Abb. S. 69) 69; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, V.9 nebst Abb.; Rid.-Kat. Kielce, 1997, 27. – Der breite weiße Rand partiell minimal stockstippig.

Mittig dominant der behaubte Edelfalke thronend förmlich über einer schildartigen Arabeske. Zu seinen Fängen ein sein Gelege gegen einen schon im Fangeisen sitzenden Kuder verteidigender größerer Vogel. Rechts, seinerseits

dominant aufgeblockt , ein Uhu .

Linksaußen Lappenreihe und die hier verschiedenfältig bestückte bekannte Stange mit blökendem Schaf auf seinem Wagenrad obendrauf. Ansonsten Fallen, Netze, Schußwaffe als Verderbenbringer mehr bis hin zum Schießpferd auf eingefriedeter Gehöftweide rechtsaußen.

Das nur selten einzufangende konstruktive Titelblatt

zur 30blätt. Fangarten-Suite, jenes „schöne und merkwürdige Blätter (enthaltenden) höchst interessanten Werkes … nach dem Leben gezeichnet“ (Nagler) und dem Praktiker alles zeigend, dessen er draußen bedarf. – Aus den 1980ern marktbekannt die reich lavierte Ursprungszeichnung im Stichsinn aus der kleinen Gruppe betörend schöner Malerischer des Meister’s. – Mit wohl WANGEN-Wz. als einem der von Ridinger bevorzugten Papiere.

Angebots-Nr. 15.848 / EUR  630. / export price EUR  599. (c. US$ 725.) + Versand

niemeyer’s — 58 jahre ridingererfahrung

Ridinger, Die Unschuld durch der Bösen Haß gerettet

Die Eule warnt …

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die Unschuld wird oft durch der Bösen Haß gerettet.

Eine einst von dem Fuchs geprellte Eule

warnt „eine weidende Heerde wilder Gänse“ davor, den Tod Reineke’s als verbürgt zu feiern. Radierung + Kupferstich von Martin Elias Ridinger (1731 Augsburg 1780). Nach 1767. Bezeichnet: J. El. Ridinger. inv. et del. / M. El. Ridinger. sc. et exc: A. V., ansonsten wie vor in Dt.-Lat.-Frz. 33,6 × 24,7 cm (13¼ × 9¾ in).

Thienemann + Schwarz 781; Metzner-Raabe, Illustr. Fabelbuch, 1998, Bd. II (Bodemann), 123.I. – Blatt 17 der Fabeln. – Kleines figürl. Wz. – Der wiederholte „.“ nach Ridinger fehlt bei Schwarz, der im übrigen hinter FABUL einen „:“ vermerkt anstelle des hiesigen einfachen Punktes. – Zusätzlich zum schönen weißen Plattenrand zweiseits mit auch breitem Papierrand. Im schmaleren linken alte Heftspuren.

Das außerordentlich seltene erste Ergänzungsblatt

der geistig wie optisch überaus reizvollen Lehrreiche(n) Fabeln aus dem Reiche der Thiere zur Verbesserung der Sitten und zumal zum Unterrichte der Jugend, mit denen

„ Ridinger ein typisches Ziel seiner Epoche (verfolgte). Eine ‚Verbesserung der Sitten‘ durch die moralische Wirksamkeit der Kunst hatte – freilich auf ganz andere Weise – der mit Ridinger fast gleichalte William Hogarth in seinen Gemälden und graphischen Blättern versucht … Doch während Hogarth und Chodowiecki durch satirische Bildfolgen, wie ‚Das Leben eines Lüstlings‘, 1735, … ihren (gleichen) Vorstellungen Geltung zu verschaffen suchte, knüpfte Ridinger an die – ihm besonders gemäße (nämlich, so er selbst, ‚von den eisgrauen Zeiten des Alterthums an‘) – Tradition der Tierfabel an “

(Stefan Morét, Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, Seite 96).

Und Ridinger selbst in der Erklärung anstehenden Sujets:

„ Einige wilden Gänse zogen nach ihrer Weise in einer Reyhe auf das Geäße. Ein verschlagener Fuchs, den die glückliche Erfahrung schlau gemacht hatte, paßte ihnen auf, um welche zu erhaschen. So arglistig aber als er war, so vorsichtig waren die Gänse … Das verdroß den Fuchsen, daß eine einfältige Gans seine Verschlagenheit zunichte machen sollte; er besann sich derowegen auf einen Streich, sie zu berücken … Eine Eule sahe dieses … Ey, dachte sie, das ist eine geschicktze Gelegenheit, mich an diesem Räuber zu rächen. Als nun die einfältigen Gänse angezogen kamen …

(rief) die nahe dabey sitzende Eule ihnen zu :

Freunde ! seyd auf eurer Hut, es ist ihm nicht Ernst … “

Bildlich im übrigen läßt Ridinger, einen neuen Bildtypus kreierend, einmal mehr Tradition und Feld hinter sich. Denn, so Ulrike Bodemann in Metzner-Raabe,

„ Keine Ähnlichkeiten mit bisher bekannten Fabelillustrationen .

Riesige Bildformate werden fast völlig von der Darstellung eines zentralen Moments der Fabelerzählung gefüllt. Umgebung meist dichter, urwüchsiger Wald .“

Und Regine Timm, ebda., Bd. I, Seite 171:

„ Ridinger hat in seinen großen Tafeln … zwar pflanzliches Wachstum oder auch Felsbrocken manchmal bildbestimmend in seine Illustrationen einbezogen, aber ohne dekorative Absicht. Die Pflanzen und Felsen bedeuten das Dickicht, die menschenferne Waldeinsamkeit, in der sich die seltsamen Geschichten unter den Tieren zutragen. “

„ Die Fabel ist historischer als die Tatsache ,

denn die Tatsache erzählt von einem Mann ,

die Fabel aber von einer Million Menschen “

Gilbert Keith Chesterton

Alfred the Great in Varied Types

1905

Die Folge besteht aus zwanzig Blatt, von denen Johann Elias gleichwohl nur die ersten sechzehn veröffentlichte. Vermutlich aus stilistischen Skrupeln. Denn mit den erst vom Ältesten, Martin Elias, auf Kupfer übertragenen und postum herausgegebenen vier letzten gibt er die Überfülle der vorangegangenen, seiner überdies erst neugeschaffenen Fabel-Konzeption, weitergehend zu Gunsten einer nun auch für ihn völlig neuen, souverän konzipierten großflächigen Klarheit (beispielhaft hierfür insbesondere hiesige 17., doch auch die 20.) auf, womit auseinanderzusetzen er sich schlußendlich aber offenbar scheute. Und wohin ihm noch hundert Jahre später auch Thienemann nicht folgen mochte („haben weniger Kunstwerth, sind aber dennoch schätzbar und ihre Seltenheit zu bedauern“). Was hiesigerseits hingegen als ein bemerkenswert weiterentwickeltes künstlerisches Ausdrucksvermögen gesehen wird. Gipfelnd eben in dem Fascinosum, nicht allein ein neues Fabelbild geschaffen, sondern dieses in sich noch einmal zu neuem Ufer fortentwickelt zu haben.

Vergleichbar als von Ridinger wiederholt zitiert sei in diesem Zusammenhang an Watteau und hier an dessen „Gesellschaft im Freien/Park“ in Berlin erinnert, zu dem Pierre Rosenberg anmerkt: „… ist das Berliner Gemälde

ein Beweis dafür , daß der Künstler sich erneuern wollte ,

indem er einen neuen Typus der Komposition schuf …“

(Ausstellungskatalog Watteau, Washington/Paris/Berlin 1984/85, S. 415).

Ridinger’s generelles Fabelbild denn also ein höchst gewichtiger Meilenstein innerhalb des „rund 900 Ausgaben (ausmachenden) Grundcorpus illustrierter Fabelbücher“ bis hin zu Chagall’s 200 Jahre späterem Lafontaine-Folio mit seinen 100 Radierungen als geradezu einem Schlaglicht für die Unsterblichkeit der Fabel-Illustration.

Daß Ridinger seine Folge ursprünglich gleichfalls wesentlich umfangreicher konzipiert hatte, belegen seine hier durchgelaufene Vorzeichnung zur 20. Fabel, die er mit „Fab 31“ bezeichnet hatte, jene mit “Fabel 29.” bezeichnete zur 19. (Weigel, 1869, Nr. 384) und die Thienemann vorgelegene, mit „30“ genummerte — siehe Seite 12 — , die gleich weiteren, unnumerierten, indes unverarbeitet blieb.

Die praktisch vorprogrammiert gewesene große Seltenheit der vier Supplementblätter seit Thienemann1856 !, Seite 151 ) literaturbekannt: sie „machen sich sehr rar, finden sich schon in manchen älteren Ausgaben nicht, und sind in der neuesten ganz weggelassen, was jedoch zu bedauern ist“.

Entsprechend denn auch der 1889er Katalog der Slg. Coppenrath zu 20blätt. Exemplar: „Schöne Hauptfolge … Selten“. Und Helbing 1900 in seiner 1554blätt. Ridinger-Offerte (Katalog XXXIV): „Die letzten (4) Nummern sind höchst selten“. Und während er neben einem Komplett-Exemplar die ersten sechzehn bis auf 12 + 13 mehrfach apart besaß, so von den letzten vier nur 17 + 19 jeweils einmal zusätzlich. Am Markt denn auch bis heute meist nur die 16blätterige Grundfolge.

Die die Nachauflagen dokumentierenden verschiedenen Druckzustände des Titels im übrigen schönster Beweis für den Erfolg der Arbeit, die ihre namentliche Zielgruppe, die Jugend, offensichtlich erreicht hat.

Angebots-Nr. 12.511 / EUR  946. / export price EUR  899. (c. US$ 1088.) + Versand

Ridinger, Eulen in Dachsbau
„Notwehr denen, die sie Verursachen, selbst Schädlich“

„ Dies ist nun das merkwürdige Blatt, dessen ich S. 151 Erwähnung getan und etwas Weiteres darüber zu berichten versprochen habe. Es liefert nämlich den deutlichsten Beweis, daß Ridinger sich ernstlich vorgenommen hatte, seine Fabeln fortzusetzen und wenigstens bis auf dreissig zu bringen. Die sehr ansprechende Originalzeichnung ist auf bläulichem Papier mit etwas Tusche, schwarzer Kreide und weiß gehöht …

Der Ideengang des Künstlers mag etwa folgender gewesen sein:

Eine ansehnliche Gesellschaft lichtscheuer Eulen, mit und ohne Federohren, wagt es, die finstere Höhle eines Dachses zum Zufluchtsort gegen die verhaßten Sonnenstrahlen zu wählen.

Dadurch reizen sie den sonst ruhigen und keineswegs blutdürstigen Troglodyten

zur Notwehr gegen diese ungebetenen , lästigen Gäste.

Er vertreibt sie mit Gewalt aus seiner Einsiedelei, indem er ein arges Blutbad unter den zunächst betroffenen anrichtet und so die Überschrift bestätigt:

„ Notwehr denen , die sie Verursachen , selbst Schädlich “

G. A. W. Thienemann
Erklärung der dem Buche beigefügten XII Kupferstiche in Zeichnungsmanier, 6

— nicht hier im Angebot —


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(Mr. R. H. P., July 25, 2005)