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SCHILLER IM BILD© II

Hier und Heute

Pour
Heinrich Stinnes, Sammlermarke
Monsieur
le
Docteur Stinnes
Mülheim/Ruhr 8. 1. 1867 — Köln 4. 11. 1932

Dem Fürsten der No. I
zum
150. Geburtstag

Fortlebend
in seiner sammlerischen Grandeur

Heinrich Stinnes, Sammlermarke

Fürst der No. I

Das dem Aufgalopp des Venuswagens gleichen Jahres vorausgeeilte Prospektbuch von drahtgehefteten 33 Blatt „in einem Umschlag vom Aussehen einer Toilettenseifenpackung … als Vorgeschmack des zu Erwartenden“ (Horst Stobbe) ist hier ebensowenig präsent wie der 1922er 14seitige Privatdruck Denkschrift betreffend Beschlagnahme des ‚Venuswagens‘ von Alfred Weise. Letzterer, weil die Reihe brandfrisch ins Kölner Vorortdomizil des Industrieerben gelangt war, ersteres, weil dieser Gigant unter den Sammlern neuzeitlicher Graphik + Buchillustration ab etwa Goya – Lugt nennt rund 200.000 Blatt – sich seiner No. I sicher sein durfte. Welcher Verleger hätte es sich wohl versagen mögen,

diesem absoluten Bedürfnis dieses absoluten Charakters

umso selbstverständlicher zu entsprechen, als durch Aufnahme in diese erlauchte Versammlung seine Edition und damit sich selbst geadelt zu sehen.

» Wie jeder richtige Sammler

hatte auch Stinnes sein Hobby.

Von numerierten Editionen wollte er

stets die erste Nummer haben «

J. H. De Bois

Haarlem’s Dagblad, 16. September 1933, S. 9

Gurlitt, Kunstpapst seiner Zeit, nummerte anstehenden Falls nur nüchtern

„ Dieses Exemplar der Vorzugsausgabe trägt die Nr. I “,

wobei nur die I handschriftlich eingesetzt ist. Anderwärts ging’s auch anders. Imprimé spécialement pour M. le docteur Stinnes lautete zusätzlich zur I das Impressum eines gleich zu Anfang 1959 hier durchgelaufenen Bandes. Es war mein erster Stinnes. Und ein früher Stolz dazu. Und unverändert frisch ist die Faszination gegenüber dieser Grandeur eines Sammlers, ja, gegenüber sammlerischer Provenienzen generell ob ihres kaum begrenzten Fortlebens weit über die Zeitlichkeit von Person und Sammlung hinaus, bereit zu vertrauter Zwiesprache mit einem der ihren, Einblick gewährend nicht zuletzt ins Innerste.

So denn auch hier. Band für Band auf dem Vorsatz der von Erwerbsquelle + Preis begleitete handschriftliche Besitzeintrag des Sammlers in tiefschwarzer Tinte.

Heinrich Stinnes, Besitzvermerk

Welch eine Hand hat ihn geführt !

Imperiale Schriftzüge nannte sie, ins Schwarze treffend, Die Zeit am 5. Januar 1950 gelegentlich einer weiteren der seit 1932 laufenden Nachlaßauktionen (Zeit online). Und weiter

„ Man erkannte sein Temperament auch an den Federzügen, die eine mächtige Klaue auf den Passepartouts oder auch auf den Blättern selbst angebracht hatte. In das Haus nämlich … gelangte kein graphisches Blatt, von dem nicht auf diese, fast manische Weise Besitz ergriffen worden wäre. “

So scheint’s in der Tat. Und findet anstehendenfalls seine Entsprechung im roten Sammlungs-Stempel (Lugt 4436) nebst 1/40 im Rand links unten

einer jeden

Heinrich Stinnes, Besitzvermerk

der

73 Graphik-Tafeln des hiesigen Venuswagens .

Apropos Besitzeintrag erweist sich der ansonsten des Pudels Kern trefflich treffende Zeit-Schreiber indes als bibliophiler Ignorant, wenn er aufstöhnt:

„ Nicht mit dem Bleistift etwa, den ein tilgender Radiergummi leicht hätte entfernen können ( sic ! ), sondern mit tief schwarzer Tinte und imperialen Schriftzügen, oder gar mit einem impertinenten Tintenstift, der sich mit Wollust in die Haut des edelsten japanischen Papieres eingrub. Eine Tätowierung, die alle Entfernungskünste der erfahrensten Restauratoren verhöhnt. “

Nur ein Jacobiner käme wohl – und mit Sicherheit – je auf den Gedanken, ein solches Autograph, eine solche Besitz-Trophäe blauesten Blaus unter die Guillotine eines Radiergummis zu zwängen! Welch ein Sakrileg! Welch eine Entgleisung! Wo doch

„ … diese kräftige Inbesitznahme

vielleicht der harten Hand des Bruders Hugo Stinnes (entsprach), die nach den Aktienpaketen der deutschen Industrieunternehmen griff ? War das Vollständigkeitsstreben, das besitzende Beherrschen eines weiten Gebietes,

der Charakterzug ,

der die beiden sonst so verschiedenen Brüder verband ? “

Er war einer der Lannas, der Gutmanns, der Davidsohns, der Thyssens als den in der alten Welt

„ ersten Sammler(n) der Weltkultur ,

die aus einer industriellen Welt komm(en)

… (und) mit keiner der früheren (fürstlichen) Sammlertypen (noch) etwas gemein (haben) “ (Lothar Brieger, Das Kunstsammeln, 3. Aufl., 1920, Seiten 10 ff.). Und, als denke er Heinrich Stinnes als den Prototypen schlechthin, fortfahrend, „Er ist, mag er es auch nicht immer gerne hören,

ohne den Händler nicht zu denken,

schon aus dem Grunde, weil eigentlich der Händler der einzige Mensch war, mit dem er sich verstand … (Und) Hand in Hand mit der Kultivierung des Händlers ging (zugleich) die Entwicklung eines besseren Museumswesens.“ Und resümierend

„ Denn in der Tat haben jene Sammler , die wir als die Väter unseres heute wieder aufgeblühten Sammlertums ansprechen dürfen

nichts gelebt , nichts geliebt und nichts genossen als Kunstwerke “

(Lothar Brieger, Das Kunstsammeln, 3. Aufl., 1920, SS. 10 ff.).

Heinrich Stinnes

war einer dieser Granden. Reinblütig wie kaum ein anderer. Ein Prinzipal, wie Bruder Hugo auf seinem Felde. Doch, siehe da, zeitüberdauernder blieb das seine. Wir verneigen uns in Ehrfurcht.

» Provenienzexemplare

sind Bücher ,

die , wie das Supralibros , das Exlibris

oder eine handschriftliche Eintragung beweisen ,

aus einer berühmten Bibliothek stammen

und zu deren Eigentümer

in persönlichem Verhältnis standen «

Hans Bohatta

in Lexikon des Gesamten Buchwesens, Band III (1937), Seite 58

niemeyer’s ist stolz, aus dieser Provenienz, aus dieser Parade der Ier, nicht nur abermals ein sammlerisches highlight an sich gebracht zu haben, sondern mit diesem den Verleger 1000 Mark Unsittlichkeits-Strafe kostenden 9-Bänder zugleich

eine kulturgeschichtliche Fackel

par excellence ,

die Iustitia’s Moralempfinden aufglühen ließ ,

als habe die junge Republik, die Schrecken des Krieges noch hautnah vor Augen, nichts Dringenderes zu tun, als einer noblen Edition für einen kleinen Circel geistiger Elite wegen an den Strommasten aufzufahren, um der

Freiheit der Kunst

Saft und Kraft zu entziehen. Es gibt sie auch heute wieder. Diese Aufgeregtheiten, dieses panische Eifern, Dinge überhaupt erst ins Rampenlicht zu zerren, die die Republik sollte ertragen können.

Da hilft nur eines :

das Aufschließen der Seele. Des eigenen, des sammelnden, des kunstliebenden Ichs.

„ Die Nacht ist am schönsten “

sagte der Pianist Eduard Erdmann, Büchersammler von Graden, einst zu seinem Oberkellner im Weinhaus Wiesel in Köln. Heinrich Stinnes läßt grüßen.

Schiller, Venuswagen

Friedrich Schiller

Der Venuswagen

Ein Gedicht. 1781.

Mit 8 (7 signierten, so auch Kat. Fischer 406) Farb-Lithographien

(15 × 25 [5⅞ × 9⅞ in] bzw. [7] ca. 26 × 21-21,5 cm [10¼ × 8¼-8½ in],

3 davon im Stein bezeichnet mit

Ritsch Ratsch , Venusfinger bzw. Inquisitia)

von

Lovis Corinth

(Tapiau 1858 – Zandvoort 1925)

33 Seiten, 1 Blatt Impressum, 2 fliegende Endblätter. – Textdruck von Otto von Holten, Berlin

DER VENUSWAGEN I

H.-G. IX, 528 f.; Englisch I, 217 f.; E. II, 254 f.; Simon, Schillers ‚Venuswagen‘, Euphorion 20/3 (1914)

Kein Exemplar

in der zu 297 Lots zusammengefaßten

graphischen Corinth-Sammlung Beckmann=Bremen

bei Puppel (Hollstein & Puppel), Berlin 1941

Europa auf dem Stier versehentlich unsigniert geblieben. – Bundstege leicht beschabt wie auch je eine Stelle an Oberfeld und Unterkante des Rückens sowie der oberen rechten Vorderdeckel-Ecke.

„ Wenn wir Schillers Werke nach dem Gedicht ‚Der Venuswagen‘ durchblättern, werden wir es kaum finden. Schillers erste Verse sind stets verfemt gewesen. Der Dichter hat sie selbst unterdrückt. Dennoch – sie sind gerade für den Anfang des großen künstlerischen Schaffens überaus charakteristisch; ihr Wert ist nicht allein im literarischen Kuriosum zu suchen.

Als Schiller im Dezember 1780 aus der Stuttgarter Militärakademie entlassen wurde, nahm er bei der Witwe eines Hauptmanns, bei Frau Luise Vischer, Wohnung, die wir als die berühmte ‚Laura‘ anzunehmen haben. Zu derselben Zeit, als der Verfasser der ‚Räuber‘ 1781 seine ‚Phantasie an Laura‘ schrieb, muß auch der ‚Venuswagen‘ entstanden sein … ‚(Er) wendet sich in der feurig-schwunghaften Art, die Schillers Jugendgedichten eigen ist, und ohne in der Wahl der erotischen Ausdrücke irgendwie an sich zu halten, gegen die gesellschaftliche und kirchliche Heuchelei in geschlechtlichen Dingen. In die meisten Ausgaben von Schillers Gedichten ist es nicht mit aufgenommen‘ “

(Alfred Richard Meyer im hiesigen Nachwort).

    „ (Corinths) grobschlächtige Zeichnungen (so auch hier) … beschäftigen sich mit dem Weib als der dämonischen Bezwingerin des Mannes … (und) stellt er das Weib niemals als die Zärtlichkeiten des Mannes duldend dar, sondern unterstreicht mit starken Strichen des Weibes kraftstrotzende Vitalität, an der sich des Mannes Aktivität erst entzündet … Corinths ganzes Schaffen ist ohne die Brutalität seines stets ungestillten sinnlichen Verlangens nicht zu verstehen … Er empfindet das Göttergeschenk der Wollust viel eher als eine Qual, für die er den Dämon Weib verantwortlich macht …

    Die Illustrierung des … ‚Venuswagen‘ …

    in dem Schiller gegen die wollüstige ‚Metze Weib‘ vom Leder zieht ,

    mußte ihm deshalb besonders gut liegen ,

    und ausnahmsweise kann man diesmal der Auffassung des Gerichts beitreten, wenn es die Beschlagnahme der Bilder (hinter Bl. 12, 18, 20, 24) aus dem Grunde verfügte, weil der Nachdruck zu sehr auf das Geschlechtliche gelegt, zu deutlich die Lust am Geschlechtsverkehr und die Lüsternheit bei Mann und Frau auf ihren Gesichtern ausgeprägt sei (Akt. Z.: 2. b. J. 26/20 Ldg. II Berlin) “

    (Englisch II, Seiten 252-255).

    Schiller, Venuswagen

    Der Venuswagen

    Eine Sammlung

    erotischer Privatdrucke

    MIT ORIGINAL-GRAPHIK

    Herausgegeben

    als

    PRIVATDRUCKE
    DER
    GURLITT-PRESSE

    von

    Alfred Richard Meyer

    ( Munkepunke )

    Erste Folge

    9 Bände

    ( Für jeden Folgemonat einer .

    Alles Erschienene , na klar )

    Berlin 1919/1920

    Einmalige Auflagenhöhe

    700 für Krethi + Plethi

    +

    40 für die Hautevolée

    ( 740 Exemplare insgesamt )

    Der Venuswagen

    Bordeauxrote Orig.-Maroquin-Bände auf 5 Bünden

    in Quarto (30,7 × 25 cm [12⅛ × 9⅞ in]) mit blindgeprägter Vorderdeckel-Vignette und ebensolcher Filete auf beiden Deckeln sowie, goldgeprägt, auf dem Rücken, wie auch die Titel, grünen Moiré-Spiegeln + -Vorsätzen sowie Kopfgoldschnitt. Zweiseits unbeschnitten.

    Literatur

    Das Graphische Jahr
    Fritz Gurlitt

    2. Auflage , Berlin 1922 , SS. 73 f.

    Hayn-Gotendorf
    Bibliotheca Germanorum Erotica & Curiosa

    Bd. IX (1919)
    Hrsg. von Paul Englisch
    Seiten 600 f. + Einzelverweise bei den Titeln

    Bilderlexikon der Erotik

    Bd. II (1929), 868 f.

    Paul Englisch I
    Geschichte der erotischen Literatur

    Berlin 1927
    Seite 287, 3 + Einzelverweise bei den Titeln

    Paul Englisch II
    Irrgarten der Erotik
    Eine Sittengeschichte über das gesamte Gebiet
    der Welt-Pornographie

    Leipzig 1931
    Seite 299 + Einzelverweise bei den Titeln

    L. Lang
    Expressionistische Buchillustration
    in Deutschland 1907-1927

    Luzern (1975) , 70 , 134 + 144

    Der Serientitel Der Venuswagen nach dem gleichnamigen Schiller-Gedicht

    als Band 1 der Reihe, deren 40 Vorzugs-Exemplare auf starkem Bütten gedruckt und in Leder (so hier) oder Pergament oder auch, wie nicht im Impressum vermerkt, in Seide gebunden wurden.

    Serien- wie Einzel-Titel meist in Rot + Schwarz. – Innerhalb der großzügigen Titelei auf Seite 3 jeweils Serien-Vignette – Bildinhalt der ersten Bände später abgeändert – in Lithographie, wie im folgenden nicht eigens wiederholt. – Druck der Graphiken auf der Gurlitt-Presse. – Neben dem Moiré-Vorsatz eingangs 2 + am Schluß 1 zusätzliche fliegende Blätter. Auf jedem dem vorderen Moiré-Vorsatz folgendem fliegenden der eigenhändige Besitzeintrag von Dr. Stinnes mit vollem Namen + Erwerbsvermerk in schwarzer Tinte. Die Graphik-Angabe der Titel hs. beziffert, soweit im folgenden nichts Gegenteiliges vermerkt. – Mit Ausnahme einer der Corinth-Tafeln

    sämtliche Graphiken sowie das Impressum

    vom jeweiligen Künstler signiert .

    „ Der Venuswagen hat kräftige Gewürze, saftige Kräuter aus Abendland und Morgenland geladen. Künstler mit Namen geben die Zukost, Herr Alfred Richard Meyer führt die Zügel. Erotik zieht – Erotik zieht besser denn je. Heia wird das eine Fahrt werden … “

    (Horst Stobbe in Die Bücherstube, Jg. I, H. 2, SS. 71 f., zitiert nach Hayn-Gotendorf, a. a. O., S. 600).

    Die Gerichte sahen das anders:

    „ Sämtliche (noch greifbaren) Drucke wurden beschlagnahmt “

    (Englisch I). Nach 90 Jahren ist auch das relativ. Die Stolperschwelle der Empfindsamkeiten folgte der Stärke des dargebotenen Tobacks.

    Unbeschadet beschriebener und, für sich allein gesehen, durchaus störender Erhaltensmängel zweier Bände erwartet Sie ein

    ausgezeichneter Erhaltungszustand + als Ganzes eine Augenweide ,

    die besagte Mängel souverän überspielt. Dieses Exemplar ist schlichtweg

    ein von Provenienz + Römisch I

    unwiederholbar geadeltes Gesamtkunstwerk

    Band für Band mit dem

    legendären prankenhaften Stinnes-Besitzeintrag ! !

    Angebots-Nr. 15.648 / Preis auf Anfrage

    Folgen Bände II-IX en détail …

    Otto Schoff, Sappho oder die Lesbierinnen

    E. Jouy
    (= Victor Josephe Etienne,
    genannt nach seinem Heimatorte de Jouy)

    Sappho oder Die Lesbierinnen

    (1799.) Aus dem Französischen von Balduin Alexander Möllhausen. Mit Titel- + 6 signierten Tafel-Radierungen (ca. 19,5 × 14,5 cm [7⅝ × 5¾ in]) sowie reizvollen Initialen von Otto Schoff (Bremen 1888 – Berlin 1938). 25 Seiten, 1 Blatt Impressum, 2 fliegende Endblätter. – Textdruck von Otto von Holten, Berlin. – Die grünen Spiegel + Vorsätze mit Wasserrand oben. Vorn maximal 4 cm tief und abnehmend durchfärbend auf die ff. beiden weißen Vorsatzblätter, der Stinnes-Besitzeintrag hiervon ebenso unberührt wie hinten die makellose Impressum-Seite mit Römisch I + der Schoff-Signatur. Hinten ansonsten 11 cm tief und stark durchfärbend auf die beiden weißen Schlußblätter, deren erstes vorderseits aber nur noch gering betroffen. Schwach grüner Oberrand dann auf Seiten 9/10 + Folgeradierung, dann durchgängiger, teilweise praktisch nicht wahrnehmbarer schwacher schmaler Braunstreifen, die äußerste Oberkante gelegentlich auch angegrünt. – Je ein Seiden-Deckblatt rechts- bzw. unterrandig schadhaft. – Von den Einband-Wasserstreifen im Grunde nur erwähnenswert der leichte kleine Dunkelrand linkshälftig der Unterkante des Vorderdeckels, ordnungsgemäß registriert ansonsten noch Vorderdeckel oben + dreiseitig am Rückdeckel. Alles in allem gleichwohl nicht weniger, aber auch nicht mehr als ein partieller Ausrutscher bei makelloser Frische alles Übrigen.


    Richard Janthur, Pantschatantra

    Pantschatantra

    Fabeln aus dem indischen Liebesleben

    Mit 10 signierten Farb-Lithographien mit zusätzlichem Monogramm im Stein (19,5-22 × 16-17,5 cm [7⅝-8⅝ × 6¼-6⅞ in]) sowie einschlägigen großen Kapitel-Initialen und figürlichen Oberleisten + Schlußvignette von Richard Janthur (Zerbst 1883 – Berlin 1956). 47 Seiten, 1 Blatt Impressum. – Textdruck Spamersche Buchdruckerei Leipzig. – Durchgehende Wellung von schwachem Wasserrand im Oberrand, Anfangs- + Schlußblätter etwas stärker. Unten meist nur leichter gewellt und ohne Wasserrand, zudem auch nicht ganz durchgängig. Im Leder nur wenig störende Spur im Oberrand der Deckel. – Ein Seiden-Deckblatt im unteren rechten Rand und Unterrand schadhaft. Dies alles gleichwohl tolerierbar, überspielt von der schönen Typographie und … der starken Bildhaftigkeit der Illustrationen. Eingeschlossen selbst noch die Initialen.


    Georg Walter Rössner, Das Aldegrever-Mädchen

    Alfred Richard Meyer

    Das Aldegrever=Mädchen

    Eine Novelle

    1911. Mit 8 signierten + kolorierten Lithographien („frei, aber nicht erotisch“, H.-G. IX, 400; 19,5-22 × 13-19 cm [7⅝-8⅝ × 5⅛-7½ in]) von Georg Walter Rössner (Leipzig 1885 – Gundelsby 1972) und großer Eingangs-Initiale. 40 Seiten, 1 Blatt Impressum. – Textdruck von Otto von Holten, Berlin. – Titelei in Karminrot + Schwarz. – Impressum korrekt vom Künstler signiert, nicht vom Autor, wie dort irrig vermerkt. – Hinterlegte kleine Randeinrisse, schwacher Braunstreifen im Bug, stellenweise minimal stockfleckig. Minimale Bereibung am oberen Kapital und drei kleine Kratzer am Vorderdeckel unten links.


    Franz Christophe, Mord im Kastanienwäldchen

    Henry de Kock / Balduin A. Möllhausen

    Der Mord im Kastanienwäldchen
    oder
    Die Ereignislose Hochzeitsnacht

    Mit 6 signierten Farb-Lithographien mit zusätzlicher Signatur im Stein (18,5 × 15 cm [7¼ × 5⅞ in]) sowie illustriertem Titel von Franz Christophe (Wien 1875 – Berlin 1946). 52 Seiten, 1 Blatt Impressum. – Textdruck von Otto von Holten, Berlin. – Auf dem Vortitelblatt der Titel Henry de Kock / Die Geschichte vom Doktor Schultz. – Titelei in Grün + Schwarz. – Ohne die sammlungsspezifische hs. Angabe der Graphikanzahl auf dem Titel. – Anfangs minimale Stockstippen. – Minimale Abschabungen an oberem Kapital und drei Rückenstegen.

    « C’est le soir et la nuit essentiellement

    qu’il se consacrait à sa collection »

    Frits Lugt, Heinrich Stinnes (1376a)

    in Les Marques de Collections de Dessins & d’Estampes (Supplement 2014/16)

    Willy Jaeckel, Erotische Votiv-Tafeln

    Heinrich Lautensack

    Erotische Votiftafeln

    Mit 7 signierten Lithographien mit zusätzlicher Signatur im Stein (11,5-20 × 14-15,5 cm [4½-7⅞ × 5½-6⅛ in]) von Willy Jaeckel (Breslau 1888 – Berlin 1944). 32 Seiten, 1 Blatt Impressum. – Textdruck Buchdruckerei Gustav Ascher, Berlin. – Durchgängig in Rot + Schwarz. – Impressum entsprechend auf schwerem holländischen Bütten, nicht 1919er Zanders-Bütten wie von H.-G. vermerkt. – Anfangs nur ein zusätzliches, zudem in die Paginierung einbezogenes fliegendes Blatt. – Eines der Seiden-Deckblätter mit kleinem Ausriß und hinterlegtem Einriß im Unterrand.


    Paul Scheurich, Die Königliche Orgie

    (François-Marie Mayeur de Saint-Paul)

    Die Königliche Orgie
    oder
    Die Österreicherin bei Laune

    Eine Oper

    Von einem Leibgardisten veröffentlicht am Tage der Pressefreiheit. 1789. In Musik gesetzt von der Königin. Mit 6 signierten Tafel-Lithographien („erotisch und obszön“, H.-G.; 6,5-9 × 6-14,5 cm [2½-3½ × 2⅜-5¾ in]) sowie 3 reizvollen Vignetten-Lithographien von Paul Scheurich (New York 1883 – Brandenburg 1945). Zum ersten Male in die deutsche Sprache übertragen von Engelbert Nern und mit dessen Nachwort Die Kleinen Gemächer und der Hirschgarten. 38 Seiten, 1 Blatt Impressum, 2 fliegende Endblätter. – Textdruck von Otto von Holten, Berlin. – Der Autor von Herausgeber/Übersetzer unrecherchiert geblieben. – Serien-Vignette in Orange, Titelei in Orange + Schwarz. – Alle 6 Tafeln mit dem Sammlungs-Stempel wie Usus, doch nur fünf auch mit dem hs. 1/40. – Partiell schwacher Schatten eines schmalen Wasserrandes im Unterrand, im Impressum-Blatt und dem sich anschließenden weißen fliegenden etwas stärker. Eines der Seiden-Deckblätter schadhaft.


    Wilhelm Wagner, Die Kirschen

    Wilhelm Heinse

    Die Kirschen

    Mit 7 signierten Kreide-Lithographien („frei, aber nicht stark erotisch“, H.-G.; 17-20,5 × 10-19 cm [6¾-8⅛ × 4-7½ in]) sowie Vignetten + Oberleisten-Bordüren von Wilhelm Wagner (Hanau 1887 – Bad Saarow 1968). 29 unnum. Blatt, 1 Blatt Impressum. – Textdruck von Otto von Holten, Berlin. – Dem Inhalt angepaßte geänderte Serien-Vignette. – Titel in Rot + Schwarz. – Die schöne große Typographie eigens erwähnenswert. – Eingangs originär nur ein zusätzliches fliegendes Blatt. – Ohne die sammlungsspezifische hs. Angabe der Graphikanzahl auf dem Titel. – Nur ganz gelegentliche Stockstippen. Minimale Bereibung der Oberkante des Rückdeckels.


    Willy Geiger, Gilles de Rais

    J(oris) K(arl) Huysmans

    Gilles de Rais

    Deutsch von August Döppner. Mit 15 signierten Lithographien von Willi Geiger (Schönbrunn b. Landshut 1878 – München 1971) mit zusätzlichem Monogramm im Stein (11-20,5 × 5,5-18 cm [4⅜-8⅛ × 2⅛-7⅛ in]) sowie nur steinsignierter großer figürlicher Schlußvignette und figürlicher Eingangs-Initiale. 40 Seiten, 1 Blatt Impressum, 2 fliegende Endblätter. – Textdruck von Otto von Holten, Berlin. – Nur der Serientitel in Rot + Schwarz bei gleichzeitigem Fortfall der Serien-Vignette. – Die irrige Impressum-Angabe bezüglich nur 35 Vorzugs-Exemplaren hs. in 40 berichtigt. – Ein Seiden-Deckblatt schadhaft. Rückdeckel mit schwacher langer Kratz- und drei minimalen Schabspuren, solche auch am oberen Kapital und den Rückenstegen.

    Dies denn

    der 9achsige

    Der Venuswagen

    Venuswagen

    Ihnen verbildlicht und betextet mit der Empfehlung, ihn sich vorrollen zu lassen, parat

    für immer mal wieder

    die letzte halbe Stunde eines Tages

    für bald diesen, bald jenen Band, ganz nach Lust + Gefallen und der Freude an bald normaler, bald großer Typographie als zugleich einer optischen Weide der Augen.

    » Es gibt nichts Schöneres

    als die Beschäftigung

    mit dem Schönen «

    Dr. Paul Gülker

    Generaldirektor der COLONIA Kölnische Versicherungs-AG

    1953 – 1962

    Denn ,

    so Wilhelm Heinse im Vorwort zu seinen Die Kirschen ,

    „ Für alle (Abgespanntheiten) des Geistes giebt es keine bessere Mittel , als die Erzählungen des la Fontaine , Boccaz , Grecourt , Hamilton , Crebillon , Voltaire , Dorat , Fielding , Cervantes , und einiger andern

    Hippokratesse des Geistes ,

    die man deswegen billig unter

    die Wohlthäter des menschlichen Geschlechts

    zählen muß . “

    Wie denn die Autoren + Illustratoren, den Herausgeber, den Verleger, die Drucker des

    Venuswagens

    mit seinen seltenen Texten und trefflichen Veranschaulichungen

    im hier denn noblen Vorzugs-Gewande ,

    doch adäquater dargeboten als irgendwo sonst. Eben. Im Exemplar der

    No. I
    als ihres Fürsten

    Heinrich Stinnes, Collector's mark

    Des Doktor Heinrich Stinnes in Köln


    „ Best her Niemeyer, De prenten zijn vanmiddag in goede staat gearriveerd. Alleen al het uitpakken is een genot! Ze zien er prachtig uit (vooral The Idel ’prentice is een juweel) … Wat dat betreft, zijn eigenlijk alle prenten die u mij hebt toegezonde, van uitstekende kwaliteit … “

    (Mijnheer P. E., 1. Februar 2008)