English

Julius
Ridinger, Rehbock (Ausschnitt)
Rehe-Bock. Chevreuil.

Blattemonat

Weil in diesem
die Rehböcke
hauptsächlich aufs Blatt laufen

L. C. E. H. F. Wildungen, Jägerkalender
(Weidmanns Feierabende II [1816], SS. 100 f.)

„Man nimt von Bircken
Man nimt von Bircken rinden die äussere Schale
rinden die äussere Schale“

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Das Rehe blatten! oder Wie die Rehe aufs blatt geschossen Werden. Zur Rechten am Beginn einer abschüssigen Bahn macht der Bock den Todessprung

– „ … sind doch die Momente einer Flucht ,
eines Ausreissens nach dem Schusse u. dergl.
meisterhaft dargestellt “

(Franz von Kobell als ein „ächter Waidmann“ [ADB], 1865) – ,

blickt die hinter ihm stehende Ricke erstaunt auf. Links im Gebüsch unter einem Baum der Jäger nebst blattendem Gehilfen, bei skizzierter Schußlinie ( sic! ) das Gewehr noch im Anschlag haltend. Waldstaffage, vorn rechts unterhalb der Rehe Wasserstelle mit hineingesunkenem toten Baumstamm. Lavierte Bister-Feder-Zeichnung. Auf dem rückseits montierten Untertext

in brauner Feder bezeichnet

Johann Elias Ridinger, Das Rehe blatten

Johan(n) Elias Ridinger inv. et del: 1758 —.

ansonsten wie vor und unten. 214 x 361 mm.

Ausstellung

Schöne Beute — Bilder von der Jagd

Dr.-Hanns-Simon-Stiftung Bitburg

13. Januar – 3. März 2013

Literatur

Katalogbuch zur Ausstellung

Farbige doppelblattgroße Detail-Abbildung auf Innen-Deckeln + Vorsatz

sowie nochmals farbig Seite 43 + textlich Seite 148/II

Großformatige nicht im Stich ausgeführte Zeichnung ,

Johann Elias Ridinger, Das Rehe blatten!

thematisch die Fürstenjagdlust ergänzend ,

wenngleich in den reinen Bildmaßen in der Höhe um etwa 5, in der Breite rund 4 cm hinter deren Querformaten zurückbleibend, doch wie jene mit hier 6zeiliger jagdtechnischer Erläuterung zur Jagd mittels Rehblatt:

Johann Elias Ridinger, Das Rehe blatten!

„ Man nimt von Bircken rinden die äussere Schale machet darauf einen zweÿ stimigen ruff wie die Rücke wan Sie vor Ihre Junge / besorget ist, nur das der ruff recht ferne und rein seÿe, da man(n) sich nun an einem solchen orthe anstellet wo sich Rehe böcke aufhalten / so werden Sie sich bald einfinden, besonders wan(n) der Bock keine Rücke beÿ sich hatt, es mus aber der Jaeger sehr fertig zum Schuss / seÿn weil Sie sich schnell wenden und wan(n) Sie das geringste mercken oder wind bekom(m)en durchgehen es ist also nöthig das man(n) den / anstand unter dem wind nehme apffel buchen und birn blaetter können auch zu dem ruff genom(m)en werden doch ist die bürcken / Schale die beste. “

Unbeschadet der thematischen wie textlichen Nähe zur Fürstenlust erst rund 30 Jahre nach dieser geschaffen, befand sich die Zeichnung offensichtlich nicht im mit ca. 1849 Blättern außerordentlich umfangreichen zeichnerischen Nachlaß, den 1830 J. A. G. Weigel in Leipzig übernahm und erweiterte. Vgl. hierzu sowohl Thienemann SS. 271 ff. als auch Weigels Nachlaßkatalog, Catalog einer Sammlung von Original-Handzeichnungen, SS. 181-231 (1869). Nicht nachweisbar aber auch in anderen renommierten Zeichnungsbeständen.

Anstehende voll durchgeführte Arbeit scheint somit noch von Ridinger selbst oder doch bald nach ihm abgegeben worden zu sein. Dies nicht zuletzt – siehe unten – gestützt von einer bemerkenswerten Aufmachung. Derentwegen auch die Signatur samt Text rückseits montiert worden sein könnte. Denn da ein hier mit hereingekommenes gleichartiges Hirschruf-Pendant ohne jede Schrift vorliegt, dergleichen Ridinger denn auch völlig variierend zu handhaben pflegte, empfahlen sich Beschnitt + Montage des Reheblattens zwecks optischer Angleichung.

Ridinger, Das Rehe blatten! (Detail)
Detail: Während der eine Jäger noch blattet, feuert der andere bereits

Denkbar im übrigen ihre Bestimmung zu einer nicht weiterverfolgten Serie der Jagd mittels Locke analog zu den Fangarten von 1750. So illustriert besagte Hirsch-Zeichnung die Anlockung des Brunfthirsches mittels des hohlen Hafens. Eine Thematik, wie sie schon von einer in bayerischer Privatsammlung befindlichen hochformatigen Zeichnung her bekannt ist, aber gleichfalls keinen Niederschlag im grafischen Œuvre gefunden hat.

Solche Suiten unterschiedlichen Umfanges im zeichnerischen Œuvre Ridingers durchaus nicht unbekannt und meist durch gleiche Datierungen, teils gar fortlaufende Numerierung, generell aber durch jeweils ähnliches Format und gleiche äußere Gestaltung belegbar.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die auch in Kupfer umgesetzte Kleinfolge Th. 269-271 + 282 innerhalb der Wundersamsten Hirsche. Ihrer Größe und Figurenanordnung, auch mehrfacher paspelierender Einfassung und Rundung des Oberrandes nach, bilden sie eine von dem dortigen Bildschema abweichende Gruppe für sich, wie bereits von Thienemann moniert und in den Neuausgaben seit Engelbrecht auch entsprechend vollzogen.

Hinsichtlich schließlich der von Ridinger in seinem Vorwort zur Fürsten-Jagdlust erklärten Intention, „alle Arten und Manieren des Jagens zu weisen … auch die Spur oder Fährt, von einem jeglichen Wild … mithin diesem Wercke eine rechte Vollkommenheit zu geben trachten“ ist jene jagdtechnisch so hochimportante 36blättrige Folge diesbezüglich letztlich ein Torso geblieben. Denn erst im Verlauf von Jahrzehnten löste er per teils gänzlich anders gestalteten Folgen sein Versprechen ein: Gründliche Beschreibung der wilden Thiere (mit den kleinen Spuren, 1733), Abbildung der Jagtbaren Thiere (mit den großen Spuren, 1740), den Jägern und Falconiers sowie den Fangarten (1750). Letztere bereits – und erst recht Parforcejagd und Die von Hunden behæzten Thiere – in diesem Zusammenhang nur noch bedingt zu nennen, da deren Thematik, wenngleich nicht erschöpfend, bereits in der Fürstenlust dargestellt wird.

Johann Elias Ridinger, Das Rehe blatten! oder Wie die Rehe aufs blatt geschossen Werden

Gänzlich übergangen hingegen blieb

die so überaus reizvolle Jagd mittels Locke ,

die nun mit anstehendem Rehblatten + besagten Hirschrufen

per zeichnerischem Werk

und für einen offensichtlich größer gedachten Rahmen belegt ist .

An der feinen Bister-Einfassungslinie geschnitten und alt, möglicherweise durchaus schon zeitgenössisch, auf Linienpapier mit grün getuschter, nach innen und außen von feinen Linien in Bister gefaßter Paspelierung montiert. Die Zeichnung zusätzlich von schmalem Goldpapierstreifen gefaßt. Das Ganze wiederum alt auf mehrfach gegenkaschiertes Linienpapier montiert, dessen Rand schwarz getuscht ist. Die rückseits montierte Signatur – ganz oben links am Papierrand, ursprünglich also links direkt unterhalb der Einfassungslinie – nebst Untertext bei nur einfacher Montage unter Hinzufügung einer weiteren Schwarz- und Fortlassung der Goldfassung gleichartig paspeliert. Im Paspelierungsbereich drei von Rückseits kommende Wurmgänge, sowie eine zarte, wenig bemerkbare Spur nur vorn in Bildmitte. Eine montagebedingte gleichmäßige Bräunung beeinträchtigt weniger die Bildwirkung als daß sie ihr vielmehr eine sehr schöne authentische Patina verleiht. Kurz,

eine zu herausragender Präsentation aufbereitete ,

Ridinger’s Wertschätzung dokumentierende Zeichnung ,

die zudem nicht als Radierung allgegenwärtig wurde .

Und dazu ein für Ridinger

jagdtechnisches Fast-Unikat von zugleich optischem Glanz .

Angebots-Nr. 29.057 / Preis auf Anfrage


„ vielen Dank für die schnelle und unkomplizierte Lieferung “

(Herr H.-G. S., 27. August 2008)