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Britannien
vorm Referendum

oder beim Hin-und-Her-Erörtern
William Hogarth, Canvassing for Votes
Aus Canvassing for Votes als Blatt II der Hogarth’schen Wahlfolge

der Vor- + Nachteile
der Brüsseler Korsettstangen

Da ist’s natürlich schätzbar, daß man nicht aller Lande dem Volke aufs Maul zu schauen geneigt ist, ihm gleichwohl zugesteht, sonstig Wesentliches, wenn auch nur rein, zu Munde zu führen und sich im übrigen dankbar zu erweisen. Wie etwa, eben, eben, fürs Reinheitsgebot des deutschen Biers. Dessen denn auch niemeyer’s vor Wochenfrist zum 500ten Geburtstag gedachte. Und, einmal in Jubelstimmung versetzt, gleich beim Thema bleibt und alle obigen Ausgangs-Wetter und -Spekulanten bildhaft mitschmecken läßt, wofür sich John Bull bei früherer Gelegenheit entschied. Also so vor 250 Jahren etwa. Als ein wirklich Großer den Briten die Maß nahm und aller Welt per Malerpinsel + Grabstichel die Wege, Nebenwege + Irrwege von

Beer
William Hogarth, Beer Street
Happy Produce of our Isle

or
A Representation of John Bull in his Happiest Moments

„ (Was bei uns ganz obenan steht, ist das in London gebraute Porter: ein bekömmlicher Saft, der, in Maßen genommen, die Lebensgeister des Arbeiters erneuert und jene Kräfte wieder herstellt, die von der Arbeit beeinträchtigt werden. Ein Jammer, daß es mit Steuern belastet wird!) “

(Trusler, hierselbst Bd. I, SS. 95 f.)

vor Augen führte. Und so, wie Frankreichs Ludwig XIII. einst auf die Frage, ob er von Gott spräche, antwortete, Ich spreche von Kardinal Richelieu, das ist nicht ganz dasselbe (nach Hilliard Todd Goldfarb [Hrsg.], Richelieu – Kunst, Macht und Politik, 2002), so meint niemeyer’s nicht Gambrinus, wohl aber Hogarth, William Hogarth, den unwiederholbar Umwerfenden unter den Menschenkennern, den Charakterzeichnern der British Isles, und nicht nur dieser. Gleich einem roten Faden durchzieht sein Œuvre eine Reihe von Arbeiten, in denen Happy Produce seine Rolle spielt, bald dominant, bald marginal, doch immer gewollt. Ihnen in ihren Ölen zu begegnen, bedingt Gnade. Und in ihren graphischen Wiedergaben, und das eine und andere gibt’s überhaupt nur so, die Gunst des Augenblicks, heute dies, morgen jenes, ergebend am Ende eher ein Sammelsurium, uneinheitlich in Qualität + Zustand. Wenn man es doch aber gerne haben möchte, wie ein Sammler hier einst gestand … Dann greift man doch lieber gleich zum Ganzen von einheitlicher Wiedergabe der

The Works of William Hogarth.

With Descriptions, in which are pointed out many beauties
that have hitherto escaped notice,
with a Comment of their moral tendency, by the Rev. John Trusler

mit ihren 158 Kupfertafeln

(Bildgröße ca. 17-19,5 x 11,5-16,5 cm, hoch und quer) von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818, „machte sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher“, Thieme-Becker), davon 32 gemeinsam mit seinem Sohn.

Hier in ihrer neuen , verbesserten und berichtigten Ausgabe von 1827

The Works of William Hogarth

in dunkelbraunrotem langnarbigen ,
reich goldverziertem zeitgenössischen Maroquin .

Und das denn die Stationen besagten bierischen Fadens:

England’s »Beef & Beer give heavier Blows«

William Hogarth, France

France + England I
Ludwigs XV. Invasionsarmee erhofft sich Gaumenfreuden , sprich

»Old England’s Beef and Beer!«

William Hogarth, England

France + England II. – »… Bald wird der Feind
Die größ’re Macht von Beef und Beer
Wie die vom Frosch erkennen …«

William Hogarth, Farmer's Return

»The Drunkard shall come to Poverty ,
William Hogarth, Industry + Idleness I
& drowsiness shall cloath a Man wth rags»

Kein schäumendes Porter
William Hogarth, Rakewell in Schuldhaft
für Rakewell im Schuldturm

aber

Ein Porter für die Musiker
William Hogarth, Wanderschauspieler
derweil
William Hogarth, Wanderschauspieler
die Aktricen sich umkleiden

Welch schönem Bilde niemeyer’s
Die unverbogene Welt
William Hogarth, Second Stage of Cruelty
des Bierschröters

folgen lassen muß, zeigend den auf seinem voll beladenen Karren eingeschlafenen Bierschröter, einen Jungen überfahrend, indes auch noch der Spund eines Fasses losgegangen ist und den begehrten Durstlöscher auf die Straße fließen läßt.

„ Der Bierschröter – so Lichtenberg –
wird sich wahrscheinlich über den unglücklichen Knaben
zu trösten wissen,
William Hogarth, Second Stage of Cruelty
jedoch hinsichtlich des erlittenen (Bier-)Schadens
ganz andere Gefühle hegen “.

Grandios ergrimmt aber auch Hogarth selbst
ob
»The Bruiser, C. Churchill … Regaling himself«
William Hogarth, Bruiser

Dieser „in the Character of a Russian Hercules“

Der Literat Charles Churchill, dessen Epistle to Hogarth den Meister erzürnt hatte, in Gestalt eines kräftigen Bären, dessen einzige Nahrung würziger Porter zu sein scheint.

Das seltenere Blatt, für das in der Eile (August 1763) das 1749er Selbstportrait herhalten mußte, aus dem Hogarth sich selbst flugs herausnahm, um an seine Stelle den Widersacher ins Oval zu setzen. Geadelt dabei

The English Beer —
für die , die das Kräftige lieben . Bis weit hin nach Osten .

Die bis auf 5 Blatt in den Platten signierte, im übrigen datierte und bezeichnete Folge entstand während der Jahre 1806-09 als kommentierte handliche Ausgabe. Der Titelhinweis auf (Samuel) Davenport (Bedford 1783 – London 1867) als Mitstecher allenfalls hinsichtlich der wenigen unsignierten Blätter zutreffend. Ein Blatt mit der zusätzlichen Drucker-Signatur Bishop. Hiesiger Ausgabe vorangegangen war die allein von Cook Vater zwischen etwa 1795 und 1803 geschaffene große im Hogarth’schen Originalformat, wie nach ihm von keinem wiederholt worden. Seine Bedeutung als Hogarth-Stecher seitens Thieme-Becker eigens erwähnt. Verschiedene von Hogarth selbst nicht oder nicht mehr veröffentlichte Arbeiten erst durch ihn bekanntgeworden.

Vorliegende Sammlung den Rang einer Gesamtausgabe – „The Works … containing one hundred and fifty-eight Engravings“ – beanspruchend, indes ohne das Risiko hinsichtlich so gewagter Blätter wie Before and After oder gar Charity in the Cellar mit seinen authentisch dargestellten hochgestellten Schwerenötern, von Baldwin & Cradock 1837 in der großformatigen Originalfassung herausgegeben mit dem Bemerken „added to our present edition … not to be found in any other of the collected works“. Der Auftraggeber jenes Bildes übrigens, Gustavus, the 2nd Lord Viscount Boyne, mit einem Porträt in hiesiger Ausgabe vertreten. Kurz,

zunächst nur ( !! ) dem Biere nachlechzend,

ist’s am Ende ein verführerisch reiches Stimulans für Stunden abseits aller Hatz

und , mehr noch , steten illustrativen Zugriffs

samt der in schöner großer Typographie gesetzten ausführlichen Bildbeschreibung jeweils in unmittelbarer Nachbarschaft zu diesen, beides also komfortabel beieinander.

Und das alles in Anthony Peacock’s

mit 24 x 30 cm außergewöhnlich breitrandigem Exemplar

mit dessen gestochenem Wappen-Exlibris

Exlibris Anthony Peacock

Be just and fear not!

Die Einbände gesamthaft etwas zeitspurig und namentlich an Gelenken und Stehkanten berieben, auf den Deckeln leichte Kratz- oder Schabspuren. Zwei Blatt der Biographie mit restauriertem, von der Bindung herrührendem, ca. 9 cm langem Einriß. Die Tafeln namentlich des ersten Bandes zwar meist durchaus minimal bis ein wenig stockig, doch bildseits noch weniger und letztlich praktisch nahezu unwesentlich. Nur das Porträt-Frontispiz des 1. Bandes stärker. Die Druckqualität selbst vorzüglich bei schon besagter herrlicher Breitrandigkeit. Der Text – Wasserzeichen Rye Mill 1826 – generell von großer Frische.

Angebots-Nr. 28.358 / EUR  910. / export price EUR  865. (c. US$ 1000.) + Versand

Soll’s aber partout nur das eine oder andere unter den bierischen – und natürlich auch sonstigen ! – Sujets sein, klopfen Sie niemeyer’s auf den Busch. Mit nicht jedem, aber den meisten wird er helfen können. Denn

www.william-hogarth.com

verpflichtet .


„ Vielen Dank, und sollten Sie wieder einmal einen ‚(William) Blake‘ in Ihrem Sortiment haben, waere ich fuer eine kurze e-mail dankbar “

(Mr. U. S., 23. Januar 2002)