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Alexander der Große
Verdier, Alexander bei Vater Philipps Hochzeit Verdier, Mazäus übergibt Babylon an Alexander Verdier, Sophites begrüßt Alexander Verdier, Alexander in Multan in Action

Kostbarer Vierersatz auf blauem Papier

François Verdier

1651 Paris 1730

Alexander der Große – Kämpferisch und Großmütig. Vier dokumentierte Momentaufnahmen aus dem Leben Alexander’s des Großen (356-323 v. Chr.). Drei den Alexanderzug (334-324) betreffend, davon zwei dessen indischen Teil. Vier Zeichnungen in schwarzer Kreide, grau laviert und weiß gehöht, auf blauem Papier. Ca. 252-262 x 493-512 mm.

Provenienz

Englische Privatsammlung
um 1770,

aufgelegt von dieser auf beigefarbene Untersatzbögen (38 x 60,5 cm)

mit Wz. D & C Blauw

(Heawood 3268; „England c. 1769“,
ob begleitet von den Nebenmarken Wappen + IV
muß offenbleiben).

Seitens obiger Provenienz montiert und eingefaßt von antiker Goldpapier-Leiste und zwei Paspelierungs-Doppel in Schwarz, trägt das jetzige Schlußblatt rückseits die detaillierte Montage- und Rahmungsanweisung in Bleistift, siehe unten, als eines gern übersehenen „hochinteressanten Zeugen“ (Anna Koopstra) eines Lebens durch die Jahrhunderte.

„ Auch wird deutlich , dass die Rückseiten viele Geheimnisse bergen ,

die unsichtbar bleiben, solange die Gemälde an der Wand hängen. Man könnte die Rückseite eines Gemäldes gut als sein Archiv bezeichnen , da sie oft mit Etiketten und anderen Zetteln beklebt (oder, wie hier, beschrieben) ist, die etwas über seine Geschichte verraten … (und) es ermöglichen

die Herkunft oder Provenienz zurückzuverfolgen “

(Peter van den Brink in Anna Koopstra [Hrsg.], Seitenwechsel – Gemälderückseiten und ihre Geheimnisse [2006/07], Seiten 4 f.).

Wie denn auch Blatt 1 rückseits von gleicher Hand die Arbeiten irrig GB Corneille / Early School / Fonntainebleau / at … (Radierspur) each, will heißen Jean (italien. Giovanni) Baptiste Corneille (gen. der Jüngere; 1649 Paris 1695), zuschreibt. Die italienisch dominierte frühe oder erste Schule von F. datiert bereits von etwa 1530-1570, die niederländisch geprägte spätere oder zweite von etwa 1590-1620.

So entscheidend die berühmte erste Schule auf die Entwicklung der französischen Malerei eingewirkt hat, so atmen anstehende Arbeiten thematisch einen ganz anderen Stallgeruch, stehend in unmittelbarem Bezug zu

Charles Le Brun’s

Grand Peintre du Grand Siècle

Erster Maler König Ludwigs XIV.

gigantischem Alexander-Zyklus

auf fünf Leinwänden zwischen 2,98-4,7 x 4,53-12,65 m aus den Jahren 1661-1668 – adäquate Stichversion von 1671/78 im hier aufliegend als Designer-Exemplar jenseits von Gut + Böse – als einer jener Verewigungen Ludwigs XIV., für die dessen 1. Minister Colbert „keine Ausgabe zu groß war, wenn der Ruhm, la gloire, des Königs in Frage kam“. Hier denn der Sonnenkönig in gedachter Gestalt „Alexanders des Großen als Schlachtenmeister“. Dessen persönliche Ausstrahlung die Künstler allerdings in der Tat zu beflügeln vermochte. So meinte 1665 vor Ort der die Porträt-Büste schaffende große Bernini – „Besonders als Porträtist ist (dieser) um der außerordentlichen Fähigkeit willen, das Individuelle der Person wiederzugeben, der bewundertste Meister seiner Zeit gewesen“ (Thieme-Becker) – „der König habe einen Alexanderkopf“. Mit dem Ergebnis, daß „Die großartige Büste des jungen Königs … das selbstbewußte Wesen des Herrschers in unvergleichlicher Weise wieder(gibt): es ist etwas Jupiterhaftes, das aus den heitern Zügen des Monarchen spricht“ (jeweils Weigand, Der Hof Ludwigs XIV., 3. Aufl., Insel-Verlag 1925, SS. 59, 152, 43). Und so war denn auch anstehenden Falles

„ schlußendlicher Konsens

daß niemand anders als Le Brun

Die (Historien/Triumphe Alexander’s) hätte kreieren können “.

Jene Höhepunkte des Handelns eines Mannes also, dessen Name allein schon Programm ist. „Alexandros … der ‚Männerbeschützende‘, griech. Mannesname“. Hier denn „der Große“ (356-323 v. Chr.),

„ der größte Eroberer aller Zeiten, Sohn des Königs Philipp und der Olympias … Sein erster Erzieher war Leonidas … dann von seinem 13. Jahr ab der berühmte Philosoph Aristoteles. Diesem gebührt der Ruhm, in dem leidenschaftlichen Knaben den Gedanken der Größe, jene Hoheit und Strenge des Denkens geweckt zu haben, die seine Leidenschaften adelte und seiner Kraft Maß und Bewußtsein gab. A. bewies seinem Lehrer stets die innigste Verehrung; er sagte oft, seinem Vater danke er nur sein Leben, seinem Lehrer, daß er würdig lebe … A. wurde schon bei Lebzeiten durch die bildende Kunst verherrlicht wie kein Held des Alterthums vor ihm “

(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., I [1889], 316 ff.).

Herausgreifend die highlights Überquerung des Granikos Mai 334 – Am Morgen nach der Schlacht bei Issos im Zelt des Dareios, dessen Familie seine Aufwartung machend, November 333 – Entscheidungs-Schlacht von Gaugamela/Arbela 1. Oktober 331 – Einzug in Babylon Herbst 331 – Am Hydaspes oder Poros vor Alexander Mai 326 . All welcher Grandeur

François Verdier

umsomehr verpflichtet war als Le Brun von Anbeginn nahestehend und schließlich auch familiär verbunden. So zunächst als Schüler an der Académie royale mit 1668 + 1671 jeweils einem 1. Preis, dann als Gehilfe in Versailles und schließlich seit 1685 durch Heirat einer Nichte Madame Le Brun’s. Wobei aus heutiger Sicht auch bei ihm wieder die Tiefe der Vertrautheit mit der alten Geschichte, hier denn dem

atemberaubend ereignisreichen Leben Alexander’s

überrascht, fußend auf der Beschreibung des Quintus Curtius Rufus um 50 n. Chr. Dessen zwangsläufige Aneinanderreihung fascinierender Ereignisse

Verdier zum künstlerischen Alexander-Spezialisten

par excellence mutieren ließ. – Hiesige Zitate nach der von Joh. Freinsheim ergänzten und von Joh. Ph. Ostertag edierten deutschen Curtius-Ausgabe Frankfurt/M. 1783.

Le Brun

bannte für seinen König

Grandeur des ersten Augenscheins

auf die Leinwand

und der König ließ dieselbe in Kupfer aufleuchten

Verdier

für den „aufgeklärten Kenner und Liebhaber“

(FAZ)

zeichnerisch das Sublime , das eher Übersehene .

Dem nachzupirschen des Händlers alter Schule Lebens-Elixier ist .

1668 zum Agréé und 1678 zum Vollmitglied der Académie royale ernannt, bildete sich Verdier, Sohn des Hofuhrmachers Louis V., 1679/80 an der Académie de France in Rom weiter, an der er 1681 zum Professeur-adjoint berufen wurde und von 1684/99 als deren ordentlicher Professeur wirkte. „Zahlreiche Stecher, darunter (Le Brun’s legendärer Alexander-Stecher) Girard Audran … haben nach (seinen) Zeichnungen gestochen“ (Thieme-Becker XXXIV [1940], 233).

Seine Zeichnungen – vielfach gleichen hiesigen Formates – wohl eher nur vereinzelt signierend, benutzte er praktisch generell beigefarbene und braune Papiere, von denen sich denn

hiesige auf ihrem blauen Papier sichtbar abheben ,

wie denn solche dem Sammler alter Meisterzeichnungen und Graphiken seit jeher besonders kostbar sind, nicht zuletzt als an besondere Zweckbestimung denken lassend. Als stilistisch und technisch hier heranziehbar diesbezüglich erinnerlich etwa auch Verdier’s auf blauem Papier gefertigte 6blätterige Folge zum Alten Testament in London (British Museum 1872,0113,763-768), die denn früher auch Charles Le Brun zugeschrieben war und deren Blatt 767 2002 zur 6monatigen Japan-Ausstellung French Drawings from the British Museum in Tokyo + Nagoya gehörte.

Die Montagebögen gesamthaft nicht frei von ihrem wie nur höchst selten so reizvoll belegten Alter, so etwa auch rückseitiger Oberrand mit 2 cm breitem braunen Klebstreifen. Für ggf. mehr siehe die nunmehr nachfolgenden Einzel-Beschreibungen.

Verdier, Alexander bei Vater Philipps Hochzeit

Alexander ,
Vater Philipp’s neuerliche Hochzeit aufmischend

Das gute Einvernehmen zwischen Vater + Sohn trübt sich ein, als ersterer 339 Alexander’s Mutter Olympias verstößt oder, vielleicht richtiger, sich zusätzlich mit Cleopatra, der Nichte seines Feldherrn Attalus (ca. 390-336), vermählt, welchen Alexander als seinen Todfeind anzusehen Grund hat. Vom Wein erhitzt, bringt jener denn auch während des Hochzeitsgelages den Trinkspruch aus,

„ Die Macedonier sollten die Götter bitten, daß Philipp von dieser neuen Gemahlinn (sic) einen rechtmäßigen Thronerben erhalten möchte“.

Darauf „Alexander, ohnehin zum Zorn geneigt, und jetzt durch Beschimpfung gereizt:

Verdier, Alexander + Attalus

‚ so bin ich also ein Hurensohn , du Schuft ? ‘

und warf ihm zugleich den Becher ,

den er just in der Hand hatte ins Gesicht ,

welches jener mit dem seinigen erwiderte. Bei dem hierauf entstandenen Lermen ging Philipp, der an einer andern Tafel lag, vor Zorn, daß die Freude dieses Tages gestöhrt wurde, mit bloßem Degen gegen Alexandern loß …“

( Curtius Rufus , a. a. O., Bd. I, Seite 69 ) .

Ca. 252 x 493 mm. – Spannunggeladene Zeichnung mit den beiden Kontrahenten an gemeinsamer Tafel, Alexander mittig vorn rechts, zum Wurf mit der Weinschale ausholend, beschränkt gleichwohl auf die erste große Bestürzung und das allgemeine Bemühen, Äußerstes zu verhindern. Alexander verläßt mit seiner Mutter gleichen Tages den Hof. 336 wird er seinem Vater auf dem Thron folgen und werden gleichen Jahres Attalus und Cleopatra nebst ihren beiden zwischenzeitlich geborenen Kindern den Tod finden.

Rückseits obige irrige Zuschreibung von ca. 1770 an die Frühe Schule von Fontainebleau in Bleistift. – Die Goldpapiereinfassung oben rechts + unten links jeweils übereck 1,5-6,5 cm auslassend. Ein vom 7 cm breiten Unterrand des Montagepapiers ausgehender alter Wasserstreifen auf 4-7 cm in die Fußbodenzeichnung des Bildes auslaufend, doch dank der Farb- und Papiertönung kaum wahrnehmbar. Übersehbar schwache Faltspur ziemlich rechts außen. – Der rückseitige Oberrandklebstreifen noch 15 cm seitlich auslaufend.

Angebots-Nr. 16.120 / Preis auf Anfrage

Verdier, Mazäus übergibt Babylon an Alexander

„Die triumphale Apotheose …

Darstellend den Krönungs-Augenblick
der Persien-Campagne … “

Kampflose Übergabe von Babylon nach der Schlacht von Arbela (1. Oct. 331). Nach der Niederlage des Perserkönigs Dareios übergibt dessen Feldherr Mazäus, der sich hierhin geflüchtet hatte, die Stadt dem Sieger, der ihm denn auch auf liberalste Weise begegnet. Figurenreiches Scenarium unter Palmen vor den Mauern der Stadt. Bezeichnet im Unterrand: maceo … … apres la Bataille darbel Vien ce Rendre a Alexandre. Ca. 261 x 503 mm.

„ Da sich (Alexander) nun Babylon selbst näherte, gieng ihm Mazäus, der sich aus dem Treffen (bei Gaugamela „unweit von Arbela [in Assyrien, das heutige Arbil/Erbil als Hauptstadt Kurdistans, eines oder gar das ältestbesiedelte Gebiet der Welt]“, Meyers, a. a. O., I, 318) in diese Stadt geflüchtet hatte, mit seinen schon erwachsenen Kindern entgegen, und überließ sich und die Stadt der Gnade des Siegers.

Verdier, Alexander + Mazäus

Die Ankunft dieses Mannes war für den König sehr erwünscht, indem sie ihn der so weit aussehenden Belagerung einer so festen Stadt überhob. Ausserdem war leicht zu vermuthen, daß dieser berühmte und tapfere Mann, der sich besonders im letzten Treffen so sehr hervorgethan hatte, noch mehrere durch sein Beyspiel zur Uebergabe reizen würde. Er begegnete ihm und seiner Familie daher sehr gnädig … “

( Curtius Rufus , a. a. O., Bd. II, Seiten 7 f. ) .

Der Le Brun-Zyklus greift erst die Anschluß-Situation auf ,

Alexander’s Einzug in die Stadt ,

von Donald Posner (Charles LeBrun’s Triumphs of Alexander, in The Art Bulletin XLI [1959], no. 3, 237 ff.) in die die Curtius-Schilderung resümierenden Worte gefaßt

„ Darstellend  den  Krönungs-Augenblick  der  Persien-Campagne , als  der  Welt-Eroberer  die  Huldigung  der  alten  Stadt  empfing ,

manifestiert das Gemälde

die zwangsläufige Erhöhung tugendhaften Königtums ,

die triumphale Apotheose .“

Angebots-Nr. 16.121 / Preis auf Anfrage

Verdier, Sophites begrüßt Alexander

In Indien

„ In diesem Lande giebt es sehr vortrefliche Jagdhunde ,
die … besonders für die Löwenhaz sehr gut sind “

Der indische König Sophites begrüßt Alexander souverän vor den Toren der Stadt. Reich gewandet mit Schleppenträger, das Zepter zwecks Übergabe in der erhobenen Rechten. Linksseits zurückgesetzt die Stadtbefestigung. Landschaftlich malerisch eingebettetes figurenreiches Scenario mit dem Geschehen zugewandten drapierten Reitelefanten links außen, besetzt nur mit seinem Führer, der Sitz selbst leer, auf dem Sophites zweifelsohne herausgeritten kam, um erst unmittelbar vor Alexander abzusteigen. Ganz so, wie seinem herrschaftlichen Auftritt angemessen und solchermaßen von Curtius Rufus, s. u., nicht eigens erwähnt. Ca. 262 x 512 mm.

Eine eventuelle Beschriftung im Unterrand umsoweniger lesbar als ggf. überwiegend von der Goldeinfassung abgedeckt. – Schwache Faltspur rechts der Mitte.

„ Nach dem Sieg über den Porus (Mai 326 am Hydaspes) dringt Alexander weiter in Indien vor, und unterwirft sich verschiedene Städte und Völker … Von hier kam Alexander in das Gebiet des Sophites. Für Barbaren ist dies ein sehr erleuchtetes Volk, und hat heilsame Gesetze …

Der König dieses Volkes befand sich selbst in seiner Hauptstadt, vor der jetzt Alexander stand. Die Thore waren geschlossen, aber nirgends, weder auf der Mauer, noch auf den Thürmen, ließ sich jemand in den Waffen sehen, daß also die Macedonier nicht wußten, ob der Feind die Stadt etwa verlassen, oder sich aus List verborgen halte. Auf einmal aber gieng das Thor auf,

und der Indische König

kam unter Begleitung seiner beyden Söhne heraus ,

Alexandern entgegen .

Dieser Herr der an Größe und Schönheit alle Barbaren übertraf ,

trug einen mit Gold und Purpur durchwirkten Talar :

seine goldne Sohlen waren mit Edelgesteinen besetzt , die Aerme oben und unten mit Perlenschnüren geschmückt. Die Steine oder Perlen in den Ohrgehängen waren blendend weiß und groß.

Verdier, Alexander + Sophites

Das goldne Scepter , welches er in der Hand hatte ,

war mit Beryllen besetzt .

Dies überreichte er Alexandern , und bat ihn , seine Person so wohl , als seine Kinder und sein ganzes Reich in seinen beglückenden Schutz aufzunehmen .

In diesem Lande giebt es sehr vorrefliche Jagdhunde, die, wie man sagt, bey dem Anblick eines Wildes so gleich zu bellen aufhören, und besonders für die Löwenhaz sehr gut sind. Um Alexandern davon zum Augenzeugen zu machen: ließ Sophites einen ausserordentlich großen Löwen bringen und ihn blos von vier Hunden hezen, die so gleich den Löwen anpackten …

Alexander bestätigte den Sophites in seinem Reiche

und rückte an den Fluß Hypasis … “

( Curtius Rufus , a. a. O., Bd. II, Seiten 359 + 366-368 ) .

Angebots-Nr. 16.122 / Preis auf Anfrage

Verdier, Alexander in Multan

Heimwärts — nach Art des Königs

„ Alexander’s
heroischster Augenblick “

( Peter G. Tsouras , 2004 )

An der Mauer von Multan im indischen (heute pakistanischen) Pandschab December 326. Ob vorwärts oder heimwärts, es gibt genug der am Wege liegenden Reiche und Städte, die mitgenommen werden wollen. Anstehenden Falles auch gegen den Rat des Weissagers Demophoon. Der voraussah, was eintrat.

„ (Alexander) ließ gleich die Sturmleitern aufschlagen, und erstieg, da es ihm die andern zu lange machten, zuerst die Mauer. Die Brustwehre dieser Mauer war sehr schmal, und hatte keine sonst gewöhnliche Einschnitte … Auf dieser schmalen Brustwehre hatte sich der König, weil er da nicht vest stehen konnte, angeklammert, und hielt die von allen Seiten auf ihn fliegenden Pfeile … mit dem Schild ab. Die Soldaten konnten aber auch die Mauer nicht ersteigen, weil von oben herunter sehr stark geschossen wurde. Doch endlich siegte die Schaam über die Gefahr, indem sie sehr wohl sahen, daß bey ihrem längern Zögern der König dem Feind in die Hände gerathen würde. Allein ihre zu große Eilfertigkeit verzögerte die Hülfe. Denn da jeder der erste auf der Mauer seyn wollte, so wurde die Last auf den Leitern zu schwer; welche also brechen mußten: da denn alle herunterstürzten und auf diese Art die einzige Hofnung des Königs vernichteten. Hier stand er nun,

obgleich im Angesichte seiner ganzen Armee ,

dennoch einsam und verlassen.

Jetzt konnte er vor Müdigkeit der linken Hand kaum mehr den Schild halten … Seine Generals riefen ihm also zu, er möchte an der Mauer herunterrutschen, wo sie bereits schon stunden, um ihn aufzufangen. Alexander aber wagte jetzt etwas Unglaubliches und Unerhörtes, das mehr einen Beweis seiner Verwegenheit, als ein Denkmahl seines Ruhms abgeben konnte. Denn

er sprang ohne Not in die Stadt mitten unter die Feinde ,

wo er nichts anders vor Augen sah, als, bevor er sich noch aufrichten könnte, entweder getödtet, oder gefangen genommen zu werden … Er wußte aber hierbei seinen Körper so im Gleichgewicht zu erhalten, daß er auf die Füße zu stehen kam. In diesem Stande fieng er so gleich das Gefechte an, und zu seinem guten Glücke konnte man ihn nicht von hinten angreifen,

indem ein alter Baum

so zu sagen in der Absicht , den König mit seinen stark belaubten Aesten zu bedecken,

gleich bei der Mauer stand ,

an dessen dicken Stamme er sich anlehnte … Doch da … sich niemand ihm zu nähern getraute, so trafen mehr Wurfspieße und Pfeile die Aeste, als seinen Schild. Für den König stritt ausserdem

sein weltberühmter Name

und dann die Verzweiflung, diese so starke Ermunterung zu einem rühmlichen Tode. Allein da der Feind haufenweise auf ihn losdrang … und er vor Mattigkeit endlich auf die Knie sank; so griffen ihn die zunächst stehenden Feinde mit Verachtung und ohne Vorsicht an, von denen er aber zween mit dem Degen dergestalt empfieng, daß sie vor ihm todt zur Erde fielen, und es keiner wieder wagte, ihm so nahe zu kommen …

Verdier, Alexander in Multan (Detail)
„Nun lagen also, zum großen Erstaunen der Uebrigen, drey Todte um den König“

… als endlich ein Indier ihn mit seinem zwo Ellen lange Pfeile … dergestalt traf, daß er den Panzer … durchbohrte und daselbst stecken blieb … so ließ er endlich, gleich einem Sterbenden, die Waffen sinken … So gleich lief der, welcher ihn verwundet hatte, voll Freude hin, um ihn zu plündern. Der König … aus edlem Unwillen über diese äusserste Beschimpfung … sich aus seiner Ohnmacht wieder erholte und dem Feinde von unten auf den Degen in die ungedeckte Seite stieß. Nun lagen also, zum großen Erstaunen der Uebrigen, drey Todte um den König …

(Nun aber stießen einige der Besten zu ihm.) Da aber die Indier hörten, daß der König in der Stadt wäre, verließen sie alle ihre Posten, liefen dahin und setzten denen zu, die den König vertheidigten … (die denn auch) der Menge von Feinden nicht länger mehr gewachsen war(en). Inzwischen verbreitete sich das Gerücht von des Königs Tode bey den Macedoniern, die statt dadurch niedergeschlagen zu werden, vielmehr neuen Muth bekamen, ohne Rücksicht auf Gefahr sich mit Pickeln einen Weg durch die Mauer eröfneten, da sie denn in die Stadt drangen, und viele Indier … auf der Flucht niedermachten … “

( Curtius Rufus , a. a. O., Bd. II, Seiten 390-395 ) .

Das unerhörte Alexanderzug-Scenario schlechthin.

Das Atemstocken , das seinesgleichen sucht

— hier erstmals im Bild ? —

für Tsouras dokumentierbar nur mit einer Darstellung der sich anschließenden Wundbehandlung .

„ (Aber gleich seinem Heros Achilleus war Alexander willens die Wahl zu treffen zwischen Sicherheit und dem süßen ‚Geschmack eines Lebens unsterblichen Ruhms über das Grab hinaus‘). “

Multan

( Kasyapapura ) im indischen Pandschab

December 326

„ ( Jener einzigartige Augenblick

an der Mauer

der Zitadelle der Maller

für ihn Wert des Ganzen ) “

Peter G. Tsouras ,
Lone Stand in India / Alexander’s Most Heroic Moment ,
2004 als Titelgeschichte in Military History XXI,2 , Seite 80 ,

mit im übrigen Flavius Arrianos (2. H. des 1./1. H. des 2. nachchristl. Jhdts.) als hinsichtlich genutzter Rückendeckung vom früheren Curtius Rufus abweichender Quelle. So der Mauer selbst statt des Baumes an dieser wie bei Curtius und entsprechend hier denn auch von Verdier verbildlicht. Wobei Meyers Konv.-Lex., siehe oben, I, 868, Arrianos generell als „… nach den besten Quellen, wie Aristobulos, Ptolemäus, welche Alexander begleiteten“ qualifiziert, während anstehende Curtius-Ausgabe zum Mauer-Geschehen Ptolemäus explizit zurückweist als nach dessen ausdrücklichem Bekunden „eben damals (von) Alexander anderstwohin verschickt“ worden zu sein. Und damit eben nicht miterlebend

Alexander pur !

Die exakte Lokalität des Geschehens aber heute eine Tourismus-Attraktion .

Ca. 260 x 505 mm. – Die Identität Multans mit dem von Alexander eroberten Maii-us-than gilt heute als gesichert. – Schwache Faltspur rechts der Mitte. – Verso seitens obiger Provenienz in Bleistift :

4 w(ash)|es (lavierte Zeichnungen) / … 2/26 (26. 2.) / gold & w(ash)|lined

(gezeichnete Linien) / mounts & gilt frames / to … / AsK (?) R.

Angebots-Nr. 16.123 / Preis auf Anfrage

Und kommst Du nach Multan , oh Weltenbummler ,

gern wird man Dir weisen noch heute sicher die Stelle ,

wo treffsicherer Pfeil traf den homerischen Helden .


„ Heute konnte ich Ihre Sendung mit dem Blatt von Ridinger … entgegennehmen. Herzlichen Dank. Es ist ein schönes Exemplar. Ich werde es klassisch rahmen lassen … Ob ich mich davon schon zur Eröffnung des … Museums trennen möchte, oder es erst nach meinem Hinscheiden den Weg dorthin finden wird, ist noch nicht bestimmt. (Es sind ja da noch die anderen [3] Blätter, welche ich zuvor [anderwärts] erstanden hatte …). Vorerst werde ich mit Freude den Anblick geniessen und verbleibe mit besten Grüssen … “

(Frau E. S., 2. September 2016)