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» … aber der wagen er rollt «

Thomas Landseer, Tax Cart
«Ya – hip my haerties! here am I. That drive the Constitution Fly.»

In die neue
Fahrsaison

Sechsergespann Kutschen-Pferde
Franz Egon Graf von Fürstenberg, Kutschenpferde
Franz Egon Graf von Fürstenberg, Brief (Ausschnitt: Die Sechs Gutschen Pferde …)

für den Kurfürsten von Trier

Fürstenberg, Franz Egon Graf von (Domherr zu Köln etc., Bischof von Straßburg, 1625-1682). Brief mit eigenh. Unterschrift an den Kurfürsten von Trier. Bonn 11. Juni 1673. Kl.-2° (32 x 20 cm). 1 Seite auf Doppelbogen.

„ Auch Hochwürdigster in Gott Fürst, Besonders lieber Herr, Freundt und Herr Bruder. Hab ich auß Ew. W(oh)l(geb.) Postscripto ersehen was Sie wegen deren zu Verzollung einiger zu behuef des HChurfürsten zu Cöllen iüngst herunder geführter weniger Fruchten undt Lunten (?) alda deponirter gelder erwohnen (?) wollen.

Nun hat es damit diese Beschaffenheit, daß der einigs, nur diese Sachen herunder zu bringen aufgegeben, sich mit dem Paß zwar angemeldet, zu Verhuetung mehrerer Kosten aber undt damit Er desto weniger bey denen Zöllen aufgehalten werden mögte, die Zollgebüren deponirt Gemaßen Ihm solches auch anbefohlen gewesen. Ich verhoffe daher Ew. Wl werde disen nach der restitution alsolcher gelder anbefehlen, und werde Ich dieselbe solcher zu verschulden mich befleißen.

Die Sechs Gutschen Pferde wurden schon überschickt sein, wan nicht eins darob etwas am fueß immittelst beschadigt wehre so yndoch sich ehest hoffentlich besseren wird … Franz Egon Epis. / (folgt unten links) Chur Trier. “

Mit Wasserzeichen Posthorn zwischen S + W sowie separatem Doppelturm, beide nicht bei Heawood. – Patinahaft nicht ungebührlich stockig, nur die weiße, letzte Seite zugleich schmutzfleckig. Zwei minimale Läsuren ohne Buchstabenverlust säurefrei geheilt.

Angebots-Nr. 13.392 / EUR  188. (c. US$ 205.) + Versand

„ werden …
viel mehr als andere zu
Kutschen=Pferden
gewählet “

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Kohl Rappe. Noir get. „Rabenschwarz, in’s Dunkelschieferblaue schillernd, schmaler Gesichtsstreif und Unterfüsse weiss, an der geflochtenen Mähne glänzende Messingbleche – ruhig stehend (nach links)“ (Th.). Kolorierte Radierung mit Kupferstich. Bezeichnet: J. E. Ridinger inv. Sculpsit et excudit Aug. Vind., ansonsten wie vor. 18,9 x 13,3 cm.

Thienemann + Schwarz 952. – IM  RIDINGER’SCHEN  ORIGINAL-KOLORIT  der ausschließlich von Johann Elias Ridinger kreierten, gezeichneten und radierten/gestochenen, gleichwohl erst 1770 postum von den Söhnen herausgegebenen Hauptfarben der Pferde als dem ersten der nur drei original-kolorierten Ridinger-Werke („Dazu ersann er sich zunächst die Pferde, welche bekanntlich in sehr abweichender Färbung vorkommen“, Th.; die üblichen Hinweise im Handel auf deren nur zwei beruhen auf der Unkenntnis von der Existenz von Exemplaren der zum Kolorieren bestimmten 2. Auflage der Zehn Tafeln Affen, Th. 541-550). – Eine entgegen Ankündigung unkoloriert gebliebene Zweitausgabe mit nur noch 40 der ursprünglich 51 Tafeln erschien 1824/25 bei Engelbrecht/Herzberg in Augsburg.

Johann Elias Ridinger, Kohl Rappe

„ Die Kohlrappen, welche sehr gut, und die allerschwärzesten sind … werden für vorzüglich besser … gehalten, sie incliniren sehr zum Zorn, und lassen sich so leichte, wann sie aufgebracht worden, nicht begütigen … Diejenige, welchen einen Stern und wohlgezeichnete schmale Blasse, auch ein gutes Zeichen an denen hintern Füssen, das nicht hochgehet, haben, werden vor andern geachtet, und ist gewiß, daß man unter denen Kohlrappen vortrefliche Pferde findet, und je schwärzer die Farbe, so viel dauerhafter sind sie …

Dahero werden die Kohlrappen ihrer daurenden Farbe wegen ,

viel mehr als andere ,

zu Kutschen=Pferden gewählet ,

weil sie der Veränderung in der Verhärung nicht so stark wie andere unterworfen sind “

(Ridinger im Textvorspann Natur und Eigenschaften der Pferde, nach ihren Farben, SS. 31 f., in Kopie beiliegend).

Mit Wz. C & I Honig unter Lilienwappen mit Bienenkorb-Anhänger als jener festen holländischen Papier-Qualität, wie sie Ridinger entsprechend seiner Vorrede

„ wegen der feinen Illumination “ für die kolorierten Werke

verwandte, „weil es hiezu das anständigste und beste ist“. – Unten rechts im 2,8-3,8 cm breiten weißen Rand etwas umblätterungsschmuddelig, drei etwas längere Einrisse in den weißen Rändern hinterlegt.

Angebots-Nr. 16.042 / EUR  370. / export price EUR  352. (c. US$ 384.) + Versand

Die Fülle der Wagen —
hier werden sie gebaut

KutschenschreinereiKutschenschreinerei

Menuisier en Voitures. Werkstattansicht und zahllose Detaildarstellungen. Folge der 17 (1 dblgr.) Kupferstiche der Kutschenschreinerei von Robert Benard (Paris 1724 – nach 1777, recte wohl eher ca. 1786) aus der Quartausgabe der Enzyklopädie von Diderot und d’Alembert. (1784.) Signiert, bezeichnet. Ca. 24,5 x 18,5 bzw. (1) 35,5 cm.

Kutschenschreinerei

Instruktive  Suite. – Figürl. + typograph. Wz. – Meist zweiseits, teils auch dreiseits unbeschnitten. – Fast ausschließlich den weißen Rand betreffende Klein- + Kleinsteinrisse sowie ganz vereinzelte, nur in einem Fall bildseits wahrnehmbare Papierschwachstellen säurefrei hinterlegt.

KutschenschreinereiKutschenschreinerei

Berline, Élévation Latérale – Berline, Élévations par devant et par derriere – Coupes Transversales du devant et du derriere de la Berline – Coupe Longitudinale et Plan de l’Impériale de la Berline – Profils et Plan de différentes Pieces d’une Berline à la Francoise – Diligence a l’Anglaise – Vis-à-vis demi Anglais - Désobligeante à l’Anglaise – Caleche – Diable – Chaise de Poste – Grand Cabriolet – Carosse de Jardin à une Place – Chaise à Porteur – Outils, Rabots à moulures (2) – Outils Calibres.

Angebots-Nr. 12.111 / EUR  220. (c. US$ 240.) + Versand

Die Krönung des gesellschaftlichen Aufstiegs

William Hogarth, Gutkind Oberbürgermeister von London (Cook)

Lord Mayor of London

Hogarth, William (1697 London 1764). The Industrious ‘Prentice Lord Mayor of London. Die volkreiche Einholung des neuen Oberbürgermeisters, des vormaligen fleißigen Zeugweberlehrburschen Gutkind. Der Prunkkarosse am nächsten die Abordnungen der Gilden mit ihren Fahnen. Einer der Gardisten mit einem offenen Krug Bier in der Linken, neben diesem ein Junge mit dem Flugblatt des wahren Berichts über den Geist des wegen Mordes gehenkten Faulhans, seinerzeit Gutkinds Lehrkamerad. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Designed by Wm. Hogarth / Plate 12. / Engraved by T. Cook / Published by T. Cook Islington, and G. G. & J. Robinsons Pater-noster Row December 1st. 1796. 28,6 x 41,3 cm.

Industry & Idleness XII. – Prachtvoller Abdruck von schöner Hell-Dunkel-Wirkung auf festem Papier. In dessen breitem weißen Rand ganz vereinzelte schwache Stockflecken und oben rechts leichter Wasserstreifen. Darüberhinaus – im Gegensatz zu allen späteren Hogarth-Ausgaben – im Ursprungsformat. – Cook „machte sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher“ (Thieme-Becker).

„ So hat denn Gutkind alles erreicht, was Fleiss und Glück in London dem Gewerbsbürger geben können! … ganz London ist in Bewegung und nimmt Antheil … “

(Untertext zu einer Lithographie).

Die berühmte, volkstümlichste Suite des Meisters, an Hand der Weberei als eines zu seiner Zeit Haupterwerbszweiges den jungen Burschen die Chancen ihres Lebens ebenso aufzeigend wie die ihrem Fortkommen abträglichen Verlockungen :

Calculated for the use & Instruction of youth
w(h)erein every thing necessary to be known was to be made
as intelligible as possible

(Hogarth in seinen Autobiographical Notes).

„ Die Szenen sollten so leicht verständlich sein wie möglich, wozu die Stiche nicht in aller Feinheit ausgearbeitet zu sein brauchten. Wichtig war vielmehr, die Kosten niedrig zu halten, damit auch Lehrlinge diese Blätter kaufen konnten. Hogarth gestaltete um jedes Bild einen rahmenähnlichen Rand – vermutlich nahm er an, daß die Jungen diese Kupferstiche ohne Rahmen direkt an die Wand hefteten. In diesem Rand hatte er unter jeder Szene dem faulen und (oder) den fleissigen Lehrling einen charakteristischen Bibelspruch beigegeben … oben erscheinen auf den Blättern einerseits Geißel, Handfesseln und Galgenstrick als Anspielung auf das tragische Ende des faulen Lehrlings und andererseits Amtsstab, Ratsherrenkette und Staatsschwert als Hinweis auf die Laufbahn des Fleißigen “

(Bachofen-Moser, William Hogarth im Kunsthaus Zürich, 1983, S. 98).

Angebots-Nr. 7.538 / EUR  445. / export price EUR  423. (c. US$ 461.) + Versand

– – – Dasselbe in Hogarth’s Eigen-Radierung im Abdruck von der vom kgl. Kupferstecher James Heath (1757 London 1834) um 1822 überarbeiteten Platte („Selbst diese Abzüge sind heute aber relativ selten geworden“, Kunstgalerie Esslingen 1970; und Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII [1888], 625: „Eine schöne Ausgabe“, geschätzt auch schon von zeitgenössischen Sammlern vom Range etwa eines A. T. Stewart [Catalog of the Stewart Collection, New York 1887, 1221, „fine plates“]). Bezeichnet:Engrav’d & Design’d by Wm. Hogarth. / Plate 12 / Publish’d according to Act of Parliament Sep. 30. 1747. 27,3 x 40,3 cm.

Abbildung Hogarth-Katalog Zürich, 1983, 64. – Auf breitrandigem festen Papier.

Angebots-Nr. 7.717 / EUR  197. (c. US$ 215.) + Versand

– – – Dasselbe in Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840, Univ.-Kupferstecher ebda.). Bezeichnet: 38. / W. Hogarth inv & pinx. / Pl. 12. / R. d. & sc. 24 x 34,7 cm. – Abdruck auf besonders festem Papier, wohl um 1850. – Links innerhalb des weißen Plattenrandes geschnitten. – Riepenhausens Stiche nach Hogarth („sehr schätzbar“, Nagler) zählen zu seinem Hauptwerk und werden den Hogarth’schen Kupfern teilweise sogar vorgezogen.

Angebots-Nr. 7.719 / EUR  146. (c. US$ 159.) + Versand

Sidney, Book of Horse

Sidney, S(amuel). The Book of the Horse: (Thorough-Bred, Half-Bred, Cart-Bred), Saddle and Harness, British and Foreign, with Hints on Horsemanship; the Management of the Stable; Breeding, Breaking and Training for the Road, the Park, and the Field.

Sidney, Book of Horse

Mit zahllosen (8 rückseitenfreien blattgroßen) Holzstichen

von R. C. West u. a., überwiegend nach Sheldon Williams, und

25 Chromolithographien

nach Alfred Corbould (3), John Fenneley, Sir Francis Grant, Monpezat, George Stubbs, Velasquez, James Ward, Sheldon Williams (5) u. a. London etc., Cassell, Petter & Galpin, (1875/78). 4°. 3 unnum. Bll., 604 SS. Goldgeprägter illustr. OLwd.-Bd. Goldschnitt.

De la Lance II, 508. – Eine 2. Auflage erschien 1881. – Vorsatz mit Stempel der Tillhör Bibliothek G. + S. Ugglas, Innenspiegel mit Exlibris Arvid Eriksson. – Bis S. 160 Eselsohr unten rechts, anfangs kaum wahrnehmbar. – Einband leicht begriffen und bestoßen, Rücken unter Wiederverwendung des Originalbezuges erneuert.

Sidney, Book of Horse

„ l’Ouvrage … est une veritable encyclopedique hippique “

Sidney, Book of Horse

und „a lavishly illustrated work“ dazu .

Der Fahrsport mit den Kapiteln Carriages (SS. 12-56 nebst 14 Holzstichen + 1 Farblitho) , Driving (SS. 507-524 nebst 7 Holzstichen, davon 2 blattgroß) + Stables and Coach Houses (SS. 525-531 nebst 6 Holzstichen, davon „Driving a Pair“ schon innerhalb des Harness-Kapitels, Seite 485).

Sidney, Book of Horse (Driving)

Die schönen Farblithographien schließlich mit den verschiedenen Pferderassen in teils berühmten Vertretern, einige auch mit Reiter oder Wagen (1 bzw. 2). Doch auch die vielen Holzstiche zeigen nicht allein jegliche Details, sondern – namentlich auf den blatt- und halbblattgroßen – gleichfalls Rassen und bildlich reizvolle Sujets. Der Text seinerseits läßt keine Frage offen, wie schon erwähnte Spezialitäten vermuten lassen.

Angebots-Nr. 12.291 / verkauft


Zeichnerische Unikate

Dahl, Siegwald Johannes (1827 Dresden 1902). Eingespannt. Munter ausschreitender junger Einspänner in leicht umrissener Landschaft mit Reisig (?) im Wagen und dem Spitz vorneweg. Federzeichnung in Schwarz. Bezeichnet: S. Dahl (18)99 (Feder), ansonsten in Bleistift wie vor. 179 x 228 mm.

Siegwald Johannes Dahl, Eingespannt

Thieme-Becker VIII, 274 f.; Allgemeines Künstler-Lexikon XX, 320; Boetticher, Malerwerke des 19. Jhdts., I/1, 211 ff. – Auf Zeichenkarton.

„ D. (Sohn Joh. Chr. Clausen D.s, schon als 37jähriger Ehrenmitglied der Dresdner Akademie) ist in erster Linie Tiermaler; seine norwegischen und deutschen Landschaften stehen schon technisch hinter den trefflichen Darstellungen aus dem Leben der Hunde, Pferde, Rehe, Vögel zurück. Diese Genreszenen können sich hinsichtlich der liebevollen Beobachtungen mit denen Edw. Landseers messsen, dessen Werke D. in London studiert hatte … Einen nicht zu unterschätzenden Einfluß hat D. in dieser Beziehung auf einen älteren Kunstgenossen, den genialen Ferd. v. Rayski ausgeübt, mit dem zusammen er alljährlich auf den Gütern ihrer Freunde … Naturstudien machte “

(Thieme-Becker, dessen Wertung seiner Porträtzeichnungen

„ Zeichnungen von z. T. außerordentlicher Feinheit “

auch der hiesigen entspricht).

Angebots-Nr. 14.556 / EUR  345. / export price EUR  328. (c. US$ 358.) + Versand

Siegwald Johannes Dahl, Begleitet die Mutter bei der Arbeit

– – – Begleitet die Mutter bei der Arbeit. Fohlen linksseits der allein an zweispännigen Milchwagen geschirrten Stute in beidseits munterem Lauf und dem Spitz auf dem Bock. Federzeichnung in Schwarz. Bezeichnet: S. Dahl (18)99 (Feder), ansonsten in Bleistift wie vor. 182 x 232 mm.

Angebots-Nr. 14.557 / EUR  370. / export price EUR  352. (c. US$ 384.) + Versand

William Hogarth, A Country Inn Yard (Lithographie)

Die Landkutsche

Hogarth, William (1697 London 1764). Die Landkutsche. Die letzten Reisenden besteigen die Überland-Postkutsche, schon sitzt der Postillion auf dem Bock und die Wirtin als Posthalterin mahnt heftig läutend zur Eile. Im Vordergrund erbittet ein buckliger kleiner Postillion von einem hier umsteigenden beleibten Herrn ein Trinkgeld für die vorherige Strecke. Lithographie. (1833/36.) 24,7 x 23,7 cm.

Unabhängig von der reichen Postszenerie betrifft das eigentliche Geschehen des gewöhnlich A Country Inn Yard oder Die Wahlprocession im Hofe bezeichneten Blattes – in Ergänzung zur Parlamentswahl-Suite – die Verhöhnung eines

„ bei der Parlamentswahl durchgefallenen Candidaten “

dessen ausgestopfte Figur – wie schon hinsichtlich des Herzogs von Newcastle auf Bl. 1 der Wahl-Suite – in Prozession von der Gegenpartei genüßlich herumgetragen wird. Dies umso ärgerlicher, als die Niederlage auf einer Formalie, nämlich dem noch knapp verfehlten Alter des Kandidaten, beruhte und somit voraussehbar war. Entsprechend unwillig zahlt denn auch ein Agent des Unglücklichen – einen Druck der Act against bribery and corruption in der Tasche – dem Wirt die Zeche für das nutzlos ausgegebene Wahlessen.

„ Das bekannte Blatt … bringt mit Dickens’schem Humor eine behagliche Schilderung ländlichen Kleinbürgertums “

(Thieme-Becker XVII, S. 297, 2). – Ausführlicher Untertext in Deutsch.

Angebots-Nr. 7.805 / EUR  125. (c. US$ 136.) + Versand

– – – Dasselbe in Hogarths eigenem Kupferstich. Bezeichnet: Design’d and Engrav’d by W. Hogarth. — Publish’d According to Act of Parliament. 1747. 22 x 31 cm.

Nagler 30. – Nach dem Bild von 1747. – Abdruck auf starkem Papier von der vom kgl. Kupferstecher James Heath (1757 London 1834) um 1822 überarbeiteten Platte („Selbst diese Abzüge sind heute aber relativ selten geworden“, Kunstgalerie Esslingen 1970; und Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII [1888], 625: „Eine schöne Ausgabe“, geschätzt auch schon von zeitgenössischen Sammlern vom Range etwa eines A. T. Stewart [Catalog of the Stewart Collection, New York 1887, 1221, „fine plates“]).

Angebots-Nr. 7.803 / EUR  135. (c. US$ 147.) + Versand

– – – Dasselbe in Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840). Bezeichnet: W. Hogarth pinx. 1747. / E. Riepenhausen sc. 21,3 x 26,7 cm. – Rücksichtlich des besonders guten, festen Papiers wohl Abdruck einer Vorzugsausgabe um 1830. – Ränder etwas altersfleckig. Desgleichen das Bild selbst ein wenig.

Angebots-Nr. 7.804 / EUR  118. (c. US$ 129.) + Versand

Der Winter

Winter, Der. Baumreiche Hügellandschaft mit Kirchdorf im zurückgesetzten Mittelgrund und Einzelanwesen vorn rechts. Vorn Ochsengespann mit dem vorweggehenden Kutscher, instruktiv beladen mit Stangen- und, seitlich, Kurzholz. Dahinter auf einrädrigem Karren Reisig fortschaffender Landmann. Seitlich links zwei den Hang visierende Jäger. Radierung. Ca. 17.Jhdt. Bezeichnet u. r.: 4. 17,4 x 23,3 cm.

Das stimmungsreiche Winter-Blatt

einer hier derzeit nicht identifizierten Jahreszeiten-Folge flämischen Stils à la jüngerem Josse de Momper (1564-1635) etc. in herrlichem Druck perfekter Erhaltung mit 1,2-2,1 cm breitem Rand. – Fünf kleine Montagespuren am rückseitigen Oberrand.

Angebots-Nr. 15.445 / EUR  830. / export price EUR  789. (c. US$ 861.) + Versand

Morgendliches
William Hogarth, Londoner Morgen
Wagen-Desaster

– Advokaten und Bierschröter –

Hogarth, William (1697 London 1764). Ein Londoner Morgen. Alltägliche Turbulenz vor Thavie’s Inn Coffee House, heute zur Abwechslung der auf seinem voll beladenen Karren eingeschlafene Bierschröter, einen Jungen überfahrend, indes auch noch der Spund eines Fasses losgegangen ist und den begehrten Durstlöscher auf die Straße fließen läßt. Doch auch die vorn links

umgeworfene Kutsche Tom Nero’s mit den zu den Gerichtssitzungen

nach Westminster fahren wollenden vier Advokaten

verspricht dem Kutscher Verdruß. Kupferstich. Bezeichnet: Designed by W. Hogarth. / Published according to Act of Parliament Feb. 1. 1751. 39,1 x 32,3 cm.

The Four Stages of Cruelty II. – Mit 12zeiligem Untertext in drei Versen von wohl Rev. James Townley. – Das berühmte Sujet, mit dem Hogarth erfolgreich versuchte, auf die Verrohung der niederen Volksschichten aufmerksam zu machen. Denn – so Lichtenberg – „der Bierschröter wird sich wahrscheinlich über den unglücklichen Knaben zu trösten wissen, jedoch hinsichtlich des erlittenen (Bier-)Schadens ganz andere Gefühle hegen“. Letztere dürften auch bei dem Advokatenlenker nicht hochgestimmt sein, da doch jeder Einzelne der vier im Stande erscheint,

„ den Lohnkutscher vor den Friedensrichter zu bringen ,

um die Buße für den erlittenen Schrecken einzutreiben “.

Daß sich die Anwälte indes ausgerechnet von Tom Nero chauffieren lassen, ist der Gag schlechthin: Denn er ist der Erzbösewicht dieser Suite. Den schlußendlich eine handelnde irdische Gerechtigkeit zunächst an den Galgen und sodann in die Anatomie bringen wird. Letzteres auf Grund allgemeiner Vorurteile von besonders abschreckender Wirkung. – Harmonischer Abdruck, vielleicht aus der von Boydell von 1790-1809 hrsg. Gesamtausgabe. – Einige hinterlegte kleine Einrisse im breiten weißen Rand, dessen linke Oberecke wasserstreifig ist.

Angebots-Nr. 6.516 / EUR  445. / export price EUR  423. (c. US$ 461.) + Versand

Siegwald Johannes Dahl, Zusammengebrochen

Dahl, Siegwald Johannes (1827 Dresden 1902). Zusammengebrochen u. … von dem Ulanen … wieder erkan(n)t, welcher aber vom Kutscher weggewiesen wird! Der Ulan bei seinem früheren, jetzt vor einem zweispännig gezogenen, hoch mit Steinen beladenem Fuhrwerk zusammengebrochenem Pferd. Bedrückte Alte + Junge bilden die Kulisse. Federzeichnung in Schwarz. Bezeichnet: S. Dahl (18)99 (Feder), ansonsten vierzeilig in Bleistift wie vor. 173 x 225 mm.

Thieme-Becker VIII, 274 f.; Allgemeines Künstler-Lexikon XX, 320; Boetticher, Malerwerke des 19. Jhdts., I/1, 211 ff. – Auf leichtem Zeichenkarton. – In allen Partien von reicher Erzählkraft.

Angebots-Nr. 14.558 / EUR  378. / export price EUR  359. (c. US$ 392.) + Versand

William Hogarth, Ankunft in London (Harlots Progress I; Cook)

Hogarth, William (1697 London 1764). Ankunft in London. Mary Hackabout, Unschuld vom Lande und soeben dem Postwagen entstiegen, wird vorm Gasthaus Zur Glocke von der berüchtigten Mother Needham begutachtet, indes im Eingang des Etablissements der nicht minder einschlägig bekannte Colonel Francis Charteris – beide werden ihr verdientes Ende finden – sich seine Gedanken macht. Vorne rechts überdies eine vom Adressanhänger – „Für meinen lieben Vetter in der Themse-Straße in London“ – fast strangulierte Gans. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Pl. I. / Designed by W. Hogarth. / Engraved by T. Cook / London, Published by G. G. & J. Robinson, Paternoster Row, April 1st. 1798. sowie Serientitel. 36,5 x 41,2 cm.

Harlots Progress I. – Harmonischer Abdruck von schöner Hell-Dunkel-Wirkung auf festem Papier. In der rechten unteren Ecke des Papierrandes ganz schwacher Wasserstreifen. – Cook „machte sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher, dessen vollständiges Werk er … nachgestochen hat“ (Thieme-Becker) und dessen Ursprungsformat er im Gegensatz zu allen späteren Hogarth-Ausgaben in seiner ersten, früheren Ausgabe beibehielt. Für einige von Hogarth nicht selbst veröffentlichte Blätter wurde Cook zu deren Erststecher, wie er denn auch den Beifall eines zeitgenössischen Kenners wie Maximilian Speck von Sternburg fand. – Das erste Blatt des Weges einer Dirne:

„ Mit reiner, selbst sanfter Unschuld seiner Heldin fängt (Hogarth) an … die Tochter eines armen Dorfpredigers in Yorkshire … Allein was dem Mädchen an hoher Schönheit abgeht, wird durch höhere Gesundheit, kindliche Simplicität und sanfte Unschuld mit großem Gewinn ersetzt. Ihr Anstand, wie man sieht, ist übrigens der einer derben, reinlichen, braven Dorf=Mamsell, aus der sich was machen ließe – und das geschieht auch “

(Lichtenberg).

Die um 1730 entstandenen malerischen Originale dieser insgesamt sechs Stationen umfassenden Buhlerin-Suite fielen übrigens schon um 1755 einem Feuer zum Opfer.

Angebots-Nr. 7.505 / EUR  373. / export price EUR  354. (c. US$ 386.) + Versand

– – – Dasselbe in Hogarth’s Eigen-Radierung im 1744er 3. Zustand. Bezeichnet: A Harlots Progress Plate 1. / † / Wm. Hogarth invt. pinxt. et sculpt. 32 x 39,9 cm.

Nagler 17, 1; Abbildungen Hogarth-Katalog der Tate Gallery, 1971/72, 57 (4. Zustand), Hogarth-Katalog Zürich, 1983, 13 (dieser Zustand), Bindman, Hogarth and his Times, 1997, 32 (1. Zustands). – Schöner, kontrastreicher Abdruck, vielleicht aus der von Boydell von 1790-1809 herausgegebenen Gesamtausgabe auf festem Papier. In den geradezu extrem breiten Rändern minimal stockstippig, oben rechts ganz schwacher Wasserrand. Verschiedene kleinere Einrisse unten säurefrei hinterlegt.

Angebots-Nr. 7.616 / EUR  251. / export price EUR  238. (c. US$ 260.) + Versand

– – – Dasselbe in Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840, Univ.-Kupferstecher ebda.). Bezeichnet: 7. / A Harlot’s Progress Plate 1. / W. Hogarth inv. pinx. Riepenhausen f. 19,7 x 24,5 cm. – Abdruck auf besonders festem Papier, wohl um 1850. – Riepenhausens Stiche nach Hogarth („sehr schätzbar“, Nagler) zählen zu seinem Hauptwerk und werden nicht zuletzt der Seitenrichtigkeit wegen den Hogarth’schen Kupfern teilweise sogar vorgezogen. – Mehr …

Angebots-Nr. 7.618 / EUR  118. (c. US$ 129.) + Versand

„ Bewundernswert ist
(Landseer’s) geistige Beherrschung des Stoffes “

wo Regierungen nur eines können :

Immer tollkühner voran
mit dem
Tax Cart

Landseer, Thomas (1795 London 1880). Tax Cart. Mit qualmenden Achsen, gezogen von lechzender Bulldogge. Der Wagenlenker als menschlich gekleideter Affe. Radierung. (1827/28.) Bezeichnet: Tho Landseer, ansonsten wie unten. 16 x 20,1 cm.

Rümann, Das Illustrierte Buch des 19. Jhdts., Leipzig 1930, SS. 99 ff.; Nagler 1; Thieme-Becker XXII, 305. – Auf besonders breitrandigem, schwerem Papier. – Fast nur im rechten weißen Außenrand ganz schwach stockfleckig. – Mit Zweizeiler aus Thomas Moore’s (1779-1852, „Ireland’s National Bard“) 1819 unter dem Pseudonym By One of the Fancy erschienenen Tom Crib’s Memorial to Congress:

Thomas Landseer, Tax Cart

„ Ya – hip my haerties! here am I . That drive the Constitution Fly. “

(„Der juristisch geschulte Verstand, der in der Lyrik Moores bisweilen stört, feiert indes seine größten Triumphe in satirischen, oft politischen, auf Tagesereignisse bezüglichen Gedichten“ mit namentlich den Tories „mit dem ihm eignen beißenden Witz“ als Zielscheibe [Meyers Konvers.-Lex., 4. Aufl., XI, 1889, S. 787]. Sein Tom Crib’s … innerhalb des Moore-Bandes V der Reihe British Satire 1785-1840 bei Pickering & Chatta, London 2003.)

Schöner Abdruck auf großem Papier aus der berühmten Monkeyana-Suite , einem der nur wenigen frühen und somit typischen Werke Landseers von nach 190 Jahren

unverändert zeitloser Aktuailität .

„ Daß man Thomas Landseer nur nach solchen Illustrationen beurteilen darf, beweist ein kleines Büchlein mit Holzschnitten, die so gut wie nichts von seinem Geist fühlen lassen “.

Ab 1827 geschaffen, erschienen die einschließlich Titel insgesamt 25 mit Untertexten aus Klassikern versehenen Radierungen lieferungsweise (The English Catalogue of Books: Januar bis Dezember) 1828 bei Moon, Boys & Graves in London in drei Ausgaben: Normalausgabe in Quart, Ausgabe auf größerem Papier in groß-4° sowie als Ausgabe mit Zustandsdrucken, gleichfalls in groß-4°. Daneben Exemplare auf aufgewalztem China.

Im übrigen qualifiziert Rümann unter anderem :

„ Viel bedeutender war Edwins Bruder Thomas Landseer …

in den zwanziger Jahren trat er selbständig mit einer Serie von 25 Blatt hervor, die 1828 unter dem Titel ‘Monkeyana’ … erschienen (Abb. 57).

Technisch sind seine Radierungen meisterlich ,

nicht minder bewundernswert ist die geistige Beherrschung des Stoffes. Mit viel Humor und scharfer Beobachtung versetzt er das bürgerliche Leben seiner Zeit ins Affenleben. Sein Spott ist beißend, fast bösartig. “

Und Stechow resümiert souverän :

„ Affen haben Künstler seit jeher fasziniert “

(Pieter Bruegel, Köln 1977, Seite 76).

„ Der Affe als das dem Menschen ähnlichste Tier spielt seit der Antike in der Kunstgeschichte eine wichtige Rolle. Als figura diaboli, als Symbol der Sünde und des Sündenfalls, als Narr, als Vanitasfigur kommt er in unterschiedlichstem Zusammenhang vor … (A)uch der übliche religiöse Bezug in der Sinngebung des Affen als des in seiner Leidenschaft für weltliche Dinge verstrickten Menschen … “

(Hella Robels, Frans Snyders, München 1989, Seite 43).

Später widmete sich Thomas lieber vorwiegend der Wiedergabe der Tierdarstellungen des Bruders Sir Edwin.

Angebots-Nr. 14.970 / EUR  630. / export price EUR  599. (c. US$ 653.) + Versand

Meisterzeichnung
Niederländische Schule - Landschaft mit den drei Landleuten beim Fuderladen
erster Provenienz

Niederländische Schule – Landschaft mit den drei Landleuten beim Fuderladen. Auf dem Feld im Vordergrund die Hocken auf einen 2rädrigen Einspänner ladend. Die das Feld umschließende niedere Waldung hinten rechts absinkend und den Blick freigebend auf die Ebene mit breitem, von Segelboot befahrenem Fluß und einem Dorf am anderen Ufer. Reich abgestufte Tuschzeichnung in Grau über schwarzer Kreide. Niederländische Schule. Ca. 1700. 217 x 354 mm. – Minimal stockig.

Provenienz

Dr. Carl Robert Rudolf , London

dessen Versteigerung Amsterdam 1977
Rückseits dessen Sammlungs-Stempel Hahn auf Schildkröte,
Lugt II, 2811 b

Fein durchgeführte Arbeit von malerischer Bildwirkung ,

deren Qualität für die Hand ihres Meisters bürgt .

Und damit auch für ihre Provenienz . Denn , so Terence Mullaly ,

„ Rudolf war einer der letzten wahren Sammler von Altmeisterzeichnungen, in Großbritannien vielleicht der letzte. Gewiß wird er seinen Platz neben anderen großen britischen Sammlern ennehmen, Lely, Lankrink, die Richardsons, Hudson, Reynolds, Lawrence, Esdaile, Skippe, Witt und der Rest … Solange er bei den Alten Meistern blieb,

hatte er ein bemerkenswertes Auge für Qualität

… Ihn interessierte der Gegenstand der Zeichnung, die Art, wie der Künstler diesen Gegenstand dargestellt hatte, und die Technik, für die er ein kritisches Auge hatte. “

Und George Keyes :

„ Rudolf trug eine der größten und repräsentativsten Sammlungen von niederländischen und flämischen Altmeisterzeichnungen dieses Jahrhunderts zusammen … “

Anstehender Zeichnung womöglich einmal einen Namen zuordnen zu können, solchermaßen denn vor allem auch

eine Bestätigung des eigenen Auges versprechend .

Angebots-Nr. 15.486 / Preis auf Anfrage

Johann Elias Ridinger, Schlittenpferd

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Ein Schlitten Pferd mit kurtzem Geschell. Nach rechts in reich geschmückter Decke und mit puttenverziertem Kummet sowie Federbusch. Im Hintergrund verschneites Gehöft. Radierung + Kupferstich. (1755.) Bezeichnet: J. E. R. fec. / No. 13., Titel wie vor. 19,9 x 15,1 cm.

Thienemann + Schwarz 493. – Blatt 13 aus Entwurf einiger Pferde als Teil VI der instruktiven Suite Entwurf einiger Thiere ( „Diese Tafeln sind sehr gesucht und oft copirt“, Th. 1856). – Herrlicher, breitrandiger Abdruck der 1. Ausgabe.

Angebots-Nr. 7.211 / EUR  279. / export price EUR  265. (c. US$ 289.) + Versand

Hier ist selbst
Das Ende aller Dinge
am Ende

und stürzt Phoebus im brennenden Himmelswagen
William Hogarth, Phoebus
mitsamt seiner Pferde in den bodenlosen Abgrund

Hogarth, William (1697 London 1764). Tail Piece. / The Bathos, or Manner of Sinking, in Sublime Paintings, inscribed to the Dealers in Dark Pictures. Das Ende aller Dinge. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). 1798. Bezeichnet: Designed by W. Hogarth. / Engraved by T. Cook. / Published by G. G. & J. Robinson Pater-noster Row December 1st. 1708. (recte 1808), ansonsten wie vor. 34 x 36,7 cm.

Hogarth-Katalog der Tate Gallery, 1971/72, 222 + Hogarth-Katalog Zürich, 1983, 94, jeweils die 1764er Hogarth-Fassung und mit Abb.; Christoph Wulf, Dying Time, in Anthropology. A Continental Perspective, 2013, S. 133, Abb. 5.1 (dieses Exemplar) – Ausführlicher Untertext mit, neben Versen von Tacitus + Maximus Tyrius, wichtiger Bezugnahme auf die Analysis of Beauty mittels zweier konischer Figuren in den beiden Außenfeldern. Während die rechte deren Figur 26 zitiert, ist die ähnliche linke neu.

„ Selten hat sich ein Künstler so ergreifend von der Welt verabschiedet. “

Es ist Hogarth’s letzte graphische Arbeit, sieben Monate vor seinem Tode. Künstlerisch ein Rückgriff auf Salvator Rosa, fußt der Titel auf Pope’s poetischem Gegenstück „Peri Bathous“ als seinerseits „a parody of Longinus’s ‚Peri Hypsous‘“.

Die Szenerie selbst von unerhörter Radikalität.

Denn betroffen vom Verfall sind auch und besonders jene Attribute, die sonst ihrerseits das Ende der Zeit signalisieren. Wie Sense und Sanduhr, die hier ebenso zerbrochen sind wie Krone, Pfeife, Palette, Flasche, Glocke, das Wirtshaus „The Worlds End“ mit der brennenden Weltkugel als Schild, die Kirche sowie etliche andere Vanitassymbole. Die Uhr hat die Zeiger verloren, die Bäume sind so tot wie der Gehenkte – und Phoebus im brennenden Himmelswagen mitsamt seiner Pferde, allesamt in den bodenlosen Abgrund stürzend.

Zu allem Überfluß haucht Saturn selbst als Gott sowohl der Zeit, sprich geflügelter Tod, als des im Ackerbau begründeten Wohlstandes sein letztes „Finis“, derweil ihm das von den drei Parzen – Clotho, Lachesis, Atropos – bezeugte Testament entgleitet: alles dem Chaos. Kurz, „H. Nature Bankrupt“.

Mit Ausnahme des Mannes in der schmalen Sichel des abnehmenden Mondes, der sich noch ein wenig Lebens zu erfreuen scheint. Wie denn auch der Galgen noch steht. Denn „(d)en scheint auch die künftige Welt nicht entbehren zu können“ (so auf der Heintz-Lithographie). Untergemischt schließlich verschiedene Wortspiele wie Schusterriemen + -leisten, im Englischen cobbler’s end bzw. last, sowie das Tau-Ende und der Lichtstumpf (candle’s end).

William Hogarth, Tail Piece oder The Bathos (Cook)

Herrlicher , nur wenig späterer Abdruck von strahlendem Hell-Dunkel

und adäquater Breitrandigkeit und Frische dieses schönen Blattes Cook’s, der „sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher“ machte (Thieme-Becker) und als einziger der postumen Ausgaben das Originalformat wahrte. – Mit Wz. „1811 W Balston“; vgl. die Doppelmarke „J Whatman & W Balston 1813“ Heawood 117. – Im rechten Außenrand zwei kleine schwache Wasserränder. Die rückseitige partielle schwache Stockkigkeit bildseits nur an zwei Stellen der Himmelspartie ganz minimal wahrnehmbar.

Angebots-Nr. 7.545 / EUR  291. / export price EUR  276. (c. US$ 301.) + Versand

– – – Dasselbe in Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840, dortiger Univ.-Kupferstecher). (1794-1835.) Bezeichnet: 44 / W. Hogarth inv. / R. d sc f. 21,5 x 23,5 cm.

Früher Abdruck mit deutlichem Plattenton und sehr breiten Seitenrändern. – Nur die reine Bildversion. Angesichts des breiten Plattenunterrandes scheint die Unterrandgestaltung zunächst wohl vorgesehen gewesen zu sein. Später wurde die Platte unten entsprechend gekürzt.

Angebots-Nr. 7.740 / EUR  125. (c. US$ 136.) + Versand

Nature Bankrupt

William Hogarth, Nature bankrupt

„ … liegt eine gerichtliche Akte, mit dem großen Siegel auf englische Weise verziert, als stammte dieselbe von der King’s bench. Die Überschrift – s. o. – verkündet den Inhalt. Das große Siegel ruht auf der einen Seite eines aufgeschlagenen Buches; die andere Seite zeigt unten die Worte: Exeunt omnes (Alle gehen). Das Buch enthält also ein englisches Schauspiel, und der letzte Akt liegt mit der Bezeichnung aufgeschlagen,

daß alle Schauspieler mit der Welt Ende

von der Bühne abtreten “

( Lichtenberg )

Mag sein , mag sein

Wilhelm Wagner, Die Kirschen
„ Es war im Julius , als Herr von Strahl ,
Ein Held , kurz Friedrichs General …
Der Stadt Betäubung überdrüßig ,
Von kriegrischen Geschäften müßig ,
Beschloß , auf’s Land zu ziehn
Aus seinem prächtigen Berlin “

Doch ewig rollt
der
Venuswagen

Hier als kulturgeschichtliche 9er-Fackel

Der Venuswagen (Stinnes-Exemplar)

par excellence ,

die Iustitia’s Moralempfinden aufglühen ließ ,

als habe die junge Republik , die Schrecken des Krieges noch hautnah vor Augen , nichts Dringenderes zu tun , als einer noblen Edition für einen kleinen Circel geistiger Elite wegen an den Strommasten aufzufahren , um der

Freiheit der Kunst

Saft und Kraft zu entziehen . Es gibt sie auch heute wieder . Diese Aufgeregtheiten , dieses panische Eifern , Dinge überhaupt erst ins Rampenlicht zu zerren , die die Republik sollte ertragen können .

Da hilft nur eines :

das Aufschließen der Seele .
Des eigenen , des sammelnden , des kunstliebenden Ichs .

„ Die Nacht ist am schönsten “

sagte der Pianist Eduard Erdmann , Büchersammler von Graden , einst zu seinem Oberkellner im Weinhaus Wiesel in Köln .

Heinrich Stinnes, 20. XII. 1920

Heinrich Stinnes

(Mülheim/Ruhr 1867 – Köln 1932)

läßt grüßen

Der Venuswagen. Eine Sammlung erotischer Privatdrucke mit

73 ORIGINAL-GRAPHIKEN .

Herausgegeben als PRIVATDRUCKE DER GURLITT-PRESSE von Alfred Richard Meyer (Munkepunke). Erste Folge. 9 Bände (alles Erschienene). Berlin 1919/1920.

Bordeauxrote Orig.-Maroquin-Bände auf 5 Bünden

in Quarto (30,7 x 25 cm) mit blindgeprägter Vorderdeckel-Vignette und ebensolcher Filete auf beiden Deckeln sowie, goldgeprägt, auf dem Rücken, wie auch die Titel, grünen Moiré-Spiegeln + -Vorsätzen sowie Kopfgoldschnitt. Zweiseits unbeschnitten.

Provenienz

Doktor Heinrich Stinnes

(Mülheim/Ruhr 1867 – Köln 1932)

mit Band für Band auf dem Vorsatz der von Erwerbsquelle + Preis begleitete
handschriftliche Besitzeintrag des Sammlers
in tiefschwarzer Tinte
sowie dem roten Sammlungs-Stempel nebst 1/40 im Rand links unten
einer jeden der 73 hiesigen Graphik-Tafeln

Doktor Heinrich Stinnes’ obligatorische

Nr. I/XL der VORZUGSAUSGABE

(einmalige Gesamt-Auflagenhöhe 740 Exemplare) auf starkem Bütten und in Leder (so hier) oder Pergament oder auch, wie nicht im Impressum vermerkt, in Seide gebunden. – Serien- wie Einzel-Titel meist in Rot + Schwarz. – Innerhalb der großzügigen Titelei auf Seite 3 jeweils Serien-Vignette – Bildinhalt der ersten Bände später abgeändert – in Lithographie. – Druck der Graphiken auf der Gurlitt-Presse. – Neben dem Moiré-Vorsatz eingangs 2 + am Schluß 1 zusätzliche fliegende Blätter. Auf jedem dem vorderen Moiré-Vorsatz folgendem fliegenden der eigenhändige Besitzeintrag von Dr. Stinnes mit vollem Namen + Erwerbsvermerk in schwarzer Tinte. Die Graphik-Angabe der Titel meist hs. beziffert. – Mit Ausnahme von zwei hierfür nicht vorgesehenen und einer versehentlich übergangenen Arbeiten sind

sämtliche Graphiken sowie das Impressum

vom jeweiligen Künstler signiert .

Unbeschadet für sich allein gesehen durchaus störender Erhaltensmängel zweier Bände erwartet Sie ein

ausgezeichneter Erhaltungszustand + als Ganzes eine Augenweide ,

die besagte Mängel souverän überspielt. Dieses Exemplar ist schlichtweg

ein von Provenienz + Römisch I unwiederholbar geadeltes Gesamtkunstwerk .

Angebots-Nr. 15.648 / Preis auf Anfrage

Heinrich Stinnes, Sammlermarke
Heinrich Stinnes, 1/40.

  1. 1848 von John Cassell (1817-1865) gegründet, traten 1858 Petter und Galpin, die eine Druckerei betrieben, als Partner des nunmehr als Cassell, Petter & Galpin firmierenden Verlagshauses hinzu. 1878 nach Aufnahme weiterer Partner zu Cassell, Petter, Galpin & Co. erweitert, folgte nach dem Ausscheiden von Petter 1883 mit der Umwandlung in eine Gesellschaft schließlich die Umbenennung zu Cassell & Co.
  2. Rund 240 Jahre später wird Robert Murray Kapitel XV von The Decline and Fall of the American Empire (2002) überschreiben mit: The Chaos to come.

“ Many thanks for your message. Thank you very much for sending the (Anthonie) Waterloo … I am grateful to you for the opportunity to buy the etching. It was interesting to learn about its provenance … The Waterloo etching arrived safely today, beautifully wrapped. Thank you very much indeed ”

(Mr. M. L., April 24 and 29 resp. and May 6, 2003)