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13. Mai 1784

Johann Jacob

Ridinger

Omnia mihi subdita (Detail)

Vor 230 Jahren in Augsburg

zu Grabe getragen als letztes Blatt

des herrlichen

Ridinger-Trifoliums

in dessen Schatten

er leichthin gesehen wird

» Kein  Kupferstich  war  in  der  Lage ,

das  satte  Schwarz  und  die  Chiaroscuro-Kontraste

eines  Mezzotintodrucks  zu  erreichen … «

Frithjof Schwartz

Im Anfang war das Raster

in Frankfurter Rundschau, 16. 11. 2009)

Meister des Mezzotinto

Doch so verschwindend gering gegenüber dem Kupferstich , der Radierung , dessen Auflagen

—  „ … gibt etwan 50 oder 60 saubere Abdrücke

hernach aber schleift es sich bald ab ,

weil es nicht tieff ins Kupfer gehet … “

so der Praktiker Joachim von Sandrart in seiner Teutsche Academie I, (1675) 3 (Malerei),
SS. 101 f.  —

so gering auch die Zahl namentlich noch heutiger Liebhaber , der Kenner mit dem besonderen Blick , mit dem Bedürfnis , dieser Wunder samtener bald Schwärze , bald Bräune , nicht allein optisch teilhaftig zu werden , nein , sie am liebsten auch noch zartesten Fingers zu erfühlen , sich vergewissernd , nicht zu träumen .

Der Vater beherrschte auch diese Technik , doch sein Jüngster war deren Meister . Und der sonst so verdienstvolle ältere Bruder , hier mußte er passen , versuchte es erst gar nicht . Voilà , so war es Zeit , höchstes Versäumnis zu heilen und liebevoll des Jüngsten zu gedenken , wie dieser des Vaters gedachte .

Selbstportrait Ridinger (Kartusche)

 

„ und jeder auch

Signatur Johann Jacob Ridinger

als zum ganzen Sternbild gehörend hervortritt ,

dann wird die Welt weit

und die Kunst reich “

notiert Goethe am 17. September 1786 in Verona

und im übrigen lieber offenlassend, wo Anfang, wo Ende dieser Weite, dieses Reichtums. So, „wie es dem Küstengänger ergeht, der des Wanderns kein Ende findet, weil hinter jeder lehmigen (sic!) Dünenkulisse, die er erstrebte, neue Weiten zu neuen Vorgebirgen vorwärtslocken. So gibt es Anfänge bedingter Art … “

resümiert Th. Mann gleich zu Beginn seiner Joseph-Trilogie .

Bedingter Art denn nur auch die Chronologie der wechselseitig Ulm und Augsburg zugehörenden Ridingers, die mit Johann Elias (1698-1767) in sechster Generation ihren Zenit erleben. In sechster gleichwohl nur, weil über den faßbaren Stammvater Bartholomäus († 1591) hinaus, die Tiefe des „Brunnens der Vergangenheit“ (Th. M.) den Neugierigen ein Bis-hierhin-und-nicht-weiter gebietet. Doch mag das Wurzelwerk eines Stammes noch so weit, so reich, so unergründbar sein, die Axt der Zeit ist es meist weniger.

Johann Elias als Sechster der Folge hatte mit Jacobina geb. Zur Helle (1694-1773), der Witwe seines Jugendfreundes und Zunftgenossen Johannes Seuter, acht Kinder, von denen drei das Säuglings-/Kindesalter überlebten. Und die Ehe der Tochter Regina (1732-1774) kinderlos blieb. So, wie der überlebende älteste der Jungs, Martin Elias (1731-1780; nach Elias Jacob + Daniel Bartholomäus) allein mit der Kunst, mit Vorbild und Werk des Vaters verheiratet war. Und es der brüderlichen Mit-Siebener-Generation, Johann Jacob (vor schließlich noch Johann Adam) überließ, mittels Rosina Barbara (1776-1846) als nun achter Generation dem Ridinger-Stammbaum noch eins draufzusetzen. Seit 1805 streng augsburgisch verheiratet mit Gottlieb Ludwig Harwen (1774-1812), mit dem sie fünf Kinder hatte, von denen drei sich auswachsen durften. Und apropos letzterem sollte der Redlichkeit halber gedachtem jüngsten der acht Ridinger-Kinder, eben Johann Adam, 273 Jahre später gedenkend nachgerufen werden, von allen achten vielleicht doch der Hellste gewesen zu sein. Weil er’s am kürzesten ausgehalten und sich schon nach nur gut zwei Monaten wieder davongemacht hat. Wie denn Lessing des Seinen Einsicht respektierte, es mit nur vierundzwanzig Stunden genug sein zu lassen. Doch das ist des Wanderns nun wirklich zu viel.

Johann Jacob  also  wurde noch 1735 zu Augsburg geboren und am 27. Januar 1736 in der ev.-lutherischen Barfüßer-Pfarrei getauft. So wie denn mit dem Stammvater Bartholomäus

„ … der Familienname das erste Mal in Augsburg auf(taucht). Seine Nachkommen sind auch für die folgenden rund 300 Jahre die einzigen evangelischen Namensträger Ridinger in dieser Stadt. Erst im 19. Jahrhundert leben noch zwei andere evangelische Familien gleichen Namens in Augsburg. “

Als 40jähriger heiratete er in Augsburg Rosina Morgenstern (1743-1781), im Kirchenbuch als „‚auswärtige Copulation‘ ohne Ortsangabe eingetragen“, gleichwohl zu St. Ulrich getauft worden. Dieser Ehe entstammte gedachte Rosina Barbara. In kinderlos bleibender zweiter Ehe heiratete der Witwer 1782 in Riedlingen Sophia Juliana Rosina Ammerbacher (1748-1827) aus Langenburg im Hohenlohischen, deren 1785 mit dem Augsburger „Handelsmann und Kunstverleger“ Johann Friedrich Wilhelm als Witwe eingegangene Zweitehe aber zumindest keine unmittelbare Verbindung zu den Wilhelms begründete, die als Engelbrecht-Nachfolger spätestens 1821 die „Ridinger’schen und Haidischen Kunstgeschäfte“ übernommen hatten.

Er selbst „dann der letzte männliche Ridinger , der sich mit eigener Familie finden ließ. Mit seiner Tochter Rosina ist die Stammfolge nach acht Generationen abgeschlossen.“

Der  genealogischen  Fakten  ganze  Fülle  nach  Monika Michel , Vorfahren und Verwandte des Tiermalers und Kupferstechers Johann Elias Ridinger, in Blätter des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde, Bd. XV (1987), Seiten 396-414.

Im Gegensatz zum älteren Bruder Martin Elias als neben Radierer/Kupferstecher vor allem auch geschäftlichen spiritus rector, wurde der Vater eines Projektes überdrüssig, wie etwa der sich über Jahrzehnte hinziehenden Folge der Wundersamsten, blieb Johann Jacob letztlich auch da im Hintergrund, wo er bei den

Ridinger, Titel Koloriertes Thier-Reich

postum abschließenden oder überhaupt erst veröffentlichten Werken
als Mitherausgeber zeichnete

Johann Jacob’s Feld war , neben wenigen Radierungen , die Schabkunst . Deren fein abgestuftes, samtiges Hell-Dunkel – erzielt durch mehr oder weniger starke Glättung der zuvor gleichmäßig aufgerauhten Kupferplatte – er meisterlich beherrschte :

„ Die also genannte Schwarze Kunst in Kupfer zu arbeiten … gibt etwan 50 oder 60 saubere Abdrücke , hernach aber schleift es sich bald ab, weil es nicht tieff ins Kupfer gehet … Der erste Erfinder dieser Kunst ware Anno 1648, nach beschlossenem Teutschen Krieg, ein Hessischer Obrist-Leutenant, Namens von Siegen … Nach solchem haben Ihr. Durchl. Prinz Robert (recte Ruprecht), Pfalzgraf bey Rhein, als die in der Zeichen- und Mahlerey Kunst perfect erfahren, diese Wissenschaft herrlich und zu solcher Vollkommenheit erhoben, daß darinn ein mehrers nicht zu erfinden ist … Hiernächst hat W(allerant). Vaillant, als ein guter erfahrner Mahler, in der Zeichnung meisterhaft beschlagen, diese Manier fortgesetzt, und eine Menge herrlicher Werke davon in Kupfer zu bringen angefangen, diezu erzehlen gar zulang fallen würde: welcher durch continuirliche Ubung und Fleiß hierinn fast wunder thut … Sonsten gibet diese Arbeit an die Hand, eine überaus große lieblich Natürlichkeit, Kräfte des Liechts und Schattens , dermaßen hoch und angenehm in allen Theilen , besonderlich in den Bildern , daß

dergleichen , weder mit dem Grabstichel ,

noch durch Aetzen , im Kupfer zu erhalten ist “

(Joachim von Sandrart, Teutsche Academie I, [1675] 3 [Malerei], SS. 101 f.).

Und ausführlicher zur Technik und ihrer Bedeutung gelegendlich der Ausstellung Die also genannte Schwarze Kunst in Kupfer zu arbeiten im Landesmuseum Mainz 2009:

„ Die Besonderheit des Verfahrens ist rasch erklärt: Wurden bisherige Tiefdrucke, etwa der Kupferstich oder die Radierung, durch Zeichnen und Schraffieren mit einem scharfen Werkzeug auf einer glatten oder mit einer Schutzschicht präparierten Druckplatte aus Kupfer erzeugt, so drehte das Mezzotintoverfahren alles Bisherige ins Gegenteil. Die Idee ist die einer gleichmäßig aufgerauten Druckplatte aus Kupfer als Ausgangspunkt.

Auf dieser gerasterten Fläche werden nun durch Glätten der Erhebungen und Vertiefungen durch ein Schabeisen Flächen erzeugt, die keine Farbe aufnehmen können. Das Bild wird dabei in subtraktiver Vorgehensweise aus dem Dunkel der Grundfläche gearbeitet …

Der Soldat und Künstler Ludwig von Siegen erfand 1642 das Raster für die Bilddarstellung und zugleich die erste Drucktechnik, mit der Halbtonwerte erzeugt werden konnten. Das Ergebnis befremdete die Kunsttheorie und begeisterte Sammler. Ein Bild ohne Zeichnung war seit den Anfängen theoretischer Betrachtungen im Italien des 15. Jahrhunderts kaum vorstellbar. Seit Albertis Malereitraktat hatte die Zeichnung eine unangefochtene Bedeutung für die Komposition von Bildern und im 16. Jahrhundert stellten Theoretiker wie Giorgio Vasari und Paolo Lomazzo die Qualität einer Malerei, die scheinbar ohne das Mittel der Zeichnung agierte, sogar in Frage.

Demgegenüber zeigten die Resultate einiger Schabkünstler aber Effekte, welche mit der bisherigen Druckgraphik nicht zu erzielen waren.

Kein Kupferstich war in der Lage ,

das satte Schwarz und die Chiaroscuro-Kontraste

eines Mezzotintodrucks zu erreichen .

Keine Technik konnte Gemälde überzeugender kopieren, denn die Halbtonschritte des Mezzotinto ähneln dem Arbeiten mit Tonwerten in der Malerei …

Ludwig von Siegens Erfindung zeigte, dass ein neuer Weg in der Graphik abseits der traditionellen Regeln der Bildgestaltung, zu beachtlichen Ergebnissen führen konnte. Paradox erscheint dabei, dass dies zu einer Zeit der großen Erfolge des Akademismus in der Kunsttheorie geschah, deren starre Vorstellungen diese Erfindung ja Lügen strafte. Im 17. Jahrhundert wurden in vielen europäischen Städten Kunstakademien gegründet, die eine bedeutende Rolle bei der Ausbildung von Künstlern, der allgemeinen Geschmacksbildung und bei der Ausrichtung künstlerischer Programme übernahmen.

Die Entwicklung Ludwig von Siegens Erfindung lag abseits der Regeln und Vorstellungen eines starren Akademismus … “

(Frithjof Schwartz, Im Anfang war das Raster, in Frankfurter Rundschau, 16. 11. 2009).

Doch damit nicht genug, ist es das Verdienst von Werner Busch, der technischen Seite ihren geistigen Überbau zur Seite zu stellen als

„ Leonardo einer der ersten (ist), der konstatierte, dass es in der Natur keine Linien gibt. Erstaunlich hellsichtig stellte er fest, dass jede Wiedergabe von in der Natur Gesehenem in Form von bloßen Linien eine Abstraktion darstellt. Alles was wir sehen, nehmen wir als Erscheinung wahr. Gegenstände haben zwar ihre Grenze, die uns in der Nähe schärfer als in der Ferne erscheint. Doch auch Nahsichtiges hat einen Licht- oder Schattenrand, eine minimale atmosphärische Übergangszone zu anderen im Raum befindlichen Dingen … Leonardo stellte sich die Aufgabe, der Naturerfahrung entsprechend das Bild als ein atmosphärisches Kontinuum erscheinen zu lassen … Diese Erfahrung ist Voraussetzung für eine erst am Anfang des 16. Jahrhunderts erfundene graphische Technik … den Clair-obscur-Holzschnitt … Im 17. Jahrhundert fand (dieser) nur vereinzelt Verwendung. Im 18. Jahrhundert erfuhr er überraschenderweise eine Renaissance. Überraschend deswegen, weil man seit dem späten 17. Jahrhundert ein neues graphisches Verfahren besaß, das in der Lage war, Flächen zu drucken: das Mezzotintoverfahren. Hier waren feinste Nuancen und Übergänge möglich … Mitte des 18. Jahrhunderts kam ein weiteres Flächendruckverfahren hinzu, die Aquatinta. Mit ihr war einfacher zu verfahren, sodass in dieser Technik verstärkt Künstlergraphik entstand, während die Mezzotintotechnik versiertere (Sperrung nicht im Original, im übrigen: doch keineswegs nur) Reproduktionsgraphiker voraussetzte … Allerdings hatte die Aquatinta einen Nachteil: Als Flächenätzverfahren konnte sie nicht die feinen Übergänge des Mezzotinto erzielen … “

Indes bedingt die schon besagte extrem schnelle Abnutzung der Mezzotinto/Schabkunstplatte  eine entsprechend große Seltenheit dieser Blätter , woran denn auch etwaige Neuauflagen wenig zu ändern vermochten. Verstärkt im Falle der Ridingerschen Schabblätter zusätzlich durch den Charakter eines Gros der Blätter als dem unmittelbaren Verschleiß unterworfene Thesenblätter. Entsprechend auch Thienemann 1856 ( ! ) generell:

„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel

fast gar nicht mehr … zu bekommen …

sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger

gefertigte (sind) so selten ,

dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … “

(Seiten VIII + 270).

Soweit nichts Gegenteiliges erwähnt ,

adelt die nachfolgend offerierten Qualitäten

ihre Herkunft aus den Sammlungen

Gräflich Faber-Castell

deren Ridinger-Versteigerung 1958

mit ggf. deren Lot-Nr. auf dem Untersatzkarton

Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen

(1922-2004)

Johann Elias Ridinger

Gravè par son tres humble et

obéissant fils Jean Jaq. Ridinger

Johann Elias Ridinger. Selbstbildnis in Halbfigur en face. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger. Bezeichnet: Jean Elie Ridinger inv. et del. / Dedié à Monsieur Jean Elie Ridinger Peintre et Graveur et Directeur de l’Académie d’Augsbourg. Gravè par son tres humble et obéissant fils Jean Jaq. Ridinger. An. 1767. 39,2 x 26,6 cm.

Thienemann XXI, 3; Schwarz 5; Slg. Coppenrath II (1889), 1448; Helbing XXXIV (1900), 4; Schwerdt III (1928), 133; Rosenthal 126 (1940), 444; Ridinger-Katalog Darmstadt (1999) I.3 m. Abb.; Siebert-Weitz, Ridinger (1999), Abb. 1; Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Joh. El. R. in L’Art Macabre 2 (2001), 94 ff.

Das wichtigste der graphischen Selbstbildnisse

weiterentwickelnd den zeichnerischen Vorgänger aus 1741 – Schwarz I, XIX + II, Tafel I – , der in ähnlichem Ambiente den weit Jüngeren gleichfalls bei der Lampe, doch ohne Fensterrahmung, vanitastraulichen Globus und vor allem ohne den schweren Vorhang zeigt, seit dem Mittelalter ein Träger des Geheimen und Verborgenen und von Ridinger seit dem Titelblatt zur 1722er Reitschule wiederholt bewußt eingesetzt.

verkauft

» (Maximilian Speck von Sternburg)

hat in drei selbstverfaßten Bestandskatalogen

die Herkunft der Bilder immer dann vermerkt,

wenn sich angesehene Vorbesitzer namhaft machen ließen.

Galten illustre Provenienzen

doch als wertsteigernde Gütesiegel.

Wie vornehme Stammbäume

schienen sie den Rang von Bildern zu erhöhen.

Wer von sich sagen durfte, er verfüge über Werke,

die einmal das Eigentum bekannter Kenner waren ,

bewies damit, neben Reichtum und Fortune,

das eigene Qualitätsgespür

und machte sich selber einen Namen.

Max Speck war sich dessen zweifellos bewußt.

Kunstsammeln war ihm nicht nur inneres Bedürfnis,

sondern zugleich ein Mittel,

den persönlichen Erfolg

sowie sozialen Aufstieg zu bekunden «

Dieter Gleisberg

Die Gemäldesammlung Maximilian Speck von Sternburgs – Quellen und Konturen

in Maximilian Speck von Sternburg, Leipzig 1998, Seite 23/II

Ridinger, Ungar

Der Ungar. / L’Hongrois

Nach väterlicher Vorlage. Bezeichnet: Joh. Elias Ridinger del. / Joh. Jacob Ridinger sculps. A.V., ansonsten wie vor. 51,4 x 42,1 cm. – Schwarz (1910) 1475 + II, Tafel XXXIV; Gräflich Faber-Castell (1958) 165; Wend, Ergänzungn zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975), 107.

Nicht  bei  Thienemann (1856) + Stillfried (1876) , Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) , Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Reich auf Biehla (1894) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Etwa gleichformatige Wiederholung im Gegensinn von Th. 1236 (fehlte Baron Gutmann/Schwarz), zugehörig der 4blätt. Folge von Conversationsstücken als Thienemann’s 3. Gruppe „Genrebilder vermischter Art“ unter Verzicht auf den dt.-lat. Untertext („Der muntere Ungar tanzt nach Trommel und Schalmayen … “). – Mit wohl WANGEN-Wz. wie für zeitgenöss. Abzüge stehend. – Von satter Druckqualität mit schönem Hell-Dunkel.

Angebots-Nr. 14.880 / verkauft

Von größter Schönheit

Ridinger, Pastor Bonus

PASTOR BONUS

im bislang unerkannt gebliebenen Zweitzustand

Nach väterlicher Vorlage. Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger del. A. V., ansonsten wie vor. 50,5 x 36,9 cm.

Thienemann + Schwarz 1270 (vgl. Schwarz II, Taf. XLI als „Variante“, recte Erstzustand, 1488); Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX, 1998 ( „Sehr selten“, 1885 ! ); Reich auf Biehla ( „Selten“, 1894 ); Gräflich Faber-Castell (1958) 108. – Boerner + Biehla ohne Zustandsangabe.

Nicht  bei Weigel, Kunstlager-Catalog I-XXVIII (1838/57; dort nur per 18.543 ein Pastor bonus in Oktav) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Slg. Hamminger (1895) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940) .

Das unerhört sympathische Sujet

in herrlichem Exemplar leuchtenden Hell-Dunkels.

Bei sonstigen minimalen Abweichungen kenntlich an der stilistisch fortentwickelten Kartusche im unteren, ansonsten leeren Textfeld, von Schwarz als Routine faux pas ausdrücklich als Barockkartusche angesprochen, wie mit ihrem Muschel-Dekor und der geschwungenen Seitenführung mit Ornamentfuß tatsächlich nur auf 1488 zutreffend. Die hiesige hingegen mit Ausnahme der seitlichen, gleichwohl auch versachlichten Weinblätter jeglichen Dekors entkleidet und auch seitlich glatt-streng geschlossen. Im Unterrand derselben noch die obere Linenführung der unteren der beiden früheren Muscheln zart sichtbar.

Mit WANGEN-Wz. wie für alte Abdrucke stehend und mit 3-5,5 cm breitem Rand rundum bei partiell noch leichtem Plattenschmutz im seitlichen und unteren Plattenrand. Die gänzlich geglättete einstige Mittelfalte bildseits nicht wahrnehmbar. Säurefrei hinterlegter Kleineinriß im weißen rechten Seitenrand.

Gleichermaßen selten sowohl hiesige Th./Schwarz 1270 als auch Schwarz 1488, von letzterer hier für die 80er Jahre ein Exemplar im Handel nachweisbar ist. Als „Selten“ schon 1850 bei Weigel per 18543 ein Pastor bonus in ganzer Figur geführt (zusammen mit St. Johannes Baptist + St. Josephus), doch als oktavformatig nicht identisch mit anstehendem. Ob es sich bei jenem um die kompositorisch gänzlich andere Th./Schwarz 1322 handelt – auf Wolken thronender Christus, den rechten Fuß auf dem Schädel des Drachen – , muß offenbleiben, da beide kein Format nennen.

Angebots-Nr. 14.876 / EUR  1995. / export price EUR  1895. (c. US$ 2067.) + Versand

Ridingers größte Kreuzigung

Ridinger, In manus tuas

vor dem Hintergrunde dessen

was Jerusalem’s Unvergänglichkeit ausmacht

In manus tuas com(m)endo Spiritum meum

et hæc dicens expiravit. Luc. 23.

Nach väterlicher Vorlage. Bezeichnet: I. N. R. I. am Kopf des Kreuzes / Ioh. Iacob Ridinger sculps. / I. El. Ridinger excud. Aug. Vind., ansonsten wie vor. 63,3 x 45,1 cm.

Schwarz 1492 nebst Abb. II, Tafel XLII; Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975), 155 (Schriftvariante); Faber-Castell 167.

Nicht bei Thienemann (1856) , Stillfried (1876) , Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) , Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885; „ von grösster Reichhaltigkeit … [viele Seltenheiten] “) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Reich auf Biehla (1894; „ Von allen [R.-Slgn.], welche seit langer Zeit [verhandelt wurden], kann sich keine in Bezug auf Vollständigkeit und Qualität auch nur annähernd mit der vorliegenden … messen … besonders die Seltenheiten und unbeschriebenen Blätter, welche in reicher Anzahl vertreten sind “) , Gg. Hamminger (1895) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Von kontrastreichem Hell-Dunkel – herrlich das Spiel des von oben einfallenden Lichts – bestimmter schöner schwarzer Druck mit typograph. Wz. (WANGEN?) bei umlaufend 1,5-2 cm breitem, dreiseits stockstippigem Rand, gleichwohl gesamthaft wenig bemerkbar leicht stippig und dubliert. Die zuvor geglättete Mittelfalte noch leicht sichtbar.

Aus der Reihe der neun Kreuzigungen, neben anstehendem hier nachweisbar nur im Exemplar Schwarz (Slg. von Gutmann, 1910, von diesem aber schon 1903 nicht mit der Sammlung Horn erworben) sowie einer hier in den 90ern durchgelaufenen Variante.

Angebots-Nr. 14.862 / EUR  1175. / export price EUR  1116. (c. US$ 1217.) + Versand

S. Ioannes Baptista

Ridinger, Johannes der Täufer

Johannes der Täufer

in einer Oase, auf den nicht sichtbaren Jesus weisend. Nach väterlicher Vorlage. Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger del. A.V., ansonsten innerhalb einer Barockkartusche wie vor. 50,3 x 36,6 cm. – Thienemann + Schwarz 1269; Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX, 1997 ( „Sehr selten“, 1885 ! ); Gräflich Faber-Castell (1958) 107.

Nicht  bei Weigel, Kunstlager-Catalog I-XXVIII (1838/57) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Reich auf Biehla (1894) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Mit 2-2,5 cm breitem Rand rundum. – Durchgehend knitterig und mit großem Eckausriß oben links unter leichter Tangierung des darstellungsfreien Bildrandes. Der Druck selbst von gutem Hell-Dunkel.

Angebots-Nr. 14.959 / EUR  98. (c. US$ 107.) + Versand

Franz von Assisi

Ridinger, Franz von Assisi

als unbeschriebene Variante

von Th. 1288 , Schwarz 1288 + 1543

S. Franciscus Seraphicus. Mit gekreuzigtem Seraph neben oben grasbewachsenem Felsen als Attribut des „für Heilige gültige(n) Ideal(s) der Buße in der Wildnis“ (Nicole Hartje). Die Rechte der gefalteten Hände mit Kreuzigungswundmal. Nach väterlicher Vorlage. Bezeichnet: Ioh. Iac. Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger exc. Aug. Vind. / S. | FRANCISCUS | SERAPHICUS. (in der Oberschleife der sonst leeren muschelförmigen Kartusche in der breiten Unterkante). 54,6 x 42,5 cm.

Vergleiche Thienemann 1288 (ca. 52,6 x 39,1 cm; ohne die Stecher-Signatur Johann Jacob’s und nur „A. V.“ statt „Aug. Vind.“; unerwähnt geblieben Buchaufschrift + Felsstaffage; vgl. Schwarz 1543, hingegen allein formatmäßig nicht identisch mit Schwarz 1288) – Schwarz 1288 (61,8 x 49,5 cm; ohne die Buchaufschrift, doch mit dem Felshintergrund; gekürzte Signatur wie Th. 1288, dessen Identität von Schwarz vorsorglich in Frage gestellt) – Schwarz 1543 (56,4 x 41,2 cm; mit Buchaufschrift, doch ohne den Felsen, gekürzte Signatur wie vor, doch „excud.“ statt nur „exc.“).

Reich auf Biehla 250 ( „Aeusserst selten“, 1894 ! Ohne Zustandsangabe + „Etwas beschädigt.“ ); Faber-Castell 115 (unachtsam als Version Schwarz 1288). – Als Th. + Schwarz 1288 irrtümlich für identisch gehalten nicht bei Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975).

Nicht bei Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885), in Sammlungen Coppenrath (1889 f.) + Hamminger (1895) , bei Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900) + Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Das schöne große Blatt des Ordensgründers

(1182-1226) in schwerem Büßergewand mit deutlichem Bezug auf seine Vision eines gekreuzigten Seraphen, welcher ihm „unter brennendem Schmerz Jesu Wundmale ein(drückte), woher er den Namen des  seraphischen  Vaters , sein Orden den der seraphischen Brüder erhielt.“

Ridinger widmete dem Heiligen nach derzeitiger Kenntnis acht Versionen bzw. Varianten, davon fünf in enger Anlehnung an das 1288er Sujet (neben den schon erörterten samt hiesigem noch die verkleinerte Kopie von Schwarz 1288 per Stillfried/Schwarz 1423, 34,4 x 23,7 cm), zwei dem Thema generell verbundene (1339, 34,1 x 22,9 cm + Schwarz 1544, 64 x 45,3 cm) und Schwarz 1542 als gänzlich eigenständig (49,9 x 37,6 cm).

Doch einzig die hiesige unbeschriebene Variante

zusätzlich mit Johann Jacob’s Stecher-Signatur .

Allen gemein im übrigen ihr praktisch gänzliches Fehlen am Markt. Von den literaturbekannten fand sich hier lediglich Th. 1339 innerhalb der gut bestückten Schababteilung von Rosenthal’s Ridinger-Offerte aus 1940 (Nr. 420) + 1958 bei Faber-Castell (123).

Die auffallende Zugewandtheit Ridinger’s gegenüber Franz von Assisi wohl nicht zuletzt stimuliert von einem „Er predigte den Tieren“. Hier denn vorliegend in sehr schönem, nuancenreichem Druck. Und der geistige Gehalt der körperlichen Aussage widergespiegelt vom Hell-Dunkel.

Mit WANGEN-Wz. nebst Nebenmarke wie für zeitgenössische Abdrucke stehend. Der umlaufende Rand ungleichmäßig auf zwischen 1 mm kurzem Extremfall und 15 mm bei dreiseits meist 10-15 geschnitten. Zwei längere und drei kurze Rißspuren, jeweils nur fein, professionell restauriert und solchermaßen ohne bemerkenswerte Störung des auch erhaltensmäßig sehr schönen Gesamteindruckes. Hinterlegt zudem drei Kleineinrisse im weißen Rand.

Angebots-Nr. 14.860 / EUR  1730. / export price EUR  1644. (c. US$ 1793.) + Versand

St. Ulrich

Ridinger, Christoph Thenn

Gelebter Augsburger Religionsfrieden vor Ort

Hier sein

evangel.-luth. Pfarrer der Ridinger-Zeit

M. Johann Christoph Thenn von Augsburg

Evang. Pfarrer bey St. Ulrich …

Nach Gabriel Spitzel (auch Spizel, 1697 Augsburg 1760). Bezeichnet: Gabriel Spitzel pinxit. / Joh. Jacob Ridinger sculps. A.V., ansonsten wie vor + nachfolgend. 40,3 x 26,7-26,9 cm.

Thienemann-Stillfried (1876) + Schwarz (1910) 1436, beide nur im Erstzustand; Slg. Gg. Hamminger 1887 ( „Sehr seltenes Blatt“, 1895; ohne Zustandshinweis ); Gräflich Faber-Castell (1958) 148.

Nicht  bei  Th. selbst (1856) , Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) , Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Reich auf Biehla (1894) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Unbeschriebener Zweitzustand mit zusätzlicher 6. Zeile

wie Stillfried + Schwarz unbekannt geblieben. Beide übereinstimmend mit nur 5 Untertext-Zeilen, endend mit „gebohr. Ao. 1729 d. 28. Oct. / Zum Predigtamte berufen Ao. 1758.“  Hier  denn  gefolgt  von

„Zum Pfarramt 1771 und zum Seniorat 1776.“.

Spitzel, befreundet mit Johann Jacob’s Vater Johann Elias Ridinger, für den er die wichtigen frühen Aufenthaltsjahre bei Graf/Baron von Metternich in Regensburg arrangierte, war selbst auch Schabkünstler und Verleger, gab den Verlag indes 1739 zu Gunsten von Mobilität (u. a. Gera, Halle, Köthen, Berlin, ab 1756 wieder in Augsburg) auf. Thieme-Becker XXXI (1937), 391 f. erwähnen unter seinen Bildnis-Ölen evangel. Pfarrer nur die von Rentz + Schleißner, letzterer an der Augsburger Kreuzkirche.

Unten mit 12 mm Rand, links mit ungleichmäßig feinem Rand/Rändchen, oben + rechts meist auf Platten/Bildkante geschnitten, doch immer noch größer als Baron Gutmann’s Exemplar (Schwarz) mit nur 39,8 x 26,8 cm. Der sichtbaren Altersspurigkeit (geglättete Knitterigkeit, horizontale Mittelfalte mit 3 cm Einriß, ein solcher auch im Vorhang am oberen Bildrand, vier unwesentlich-kleine Abschabläsuren, die partielle rückseitige Stockstippigkeit bildseits nur im Textfeld bemerkbar) steht die belegte generelle Seltenheit des Blattes gegenüber, potenziert durch

den Berufsweg Pfarrer Thenn’s fortschreibenden

unbeschriebenen Druckzustand ,

wie 1958 für Faber-Castell unbeachtet geblieben. En passant zugleich als , mit St. Ulrich als Doppelkirche ,

ein frühes Beispiel evangelisch-katholischer Ökumene .

Angebots-Nr. 14.875 / EUR  230. (c. US$ 251.) + Versand

niemeyer’s — für ridinger-schabblätter feinster qualitäten

Johann Jacob als Zeichner?

Viel Luchse sind der Hirsche Tod. Eingefaßte Feder- und Tuschpinselzeichnung in Schwarz (Umriß) und Graubraun auf chamoisfarbenem festen Velin. 323 x 493 mm.

Verso unten rechts Namenszug eines mutmaßlichen Vorbesitzers in Bleistift, lesbar nur das „G:“ des Vor-, nicht der längere Nachname und eine von umlaufendem schmalen Kantenstreifen früherer Montage auf Rahmungskarton halbverdeckte Zweitzeile. – 3,5 cm langer Einriß in der rechten Oberecke und ein weiterer kleiner in der Himmelspartie ebenso versorgt wie die kleine Eckergänzung unten rechts. – Verso unwesentlich stock- und altersfleckig.  –  Nicht  Provenienz  Faber-Castell/Castell-Rüdenhausen  –

Inhaltlich sind es die verschiedensten bald direkten, bald indirekten Ridinger’schen Bildkomponenten, angeführt von dem luchsbefallenen aufgerichteten Kapitalen à la Th. 1144, doch ebenso an den Salto Mortale-Steinbock von Th. 363 erinnernd, dessen dort unter ihm hochspringender Luchs hier der rechtsseitige ist. – Bildhaft ausgesprochen dekorationsstarke

rasante , geradezu aufregend chaotische Komposition

deren kürzliche Passage auf prominenter Auktionsbühne als Johann Elias Ridinger papierseits a priori ausgeschlossen ist, gleichwohl in großem Kontext zu diesem steht. Nämlich zur beeindruckend inhaltsreichen

kompositionell + formatmäßig gleichartigen Luchs-Hirsch-Gruppe

des Ridinger-Appendix von Johann Elias Ridinger’s Kunstnachlass in Handzeichnungen innerhalb des 1869er „Catalog(s) einer Sammlung von Original-Handzeichnungen … gegründet und hinterlassen von J. A. G. Weigel (1773-1846) in Leipzig“ und dort innerhalb der Hirsch/Reh-Gruppe wie folgt positioniert:

Es war schon immer etwas aufregender ,

auf der Welt zu sein

Famoses Ridingerianum ,

mit jedem erneuten Betrachten fascinierender

Und ergänzend aus Sammlung Coppenrath II (1889) die dortigen Positionen

Offensichtlich  alle  mehr  oder  weniger  gleichen  großen  meist  Quer-Formates , ergeben die Datierungen für ihre Entstehung mit 1745-1747 einen thematisch wie zeitlich eng begrenzten Rahmen von allenfalls drei Jahren. Was fragen läßt, was den Meister damals wohl so luchste, ob er ein bestimmtes, doch, wie hier schon an Hand zeichnerischer Lockruf-Arbeiten belegt, unrealisiert gebliebenes eigenständiges Luchs-Hirsch-Projekt verfolgte. Meist signiert, verweisen sie auf Johann Elias selbst. Was Studien des herangewachsenen Ältesten, Martin Elias, an Hand väterlicher Versatzstücke – denn zumindest anstehende Arbeit besteht durchgängig aus solchen – ausschließt. Inwieweit die Mitvierziger-Arbeiten diesbezüglich tatsächlich neue Gruppen und damit einen Steinbruch für zukünftige Arbeiten – wie etwa für die lt. Schwarz mit 1752/53 anzusetzende Zeichnung zur besagten Luchs-Steinbock-Komposition von Th. 363 – darstellen, bedarf weiterer Untersuchung.

Als die Mitvierziger betreffend, kommt die Hand des Vaters für anstehende Arbeit als auf Velin (linienfrei) nicht in Betracht. Um 1750 in England entwickelt, kam dieses herstellungsmäßig erst 1779 auf den Kontinent (Frankreich) und 1783 nach Deutschland. Analog zu den von Johann Elias lt. Eigenbekunden für die kolorierten Werke favorisierten holländischen Papiere ist für die Spätzeit ein Einsatz von Velinpapier außerhalb der bislang erwiesenermaßen graphischen Arbeiten unabhängig von dessen lokaler Herstellung generell umso weniger auszuschließen, als sich schon Johann Elias als Mitzwanziger mit einer Hirschhatz (Schwerdt III, Tafel 214; erlebnis ridinger, S. 5; jeweils farbig) als lt. Wend dem „vermutlich früheste(n) deutsche(n) Schabkunstblatt in Farben“ als einen auch technischen Vorreiter etabliert hatte.

Immerhin tauchte in jüngerer Zeit im deutschen Handel eine mit Ridinger’s Jüngstem, Johann Jacob, in Verbindung gebrachte Waldlandschaft (Feder in Schwarz, mit Pinsel in Schwarz, grau laviert, 268 x 400 mm) mit Velin als Zeichengrund auf, die mit den vier 1773/74er folioformatigen signierten Zeichnungen (Jacob Ridinger del.) der Sammlungen Marschall von Bieberstein (Catalog der Handzeichnungen, Prestel 1879, 110: Waldgegenden mit Hirschen und Wildschweinen, Kreide) bzw. 1885 aufgelöster schlesischer Ridinger-Sammlung (Boerner XXXIX, 2079: Schöne Waldlandschaften mit Hirschen, wilden Sauen etc., Trefflich ausgeführte Bleistiftzeichnungen. Aufgezogen) korrespondiert und Blatt 15, Th. 210, der Brockes-Folge zitiert, zugleich aber durch weglassende Verfremdung der drei Sauen (sic!) Insider-Vertrautheit signalisiert.

Mit den vier Waldlandschaften nur als Literaturbekannten überwog im Falle der hier vorgelegenen unbezeichneten die Gewichtung des Papiers als Negativum. Was auch auf nun anstehende Luchs-Hirsch-Zeichnung zuträfe, wäre da nicht …

Wäre da nicht Th. 1144 mit namentlich dem gewichtigen Specificum des sich bäumenden Kapitalen mit dem einen Luchs am Halse und dem anderen am Bauche, siehe oben. Und stammte die Übertragung nach väterlicher Vorlage ins Kupfer nicht eben von … Johann Jacob!

Womit dessen Beschäftigung mit jener merkwürdigen Mitvierziger-Gruppe auf silbernem Tablett liegt. Fiele die Entstehung des Kupfers in die Zeit nach Ableben des Vaters, bei dem Johann Jacob 31 war, fiele sie in die Zeit generellen Aufarbeitens väterlicher Hinterlassenschaft seitens der Söhne. Wie nicht zuletzt oben beigezogene Luchs-Steinbock-Variante aus der erst 1779 abgeschlossenen Folge der Vorfallenheiten.

Sind diese Überlegungen zur Urheberschaft anstehender Zeichnung zwangsläufig nicht zwingend, so nach derzeitigem Wissensstand gleichwohl plausibel. Und denkbarer, als daß einer der verschiedensten Ridinger-Kopisten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sich ausgerechnet mittels eines von ihm nach hiesiger Übersicht nicht verwandten Luchs-Hirsch-Themas als Dominante eingeübt haben sollte. Für der letzteren Luchs-Erfahrung aber konnte Johann Jacob auf obige beeindruckende Passage väterlicher Vorlagen zurückgreifen. Mit jeder Arbeit als einer Variante. Und mit anstehender als einer weiteren. Und mit 13 als den meisten Hirschen dazu. Und eben diesem Scenarium widmete er Th. 1144 als eines großen, anspruchsvollen Blattes. Nach eben väterlicher Vorlage. Gleichwohl folgt die Wertung dem Blatte als solchem.

Ein Ridingerianum mit Fragen . Gewiß . Doch nicht ohne Antworten .

Die hiesigerseits auf Johann Jacob verweisen , je öfter das Blatt betrachtet , die Fakten gewichtet werden .

Angebots-Nr. 16.029 / Preis auf Anfrage

— siehe bezugreich auch Die verfolgten Hirsche vom Walensee

niemeyer’s — wo  ausgefallenes  zu  hause  ist

Augsburger Säuglingsernährung

Ridinger, Haushalt

Vordergründig harmlos-reizvolles Genre —

unterlegt von Vanitas-Symbolik

Der vernachlässigte Haushalt

Der über dem Essen am schrägstehenden Tisch eingeschlafene Junge und die das Baby versorgende Amme. In Schräglage auch die Kaffeekanne auf dem Bord. Foliant, Blockflöte + Würfel als zusätzliche Vanitates. Nach väterlicher Vorlage. Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger excud. Aug. Vind., ansonsten wie nachfolgend. 40 x 45,3 cm. – Nicht Provenienz Faber-Castell/Castell-Rüdenhausen.

Schwarz 1473 + Tafel II, XXXII; Mörgeli + Wunderlich, Über dem Grabe geboren – Kindsnöte in Medizin und Kunst (zur gleichnamigen Ausstellung im Medizinhistorischen Museum der Universität Zürich), 2002, innert Säuglingsernährung, S. 196 nebst Abb. – Nicht bei Thienemann (1856) + Stillfried (1876) und mit Ausnahme von Baron Gutmann (Schwarz, 1910) + Gräflich Faber-Castell (1958) hier auch anderwärts nicht nachweisbar.

Alt per Eckmontage auf besonders breitrandiges schweres Bütten aufgelegt, welches an zwei Außenrändern angebräunt ist. – Rechts mit durchgehend, unten teilweise mit feinem Rändchen, ansonsten meist auf Plattenkante geschnitten. – Mit dt.-latein. Vierzeiler:

Der große Junge schläft. Die Am(m)e puzt das Kind.
Die Kaze frist vom Brey, da sie unnachtsam sind.
Sieht man nicht im(m)erdar besorgt auf seine Sachen;
So wird ein andrer sich dieß bald zu Nuze machen.

Das druck- und erhaltensmäßig herrliche Exemplar

einer gepflegten Sammlung von in allen Partien nuanciert leuchtendem Hell-Dunkel. Und solchermaßen von ganz außerordentlicher Seltenheit nicht allein am Markt, sondern generell, wie denn über Thienemann hinaus auch Graf Stillfried noch unbekannt geblieben! Hier nun erstmals über seinen nur vordergründigen „Haushalt“-Aspekt vorgestellt als

eine weitere jener hintergründigen Arbeiten ,

die den „verharmlosten Ridinger“ (Niemeyer) als einen Meister auch der Vanitates zeigt.

Angebots-Nr. 28.409 / EUR  1994. / export price EUR  1894. (c. US$ 2066.) + Versand

Die beiden Trier verbundenen

Marchesini-Kirchenväter

Marchesini, St. Amrosius

„ Vater der lateinischen Hymnologie “

S. Ambrosius. Links zur Seite Engel mit Bischofsstab + Tiara. Nach Alessandro Marchesini (1664 Verona 1738, tätig in Verona, Venedig, Padua). Bezeichnet: Marchesin pinxit a Venetia. / Ioh. Iacob Ridinger sc. / Ioh. El. Ridinger exc. A. V., ansonsten in der oberen Kavität der Muschel-Kartusche S. | AMBROSIUS. 53,2 cm Blatthöhe x 41,3 cm Plattenbreite.

Schwarz 1532; Faber-Castell 171; Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975), 206.

Nicht bei Thienemann (1856) , Stillfried (1876) , Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) , Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Reich auf Biehla (1894) , Gg. Hamminger (1895) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Das erste der beiden großen

eleganten Sujet-Pendants nach Marchesini

in sehr schönem, kontrastreichem Druck mit WANGEN-Wz. wie für zeitgenössische Abdrucke stehend, unten indes und parallel zum nachfolgenden Hieronymus-Blatt innerhalb der für Eintragungen individueller Natur bestimmten, gleichwohl bei den erhaltenen Exemplaren in der Regel leergebliebenen – und hier solchermaßen offenbar als bildentbehrlich empfundenen – Schrifttafel mit Muschelkartusche unter 3,8 cm Verlust beschnitten, ansonsten dreiseits 2-3 mm umlaufendes Rändchen. Im Bild selbst – in dessen rechter Oberecke mit rotem Kreidestift genummert „75“ – einige Falten + Fältchen. Einige wenige Randeinrisse, deren längster 4 cm in die Bildfüllung hineinreicht. Von den rückseitigen leichten Stockstippen vereinzelte ins Bild durchschlagend. Unbeschadet dessen unbedingt erfreulicher Gesamteindruck, nicht zuletzt rücksichtlich der Seltenheit dieser Blätter, wie denn die Ridinger’schen nach Marchesini schon 1839 Nagler (VIII, 304) unbekannt geblieben sind.

Hier denn aus dem Mark der Kirchengeschichte

der erste ihrer vier großen Lehrer

„ Berühmter Kirchenlehrer , geboren  um  340  zu  Trier  als Sohn eines römischen Präfectus Prätorio (Galliarum als einem ‚der höchsten römischen Staatsämter‘), war in Rom Sachwalter, bis ihm die Statthalterschaft von Oberitalien übertragen wurde. Obgleich noch nicht getauft, mußte er 374 der Wahl zum Bischof von Mailand Folge leisten … von Einfluß ist seine Unterscheidung zwischen den allgemeinen und den vollkommenen Pflichten, wohin er z. B. die Ehelosigkeit rechnete … durch seine Liederdichtungen wurde er

der Vater der lateinischen Hymnologie “

(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., I [1889], 449 f.). Und das Biographisch-Bibliographische Kirchenlexikon (2002) mit im übrigen „etwa 333, vielleicht auch erst 340“, eine andere Quelle hält 339 für möglich, als Geburtsjahr

„ der bedeutendste

abendländische Kirchenfürst und Prediger des 4. Jahrhunderts “

entstammend einem „der ältesten Adelsgeschlechter Roms“.

Angebots-Nr. 14.867 / EUR  685. / export price EUR  651. (c. US$ 710.) + Versand

Marchesini, St. Hieronymus

Marchesini’s Kardinal - Hieronymus

S. Hieronymus. Seitlich nach unten blickend, um von dem hinter seinem Stuhl stehenden Engel seine Inspiration zu empfangen. Dieser ist soeben zwischen dem schweren Vorhang – stehend für den Vorhang des Lebens, seit dem Mittelalter denn auch Symbol des Geheimnisvollen – hervorgetreten. Auf dem Tischchen neben Kardinalshut + Tintenfaß Martergeißel Christi. Links zu seinen Füßen Vorderteil des friedlich ruhenden Löwen. Nach Alessandro Marchesini wie vor. Bezeichnet: Marchesini pinxit a Venetia. / Ioh. Iac. Ridinger sculps. / Ioh. Elias Ridinger exc. A. V., ansonsten in der oberen Kavität der Muschel-Kartusche S. | HIERONYMUS. Blattgröße 55,7 x 42,5 cm.

Schwarz 1548 (Schrift-Variante: „Iacob“ + „I. El. … excud.“); Faber-Castell 176 (ohne Erwähnung der Variante gegenüber Schwarz); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975), 229 (Schrift-Variante: „Iac.“ wie hier, sonst wie Schwarz).

Nicht bei Thienemann (1856) + Stillfried (1876) , Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) , Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885) , in den Sammlungen Coppenrath (1889 f.) , Reich auf Biehla (1894) + Hamminger (1895) , bei Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900) + Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Der nach jugendlicher Vergangenheit zu gleichfalls den hervorragendsten Lehrern der Kirche aufgestiegene Hieronymus (Stridon/Sdrin, Kroatien, um 340/42 – Bethlehem 420 [419?] in sehr schönem, kontrastreichem Druck mit Schrift-Variante, ansonsten mit WANGEN-Wz. wie vor. Unten wie parallel zu obigem Pendant-Ambrosius innerhalb der Muschelkartusche unter 2 cm Verlust beschnitten. Das ansonsten dreiseits umlaufende fein(st)e Rändchen zweiseits tlw. (aus)rissig, vereinzelt bis an die Bildkante. Im Bild selbst – in dessen rechter Oberecke mit rotem Kreidestift genummert „80.“ – einige Falten + Fältchen, spätestens unter Passepartout von noch unbedingt erfreulichem Gesamteindruck, nicht zuletzt rücksichtlich der Seltenheit dieser Blätter, wie denn die Ridinger’schen nach Marchesini schon 1839 Nagler (VIII, 304) unbekannt geblieben sind.

Angebots-Nr. 14.866 / EUR  790. / export price EUR  751. (c. US$ 819.) + Versand

Aufstieg zum Gipfel

Ridinger, Totentanz

„ Das große Totentanzblatt “

als Kreiskettenreigen von neun Frauen plus Gerippen um geöffneten Sarg mit zwei Gerippen inner- und außerhalb der Friedhofsmauer als Mittelstück. Darüberhinaus, zurückgesetzt, Kapelle + Beinhaus (?) samt Mauern. In den Ecken Sündenfall – Golgatha – Ewiges Leben + Fegefeuer, dazwischen zwei Textkartuschen. Umgeben im Außenfeld von 12 Medaillons nebst Textkartuschen für den Tanz der Männer, getrennt von 8 (6 verschiedenen) Vanitas-Attributen. Nach väterlicher Vorlage. Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger excud. Aug. Vindel., ansonsten wie nachfolgend. 65,3 x 48 cm.

Thienemann-Stillfried + Schwarz 1428; Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX, 2032 ( „Aeusserst selten“, 1885 ! ).

Abbildung in L’Art Macabre 2, Jahrbuch der Europ. Totentanz-Vereinigung, D’dorf 2001, innerhalb des hiesigen Beitrags „Die Vanitas-Symbolik bei Joh. El. Ridinger“. – II. Zustand (von 2?), wie auch das Explr. der Staatlichen Graphischen Sammlung München. – Die Exemplare Stillfried + Schwarz, Boerner  und das der Versteigerung Gräflich Faber-Castell (1958) als

„ Das große Totentanzblatt / Hauptblatt “

an Hand ihrer Beschreibungen zustandsmäßig nicht fixierbar. Hingegen erweist sich das von Patrick Pollefeys im Internet vorgestellte als früherer, derzeit zu unterstellender Erstzustand.

Nicht bei Thienemann und in Dresden, siehe unten, fehlend den umfangreichen Beständen Weigel (1857), Coppenrath (1889/90) , Wawra (1890) , Reich auf Biehla (1894; „Von allen [R.-Slgn.], welche seit langer Zeit [verhandelt wurden], kann sich keine in Bezug auf Vollständigkeit und Qualität auch nur annähernd mit der vorliegenden … messen … besonders die Seltenheiten und unbeschriebenen Blätter, welche in reicher Anzahl vertreten sind“; 1266 Blatt zuzgl. 470 Doubl. + 20 Zeichn.) , Hamminger (1895) , Helbing (1900) , Rosenthal (1940) u. a. m.

Typographisches + figürliches Wz. – Oben + rechts mit nahezu durchgehend feinem Rändchen, links + unten (hier gleichwohl bei 1,5 cm breitem Plattenrand) überwiegend auf Plattenkante geschnitten. – Hälftig alt per Eckmontage auf breitrandiges Bütten aufgelegt, wovon eine Ecke sich unter Rißbildung (restauriert) gelöst hat. Praktisch nicht störende Mittelfalte.  –  Nicht  Provenienz  Faber-Castell/Castell-Rüdenhausen  –

Das druck- und erhaltensmäßig sehr schöne Exemplar

einer qualitätvollen Sammlung von in allen Partien nuanciertem Hell-Dunkel. Und solchermaßen

von größter Seltenheit

nicht allein am Markt, wie oben belegt, sondern generell, fehlend lt. Thienemann auch in Dresden, siehe eingangs, und eben erst 1876 durch Graf Stillfried bekanntgemacht, dessen Zitate indes nicht ganz akkurat.

DAS ERSTE DER GROSSFORMATIGEN ZWEIBLÄTTERIGEN FOLGE

mit der hier nicht präsenten „Allegorie der Lebensalter“ als Gegenstück (Th.-St. + Schwarz 1429; Abbildung des Exemplars in Augsburg in L’Art Macabre 2 wie oben)

ALS EINEM HÖHEPUNKT DER RIDINGER’SCHEN VANITATES

in aktualisierter Wiederholung eines anonymen Flugblattes des späten 16. oder frühen 17. Jahrhunderts, jedenfalls „vor 1623“, als der „nachweisbar früheste(n) und bekannteste(n) Totentanzillustration dieser Art im deutschsprachigen Raum“ (daß bezüglich „nachweisbar“ hierbei tatsächlich, gleichwohl sicherlich irrigerweise, nur an die Nachfolge jenes Anonymus seitens des Nürnberger Verlages von Paulus Fürst gedacht wird, findet unten Erwähnung), nämlich „jener Sonderform des Totentanzes, in der beide Darstellungsformen – der Reigen in Kreisform und der Tanz im paarweisen Aufzug der Lebenden und der personifizierten Tode als den beiden wichtigsten unter den Totentänzen – kombiniert werden“ und damit die „einzige Form (bildet), die in der Lage ist, den Totentanz ‚vollständig‘ darzustellen … (wobei die) Kapelle mit Umfassungsmauer am Horizont (deren Komplex Ridinger hier mittels besagten zweiten Gebäudes nebst eigener Ummauerung erweitert hat) … (als) eine dritte Perspektive … eingeblendet wird … (dies alles entlehnt) der (der Darstellung auf Friedhofsmauern als Ursprung folgenden) geläufigen linearen Form der Buchtotentänze … aber dennoch in Kreisform angeordnet“ (siehe Imke Lüders, Totenreigen-Totentanz, Totentanzillustrationen auf Flugblättern des Barock und ihre Rezeption, in L’Art Macabre 1, D’dorf 2000, nebst Abbildungen, zu denen siehe unten).

Die Kartuschen-Texte jeweils in latein. + deutscher Version. – Im Mittelstück zwischen Golgatha + Ewigem Leben „Der Todt Christi zu nicht hat gemacht / Den Todt, und Sleben wider-bracht.“ + unten zwischen Südenfall + Fegefeuer „Den Todt und ewige höllische Pein / Hat veruhrsagt die Sünd allein.“

Das Außenfeld führt im Uhrzeigersinn die gesellschaftlichen Stationen des großen Endeinerleis von 1-12 vor, wobei die Statussymbole achtlos auf der Erde liegen. Nur dem Narren ist die Schellenkappe belassen und umfaßt die Rechte die Pritsche.

„ Papa. / Pabst. … Des Pabst gewalt den Tod nicht halt.  //  Imperator. / Kayser. … Das haupt der welt dem Tod heim fällt.  //  Rex. / König. … Des haupts gekront der Tod nicht schont.  //  Cardinalis. / Cardinal. … Den Cardinal ich auch hin hal.  //  Episcopus. / Bischoff. … Byder (nicht Stillfried’s ‚Vader‘; latein.: Et Episcopalis mitra juris est mei), Bischoff, führ ich aufn Frythoff.  //  Dux. / Herzog. … Seyst Herr oder Fürst dem Tod zletz wirst.  //  Comes. / Graf. … In Graffn und Knecht der Tod hat recht.  //  Nobilis. / Edelman(n). … Kein Edel blut dem Tod ist zu gut.  //  Civis. / Burger. … Kein mensch hie hat ein bleibend Statt.  //  Rusticus. / Baur. … Der baur auch muß unters Tods fuß.  //  Mendicus. Bettler. / Miles. Kriegsman(n). … Kriegsman(n), Bettler, gleich halten her.  //  Stultus. Narr. / Enfans. Kind. … Kindt Narrn Zugleich gehören in mein reich. “

Als die wesentlichen Bindeglieder seien erwähnt oben/unten Mitte, jeweils untereinander, Zeituhr (12 Uhr 25), Stundenglas, Totenschädel, Knochen + Totenschädel mit aufsitzendem Kelch/Trichter (?), mit Flüssigkeit gefüllter Eimer mit Rührstab. Links/rechts Mitte gekreuztes Totengräberwerkzeug zwischen Totenbahre + Sarg mit Bahrtuch, von vier Leuchtern flankiert.

Im Gegensatz zur zeit-, mehr noch artikeltypisch klischeehaften Flugblatt-Vorlage entspricht das Erscheinungsbild des Ridinger’schen Tanzes in seinem anstehenden 2. Zustand sowohl seiner Zeit als auch einem anderen künstlerischen Anspruch. Die bei aller Grundform individuell ausgeformten Gesichter sind bis hin zu Naturhaar die lebender, neuzeitlicher Gestalten. Aber auch sonst erweist sich dieser Zustand als der zeitlich wie bildlich jüngste in der hier vergleichsweise heranziehbaren, vom besagten Flugblatt vor 1623 angeführten Reihe. Siehe dieses bei Imke Lüders, mutmaßlich irrigerweise vorgestellt als nur eine Kopie desselben „vom Ende des 17. oder frühen 18. Jahrhunderts aus dem Verlag der Erben Johann Peter Wolffs“ (1655 – nach 1702) in Nürnberg, obgleich

„ Nicht zu Unrecht dieser Reigen … in der Vergangenheit auf das Ende des 16. Jahrhunderts datiert (wurde), denn sowohl die Ausführung der Graphik als auch die Kostümierung der Standesvertreter lassen einen solchen Schluß durchaus zu. “

Denn sicherlich ist diese Wolff-Erben-„Version“ die für verloren gehaltene Originalfassung. Wobei Imke Lüders lediglich den Verlegerbrauch übersah, alten Platten Dritter, gegebenenfalls austauschend, die eigene Adresse einzugravieren. Mit der Folge, daß die Wolff-Daten sie zu irritieren vermochten. Dies ergibt nicht zuletzt ein Vergleich mit der von ihr gegenüberstellend abgebildeten Kopie des „sogenannten Monogrammisten ‚J.W.‘“ – sicherlich der Augsburger Kunst-Verleger + Stecher Jeremias Wolf(f), 1663-1724, zu dem in seiner Frühzeit Ridinger in Werkkontakt stand – „aus dem späten 17. Jahrhundert“ nach dem oben schon eingeführten Stich aus dem Verlag Fürst’s (ca. 1605 – 1666), mit dem dieser seinerseits dem später denn auch von Wolff Erben „kopierten“ frühen Original nachfolgte. Diese vor Wolff Erben gefertigte Monogrammisten-Kopie der Fürst-Variante ist moderner als jene sich erst anschließende, deren Ursprung somit in früherer Zeit zu suchen ist. Die sich bei dieser Überlegung ergebenden Komplikationen, nämlich insbesondere daraus, daß die Fürst-Variante im Mittelfeld noch der hochbedeutsamen Attribute von Friedhofsmauer, Sarg + Kapelle entbehrt, seien an dieser Stelle als für das Ridinger-Schabblatt von nur noch nachgeordnetem Interesse übergangen.

Belangreich  hingegen , daß Ridinger sowohl die Wolff Erben-“Kopie“ der Urfassung jener neuartigen Totentanzdarstellung als auch die Monogrammisten-Kopie nach Fürst bekannt gewesen sind, letzterer er auch textlich vorrangig folgt.

So etwa in der oberen Textkartusche mit „… zu nicht hat gemacht Den Todt, und SLeben widerbracht“ + im Herzog-Medaillon „… dem Tod (bei ‚J.W.‘ Todt) zletz wirst“, wohingegen es bei Wolff Erben heißt „… hat gemacht, den Tod u. das Leben …“ + „… Dem Tod zuletz wirst“.

Denn über die schon gedachte und auch als üblich anzusehende Zeitanpassung der Gestalten bei Ridinger hinaus, weicht dessen Version zumindest in anstehendem Zweitzustand auch anderwärts von jenen beiden Vorlagen ab. So zeigt er die unscheinbare Kapelle des Hintergrunds bei Wolff Erben nicht allein, wie auch Golgatha, als erhabener gelegen, sondern gestaltet sie generell dominanter und ergänzt sie um das gleichfalls ausgeformte Zweitgebäude mit u. a. einem Kreuz und einer sich anschließenden eigenen Ummauerung. In der Kartusche darüber Christus mit Kreuz. Darunter, unverständlich gegebenenfalls auch in seiner Distanz zur Kapelle, ein Kreuz inmitten nur schemenhafter Andeutung von Blattwerk, sofern die Phantasie hierin nicht einen Geisterzug mit dem vorangetragenen Kreuz zu sehen geneigt ist. Geändert und reicher die Fegefeuer-Figuration. Von reicher Prägnanz und Ausführlichkeit schließlich die den Ständen zugeordneten Gebäudekomplexe in den Medaillons. Der eleganter dargestellte Sarg zur Rechten auf Kosten der beidseits jeweils zwei Fackeln nunmehr von vier Leuchtern flankiert. Letztere fehlen bei Wolff Erben, sind aber, und zwar zusätzlich zu den Fackeln, bereits präsent auf der Monogrammisten-Kopie, deren Sarg noch unverändert kistenförmig ist. Im Gegensatz zur diesbezüglich miteinander korrespondierenden Kartuschen-Lage bei Wolff + Kopie liegen diese bei hiesigem Ridinger-Exemplar analog zu dem in München direkt an der Einfassungslinie.

Hingegen hat das Exemplar bei Pollefeys (1. Zustand) noch Fackeln und Leuchter, den Sarg kistenförmig, die Lage der Kartuschen à la Wolff Erben + Monogrammisten-Kopie und zwar modifizierte Perücken, doch noch kein Naturhaar.

Angebots-Nr. 28.933 / Preis auf Anfrage

Des Hochamts 1. Teil

Ridinger, Omnia mihi subdita
Schwarz 1427

Ridinger’s

schnörkellos fulminantes Hauptwerk

erworben von Gräflich Faber-Castell vor 100 Jahren
mit „Rchg v. 14/3 1914“

OMNIA MIHI SUBDITA

Die Herrschaft des Todes. Die Rechte mit hohem Inschriftenstein, auf dessen besagte Schlußworte OMNIA MIHI SUBDITA die Linke mit als „Presens“ gekennzeichnetem Pfeil weist. Mit zusätzlicher Umriß-Gravur , siehe unten , nach väterlicher Vorlage. Bezeichnet: Ioh. Iac. Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger delin. et exc. Aug. Vind., ansonsten wie vor und unten. 55,7 x 42,2 cm.

Stillfried (3. Nachtrag zu Thienemann, 1876) + Schwarz (Coll. Gutmann, 1910) 1427 (ohne Erwähnung von Umriß-Gravur), hier indes als beiden unbekannter II Zustand (von II); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975), 290 mit Kenntnisstand von Stillfried/Schwarz; Reich auf Biehla 296 ( „Aeusserst selten“, 1894 ! Ohne Angabe zu Zustand/Version.); Georg Hamminger 1886 (irrtümlich als St. 1527; „Aufgezogen. Von grösster Seltenheit“, 1895 ! Dito ohne Kenntnis von Zustand/Version); Faber-Castell 146 (ohne Erkennung als abweichender Zweitzustand, im übrigen zusammen mit Schwarz 1477); Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger in Wunderlich (Hrsg.), L’Art Macabre 2, 2001, Abbildung S. 105 (Explr. der Staatlichen Graphischen Sammlung München).

Nicht bei Thienemann (1856) , Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) , Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1554 Positionen; 1900) , Schwerdt (1928/35) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Der Stillfried wie Schwarz unbekannt gebliebene Zweitzustand

der bislang unerkannt gebliebenen Erstversion

dieses unglaublich fascinierenden Blattes

von der oben verkürzten Platte bei gleichzeitig geänderter Signatur, beides entsprechend auch dem Exemplar der Staatlichen Graphischen Sammlung München.

Die Verkürzung betrifft 1,5 cm bildlose Plattenfüllung oberhalb des Gewölberundbogens. Innerhalb der Signatur sind die ursprünglichen „Iacob“ + „excud.“ bei jeweils „c“ abgekürzt. Ob die Abweichungen in Schreibweise und Zeichensetzung der von Schwarz nur ansatzweise zitierten Steininschrift, siehe unten, tatsächlicher Natur sind oder auf Inkorrektheit Stillfrieds beruhen, muß weitgehendst dahingestellt bleiben. Das von Stillfried wie Schwarz in der 1. Zeile hinter „curo“ geführte Komma fehlt hiesigem Exemplar.

Schwarz’ Annahme, die Abweichungen seiner Stillfried unbekannt gebliebenen Variante 1477 beruhten lediglich auf Überarbeitung der Platte, ist unzutreffend. Wie unten belegt, handelt es sich um eine in der Inschriftaussage gleichwohl entscheidend umgewichtete Wiederholungsversion von eigener Platte.

Bildlich herrlicher Zenit

der auch das jagdliche Œuvre durchziehenden

Ridinger’schen Vanitates

von großer kompositorischer Fülle, fußend auf väterlicher Zeichnung und im Einschluß der Malutensilien in die Vergänglichkeitsattribute über dessen 1767er zeichnerisches „Selbstbildnis mit Tod“ des Berliner Kupferstich-Kabinetts (Farbabbildungen in L’Art Macabre 2, s. o., S. 94 + Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, S. 54, sowie, s/w, per I.5, S. 61) hinausgehend.

Alles im strahlenden Lichte dessen, von dessen Haupte Fledermausflügel das abgelaufene Stundenglas hinwegführen werden, der „Presens“-Pfeil die Richtung vorgibt und der „Preteritum“-Pfeil zu Boden zeigt. Aber im Köcher steckt der Pfeil „Futurum“, wie immer sich diese auch anlassen möge. Und dessen Schriftfähnchen weht, konträr zu den hängenden beiden anderen, in munterer Gewißheit.

Die Steininschrift

wie folgt, wobei die Trennstriche der Schlußworte der ersten fünf Zeilen jeweils durch ein „lis“, der folgenden sechs durch ein „are“ zu ersetzen sind, wie pauschalierend seitlich verdeutlicht:

„ Sum qui non curo quis aut qua- / Nil mihi dignitas Papa- / Nec valet majestas Rega- / Stultus et sapiens æqua- / Dives et pauper est morta- / Non juvat hic se excus- / Nec ad Apostolicam sede(m) apell- / Dona promitere aut don- / Seu clam se velle alien- / Pacem non mecum est tract- / Nec dico quando quis vel qu- // OMNIA MIHI / SUBDITA “.

Der von der Linken des Skeletts geführte Präsens-Pfeil ist zwischen die Worte OMNIA + MIHI gerichtet. Bei nachfolgender Wiederholung Schwarz 1477 hat Ridinger diese Aussage noch verdichtend präzisiert, indem die Pfeilspitze nunmehr unmißverständlich auf das M von MIHI weist.

Die gewichtige Steintafel selbst typisch für Ridinger als wir solcher im Werk wiederholt begegnen bis hin zum programmatischen Eigen-Exlibris (Schwarz 1569) mit seinen Malutensilien, wo sie ein mit dem Malerstock bewaffneter Knabe hält, und sie des Meister’s absolutes Lebensbedürfnis bekundet: „Nulla dies sine linea“ – Kein Tag ohne Pinselstrich. Im Vergänglichkeits-Gerümpel anstehenden Blattes das Malergerät im übrigen ein abermaliger Gleichklang mit Hogarth, der sein graphisches Œuvre mit dem Blatte der Sterbenden Zeit („Tail Piece, or The Bathos“) vom April 1764, also sechs Monate vor seinem Tode, abschloß, auf dem die Palette aber noch zusätzlich demonstrativ zerbrochen ist.

Druck- wie erhaltensmäßig sehr schönes Exemplar

in samtenem Braun-Schwarz bei greifbar-plastischem Hell-Dunkel

und mit den für zeitgenössische Abdrucke stehenden Wz. WANGEN und separater IV bei umlaufendem Rand von 4-8 mm. Die beiden Oberecken desselben mit hinterlegter Kleinläsur infolge früherer Lösung einer alten Eckmontage auf blauem Papier. Linksseits zudem hinterlegter minimaler Randeinriß außerhalb der Plattenkante. In der linken Unterecke schwacher, nur im weißen Rand und dem Signaturfeld sichtbarer Wasserrand. Im Bilde selbst ansonsten eine kleine, nur im Gegenlicht wahrnehmbare dünne Papierstelle und eine stecknadelkopfkleine Abreibung im Gewölbehintergrund.

Die extreme Seltenheit

des Blattes anstehendenfalls potenziert

durch seinen hier erstmals beschriebenen 2. Zustand .

Die kostbare Schabtechnik generell indes im hier vorliegenden hs. Faber-Castell’schen Inventar-Verzeichnis per Ausrufezeichen + Unterstrich ausgezeichnet als „Schabk!“.

So anstehendes Blatt denn eben auch erst 20 Jahre nach Thienemanns Kabinett-Besuchen von Graf Stillfried erstmals vorgestellt worden. Es dokumentiert den untrennbar-vielschichtigen Ridinger-Vater, den Künstler in seiner Ganzheit. Denn den „harmlosen“ Ridinger landläufigen Kunsthistorikerurteils hat es gottlob nie gegeben. Vielmehr blieb er

„ einer der wenigen deutschen Barockkünstler

… der … nie in Vergessenheit geriet “

(Rolf Biedermann, Meisterzeichnungen des deutschen Barock, 1987, S. 338).

1914 — 1958 — 2014

Sie müssen sehr jung sein ,

sollten Sie meinen ,

bei anstehendem Blatte zuwarten zu können .

Angebots-Nr. 14.857 / Preis auf Anfrage

Des Hochamts unerhörtes Finale

Ridinger, Omnia mihi subdita
Stillfried/Th. + Schwarz 1477

Dasselbe als

nunmehr unerhörtestes Finale

wie auch graphisch brillantester Delikatesse

OMNIA MIHI SUBDITA’S ZWEITVERSION

der väterlichen Vorlage. Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger delin. et excud. Aug. Vind., ansonsten wie vor und unten. 57,3 x 41,4 cm.

Schwarz (Coll. Gutmann, 1910) 1477; Reich auf Biehla 296 ( „Aeusserst selten“, 1894 ! Ohne Angabe zu Zustand/Version.); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik I/1 (1975), 270 mit Kenntnisstand von Schwarz; Faber-Castell 146 (zusammen mit Stillfried/Schwarz 1427 im II. Zustand). – Vgl. Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger in Wunderlich (Hrsg.), L’Art Macabre 2, 2001, Abbildung S. 105 (II. Zustand von St./Schw. 1427 im Explr. der Staatlichen Graphischen Sammlung München).

Nicht bei Thienemann (1856) , Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) , Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Slg. Gg. Hamminger (1895) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1554 Positionen; 1900) , Schwerdt (1928/35) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Die Stillfried (1876) unbekannt gebliebene

und auch von Schwarz nicht als solche erkannte

hier erstmals identifizierte Zweitversion

dieses unglaublich fascinierenden Blattes

in einem Exemplar

letzter Schönheit und graphischer Raffinesse

als von unter anderem entscheidender Umgewichtung begleitete Wiederholung obiger Stillfried/Schwarz 1427.

Schwarz’ Annahme, die Abweichungen anstehender Variante 1477 beruhten lediglich auf Überarbeitung der 1427er Platte, ist unzutreffend. Vielmehr handelt es sich um eine Arbeit von eigener Platte, deren thematisches Spotlight mittels kleiner Verschiebung eine präzisierte Botschaft erhellt:

der  auf  den  Blattitel  gerichtete  „Presens“-Pfeil

Johann Elias Ridinger, Omnia Mihi Subdita (Schwarz 1427)
Schwarz 1427 / 14.857
Johann Elias Ridinger, Omnia Mihi Subdita (Schwarz 1477)
Stillfried/Th. + Schwarz 1477 / 14.858

weist  nicht  mehr  zwischen  die  Worte  OMNIA + MIHI ,

sondern  direkt  auf  das  M  des  MIHI !

Erfolgte angesichts des Vorliegens beider, die Fakten aufdeckenden, Varianten die Katalogisierung für Faber-Castell unzulänglich, so ergibt sich Schwarz’ irrtümliche Annahme eben aus seiner schon oben sichtbar gewordenen Unkenntnis des 1427er Zweitzustandes von der oben verkürzten Platte. Denn seine Variante 1477 repräsentiert in der Höhe wieder das ursprüngliche Format, endet also wieder erst 1,5 cm oberhalb des Bogens. Hingegen hat sie eine um ca. 8 mm geringere Breite mit der von ihm übersehenen Folge einer beidseitigen geringfügigen Bildverkürzung. Wie sich denn generell die abweichenden „kleinen Varianten“ (Schwarz) zu einer ansehnlichen, gleichwohl erst auf wiederholten Blick hin bemerkbaren Masse verdichten, die einander gegenüberzustellen hier zu weit führte und nicht zuletzt

dem Kenner ,

der „noch an die Wichtigkeit der Etats glaubt“

(Max Lehrs 1922 in Würdigung des Altmeister-Sammlers Julius Hofmann) die Freude, ja, das Glück, der eigenen Entdeckung schmälerte. Was geradezu als unfair empfunden werden muß angesichts hiesigen Vorliegens  beider Varianten, 1427 + 1477, und damit der Möglichkeit

eines Erwerbs beider Blätter ,

ganz so wie einst Gräflich Faber-Castell

bei indes noch Angewiesengewesenseins auf die Chance einer zweiten Zugriffsmöglichkeit.

Doch der Lust der Vergleichsmöglichkeit beider Blätter steht anstehendenfalls noch eine Befriedigung ganz anderer Qualität ins Haus, wie hier aus dem Stegreif für keinen anderen Fall Ridinger’scher Schabkunst erinnerlich. Denn zumindest in seinem hier vorliegenden Zweitzustand bedient sich obige 1427 zur Realisierung des thematisch bedingt so überaus komplexen Bildes vereinfachend gravierter Umrißlinien,

statt alles allein aus der Abstufung von Hell und Dunkel

als dem Prinzip der Schabkunst herauszuarbeiten

wie  hiesige  „Wiederholung“ 1477 ! Wo gravierte Linien partiell zwangsläufig zu feinerer Ziselierung führen , ist es faszinierend ,

deren „ gröbere “ Verwirklichung allein aus dem staunenmachend

schwierigen Spiel von Licht + Schatten gebildet zu sehen .

Und vergleichend zu beobachten, wie billig anderwärts , eben auch oben , solche Linien

Faltenwürfe abhaken , Heins Stirn krausziehen

Johann Elias Ridinger, Omnia Mihi Subdita (Schwarz 1427)
Schwarz 1427 / 14.857
Johann Elias Ridinger, Omnia Mihi Subdita (Schwarz 1477)
Stillfried/Th. + Schwarz 1477 / 14.858

oder dessen Gliedmaße + Gelenke behandeln , was alles

in der reinen Schabkunst von 1477 aus sich selbst herauswächst !

Beide Versionen stammen von der Hand Johann Jacob’s.

Sie miteinander zu vergleichen, führt somit weit über das Nebeneinander von Abweichungen üblicher Art hinaus, ist vielmehr  ein  in  medias  res  der  Technik  selbst  gehen . Welch eine Chance des Lernens , des Einstiegs in das Raffinement graphischen Ausdrucksvermögens , der Verfeinerung der Qualitätserkenntnis , an Hand

dieses ganz frühen Druckes

von unvergleichlich schöner Plastizität

absolut samtenen Braun und Schwarz ,

aus dem alles körperliche Weiß braun-weiß herausleuchtet.

Druckadäquat herrlich erhaltenes Exemplar mit umlaufend 4-13 mm breitem Rand mit wohl Wasserzeichen WANGEN nebst separater IV wie für zeitgenössische Abdrucke stehend. – Von zwei aufeinander zulaufenden, gänzlich geglätteten Falten mittig die eine bei leichter Quetschung links außen rückseits verstärkt. Zwei schwache parallele Faltspuren, alles bildseits kaum wahrnehmbar, zudem am oberen Bildrand, davon die eine noch den Abschluß des Gewölbebogens durchziehend. In diesem auch ein ungefärbt gebliebener haarrißfeiner Auslauf eines von oben kommenden Fältchens vom Druck her. Einige wenige stecknadelkopf/spitzenkleine Abreibungen. Rückseitiger leichter Stockstippenanflug unten nicht ins Bild durchschlagend.

Der mit seinem vergleichsweise nur schmalen geschabten Beitrag so ganz im Schatten von Vater und älterem Bruder stehende Johann Jacob , mit anstehendem Blatte von Schwarz 1477 zeigt

er seine Ebenbürtigkeit ,

Ioh. Iacab Ridinger sculps.

seine ganze Meisterschaft

auf dem Felde der bravourösen Schabkunst .

Angebots-Nr. 14.858 / Preis auf Anfrage

der seltenen schabkunst seltene blätter — niemeyer’s hat sie

Und von wem wohl diese Meisterschaft ?

Na , im Zweifelsfall doch wohl vom — Vater ! Voilà …

Die Hirsche

vom Walensee in der Schweiz

Joh. Elias Ridinger inv. del. et excud. A.V. 1741

als Johann Jacob noch en Steppke war

Zum einen 22er Berghirsch verfolgt von vier Luchsen ,
zum andern 10er von drei Hunden

Ridinger, Stag pursued by HoundsRidinger, Stag pursued by Lynxes

Oberhalb des Ufers des  Walensees  im  Kt.  St. Gallen  bzw. vor Sturz in denselben. Folge von 2 Blatt. Bezeichnet: J. El. Ridinger del: 1741. den 11. Martji  +  Joh. Elias Ridinger inv: del. et excud. A. V. 1741, ansonsten wie unten. 35,4 x 27,5-27,6 cm.

Thienemann 1145 ( „Ein schönes und seltenes Blatt“, 1856) + 1146; Schwarz 1145-1146; Weigel XXVIII, Ridinger 75 a/b; Schlesische R.-Slg. bei Boerner XXXIX, 1984 (nur Bl. 2 + „äusserst selten“, 1885!); Reich auf Biehla 220/21 ( „Sehr selten“, 1894 ); Helbing XXXIV, 1500 ( nur Blatt 2, vorgenanntes 1885er? + „Sehr seltenes Blatt“, 1900 ); Schwerdt III, 148 („A fine set“, 1928); Gräflich Faber-Castell 76 (eines bis zum Bildrand beschnitten; 1958).

Nicht in Slgn. Coppenrath (1889/90) , Gg. Hamminger (1895) , Schoeller (1921) sowie Liste Rosenthal (1940) und den Ridinger-Ausstellungskatalogen 1967 + 1997 ff.

Zu Th. 1145 siehe des weiteren die dortige (nur im 1856er Original-Th.) als Kupferstich XII von Joh. Carl Loedel wiedergegebene, von Ridinger nicht in Kupfer übertragene thematisch zugehörige Zeichnung, von Th. (S. XXXI) kommentiert mit „Hier ist der … Hirsch noch flüchtig, dort (auf 1145) stürzt er nieder“. Und Th. 1146 korrespondiert mit einem der herausragendsten unter den eminent seltenen Ridinger-Ölen, nämlich dem Petersburger der Nr. 284 (mit Abb.) in Bd. XIV (1987) des The Hermitage Catalogue of Western European Painting, dessen 148 x 85 cm indes eine noch reichere Gestaltung nahelegten.

Die ganz seltenen Pendants
der verfolgten Schweizer Hirsche

in sehr schönen und mit 45,5-46,8 x 31,5-33,5 cm Blattgröße (Explr. Schwerdt: 45-46 x 35,4-35,5) beneidenswert breitrandigen Drucken, wie beides für die empfindlichen samtenen alten Schabblätter schon rein technisch dem Sammler vielfach so unerreichbar, da … siehe eingangs.

Blatt 1 mit schwachem Wasserstreifen im linken weißen Seitenrand. Bl. 2 zunächst mit ursprünglicher feiner Quetschlinie schräg von oben rechts bis Mitte, sodann rückseits bemerkbare spätere Quetschungen, die im unteren Textfeld links und in der Mitte auch bildseits aufscheinen, doch weder erstere noch letztere den sehr schönen Bildeindruck nennenswerter zu stören. Leichte Schmutzspur zudem im rechten weißen Seitenrand und rückseits rechts oben.

Mit Untertexten :

„ Dieser sehr grosse und starcke Bürg=Hirsch von 22. Enden, ist Anno 1687. nach den zeichen des Schweisses bey ¾. Stunden von 4. Luchsen verfolget , endlich unten am gebürge

an dem Wallenstadter See (Walensee) , in der Schweitz ,

gefället u. von ihnen erwürget worden. und haben beyde Stangen 34. Pfund gewogen. “

+

„ Venator cursu canis et latratibus instat … “ … 7-Zeiler aus Virgil, Æneis XII, 751. – Die dramatische Szenerie sehr ähnlich dem Öl der oben beigezogenen Petersburger Hirschjagd mit ihrem noch reicheren Hundebesatz (148,4 x 84,8 cm).  –  Nicht Provenienz Faber-Castell/Castell-Rüdenhausen  –

Angebots-Nr. 14.663 / EUR  2200. / export price EUR  2090. (c. US$ 2280.) + Versand

Weitere Ridinger–Schabblätter , seien sie nun nur mutmaßlich von Johann Jacob , oder gleichfalls vom Vater wie vor , oder indifferent mit nur Ridinger excudit bezeichnet , aufliegend .

herausgegeben als zugleich

schriften der ridinger handlung niemeyer 30

  1. Siehe Schott, Martin Engelbrecht und seine Nachfolger, 1924, Seiten 11 ff. mit namentlich auch S. 28, unten nebst Fußnote 4.
  2. Werner Busch, Clair-obscur und Sepia. Eine kursorische Geschichte von Leonardo über Adrian Zingg zu Caspar David Friedrich, in Kuhlmann-Hodick u. a. (Hrsg.), Adrian Zingg. Wegbereiter der Romantik, 2012, Seite 83 ff.
  3. Leonardo da Vinci, Treatise of Painting (Codex Urbinas Latinus 1270), 1956, I, 184 + Werner Busch, Das unklassische Bild. Von Tizian bis Constable und Turner, 2009, Seite 59.
  4. Johannes Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, Bd. I.1, 1975, Nr. 94.

„ … Es  hat  mir  immer  Freude  bereitet , Ihre  sehr  anspruchsvollen  Ideen (JayAitchDesign) umzusetzen . Heute  kann  ich  Ihnen  sagen , daß  dieses  oftmals  unter  heftigem  Herzklopfen  geschehen  ist ! … Ihre … “

(Buchbindermeisterin I. M. H., im Juli 2013)