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niemeyer’s

wo selbst

Das Paradies

zu haben ist

Ridinger, Paradies 1

Woher

wir kommen

Wohin

wir wieder streben

Ridinger, Paradies 2

Johann Elias Ridinger

Das Paradies

oder

Die Schöpfung und der Sündenfall

des ersten Menschenpaares

Unnumerierte Folge von 12 Blatt. Radierung mit Kupferstich. Nicht vor Ende 1740er. Bezeichnet: variierend Joh. El. Ridinger inv. fec. et excud. Aug. Vind. + dt.-franz.-lat. Untertext (erstere beide mit Genesis-Bezug, letzterer diesen ergänzend, s. u. Stubbe). 38,5-40,2 x 53-54,9 cm.

Thienemann + Schwarz (Abb. I, S. 106) 807-818; Weigel, Kunstlager-Catalog, XXVIII (1857), Rid.-App. 53 als wohl Zwischenzustand A/B (von C, Neue Abdrücke [der 1850er]); Schwerdt III, 144; Stubbe, Joh. El. Ridinger, 1966, 42 ff. + Tafel 35; Ridinger-Katalog Augsburg, 1967, 46-63 + Abb. 5; Biedermann, Meisterzeichnungen des deutschen Barock, 1987, 163 mit 3 Abb.; KUNSTREICH, Erwerbungen der Kunstsammlungen Augsburg 1990-2000, 102 mit 8 Abbildungen.

„ Herr Ridingers merkwürdiges Werk ist :

das aus 12 großen Blättern bestehende Paradies

Ridinger, Paradies 3

welches in der Zeichnung unnachahmlich ist “

(Augspurgisches Extra-Blätel Augspurgische Ordinari Postzeitung von Staats-, gelehrten, historisch- u. ökonomischen Neuigkeiten [so 1. Januar 1767] vom 29. Dezember 1767 – siehe unten – als Nebentitel der von Januar [?] 1687 bis 11. August 1935 bei variierenden Titeln erschienenen Augsburger Ordinari Post Zeitung, in der nicht zuletzt Katharina die Große [reg. 1762-1796] „die St. Petersburger Akademie auf der Suche nach guten Künstlern … mit Erfolg inserieren“ ließ).

Eine zeitgenössische Wertung wie bis auf den heutigen Tag nicht besser auszudrücken, feiernd jene den vollkommensten Arbeiten – so Thienemann Seite 273 – zugehörende Capitalfolge (Weigel III [1836], 3839), zu der Thienemann (1856) schon Seite 168 ausführte:

„ … gehört zu den grössten, aber auch ausserdem  zu  den  berühmtesten  Arbeiten … Hier konnte sich sein Genie auch in der Gruppierung der verschiedenartigsten Thiere, in Darstellung der schönsten Baumparthien und lieblichsten Gegenden recht auffallend zeigen. “

Und noch zu Lebzeiten des Meister’s heißt es in den dem einstigen Lehrer gewidmeten biographischen Aufzeichnungen des Malerkollegen Georg Christoph Kilian (1709-1781)

„ wie reizend und theologisch sein Paradis .“

Und noch 130 Jahre später wird Rolf Biedermann, s. o., die Folge mit

„ Sie zählt sicher

Ridinger, Paradies 4

zu seinen druckgraphischen Meisterleistungen “

qualifizieren und fortfahrend – nicht ganz zu Recht – reklamieren

„ Wenn man davon ausgeht, daß Ridinger einer der wenigen deutschen Barockkünstler ist, der seit seinem Tod vor 220 Jahren nie in Vergessenheit geriet, dessen Tier-und Jagdschilderungrn von Sammlern bis heute heiß begehrt, von Händlern hoch gehandelt werden, so überrascht die geringe Beachtung, die ihm die Kunstwissenschaft bislang entgegengebracht hat. “

Welch mageren Belegen für letzteres gleichwohl die eine und andere gewichtige Stimme hinzuzufügen wäre, wie etwa aus 1901 Ernst Welisch’s „unstreitig bedeutendste(r) Augsburger Landschafter (seiner) Zeit … obzwar er hauptsächlich als Tiermaler bekannt ist“ oder aus 1966 Wolf Stubbe’s

„ … so hat die künstlerische Gesamterscheinung Ridingers eigentlich nichts von einem ‚Augsburger‘ Künstler und doch empfindet man ‚Augsburg‘ als eine notwendige Voraussetzung für ihre Entwicklung … In diesen, seine eigentlichen bildnerischen Findungen nicht berührenden, Zügen ist Ridinger Augsburger, im übrigen haben seine graphischen Arbeiten kaum etwas gemein mit den dekorativ-ornamentalen Kupferstichen aus den Werkstätten in seiner Nachbarschaft. Völlig trennt er sich, was Inhalt und Auffassung angeht, von der ‚offiziellen‘ Kunst der Stadt …“

(hiesiger Einschub: von der Ferdinand von Kobell als Malerkollege der nächsten Generation 1771 gegenüber Wille in Paris als von den „Insecten der Kupferstecherey [im] armseligen Augspurg“ höhnt, beklagend, „daß in einem solchen Orth ein Ridinger – und Rugendas gelebet haben [müssen]“ und 1772 Johann Caspar Füssli, Malerkollege und Künstlerbiograph der Ridinger-Generation selbst an ebenfalls Wille schreiben läßt „seiet dem ich Ridinger verlohren, finde ich keinen deutschen Freund [mehr] der sich um die Kunst bekümmert.“)

Ridinger, Paradies 5

„ … Vor allem aber die rokokoheitere Lichtdurchschimmerung der ganzen weiten Szene auf dem eindrucksvollen Zeugnis von Ridingers reifer Stecherkunst (Th. 60, Der Hirsch stellt sich aus der Par force Jagd-Folge)! Es gehört sehr viel künstlerische Intelligenz dazu, diese ebenso zarte wie belebende Lichtwirkung zu erreichen. Mit ihr, wenn er es zu handhaben weiß, besitzt der Kupferstecher ein entscheidendes Mittel für einen der wesentlichsten Effekte, den die Kupferstichkunst überhaupt erreichen kann …

… und begnügt sich (Ridinger’s) Zeichnung nicht mehr allein mit der statischen Erscheinung des Tieres. Eingeführt wird nämlich oder richtiger mit besonderem Nachdruck wird nunmehr sichtbar gemacht ein neues, höchst einprägsames Prinzip der Charakterisierung: Das Verhalten des Tieres in seinen verschiedenen Lebensphasen. Wenn er etwa Frischlinge, Überläufer, dreijährige Keiler und vierjährige Hundeschlager auf einem Blatt in Bewegung darstellt, so zeigt er die unterschiedlichen Bewegungen junger, reiferer und älterer Wildschweine (Th. 209) …

… das Tier auf Ridingers Kupferstichen erscheint nun beseelt, und der Künstler gelangt bald zu dem hohen Ruhm, ein ‚Tierseelenmaler‘ zu sein. So wird Ridinger zum mitreißenden Missionar einer sich damals neu ausbildenden Naturauffassung (Sperrungen nicht im Original), die sich folgerichtig auch zu einem völlig gewandelten Verhältnis zur Kreatur zunehmend geltend macht. Nicht länger ist das Tier eine Art von Maschine …

… doch sollte nachdrücklich betont werden, daß er  ein  Tiergestalter  sui  generis  gewesen ist, dessen – wirklich einzige – Art  von  keinem  anderen  Künstler  auch  nur  ähnlich  wieder  erfüllt  worden  ist …

… Gemessen an dem geistigen Habitus des durchschnittlichen Augsburger Künstlers, ist Ridinger ein ausgesprochener Profanmaler, der allenfalls in seiner didaktischen Haltung mit den ihn umgebenden Sakralmalern verglichen werden kann “ (Stubbe, a. a. O., SS. 10 f., 16, 23 f., 13, 44).

Ridinger, Paradies 6

Somit Welisch wie Stubbe kerntreffende Stimmen der neueren Kunsthistorie. Denen gelegentlich des 300ten Geburtstages eine von 1997/98er Wanderausstellung durch Polen angeführte fünfjährige regelrechte Ausstellungs-Euphorie folgte, dokumentiert zudem von zwei detailreichen Katalogen (Kielce + Darmstadt). In welch letzterem Stefan Morét auch Die Tradition der Tierdarstellung (SS. 21-30) nachzeichnet und auf Ridinger bezogen namentlich an Roelant Savery (1576-1639) anknüpft, weil dessen „eigentliche(s) Ziel … das Vorzeigen vielfältiger zoologischer Erscheinungsformen, die Präsentation sorgfältig gemalter einheimischer und exotischer Tiere“ war, letztere er als Hofmaler Kaiser Rudolf II. kennengelernt hatte, sich damit abhebend zugleich vom Gros der sich auf Haustiere beschränken müssenden niederländischen Kollegen. Und nichts konnte dem mit den großen Vorgängern vertrauten Didaktiker Ridinger näherliegen, als an die Vielfalt dieses übergeordneten Interesses anzuschließen. Wobei für Savery wie für Ridinger ein Dreiklang von Tier, Landschaft und Mensch kompositorisches Selbstverständnis war. Wofür sich keine Vorlage großartiger anbot als eben die Paradieserzählung. Das verwandte Orpheus-Thema (Müllenmeister 203-225) beiseitelassend, widmete Savery dem Paradies 15 Einzelbilder (M. 225A-239). Indes

Ridinger eine

Ridinger, Paradies 7

12blätterige tour d’horizon als Gesamterlebnis

kreierte und sich mit dieser ein weiteres Mal neben der Heerstraße positionierte, entwickelt aus einer Vielzahl von Studienblättern, gelegentlich deren elf Augsburgern Gode Krämer anmerkt:

„ Die Vorzeichnungen für den betenden Adam und den Adam, der die Tiere benennt, zeigen (übrigens)

wie außerordentlich sorgsam Ridinger die Darstellungen vorbereitete .

Obwohl natürlich nur ein ganz kleiner Teil der Vorzeichnungen überdauert hat, läßt sich an der Vorzeichnung des Adam von der Rötelzeichnung bis zur großen Gesamtvorzeichnung erkennen,

wie sehr Ridinger um die richtige Haltung des Adam rang .

Selbst in der ungewöhnlich großen Vorzeichnung zur Gesamtkomposition probierte er verschiedene Haltungen des linken Beines aus. Auch über das Gesamtkonzept der Darstellung war er sich nicht klar, denn vorne auf der Zeichnung sieht man noch eine sich ringelnd aufrichtende Schlange und mehrere Kaninchen, die dann im ausgeführten Kupferstich weggefallen sind. Erstaunlich ist überhaupt, daß sich

für die Tiere auf den Paradiesdarstellungen

Ridinger, Paradies 8

praktisch keine vorbereitenden Zeichnungen

gefunden haben .

Man kann daraus nur schließen, daß Ridinger durch die lange Beschäftigung mit der Tierdarstellung

keinerlei Schwierigkeiten mit ihrer Wiedergabe

hatte “ (was Krämer analog schon für die Pferde in den Kupfern des älteren Gg. Philipp Rugendas konstatierte.

Ein Zurückgehen der ersten Studien auf 1722 (Nagler 6) beruht lt. Thienemann S. 278, dd (1.) auf Druckfehlern im Weigel’schen Zeichnungs-Katalog, der für 1744 + 1746 1722 bzw. 1726 nennt. Zeichnungsdatierungen von 1740 und namentlich 1744/46 – eine 1747er bei Weigel versehentlich 1737 – machen ein Erscheinen der radierten/gestochenen Suite in der 2. Hälfte der 40er Jahre wahrscheinlich. – Der Satz der 12 Druckplatten aus 1999er Ankauf in den Kunstsammlungen Augsburg.

Und wie sehr sich Ridinger mit dieser Folge identifizierte, belegt schlagartig der Weigel-Hinweis, wonach

„ Die mit * bezeichneten Blätter des Paradieses in grösstem Format  hatte  der  Künstler  unter  Glas  und  Rahmen gefasst . Sie sind aus der schönsten Periode seines Künstlerlebens und bei dem

durch die Stiche bekannten Reichthume

von einer Zeichnung und Ausführung ,

wie nur selten Beispiele in den Handzeichnungen der Maler gefunden werden möchten “.

Nicht von ungefähr also und angesichts eines rund 1600blätterigen graphischen Œuvre die ihrerseits aufmerken lassende Alleinstellung der Paradies-Folge im obigen

Pressenachruf vom 29. Dezember 1767

Nekrolog Ridinger + Haid

Und bezüglich der Untertexte nochmals Stubbe : „ ‚Das Paradies …‘

handelt vor allem natürlich

vom Verhältnis des Menschen zum Tier …“

( Einschub Schwerdt: „ Very  fine  composition , showing  all  the  animals  of  the  chase  in  natural  surroundings , with  beautiful  light  effects “ )

„ … vor und nach dem Sündenfall, aber für ein solches ausgedehntes Programm fanden sich in der biblischen Schöpfungsgeschichte nicht genügend Themen, darum fügt Ridinger bei jedem Blatt seiner Darstellungen dichterische Gedanken der Kirchenväter über die Genesis ein. Vom Hl. Ambrosius, dem Bischof zu Mailand, nimmt er Vorstellungen aus dem ersten der sechs ‚libri in Hexaëmeron‘ und Eingebungen aus der Schrift ‚de paradiso‘ (zusätzlicher Plattenhinweis bei Bll. 1 + 4: Sihe Brockes gedichte 8.ten theil pag. 81[?; Th. irrig 71] bzw. … 7.ten theil pag. 720), Rupertus, der 1135 gestorbene Abt des Benediktinerklosters in (Köln-)Deutz … muß aus seinen Auslegungen … zur Genesis beisteuern. Auch von einer Homilie des Hl. Augustinus … bezieht Ridinger ein Textmotiv … und in den 67 Homilien über die Genesis, die der Hl. Johannes Chrysostomos … gehalten hat, findet … (er) manche Anregungen. “

Ridinger, Paradies 9

Und da im Leben alles ein Nehmen + Geben ist, figurierte 1998 im Handel ein gut honorierter „selten(er)“ 1755er „Sechster Schöpfungstag“ als „Sehr fein durchgeführte, detailreiche Federzeichnung … die wohl als Stichvorlage gedient haben dürfte“ des Wiener Akademie-Sekretärs Anton Edler von Weinkopf. Recte war es die getreue, mit 47 x 61 cm Blattgröße wohl vergrößerte Kopie des 1. Blattes des wenige Jahre zuvor erschienenen Ridinger-Paradieses, verfremdet lediglich mittels einer Rocaillenumrahmung.

Werkbezogen noch interessanter hingegen, daß in Hugo Helbing’s Lager-Katalog XXXIV (1900), Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, Pos. 1408, ein Exemplar des Paradieses verzeichnet, bei dem neun der Blätter wie folgt von der Norm abweichen:

„ Wohl Probedrucke. Auf der Rückseite Text zu Blättern der Jagdbaren Thiere mit ihren Spuren, unterschrieben Joh. Elias Ridinger Augspurg A. C. 1738 (Titelblatt des endgültigen Zustands: 1740), woraus zu ersehen ist, dass (jene) Folge ursprünglich in Lieferungen mit gedrucktem Texte erschienen ist, wovon Th. nichts erwähnt. Th. 811, 813, 814 ohne Text. “ Wie auch sonst hier nicht nachweisbar.

Kurz , rundum unnachahmlich in der Tat die jeweils sechs Stationen des Aufstiegs zu vollkommenem Leben unter greifbarer Illustrierung namentlich auch des von den Alten Meistern immer wieder umgesetzten

„ apokalyptischen Tierfriedens “

und des stufenweisen Herabsinkens in die Versuchung mit all ihren bösen Folgen bis hin zur zugleich einen neuen Anfang bedeutenden Vertreibung aus dem Garten Eden. Ausstrahlend gleichermaßen Lyrik und Dramatik. Und großartig die Mimik des Miterlebens dies alles seitens der Tiere. Die verschreckt und verstört sind ob dessen, was sich da vor ihren Augen anbahnt und schließlich abspielt, und wie sie es zu verhindern trachten. Und am Ende ihre Klage und ihr gemeinsamer Auszug aus der glücklichen, der heilen Welt, hinein in ein Jeder gegen Jeden bis hin zum Menschen als nunmehrigem Gegenpart.

Dargeboten dies alles, hier + heute, in einem

Ridinger, Paradies 10

wundervollen Exemplar

begeisternd herrlichen Hell-Dunkels

auf seinen ganzen Bögen von 47,7-48,2 x 68,3-68,8 cm, wie ganz so hier noch nicht durchgelaufen und mit Ausnahme des Schwerdt-Exemplars (52 x 71 cm) auch anderwärts hier so nicht nachweisbar. Somit aber hier Randbreiten von proportional bestens ausgewogenen seitlich 6,5-8 cm + 3-5,4 cm für oben und unten, je nach Plattenformat. Abweichend nur Blatt 2, siehe unten, mit nur 5,2-5,3 bzw. 3,9-4,9 cm bei nur 48,5 x 65,7 cm Blattgröße.

Druckmäßig offensichtlich ein Zwischenzustand zwischen Weigel A (Alte Abdrücke [Bütten/Linienpapier]) und Weigel B (Spätere Abdrücke, wohl die der 1824/25er Augsburger Engelbrecht-Herzberg’schen Neuausgabe nach Übergang des Ridinger-Verlags auf Engelbrecht spätestens 1821). Zweifellos hieraus hiesiges Blatt 2 der Folge auf seinem guten Basler Thurneisen-Papier (Wz.: Thurneisen / G[roß]. R[eal].) wie für die umfassenden Neuauflagen jener Jahre vielfach verwendet, deren Subskriptionsprospekt vom August 1824 u. a. ausführt, daß dank

„ der jetzt vervollkommten Kupferdruckerei und deren zweckmäßigen Einrichtung (Abdrucke erzielt werden), welche ohne alle restaurierende Nachhülfe, an Reinheit und Kraft ältere Abdrücke übertreffen, und … den Vorzug haben werden, ihre Farbe unverändert zu behalten “.

Was letzteres hier aufliegende/durchgelaufene Thurneisen-Ridinger bestätigen, ohne gleichwohl den zeitgenössischen und ihrerseits sehr wohl farbbeständigen Abdrucken ihren Rang streitig machen zu können, da gern ein wenig hart wirkend, wie hier im Vergleich mit den übrigen, viel wärmeren und damit kraftvolleren, elf Blättern mit ihrem Wasserzeichen

I. C de (& ?) R. Im Hof / Gr. Real

der gleichfalls Basler Papiermühle von Johann Christoph im Hof-Burckhardt à la Das-Bessere-ist-des-Guten-Feind geradezu ins Auge springend. Und es solchermaßen schwerfällt, die Ridinger’schen Im Hof-Qualitäten mit den 1824/25er Ausgaben in Verbindung zu bringen, wie zeitlich durchaus denkbar und möglich. Und so hieß es hier schon gelegentlich eines 1992 durchgelaufenen Im Hof-Paradieses

Ridinger, Paradies 11

„ … Abdrucke, deren Druckqualität, gestützt auch von dem Im Hof’schen Wasserzeichen, sie um 1800 zuordnen läßt. Also eindeutig vor den gleichfalls noch sehr schönen Engelbrecht’schen Abzügen … die indes ein klein wenig hart wirken. Hier dagegen noch die ganze Weichheit des Tons, durch den die alten Drucke immer wieder begeistern. “

Dieser Zeitansatz unverändert denkbar und möglich als die auf 1453 zurückgehende Gallician’sche Papiermühle – heute Sitz des Schweizer Papiermuseums – im Basler St. Alban-Tal bereits 1778 von dem als Buchhändler und Verleger tätigen Joh. Chr. Im Hof-Burckhardt übernommen und nicht über spätestens 1850 hinaus betrieben wurde, als die Gebrüder Hugo die Anlagen als Tabakfabrik nutzten. In dieser Spätzeit aber erschienen die Ridinger’schen Neuauflagen (Weigel C) auf gänzlich anderem, sprich neuartigem, aus heutiger Sicht graphisch gleichwohl wenig geeignetem Kupferdruckpapier.

Das als I(ohann). C(hristoph) de R(udolf). Im Hofe gelesene Wz. auflösbar in als für Zeit/Ort gleichwohl eher ungewöhnliche Namensbezeichnung nach Art der alten Niederländer, also Joh. Chr., Sohn des Rudolf. Anderenfalls das de als verspieltes &-Zeichen mit der sinnvollen Lesung Joh. Chr. & Rudolf zu sehen wäre. Letzterer wie folgt bei Löffler-Kirchner II (1936), 148:

„ Imhoff, Johann Rudolf (auch Im Hof geschrieben), Buchhändler in Basel um die Mitte des 18. Jhdts., nach seinem 1760 verbreiteten Lagerkat. augenscheinlich einer der ersten Vertreter des ‚modernen Antiquariats‘. Er bot neben seinem eigenen Verlag Partieartikel an, die er ‚an sich erhandelt und in Menge bey ihm zu haben seynd‘. “

Beide Lesarten somit in Einklang mit hiesiger frühen Einordnung von elf der Drucke in auch zeitlich noch große Nähe zu den zeitgenössischen.

Der Erhaltungszustand der Folge entspricht ihrem wie folgt zu ergänzenden Ganzen: Blatt 2 (Thurneisen-Druck) mit jeweils geglätteter Mittelfalte und Fältchen im linken Bilddrittel sowie nur wenig bemerkbarem partiellen Wischweiß in der rechten unteren Bildpartie. Blatt 5 mit durch äußerste linke untere Bildecke hindurchgehender Randeinriß ebenso professionell mittels (meist) Flüssigpapier geschlossen (hier als Verfärbung bemerkbar praktisch nur am äußeren Blattrand) wie generell verschiedentliche Einrisse oder Ausbesserungen/Anränderungen in den üppig breiten weißen Papierrändern. Sonst, wie gesagt, bestens und mit Ausnahme von eben Blatt 2 völlig ursprungsplano, also ohne die bei den übergroßen Blättern vielfach zu vermerkenden einstigen Mittelfalten.

Résumé :

Die grandiose Folge

Ridinger, Paradies 12

in einem Exemplar

nahe dem Absoluten

Angebots-Nr. 15.868 / verkauft


Die  nachfolgenden  zwei , aus generationenaltem Vorbesitz stammenden Paradies-Blätter waren zu entrahmen und zu reinigen, bevor die schöne Druckqualität dieser alten Linien-Papier-Abzüge auch optisch wieder zur Geltung kommen konnte :

Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden … Gottes Schöpfung feiert den für Adam ersten Sonnenaufgang. 39,3 x 54 cm. – Thienemann 808. – Blatt 2 der Folge.

„ Alles, bis auf den noch einsamen Mann, paarweis. Stier und Kuh ihm zunächst, Widder und Schaf nicht weit davon, ein Paar Murmeltiere, Hasen, Pfauen, Truthühner, Schwäne, Kormorane, Reiher, allerlei Entenarten, dazu eine Gazelle, und ein Krokodil, einsam “

(Thienemann).

Oben + unten 1,5-3,1, an den Seiten 2,1-2,3 cm breitem Rand. – Bildseits nicht wahrnehmbarer, nahezu horizontal noch etwa 5 cm durch die rechte obere Bildecke verlaufender Einriß sowie drei kleine Einrisse im weißen Oberrand säurefrei hinterlegt.

Angebots-Nr. 28.366 / EUR  610. / export price EUR  580. (c. US$ 664.) + Versand

Und gab ihrem Manne auch davon, und er ass. 39,1 x 54,7 cm. – Thienemann 814. – Blatt 8 der Folge.

Eine ausgeführte Vorzeichnung und drei Entwürfe Weigel 803-806. Drei Entwürfe in Augsburg zur zentralen Zweiergruppe, davon eine ausgeführt.

„ Der treue Hund unter Adam verzieht den Leib krampfhaft und heult vor teilnehmendem Schmerz, die Katze wälzt sich im Staube. Ein Papagei will Eva strafen. Hinter ihr zwei Pfaue, als Sinnbilder des Stolzes und der Selbstgefälligkeit, dann ein Vielfraß – Bild der Genußsucht, der Gefräßigkeit – der Paradiesvogel eilt das Paradies zu verlassen. Auch ein lüsterner und geiler Pavian schaut billigend darein “

(Thienemann). – Linksseits sowohl ganz vorn als auch zurückgesetzt

das von Ridinger 1748 in Augsburg

nach dem Leben gezeichnete Nashorn „Clara“

als der ersten wissenschaftlichen Darstellung des Rhinocerosses

(Th. 295; frisch hereingekommen die beiden Thierreich-Claras im Ridinger’schen Original-Kolorit, Th. 1027 + 1028), rechts am Rand der vom Stiefsohn Seutter 1744 in Florenz nach dem Leben gezeichnete und von Ridinger 1745 gestochene „Indianische Wolf“ (Th. 279) als der schon Jahre vor Buffon geschaffenen

„ ersten guten Abbildung von der gestreiften Hyäne “

(Th.). Welche Daten für die zeitliche Einordnung der Paradies-Folge auf Ende der 40er Jahre oder auch später – als zeichnerische Vorlage heranziehbar könnte auch das 1754er laufende Nashorn Weigel/1869, Pos. 708 in Frage kommen – von Belang sind.

Oben + unten 1,1-4, an den Seiten 2-2,1 cm breiter Rand. – Im rechten äußeren Bildfeld fünf (drei größere) bildseits nicht wahrnehmbare säurefreie Rißhinterlegungen, ein solcher im weißen Unterfeld bis an die Bildkante heranreichend.

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  1. KUNSTREICH, a. a. O., Seite 20, Anm. 7.
  2. Mannheim 10. Juli 1771, in Décultot und andere [Hrsg.]. Joh. Gg. Wille / Briefwechsel. 1999. Seite 486.
  3. Zürich 12. Juli 1772, in a. a. O., Seite 499.
  4. Johann Elias Ridinger (1698-1767) / Grafika. Hrsg. vom Muzeum Narodowe w Kielcach. 1997. – Poln.-dt. Paralleltext.
  5. Stefan Morét und Arnulf Rosenstock. Die Tierdarstellungen von Johann Elias Ridinger. 1999.
  6. Kurt J. Müllenmeister. Roelant Savery / Die Gemälde. 1988.
  7. Ridinger-Kabinettausstellung der Kunstsammlungen Augsburg 2001.
  8. 37 als „Reiche Zusammenstellungen mit mehr oder weniger Abweichungen von den gestochenen Blättern, besonders in den Entwürfen“ noch 1869 im „Catalog einer Sammlung von Original-Handzeichnungen … gegründet und hinterlassen von J. A. G. Weigel in Leipzig“ (Nrn. 779-815).
  9. Wobei aber auch offensichtlicher Rückgriff auf schon anderwärts Vorhandenes nicht übersehen sei.
  10. Rugendas. Eine Künstlerfamilie in Wandel und Tradition. Ausstellungskatalog. 1998. Seite 27/III. – Augsburger Museumsschriften 10. Hrsg. von Björn J. Kommer.
  11. Seite 229 des schon eingeführten 1869er Weigel’schen Nachlaßkatalogs.
  12. a. a. O. Seite 44
  13. C. F. G. R. Schwerdt. Hunting, Hawking, Shooting illustrated in a catalogue of books, manuscripts, prints and drawings. Bd. III. 1928/1985. Seite 144.
  14. Wohl Lot 1762 des Katalogs XXXV der 1895 bei Hugo Helbing in München versteigerten Sammlung Georg Hamminger, Regensburg, obgleich dort mit dem ggf. fehlerhaften Anschein eines nicht näher bezeichneten Versotextes auf allen 12 Blättern.

“ Hello again! It arrived this morning – everything fine and ready for framing! Thank you for your kind assistance. Best regards ”

(Mr. J. R. L., May 25, 2005)