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Sommerzeit — Kreuzfahrtzeit

Das

Gästebuch

Prinzessin Victoria Luise - Gästebuch 1905-1906

des

ersten Kreuzfahrtschiffes

»Prinzessin Victoria Luise«

Juni 1905 — Dezember 1906

„ Zum  3. Mal

unter  Kapitain  Brunswig  glänzender  Führung … ! “

Nach 30 Jahren zurück am Markt

Das Gästebuch

Gästebuch Prinzessin Victoria Luise: I. Westindienreise 1906

des ersten Kreuzfahrtschiffes

Prinzessin Victoria Luise

Juni 1905 — Dezember 1906

Im Meistereinband Georg Hulbes

210 x 145 mm. 93 (von 94) Blatt , davon 26 beschrieben .

Originaler dunkelbrauner Lederschnitt-Band mit farbig geprägtem Vorderdeckel. mit der „Meteor“ (sic!) vor gebirgiger Küste in fleuraler Umrankung nebst blau-silbern-goldener Reedereiflagge „HAPAG“ sowie farb. maritim-ornamentalem Vorsatz mit Leinenfalz und rot-weiß umstochenem Kapitalband. Rotschnitt. Messingschließe (Schließband fehlt). (Georg Hulbe.)

Mit mehr als 300 Einträgen

der  wirtschaftlichen , gesellschaftlichen  und  politischen  Haute  Volée

ein  internationales  Who’s Who  der  Jahrhundertwende .

Beginnend mit der Kieler Woche 1905

„In Erinnerung der schönen Tage mit der Prinzeß Victoria Louise

Kieler Wochen 1905 —

E(rnst) Günther Herzog Schleswig-Holstein“ (Schwager Kaiser Wilhelms II.)

folgen gleichen Jahres Fahrten

zum Nordkap, nach Spitzbergen sowie Schottland. 1906 zunächst drei Westindienreisen, dann im April von New York nach Venedig und weiter nach Genua. Von dort zur Kieler Woche 1906, im Juli zum Nordkap, danach Spitzbergen (zurück in Hamburg per Eintrag Kapt. Max Dietrich von der legendären Herzogin Cecilie vom 10. August) und erneut zum Nordkap. Von der auf die Verlegung nach New York folgenden fatalen Westindienreise Mitte Dezember 1906 als einzige – und letzte Einträge überhaupt – die von „Mrs. Broughton Brandenburg – New York City —“ und ihrem berüchtigt-schillernden Gemahl, dem Autor und Journalisten, u. a. für die New York Times, Broughton Brandenburg (d. i. Earl Victor Broughton Brandenburg, 1876-1963):

„ God’s untainted air and his unhindered sunlight on his mighty … sea makes good men. I am glad to have met one of them in the owner of this book – Broughton Brandenburg ,

Dec. 16. 1906 “

 

Eingebunden denn

Albert Ballins Gattin, Marianne, Julie von Engelcken, geb. Neven DuMont, sowie Ella Neven DuMont, geb. Böhme/Berlin, und Elisabeth von Engelcken („Zum Andenken an einen sehr fidelen Ritt!!“), Dr. August Oetker mit Caroline („Line“) und Sohn Rudolf, Karl August Lingner („Odol“), der Stuttgarter Verleger Adolf Spemann nebst Julie, Wilhelm Vorwerk, Wiesbaden, Günther Killisch von Horn, jüngster Sohn des Begründers der Berliner Börsen-Zeitung, nebst Frau Magda, geb. Dick aus Bonn, Tochter eines Kapitäns zur See, Alice von Raffay, Hermann Sauber, (Sauber Gebr., älteste Kohlen-Reederei Hamburgs), Alfred Ritter von Posner, in zweiter Generation Inhaber des größten Druck- + Buchbindeunternehmens in Ungarn, das 1884 das Privileg zur Einführung der Landkartenproduktion in Ungarn erhielt, Commerzienrat Paul Boeckel, St. Petersburg (Kohlen-, Eisen- und Ziegelhandel), Jan Volkert Wierdsma, 1880-1905 Generaldirektor der Holland-Amerika Lijn, Ottilie von Kubinzky, Gattin des österreich-ungarischen Textilindustriellen Emil v. K., nebst Tochter Mea Gräfin Boos zu Waldeck.

Gästebuch Prinzessin Victoria Luise: Bl. 2 versoGästebuch Prinzessin Victoria Luise: Bl. 3 recto

Bürgermeister Johann Heinrich Burchard und Senator Friedrich Sthamer aus Hamburg, Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe, Autor u. a. von Waidmannsbrauch und Jägerart, Prof. Ludwig Sütterlin aus Heidelberg, J., R. + E. Bunau-Varilla (Paris; Philippe-Jean Bunau-Varilla?, treibende Kraft sowohl für den Bau des Panama-Kanals als auch der zur Staatsgründung Panamas führenden Revolution), Admiral Conrad von Bodenhausen, Graf Wolff Metternich, Lucy von Motz, geb. Ertel, mit Bianca, Generalleutnant Karl von Einem, Staats- und Kriegsminister, nebst Gattin Irmgard („Immer das rechte Wetter wünscht … in Erinnerung an die schöne Nordlandreise …“), Graf Günther von der Goltz, Aachen, der Meininger Veterinär und Landestierarzt Gustav von Vaerst, der Göttinger Bakteriologe und Hygieniker Erwin von Esmarch, Marie Gräfin Görtz-Wrisberg, Witwe des für die Bewahrung der Eigenstaatlichkeit Braunschweigs während der Regentschaft 1884-1913 bedeutenden Staatsministers Hermann Graf Görtz-Wrisberg, in Begleitung ihrer Tochter (?) Martha Degener aus erster Ehe sowie von Marianne Bierbaum aus der Braunschweiger Bankiersfamilie, Joseph Ballard Murdock, Kommandant USS Denver, später Rear Admiral und Oberbefehlshaber der Asiatic Fleet, Mrs. Henry Edward Roehr (Brooklyner Freie Presse), Rear Admiral Charles Dwight Sigsbee, Befehlshaber der Nordatlantik-Flotte der US Navy, Victoria, Kronprinzessin von Schweden und Prinzessin von Baden, die Schriftstellerin Lita zu Putlitz, der Marinemaler Hugo Schnars-Alquist („Viele Bilder auf den Dampfern der ‚Hapag‘ u. der ‚Hamburg-Süd‘“, Thieme-Becker), Eberhard Graf von Schmettow, Flügeladjutant Kaiser Wilhelms II., Hans von Krosigk, Landrat von Neuhaldensleben, der nachmalige Generalleutnant Wedig von Zitzewitz nebst Agnes, geb. Puttkamer, Marie von Zitzewitz , Stolp/Pommern, Friedrich von Schorlemer-Alst, der Polarforscher Theodor Lerner, Graf Eugen von Kesselstatt auf Schloss Kesselstatt bei Trier, Agnes von Kleist, Berlin, Kaiserallee 15, der norwegische Maler Hans Andreas Dahl, Sohn des von Wilhelm II. geförderten Hans Dahl, Émile de Mot, Bürgermeister und Senator von Brüssel, Arthur oder Walther von Wrochem, Prof. D. Leopold Witte, evangelischer Theologe, geistlicher Inspektor und Superintendent in Pforta, Sohn des Juristen und Danteforschers Karl Witte etc. etc.

Bereits  seit  1891  führte  die  HAPAG  Kreuzfahrten  durch ,

nicht zuletzt auch, um vor allem in den Wintermonaten die Schnelldampfer der Nordatlantikroute besser auszulasten. Indes erwiesen sich diese mit ihrer ganz auf eine zwar komfortable, aber vor allem schnelle Überfahrt ausgerichteten Einrichtung und Aufteilung als letztlich wenig geeignet und auch hinsichtlich Größe und Maschinenleistung als weit überdimensioniert – Kreuzfahrt war noch kein Massengeschäft wie die Auswanderung im Zwischendeck. Daher orderte Albert Ballin unmittelbar nach seiner Bestellung zum Generaldirektor der HAPAG 1899

ein exclusives Kreuzfahrtschiff

mit der Anmutung einer Privatyacht

als solchermaßen erstes Kreuzfahrtschiff überhaupt .

Benannt nach der Tochter des Kaisers, der Ballin auch bei der Ausstattung beraten hatte, verfügte die Prinzessin Victoria Luise über 120 geräumige Suiten mit Bädern (sic!) ausschließlich der ersten Klasse. Mit einer Auslegung auf 15 Knoten blieb sie zweckensprechend deutlich hinter den Schnelldampfern zurück. Bibliothek, Gymnastikraum und Dunkelkammer rundeten das Angebot ab.

(D)ie Reederei (bot) neben einer Mittelmeer-/Orientreise

von über 50 Tagen

ab 1894 noch Nordlandreisen von 18 bis 20 Tagen

bis nach Spitzbergen …

und ab 1896 Kreuzfahrten zwischen den Westindischen Inseln an .

Die von der Reederei durchgeplanten Reisen

mit Landausflügen und Besichtigungen

fanden Anklang beim Publikum .

Wikipedia, Prinzessin Victoria Luise

Am Abend des 16. Dezember 1906 versuchte Kapitän H. Brunswig, ohne Lotsen – man hatte sich um sieben Stunden verfrüht – den Hafen von Kingston (Jamaika) anzulaufen, in Folge eines Navigationsfehlers lief das Schiff indes nahe Port Royal auf die Uferfelsen. Während die Besatzung die Passagiere beruhigte, nahm sich Brunswig das Leben. Am folgenden Morgen konnten die Passgiere samt Baggage über eine Bootskette an Land gebracht werden und die Reise auf der herbeibeorderten Kronprinzessin Cecilie fortsetzen. Nach vergeblichen Bergungsversuchen wurde die Prinzessin Victoria Luise angesichts schwerer Schäden und sich verschlechternden Wetters am 19. Dezember – und damit auf den Tag sechs Jahre nach Indienststellung – aufgegeben.

Um die Prinzessin Victoria Luise bevorzugt für das zahlungskräftigere amerikanische Publikum einsetzen zu können, war 1904 die kleinere Meteor hiesiger Vorderdeckelillustration als zweites Kreuzfahrtschiff für vor allem europäische Kreuzfahrten in Dienst gestellt worden. Zuvor letztere führend, übernahm Kapitän Brunswig die Prinzessin zur Kieler Woche 1905. So denn auch ein Eintrag von der folgenden Nordkapfahrt:

Gästebuch Prinzessin Victoria Luise: Spitzbergen 1905

„ Auf dem Meteor ‚auf Wiedersehen‘ — Erfüllt auf Victoria Luise

Eh’ wieder wir hier auseinander thun gehn

Sinds eben dieselben Grüsse! “

Bei zwangsläufigen Schwerpunkten Deutschland/Österreich-Ungarn – hier wiederholt Wien + Budapest zu nennen – einer- und New York andererseits, reichen die Einträge von Petersburg bis Cincinnati und Santa Fe, New Mexico, von Dänemark bis Italien. Dazwischen Gasteinträge teils offizieller, teils privater Natur während Hafenaufenthalten und durchzogen vom roten Faden der Beliebtheit und Wertschätzung, der sich Kapitän Brunswig – bei der ersten deutschen Tiefsee-Expedition 1898/9 auf dem HAPAG-Dampfer Valdivia als 1. Offizier zugleich für Anordnung und Ausführung der Expeditionsarbeiten zuständig – bei seinen Passagieren erfreute:

„ Dass Kapitän Brunswig eine Zierde seines Standes, / Die ‚Hapag‘ Gesellschaft zu ihrem Nutz u. Frommen längst ja fand es / Dass er jedoch auch der glänzendste Vergnügungs-Regisseur, / Der ‚Prinzess‘ Passagire anerkennen es dankend u. bestättigen es auf Ehr —

Mea Gräfin BoosWaldeck / 2. August 1905 “

 

Buchbinder Georg Hulbe

Kiel 1851 – Hamburg 1917

ließ sich nach Lehre und Wanderjahren 1876 zunächst in Kiel nieder, wechselte aber bereits 1880 nach Hamburg, wo der Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe, Justus Brinkmann,

„ die  Meisterschaft  H.s

in  der  technisch-künstlerischen  Bearbeitung

und  in  der  Verzierung  des  Leders

erkennend, ihn mit Rat und Tat unterstützte. Angeregt durch alte Lederarbeiten des Hamburger Museums (Nürnberger Hasenjagdeinband von 1475) wandte sich H. vornehmlich dem Lederschnitt zu, ohne doch über eine heute kalt wirkende Nachahmung hinaus zu gelangen. Seine Werkstatt, die 200 Angestellte beschäftigte, hatte in der Zeit der Protorenaissance der 1880er und 90er Jahre internationale Bedeutung. Sie wandte sich mit der Jahrhundertwende dem Jugendstil zu, ohne von den Renaissance-Imitationen aber jemals ganz abgelassen zu haben “

(Alfred Rohde in Thieme-Becker XVIII [1925], S. 105).

Der Lederschnitt kam im Mittelalter mit der Lederbindung parallel zur Prägung mit Stempeln auf, wobei

„ die vorgezeichneten Linien mit dem Messer eingeschnitten (werden) … Damit sich die Einschnitte in dem Leder nicht wieder schliessen, werden die eingeschnittenen Linien durch Nachziehen mit einem stumpfen Instrument … erweitert.

Die  eingeschnittene  Zeichnung  muss  nun ,

wenn  sie  zu  rechter  Wirkung  kommen  soll ,

Gästebuch Prinzessin Victoria Luise: Lederschnittdetail

etwas  aus  der  Fläche  hervorgehoben ,

zu  einem  gewissen  Relief  gebracht  werden …

Die Lederschnittarbeit setzt , da sie eine Arbeit der freien Hand ist, ein besonderes Geschick voraus, macht aber die Arbeit vollkommen unabhängig von jedem Stempel und von jeder Platte und ermöglicht es,

einen  jeden  künstlerischen  Entwurf  auf  das  Leder  zu  übertragen …

In der deutschen Renaissance-Bewegung im Kunstgewerbe in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde auch  die  alte  deutsche  Technik  des  Lederschnitts  für den Bucheinband neu belebt. In Hamburg nahm sie … Georg Hulbe wieder auf … In Hamburg hat die Kunstbuchbinderei neuerdings einen beachtenswerten Aufschwung genommen. Ausser Georg Hulbe … “

(Jean Loubier, Der Bucheinband in alter und neuer Zeit, SS. 60 f., 170 + 178).

Seine Tätigkeit auf Lederkunsthandwerk und -produktion erweiternd, fertigte Hulbe 1895 sämtliche Lederstühle + Ledertapeten für den Reichstag in Berlin und 1897 die gesamte Lederausstattung des neuen Hamburger Rathauses einschließlich des Lederschnitt-Einbands für das Goldene Buch der Hansestadt. Mit Ausstellungs- + Verkaufsräumen in jeweils bester Lage am Jungfernstieg sowie in Berlin und Frankfurt vertreten, erfolgte 1911 der Wechsel in das Hulbe-Haus in der Mönckebergstraße als nunmehr eigenem Quartier. Auf dessen Giebel indes noch heute

Hulbes Signet , die Kogge ,

welche denn auch anstehender Band auf dem Rückdeckel unten rechts – unten links „Georg Hulbe / Hamburg-Berlin“ – in Blindprägung als Signatur trägt und die zudem

in  Golddruck  auch  die  Vorsatz-Ornamentik  bestimmt .

Der Einband hier und da minimal berieben, lediglich die Farben der Reedereiflagge stärker betroffen. – Es fehlt das sauber herausgetrennte vorletzte beschriebene Blatt mit dem Beginn der fatalen Westindienreise Dez. 1906. Im übrigen tadellos frisch und solchermaßen nicht allein eine

„Erinnerung an die gemeinsamen Reisen

auf ‚dear old Prinzess‘“

sondern rundum beredt für jene Welt von gestern stehend ,

als Kreuzfahrten noch ein exclusives Vergnügen

fern  heutiger  Massen-Industrie  waren .

Angebots-Nr. 29.005 / Preis auf Anfrage


“ Subject: Thanks!

Thanks for your kind reply. I wanted to comment that your thoughts on freedom (the quote that you had on the end of your message to me) are exactly the same as my beliefs.

I write, however, because I was surprised to get it from Europe … Although an American, almost all my early family were Huguenots … In fact, my relative, Jan C. is noted as the earliest C. to have arrived in N. America (in 1636, I think) … ”

(Mrs. C. F., November 14, 2003)