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Franz Heckendorf 125 Jahre

!! 125ter !!
Franz Heckendorf
1888 — 2013

In Verfolgung seines schon früh einsetzenden exemplarischen Schaffens über die Jahrzehnte bestätigt sich die Wertung Hans Vollmers als des lexikographischen Interpreten der Moderne schlechthin, mit der dieser 1923 in Thieme-Becker den 35jährigen Franz Heckendorf (Berlin 1888 – München 1962) ins Zentrum der Jungen katapultierte, nämlich „‚alles optisch Wahrnehmbare zu vergeistigen und in die Sphäre des visionär Geschauten zu übersetzen‘, (was) die

Erfüllung  des  Programms  des  modernen  Expressionismus  (bedeutet) ,

zu  dessen  überzeugendsten  Verkündern  H.  zählt … “

Einer der begabtesten Vertreter der jungen deutschen Künstlergeneration, dessen persönliche Note in seinen von ungeheurer Dynamik des malerischen Vortrages erfüllten und starker Innerlichkeit der Empfindung getragenen Landschaften bisher ihren reifsten Ausdruck gefunden hat“. Der Eintrag im übrigen gleichen Umfanges wie der zu Heckel, mit dem er, gleich auch Kirchner, seine im wesentlichen autodidakte Reifung teilt. Wie auch die Verfemung als entartet. Der als ein Phönix aus der Asche zu entsteigen ihm gleichwohl nicht vergönnt war. So läßt seine Wiedergutmachung noch auf sich warten. Denn nur zu überzeugend, was von frühester bis in die gegenwärtige Literatur so atemlos wie der Duktus seiner Palette selbst an seinem Œuvre qualifiziert worden ist. Bis hin zur Betonung der Bedeutung nicht zuletzt seiner „großen Reisen durch Europa und (des) Studium(s) der alten Meister in den Museen“ durch Horst Ludwig im Katalog zur Einzelausstellung der Galerie Hagemeier 1985. Denn, so Vollmer weiter,

„ Einen harten, aber sehr ausdrucksvollen Kontur zu der zeichnerischen Grundlage seiner Kompositionen machend, bringt er durch eine sprunghaft unvermittelte Nebeneinandersetzung seiner oft bis zur Rohheit kräftigen, leuchtenden Lokalfarben, die sich ebenso bewußt von jeder naturalistischen Wiedergabe trennen wie seine Linienführung, einen

vehement  gesteigerten  Natureindruck

hervor. Die Bewegungssuggestion, die von seinen Landschaften,

über  die  es  wie  Wetterleuchten  zuckt ,

ausgeht,

resultiert  aus  der  dröhnenden  Wucht  ihrer  malerischen  Faktur ,

in der viel weniger eine äußerlich erregte Stimmung der betreffenden Natursituation als die innere Erregung des schaffenden Künstlers zum Ausdruck kommt, daher diese Landschaftsvisionen einen durchaus subjektiven Charakter tragen … . “

Und ein geradezu erregendes Faszinosum ist es, wie dieses Werk ungebrochen Aufbruch und Spätzeit überspannt. Mit dem résumé Vollmers

„ In allen Techniken gerecht und ein ungemein leicht produzierendes Talent “.

 

Literatur

Thieme-Becker XVI (1923), 211 f.; Vollmer II (1955), 400; AKL LXX (2011), 513 f.

Kestner-Museum Hannover, Kataloge der Sonderausstellungen XVII, 1918; Joachim Kirchner, Franz Heckendorf, 1919, + Neue Bilder von Franz Heckendorf in Biermann (Hrsg.), Jahrbuch der jungen Kunst 1924, 190 ff.; Cicerone, Jge. 1912-1928, hier insbesondere XVI (1924), 802 f.; Feuer II, 1 (1920/21), 195-202; Franz Heckendorf, Katalog der Sonderausstellung der Galerie Hagemeier, Ffm., 1985; Symphonie in Farbe, Ausstellungskatalog der Kunstfreunde Bergstraße, 1991; Rainer Zimmermann, Expressiver Realismus / Malerei der verschollenen Generation, 1994, 384.

Gisela Hauss (Hrsg.), Migration, Flucht und Exil im Spiegel der Sozialen Arbeit, 2010, 192 f.; Winfried Meyer, NS-Justiz gegen Judenhelfer: „Vernichtung durch Arbeit“ statt Todesstrafe. Das Urteil des Sondergerichts Freiburg i. Br. gegen den Berliner Maler Franz Heckendorf und seine Vollstreckung. In: Wolfgang Benz (Hrsg.), Jahrbuch für Antisemitismusforschung XIX, 2010, 331-362.

 

Expressiv leuchtender Süden

Mittelmeerlandschaft. Charmanter kleiner Ort an buchtenreicher Küste zu Füßen eines Bergmassivs. Vorn rechts

dominierende  Dschami  (Kullijet)

mit  spitzem , sehr  schlankem  Turm

wie für die türkischen Minarets typisch, über- und hineinragend in die Berge, sowie umlaufende Scherife für die Muezzins, wie überhaupt die ein turmartiges weiteres Gebäude umfassende,

über  den  Ort  aufsteigende  Gesamtanlage  der  Moschee

bildhaft  schön  erfaßt

ist. Des weiteren Boote + gesichtslose Figurinen, darunter Maultierreiter. Aquarell über Bleistift. Bezeichnet mit letzterem unten rechts: Franz Heckendorf (19)39. 39,7 x 48,7 cm.

Franz Heckendorf, Mittelmeerlandschaft mit Minarett

Herrlich  farbfrische  Arbeit

mit den sprichwörtlich „kräftigen, leuchtenden Lokalfarben“ aus der für Heckendorf so bestimmenden Gruppe der gebirgigen südlichen Landschaft, fußend auf den „Studienaufenthalte(n) in … Italien, Dalmatien u. Kleinasien … Pflegt neben d. Ölmalerei auch Pastell u. Aquarell … Das Reifste, was Heckendorf bisher (1923) geschaffen hat, sind seine Landschaften … besonders aber die Landschaften, die er während des (1.) Weltkrieges als Kampfflieger an der Ostfront,

auf  dem  Balkan , am  Bosporus  und  am  Tigris

zu malen Gelegenheit hatte“ (Vollmer in Thieme-Becker bzw. in Vollmer).

Die Figuration, wie vielfach bei ihm, mittels konturenloser (Nicht)Gesichter bewußtsichtbar nachgeordnet. Peter Bürger wird Generationen später bezüglich Kirchner’scher Straßengestalten

von  „maskenhaft  vereinfachten  Gesichtszügen“

als  Ausdruck  „allgemeiner  Beziehungslosigkeit“

sprechen (Flaneure überdehnen die Stadt … Kirchner und der Manierismus, FAZ 23. Juli 2001). Aber auch schon Hogarth bediente sich beispielsweise in „Times I“ (1762) in persona Lord Temple’s dieses Stilmittels letztlich biblischen Herkommens, nämlich sich kein Bildnis zu machen, wie denn auch die Kinder strenggläubiger Mennoniten mit gesichtslosen Puppen spielen.

„ Schüler der Unterrichtsanstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums und der Akad., im wesentlichen aber Autodidakt (gleich den Altersgenossen Heckel + E. L. Kirchner und wie diese ausgehend vom Impressionismus). Einer der begabtesten Vertreter der jungen deutschen Künstlergeneration … In allen Techniken gerecht und ein ungemein leicht produzierendes Talent … pflegt H. neben der Ölmalerei das Pastell, Aquarell und die Lithographie … “

(Vollmer). Bei charakteristischem aus sich heraus leuchten. Wie denn auch hier.

Angebots-Nr. 14.776 / Preis auf Anfrage

Maritimer Süden —
Heckendorfs Süden

Mediterraner Hafen (Triest?). Das Hafenbecken rechtsseitig dominierend ein französischer Dampfer mit Ladegeschirr, davor neben ein- + zweimastigen Küstenseglern weiteres kleineres Dampfschiff. Auf der Mole im Vordergrund sowie an Bord von zwei der Segler Schifferfigurinen, links Ruderboot und, neben zwei weiteren Segelbooten, Blick auf die am Fuße der Bergkette im Hintergrund gelagerte Stadt. Tempera über weißem Grund auf Hartfaser. Bezeichnet unten rechts: F. Heckendorf 1949. 80 x 99,5 cm. Gerahmt.

Verso Reste eines alten Klebezettels mit maschinenschriftlicher Bezeichnung „HAFEN VON T(?)..E(?)S.“. – Namentlich an den Ecken etwas bestoßen, in der Himmelspartie längs der Oberkante wenige kleine Farbabsplitterungen, sonst bestens. – Der 3teilige handwerkliche Holzrahmen in Elfenbein- + Schwarz-Anstrich angelehnt an einen solchen wohl des Künstlers selbst, belegt hier für einen weiteren Heckendorf.

Franz Heckendorf, Mediterraner Hafen (Triest)

Hafenansichten bzw. -landschaften durchziehen – wenngleich meist kleinformatiger – Heckendorfs Œuvre. So beispielsweise aus jüngerem Marktvorkommen das atmosphärische 1927er Aquarell vom Hafen von Marseille und der Hafen in Südfrankreich aus einem Skizzenbuch von 1944. Oder das großformatige Öl Industriehafen der 1985er Ausstellung Hagemeier aus 1952. Aus gleichem Jahr auch das hiesigen Dampfer wiederaufgreifende Aquarell Südliche Hafenlandschaft.

Herrlich  farbstarke  Arbeit

nach in Bleistift und farbigen Pastellkreiden als Momentaufnahme vor Ort verfertigter 1941er Skizze, bestimmt vom Ochre der beiden Dampfer und der Mole sowie dem Blau von Wasser + Himmel. Bei charakteristischem Aus-sich-heraus-Leuchten als seinerseitiger Widerspiegelung des, eben, „visionär Geschauten“. So denn auch – Kirchner nahezu wörtlich übernehmend – treffendst auf den Punkt gebracht von Rainer Zimmermann im Katalog der Kunstfreunde Bergstraße:

„ Der Vergeistigungsprozess, den der Künstler durch die Farbe aber auch durch Rhythmus und Linie hervorbringt, ist wohl am leichtesten in seinen Landschaften zu erkennen.

In  der  Wahl  der  Farben  findet  die  ganze  leidenschaftliche  Verve

seines  übersprudelnden  Temperamentes  ihre  höchste  Befriedigung .

Visionäre Lichteffekte vervollständigen den Reiz.

Seine  Farben  glühen , zucken  und  blitzen

oder sind voll dunkler Schwermut “

(a. a. O., Seite 11; Sperrung + Zentrierung nicht im Original).

Verbunden hier mit der besonderen Maltechnik. Denn

„ Ungefirnißte  Tempera – wie hier – ist … an  Helligkeit  der  Ölfarbe  überlegen …

Die Töne … wirken … beim Auftrocknen bestechender. Das Material bietet mehr zufälligen Reiz als die Ölfarbe “

(Max Doerner, Malmaterial und seine Verwendung im Bilde, 14., von Hans Gert Müller neubearbeitete Auflage [1976], S. 119).

Angebots-Nr. 29.000 / Preis auf Anfrage

Franz Heckendorf 1949

 

„Visionäre Lichteffekte
vervollständigen den Reiz“

Lugano. Gartencafé am See dominiert von freistehender offener Pergola, deren dunkle Stangenhölzer für die ihm wichtigen „dunklen Baumstämme (stehen), die Tiefenräumlichkeit schaffen und die Fläche stark rhythmisieren“ (Horst Ludwig). Aquarell und Gouache über schwarzer Kreide. Bezeichnet unten rechts mit Bleistift: F. Heckendorf / (19)56 / Logano (sic!, über zunächst Ascona, von dessen Seepromenade eine auch formatmäßig gleichartige Arbeit selben Jahres existiert). 35,8 x 47,8 cm.

Siehe die aus anderer Perspektive gesehene gleiche Szenerie des als Gartencafé 1956 geführten Öls (Hartfaser, 80 x 60, bez. u. l.: F. Heckendorf 56) der farbigen Deckel-Illustration des 1985er Hagemeier-Katalogs sowie das weitere dortige Öl Gartencafé gleichen Jahres (SS. 40 f.) nebst seiner undatierten Kohlezeichnung SS. 22 f. Aus Marktvorkommen der 1990er heranziehbar rücksichtlich ihrer jenseitigen Erhebungen ferner ein als Belebte Hafenbucht geführtes 1921er Öl (Holz, 27 x 32,5 cm, bez. l. u.: F. Heckendorf. 21.) und ein 1951er Aquarell Badende in südlicher Landschaft (50 x 64,5 cm, bez. u. l. F. Heckendorf 51).

Auf leicht genarbtem beigefarbenen dünnen Aquarellkarton. – Oberrand bildseits mit übersehbaren restlichen Klebspuren von früherer Rahmung, sonst bestens.

Herrlich  farbfrische  Arbeit

Franz Heckendorf, Lugano

mit  den  sprichwörtlich

„ kräftigen , leuchtenden  Lokalfarben “

Hinsichtlich anstehender Aquarelltechnik gilt im übrigen für Heckendorf nicht weniger als für Schmidt-Rottluff:

„ In der Kunst unseres Jahrhunderts hat das Aquarell seine eigene, noch ungeschriebene Geschichte, das verdankt es in erster Linie deutschen Künstlern; sie haben ihm zu einer vordem unbekannten Potenz verholfen, durch die es – auch dem Format nach –

als  eine  selbständige  Spezies  neben  dem  Ölgemälde

tritt. Zu jenen, die das Aquarell aus der Dienerrolle des Kolorierens von Zeichnungen befreit haben, in die es trotz Dürers, Turners und Cézannes Schöpfungen immer wieder verwiesen wurde, gehört Schmidt-Rottluff “

(Gunther Thiem, Karl Schmidt-Rottluff, Staatsgalerie Stuttgart 1969, S. 13).

Ebenso wie, es sei wiederholt, der gleichalte Heckendorf. Hier denn, überdies, hinreißend schön :

„ Lugano “  —  in  seiner „ wundervolle(n)  Lage  am  Luganer  See “

(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., X [1889], 996).

Angebots-Nr. 15.618 / Preis auf Anfrage

1888 — 2013
125 Jahre jung
Franz Heckendorf

Darum gleich noch deren mehr begegnen …


„ die Sendung ist unversehrt … angekommen, vielen Dank. Alle Blätter finden unsere Zustimmung, wir möchten alle erwerben. Ich habe die Rechnung bereits auf den Verwaltungsweg gegeben … “

(Herr R. G., 21. Dezember 2011)