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Als  Gruß  zum  neuen  Jahr ,

auf  daß  es  Sie  nicht  verdrießen  möge

Himmelsziege

„ Gewöhnlich hält sich die Bekassine still, zur Brutzeit geht es jedoch um so lebendiger auf den Brüchern her, und mancher nächtliche Wanderer ist schon vom Aberglauben beschlichen worden, wenn er eine unsichtbare Ziege hoch über sich in den Lüften deutlich meckern zu hören vermeinte. Diesen Ton nämlich bringt das Männchen mit Hilfe der Schwanzfedern hervor … Außer diesen Tönen wird sich der Jäger mit einem Ton bekannt gemacht haben, der genau wie ‚Etsch=etsch!‘ klingt und von der auffliegenden Bekassine ausgestoßen wird. Den guten Schützen berührt dieser Ton nicht weiter, den schlechtern dagegen verdrießt er …

Eugen Krüger, Bekassinen-Jagd

„ Derselbe ist übrigens noch um so verdrießlicher, als er ein Signal für alle in der Nachbarschaft liegenden Bekassinen bildet, die nun in choro ihr hämisches ‚Etsch=etsch!‘ ertönen lassen, während der Jäger vielleicht soeben bis an den Bauch in den Moder versunken ist “

Soweit Oskar von Riesenthal 1882 in seinem Jagd-Lexikon zur Himmelsziege.

Nicht verdrießen ließ sich indes Eugen Krüger, als er die Bekassinen-Jagd als mit beigefarbener Tonplatte gedruckte Kreidelithographie seiner 1861/62er Folge Die Jagd hinzufügte. Was für den Hamburger Künstler (Altona 1832 – Düsternbrook/Kiel 1876) nahelag, weiß die Bekassine doch die Moore und nassen Wiesen des norddeutschen Tieflandes zu schätzen. Daß Hamburg seinerzeit praktisch vor der Haustür der ridinger handlung lag und 1735-41 in Schloß Ritzebüttel gar der Ridinger-Freund Barthold Heinrich Brockes als Hamburger Senator und Amtmann in einem residierte, nur nebenbei. War Cuxhaven doch von 1393 bis 1937 hamburgischer Besitz und erst 1993 wurde schließlich auch der Amerikahafen abgegeben, sodaß Neuwerk heute gemeinsam mit Scharhörn und Nigehörn die letztverbliebene Bastion Hamburgs an der Elbmündung ist.

Dem großen Nimrod Schwerdt zweifelsohne zu seinem Verdruß gänzlich fehlend und der Literatur weitgehend nur in ihrer mit der preußischen Medaille für Kunst ausgezeichneten 1867er Zweitauflage bekannt, ist die malerische Suite als Ganzes, zumal in ihrer über 7 Lieferungen verteilten Originalausgabe, der auch das hier vorliegende Exemplar entnommen ist,

von  größter  Seltenheit .

Als höchst verdrießlich hingegen empfindet die Bekassine selbst den steten Rückgang von Feucht- und Sumpfgebieten insbesondere auch in Deutschland, wo von 100.000 Brutpaaren vor knapp 50 Jahren gerade einmal 5500-6700 übriggeblieben sind. Wichtigstes Brutgebiet in Europa heute Polen, wo zwei Drittel der auf 24-45.000 geschätzten Brutpaare Mitteleuropas um ihr Überleben kämpfen. In ganz Europa – und hier namentlich weiter nach Osten und Norden in den noch weniger zersiedelten, industrialisierten Weiten Rußlands und Skandinaviens – sollen es noch zwischen 930.000 und 1,9 Millionen Brutpaare sein.

„ … wegen ihres schnellen und schwankenden Fluges schwer zu schießen, (ist) es gewissermaßen das non plus ultra des Flugschützen … wenn er einige nacheinander, ohne fehlzuschießen, erlegt … Ein Bekassinenschütze muß sehr schnell schießen und thun, als koste die Munition nichts! ‚Nicht geschossen ist auch gefehlt!‘ ist eine goldene Regel auf der Bekassinenjagd! “

schrieb Oskar von Riesenthal in der von ihm vollständig umgearbeiteten 1884er 5. Auflage von Friedrich Ernst Jesters Kleiner Jagd. Woran man sich in den Überwinterungs- und Durchzuggebieten von Griechenland über Norditalien bis Südfrankreich denn auch gerne hält und unbeirrt eine jährliche Strecke von über 500.000 Bekassinen hinlegt.

In Deutschland heute hingegen ganzjährig geschützt, konnte denn vor den Feiertagen ein Pärchen auch unbesorgt der ridinger handlung ihren Antrittsbesuch als

Vogel  des  Jahres  2013

abstatten. Aufgestört im Schnee schließlich von sich weder um Rote Listen noch sonstige Ehrentitel scherendem Bussard.


„ Greetings from your Italian friend and Beethoven collector … Please inform me … “

(Sign. L. B., December 10, 2005)