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Vor  125  Jahren  schon  allemal  selten !

Welt  Welt

Jedes  einzelne  für  sich  schon …

Ach  Ach

… doch  hier  beide  zusammen !!

 

Johann Elias Ridinger, Welt Welt

» … also  gilt  es  wie  um  Federn  so  um  Haare

Johann Elias Ridinger, Ach Ach

… da  heißt  es  wie  um  Haare  so  um  Federn «

 

Johann  Elias  Ridinger

Ulm 1698 – Augsburg 1767

 

Welt  Welt .

Die  Fuchsen  hohleten  sich  im  Hüner  Stall  ein  Gastmahl ,
allein  alsbald  wurden  Hunde  auf  Sie  abgehezt ,
und  also  gilt  es  wie  um  Federn  so  um  Haare .

Zwei Füchse – kommentiert Thienemann – , der eine nimmt Reissaus mit einer Henne im Maule, der andere hat den getödteten Hahn fallen lassen, um sich gegen einen Hund zu vertheidigen. Zwei andere Packan eilen eine Anhöhe herab, um am Kampfe Theil zu nehmen.

 

Ach  Ach .

Die  Nacht  Eulen  verzehreten  ein  armes  Häßlein ,
so  bald  kom(m)en  auch  Kazzen  dazu ,
u:  wollen  sie  mit  samt  dem  Haasen  fressen
da  heißt  es  wie  um  Haare  so  um  Federn .

Ein Uhu – kommentiert Thienemann – , auf einem erbeuteten Hasen sitzend, wird von zwei Katzen angefallen, welche ihm den Hasen entreissen wollen. Oben will eine zweite Eule herabfliegen und den Raub verhindern.

2  Blatt  als  lebhaft-wandtüchtige  Scenarien

in hügeliger schöner Gewässerlandschaft (bei Vollmond), angesiedelt jeweils am anderen Ende desselben Wassers. Radierung + Kupferstich von Martin Elias Ridinger (1731 Augsburg 1780). Bezeichnet: XXXIII. bzw. XXXIV. / Joh. El. Ridinger. del: et inv(in): 1753. / M. El. Ridinger. Filio suo. sp. 1777, ansonsten wie vor und unten. 33,3 x 24,8 cm.

Thienemann + Schwarz 376 + 377; Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX, innert 1887 ( „Neue Abdrücke“, 1885! ); Slg. Reich auf Biehla 118 + 119 ( „Selten“, 1894!; Bl. 34 auf Plattenkante geschnitten); Helbing XXXIV, Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 892 + 893 (Bl. 34: „Selten“, 1900! ).

Das oben wellenförmig gerundete Paar XXXIII/XXXIV der 1779 abgeschlossenen 46blätt. Folge Zu den besondern Ereignissen u: Vorfallenheiten bey der Jagd ( „The rarest set of Ridinger’s sporting line engravings“, Schwerdt 1928, und, so Thienemann, „fast durchgängig so eingerichtet, dass immer zwei und zwei mit einander harmoniren und Seitenstücke bilden, wie sie denn auch paarweis verkauft worden sind“) und ausschließlich von Johann Elias’ Ältestem, Martin Elias, nach überwiegend väterlicher Vorlage auf Kupfer übertragen.

Wobei nicht allein nach hiesigen Erkenntnissen Martin Elias’ Bedeutung für das Ridinger-Œuvre sichtbar über eine nur engagierte Mitarbeit als Stecher hinausgeht. Schon als 30jähriger wirkte er geradezu als ein spiritus rector hinter den Kulissen. Der dafür sorgte, daß Folgen nicht vorzeitig abgebrochen wurden oder, wie hier, postum erschienen.

Und indem Wolf Stubbe (Joh. El. Ridinger, Hbg./Bln. 1966, SS. 16 f. + Taf. 34), in medias res gehend, Th. 722, Der Wilde Büffel und das Crocodil, aus den Kämpfen reißender Thiere bezüglich seiner Lichtbehandlung als einen künstlerischen Zenit des Spätwerkes feiert, erweist er zugleich, da an Hand dessen Kupfer, nicht der Zeichnung, urteilend, eben auch Martin Elias als dem Ätzer/Stecher jener Arbeit seine Reverenz. Ein Aspekt, der das Ridinger’sche Zusammenspiel vertiefend beleuchtet.

Die eingangs zitierten Untertexte ergänzt durch die Sinnsprüche

„ Welt  Welt —

Alle  wackere  Junggesellen  sind  den  Schönen  auch  beschwerlich ,
aber  Leztere  wiederum  erstern  öffter  auch  Gefährlich. “

– wozu Thienemann lakonisch anmerkt „Wie aber die Jungfern und Junggesellen hierher passen, mag Ridinger wissen“ – und

„ Ach  Ach =

Des  Raubens  und  Mordens  ist  kein  Ende ,
und  so  wird  Frevelthat  zur  dritten  Sünde . “

Das Motiv des Eulen-Blattes inspirierte im übrigen zweifellos Friedrich Gauermann (1807-1862) zu seinem Öl Kampf zwischen Füchsen und einem Adler um ein totes Schneehuhn (Boetticher 64), seinerzeit in Slg. Fürst Liechtenstein.

Dem Sammelband eines alten adeligen Bestandes entstammende breitrandige Abdrucke von leuchtendem Hell-Dunkel auf festem Bütten mit typograph. Wasserzeichen als einer der von Ridinger bevorzugten Qualitäten

mit  der  römischen  Numerierung

(„Wenn sie fehlen, so deutet dies auf spätere Abdrücke“, Th.). – Im äußeren weißen Oberrand noch die beiden Löchlein der ursprünglichen lieferungsweisen Heftung, am rechten Außenrand von Bl. 34 kleiner Wasserrand.

Angebots-Nr. 15.820 / EUR  1780. / export price EUR  1691. (c. US$ 1843.) + Versand


“ The prints arrived today! They are very nice. Thank you for excellent service. Please keep me posted for objects I could be interested in! ”

(Mr. J. R. L., September 12, 2003)