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Sommerlust

Alexander Bertelsson, Boote am Walchensee

am  Walchensee

» Bedeutender  Kolorist «

+

» Landschaften …

in

leuchtender  Farbigkeit «

Vollmer (1953)
+
Allgemeines Künstler-Lexikon (1995)

Alexander  Bertels(s)on

Lixna bei Witebsk 1890 – Berlin 1975

Boote am Walchensee. Dominiert vom furios-pastosen Blau des Sees und der sich am jenseitigen Ufer auftürmenden Berge, liegen vorne zwei Boote auf dem gelben Strand. Zur Rechten Anleger oder Uferbefestigung. Öl auf beidseits mit Leinenstruktur beschichtetem Holz. 49,7 x 59,7 cm. Gerahmt.

Vollmer I (1953), 193; AKL X (1995), 53. – Verso eigenhändig in blauem Stift dediziert + datiert:

Alexander Bertelsson, Dedikation

sowie typographisches Gallerie-Etikett.

Bereits als 18jähriger Meisterschüler Heinrich von Zügels in München, wechselte Bertelsson 1910 nach Dresden und 1914 nach Schweden. Erst 1928 kehrt er – nicht zuletzt als Herausgeber des Dresdner Kunstbuches – nach Dresden zurück. Hier auch gleichen Jahres innerhalb der Ausstellung des Kunst-Vereins eine Sonderschau mit ca. 30 Ölen beschickend. 1933 Aufgabe des Malens – das offizielle Arbeitsverbot erfolgte erst im Jahr darauf – und schließlich 1945 im Feuersturm des Dresdner Bombenhagels Totalverlust seines Œuvre:

„ 1993  (sind)  nur  noch  7  Arbeiten  (von  vor  1933)  nachweisbar “

(AKL)

Danach nach Berlin übergesiedelt, greift Bertelson indes erst 22 Jahre später, 1967, wieder zur Palette. Neben Ölen ab Anfang der 70er auch Aquarelle, ferner am Walchensee als seinem letzten Wohnsitz Holzschnitte.

marine-niemeyer — für  die  wichtigen  stücke  ihrer  sammlung

Seinen ersten Erfolg verzeichnete Bertelson 1913 auf der Kunstausstellung in Riga. Für seine weitere Entwicklung entscheidend indes ab 1922 die Freundschaft mit Lovis Corinth, der seit 1919 die Sommermonate am Walchensee verbrachte und Bertelson, den Organisator für Die Schaffenden, 1923 zur Ausstellung der Berliner Sezession einlud:

„ Seine  dort  gezeigten  Werke

wurden  1923  von  der  Kunstkritik

in  der  Qualität  mit  Corinth  verglichen …

B. malte v. a. aus der Erinnerung. Das trifft bereits für Werke vor 1933 zu (Stockholm-Bilder) … Seine Bilder aus der Zeit ab 1967, v. a.

Landschaften , Stilleben , Bildnisse  in  leuchtender  Farbigkeit ,

verarbeiten außer Einflüssen von Corinth auch solche von Kokoschka, Vlaminck, Nolde,

wirken  spontan , mitunter  wie  ‚geschrieben‘ “

(Johannes Peter, AKL).

Wie mit Blick auf die Arbeiten vor 1933 denn auch schon Hans Vollmer resümierte:

„ Bedeutender  Kolorist ,

der  expressionist.  Richtung  sich  nähernd. “

Hier denn noch einmal der Walchensee als einer der größten und tiefsten Alpenseen Deutschlands:

„ … rings von Hochwald und Vorbergen der Alpen … eingeschlossen, deren nicht steile Abfälle bis dicht an den See herantreten und denselben zu einem der

großartigsten  Gebirgsbilder  der  Bayerischen  Alpen

machen. Das Ganze gibt das Gefühl von stiller Waldeinsamkeit, da nur das Dorf W. nebst einer Kapelle und einige kleine Weiler am See liegen “

(Meyer’s Konservations-Lexikon [4. Aufl.] XVI, S. 340).

Furios-pastos  vorgetragen

im  großartigen  Altersstil  der  letzten  Jahre

wie  solcherart  auch  zu  erleben  beispielsweise

bei  Picasso  oder  Daumier .

Wobei angesichts des weitgehendst untergegangenen Frühwerks und Fehlens des Mittelbaus sowie generellen Vergleichsmangels nur angedacht werden kann, inwieweit dieser geradezu atemberaubende Farbauftrag als Spätwerk-Typus anzusprechen ist, wie ihn Martina Brunner-Bulst für das Alterswerk Pieter Claeszoon’s (1597/98-1661) definiert:

„ Mit der Sicherheit des alternden Meisters gibt er seinen Gegenstand mit flüssigem, breiten, immer kräftigem Pinselstrich wieder, die Reflexlichter sind stets mit starken Weißhöhungen gesetzt.

Ebenso  entschieden , fast  reliefartig  wird  die  Farbe  aufgetragen …

Die kräftige, manchmal fast grob anmutende Malweise … ist sicher, wie bei den Alterswerken anderer Künstler auf das Nachlassen von Sehkraft und Feinmotorik zurückzuführen. Dennoch mangelt es diesen Bildern nicht an Ausdrucksstärke; vielmehr entwickelt gerade die freie, aber am Objekt festhaltende Malerei

eine  große , faszinierende  Gestaltungskraft …

Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass (beispielsweise) dieses Bild (B.-B. 240) eines der letzten Werke von Pieter Claesz. überhaupt ist, so müssen wir die Lebendigkeit und malerische Kraft, die er sich bis zuletzt bewahrt hatte, bewundern “

(Martina Brunner-Bulst, Pieter Claesz. der Hauptmeister des Haarlemer Stillebens im 17. Jahrhundert, Lingen 2004, Seite 184, I/II).

Es  träfe  Wort  für  Wort  auch  auf  Bertelson’s  anstehendes  Walchensee-Öl  zu .

Angebots-Nr. 28.984 / Preis auf Anfrage

denn  marine  antiquaria  erwirbt  man  lieber  gleich  bei  einem  befahrenen


„ ich wende mich in (obiger) Angelegenheit an Sie als ausgewiesene Johann-Elias-Ridinger-Experten … “

(Bundesamt für …, Berlin, 11. Juli 2014)