English

pecus — das Vieh
pecunia — der Besitz

Ridinger, Spanischer Stier
Ridinger , Spanischer Stier. Taureau d’Espagne

„ Die  Sonne  tritt  im  April
in  das  Zeichen  des  Stiers “

(Meyers Konv.-Lexikon, 4. Auflage)

Kunstliebend

ist  der  Stier

» liebt Besitz , Geld , gutes Essen , gutes Trinken ,

Komfort , Behaglichkeit , mehr zu haben als der Nachbar … Eleganz

… den Besitz – nicht nur den bloßen Anblick – alles Schönen

seine Freude am

Sammeln  von  Kunstgegenständen …

Und als Genießer hat er Geschmack.

Nicht nur seine Zunge ist fein – auch sein Farben- und Formensinn.

Besitz führt zu intimer Bekanntschaft

mit dem Wertmesser des Besitzes, mit dem Gelde …

Er ist der geborene Kapitalist.

Reichtum war ursprünglich Reichtum an Vieh.

Das lateinische Wort pecunia stammt von dem Worte

pecus , das  Rind «

V.-M. von Winter, Der Stier in Die Menschentypen

Ullstein TB 55, 1959, Seiten 33 ff.

„ Es  ist  nicht  leicht ,

ein  prächtigeres  Gewächs  zu  finden “

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Spanischer Stier. Gescheckt, stehend nach links. Kolor. Radierung/Kupferstich nach wohl dem kaiserl. Hofmaler Johann Georg de H. (Brüssel 1672 – Wien 1737), gleichwohl hier als „J. C.“ de H. benannt. Bezeichnet: TAURUS Hispanicus. / Spanischer Stier. / Taureau d’Espagne. / Familia II. Zweÿhufig. / J. C. de Hamilton pinx. / J. El. R. fec. 31,5 x 20,5 cm.

Thienemann + Schwarz 986. – IM  RIDINGER’SCHEN  ORIGINAL-KOLORIT  des seit 1754 entstandenen und nicht vor 1773 endgültig postum abgeschlossenen, unnumerierten Kolorierten Thier-Reichs („Vollständige Exemplare sind fast unauffindbar“, so Weigel, Kunstkat., Abt. XXVIII, Ridinger-App. 63a als lediglich 120blätt. Torso, 1857 ! , doch auch nur schon Einzelblätter nur sehr selten am Markt, bei niemeyer’s derzeit gleichwohl das eine wie die andern). – Eine entgegen Ankündigung unkoloriert gebliebene Zweitausgabe von den nunmehr unter Fortfall selbst von Tieren verkürzten und ohne die Ridinger-Signatur anders betitelten, jedoch numerierten Platten erschien 1824/25 bei Engelbrecht/Herzberg in Augsburg. – Thienemann:

Ridinger, Spanischer Stier

„Eine schöne Schecke,

dieser  durch  ihre  Gefechte  bei  den  Spaniern

sehr  bevorzugten  Spielart , mit  gewaltiger  Halskrause .“

„ Es folget noch … und diese sind die Spanische Stiere, deren Abbildung wir der Gütigkeit des Herrn Hamilton in Wien zu danken haben.

Es  ist  nicht  leicht , ein  prächtigeres  Gewächs  zu  finden .

Diese Thiere laufen auch frey in den Waldungen herum und werden manchen Reisenden, wenn sie sich in hole und enge Wege hinstellen, beschwerlich und gefährlich. Zu gewissen Zeiten werden sie eingefangen und alsdann

die  bekannte  und  berühmte  Stiergefechte

mit ihnen gehalten, wobey die Spanier zu Pferd oder zu Fuß, ihren Geliebten zu Ehren einen ordentlichen Zweykampf mit diesen Thieren halten, worüber schon mancher sein Leben eingebüsset hat “

(Ridingers Söhne im Textvorspann zu Tl. I, SS. 20 f., in Kopie beiliegend).

Mit Wz. C & I Honig als jener festen holländischen Papier-Qualität, wie sie Ridinger entsprechend seiner Vorrede zu den Hauptfarben der Pferde

„wegen  der  feinen  Illumination“  für  die  kolorierten  Werke

verwandte, „weil es hiezu das anständigste und beste ist“. – Dreiseits 1,7-2,8 cm, unten 4,5 cm breitrandig. – Vereinzelte kleine Stippen im weißen Platten-/Papierfeld.

Angebots-Nr. 15.952 / EUR  1480. / export price EUR  1406. (c. US$ 1519.) + Versand

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Johann Elias Ridinger, Viehstücke

Elias  Ridinger  sculpsit  Aqua  forti

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Viehstücke. Folge von 6 Blatt. Radierungen nach Johann Heinrich Roos (Otterberg, Pfalz, 1631 – Frankfurt/M. 1685). Zwischen 1724 + 1728. Variierend bezeichnet: Iohan Hein. Roos invent. et del. / Elias Ridinger sculpsit Aqua forti. 26,8-27 x 30,7-31,3 cm.

Thienemann + Schwarz (Abb. I, S. 104) 797-802; Jedding, Roos, 1998, S. 169; Coppenrath Abt. II, 1577 ( „Sehr seltene Folge“, 1889 ! ); Reich auf Biehla 167 ( Aeusserst selten“, 1894 ! ); Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, IV.10-15, cpl. ills. – Im Weigel’schen Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838-1857), als einziges nur das Exemplar vor aller Schrift, IX, 10322, in 1840. – Kronen- + Wortmarken-Wz.

Das sehr schöne Exemplar der Sammlung „EK“ mit deren rückseitigem kleinen blauen runden Monogramm-Stempel (ligiert, Lugt 3549, nicht identifiziert, Zeichnungen und Grafik des 17.-19. Jhdts.) dieser bezaubernd schönen, mit „Aqua forti“ als Radierungen gekennzeichneten, zugleich

größten  Ridinger-Roose

mit noch teilweise leichtem Facettenschmutz,

bis  hin  zum  unversehrten  Büttenrand  gänzlich  unbeschnitten

(oben + unten 7-7,5 cm breitrandig, seitlich 10-10,5 cm), also auch noch mit den links noch vorhandenen jeweils beiden Löchlein vom Aufhängen zum Trocknen! – Gesamthaft zwei/drei säurefrei hinterlegte Minirisse im äußersten Rand. Blatt 6 verso leicht altersfleckig, davon je zwei Stippen und etwas größere helle Braunflecken bildseits im rechten Seitenrand durchscheinend. Geglättete Mittelfalten.

Johann Elias Ridinger, Viehstücke nach Johann Heinrich Roos VI
Felslandschaft mit Ziegenbock, Schafen und Lämmern
Johann Elias Ridinger, Viehstücke nach Johann Heinrich Roos V
Stier, Kuh, Ziege und ruhende Schafe
Johann Elias Ridinger, Viehstücke nach Johann Heinrich Roos IV
Ein gesattelter Esel und eine Gruppe von Schafe
Johann Elias Ridinger, Viehstücke nach Johann Heinrich Roos III
Abgelebtes Pferd von Schafen, Ziegen etc. umgeben

Zustandsmäßig mit der Hertel-Adresse „Iohann Georg Hertli excud. Aug. Vind.“ (Thieme-Becker XVI, 552: Stammvater der Augsburger Kupferstecherfamilie, der später, nachdem er einen Teil des J. Wolffschen Verlages erworben hatte, selbst einen Verlag gründete; lebte noch um 1760) auf dem Eingangsblatt analog zu Th. + Schwarz. Die Grobeinteilung der Zustände: vor jeder Adresse – Wolff Erben – Hertel . – Die Th. unbekannt gebliebene Platten-Numerierung ergibt die Reihe Th. 797 – 798 – 802 – 801 – 800 – 799 .

Unter den Szenerien dieser für Thienemann gegenüber der ersten „weit gelungenere(n) Folge“

das  kunsthistorisch  bedeutsam , warm  empfundene  Sujet  des  alten  Pferdes ,

von  dem  Brockes  sagte , man  sähe  es

„Nicht  gern  und  doch  sehr  gern  an “.

Mittelbares Vorbild dieses schönen Blattes ist die Zeichnung der lagernden Tiere in Felslandschaft mit dem nach rechts gewandten stehenden alten Pferd von Johann Heinrich Roos in Augsburg (Inv.-Nr. G. 1671; eine weitere unter Z.419 in Coburg), veröffentlicht als Pos. 54 im 1987er Barockkatalog, von der angenommen wird, Ridinger habe sie zusammen mit deren Gegenstück, dem hier gleichfalls vertretenem bekannten

Johann Elias Ridinger, Stier mit Glocke

Stier  mit  der  Glocke

besessen. Daß Ridinger, was im Augsburger Katalog übersehen wurde, nach anstehendem Blatte Th. 488

– Eine  gar  alte  Schind  Gurre –

dem Sujet 30 Jahre später bei gleicher Links-Stellung, doch nun im typisch eigenständigem Umfeld

–  auf  einem  Waldweg  nach  links  vor  einem  beziehungsreich  mächtigem  Altbaum
und  zerfallender  Palisadenzäunung  –

noch einmal ein Denkmal gesetzt hat, erinnert sowohl an gedachte Brockes’sche geistige Bewegtheit als vor allem auch an Roosens weit in die Zeit hineinreichendes Vorbild. Dem in weiterer Generation denn auch Joseph Georg Wintter mit hier durchgelaufener 1783er Zeichnung nebst Radierung nachfolgte.

Doch auch nach vorn reicht die Kette über Roos selbst hinaus. So erinnert der 1985er Kaiserslauterer Roos-Katalog an Einflüsse Berchem’s und Dujardin’s, während Nikulin im 1987er Eremitage-Katalog an van Laer (1592/95-1642) denkt.

Dies in hiesigem Zusammenhang schon deshalb von besonderem Interesse, da für Ridinger in jüngster Zeit unabhängig voneinander von verschiedener Seite generelle niederländische Einflüsse reklamiert wurden, denen nachzugehen bereits frühere Literatur angeregt hatte.

Solchermaßen erweist sich hiesiges die Gruppe dominierendes „Abgelebtes altes Pferd“ über den bildhaft-geistigen Charme hinaus als

ein  hochinteressantes , demonstratives  Bindeglied  in  zeitlich  beide  Richtungen .

Zur generellen gesellschaftlichen Einordnung der Folge äußert sich Stefan Morét im Darmstädter Katalog (S. 27) wie folgt :

„ Auch in den Werken der Familie Roos ist die Herausarbeitung und eindringliche Wiedergabe des individuellen ‘Charakters’ der dargestellten Tiere ein zentrales Anliegen. Dies mag es gewesen sein, was Ridinger dazu veranlaßt hat, zu Beginn seiner Laufbahn mehrere (4 bzw. 5) Serien nach Zeichnungen Johann Heinrich Roos’ zu radieren …

An seinem Vorbild hat Ridinger vermutlich die genaue und eindringliche Schilderung der charakteristischen Eigenschaften oder Temperamente der dargestellten Tiere interessiert, also das etwas stumpfe Stieren des Ochsen, das Dösen der Schafe, die Wachsamkeit der Ziege. In Ridingers ab 1738 erschienener Folge ‚Entwurff einiger Thiere‘ beobachtet man ein ganz ähnliches Interesse an den ‚Actionen und Leidenschafften‘ der Tiere, das allerdings bei Ridinger seinen naturkundlichen Neigungen verdankt wird.

Die Viehstücke in italienischer Landschaft nach Johann Heinrich Roos wurden in der Zeit ihrer Entstehung als

Gegenentwürfe  zum  bürgerlichen  städtischen  Leben

gedeutet. Auch im 18. Jahrhundert konnten sie noch so verstanden werden … . “

Und noch 1900 gleichbewertete Helbing ein brillantes Exemplar der Folge mit 60 Goldmark der Suite der Vierjahreszeiten des Jägers oder mit der Hälfte eines schönen Exemplars des 23blätt. Satzes der Jagtbaren Thiere und höher als die brillanten, doch beschnittenen Drucke der Imperialen Th. 67/68 (50 Goldmark).

Angebots-Nr. 28.485 / EUR  1750. / export price EUR  1663. (c. US$ 1796.) + Versand

– – – Der Stier mit der Glocke apart – siehe die Abbildung – im

herrlichen  Druck  der  Sammlung  Frisch

in offensichtlichem Zwischenzustand – siehe obige Grobeinteilung derselben – mit unterstellter Adreß- und Nummernfortnahme in der Mitte. Die für hiesiges Blatt angenommene Schriftwegnahme läßt bei gut 13 cm Länge an die Wolff’sche nebst Privileg denken. Ihr Schluß sieht indes fast nach einer Datierung aus, wie für Wolff hier unbekannt. In der Mitte dürfte eine Nummer gestanden haben, wie Schwarz für Nr. 797 im Hertel-Zustand, dessen Numerierung im obigen Exemplar indes abweichend ganz unten rechts steht. Wie auch das „J.“ H. Roos der Bezeichnung von Schwarz 800 statt des sonstigen und auch hier für Th.-Schw. 800 registrierten „I.“ eine Variante offenlegt.

Mit typographischem Wasserzeichen und stellenweise noch leichtem Facettenschmutz. – Leicht stockiger Rand, der dreiseits 6,5-7 cm und oben 2,4 cm mißt. – Verso der Frisch’sche Sammlungs-Stempel (nicht bei Lugt).

Angebots-Nr. 28.138 / EUR  325. / export price EUR  309. (c. US$ 334.) + Versand

niemeyer’s  hat’s  für  Sie !

Schönes  Beispiel  kompositorischer

„Auftürmung“  im  Goldenen  Jahrhundert

Romeyn, Willem (Haarlem ca. 1624 – ca. 1694). Viehstück. Stier, zwei Kühe und drei Schafe in der Ruhe an kleinem Gewässer in hügeliger Landschaft. Radierung mit Aquatinta von Johann Heinrich Tischbein II (Haina 1742 – Kassel 1808). Bezeichnet: WRomeyn pinx: / H. Tischbein fec. 1788., ansonsten wie unten. 19,2 x 25,2 cm.

Wurzbach, Romeyn, 8; Nagler, Tischbein, 25. – Blatt 7 der 1827er Tischbein-Suite Nagler 45 als einer punktweise aufmontierten Zusammenstellung durchweg alter/früherer Abdrucke. – Auf Plattenkante geschnitten. – Aus Slg. des legendären Finanziers DR. STROUSBERG , Berlin. – Mit Untertext:

„ Das  Original  befindet  sich  in  der  Sammlung

des  Herrn  Geheimen  Regierungs  Rath  von  Schmerfeld  zu  Cassell .“

Schönes  Blatt  des Berchem- und Dujardin-Schülers, im Gegensatz zu denen, so Bernt, „seine schwerfälligen Herdentiere nachlässiger gezeichnet“ sind. Solche Schwerfälligkeit indes hier nicht zu konstatieren, wohl der teils geradezu schöne Blick der Tiere. Und im übrigen „Eine stehende Kuh (hier Stier) ist typisch … In der Albertina … mit 13 schönen Blättern sehr gut vertreten“. Darüberhinaus zur Rechten mit der Gruppe der Kuh und den sich dieser anschließenden drei Schafe

Willem Romeyn, Viehstück

beispielhaft  für  die  kompositorische „Hochstaffelung“ der  Zeit

(Hella Robels im Snyders-Werkverzeichnis, 1989, SS. 60 f., an Hand der Öle 12 + 15), wie im 20. Jhdt. etwa von Franz Marc wiederbelebt.

Angebots-Nr. 15.779 / EUR  320. / export price EUR  304. (c. US$ 328.) + Versand

Hirt, Friedrich Wilhelm (1721 Ffm. 1772). Ein Stier, nach rechts. Radierung von Johann Heinrich Tischbein II (Haina 1742 – Kassel 1808). 8,5 x 12 cm.

Friedrich Wilhelm Hirt, Stier

Blatt 11 der 1827er Tischbein-Suite Nagler 45 als einer punktweise aufmontierten Zusammenstellung durchweg alter/früherer Abdrucke. – Auf leichtem Bütten. – Aus Slg. des legendären Finanziers DR. STROUSBERG , Berlin. – „Sehr gerühmt wird Hirt als Tiermaler …“ (Thieme-Becker).

Angebots-Nr. 14.921 / EUR  60. (c. US$ 65.) + Versand

Frühe  Darstellung
des  spanischen  Nationalsports

Tempesta, Antonio (Florenz 1555 – Rom 1630). Fiestas de Toros. Die Stadien des Stierkampfes in der Arena als instruktives Lehrstück. Vorn als linksseitige Hauptgruppe von Lanzenreiter attackierter Stier mit reich geschmückter Banderilla im Rücken, durch eine Tonne getrennt von zum Todesstoß ausholendem Espada. Rechts daneben ein erledigter Torero. Gestaffelt bis zur dichtbesetzten Tribüne weitere Lanzenreiter und zwei Stiere, deren vorderen sich der ausholende Espada mittels zweirädriger Achse auf Distanz hält, während ein Banderillero zum Wurf eines zweiten Stabes ausholt. Der mit Banderillas, darunter ein brennender, geradezu bestückte hintere drei Lanzenreitern nachsetzend, deren einer noch die Lanze gegen ihn richtet. Links davon als Mittelstück reich figurierter Kampfwagen, getarnt mit Kopfmaske, in deren Augen Banderillas stecken, dazu brennende in den Seitenlöchern. Seitlich links zurückgesetzt eine Phalanx weiterer Lanzenreiter + Toreros. Radierung von bzw. bei Claes Jansz. Visscher de Jonghe (1586 Amsterdam 1652). (1639.) 9,8 x 14 cm.

Den  „ Stier-Typ … soll  man  in  Ruhe  lassen …

Antonio Tempesta, Fiestas de Toros

(doch wenn er) im Ernst losgeht , wird es sehr ungemütlich “

Schwerdt II, 251 („proof impressions“). – Aus der von Lugt nicht identifizierten Sammlung „EK“ mit deren rückseitigem kleinen schwarzen runden Monogramm-Stempel (ligiert, Lugt 3549, Zeichnungen und Grafik des 17.-19. Jhdts.). – Nr. 13 der Aucupationis Multifariæ Effegies Artificiosissimé depictæ et inventæ ab Antonio Tempesta Florentino und hier wie bei Schwerdt vorliegend in Frühdruck vor der Schrift auf feinem, breitrandigem Bütten mit typograph. Wz. als wohl Gegenmarke zum Wappen-Wz. einiger weiterer hier vorliegender Blätter der Folge. – Im Gegensatz zu den meisten Blättern der Folge mit nur schmalem Plattenrand unten.

Thematisch  ebenso  höchst  seltene  wie  instruktive ,

vor  allem  auch  sehr  frühe  Scenerie

aus zeitlich zumindest großer Nähe zum Höhepunkt der Stierkämpfe unter Philipp IV. (1605-1665, regierend seit 1621).

Angebots-Nr. 28.561 / EUR  575. / export price EUR  546. (c. US$ 590.) + Versand

Literaturunbekannte  Folge

und  wohl

complett  erstmals  hier  nachweisbar

Wintter, Raphael. Thierzeichnungen zur Landschaft=Staffirung. Karlsruhe, Joh. Velten, nicht vor 1824. Qu.-2° (27,5 x 35 cm). Folge von

12  Kreidelithographien

(9-20,6 x 21,5-26,5 cm). Ungeheftet in Orig.-Umschlag mit lith. Titel/Autor/Verlag auf dem Vorderumschlag.

Vorläufig Niemeyer Ra 152-155h (bislang Niem. [2001] 152-155 + 182-186). – Nicht bei Winkler (1975) + Nagler (1851). – Der in der Faltung weitgehend aufgerissene und in seinen Oberrändern etwas rissige Umschlag beidseits verstärkt bzw. hinterlegt, sonst unbeschadet gelegentlichen schwachen Anflugs von meist nur stippenhafter Stockigkeit gesamthaft praktisch tadellos. – Auf großem festen, zweiseits unbeschnittenem Velin von sich aus obiger Blatt/Bild-Relation ergebender Breitrandigkeit.

Zwei Blatt wie folgt bezeichnet: C. du Jardin inv: / R. Wintter f. 1824. bzw. N. Berghem pinx / R. Wintter f: 1824.

DIE  HIER  ERSTMALS  BESCHREIBBARE  FOLGE

nachdem im hiesigen Werkverzeichnis an Hand zweier Einzelpartien im Handel nur vage „4 Blatt mit Darstellungen von Kühen aus 1824“ bzw. „5 Blatt mit Darstellungen von Ziegen und Schafen“ verzeichnet werden konnten. Hier denn beide Gruppen zu je sechs Blatt und solchermaßen vermutlich complett. – Nicht zuletzt dank des weichen Kreideduktus

Raphael Wintter, Stier

MALERISCH  SCHÖNE  ARBEITEN

der in immer wieder neuer Stellung und Gruppierung in unterschiedlich reichem Umfeld gezeigten Tiere in ihrer lebendigen Natürlichkeit, dabei nur einmal in Gemeinschaft mit dem Menschen, wo auf Bergplateau sich ein Hirt mit einem Lamm im Arm mit der hingelagerten Hirtin unterhält und ein Schafbock sichtbar intelligent seine Meinung beisteuert. Sehr reizvoll auch das zweite der beiden größten Blätter, auf dem sich einer der beiden Ziegenböcke zwecks Äsung an einem Baum hochstreckt, beobachtet von lagerndem Schaf. Den  Stier  aber  präsentiert Raphael dominant auf Eigenblatt. Ohne jeden Schnickschnack.

In all dem folgt Raphael (1784 München 1852), Sohn des seltenen Hof- und Jagdkupferstechers („immer besser als Riedinger“, so der Zeitgenosse von Moser) Joseph Georg W., seiner ureigensten Begabung:

„ widmete sich mit Vorliebe der Thiermalerei … sich auch … mit der Lithographie beschäftigte … seine Zeichnungen (sind) ziemlich zahlreich. Sie stehen bei den Kunstfreunden in eben solcher Achtung, wie seine Radierungen. Auch geistreiche lithographische Blätter finden sich von ihm “

(Nagler).

1809 wurde er 1. Lithograph an der von seinem Stiefvater und erstem Lehrer Mettenleiter eingerichteten Lithographischen Anstalt des kgl. Staatsrats und später deren Inspektor. Interessanterweise stammen seine durchweg seltenen und sehr seltenen Folgen sämtlichs aus den frühen Jahrzehnten mit 1831/32 als letzten Daten für solche zweier radierter „Thierstudien“ als Ausbeute seines 1830er Aufenthalts in Italien. Dieser gleichwohl nur schmalen Reihe nunmehr hier + heute eine der Literatur wie überschaubarem Handel bislang unbekannt gebliebene aus der auslaufenden „Inkunabelzeit“ der Lithographie hinzufügen und damit obige vagabundierende neun Einzelblätter hieraus zuordnen zu können, ist Freude + Genugtuung in einem. Und mag als Einladung begriffen werden,

sammlungsbereichernd  zu  erhaschen , was  purer  Zufall  bescherte .

Angebots-Nr. 15.178 / EUR  1730. / export price EUR  1644. (c. US$ 1776.) + Versand

Rinder  der  Crème  de  la  Crème

Wintter, Joseph Georg (1751 München 1789). (Viech=Stücke nach verschiedenen Meistern radiert und verlegt … Hof und Jagt Kupferstecher in München [1783/]1784.) 7 von 8 Blatt der Folge der Rinder. Radierungen. Ca. 13 x 18 cm.

Niemeyer 47-53, II; Nagler 12. – Aus der frühestens 1821 herausgegebenen, nur noch 44 Blatt (von 137, so die hier anderwärts nicht nachweisbare Ausgabe Weigel 21336, davon „Die meisten … sehr selten“; so auch 1863 Nagler, Monogramm. III, 68, zugleich deren Schönheit betonend) vereinigenden Augsburger Sammelausgabe Schwerdt III, 190, a ( „Rare“, 1928 ) auf schwerem Papier, deren herrliche Druckqualitäten die kleinen Auflagen verraten und Schwerdt in Unkenntnis der zeitlichen Gegebenheiten vielfach auf Probedrucke vor der Schrift schließen ließen. – Ohne die Titel-Radierung nach Johann Heinrich Roos.

  1. Die pissende Kuh und die beiden Schafe. Vor Dorfsilhouette. Nach Karel Dujardin (Amsterdam 1622 – Venedig 1678). C. du hortein. inv. fecit / 2 (im Gegensinn) / JGWintter. feit (sic!). 1783. – Das  berühmte  Sujet. – Der breite weiße Rand zweiseits etwas stockstippig.
  2. Die knochige alte Kuh nach links, vor morschem liegenden Baumstamm. Vor Dorfsilhouette. Nach Dujardin wie vor. K. du. jardin. inv. / 3 (im Gegensinn) / JGWintter 1784 .
  3. Die liegende Kuh an Weidengatter nach links. Mit Gehöftsilhouette. Nach Dujardin wie vor. K. du jardin inv. / 4 (im Gegensinn) / JGWintter Fecit 1784. – Im äußeren breiten weißen Unterrand etwas stockig.
  4. Die stehende und die liegende Kuh, jeweils nach rechts. Auf dorfnaher Weide mit dem Kirchturm im Hintergrund. Nach Dujardin wie vor. K. du. jardin inv / 5 / JGWintter sculp 1784.

6) Der  Stier  nach  rechts  auf  schönem  Plateau

Nicolaes Berchem, Stier

Nach  Nicolaes  Berchem

(Haarlem 1620 – Amsterdam 1683). Berchem. inv. / 6 / JGWintter. sculp. 1784.

  1. Die grasende Kuh nach links und die am Gatter unter mächtigem Baume ruhende, den Betrachter anblickend. Mit Kirche + Gehöftdach zur Rechten. Nach Dujardin wie oben, einläutend  den  Stimmungsreichtum  des  Zenits . K du jardin inv. / 7 / JGWintter. sculp. 1784.
  2. Die beieinander liegenden beiden Kühe inmitten malerischer Hügellandschaft. Nach Jan Both (ca. 1615 Utrecht 1652). Both. inv / 8 / JGWintter sculps. 1784. – Der  herrliche  Abgalopp .

Wintter’s  „Radierungen  sind  trefflich  und

stehen  in  der  Behandlung  zwischen  jenen  von  Hollar  und  Riedinger .

Im Jahre 1784 wurde W. churf. Hof- und Jagdkupferstecher“ (Nagler) .

Zugleich war er Mitglieds der kurfürstl. Akademie zu Düsseldorf. Und 1787 avancierte er noch zum Hof-Cammerrat als

„ (u)nter denen zahlreichen Hof= und Freykünstlern
des Churfürstl. Pfalz=Bayerischen Hofs “ selten

(Forstcameralisten-Papst Wilhelm Gottfried von Moser aus der „berühmten Cameralistenfamilie“ [Heß in der ADB] und mit Jahrgang 1729 fast schon ein Vertreter der Vätergeneration), zugleich resümierend „Immer besser als Riedinger“. Dem so generell indes nicht zugestimmt sei. Dafür aber umso mehr dem

„ Dieser  Mann  besitzt  außerordentliche  Fähigkeiten “

wie der gleichaltrige Lorenz von Westenrieder (Jg. 1748, Theologe, namentlich aber Historiker; „hat überhaupt ein empfängliches Auge für landschaftliche Schönheiten“ [Höhn]) 1785 an den Lessing-Freund und Leipziger Schauspieldichter Christian Felix Weisse schrieb, nachdem er ihm schon in seinem 1783er „Jahrbuch der Menschengeschichte in Bayern“ höchstes Lob hatte widerfahren lassen.

Beispielhaft hier denn seine nahezu vollständige

seltene  Folge  der  Rinder

als  im  schmalen  Œuvre  dieses  Frühvollendeten  einzigen  dieser  Spezie .

Die anklingen läßt, was schon 1909 bzw. 1921 kunsthistorisches Facit war. So Heinrich Höhn (Studien zur Entwicklung der Münchener Landschaftsmalerei v. Ende d. 18. u. v. Anfang des 19. Jh.) mit seinem „einer der frühesten“ innerhalb der „ersten Anfänge der Münchener Landschaftsmalerei“ bzw. Georg Jacob Wolf (Die Entdeckung der Münchener Landschaft), der ihn mit sieben Radierungen dokumentiert.

Angebots-Nr. 15.670 / EUR  980. / export price EUR  931. (c. US$ 1006.) + Versand

Paulus Potter, Viehstück

Potter, Paulus (Enkhuizen 1625 – Amsterdam 1654). Viehstück. Stier mit zwei Kühen und einem Schaf vor malerischer Baumkulisse auf einer Anhöhe. Zur Rechten weiter Talblick mit eingewaldetem Kirchdorf am Horizont. Aquatinta in Braundruck von Cornelis Apostool (1762 Amsterdam 1844). Bezeichnet: P. Potter / Apostool. / Published Novr. 1792. 21,8 x 30,5 cm.

Seltenes  Blatt. – Beiliegt Textblatt zur Biographie Potters und der für ihn erzielten Preise. – Bernt:

„ (Potter) verdankt seine Berühmtheit der naturwahren Wiedergabe der Tiere und der holländischen Weidelandschaft … Das 18. u. 19. Jhdt. hat noch Potters grundlegende Entwicklung des Tierbildes in der Landschaft fortgesetzt. “

Die links ineinanderstehende Zweiergruppe des Stiers mit der stehenden Kuh sowie das Schaf entsprechend dem Bild in Kassel Die pissende Kuh – siehe nachfolgende 14.927 – , letztere hier durch eine abseits ruhende ersetzt ist. Verändert auch Baumstaffage und Talblick.

Angebots-Nr. 15.778 / EUR  320. / export price EUR  304. (c. US$ 328.) + Versand

– – Eine Gruppe Hornvieh (3 zuzgl. eines Schafes) mit der pissenden Kuh / Eine Gruppe Pferde (4) mit dem Bauern und desssen Hund. Am Horizont rechts jeweils Mühle bzw. Kirchturm. 2 Blatt. Radierungen mit reicher Aquatinta von Johann Heinrich Tischbein II (Haina 1742 – Kassel 1808). (1787.) 19,3-19,7 x 25,4-27,3 cm.

Paulus Potter, Hornvieh

Nagler, Tischbein, 24 und wohl 30. – Blätter 1 + 2 der 1827er Tischbein-Suite Nagler 45 als einer punktweise aufmontierten Zusammenstellung durchweg alter/früherer Abdrucke. – Auf Plattenkante bzw. innerhalb des weißen Plattenrandes geschnitten. – Blatt 1 in der rechten Oberhälfte übersehbar schwach wasserfleckig. – Aus Slg. des legendären Finanziers DR. STROUSBERG , Berlin.

DIE  BEIDEN  SCHÖNEN  GEGENSTÜCKE  –  von Nagler 1848

zu  den  vorzüglichsten  Blättern  Tischbeins  gezählt

– „ aus dem berühmten Gemälde … in der Churfürstl. Gallerie zu Cassel … (genannt) die pissende Kuh “. – Tischbein, Hofmaler des Landgrafen von Hessen, war Inspektor eben dieser für ihren reichen Niederländer-Bestand berühmten Sammlung. – Siehe auch vorhergehende 15.778.

Angebots-Nr. 14.927 / EUR  449. / export price EUR  427. (c. US$ 461.) + Versand

Roos, Johann Heinrich (Otterberg, Pfalz, 1631 – Ffm. 1685). Ein Ochse, ruhend nach rechts. Radierung von Johann Heinrich Tischbein II (Haina 1742 – Kassel 1808). 12,5 x 20 cm.

Johann Heinrich Tischbein II, Ochse, ruhend

Blatt 15 der 1827er Tischbein-Suite Nagler 45 als einer punktweise aufmontierten Zusammenstellung durchweg alter/früherer Abdrucke. – Innerhalb des weißen Plattenrandes geschnitten. – Aus Sammlung des legendären Finanziers DR. STROUSBERG , Berlin.

Angebots-Nr. 14.906 / EUR  74. (c. US$ 80.) + Versand

» Das  Völkchen  spürt  den  Teufel  nie ,

und  wenn  er  es  am  Kragen  hätte «

Johann Wolfgang Goethe, Faust I, Szene V

Europa

Lovis Corinth, Europa auf dem Stier
1919er Schiller-Illustration von Lovis Corinth

? ?  den  griechischen  Stier  reitend  ? ?

Nicht  hörend

Zeus’  homerisches  Gelächter ?

Denn  ER  ist’s ,

der  Europa  (ver)führt .

Und  vernascht

was

holde  Einfalt

ihm  gewährt


„ Habe heute Ihre Sendung dankend erhalten. Freue mich schon, das Buch meinem Mann … zu Weihnachten zu schenken. Liebe Grüße aus … am Dachstein “

(Frau K. G., 12. September 2007)