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11.  September  1697

» Der  wunderbare  Sieg , welchen  der  Prinz  (Eugen) …
den  Übergang  der  Osmanen  über  die  Theiß
mit  rascher  Kühnheit  benützend ,
bei  Zenta  über  sie  erfocht ,
machte  dem  Kriege  gegen  die  Pforte  ein  Ende
und  brachte  das  Haus  Oesterreich
durch  den  Carlowitzer  Frieden
in  den  Wiederbesitz  fast  allen  ungarischen  Landes ,
das  im  Laufe  der  Jahrhunderte
an  die  Türken  verloren  gegangen  war . «

Alfred Ritter von Arneth, ADB VI [1877], S. 407

 

11.  September  1709

» (Prinz)  E(ugen)  und  Marlborough …
schlugen … die  Franzosen … bei  Malplaquet … «

Alfred Ritter von Arneth, ADB VI [1877], S. 412

 

11.  September  2001

» Angriff  auf  Amerika «

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Sept. 2001

 

September  2011

Frühlingstaumel unter europäischen Kleinhirnrinden, doch wer zu früh lacht, wird’s noch bezahlen, feixte, beispielsweise, einst schon Lenin, als man ihn im plombierten Salonwagen an die Revolutionsfront hofierte und ließ sich folglich vernehmen:

» Die  Kapitalisten  werden  uns  die  Stricke  liefern ,
an  denen  wir  sie  eines  Tages  aufhängen «

» Durch  die  endgültige  Zurückdrängung  der  Türken

und  die  Siege  über  Frankreich

hat  er  einen  maßgebenden  Einfluß

auf  den  Gang  der  Weltgeschichte  ausgeübt «

Meyer’s Konversations-Lexikon

4. Aufl., V [1889], Seite 901 f.

Prinz  Eugen

Retter  des  Abendlandes

Georg Philipp Rugendas I, Prinz Eugen von Savoyen

Sieger  von  Zenta , Höchstedt ,

Malplaquet , Peterwardein , Temesvar , Belgrad

» Ein  Charakter … der  die  höchste  Bewunderung  verdient «

Georg Philipp Rugendas I (1666 Augsburg 1742). Serenissimus Princeps Eugenius Franciscus, Dux Sabaudiæ et Pedemontÿ, Marchio de Saluzzo, Sac. Cæs. Maj. Consiliar. Int. Concilÿ Aulico-Bellici Præses, Copiarum Cæsarear. Dux Supremus et Locumtenens Generalis: S. R. I. Campi Mareschall., aurei Velleris Eques.

Franz  Eugen  Prinz  von  Savoyen

( 1663-1736 )

Mit Marschallstab in der ausgestreckten Rechten auf Schimmel in nur staffageweise angedeuteter Landschaft nach rechts sprengend. Rechts seitlich im Mittelgrund teils nur schemenhaft vorgetragene Gefechtsszenerie. Schabkunstblatt. (1713/14.) Bezeichnet: Georg Philipp Rugendas inv. et fecit Aug. Vind., ansonsten wie vor. 46,9 x 36,2 cm.

Teuscher 55. – Nicht bei Stillfried + Nagler, die beide nur die nicht zugehörende Version T. 59 kennen, siehe unten.

» I  am  very  well  satisfied  with  you , «

said  the  emperor ,

» excepting  on  one  point  only ,

which  is ,

that  you  expose  yourself  too  much . «

Encyclopedia Britannica , 1911

Der  unsterblich  große  Prinz  Eugen ,

der „edlen Ritter“ des Liedes, gleichgroß als Feldherr, Staatsmann und aktiv sammelnder Mann der Künste und Wissenschaften. Am Anfang dieses Lebens stand die Bestimmung Ludwig XIV., an dessen Hofe die Mutter, Olympia Mancini, ihre Rolle spielte, zum geistlichen Stande. Denn „zu klein und schwächlich von Gestalt, mit unschönen Gesichtszügen“. Da wurde die Türkenbedrohung des Kaisers sein Schicksal :

„ (Eugen) wandte sich nach Oesterreich, das gerade damals von den Türken aufs äußerste bedroht wurde … Unverzüglich trat er in das nur allzuschwache Heer, welches den unermeßlichen Schaaren der durch Ungarn gegen Wien vordringenden Osmanen entgegengeworfen wurde … Er kämpfte in der Schlacht, durch welche am 12. September 1683 das hartbedrängte Wien von den Türken befreit wurde …

„ Der wunderbare Sieg, welchen der Prinz am 11. September 1697, den Übergang der Osmanen über die Theiß mit rascher Kühnheit benützend, bei Zenta über sie erfocht, machte dem Kriege gegen die Pforte ein Ende und brachte das Haus Oesterreich durch den Carlowitzer Frieden in den Wiederbesitz fast allen ungarischen Landes, das im Laufe der Jahrhunderte an die Türken verloren gegangen war …

„ E(ugen) und Marlborough eroberten Tournay, und am 11. Septbr. 1709 schlugen sie die Franzosen unter Villars in der überaus blutigen Schlacht bei Malplaquet …

» Der  Triumph  des  Frankreichs  von  Ludwig XIV.

hätte  die  Entwicklung  der  Freiheit ,

derer  wir  uns  gegenwärtig  erfreuen ,

nachteilig  beeinflußt  und  beschränkt ,

mehr  noch  als  die  Vorherrschaft  Napoleons

oder  des  deutschen  Kaisers «

Winston S. Churchill

Marlborough, His Life and Times

[Chicago 2002], Bd. I, S. 16

„ Merkwürdig ist es, daß er, den man immer für den erbittertsten Feind Frankreichs gehalten, schon vierzig Jahre vor Kaunitz es aussprach, es wäre lebhaft zu wünschen, daß das Haus Bourbon so geartet wäre, um dem Wiener Hofe die Möglichkeit zu bieten, mit ihm eine wahre, aufrichtige und dauernde Freundschaft zu schließen. Denn beide Fürstenhäuser hätten eigentlich nur ein und dasselbe Interesse an der Aufrechterhaltung des Friedens in Europa und dem Schutze und der Förderung des katholischen Glaubensbekenntnisses. Aber freilich fügte E. gleich hinzu, daß bei Frankreichs rastlosem Ehrgeize, bei seiner nie befriedigten Sucht nach Ausdehnung seines Gebietes und nach Vergrößerung seiner Macht niemals auf ein Bündnis mit ihm zu hoffen sei …

„ In wenig Stunden schlug er den Großwesir vollständig … und in Folge des errungenen Sieges ergab sich binnen kurzem Belgrad an den Prinzen. Unermeßlich war die Freude, welche der Sturz dieses stärksten Bollwerkes des Islam in der ganzen Christenheit hervorrief …

„ Auch die Wirksamkeit Eugens als Generalstatthalter der Niederlande kann nicht ganz aus dem Auge verloren werden … Unablässig drang E. … die öffentlichen Ämter nur den Würdigsten zu Theil werden zu lassen.

Redlichkeit , Fähigkeit  und  Eifer

seien die Eigenschaften, welche hierbei am schwersten in die Wagschale zu fallen hätten …

„ (S)o sehr der Prinz bei jedem Anlasse die Nothwendigkeit hervorhob, den Credit zu fördern und zu entwickeln, so

heftig  bekämpfte  er  die  abenteuerlichen  Projecte ,

mit  welchen  zu  jener  Zeit  der  Schotte  (John)  Law

Frankreich  in  Taumel  versetzte …

Den Actien der französischen Mississippi-Gesellschaft wurde auf Befehl des Prinzen der Eingang in die Niederlande verwehrt, und er

rettete  sie  dadurch  vor  unberechenbarem  Schaden …

„ Einen höchst bemerkenswerten Platz im Leben und Wirken des Prinzen nahm auch dessen hervorragendes Interesse an allem ein, was auf die Wissenschaften und die Kunst sich bezog … Und die prächtigen Gebäude, welche Wien ihm verdankt, sein Palast in der inneren Stadt und mehr noch das Belvedere sind heute noch Denkmäler des geläuterten Kunstsinnes des Prinzen … kein einziger (späterer in Österreich es) dem Prinzen E. gleichthat. Als Staatsmann aber nahm er eine Stellung ein, wie sie kaum einer, selbst Kaunitz nicht ausgenommen, vor und nach ihm besaß … gab es doch keinen, welcher sechs so herrliche Siege, wie die Tage von Zenta und Höchstädt, von Turin und Malplaquet, von Peterwardein und Belgrad … für sich aufweisen konnte.

Der  eigentliche  Maßstab  zur  Beurteilung  der  Größe  Eugens  liegt  aber  darin ,

daß  er  nach  jeder  dieser  drei  Richtungen  zugleich  unübertroffen  dastand …

und  daß  sie  von  einem  Charakter  getragen  wurden …

(der)  die  höchste  Bewunderung  verdien(t) “

(Alfred Ritter von Arneth in Allgemeine Deutsche Biographie, VI [1877], SS. 409 + 411).

» … ein  großer  Bibliophile ,

sammelte  seit  1712 … eine  reiche  Bibl.

von  Fürstenausg.  und  Prachtbdn.  des  17. Jhdts.

und  schönen  franz.  Werken  aus  dem  Anfang  des  18. Jhdts. ,

die  er  in  reiche , wappengeschmückte  Lederbde.  kleiden  ließ

(15000  Bücher + 237  Handschriften ,

heute  in  der  Österreich.  Nationalbibliothek) «

Löffler-Kirchner, Lexikon des gesamten Buchwesens, I [1935], S. 507

Qualifiziert durch Vorbesitz der auf Anfang des 19. Jahrhunderts zurückgehenden Portrait-Sammlung von Vater + Sohn von Roemer, die 1871 auf das heutige Museum der Bildenden Künste Leipzig überging und von diesem 1924 offenbar als Ganzes (nicht nur in Doubletten, wie Lugt vermerkt; siehe Versteigerung Boerner 142) veräußert wurde. Recto unten rechts dessen Bestandsstempel „Staedtisches Museum zu Leipzig“ (Lugt 1669e), verso der Ausscheidungsstempel „Abgegeben v. Museum d. b. K. Leipzig“ (L. 1669f).

Knapp bis an Plattenkante, stellenweise auf dieser selbst und rechts 3,5 cm auf Bildkante geschnitten. – Alt auf Bütten montiert, dessen Ränder recto rahmenmäßig mit blau-grauem Papier kaschiert sind. Das Bild selbst dann mit schwarzer Einfassungslinie paspeliert.

Sehr schöner, nuancenreicher Druck von kontrastreichem Hell-Dunkel und adäquater Erhaltung (leicht berieben, zwei winzige bzw. ganz kleine Abschabungen rechts im Rand, nur minimal bemerkbare Vertikalfalte von unten bis unter den Bauch des Pferdes) zur complett literaturmäßig nicht mehr belegbaren großen

Folge  der  Fürsten  zu  Pferde

auf  galoppierenden  Schimmeln  mit  dem  Marschallstab  in  der  Rechten

vom großen Rugendas selbst, für die Andrea Teuscher per Nr. 56 „ca. 8 Bll.“ angibt, gleichwohl nur sechs beschreiben kann (53-58). Denn das von ihr unter 59 als „zusätzliches Blatt“ geführte ist weder stilistisch, noch format- und unterschriftmäßig zugehörig, wäre zudem auch eine Wiederholung des folgenkonformen hiesigen Eugen-Portraits. Insofern folgt sie Stillfried’s Irrtum, der es in Unkenntnis des auch Nagler unbekannt gebliebenen anstehenden per 281 in die Folge einbezog. Auch ihr dortiger Literatur-Beizug Boerner ist unzutreffend, da gleichfalls hiesige 55 betreffend und St. 281 (T. 59/Nagler 8) als Nachstich ansehend.

Bildmäßig reitet der auch sonst eigenständig gestaltete Eugen auf jenem von links nach rechts, während er stilistisch zunächst als unbemützt und den Marschallstab als Zeigestab benutzend von den sechs tatsächlich zugehörigen Blättern abweicht. Mehr noch aber figuriert er unmittelbar vor großer, das ganze Querformat ausfüllender Staffage seiner Truppen, indes solche sich bei T. 53-58 auf eine tief zurückgesetzte kleine partielle seitliche beschränkt. Der Untertext zudem in Deutsch und von eigener Platte gedruckt. Das Format mit 33 + 5,1 x 27 cm sichtbar kleiner.

Tatsächlich auch dürfte die Original-Folge sechsblättrig mit T. 53-58 complett sein, wie sie denn auch – offensichtlich als einziges Exemplar! – auf besagter Boerner-Versteigerung „Kupferstichsammlung von alten Meistern des XV.-XVIII. Jahrhunderts“ unter Pos. 1670 wie folgt figurierte :

„ Die  schönen , großen  Reiterporträts

in  prachtvollen , gleichmäßigen , frischen Abdrucken …

Sämtlich  auf  blauem  Karton  altmontiert . “

Ergo das zwischenzeitlich nunmehr vereinzelte von Roemer’sche Exemplar des Leipziger Museums, dem die hiesigen Positionen 14.363 + 14.364, T. 55 + 58, angehörten. Womit hier

derzeit  kein  vollständiges  Exemplar  literaturbekannt  ist .

Denn dessen Nachweis bei Teuscher ist an Hand hiesigen obigen Nachtrags nunmehr gestückelt. Und den dort des weiteren beigezogenen Exemplaren in Coburg + Dresden fehlt jeweils das des Herzogs von Marlborough (T. 58).

Jeweils fünf auch nur beschrieb als Einzelblätter Nagler und besaß Graf Stillfried. Beide nennen statt des richtigen Eugen nur dessen Nachstich (N. 8). So dürfte es sich um ein und dasselbe Exemplar handeln, das Nagler als Antiquar seinem gräflichen Kunden überließ. In Augsburg übrigens mit T. 54 nur ein einziges Blatt der Folge!

Daß diese um Nagler 7 „Carl XII. zu Pferde mit dem Degen in der Hand, wie er die Feinde vor sich hintreibt, eines der Hauptblätter des Meisters“ als Teuscher unbekannt geblieben zu ergänzen wäre, erscheint stilistisch unwahrscheinlich, obgleich, analog zu T. 53-58 (nicht aber zu T. 59!), von Nagler gleichfalls als „gr. fol.“ bezeichnet. Denn keines der sechs gesicherten Folgen-Blätter zeigt die Feldherren in Feindberührung, wie für Carl XII. als deren Zeitgenossen erwähnt. Letzteres denn übrigens auch als einziges dieser großen Fürsten-Blätter innerhalb der etwa 27.600 Positionen der Abt. I-XXVIII des Weigel’schen Kunstlager-Catalogs (1838/57). Nicht eines betreffend T. 53-58! Deren, und damit auch des hier anstehenden,

Seltenheit  somit  einfach  superb !

Und das nicht allein besonderer Umstände halber am Markt, sondern generell. Bezifferte doch schon 1675 der Praktiker von Sandrart „saubere Abdrucke“ der samtenen Schabkunst auf nur etwa „50 oder 60“ (!). „(H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet“. Entsprechend denn am Beispiel Ridinger’s 1856 Thienemann :

„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr …
zu bekommen … und (deren) bei Weitem größten Theil …
(habe ich) allein (im Kupferstichcabinet Dresden) gefunden. “

Nicht einmal dort denn aber des älteren Georg Philipp’s große Folge der „Fürsten zu Pferde“ als Ganzes, der später sein gleichnamiger Sohn eine mit 34 x 22 cm sichtbar kleinformatigere eigene folgen ließ, von der Teuscher fünf Blatt bekannt sind (429-433), mit denen T. 59 aber gleichfalls nicht harmoniert. Für die Entstehungszeit der väterlichen großen sieht T. 53 als terminus post quem 1713, als erst in jenem Jahre dessen Friedrich Wilhelm (I.) als König in Preußen nachfolgte. Da andererseits Marlborough noch als Princeps Mindelheimensis figuriert, wie 1714 hinfällig geworden, darf die Entstehung zeitlich entsprechend eng begrenzt gesehen werden.

Während Nagler (1845) in Rugendas keinen „grosse(n) Meister in Mezzotinto“ sieht, dessen „Compositionen aber voll Leben und immer mit Geist entworfen“ seien – deren Erstzustände sein „inv. et fec.“, wie anstehend (spätere Adressen diesbezüglich hier nicht bekannt) oder die Adresse Jeremias Wolff’s trügen – , betont Gode Krämer (1998) seine

„ von  ihm  meisterhaft  beherrschte  Technik  der  Schabkunst “

und qualifiziert ihn als „ein(en) so vorzügliche(n) Radierer und Schabkünstler“, der „sich für Augsburg früh die Schabkunsttechnik zu eigen machte und mit der Verbindung der Schabkunst- und der Radiertechnik durch die Umrißradierung eine neue Variante einführte“ (in Björn R. Kommer, Hrsg., Rugendas / Eine Künstlerfamilie in Wandel und Tradition / Katalog zur Ausstellung 1998, SS. 8 f.).

Hier denn mit wohl

dem  erlauchtesten  von  Rugendas’  sechs  „ Fürsten  zu  Pferde “ ,

als einem Reiter-Portrait, dessen

monumentale  Brillanz

bestätigt, wonach der ältere Georg Philipp Rugendas „ohne Zweifel ein Talent ersten Ranges (war), um nicht zu sagen, ein Genie. Zweifellos, unter bessere Verhältnisse versetzt, etwa in den Niederlanden um 1650 lebend, ein Künstler geworden sei, der seine

sämmtlichen  Pferde-  und  Schlachtenconcurrenten  überflügelt  hätte “

(Wilhelm Schmidt 1889 in der ADB, XXIX, 600).

Angebots-Nr. 14.364 / Preis auf Anfrage


„ … Toll, die Verbindung der Kunst mit berühmten Männern der Geschichte. Dazu die qualitative Aufmachung … “

(Frau U. K., 2. Januar 2010)