English

„ Der  (schlußendliche)  Triumph  von  (Brüssel)  hätte  die  Entwicklung

der  Freiheit , derer  wir  uns  gegenwärtig  erfreuen ,

nachteilig  beeinflußt  und  beschränkt … “

 

In  Sachen  Hans  Magnus  Enzensberger’s

Sanftes  Monster  Brüssel

oder

Die  Entmündigung  Europas

greift  niemeyer’s in seinen Seltenheitsfundus und demonstriert einmal mehr die „Quicklebendigkeit der alten Meister“ (Eduard Beaucamp einst in der FAZ), sprich, des Zeitgenossen

GEORG  PHILIPP  RUGENDAS’ I

1666 Augsburg 1742

John  Churchill  Herzog  von  Marlborough

Georg Philipp Rugendas I, Prinz Eugen von Savoyen&Georg Philipp Rugendas I, John Churchill Herzog von Marlborough

Prinz  Eugen  von  Savoyen

als einer Waffenbrüderschaft der Extraklasse, gipfelnd im Sieg von Höchstedt/Blenheim , die  „ dem spanischen Erbfolgekrieg eine entscheidende Wendung gab(en) “. Zeigend mit dem ersten Marlborough aber vor allem jene Kraft Britanniens, von dem sein nicht minder herausragender Nachfahre, Kriegspremier Sir Winston, obiges Eingangs-Zitat fortsetzend in seinem Marlborough-Klassiker resümierte, er „brach unwiderruflich die exorbitante Macht Frankreichs“. Woraus angesichts zunehmenden Ächzens gegenwärtiger erster Geister unter mehr und mehr als unerträglich empfundener Brüsseler Machtanmaßung die Frage folgert,

wann  nimmt’s  ein  Marlborough

mit  dem  Brüsseler  „ sanften Monster “  auf  ???

» Während  sich  in  der  arabischen  Welt  die  Völker  erheben

und  nach  Selbstbestimmung  und  Demokratie  rufen ,

versinkt  Europa  in  einer  Diktatur .

Seine  demokratischen  Traditionen  werden  ausgehöhlt  und  zerstört ,

seine  Bürger  schikaniert  und  gegängelt «

Hubert Spiegel

Die Bürokratie frißt ihre Bürger

FAZ 18. März 2011

Die  beiden  monumentalen  Schabkunstblätter

–  46,9 x 36,2 cm; Teuscher 55 (nicht bei Stillfried + Nagler,
die beide nur die nicht zugehörige Version T. 59 kennen)

bzw.

42,8 x 37 cm; Teuscher 58 (Stillfried 282 + Nagler 10;
die lavierte gleichseitige Federzeichnung
in der Witt Collection/Courtauld Institute Galleries London)  –

hier  vorliegend  in

den  Exemplaren  der  Sammlung  von  Roemer

als zusammen nicht nur als denn immerhin gleich zwei der superb seltenen, von Ridinger als Anregung für seine eigenen Fürstliche(n) Personen zu Pferde genutzten sechs Blatt der complett literaturmäßig hier nicht mehr belegbaren großen Rugendas’schen

Folge  der  Fürsten  zu  Pferde

auf  galoppierenden  Schimmeln  mit  dem  Marschallstab  in  der  Rechten

an sich repräsentieren, sondern zugleich für die ungemein reizvolle, ganz persönliche Versuchung + Verlockung stehen, diese

historisch  ganz  brandfrisch

(1713/14)  geschaffene  Folge

peu à peu an sich zu bringen, um sie eines Tages als vielleicht dann einmalig und einzigartig complett zu besitzen. Angespornt hierzu einstweilen von dem schon jetzt gegebenen bildlichen Rahmen, indem

die  beiden  Reiter  pendantartig  auf  sich  zu  galoppieren .

Und, mehr noch, diese beiden Erlauchten zu Lebzeiten

in  engstem  persönlichen  Konnex  zueinander  standen :

„ … fanden  die  beiden  ruhmgekrönten  Feldherren … sich  wieder .“

Nämlich seit 1704 im Krieg Österreichs und seiner Verbündeten gegen Frankreich mit Bayern.

„ Am 10. Juni (1704) traf (Eugen) … am Neckar mit Marlborough zusammen, der das englische Hülfsheer commandirte … Zwei Monate später … schlugen beide Feldherren die vereinigten Franzosen und Baiern in der Entscheidungsschlacht bei Höchstädt. Die Eroberung von Landau, die Vertreibung der Franzosen aus Deutschland, die Besetzung Baierns durch die Oesterreicher waren die unmittelbaren Folgen des glanzvollen Sieges “

(Alfred Ritter von Arneth in Allgemeine Deutsche Biographie, VI [1877], SS. 409 + 411).

Und so fort. Bis zu den Friedensschlüssen von Utrecht + Rastatt (1713/14). Und in ihrer historischen Wirksamkeit noch weit über diese hinausgehend. Noch 300 Jahre später gedenkt man des Zusammenspiels ihrer Maßstäbe setzenden persönlichen Tapferkeit. So, wenn Eberhard Straub gelegentlich der Rheinsberger Prinz Heinrich-Ausstellung von Friedrichs des Großen

„ militärischen  Verwegenheiten

in  der  Tradition  des  Prinzen  Eugen

 und  des  Herzogs  von  Marlborough “

spricht (FAZ 12. 8. 2002).

“ 1688 griff Europa in einer Auseinandersetzung zu den Waffen, die, abgesehen von einer unruhigen Zwischenzeit, ein Vierteljahrhundert dauern sollte. Seit dem Duell zwischen Rom und Karthago hatte es keinen derartigen Weltkrieg gegeben. Er verwickelte alle zivilisierten Nationen; er erfaßte jeden zugänglichen Teil der Erde … Tatsächlich gibt es andere bemerkenswerte Ähnlichkeiten zwischen dieser Zeit und dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Es bestand die gleiche Gefahr, daß die Vorherrschaft eines Volkes und einer Kultur allen anderen mit militärischer Gewalt aufgezwungen werden würde. Es gab die Ohnmacht Europas ohne die Hilfe Britanniens; Englands langsame, aber sichere Annahme der Herausforderung und der Berufung; und die gleiche gewaltige, zunehmende Entwicklung der britischen Anstrengungen während der Auseinandersetzung.

Die Kriege von William und Anne waren nicht bloße Bestrebungen nationalen Ehrgeizes oder territorialer Ausdehnung. Im wesentlichen waren sie

ein  Kampf  für  Leben  und  Freiheit

nicht allein in England, sondern des protestantischen Europas … Der Triumph des Frankreichs von Ludwig XIV. hätte die Entwicklung der Freiheit, derer wir uns gegenwärtig erfreuen, nachteilig beeinflußt und beschränkt, mehr noch als die Vorherrschaft Napoleons oder des deutschen Kaisers “

(Winston S. Churchill, Marlborough, His Life and Times [Chicago 2002], Bd. I, S. 16).

Doch am Beginn des 21. Jahrhunderts, nach Verlauf eines weiteren Jahrhunderts und noch einem weiteren Weltkrieg, gibt es erneut eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem heutigen Europa – „wie ein Riese, der seinem Schicksal hilflos entgegen taumelt“ (Frank Lübberding, FAZ, 20. 6. 2011) – wenn Dirk Schümer die belgische Demokratie – mehr als ein Jahr nach nationalen Wahlen noch immer ohne rechtmäßige Regierung – als „sanft verdunstet“ diagnostiziert und zu einem „Europa der demokratischen Nationen“ aufruft (Europa in der Krise – Zurück zur Nation, in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 6. Juni 2011).

 

» … und  auf  daß  die  Regierung  des  Volkes ,

durch  das  Volk  und  für  das  Volk ,

nicht  von  der  Erde  verschwinden  möge … «

Abraham Lincoln

Gettysburg Address, 19. November 1863

 

Und Hans Magnus Enzensberger analysiert in seiner Dankesrede zum dänischen Sonning-Preis 2010 für herausragende Beiträge zur europäischen Kultur als dem Kern seines kürzlichen Essays Sanftes Monster Brüssel oder Die Entmündigung Europas:

„ Schon seit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft haben Ministerrat und Kommission dafür gesorgt, dass die Bevölkerung bei ihren Beschlüssen nichts mitzureden hat. Als hätte es die Verfassungskämpfe des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts nie gegeben, haben sie sich von Anfang an auf eine Kabinettspolitik verständigt, die alles Wesentliche im Hinterzimmer aushandelt. Dass dieser Rückfall in vorkonstitutionelle Zustände durch kosmetische Korrekturen zu heilen wäre, glaubt inzwischen niemand mehr. Das vielbeschworene demokratische Defizit ist also nichts weiter als ein vornehmer Ausdruck für

die  politische  Enteignung  der  Bürger .

Ein Vergleich (des Vertrages von Lissabon, einem Verfassungs-Ersatz) mit dem Text der amerikanischen Verfassung zeigt, dass hier nicht nur mit der Sprache Schindluder getrieben wird. Auch der schiere Umfang des Dokuments spricht für sich. Es ist über 180 Seiten stark …

Hannah Arendt hat vor fünfundvierzig Jahren dazu das Nötige gesagt. Sie sprach damals in Kopenhagen vom ‚Druck einer sich abzeichnenden Veränderung aller Staatsformen, die sich zu Bürokratien entwickeln, das heißt, zu einer Herrschaft weder von Gesetzen noch von Menschen, sondern von anonymen Büros oder Computern, deren völlig entpersönlichte Übermacht für die Freiheit und für jenes Minimum an Zivilität, ohne das ein gemeinschaftliches Leben nicht vorstellbar ist, bedrohlicher sein mag als die empörendste Willkür von Tyranneien in der Vergangenheit‘.

(Die Manager der Union) … haben … sich eine Strategie ausgedacht, die sie gegen jede Kritik immunisieren soll. Wer ihren Plänen widerspricht, wird als Antieuropäer hingestellt. Von ferne erinnert das an die Rhetorik des Senators Joseph McCarthy und der KPdSU. Was ihnen nicht passte, pflegten sie zu verleumden, die einen als ‚un-American Activities‘, die andern als ‚antisowjetische Umtriebe‘ “

(zitert nach der leicht gekürzten Dokumentation der Rede in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 3. Feb. 2010).

» (Enzensberger)  untersucht …

die  ‚Sprachregelungen‘  einer  ‚geschichtstauben‘  EU ,

die  ihre  höchsten  Funktionäre  als  ‚Kommissare‘  bezeichnet ,

als  hätte  es  in  der  europäischen  Geschichte

weder  sowjetische  Volkskommissare

noch  die  Reichskommissare  der  Nationalsozialisten  gegeben «

Hubert Spiegel

Die Bürokratie frißt ihre Bürger

FAZ 18. März 2011

Der erste Träger des Sonning-Preises war übrigens 1950 Sir Winston Churchill.

Es sei jedem selbst überlassen zu entscheiden, ob wir nicht Zeugen eines späten Triumphes Ludwigs XIV. sind, dem Triumph einer neuerlichen Vorherrschaft, die Freiheit und Demokratie nachteilig beeinflußt und beschränkt, einem immer noch ohnmächtigen Europa diesmal nicht durch militärische Gewalt, sondern eine Bürokratie aufgezwungen, die bewußt sämtliche Aspekte unseres Lebens beherrscht.

Eine Vorherrschaft, von der Britannien, oft gescholten für ihren gesunden angelsächsischen Menschenverstand und die darauf gegründete Zurückhaltung, sich dieser zu beugen und ihre Rechte, die Rechte und Freiheit ihrer Bürger, dieser post-demokratischen (Enzensberger), euphemistisch „Union“ genannten Oligarchie zu unterwerfen, trotz jüngster Teilnahme an einem Neokolonialkrieg an Frankreichs Seite bislang einigermaßen Abstand hält.

Und man mag sich fragen, ob diese „ungeheure Macht“ tatsächlich so unwiederbringlich gebrochen war wie Churchill zuvor in seiner Charakterisierung Marlboroughs feststellte:

„ Bis zum Erscheinen von Napoleon übte kein Befehlshaber eine derart weitreichende Macht in Europa aus … Er war der Kopf der glorreichsten Regierung in … der Geschichte (Englands) als er Europa führte, die Habsburgische Monarchie rettete und die ungeheure Macht Frankreichs unwiederbringlich brach … “

Was keineswegs die zentrale Rolle seines europäischen Gegenübers, Prinz Eugen, vergessen lassen sollte, mit dem ihn „eine zwischen Hauptleuten gleichen Ruhmes unvergleichliche Waffenbrüderschaft“ verband (a. a. O, S. 17).

Ihrer beider so adäquate Portraits von der Hand des großen Rugendas als Zeitgenosse hier denn in sehr schönem, nuancenreichem Druck von kontrastreichem Hell-Dunkel und gleichfalls adäquater Erhaltung, gleichwohl knapp bis an Plattenkante, stellenweise auf dieser selbst und rechts 3,5 cm auf Bildkante geschnitten. Das Eugen-Blatt zusätzlich leicht berieben, zwei winzige bzw. ganz kleine Abschabungen rechts im Rand, nur minimal bemerkbare Vertikalfalte von unten bis unter den Bauch des Pferdes. – Alt auf Bütten montiert, dessen Ränder recto rahmenmäßig mit blau-grauem Papier kaschiert sind. Die Bilder selbst dann mit schwarzer Einfassungslinie paspeliert.

Und  qualifiziert  schließlich  durch Vorbesitz der auf Anfang des 19. Jahrhunderts zurückgehenden Portrait-Sammlung von Vater + Sohn von Roemer, die 1871 auf das heutige Museum der Bildenden Künste Leipzig überging und von diesem 1924 offenbar als Ganzes (nicht nur in Doubletten, wie Lugt vermerkt; siehe Versteigerung Boerner 142) veräußert wurde. Recto unten rechts dessen Bestandsstempel „Staedtisches Museum zu Leipzig“ (Lugt 1669e), verso der Ausscheidungsstempel „Abgegeben v. Museum d. b. K. Leipzig“ (L. 1669f). – Sehr schöne, nuancenreiche Drucke von leuchtendem Hell-Dunkel und adäquater Erhaltung.

Andrea Teuscher gibt für die Folge per Nr. 56 „ca. 8 Bll.“ an, kann aber gleichwohl nur sechs beschreiben (53-58). Denn das von ihr unter 59 als „zusätzliches Blatt“ geführte ist weder stilistisch, noch format- und unterschriftmäßig zugehörig, wäre zudem auch eine Wiederholung des Eugen-Portraits 55. Insofern folgt sie Stillfried’s Irrtum, der es in Unkenntnis des auch Nagler unbekannt gebliebenen tatsächlichen per 281 in die Folge einbezog. Auch ihr Literatur-Beizug Boerner ist unzutreffend, da gleichfalls 55 betreffend und St. 281 (T. 59) als Nachstich ansehend. Siehe hierzu auch die ausführliche Separatbeschreibung.

Tatsächlich auch dürfte die Folge sechsblättrig mit T. 53-58 complett sein, wie sie denn auch – offensichtlich als einziges Exemplar! – auf besagter Boerner-Versteigerung „Kupferstichsammlung von alten Meistern des XV.-XVIII. Jahrhunderts“ unter Pos. 1670 wie folgt figurierte :

„ Die  schönen , großen  Reiterporträts

in  prachtvollen , gleichmäßigen , frischen Abdrucken …

Sämtlich  auf  blauem  Karton  altmontiert . “

Ergo das zwischenzeitlich nunmehr vereinzelte von Roemer’sche Exemplar des Leipziger Museums, dem die hiesigen beiden Blätter, T. 55 + 58, angehörten. Womit hier

derzeit  kein  vollständiges  Exemplar  literaturbekannt  ist .

Denn dessen Nachweis bei Teuscher ist an Hand hiesigen obigen Nachtrags nunmehr gestückelt. Und den dort des weiteren beigezogenen Exemplaren in Coburg + Dresden fehlt jeweils das hier anstehende des Herzogs von Marlborough (T. 58), zeitweisen Fürsten von Mindelheim.

Jeweils fünf auch nur beschrieb als Einzelblätter Nagler und besaß Graf Stillfried. Beide nennen statt des richtigen Eugen nur dessen Nachstich (N. 8). So dürfte es sich um ein und dasselbe Exemplar handeln, das Nagler als Antiquar seinem gräflichen Kunden überließ. In Augsburg übrigens mit T. 54 nur ein einziges Blatt der Folge!

» (Georg  Philipp)  Rugendas  (der  Ältere)

war  ohne  Zweifel  ein  Talent  ersten  Ranges ,

um  nicht  zu  sagen , ein  Genie .

Zweifellos  würde  er , unter  bessere  Verhältnisse  versetzt ,

etwa  in  den  Niederlanden  um  1650  lebend ,

ein  Künstler  geworden  sein ,

der  seine  sämmtlichen  Pferde-  und  Schlachtenconcurrenten

überflügelt  hätte . «

Wilhelm Schmidt

Allgemeine Deutsche Biographie, XXIX [1889], S. 600

Daß diese um Nagler 7 „Carl XII. zu Pferde mit dem Degen in der Hand, wie er die Feinde vor sich hintreibt, eines der Hauptblätter des Meisters“ als Teuscher unbekannt geblieben zu ergänzen wäre, erscheint stilistisch unwahrscheinlich, obgleich, analog zu T. 53-58 (nicht aber zu T. 59!), von Nagler gleichfalls als „gr. fol.“ bezeichnet. Denn keines der sechs gesicherten Folgen-Blätter zeigt die Feldherren in Feindberührung, wie für Carl XII. als deren Zeitgenossen erwähnt. Letzteres denn übrigens auch als einziges dieser großen Fürsten-Blätter innerhalb der etwa 27.600 Positionen der Abt. I-XXVIII des Weigel’schen Kunstlager-Catalogs (1838/57). Nicht eines betreffend T. 53-58! Deren, und damit auch des hier anstehenden,

Seltenheit  somit  einfach  superb !

Und das nicht allein besonderer Umstände halber am Markt, sondern generell. Bezifferte doch schon 1675 der Praktiker von Sandrart „saubere Abdrucke“ der samtenen Schabkunst auf nur etwa „50 oder 60“ (!). „(H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet“. Entsprechend denn am Beispiel Ridinger’s 1856 Thienemann :

„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr …
zu bekommen … und (deren) bei Weitem größten Theil …
(habe ich) allein (im Kupferstichcabinet Dresden) gefunden. “

Nicht einmal dort denn aber des älteren Georg Philipp’s große Folge der „Fürsten zu Pferde“ als Ganzes, der später sein gleichnamiger Sohn eine mit 34 x 22 cm sichtbar kleinformatigere eigene folgen ließ, von der Teuscher fünf Blatt bekannt sind (429-433), mit denen T. 59 aber gleichfalls nicht harmoniert. Für die Entstehungszeit der väterlichen großen sieht T. 53 als terminus post quem 1713, als erst in jenem Jahre dessen Friedrich Wilhelm (I.) als König in Preußen nachfolgte. Da andererseits anstehender Marlborough noch als Princeps Mindelheimensis figuriert, wie 1714 hinfällig geworden, darf die Entstehung zeitlich entsprechend eng begrenzt gesehen werden.

Während Nagler (1845) in Rugendas keinen „grosse(n) Meister in Mezzotinto“ sieht, dessen „Compositionen aber voll Leben und immer mit Geist entworfen“ seien – deren Erstzustände sein „inv. et fec.“, wie anstehend (spätere Adressen diesbezüglich hier nicht bekannt) oder die Adresse Jeremias Wolff’s trügen – , betont Gode Krämer (1998) seine

„ von  ihm  meisterhaft  beherrschte  Technik  der  Schabkunst “

und qualifiziert ihn als „ein(en) so vorzügliche(n) Radierer und Schabkünstler“, der „sich für Augsburg früh die Schabkunsttechnik zu eigen machte und mit der Verbindung der Schabkunst- und der Radiertechnik durch die Umrißradierung eine neue Variante einführte“ (in Björn R. Kommer, Hrsg., Rugendas / Eine Künstlerfamilie in Wandel und Tradition / Katalog zur Ausstellung 1998, SS. 8 f.).

Angebots-Nr. 14.365 / Preis auf Anfrage

» Mit  Robert  Menasse  wirft  (Enzensberger)  schließlich  die  Frage  auf ,

ob  die  klassische  Demokratie

nach  Brüsseler  Verständnis  noch  eine  Verpflichtung  darstellt

oder  nicht  vielmehr  als  Hindernis  betrachtet  wird ,

an  dessen  Beseitigung  es  emsig  zu  arbeiten  gilt «

Hubert Spiegel

Die Bürokratie frißt ihre Bürger

FAZ 18. März 2011

Wann  also  kehrt  brüsselhöriges  Europa

„ zu  den  Quellen , zu  den  Müttern “ (Benn) zurück ?  Denn

„ Es  ist  kein  Zufall , dass

die  einzige  konsequente  Demokratie  auf  Erden ,

Wilhelm Riefstahl, Landsgemeinde in der Ostschweiz

die  Schweiz ,

als  winzige  Insel  im  riesigen  Meer  Eurolands  schwimmt .

Die  Schweiz  und  die  EU  sind  nicht  kompatibel … ”

Dirk Schümer ,
Europa in der Krise – Zurück zur Nation
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 6. Juni 2011

Oder  bleibt  denn  also  alles  beim  Alten ?  Schon  möglich .

Denn wie – frei nach Günter Neumann’s eben unvergeßlichem Berliner Insulaner-Kabarett – dort der indoktrinierende Schulungs-Jenosse , so denn hier Kommissar Brüssel :

„ Welche  Jemeinschaft  woll  is  de  demokratischste  der  Welt ?
Naaa … ?? “

„ Die  Jemeinschaft  der  Eidjenossen  in  der  Schweiz . “

„ Falsch . Setz  Dir  schnell  hin . “

„ Aba  da  wär’  ick  doch  Demokrat , und  dürft’s  auch  sein . “

„ Bist  woll  varückt  jeworden . “

» Europa  ist , wie  Enzensberger  es  nennt ,

ein  Phänomen  der  ‚Post-Demokratie‘.

In  Deutschland , wie  auch  in  den  meisten  Mitgliedsländern ,

war  das  Projekt  derart  alternativlos ,

dass  niemals  über  EWG , Schengen  oder  den  Euro

abgestimmt  wurde … «

Dirk Schümer

Europa in der Krise – Zurück zur Nation

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 8. Juni 2011

„ Hier bin ich (Demokrat) , hier darf ich’s sein “

Wilhelm Ludwig Friedrich Riefstahl

Neu-Strelitz, Mecklenburg, 1827 – München 1888

Landsgemeinde  in  der  Ostschweiz

Eröffnung und Vereidigung der Landsgemeinde auf freiem Feld durch den an erhöhtem Pult stehenden Landammann. Ihm zur Seite zwei Räte, weitere ihm zur Rechten auf niederem Podest stehend, hinter ihm die Fahnen und Standarten der zugehörigen Gemeinden. Zu beiden Seiten und im Hintergrund die Bürger, meist mit dem Seitengewehr (Degen) als Zeichen ihrer Stimmberechtigung. Rechts auch zwei Spielmänner mit Trommel. Im Hintergrund Bergketten. Getönter Holzstich von F. Bauer bei A. Cloß, Stuttgart. (1875-77.) Bezeichnet: W. Riefstahl (18)75. / F. Bauer, ansonsten typographisch wie vor. 16,9 x 25.5 cm.

Auf kantonaler Ebene heute nur noch in zwei Kantonen – Appenzell Innerrhoden und Glarus – ausgeübt, ist die Landsgemeinde eine der ältesten Formen der direkten Demokratie, bei der jeder stimmberechtigte Bürger das Wort ergreifen und Anträge einbringen kann, ohne sich durch Parteimitgliedschaft und Parteigremien oder Unterschriftensammlungen zuvor erst eine zusätzliche Legitimation erwerben zu müssen:

„ Es ist kein Zufall, dass die einzige konsequente Demokratie auf Erden, die Schweiz, als winzige Insel im riesigen Meer Eurolands schwimmt. Die Schweiz und die EU sind nicht kompatibel … “

(Dirk Schümer, Europa in der Krise – Zurück zur Nation, in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 6. Juni 2011).

Es kann nicht verwundern, daß Parteisystemen und Bürokratien, die sich längst den Staat zur Beute gemacht haben (Richard von Weizsäcker), eine derartige Souveränität des Souveräns selbstredend ein fortwährender Dorn im Denken ist und solchermaßen auch nur unter Vorbehaltsklauseln mit beispielsweise der Europäischen Menschenrechtskonvention kompatibel erscheint. Wenngleich aus unterschiedlichen Gründen in den meisten Kantonen seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts abgeschafft – in jüngerer Zeit namentlich rücksichtlich der mit höheren Bevölkerungszahlen einhergehenden Anonymisierung sowie der Schwierigkeit, geeignete Versammlungsorte zu finden – , übt der Bürger in der Landsgemeinde nicht lediglich im Schutze einer Wahlkabine ein ihm gewährtes Stimmrecht aus, sondern zeigt sich offen als Teil des Staates. Dies zu gewissem Grade vergleichbar den amerikanischen Vorwahlen mit ihren Wahlversammlungen und der gewisse Präferenzen politischer oder persönlicher Art bekundenden Registrierung für die eine oder andere Partei. Daß diese Öffentlichkeit durchaus auch zu einem Gruppenzwang führen kann, sollten dabei nicht gerade jene scheinheilig kritisieren, die ihre nach hehrer Verfassung + Grundgesetz nur ihrem Gewissen verantwortlichen Abgeordneten regelmäßig dem Fraktionszwang von Partei und Koalition unterjochen. Wie denn die Landsgemeinde auch zu einem nicht oder jedenfalls sichtlich weniger von Partei- und Machtinteressen gelenkten und gefilterten offenen Diskurs als letztlich entscheidendem Grundpfeiler der Demokratie führt.

» Die  EU  beweist ,

dass  Demokratie

nie

ohne  einen  gemeinsamen  Diskurs

gelingen  kann … «

Dirk Schümer

Europa in der Krise – Zurück zur Nation

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 8. Juni 2011

Riefstahl, Schüler von Wilhelm Schirmer, reiste in den 60ern wiederholt in die bayerischen, tiroler und schweizer Alpen und wandte sich „mit Eifer … der Landschaft zu, besonders der Darstellung des Hochgebirges“ (Boetticher). Anstehendes Sujet indes während der Rückkehr von seinem zweiten Romaufenthalt 1873-75 entstanden. Danach Direktor der Karlsruher Kunstschule, ließ er sich nach weiterer Italienreise 1878 in München nieder, wo er Ehrenmitglied der dortigen Akademie wurde.

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Der  Holzstich  eine namentlich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gern geübte Technik, die um etwa 1800 aufkam und – entgegen dem mit dem Messer längs zur Faser als Linienschnitt gearbeiteten Holzschnitt – mit dem Grabstichel quer zur Faser und mit hartem Hirnholz als Stock auszuüben war, um jene malerische Tonigkeit zu erzielen, die den Charme auch anstehenden Blattes ausmacht. Und

„ Durch die unterschiedlichen , jetzt  aus  dem  Ort  selbst  stammenden  Quellen … und variablen Standpunkte der Betrachter … durch geschickt gewählte Ausschnitte und durch anders gestaltete Personen- (und sonstige) Staffage wird eine stets wiederkehrende Stereotypie vermieden … “

(Dieter Osteneck, Zur xylographischen Darstellung im 19. Jahrhundert, in Lüneburger Beiträge zur Vedutenforschung, 1983, SS. 120 ff.).

» Enzensbergers  Kernthese

zielt  auf  das  prekäre  Demokratieverständnis  der  Union ,

die  im  Rausch  der  Regulierung

immer  autoritärere  Züge  ausbildet «

Hubert Spiegel

Die Bürokratie frißt ihre Bürger

FAZ 18. März 2011


„ … Toll, die Verbindung der Kunst mit berühmten Männern der Geschichte. Dazu die qualitative Aufmachung … “

(Frau U. K., 2. Januar 2010)