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» Wenn alles so bleiben soll , wie es ist , muss sich alles ändern «

In Sachen nationaler Bewegung

Tancredi Falconeri in Der Leopard/Il Gattopardo von Giuseppe Tomasi di Lampedusa

Nordafrika

Brennpunkt  des

Augenblicks

Georg Philipp Rugendas, Löwenjagd

Kann  auch  Postkolonianisten  schnell  widerfahren

» Muß  doch  (ihr)  Blut  den  Spieß  des  Libyers  erfreuen «

„ denn  seelig  sind , die  da  geistig  arm  sind “

Und  der  Pfauenthron  läßt  grüßen

Rugendas d. Ä., Georg Philipp (1666 Augsburg 1742). Venatio Leonum / Löwen=Jagd. Tiefgestaffelte instruktive Jagd Turban tragender Berittener mit Spießen, teils auch den Yatagan (?) an der Seite, einer zudem mit übergehängtem Köcher,

in  einer  Oasensenke  des  libyschen  Hochlandes .

Schabkunstblatt. Bezeichnet: K.1. / Georg Philipp Rugendas invent delin. et Sculps. / Cum Gratiâ et Privilg. Sac. Cæs. Majest. / Johan(n) Christian Leopold excudit Aug. Vindelicorum., ansonsten wie vor und nachfolgend. 40,8 x 51,4 cm.

Nagler (1845) 40; Stillfried 293 (1879; ohne Serien-Erwähnung „K.1“); Teuscher (1998) 60 unter Bezug auf N. + St. – Mit umlaufend 2,5-3,5 cm breitem Rand. Dieser mit einigen unwesentlichen schwachen Wasserrändern sowie Lichtschatten früherer Rahmung. Gelegentlich letzterer grundlos auf die Rückpappe montiert, wobei drei Einrisse bis jeweils Plattenkante versorgt wurden.

„ Fulminei quamvis sit fervens ira leonis, / Aversos vulus Africa nulla pavet. / Arrigit ille comas, Stimulatus verbere caudæ / Cuspide mox Libyco , dum fremit ille, perit. “

„ Der  Löwen  Aufenthalt  in  grosen  Wüsteneyen

Erschröckt  in  Africa  den  tapffern  Jäger  nicht

So  grim(m)ig  dieser  Feind  schäumt  an  fällt ,

reißt  und  ficht

Muß  doch  sein  Blut  den  Spieß  des  Libyers  erfreuen “

SCHÖNER  DRUCK , reich  an  Hell-Dunkel , wie so typisch für die samtene Schabkunst , des ersten Blattes der Löwe, Tiger, Strauß + Büffel gewidmeten Jagdfolge T. 60-63, sämtlichs mit der Leopold-Adresse.

„ Nur  aus  Literatur  bekannt “,

folgt Teuscher der Beschreibung bei Stillfried als dem letztnachweisbaren Exemplar, welches durchaus mit dem zuvor dem Antiquar Nagler bekanntgewesenen identisch sein könnte. Was für hiesiges Löwen-Blatt der Folge möglicherweise eine bis auf 1845 zurückgehende Herkunft ergeben könnte. Dessen Wiederauftauchen nach 130 Jahren – ein rundes kleines Ereignis für die Rugendas-Forschung (Komplett-Beschreibung anfordern!). Und thematisch + optisch eine sehr schöne Bereicherung zur Dokumentation  der  Jagd  auf  den  Majestätischen , gewiß denn , doch en passant zugleich zur Anregung der kleinen grauen Zellen , so man denn hat . So hier denn

mit  ausdrücklich  textlichem  Bezug

auf  die  libysche  Wüste

als  für  die  alte  Graphik  einer  Rarität  für  sich .

„Es ist (eben) eine große Lust, mit den Erfahrungen der Moderne die alten, in Wirklichkeit meist quicklebendigen Meister zu erkunden …“ (Eduard Beaucamp in seiner Dankrede bei Empfang des Johann-Heinrich-Merck-Preises, FAZ 23. 10. 06).

Angebots-Nr. 28.899 / Preis auf Anfrage

Ihr  könnt’s  ja  versuchen ,

ob der Löwe von Damaskus leichtere Beute ist

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Der Löwe erreichet seine vollkommene Stärcke im 5ten oder 6ten Iahr, nimt auch noch länger an grösse zu und wird sehr alt. Ausgedehnte Felsengrotte mit dem die rechte Blatthälfte dominierenden Patriarchen. Vier weitere männliche unterhalten sich in der Nebenhöhle zur linken. Radierung und Kupferstich. (1736.) Bezeichnet: 33. / Cum Priv. Sac. Cæs. Majest. / I. El. Ridinger inv. pinx. sculps. et excud. Aug. Vind., ansonsten wie vor dt., frz., lat. + unten. 34,5 x 42,3 cm.

Thienemann + Schwarz 228. – Blatt 33 der BETRACHTUNG DER WILDEN THIERE mit dem Untertext des Hamburger Dichterpapstes, Juristen + Senators, vor allem aber Ridinger-Freundes Barthold Heinrich Brockes (1680-1747) in Deutsch.

Johann Elias Ridinger, Lion

„ Welch ein strenges würcklich Feüer , welch ein hell und dunckles Licht Flam(m)et in des Leuen Augen , stralt heraus , dringt durchs Gesicht … Seiner Nerven , Muskeln , Knochen , Riesen förmiger Verband Zeiget , unter andern Thieren , seinen Königlichen Stand … Da denn sonderlich die Felßen so natürlich , das es scheint : Durch des Künstlers Zauber Griffel , wäre sein Papier versteint. “

Von  leuchtend-herrlicher  Qualität  +  damit  Seltenheit .

An den Seiten 3,2-4,2, oben + unten 2,5-3,1 cm breitrandig. – An den Pfoten eines der Hintergrundlöwen unauffälliges kleines Wurmloch. Kleines Eselsohr sowie säurefrei hinterlegter winziger Einriß im breiten weißen Oberrand, im linken weißen Rand zwei schmale ergänzte Ausrisse. – Rückseits Bleistiftkritzeleien eines Sammler-Enkels.

Angebots-Nr. 15.489 / EUR  850. / export price EUR  808. (c. US$ 881.) + Versand

– – – – Dasselbe in nicht ganz so vollkommenem Abdruck mit WANGEN-Wz. wie für zeitgenöss. Abdrucke so typisch sowie typograph. Nebenmarke. – Nur knappen Rändchens halber kunstvoll auf 41,5 x 51,5 cm Blattgröße des übrigen Bestandes des Vorbesitzes angerändert. – Sechs minimalste (2) bis etwas größere (3) Wurmgänge mittig der rechten Blatthälfte. – Bugfalte gänzlich geglättet, säurefrei hinterlegter kleiner Einriß im Anränderungsrand.

Angebots-Nr. 15.406 / EUR  570. / export price EUR  542. (c. US$ 591.) + Versand

Löwenjagd. Der links unter Bananenstauden in reicher Tracht hinter einem Felsblock kniende arabische Jäger auf den von rechts heranschleichenden Löwen anlegend. Vorne Wasserstelle, hinten Gesträuch + Felsplateau. Lasiert kolor. Holzstich. 1853. Datiert. 20 x 17 cm.

Angebots-Nr. 12.214 / EUR  86. (c. US$ 94.) + Versand

„ Ein  kleiner  Umstand

hat  sehr  offt  das  Blatt  gewendet ! “

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Der wilde Büffel und das Crocodil. Im Kampf auf Leben und Tod am Nil. Radierung mit Kupferstich. (1760.) Bezeichnet: Joh. El. Ridinger inv. et del. / M. El.Ridinger sculps.Aug. Vind., ansonsten wie vor + unten. 35,1 x 28,2 cm.

Thienemann + Schwarz 722; Stubbe, Ridinger, 1966, SS. 16 f. nebst Taf. 34; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, IV.7 nebst Abb. – Blatt 7 der seit altersher von der Literatur als sehr selten qualifizierten 8blätt. Folge der

Kämpfe  reißender  Thiere ,

Th. 716-723, deren vier letzte Blätter vom Ältesten, Martin Elias, nach erst nachgeschobenen 1760er väterlichen Vorlagen – Pos. 389-392 des Ridinger-Appendix des 1869er Katalogs der von J. A. G. Weigel hinterlassenen Zeichnungen mit hiesiger 390er in Feder + Bister – aufs Kupfer übertragen wurden. Woraus zugleich gefolgert werden darf, daß nicht nur die Zeichnungen nebst Texten zu den gesellschaftspolitisch hochbrisanten Blättern 1-4 längst fertig dagelegen hatten, sondern selbst auch schon deren Platten.

Der Ergänzung jener riskanten Urfolge um vier weitere, textlich nurmehr à la Brockes,

„ Dem falschen Crocodil … Scheint dießmal seine List und Anfall nicht zu glücken: Es liegt unterm Fus des Büffels auf dem Rücken.

Johann Elias Ridinger, Der wilde Büffel und das Crocodil

Doch , Büffel , jauchze  nicht !

Sein ungeheurer Biß Trifft deinen Fuß bereits und raubt dir ihn gewiß. Dein Horn mit dem du dich sonst tapfer weist zu schütze(n), Kan(n) dir bey diesem Fall und Umstand wenig nüzen. Du hast vielmehr verspielt, und, gieb dich nur darein, Scheinst in gar kurzer Frist des Unthiers Raub zu seyn.

Darum  frolocket  nie , eh  ihr  den  Sieg  vollendet :

Ein  kleiner  Umstand  hat  sehr  offt  das  Blatt  gewendet ! “

und damit unverfänglich, begleitete Blätter lag neben dem Wunsche nach einer komfortableren Handelseinheit ganz sicher und wohlbewußt auch die Absicht zu Grunde, die Eklatanz der Botschaft der ersten vier weniger demonstrativ aufscheinen zu lassen. Die Aufstockung also als eine zugleich letzte Außenverpackung.

Als möglicherweise in Zusammenhang mit der Kämpfe-Folge entstanden sieht Rainer Michaelis im Kritischen Bestandskatalog der „Deutschen Gemälde des 18. Jahrhunderts“ der Staatlichen Museen Berlin das dort 1985 aus altem Leipziger Familienbesitz erworbene faszinierende Öl „Raubtiere und gerissener Hirsch“ der lfdn. Kat.-Nr. 2272 (Bln. 2002, SS. 173 f. nebst Farbabb.).

Der plastisch-kräftige, warmtonige Abdruck eines alten adeligen Sammelbandes alter Abdrucke fast ausschließlich, so denn auch hier, einheitlichen Büttens unterschiedlicher Wasserzeichen, hier Großer Anker nebst J H (nicht bei Heawood). Als im Gegensatz zu den ersten vier Blättern der Folge schon innerhalb der 1824/25er Engelbrecht-Herzberg’schen Ridinger-Neuausgaben und erst recht in deren späten ab den 1850ern – in diesen auch die Bll. 1-4 nicht mehr präsent – fehlend, sind die Blätter 5-8 zusätzlich rar. Die Weigel-Zustände 40 B + C (Kunstlager-Cat. XXVIII [1857], Rid.-Appendix) für spätere bzw. neue Abdrücke als jeweils 8blättrig zeitlich hier nicht einordbar, da 1824/25 eben nur 4blättrig und in denen der 1850er als zeitgleich zu Weigel ganz fehlend. – Oben + unten 5-5,9 und seitlich 2,3 cm breitrandig.

Angebots-Nr. 15.703 / EUR  1780. / export price EUR  1691. (c. US$ 1845.) + Versand

Homs – Wo  schon  frühere  Kreuzfahrer  steckenblieben

Homs (Hemss, Jadis Emèse) – Cassas, Louis François (Azay-le-Ferron, Indre, 1757 – Versailles 1827). Château et portion de la ville de Hemss (Jadis Emèse). Die Zitadelle von Homs auf ihrem hohen Tell mit der sich vor allem linksseits ausdehnenden Stadt zu ihren Füßen. Besonders im Vordergrund aufgeregtes Treiben, bei dem eine entfaltete Schriftrolle ebenso ihre Rolle spielt wie der Schreiber einer solchen, sofern in letzterem nicht der in Landestracht skizzierende Künstler selbst zu sehen ist. Kupferstich von Simon Charles Miger (Paris 1747 – 1805). (1799.) Bezeichnet: Dessiné par L. F. Cassas. / Gravé par S. C. Miger. 29,5 x 44,7 cm.

Louis François Cassas, Homs

Reiches  Blatt  von  schönem  Hell-Dunkel

im  Druckzustand  vor  der  Schrift .

Miger, Graveur du Roy, „stach und radirte eine bedeutende Anzahl schöner Blätter, grösstentheils nach französ. Meistern“ (Nagler). – Schwacher Wasserrand und einige kleine Rißhinterlegungen im unbeschnittenen breiten weißen Rand.

Angebots-Nr. 12.537 / EUR  699. / export price EUR  664. (c. US$ 724.) + Versand

Antiochia – (Vue générale de la Ville Antioche.) Ansicht der syrischen Hauptstadt unter den Seleukiden, „wo die erste grössere Christengemeinde außerhalb Palästinas sich bildete, wo der Name Christen zuerst genannt wurde … und wo … Paulus die Weihe erhielt“. Im Vordergrund weidendes Vieh am Ufer des Orontes. Radierung nach Cassas wie vor, doch von Antoine Michel Filhol (1759 Paris 1812), vollendet von Jean Baptiste Tilliard (1740? – Paris 1813). (1799.) Bezeichnet: Dessiné par L. F. Cassas. / Gravé à l’Eau-forte par Filiol. / Terminé par Tilliard. 29,7 x 46,1 cm.

Malerisches  Blatt

in  herrlich  leuchtendem  Abdruck  vor  der  Schrift .

Filhol „bildete sich unter Née … besonders in der Landschaft. Seine Blätter dieser Art sind von kräftiger Wirkung und meisterhaft in der Perspektive … Einige seiner geätzten Blätter haben … andere vollendet“ (Nagler). – Unbeschnitten. – Ganz schwacher Wasserrand in der rechten Oberecke die Himmelspartie kaum wahrnehmbar noch ca. 3-5 cm tangierend. Der breite Rand unwesentlich zeitspurig.

Angebots-Nr. 12.530 / EUR  885. / export price EUR  841. (c. US$ 917.) + Versand

Antiochia – Antioche, vue de la porte dite de Fer. Gelegen als die Schlucht überbrückender ruhender Pol inmitten der wilden Gebirgsschluchten und beidseits fortgesetzt durch die sich windende Mauer. Figurinen. Kupferstich nach Cassas wie vor, doch von wohl Michel Picquenot (1747 Rouen nach 1808). (1799.) Bezeichnet: Dessiné par L. F. Cassas. / Gravé par Picquenot. 30,4 x 43,4 cm.

Malerisches  Blatt

in  schönem , warmtonigem  Abdruck  vor  der  Schrift .

„Picquenot … brachte es … zu großer Geschicklichkeit, besonders in der landschaftlichen Darstellung“ (Nagler). – Schwacher Wasserrand und hinterlegter Einriß im namentlich an den Seiten breiten unbeschnittenen weißen Rand.

Angebots-Nr. 12.535 / EUR  562. / export price EUR  534. (c. US$ 582.) + Versand

Antiochia – Antioche, vue de la porte dite de Médine (Bab el-Medynah), prise en dehors, sur le chemin de Halep. Reiches Getriebe am Tor, zu dem auch eine Karawane hinstrebt. Kupferstich von wohl Michel Picquenot nach Cassas wie vor. (1799.) Bezeichnet: Dessiné par L. F. Cassas. / Gravé par Picquenot. 29,4 x 46,4 cm.

Malerisches  Blatt

in  herrlichem , warmtonigem  Abdruck  vor  der  Schrift .

Unbeschnitten. – Zusätzlich zum mit oben 1,6, an den Seiten 4 und unten 5,5 cm schon für sich ungewöhnlich breiten weißen Plattenrand mit umlaufend 3,3-4,3 cm weißem Papierrand. In letzterem sowie in der unmittelbaren Plattenkante hier und da meist nur ganz minimal fleckig, lediglich links zwei etwas größere blaß-gelbliche Farbflecken, von denen einer noch bis zu 1,3 cm in den weißen Plattenrand hineinreicht. Vereinzelte Klein(st)einrisse im weißen Rand säurefrei versorgt.

Angebots-Nr. 12.531 / EUR  445. / export price EUR  423. (c. US$ 461.) + Versand

Bailan – Village du Bailan, Situé sur la route d’Alexandrette à Antioche. Radierung nach Cassas wie vor, doch von Jerôme Paris (Versailles 1744 – ca. 1810), mit dem Grabstichel vollendet von Duparc (2. H. d. 18. Jhdts. – nach 1810). (1799.) Bezeichnet: Dessiné par L. F. Cassas. / Gravé à l’eau forte par Paris. / Terminée par Duparc. 27,3 x 43 cm.

Prächtiges  Blatt  in  herrlich  leuchtendem  Abdruck  vor  der  Schrift .

Mit Karawanen- + Marinestaffage. – Das von den Europäern Alexandrettes (= Alexandria ad Issum, heute Iskenderun, gegründet von Alexander dem Großen zum Andenken an seinen Sieg bei Issos) bevorzugte reizende Dorf am Golf von Alexandrette, berühmt vor allem durch seinen Paß, die Pylae Syriae, als der über den Amanus führenden einzigen Verbindung zwischen Syrien + Kleinasien, von Alexander einst ebenso benutzt wie von den Kreuzrittern. – Unbeschnitten. – Der breite Rand unwesentlich zeitspurig.

Angebots-Nr. 12.529 / EUR  752. / export price EUR  714. (c. US$ 779.) + Versand

Sichem (Nablus/Nabulus) – Vue générale de Néapolis. Gesamtansicht des römischen Neapolis, des alten und heutigen Sichems in Samaria, der

Begräbnisstätte  Josephs , in  dessen  Nähe  der  Jakobsbrunnen

liegt. Verstreute Figurinen. Kupferstich nach Cassas wie vor, doch von Jean Baptiste Racine (Paris 1747 – ca. 1805). (1799.) Bezeichnet: Dessiné par L. F. Cassas. / Gravé par Racine. 29,7 x 46,3 cm.

Sehr  schönes  Blatt  im  Druckzustand  vor  der  Schrift .

Kleiner Wasserrand und meist nur stippenhafte Stockflecken im breiten weißen Rand.

Angebots-Nr. 12.540 / EUR  910. / export price EUR  865. (c. US$ 944.) + Versand

Kana – Aspect d’une Partie du Village de Cana en Galilée. Am Brunnen des Vordergrunds Wäscherinnen und ausruhende Reittiere. Kupferstich nach Cassas wie vor, doch von François Dequevauviller (Abbeville 1745 – Paris ca. 1807). (1799.) Bezeichnet: Cassas del. / f. (sic!) Dequevauviller sculp. 27 x 37,8 cm.

Prächtiges  Blatt  von  leuchtendem  Hell-Dunkel

im  Druckzustand  vor  der  Schrift .

Schwacher Wasserstreifen im rechten breiten Seitenrand. – Deque(a)vauviller „stach historische Gegenstände und vorzüglich gute Landschaften“ (Nagler).

Angebots-Nr. 12.539 / EUR  782. / export price EUR  743. (c. US$ 810.) + Versand

Cäsarea (Stratons Turm)? – Vue de Coenotaphe de Caius Caesar. Im Vordergrund die aufgeschlagenen Zelte einer Karawane. Zwischen dem hügeligen Vorland und dem Bergzug im Hintergrund dahinsprengende Reiter. Kupferstich nach wohl Cassas wie vor, doch von Pierre Charles Baquoy (? 1759 Paris 1829). (1799.) Bezeichnet. 27,4 x 40,5 cm.

Das  reiche  Sujet  in  schönem , leuchtendem  Abdruck  vor  der  Schrift 

Tafel 21, Bd. I der Voyage pittoresque de la Syrie … et de la Palestine … von L. F. Cassas, doch ohne dessen dort sonst übliche Zeichner-Signatur, indessen mit der infolge Wegnahme nur unvollkommen, wenngleich wohl korrekt gelesenen obigen mit dem eindeutigen Zusatz fecit und, offenbar, sculpsit, möglicherweise mit einem sive dazwischen. Thieme-Becker + AKL führen Baquoy überwiegend als Vignetten-Stecher. – Breitrandig.

Angebots-Nr. 12.538 / EUR  752. / export price EUR  714. (c. US$ 779.) + Versand

Jamblichos – Mausolée d’Jamblichus. Innenansicht mit zwei Figurinen im Eingang, darüber das Epitaph mit dem aufgestützt lagernden, von drei Genien oder Schülern umstandenen Verstorbenen, wohl des neuplatonischen Philosophen Jamblichos aus Chalkis, Lehrer in Apameia (ca. 250-325 oder ca. 280-330/337). Radierung nach Cassas wie vor, doch von Jean de la Porte (geb. ca. 1760), mit dem Grabstichel vollendet von Pierre Gabriel Berthault (St. Maur 1737 – Paris 1831). (1799.) Bezeichnet: Dessiné par L. F. Cassas. / Gravé à l’eau forte par de la Porte. / Terminé par Berthault. 46 x 29,4 cm.

Schöner  breitrandiger , dreiseits  unbeschnittener  Abdruck  vor  der  Schrift .

„ … arbeitet Berthault v. a. für die Ausstattung einiger der wichtigsten Prachtwerke des späten 18. und des frühen 19. Jh. … Weiterhin Mitarbeit an der Voyage pittoresque de la Syrie, de la Phonicie, de la Palestine et de la Basse-Egypte (1798) von Louis-François Cassas … In zahlr. Fällen beschränkt sich B. auf die Vollendung einer bereits von Mitarbeitern geätzten Platte mit dem Grabstichel “

(Elmar Stolpe, Allgemeines Künstler-Lexikon X, 1995, 57).

Angebots-Nr. 12.528 / EUR  302. / export price EUR  287. (c. US$ 313.) + Versand

Den  König  der  Wüste

bringen  auch  Weiße

nicht  ungeschoren  zur  Strecke

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Africa. Kampf mit dem Majestätischen. Ein männlicher Löwe hat einen Schimmel nebst dessen weißen Reiter niedergeworfen und sich in des ersteren Unterleib verbissen, wird seinerseits aber von einem Afrikaner mit Kopfschmuck mit dem Pfeil attackiert, indes die zornig aufgebäumte Löwin dahinter vom Spieß eines weißen Jägers in die Brust getroffen wird. Wiederum dahinter ein zweiter Afrikaner mit Kopfschmuck und Pfeil in der erhobenen Rechten. In den Überwurf des gestürzten Jägers verwickelt das Löwenbaby. Schabkunstblatt. Bezeichnet: Ioh. Elias Ridinger del. sc. et exc. A. V. / Africa. Africa. sowie Vierzeiler in dt.-lat. Paralleltext. 43,2 x 53,3 cm.

Provenienz

Ernst von Feder

mit dessen rückseitigem Stempel v. FEDER , Lugt 923

Thienemann + Schwarz 1133. – Blatt 3 der in Jagdszenen symbolisierten extrem seltenen 4blätt. Kontinent-Suite, am Markt complett hier nachweisbar nur im Explr. der schlesischen R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885, Nrn. 1979-1982), wohl identisch mit dem der Slg. Reich auf Biehla (1894, Nr. 218, „Von großer Seltenheit“) sowie dem der 93. Tenner-Auktion (1972, Nr. 4335).

Als Ganzes wie in Einzelblättern fehlte die Folge denn auch schon im umfangreichen Coppenrath’schen Bestand (1889/90) , der Helbing’schen Mammutofferte von 1900 (Kat. XXXIV) , der Schwerdt Collection (1928/35) , der 1940er Rosenthal’schen Ridinger-Offerte (Liste 126, „Radierungen und Schabkunst“) , indes die Versteigerungen Schöller (1921, nur „mit Rändchen“) mit Asien + Gräflich Faber-Castell (1958, „aufgesetzt“) mit America aufwarten konnten, während Europa hier 1980 („Unterrand auf Plattenkante geschnitten“) in eine pfälzische Sammlung verhandelt wurde. Nun denn als  erstmalige  Chance –

Afrika ! Und  nichts  wie  hin .

Johann Elias Ridinger, Africa

Wie  einst  und  wieder  einst !

„ Pflegt grimmer Löwen art gleich Africa zu hegen, / So ist gleich wild der Sinn der Mohren in dem Land; / Halb nackend rennen sie den Bestien entgegen, /

Doch  beist  auch  Pferd  und  Mann  dabey  offt  in  den  Sand . “

Rundum von 1,6 (oben) bis 2,5 cm breitem Rand begleitetes Exemplar praktisch herrlicher, nur partiell unwesentlich beriebener Druckqualität ganz vollkommenen Hell-Dunkels, wie für die alten Schabblätter so eigens erwähnenswert und was sie so kostbar macht. Bezifferte doch schon 1675 der Praktiker von Sandrart „saubere Abdrucke“ der samtenen Schabkunst auf nur etwa „50 oder 60“ (!). „(H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet“. Entsprechend denn 1856 Thienemann :

„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr … zu bekommen … und (deren) bei Weitem größten Theil … (habe ich) allein (im Kupferstichcabinet Dresden) gefunden. “

Geglättete Mittelfalte wie üblich. Säurefrei beigelegte minimal(st)e Einrisse im weißen Rand unten (2) und

links. Der Rand selbst gleichmäßig schwach gebräunt. Kleine dünne Papierstelle in den Nüstern des linken Randpferdes.

Die  Sammlung  des  Rechtsgelehrten  von  Feder

Wertheim/Main 1824 – Karlsruhe 1904

( „très bon“ ) zeichnete sich sowohl durch Kennerschaft wie neben Gemälden und der Bibliothek durch ihre Schwerpunkte Grafik + Zeichnungen aus. Highlights unter den letzteren bildeten „ses beaux dessins de Dürer … Lippmann … nos 432-438“, adäquat innerhalb der dem 15. bis 18. Jahrhundert gewidmeten ersteren hingegen

„ très  rares  premières  gravures  en  manière  noire “

mit Zimelien deren Erfinders Ludwig von Siegen (1648), eines Oberstleutnants, und dessen Schülers Baron Th. C. von Fürstenberg, Domherr von Mainz und Speyer.

Angebots-Nr. 14.802 / EUR  1470. / export price EUR  1397. (c. US$ 1524.) + Versand

Frans Snyders’ 1620/25er Münchener Löwin

in  der  Glut  des  Expressionismus

Heckendorf, Franz (Berlin 1888 – München 1962). Löwin schlägt ein Wildschwein in der Oase. Letztere selbst paradiesisch traumhaft unter gleißender Sonne. Öl auf Hartfaserplatte. 55 x 69,8 cm. In 3teiligem handwerklichen Holzrahmen – wohl des Künstlers selbst – , in Grau- und Schwarz-Anstrich.

Die  bildmächtige  Szenerie

Franz Heckendorf, Löwin schlägt ein Wildschwein in der Oase

der  dem  Hauptschwein  im  Nacken  sitzenden  Löwin

als  dem  Kernmotiv  des  Öls  FRANS  SNYDERS’  in  München

(beiliegt dessen Wiedergabe Ferdinand Piloty’s als mit zwei Tonplatten gedruckte Kreide-Lithographie von 1816 – Inkunabel der Lithographie – im II. von III Zuständen, Winkler 622/24, 39,8 x 54,9 cm).

Literatur

Kestner-Museum Hannover, Kataloge der Sonderausstellungen XVII, 1918; Joachim Kirchner, Franz Heckendorf, 1919 + 1924; Franz Heckendorf, Katalog der Sonderausstellung der Galerie Hagemeier, Ffm., 1985; Symphonie in Farbe, Ausstellungskatalog der Kunstfreunde Bergstraße, 1991; Thieme-Becker XVI, 211 f.; Vollmer II, 400; Cicerone, Jge. 1912-1928; Feuer II, 1 (1920/21), 195-202. – Vgl. Robels, Frans Snyders, Mchn. 1989, Nr. 258 mit Abbildungen + Koslow, Frans Snyders, Antwerpen 1995, (Farb)Abbildungen, SS. 292 + 305.

Kleine Fehlstelle in der rechten Oberecke, wenig davon entfernt eine weitere in Form eines dicken Stecknadelkopfes. Die Kanten mit minimalen, rahmenbedingten Abstossungen, sonst bestens. Der Rahmenanstrich aufgefrischt.

Herausragend  typische , sprich  prankenhaft  dynamische , Arbeit

aus  der  Gruppe  der  großen  Formate ,

alles beinhaltend, alles wiedergebend, was von frühester bis in die gegenwärtige Literatur so atemlos wie der Duktus seiner Palette selbst an letzterer qualifiziert worden ist, wobei der überwiegende Malgrund nach hiesiger Übersicht folgende zeitliche Grob-Zuordnung nahelegt: Leinwand für die Frühzeit von etwa 1912-1929, (Sperr-)Holz 1930-1943, Hartfaser belegt bereits für 1931 + 1941, genereller dann für nach 1945 nach seiner Befreiung aus dem KZ Mauthausen, wo er wegen seiner Unterstützung jüdischer Verfolgter einsaß, also jenem

„ Zeitraum aus der Schaffensperiode Heckendorfs, in dem der Maler noch einmal einen Höhepunkt seiner Meisterschaft zu verzeichnen hatte, wohl auch als Nachholbedarf nach dem Vakuum des Hitlerregimes … “

(Horst Ludwig im Katalog zur Einzelausstellung der Galerie Hagemeier 1985).

Wiederaufgreifend eines seiner ihm wichtigen, während der Studienaufenthalte in Paris, Italien, Dalmatien, Kleinasien und der (1.) Weltkriegseinsätze als Kampfflieger an Ostfront, Balkan, Bosporus und Tigris gewachsenen Themen. „Das Reifste, was H. bisher geschaffen hat, sind seine Landschaften“ (Thieme-Becker 1923, zugleich unter dem Aspekt „Ausgesprochen begabt für das dekorative Fach“ eine Löwenjagd als Beispiel seiner Monumentalgemälde zitierend).

Die von Ludwig den „großen Reisen durch Europa und (dem) Studium der alten Meister in den Museen“ beigemessene Betonung hinsichtlich des letzteren hier von größtem Beleginteresse, unverwechselbar, doch ganz einzigartig in der Absicht neu gebettet

„ ’alles optisch Wahrnehmbare zu vergeistigen und in die Sphäre des visionär Geschauten zu übersetzen’; das bedeutete die

Erfüllung  des  Programms  des  modernen  Expressionismus ,

zu  dessen  überzeugendsten  Verkündern  H.  zählt … “

(Vollmer in Thieme-Becker). Und weiter

„ Schüler der Unterrichtsanstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums und der Akad., im wesentlichen aber Autodidakt (gleich den Altersgenossen Heckel + E. L. Kirchner und wie diese ausgehend vom Impressionismus). Einer der begabtesten Vertreter der jungen deutschen Künstlergeneration, dessen persönliche Note in seinen

von  ungeheurer  Dynamik  des  malerischen  Vortrages

erfüllten und starker Innerlichkeit der Empfindung getragenen Landschaften bisher ihren reifsten Ausdruck gefunden hat. Als 20jähriger bereits stellte er (1909) in der Berl. Sezession 2 Straßenbilder aus, die noch unter dem Eindruck der impressionist. Malweise standen …

Einen harten, aber sehr ausdrucksvollen Kontur zu der zeichnerischen Grundlage seiner Kompositionen machend, bringt er durch eine sprunghaft unvermittelte Nebeneinandersetzung seiner oft bis zur Rohheit kräftigen, leuchtenden Lokalfarben, die sich ebenso bewußt von jeder naturalistischen Wiedergabe trennen wie seine Linienführung, einen

vehement  gesteigerten  Natureindruck

hervor. Die Bewegungssuggestion, die von seinen Landschaften,

über  die  es  wie  Wetterleuchten  zuckt ,

ausgeht,

resultiert  aus  der  dröhnenden  Wucht  ihrer  malerischen  Faktur ,

in der viel weniger eine äußerlich erregte Stimmung der betreffenden Natursituation als die innere Erregung des schaffenden Künstlers zum Ausdruck kommt, daher diese Landschaftsvisionen einen durchaus subjektiven Charakter tragen … . “

All dies denn unverbraucht frisch. Und geradezu als Gegenpol zur irdischen Jagd auch hier die unvergeßliche Sonne, Heckendorf’s Sonne, der er 1919 zehn Farblithos als Mappenwerk gewidmet hatte. Dem zwei Jahre zuvor ein nicht minder farbintensives 12blätteriges als Reverenz vor dem Orient, seinem Orient, vorangegangen war.

Es ist ein geradezu erregendes Faszinosum, wie dieses Werk ungebrochen Aufbruch und Spätzeit überspannt. Hierzu Ludwig angesichts eines ein halbes Jahrhundert dokumentierenden Œuvre :

„ Deutlicher noch wird diese Tendenz der überhöhten Natur bei den Ölbildern, z. B. bei der Arbeit ‘Südliche Landschaft mit Segelbooten’ aus dem Jahre 1958. Hier wird auch der Anspruch erkennbar, der schon 1906 im Programm der ‘Brücke Künstler’ ausgesprochen wurde, unverfälscht und unvermittelt das wiederzugeben, was den Künstler zu schaffen drängt, nämlich die eigene Vision, die sich zuvor mit der Landschaft selbst verbindet, ohne ihr freilich rein imitativ zu folgen.

„ Mit temperamentvollen Pinselstrichen, die als solche erkennbar bleiben und gestalterisch eingesetzt sind, mit pastosem Farbauftrag, so daß sich eine bewegte Oberflächenstruktur des Gemäldes einstellt, ist das südliche Gemälde visualisiert … Weiche Übergänge gibt es weder in den Formen noch in den Farben …

„ Auch der Himmel … mit der strahlenden Sonne ist sehr kräftig strukturiert. Strahlen und konzentrische Kreise gehen von diesem Himmelskörper aus und versetzen so das Firmament in eine pulsierende Schwingung, die sehr schön die Kraft des Lichtes suggeriert.

„ Die Farben selbst sind auch hart gegeneinandergesetzt, fast reintonig sind sie mit einem relativ dicken Pinsel aufgetragen und bleiben mit der Pinselspur verbunden, so daß sich die Komposition deutlich aus diesen Strichlagen zusammensetzt. Dadurch entsteht eine dynamische Kleinstruktur, die zur Verlebendigung des Bildganzen beiträgt.

„ Überblickt man Heckendorfs Schaffen aus mehreren Jahrzehnten, so fällt die Heftigkeit auf, mit welcher er von der Kunst der Jahrhundertwende ausgehend, seine eigene Bildsprache schuf und auch in den fünfziger Jahren beibehielt … Für Heckendorf blieb der Gegenstand stets vorrangig, allerdings formal überhöht und koloristisch verfremdet. “

Und, so Thieme-Becker,

„ In allen Techniken gerecht und ein ungemein leicht produzierendes Talent “.

KOLORISTISCH , DRAMATISCH , LEICHT

HECKENDORF’S  LÖWENÜBERFALL  AUF  EIN  WILDSCHWEIN  IN  DER  OASE

als ein selten exemplarisches Beispiel dieses großartigen Schaffens. Wie thematisch am Markt seinesgleichen suchend, fehlend also auch in der umfassenden 1985er Ausstellung.

Rückgreifend aber auf keinen Geringeren als den großen Snyders bei wiederum dessen Anleihe bei Rubens. Und hier auf des ersteren, bezüglich der Landschaft gemeinsam mit Jan Wildens,

um  1620/25  geschaffenes  Öl  Löwin  schlägt  ein  Wildschwein  in  München .

Das zusammen mit dessen gleichfalls dortigem Zwei junge Löwen verfolgen einen Rehbock (Robels 258 f., für letzteres Piloty’s Ton-Inkunabel-Lithographie aus 1816 siehe oben per 28.623)

„ wegen ihres Themas eine Sonderstellung einnehmen … (ersteres) setzt eine Erfindung von Rubens voraus. (Die Löwin) ist nämlich in der Bewegung dem angreifenden Tiger auf dem Jagdgemälde in Rennes und dem Löwen einer Variante in Dresden ähnlich, die wiederum (– Denn ‘Wie bei den Fürsten- und Adelsgeschlechtern

lassen  sich  bei  den  Malern  ganze  Stammbäume

der  Einflüsse  nachzeichnen’ ,

so Gina Thomas in der FAZ vom 20. 2. 2001; für die Literatur entsprechend Goethe, a. a. O., SS. 160 f. –) auf eine antike Vorlage zurückgehen. “

Wobei Heckendorf nun der exotischen Jagd Snyders’ auch die exotische Landschaft beigab, die ihm selbst

die  höchste  Steigerung  seines  Schaffensvolumens  gestattete

und den großen Vorgänger als den „bedeutendste(n) Stilleben- und Tiermaler der flämischen Kunst, vielleicht sogar seiner Epoche“ (Katalog Berlin/Dahlem 1975, S. 405) mittels anstehenden Kernsujets

300  Jahre  später

in  das  Rampenlicht  einer  nun  ihrerseits  historischen  Epoche

reinkarnierte .

Angebots-Nr. 29.061 / Preis auf Anfrage

Majestätischer  Löwe
über  erlegtem  Wildschwein

Skizzen  des  Meister’s
zu  Th. 1076  des  Kolorierten  Thierreichs

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Löwe im Profil nach rechts, mit den Vorderpfoten auf einem erlegten Wildschwein stehend. Zwei Zeichnungen (125 x 165 bzw. 110 x 145 mm) in schwarzer Kreide, beidseitig auf 1 Blatt. 212 x 249 mm.

Provenienz

J. A. G. Weigel, Leipzig,

dessen Nachlaßkatalog von Original-Handzeichnungen,
Leipzig 1869, Nr. 829 ?

Ökonomierat Georg Hamminger († 1894), Regensburg,

dessen Sammlungs-Rundstempel G.H. 1894. in Blau (Lugt 1159) verso
Dessen Versteigerung München, Helbing, 21.-25. Oktober 1895, Nr. 1942

Dr. Helmut Tenner

Versteigerung 110, Mai 1976, Nr. 3948

Jeweils  noch  innerhalb  originalen  Skizzenbuches

Die beiden Skizzen des auf seiner Beute stehenden Löwen im Gegensinn nach rechts zum ansonsten unverändert gebliebenen Kern von Kupfer Thienemann 1076 – Ein Löwe von heller Farbe … J. El. Ridinger sculps. et exc. A.V. – des Kolorierten Thierreichs, davon die ausgeführtere der Vorderseite gleichen Formates, jenes 14blätterigen Skizzenbuches, dessen spiegelschriftliche wunderschöne 1766er Heiligabend-Widmung des Meister’s gelegentlich seines letzten Weihnachtsfestes – gut drei Monate später werden die Söhne sein Ableben bekanntgeben – das Heft so unendlich kostbar machte, nichtsdestotrotz von erwerbendem etablierten Handel kurzatmig-einsichtslos alsbald zerfleddert wurde.

Auf zweiseits unbeschnittenem Bütten tadelloser Frische, später linksseits an den beiden Ecken auf graublauen Untersatzbogen aufgelegt, auf den der 1894er Hamminger’sche Sammlungs-Stempel leicht abgeschlagen hat. Runder blauer Montagefleck zudem mittig Rückseite rechts. – An vorderer linker Seitenkante unten von wohl anderer alter Hand in Bister mit 465 genummert.

Angebots-Nr. 15.611 / EUR  2300. / export price EUR  2185. (c. US$ 2383.) + Versand

Ridinger, Löwe von heller Farbe

– – – Ein Löwe von heller Farbe. „Ein schönes Männchen des gewöhnlichen Löwen steht majestätisch auf einem erlegten Wildschwein“ (Th.). Vor Palmen- und Strauchwerkkulisse. Kolor. Radierung mit Kupferstich nach vorstehenden Skizzen. Bezeichnet: LEO, COLORE LUCIDO. / Ein Löwe von heller Farbe / Un Lion d’une couleur claire. / Familia IV. Fünffzähige. / J. El. Ridinger sculps. et exc. A. V. 30,9 x 20,6 cm.

Thienemann + Nachtrag Seite 299; Schwarz 1076. – IM  RIDINGER’SCHEN  ORIGINAL-KOLORIT  des seit 1754 entstandenen und nicht vor 1773 endgültig postum abgeschlossenen , unnumerierten Kolorierten Thier-Reichs („Vollständige Exemplare sind fast unauffindbar“, so Weigel, Kunstkat., Abt. XXVIII, Ridinger-App. 63a als lediglich 120blätt. Torso, 1857 ! , doch auch nur schon Einzelblätter nur sehr selten am Markt, bei niemeyer’s derzeit gleichwohl das eine wie die andern) wie denn bereits Thienemann anstehendes Blatt in hiesiger Erstausgabe erst per Nachtrag ergänzen konnte, „weil (er) das Blatt nicht habe“. – Eine entgegen Ankündigung unkoloriert gebliebene Zweitausgabe von den nunmehr unter Fortfall selbst von Tieren verkürzten und ohne die Ridinger-Signatur anders betitelten, jedoch numerierten Platten erschien 1824/25 bei Engelbrecht/Herzberg in Augsburg.

„ Der Löwe … hat in seinem ganzen Betragen und Verhalten viel edles und großmüthiges … Wenn er brüllt, so zittert der Wald und alle Thiere die ihn hören.

Seine  Stärke  ist  ganz  außerordentlich

und sein großer Kopf mit den langen Haaren machen ihm ein majestätisches und ehrenvolles Ansehen … In der Farbe sind sie sehr voneinander verschieden und man hat hier schon schöne gelbe, mittlere und ganz dunkle gesehen … “

(Ridingers Söhne im Textvorspann zu Tl. II, S. 13, in Kopie beiliegend).

Auf C & I Honig-Papier als jener festen holländischen Qualität, wie sie Ridinger entsprechend seiner Vorrede zu den Hauptfarben der Pferde

„wegen  der  feinen  Illumination“  für  die  kolorierten  Werke

verwandte, „weil es hiezu das anständigste und beste ist“. – Dreiseits 1,9-3,3 cm, unten 5,2 cm breitrandig. – Rückseitige untere 9 cm mit partiellem schwachen, ins Rötliche verfärbtem Wasserrand, der bildseits nur ein wenig störend ins Text-/Papierfeld durchscheint.

Angebots-Nr. 15.987 / EUR  1300. / export price EUR  1235. (c. US$ 1347.) + Versand

„ Da  jetzt  alles , was  Türkisch  heisst ,

höchlich  interessiert … “

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Sechs Tafeln Camele. 6 Blatt. Radierungen mit Kupferstich von Martin Elias Ridinger (1731 Augsburg 1780). Bezeichnet: No: I(-VI). / Johan[n] (I) bzw. Joh. El. Ridinger ad vivum del. / M. E. Ridinger sc. A(ug). V(ind). 31,2-32 x 20,8-21,6 cm.

Thienemann + Schwarz 529-534; Weigel 16545 („alte jetzt nur selten vorkommende Abdrücke“, 1847!) + XXVIII, 26A, jeweils zzgl. der 2 Tafeln Büffel; Slg. Würtemberg 1794 (1843; „Selten“ und wie auch hier ohne die Büffel); Schlesische Ridinger-Slg. Boerner XXXIX, 1894 (1885; „Selten“); Th. Reich auf Biehla 134 (1894); Slg. Gg. Hamminger 1669 (1895; „Sehr seltene Folge in vorzüglichen Abdrücken“) + 1670 („zum Theil spätere Abdrücke“); Schwerdt III, 141; Gräfl. Faber-Castell 36 (1958).

Und  bis  heute  so  selten ,

Johann Elias Ridinger, 6 Blatt KameleJohann Elias Ridinger, Beladenes Kamel

daß in den 90ern die derzeitige Ridinger-Sammlung welche tief in die Tasche griff, um die Lücke von

Ridinger’s  Sechs  Tafeln  Camele

in ihrem Bestand zu schließen. Durch Erwerb eines der beiden hiesigen Pompadour-Sammel-Bände der legendären Marjoribanks Folios Baron von Gutmann’s (dessen persönliches Exemplar I der beiden römischen in ihrer elitären Unnahbarkeit seines Ridinger-Katalogs [Schwarz] hier aufliegend). Zusammen mit der gleichfalls schon seit Jahrzehnten begehrten und ebenfalls hierin vertretenen Affen-Suite.

Typograph. („WANGEN“) + figürl. Wzz. – Mit feinem umlaufenden Rändchen um die Plattenkante. – Ohne die als Querformate schon äußerlich sichtlich abweichenden, wenngleich von Ridinger in die Numerierung einbezogenen, sich anschließenden beiden Tafeln Büffel. – I + II alt punktweise montiert, ansonsten verso Spuren früherer punktweiser Montage, die bei III + V jeweils in den Ecken als Braunflecke durchgeschlagen ist. Bl. II dito, doch geringfügiger und nur in den beiden Oberecken. Unbeschadet dessen

gleichmäßig  schöne  warmtonige  Abdrucke

dieser  ebenso  reichen  wie  instruktiven  Folge ,

Kamele und Dromedare in allen Stellungen, bepackt und unbepackt zeigend und – Tafeln I-IV – per 2-3zeiligem Untertext erläuternd:

Wahre Abschilderung eines beladenen Camels, beÿ einer Türckischen Caravane – Camel mit einem Höcker unbeladen, sonst auch Dromedar genant – Ein Camel mit 2. Höckern, wie solches in der Türckischen Barbereÿ Africa und Asien häufig gefunden wird … – Abbildung von einer andern Ansicht, nach dem Leben in unterschiedlichen Stellungen

da  es  hier  in  Augspurg  zu  sehen  war

gezeichnet …

Tafeln V + VI mit Pauken- + Beckenschläger, stehend und liegend aus verschiedenen Blickwinkeln sowie beim Niedertun nebst etlichen Kopf-, Liege- und anderen Details. Kurz , eine um ihrer selbst aus jeglichem Blickwinkel geschaffene Folge , von der hundert Jahre später Thienemann gelegentlich ihres ersten Blattes süffisant vermerken sollte

„ Da  jetzt  alles , was  Türkisch  heisst , höchlich  interessiert … “

Wie denn erst weitere 150 Jahre später und weiter entfernt von des Meister’s Umfeld! Die guten Menschen aus letzterem hatten halt ihren Prinzen Eugen als rettenden Ritter noch in frischster Erinnerung. So, wie ihn der große Rugendas (1666-1742) in kleinster Auflage präsentiert hatte: dahersprengend , den Marschallstab in der Rechten. Aufliegend hier im Exemplar der auf Anfang des 19. Jahrhunderts zurückgehenden illustren Portrait-Sammlung von Vater + Sohn von Roemer.

Angebots-Nr. 16.026 / Preis auf Anfrage

Rund  um  die  Uhr  im  Visier

Johann Elias Ridinger, Der Löw von Hinten (Die Löwen)Johann Elias Ridinger, Der brüllende Löw (Die Löwen)

Afrikas  Löwen

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die Löwen. Hauptfolge von sechs Blatt. Radierungen mit Kupferstich. Bezeichnet: J(oh). El. Ridinger (ad viv.) del. fec. (sculps.) et exc(ud). Aug. Vind., ansonsten wie unten. 26,5-26,7 x 25,3-25,7 cm.

Thienemann + Schwarz 517-522. – Bezeichnung und Zitate aus Martialis, Sillius, Virgil und Lucanus in dt.-latein. Paralleltext. – Oben bogenförmig gerundet. – Typograph. Wz. – Kleiner Rostfleck im unteren Plattenrand von Th. 517, kleine dünne Papierstelle im breiten weißen Unterrand von Th. 518.

Der majestaetische Löw – Der Löw von hinten – Der brüllende Löw – Der auf den Angriff laurende Löw – Der schlaffende Löw (sehr schön sichtbar hier die zusätzlichen Atemlöcher im Gaumen) – Der an seiner Mutter liegende Löw.

Auch  zustandsmässig  gleichmässig  herrliche  A-Qualitäten

der eigentlichen Bll. 1-6 der Folge, deren Bll. 7 + 8 richtiger als weiterführendes Supplement anzusehen sind, da thematisch wie unterschriftlich abweichend. Die wundervolle Breitrandigkeit zwischen 7 und 12 cm oben und unten bzw. 3,5 cm an den Seiten.  Und solchermaßen denn

so  manchen  selten  so  verführerisch

Angebots-Nr. 12.350 / EUR  2454. / export price EUR  2331. (c. US$ 2543.) + Versand

Johann Elias Ridinger, Ein Löwe dunckler Art

„ In Syrien
sollen auch ganz schwarze Löwen
gefunden werden “

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Ein Löwe dunckler Art. „Mähne dunkel, fuchsbraun. Altes Männchen“ (Th.). Nach rechts liegend, doch konzentriert nach links aus dem Bild blickend. Kolor. Radierung/Kupferstich. Bezeichnet: LEO FUSCUS. / Ein Löwe dunckler Art, / Un Lion, d’une couleur brune. / Familia IV. Fünffzähige. / Joh. El. Ridinger sculps. et excud. A. V. 30,8 x 21,4 cm.

Thienemann + Schwarz 1077. – IM  RIDINGER’SCHEN  ORIGINAL-KOLORIT  des seit 1754 entstandenen und nicht vor 1773 endgültig postum abgeschlossenen, unnumerierten Kolorierten Thier-Reichs („Vollständige Exemplare sind fast unauffindbar“, so Weigel, Kunstkat., Abt. XXVIII, Ridinger-App. 63a als lediglich 120blätt. Torso, 1857 ! , doch auch nur schon Einzelblätter nur sehr selten am Markt, bei niemeyer’s derzeit gleichwohl das eine wie die andern). – Eine entgegen Ankündigung unkoloriert gebliebene Zweitausgabe von den nunmehr unter Fortfall selbst von Tieren verkürzten und ohne die Ridinger-Signatur anders betitelten, jedoch numerierten Platten erschien 1824/25 bei Engelbrecht/Herzberg in Augsburg.

„ Der Löwe … ist ein sehr majestätisches Thier. Er hat in seinem ganzen Betragen und Verhalten viel edles und großmüthiges; ist auch in Ansehung des Raubens bey weitem nicht so grausam als andere Raubthiere, indem er nicht eher reißt, als wenn ihn hungert … Wenn er brüllt, so zittert der Wald und alle Thiere die ihn hören. Seine Stärke ist ganz außerordentlich und sein großer Kopf mit den langen Haaren machen ihm ein majestätisches und ehrenvolles Ansehen … In der Farbe sind sie sehr voneinander verschieden …

In  Syrien  besonders

sollen  auch  ganz  schwarze  Löwen  gefunden  werden “

(Ridingers Söhne im Textvorspann zu Tl. II, S. 13, in Kopie beiliegend).

Mit typogr. Wz. C & I Honig als jener festen holländischen Papier-Qualität, wie sie Ridinger entsprechend seiner Vorrede zu den Hauptfarben der Pferde

„wegen  der  feinen  Illumination“  für  die  kolorierten  Werke

verwandte, „weil es hiezu das anständigste und beste ist“. – Dreiseits 1,8-3,5 cm, unten 5,1 cm breitrandig. – Rückseitige untere 9 cm mit partiellem schwachen Wasserrand, der bildseits ins Text-/Papierfeld durchscheint. – Majestätisch.

Angebots-Nr. 15.989 / EUR  1250. / export price EUR  1188. (c. US$ 1296.) + Versand

Wintter, Joseph Georg (1751 München 1789). Der Löwe, die drei Hunde unterrichtend. Radierung. Bezeichnet: JG Wintter inv 1784 . 4,9 x 5,8 cm.

Niemeyer 9, II. – Aus Nagler 21. – Lt. Robels, Frans Snyders, 1989, S. 43, war der Löwe neben Affe, Lamm und Schwein eines der auf frühchristl. Quellen zurückgehenden vier Elemente.

Aus der frühestens 1821 erschienenen 44blätt. Augsburger Sammelausgabe Schwerdt III, 190, a ( „Rare“, 1928 ), deren durchweg herrliche Druckqualitäten auf schwerem Papier die kleinen Auflagen verraten und Schwerdt irrtümlich vielfach auf Probedrucke vor der Schrift schließen ließ. Doch schon gelegentlich der hier nicht weiter nachweisbaren 137blätt. Komplettausgabe Weigel 21336 konstatierte dieser 1857: „Die meisten Blätter sehr selten.“

Angebots-Nr. 13.057 / EUR  99. (c. US$ 108.) + Versand


“ … and I wish to thank you for packing it so carefully … ”

(Mr. P. M., August 28, 2003)