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Dresden fragte

„ Was ist SCHÖN ? “

Als Thema der im Deutschen Hygiene-Museum am Lingnerplatz vom 27. März 2010 bis zum 2. Januar 2011 auftrumpfenden großen Sonderausstellung, für deren Katalogband niemeyer’s die Illustrationen für Hogarth’s Analysis of Beauty bereitstellen konnte.

niemeyer’s, immer mittemang , beteiligte sich für den Lauf des Jahres auf seiner Bühne , auf seine Weise . Und präsentiert anstehend seinen aktuellen – und  noch  keineswegs  endgültigen – Beitrag , gedanklich anschließend an seinen Dezember-Auftritt Weniger schön , als weise , einer gelungenen Party beizeiten den Rücken zu kehren , da , so Rilke …

„ das  Schöne … nichts  als  des  Schrecklichen  Anfang  (ist) “ ,

was Wolfgang Klein im Dresdner Ausstellungskatalog nach der Wahrheit dieses statements fragen ließ, „ weil  man  gar  nicht  so  recht  versteht  was  Rilke  meint “ (Seite 124).

Worauf  Ridinger ,

des  Dichters  Wort  vorwegnehmend , die  Antwort  gab

„ Wer  die  Schönheit  angeschaut  mit  Augen ,

Johann Elias Ridinger, Die Herrschaft des Todes
Omnia mihi subdita , Schwarz 1477 / 14.858

ist  dem  Tode  schon  anheimgegeben “

(August von Platen)

Und  hieran  mag denn auch Rilke gedacht haben, als er zu seiner ersten Duineser Elegie ansetzte.

Und wie  niemeyer’s  hierauf nun  seine  Antwort vorschlägt , mag ein anderer einen Vorgänger für Platen ausmachen. Denn, so der späte Goethe gegenüber Eckermann und Riemer gelegentlich der Erörterung anderweitigen Rückgriffs in der Literatur,

„ Hat daher auch die Exposition meines ‚Faust‘ mit der des ‚Hiob‘ einige Ähnlichkeit, so ist das wiederum ganz recht, und ich bin deswegen eher zu loben als zu tadeln “

(Gespräche mit Eckermann, Aufbau-Verlag Berlin, 1953, Seite 161).

Platen , Rilke & Co. haben dem Schönen lediglich tiefer in die Pupillen geschaut, als allgemein üblich und – bekömmlich. Denn wo dieser und jener auch in Rilke’s „nicht für die Menge gemacht(en Nächten)“ hineinlauscht, hört er das Rascheln des Schönen, sich wandelnd zu abgestuft Schrecklichem. Wie denn ganz banal sommerlicher Zenit nichts ist als der Anfang vom wieder schwindenden Licht, hin zu den Tagen des Dunkels. Und Hochzeit nichts ist als der Anfang von „dreißig Jahren Asche“ nach „ein(em) Jahr Feuer und Flamme“, so der Fürst von Lampedusa (Der Leopard) hiermit nicht lediglich die Ausnahme von der Regel illustriert sehen mochte.

Doch auch in schönheitstrunkenen Rausch- und Trancezuständen mag das Schreckliche auf seinem fortschreitenden Wege manifest werden und sich als Droge eines Zuviel erweisen. Wie denn etwa junge empfindsame Seelen sirenenhaft-schöner, doch nur einlullend Tiefe suggerierender Thannhäuser-Ouvertüre eines großen Schamanen, dessen Bayreuth „etwas sein wollte, im Gegensatz zu Pergamon, das etwas war“ (Spengler) lieber rechtzeitig mißtrauen sollten.

Maßhalten! Und das also auch gegenüber dem Schönen! Und nun kommt Er ! Nein, nein. Hier und heute natürlich der allgegenwärtige Ridinger. Mit einem letztlich doch nicht nur den Geist beschäftigenden, doch auch wieder die Sinne staunenmachend-erfreuenden, ja, aber gewiß doch, schönen Blatt. Und seltenem dazu! Wenn’s doch wenigstens nur eines wäre! Müssen’s denn gleich wieder deren zwei sein? Des gleichen Motivs, doch mit diesem und jenem wieder ganz anders. Und damit wider den Stachel des Maßhaltens löckend!

Voilà. So ist der Meister nun einmal. Komplex nicht nur in seinem Œuvre, sondern auch in dessen Etats. Was alles ihn dem Kenner ja so spannend macht. Und die Mär vom harmlosen Ridinger eine Mär sein läßt.

 

Das  unerhörte  Finale

Ridinger’s

schnörkellos  fulminantes  Hauptblatt

im  Exemplar  Gräflich  Faber-Castell

von  graphisch  brillantester  Delikatesse

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). OMNIA MIHI SUBDITA. Die Herrschaft des Todes. Grabgewölbe mit Tod, von dessen Kopf, auf welchem ein mit Fledermausflügeln versehenes Stundenglas steht, rückseits und seitlich ein Schleier herabwallt, thronend über all dem Zeugs dieser Welt – für die rechts außen eine Globushälfte steht – , als da sind Gold, Gut, Siegel + Orden, Kronen, Szepter, Reichsapfel + Waffen, Folianten + Priesterkleidung, wissenschaftliche + landwirtschaftliche Instrumente und nolens volens Malerstock + Palette mit Pinseln. Die Rechte aber hält einen hohen Inschriftenstein, auf dessen besagte Schlußworte OMNIA MIHI SUBDITA die Linke mit als „Presens“ gekennzeichnetem Pfeil weist. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger delin. et excud. Aug. Vind., ansonsten wie vor und unten. 57,3 x 41,4 cm.

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

deren Ridinger-Versteigerung 1958
mit deren Lot-Nr. 146/2
auf dem Untersatzkarton

Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen

(1922-2004)

Schwarz (Coll. Gutmann, 1910) 1477; Reich auf Biehla 296 ( „Aeusserst selten“, 1894 ! Ohne Angabe zu Zustand/Version ); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975), 270 mit Kenntnisstand von Schwarz; Faber-Castell 146 (zusammen mit Stillfried/Schwarz 1427 im II. Zustand, siehe nachfolgende 14.857). – Vgl. Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger in Wunderlich (Hrsg.), L’Art Macabre 2, 2001, Abbildung S. 105 (II. Zustand von St./Schw. 1427 im Explr. der SGS Mchn.).

Nicht bei Thienemann (1856), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885), Slg. Coppenrath (1889 f.), Slg. Gg. Hamminger (1895), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1554 Positionen; 1900), Schwerdt (1928/35), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Die  Stillfried  (1876)  unbekannt  gebliebene
und  auch  von  Schwarz  nicht  als  solche  erkannte

hier  erstmals  identifizierte  Zweitversion

dieses  unglaublich  fascinierenden  Blattes

in  einem  Exemplar  von  letzter  Schönheit

und  graphischer  Raffinesse

als von unter anderem entscheidender Umgewichtung begleitete Wiederholung von Stillfried/Schwarz 1427, für die hier gleichfalls erstmals ein II. Zustand mit gleichem Pedigree nachgewiesen und beschrieben werden konnte (nachfolgende 14,857).

Schwarz’ Annahme, die Abweichungen anstehender Variante 1477 beruhten lediglich auf Überarbeitung der 1427er Platte, ist unzutreffend. Wie unten belegt, handelt es sich um eine Arbeit von eigener Platte, deren thematisches Spotlight mittels kleiner Verschiebung eine präzisierte Botschaft erhellt :

der  auf  den  Blattitel  gerichtete  „Presens“-Pfeil

Johann Elias Ridinger, Omnia Mihi Subdita (Schwarz 1427)
Schwarz 1427 / 14.857
Johann Elias Ridinger, Omnia Mihi Subdita (Schwarz 1477)
Stillfried/Th. + Schwarz 1477 / 14.858

weist  nicht  mehr  zwischen  die  Worte  OMNIA + MIHI ,

sondern  direkt  auf  das  M  des  MIHI !

Erfolgte angesichts des Vorliegens beider, die Fakten aufdeckenden, Varianten die Katalogisierung für Faber-Castell unzulänglich, so ergibt sich Schwarz’ irrtümliche Annahme eben aus seiner Unkenntnis des 1427er Zweitzustandes von der oben verkürzten Platte. Denn seine Variante 1477 repräsentiert in der Höhe wieder das ursprüngliche Format, endet also wieder erst 1,5 cm oberhalb des Bogens. Hingegen hat sie eine um ca. 8 mm geringere Breite mit der von ihm übersehenen Folge einer beidseitigen geringfügigen Bildverkürzung. Wie sich denn generell die abweichenden „kleinen Varianten“ (Schwarz) zu einer ansehnlichen, gleichwohl erst auf wiederholten Blick hin bemerkbaren Masse verdichten, die einander gegenüberzustellen hier zu weit führte und nicht zuletzt

dem  Kenner ,

der  „noch  an  die  Wichtigkeit  der  Etats  glaubt“

(Max Lehrs 1922 in Würdigung des Altmeister-Sammlers Julius Hofmann) die Freude, ja, das Glück, der eigenen Entdeckung schmälerte. Was geradezu als unfair empfunden werden muß angesichts hiesigen Vorliegens  beider  Varianten, 1427 + 1477, und damit der Möglichkeit

eines  Erwerbs  beider  Blätter ,

ganz  so  wie  einst  Gräflich  Faber-Castell

bei indes noch Angewiesengewesenseins auf die Chance einer zweiten Zugriffsmöglichkeit.

Doch der Lust der Vergleichsmöglichkeit beider Blätter steht anstehendenfalls noch eine Befriedigung ganz anderer Qualität ins Haus, wie hier aus dem Stegreif für keinen anderen Fall Ridinger’scher Schabkunst erinnerlich. Denn zumindest in seinem hier vorliegenden Zweitzustand bedient sich 1427 zur Realisierung des thematisch bedingt so überaus komplexen Bildes vereinfachend gravierter Umrißlinien,

statt  alles  allein  aus  der  Abstufung  von  Hell  und  Dunkel

als  dem  Prinzip  der  Schabkunst  herauszuarbeiten

wie hiesige „Wiederholung“ 1477 ! Wo gravierte Linien partiell zwangsläufig zu feinerer Ziselierung führen, ist es faszinierend,

deren  „gröbere“  Verwirklichung  aus  dem  staunenmachend

schwierigen  Spiel  von  Licht + Schatten  gebildet  zu  sehen .

Und vergleichend zu beobachten, wie billig anderwärts, eben auch per 1427, solche Linien

Faltenwürfe  abhaken , Heins  Stirn  krausziehen

Johann Elias Ridinger, Omnia Mihi Subdita (Schwarz 1427)
Schwarz 1427 / 14.857
Johann Elias Ridinger, Omnia Mihi Subdita (Schwarz 1477)
Stillfried/Th. + Schwarz 1477 / 14.858

oder dessen Gliedmaße + Gelenke behandeln , was alles

in  der  reinen  Schabkunst  von  1477  aus  sich  selbst  herauswächst !

Beide Versionen stammen von der Hand Johann Jacob’s. Sie miteinander zu vergleichen, führt somit weit über das Nebeneinander von Abweichungen üblicher Art hinaus, ist vielmehr  ein  in  medias  res  der  Technik  selbst  gehen . Welch eine  Chance  des  Lernens , des Einstiegs in das Raffinement graphischen Ausdrucksvermögens , der Verfeinerung der Qualitätserkenntnis !

Der mit seinem vergleichsweise nur schmalen geschabten Beitrag so ganz im Schatten von Vater und älterem Bruder stehende Johann Jacob , mit anstehendem Blatte von Schwarz 1477 zeigt er seine Ebenbürtigkeit,

seine  ganze  Meisterschaft  auf  dem  Felde  der  bravourösen  Schabkunst .

Für wie kostbar diese schwierige Technik seitens Gräflich Faber-Castell estimiert wurde, ergibt sich aus deren hier vorliegendem hs. Inventar-Verzeichnis, hervorgehoben per Ausrufezeichen + Unterstrich als „Schabk!“ Und entsprechend resümierte schon vor 160 Jahren Thienemann mit den Worten:

„ Die  Schwarzkunstblätter  sind  im  Handel  fast  gar  nicht  mehr

… zu bekommen … sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … “

(Seiten VIII + 270).

An welcher Situation auch etwaige Neuauflagen wenig zu ändern vermochten, da die sich technisch bedingt extrem schnell abnutzende Schabplatte nach Urteil des Praktikers Sandrart (1675) nur 50-60 gute Abdrucke ermöglicht.

So anstehendes Sujet denn eben auch erst 20 Jahre nach Thienemanns Kabinett-Besuchen von Graf Stillfried erstmals vorgestellt werden konnte, doch, wohlgemerkt, nur im Erstzustand von 1427. Erst 34 Jahre später denn überraschte Schwarz mit zusätzlich 1477, von letzterem mit weiterem Intervall von 48 Jahren das Exemplar von Faber-Castell marktgängig wurde, zusammen mit dem 1914 erworbenen Zweitzustand von 1427, beide dann absorbiert von anderer gräflicher Ridinger-Sammlung mit Schwerpunkt Schabkunst. Und nach 47jährigem dortigen Verbleib nun hier und heute. Mit Schwarz 1477 als

bildlich  herrlicher  Zenit

der  auch  das  jagdliche  Œuvre  durchziehenden

Ridinger’schen  Vanitates

von großer kompositorischer Fülle, fußend auf eigener Zeichnung und im Einschluß der Malutensilien in die Vergänglichkeitsattribute über das 1767er zeichnerische „Selbstbildnis mit Tod“ des Berliner Kupferstich-Kabinetts (Farbabbildungen in L’Art Macabre 2, s. o., S. 94 + Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, S. 54, sowie, s/w, per I.5, S. 61) hinausgehend.

» Als  ich  vor  etwa  60  Jahren

erstmals  mit  Ridinger  in  Berührung  kam ,

hielt ich ihn für einen Darsteller der Jagd.

Seine Bilder habe ich (vielerorts) …

insbesondere bei und zwischen Jagdtrophäen (gesehen).

Dieser Eindruck ist inzwischen verschwunden.

Ridinger

hat  sich  mit  einer  Fülle  von  geistigen  Problemen

auseinandergesetzt ,

die nichts mit der Jagd zu tun hatten.

Er ist offenbar ein vielseitig gebildeter Mann gewesen.

(So)daß  ich  Ridinger

heute  umfassender  sehe «

Wolfgang Weitz

Vorsitzender Richter em., Jagdhistoriker + Stifter ,

Träger der Verdienstnadel in Gold des Deutschen Jagdschutzverbandes ,

mit Brief vom 30. August 2006

Alles im strahlenden Lichte dessen, von dessen Haupte Fledermausflügel das abgelaufene Stundenglas hinwegführen werden,

der  „Presens“-Pfeil  die  Richtung  vorgibt

und  der  „Preteritum“-Pfeil  zu  Boden  zeigt .

Aber  im  Köcher  steckt  der  Pfeil  „Futurum“ ,

wie immer sich diese auch anlassen möge. Und dessen Schriftfähnchen weht, konträr zu den hängenden beiden anderen, in munterer Gewißheit.

Die  Steininschrift  (auch sie in leichter Schreibvariante zu 1427) wie folgt, wobei die Trennstriche der Schlußworte der ersten fünf Zeilen jeweils durch ein „lis“, der folgenden sechs durch ein „are“ zu ersetzen sind, wie pauschalierend seitlich verdeutlicht:

„ Sum qui non curo quis aut qua- / Nil mihi dignitas Papa- / Nec valet majestas Rega- / Stultus et sapiens æqua- / Dives et pauper est morta- / Non juvat hic se excus- / Nec ad Apostolica(m) sedem apell- / Dona promitere aut don- / Seu clam se velle alien- / Pacem non mecum est tract- / Nec dico quando quis vel qu- // OMNIA MIHI / SUBDITA “.

Der von der Linken des Skeletts geführte Präsens-Pfeil auf das M von MIHI gerichtet .

Die gewichtige Steintafel selbst typisch für Ridinger als wir solcher im Werk wiederholt begegnen bis hin zum programmatischen Eigen-Exlibris (Schwarz 1569) mit seinen Malutensilien, wo sie ein mit dem Malerstock bewaffneter Knabe hält, und sie des Meister’s absolutes Lebensbedürfnis bekundet: „Nulla dies sine linea“ – Kein Tag ohne Pinselstrich. Im Vergänglichkeits-Gerümpel anstehenden Blattes das Malergerät im übrigen ein abermaliger Gleichklang mit

Hogarth,

William Hogarth, Tail Piece or The Bathos

der sein graphisches Œuvre mit dem Blatte der Sterbenden Zeit / Tail Piece, or The Bathos vom April 1764, also sechs Monate vor seinem Tode, abschloß, auf dem die Palette aber noch zusätzlich demonstrativ zerbrochen ist. Hier aufliegend per abgebildetem 1798er Cook-Stich im Abdruck von 1808.

Das  druckadäquat

herrlich  erhaltene  Exemplar

Gräflich  Faber-Castell

mit umlaufend 4-13 mm breitem Rand mit wohl Wasserzeichen WANGEN nebst separater IV wie für zeitgenössische Abdrucke stehend. – Von zwei aufeinander zulaufenden, gänzlich geglätteten Falten mittig die eine bei leichter Quetschung links außen rückseits verstärkt. Zwei schwache parallele Faltspuren, alles bildseits kaum wahrnehmbar, zudem am oberen Bildrand, davon die eine noch den Abschluß des Gewölbebogens durchziehend. In diesem auch ein ungefärbt gebliebener haarrißfeiner Auslauf eines von oben kommenden Fältchens vom Druck her. Einige wenige stecknadelkopf/spitzenkleine Abreibungen. Rückseitiger leichter Stockstippenanflug unten nicht ins Bild durchschlagend.

Solchermaßen denn  eine  Trouvaille  von  rundum  extremer  Seltenheit , dokumentierend den untrennbar-vielschichtigen Ridinger, den Künstler in seiner Ganzheit. Denn den „harmlosen“ Ridinger landläufigen Kunsthistorikerurteils hat es gottlob nie gegeben. Vielmehr blieb er

„ einer  der  wenigen  deutschen  Barockkünstler

… der … nie  in  Vergessenheit  geriet “

(Rolf Biedermann, Meisterzeichnungen des deutschen Barock, 1987, S. 338). Und sich hier in der Wiedergabe seitens Johann Jacob’s in einem

ganz  frühen  Druck

von  unvergleichlich  schöner  Plastizität

präsentiert. In einem absoluten samtenen Braun und Schwarz ,

aus  dem  alles  körperliche  Weiß  braun-weiß  herausleuchtet .

Angebots-Nr. 14.858 / Preis auf Anfrage

Und  folgend  denn  Th.-St. 1427 …

Erworben  mit  „ Rchg  v. 14/3 1914 “

Dasselbe wie vor , doch in besagter Version 1427 . Schabkunstblatt + Umriß-Gravur , wie schon erörtert. Bezeichnet: Ioh. Iac. Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger delin. et exc. Aug. Vind. etc. 55,7 x 42,2 cm.

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

wie vor, zusätzlich in Bleistift „Rchg v. 14/3 1914“
auf dem Untersatzkarton

Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen

wie vor

Stillfried (3. Nachtrag zu Thienemann, 1876) + Schwarz (Coll. Gutmann, 1910) 1427 (ohne Erwähnung von Umriß-Gravur), hier indes als beiden unbekannter II Zustand (von II); Reich auf Biehla 296 ( „Aeusserst selten“, 1894 ! Ohne Angabe zu Zustand/Version ); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975), 290 mit Kenntnisstand von Stillfried/Schwarz; Georg Hamminger 1886 (irrtümlich als St. 1527; „Aufgezogen. Von grösster Seltenheit“, 1895 ! Dito ohne Kenntnis von Zustand/Version); Faber-Castell 146 (ohne Erkennung als abweichender Zweitzustand, im übrigen zusammen mit Schwarz 1477); Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger in Wunderlich (Hrsg.), L’Art Macabre 2, 2001, Abbildung S. 105 (Explr. der SGS Mchn.).

Nicht bei Thienemann (1856) , Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) , Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1554 Positionen; 1900) , Schwerdt (1928/35) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Der  Stillfried  wie  Schwarz  unbekannt  gebliebene  Zweitzustand

der  bislang  unerkannt  gebliebenen  Erstversion

dieses  unglaublich  fascinierenden  Blattes

von der oben verkürzten Platte bei gleichzeitig geänderter Signatur, beides entsprechend auch dem Exemplar der Staatlichen Graphischen Sammlung München.

Die Verkürzung betrifft 1,5 cm bildlose Plattenfüllung oberhalb des Gewölberundbogens. Innerhalb der Signatur sind die ursprünglichen „Iacob“ + „excud.“ bei jeweils „c“ abgekürzt. Ob die Abweichungen in Schreibweise und Zeichensetzung der von Schwarz nur ansatzweise zitierten Steininschrift, siehe unten, tatsächlicher Natur sind oder auf Inkorrektheit Stillfrieds beruhen, muß weitgehendst dahingestellt bleiben. Das von Stillfried wie Schwarz in der 1. Zeile hinter „curo“ geführte Komma fehlt hiesigem Exemplar.

Das  druck-  wie  erhaltensmäßig

sehr  schöne  Exemplar

Gräflich  Faber-Castell

in samtenem Braun-Schwarz bei greifbar-plastischem Hell-Dunkel und mit den für zeitgenössische Abdrucke stehenden Wz. WANGEN und separater IV bei umlaufendem Rand von 4-8 mm. Die beiden Oberecken desselben mit hinterlegter Kleinläsur infolge früherer Lösung einer alten Eckmontage auf blauem Papier. Linksseits zudem hinterlegter minimaler Randeinriß außerhalb der Plattenkante. In der linken Unterecke schwacher, nur im weißen Rand und dem Signaturfeld sichtbarer Wasserrand. Im Bilde selbst ansonsten eine kleine, nur im Gegenlicht wahrnehmbare dünne Papierstelle und eine stecknadelkopfkleine Abreibung im Gewölbehintergrund.

Die  belegte  extreme  Seltenheit  des  Blattes  anstehendenfalls  potenziert  durch  seinen  hier  erstmals  beschriebenen  2.  Zustand .

1914  –  1958  –  2011 : Sie  müssen  sehr  jung  sein ,

sollten  Sie  meinen , bei  anstehendem  Blatte  zuwarten  zu  können .

Angebots-Nr. 14.857 / Preis auf Anfrage

Doch

wie  immer  wieder

„ jeder  Tag  ein  neuer  Anfang ,

und  jeder  Sonnenuntergang

lediglich  der  letzte  Meilenstein

einer  nie  endenden  Reise  ist “

( Ronald Reagan )

sollten  Sie  auf

niemeyer’s  februar  aha

spannen .

Denn , so Goethe ,

„ Das  Völkchen  spürt  den  Teufel  nie ,

und  wenn  er  es  beim  Kragen  hätte “ .

Und  prosaisch  der  Volksmund

„ aber  das  Leben … “


“ Thank you very much for your prompt and very cooperative handling of this order. I very much look forward to seeing the map ”

(Mr. D. R.-H., January 26, 2005)