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Begleitend für den Lauf des Jahres Dresden’s Frage

„ Was ist SCHÖN ? “

Als Thema der im Deutschen Hygiene-Museum am Lingnerplatz vom 27. März 2010 bis zum 2. Januar 2011 laufenden großen Sonderausstellung, für deren Katalogband niemeyer’s die Illustrationen für Hogarth’s Analysis of Beauty bereitstellen konnte.

niemeyer’s, immer mittemang , beteiligt sich auf seiner Bühne , auf seine Weise . Und gibt sich hierzu dieses Mal ganz virtuell

und präsentiert per Ohren- und Augenzeugen , unter  anderem ,

den  legendärsten  Klavier-Ringkampf

der  Musikgeschichte

Per  1831er  zweitfrühester  autographer  ausführlicherer  Mitteilungen  seitens des nahen Weggefährten und Dirigenten der wichtigen frühen Jahre , Ignaz von Seyfried , über Ludwig van Beethoven

Denn

„ nur  von  der  Seele  her …

kann  die  Schönheit

und  der  geistige  Wert  der  Autographen

verstanden  werden “

( Stefan Zweig )

 

Ignaz  Ritter  von  Seyfried

Musiker und musikalischer Schriftsteller

1776 Wien 1841

Biographische  Notitzen  +  Charakterzüge  und  Anekdoten

Ignaz Ritter von Seyfried, Biographische Notizen (zu Ludwig van Beethoven)Ignaz Ritter von Seyfried, Charakterzüge + Anekdoten (zu Ludwig van Beethoven)

zu  Ludwig  van  Beethoven

Eigenhändige Manuskripte. (1831.) 12 SS. auf 3 Doppelblättern + ½ Bl. bzw. 13 SS. auf 9 (4 blauen) Einzelblättern. Dunkelbraune Ziegenleder-Mappe mit facsimiliertem Titel Biographische Notitzen / über / Ludwig van Beethoven in Blindprägung auf dem Vorderdeckel (37 x 23,5 cm) + 23,5karätig goldgeprägt 13zeilig im Innenspiegel

„ Die ‚Biographische(n) Notitzen‘ / Ignaz von Seyfried’s / (1776 Wien 1841) / als die zweitfrüheste ausführlichere Quelle / der Beethoven-Literatur / im 1831er autographen Manuskript / abweichend vom Druck 1832 / betreffend einen der / bewegendsten Momente im Leben Beethoven’s / Enthaltend u. a. auch / seinen fascinierenden Erlebnisbericht / vom / ‚1798(er) Klavierwettkampf mit dem Virtuosen Wölffl‘ “

mit den Biographie-Manuskript-Blättern als originärer Einlage, der die Manuskript-Blätter der Charakterzüge + Anekdoten in ihren unterschiedlichen Formaten, Papieren + Farben per eigener beigefarbener Bütten-Mappe dergestalt paßgenau einverleibt wurden, daß deren neun Themen auf sieben von 1 bis 7 goldgeprägt numerierten Blättern mit Einstecklasche aufliegen. Goldgeprägt denn auch der Vorderumschlag der Mappe mit

„ Ludwig van Beethoven / Charakterzüge und Anekdoten / mitgeteilt / von / Ignaz von Seyfried / Autographes Manuskript / 1831 “.

Publikation

Ludwig van Beethoven. Studien im Generalbasse … Aus dessen hs. Nachlasse gesammelt u. hrsg. von … Seyfried. (Nebst einem Anhange biographischer Notizen [„ Früher  Beitrag  zur  Beethovenliteratur “, Katalog Wolffheim II/1929, 423, in Sperrsatz] etc.) Wien, Haslinger, (1832, bei  Vorabzeichnung  durch  1214  Subskribenten !). Anhang SS. 3 ff.

Ignaz  von  Seyfried’s

Josef Kriehuber, Ignaz Ritter von Seyfried

Originalmanuskripte

druckabweichend

bezüglich

eines  der  bewegendsten  Momente  im  Leben  Beethoven’s ,

letzteres  er  bis  zu  dessen  Ende  miterlebte .

So  schrieb  er  auch

die  Choralmusik  zur  Totenmesse .

Literatur

Nohl, Beethoven nach den Schilderungen seiner Zeitgenossen, 1877, SS. 25, 38-43, 182 f.; Kerst, Die Erinnerungen an Beethoven, 1913, per 15 Passagen lt. Index; Bettina von Seyfried, Ignaz Ritter von Seyfried, 1983/90; Honegger-Massenkeil VII (1982, revid. 1987), 346; Musik in Geschichte u. Gegenwart XII, 603 f.; Sadie, New Grove Dict. of Music and Musicians, 1980, XVII, 208 f.; ADB XXXIV, 113 ff. und, Beethoven, II, 251 ff.; Wurzbach XXXIV, 176 ff.; Prietznigg, Mitteilungen aus Wien – Zeitgemälde, 1835 (ausführlichere Darstellung Seyfried’s nebst Werkkatalog); Bauer, Ignaz Ritter v. Seyfried. Kurze Lebensgeschichte. Ca. 1950 (masch.-schriftl. Ms. im Musikwissensch. Institut Wien, nach B. v. Seyfried, wie auch Prietznigg); Rolland, L. v. Beethoven, 1918 + Beethoven the Creator, 1929.

Authentizität

Die Handschrift der Notitzen lag der Musikologin Bettina von Seyfried vor (s. Literatur). Sie ließ an der Echtheit derselben keinen Zweifel, wenngleich die Schrift nicht der gewohnten Qualität entspräche. Letzteres mag als mit dem Inhalt korrespondierender Ausdruck tiefer Rührung gewertet werden, wie entsprechend von dem schon an der Grabrede arbeitenden Grillparzer beim Vernehmen der Gewißheit überliefert: „Da tat es einen starken Fall in meinem Innern … und wie es mir auch bei sonstigen Arbeiten ging, wenn wirkliche Rührung mich übermannte: ich habe die Rede nicht in der Prägnanz vollenden können, in der sie begonnen war“ (Kerst, a. a. O., Bd. II, Seite 249; gerade dieser unprägnante Schluß aus heutiger Sicht von größter Schönheit). Bedingt sicherlich aber auch als Ausfluß seiner die letzten fünfzehn Jahre überschattenden gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Die Jahre 1827-1829 waren gezeichnet von unheilbarem Magenkrebs in Anfangsphase; Seyfried bereitete sich auf baldigen Tod vor. 1831 verursachte die Pest spürbare finanzielle Einbußen durch Abreise zahlreicher Schüler. Mit dem hier wichtigen Ergebnis „Also machte ich mich daran, den Anfang zu Beethoven’s Studien auszuarbeiten,

nehmlich  die  biogr.  Notizen …

ganz so, wie das Werk in der diesjährigen (sprich 1832) Ostermesse erschienen ist“ (Seyfried in seiner Autobiographie, zitiert nach B. v. S., Seite 33, Fußnote 183, wie auch die Umfeldangaben von B. v. S., SS. 32 ff. übernommen wurden). Aus dem Text selbst ergäbe sich als frühester Fixpunkt seiner Niederschrift der 2. März 1830 als dem Todestag des Rasumowski’schen Kammervirtuosen Ignaz Schuppanzigh, dem am 25. Januar bereits Franz Weiß vorangegangen war ( „ ‚Also war es!‘ denn leider sind auch schon die zwey ersten Blätter des herrlichen Trifoliums abgefallen!“ ).

Rangmäßig sind es die Manuskripte zur

zweitfrühesten  Beethoven-Biographie,

nach jener gleichfalls nur kleinen 1827er des in Freiburg/Brsg. tätigen und per 1828 in Augsburg verselbständigten Buch-/Kunsthändlers + Verlegers Johann Aloys Schlosser als eines lediglich außenstehenden Auch-Musikologen (L. v. B. Eine Biographie desselben … Hrsg. zur Erwirkung eines Monumentes für dessen Lehrer Joseph Haydn; Cooper 1996: „… has long intrigued scholars, and many have pointed out the flaws in Schlosser’s ‚Biography‘“).

Und weit vor den sich gleichen Titels anschließenden „Biographischen Notizen“ von Wegeler-Ries (1838), ersterer für die Wiener Zeit ohnehin ausscheidet, indes Ries, Schüler von 1801/05, für so wesentliche Begebenheiten wie das pianistische Kräftemessen mit Wölfl und das Leonore/Fidelio-Desaster noch nicht bzw. nicht mehr Ohren- + Augenzeuge sein konnte.

Und entsprechend noch weiter vor der Biographie Schindlers (1840), der in jener Frühzeit noch ein Kind war und seitens Beethoven’s anfangs, also frühestens 1814, überdies nur widerwillig akzeptiert wurde und zudem nur für die letzten acht Jahre Kontaktzeuge ist.

Der  Stellenwert  der  Seyfried’schen  Niederschrift  ist  somit  konkurrenzlos ,

wie für die Zeit von 1853 bis 2008 wie folgt dokumentiert …

In  diese  unerhörteste  Schaffensperiode

– für die von Dommer in der ADB die Zeit von 1800 bis etwa 1812/13 sieht, indes sich Rolland näher am Meister selbst orientiert :

» (Die Eroica und die Appassionata waren in Beethoven’s Augen der Kulminationsgipfel seines Genius. Generell gesprochen, blieben die Arbeiten dieser 3jährigen Epoche [1803-1806] seine Favoriten bis nahe zu seinem Tode … Unter diesen privilegierten Arbeiten nimmt Leonore [Fidelio] eine Sonderstellung ein. Er stellte sie den anderen Werken gleich, und er liebte sie mehr als sie ihn mehr hatte leiden lassen … Sie ist einer der Großen Tage der Musik. Sie eröffnet eine neue Epoche) « (Beethoven the Creator, 1929, SS. 207 + 101). –

fällt  der  enge  Kontakt  zwischen

August von Kloeber, Ludwig van Beethoven

Beethoven  und  Seyfried

dessen Skizzierung die anstehenden Manuskripte enthalten.

» Seit 1803 (Nohl: seit 1800, Thayer von 1802-1805) war (Seyfried) mit Beethoven befreundet (‚zu dessen wärmsten Verehrern er zählte‘, ADB) und

dirigierte  1805  ( recte 1806 )

die  beiden  Aufführungen

der  zweiten  Fassung  des  ‚Fidelio‘ «

Honegger-Massenkeil

Wert-  +  Einschätzung

1853

„ Die  vorstehende  biographische  Skizze  enthält  Alles ,
was  über  des  verehrten  Meisters  Lebensverhältnisse  bekannt
und  als  wahr  verbürgt  ist “

(Henry Hugh Pierson gelegentlich der Neuausgabe der Studien).

1877

„ (Die  Schilderung , siehe  unten)  steht  im  Anhang
jener  an  sich  so  sehr  gefälschten  ‚Beethoven-Studien‘  von
Ignaz  von  Seyfried , der  aber  damals  schon
mit  Beethoven  genauer  bekannt  war
und  daher  in  dieser  Sache
ein  zuverlässiger  Zeuge  ist “

Ludwig Nohl, Beethoven nach den Schilderungen seiner Zeitgenossen

1907/17

„ (Seyfried’s)  persönlicher  Charakter  war  unantastbar .
Es  war  natürlich , daß  er  Zutritt  zu  den  musikalischen  Salons  erhielt ,
und  seine  Erinnerungen  an  Musik  und  Musiker  in  diesen  Jahren  dürfen  als
Ergebnisse  persönlicher  Beobachtung
angesehen  werden …

Das  ungünstige  Licht , welches … auf  ihn  als  Herausgeber
der  sogenannten  Studien  Beethovens  (gefallen  ist) ,
fällt  nicht  auf  die  tatsächlichen  Berichte  über  tatsächliche  Dinge …
und  der  Abschnitt , welcher  hier  aus  dem  Anhange  zu  den  ‚Studien‘  mitgeteilt  wird …
trägt  alle  Kennzeichen  eines  wahrheitsgetreuen  Berichtes
aus  des  Schreibers  eigener  Erinnerung “

(Alexander Wheelock Thayer, Ludwig van Beethovens Leben).

1926

„ Seyfried  hat  nahe  Beziehungen  zu  Beethoven  gehabt ,
vieles  gemeinsam  mit  (ihm)  erlebt
und  davon  manches  der  Nachwelt  mitgeteilt …
(S)o  sind  seine  Mitteilungen  über  Beethoven
von  großem  Wert .

… der  Anhang  zu  (den  Studien)  wird  mit  Recht
der  vielen  Mitteilungen  über  Beethoven  wegen
noch  heute  sehr  geschätzt
und  unzähligemale  benutzt  ( so  erneut  1978  von  Salomon ) .

Er  enthält
‚ Biographische  Notitzen ‘ ,
die  für  die  Bonner  Zeit  zwar  belanglos , aber
für  Beethovens  Wirken  in  Wien  wertvoll
sind … Im  vorliegenden  Handbuch  wird  wiederholt
auf  Seyfrieds  Mitteilungen  hingewiesen “

(Theodor Frimmel, Beethovenhandbuch).

1983

„ Die  insgesamt  umfangreichste  Erwähnung
erfährt  (Seyfried)  in  der  Beethoven – Literatur “

(Bettina von Seyfried, Ignaz Ritter von Seyfried).

1987

„ (Seyfrieds)  Äußerungen  über  Beethoven

sind  von  großem  biographischem  Wert “

(Honegger-Massenkeil, Das große Lexikon der Musik, Bd. VII,
letzterer Direktor emeritus des Instituts für Musikwissenschaft der Universität +
1972/74 kommissarischer Leiter des Beethoven-Archivs, beide Bonn).

Dieses durch die Zeiten tönende Unisono der Zustimmung + Wertschätzung vermag denn auch der seinerzeitig aus dem Bonner Beethoven-Haus verlautbarte einzige Mißton nicht zu verunreinigen. So denn dort

1988

„ Ich  kann  (dem  Seyfried-Manuskript „Biographische Notitzen“)
keinen  besonderen  wissenschaftlichen  oder  sammlerischen  Wert  zuerkennen
und  halte  den  (damals  für  die  Notitzen  allein  sichtbar  niedriger)
veranschlagten  Preis  nicht  für  angemessen . “

Welche Meinung hiesigerseits nur in Verbindung mit dem 1987er Wiederauftauchen der Notitzen-Handschrift (also ohne die erst jüngst hinzugekommene der Charakterzüge und Anekdoten) unter dem Aspekt verständlich erscheint – siehe denn auch per 2007 + 2008 – , daß sie zwar nach Bonn gelangte, aber eben in andere dortige Hände. Denn ihr Fehlen in der Literatur bis hin zu Bettina von Seyfried’s 1983er großer Dissertations-Untersuchung, deren Wissensstand zumindest diesbezüglich auch nicht mehr für deren 1990er Typoskriptauflage aktualisiert worden ist,

macht  ihr  Wiederauftauchen

aus  doppelter  Sicht  zu  einem  Ereignis .

So zunächst in herkömmlichem Sinne als, so zum einen Schletterer 1892 in der ADB,

„ S(eyfried’s) gesamter musikalischer Nachlaß in den Besitz seines Schülers Binder, Capellmeisters am Josephstädter Theater (gelangte) … Da nun auch er seit 1860 ohne Erben verstarb, besteht die Befürchtung, daß

Seyfried’s  immerhin  sehr  wertvollen  Manuscripte

möglicher Weise verzettelt wurden. “

Zum andern als, so aus neuerer Sicht Sadie, vieles zwischenzeitlich in festen Besitz gelangt zu sein scheint:

„ His  works  (als  Schriftsteller)  in  manuscript  and  in  print
are  in  the  important  libraries  in  Vienna . “

Letzteres ein Schlaglicht auf deren heutige Seltenheit wirft. Wie denn generell autographe Beethoveniana dem Lauf der Dinge folgend am Markt seltener und seltener und damit kostbarer und kostbarer werden. Ging deren importanter Bestand der Sammlung Louis Koch beispielsweise in den 1950ern zunächst noch an die Privatsammlung Bodmer, so alsbald zusammen mit dieser ans Beethovenhaus in Bonn. Womit nahezu 800 (sic!) Autographen, Originaldrucke und Briefdokumente zu Beethoven gleich einem Paukenschlag dem Markt unwiderruflich verlorengingen, unerreichbar neuer Sammellust in Gegenwart und Zukunft.

Ereignisreich schließlich auf ganz anderer Ebene, als in spektakulärer Sache, siehe unten, von der Druckfassung abweichend. Und so dürfte anstehenden Falles denn wohl auch nur noch marginal hinzukommen, wonach

1990

„ Die  Institutionen  der  öffentlichen  Hand
ihre  eigenen  Wertmaßstäbe  (entwickeln), die  leider  nicht  immer
dem  Sammeln + Bewahren  förderlich  sind “

(F. H. Franken in der FAZ zum Erscheinen von
„Internationales Symposium Musikerautographe“
des Instituts für Österreichische Musikdokumentation).

2007

„ Falls  das  Original  noch  nicht  verkauft  ist ,
würde  ich  mich  sehr  freuen , wenn  Sie  mir
den  Preis  des  wertvollen  Manuskriptes  mitteilen  würden “

(ein dem Beethoven-Haus in Bonn verbundener Musikologe in privater mail nach hier gelegentlich der Bestellung der hiesigen 1990er Manuskript-Wiedergabe allein der Notitzen nebst Transkription.

2008

Anderweitiger  privater  Anruf  bezüglich  des  Seyfried’schen  Notitzen-Manuskriptes
aus  dem  Kreise  wie  vor
unter  Betonung  von  Seyfried’s  Stellung + Bedeutung
im  Beethoven-Kontext

 

A)  Zum  Manuskript  der  Biographischen Notitzen  im  einzelnen :

35 x 21,5 cm à 36-45 Zeilen bzw., Schlußseite, 28 ZZ. + das ½ Bl. (14,3 x 21,2 cm) mit 6 ZZ., abbrechend.

(Ignaz Ritter von Seyfried.) Biographische Notitzen. Verkleinerte vollständige Wiedergabe der Handschrift der Notitzen nebst deren Transkription. Bonn, Niemeyer, 1990.

Das mit brauner Feder auf unbeschnittenem Bütten mit figürlichem + typographischem Wasserzeichen geschriebene und nahezu fließend lesbare – Transkription gleichwohl beiliegend – Manuskript ist

in  sich  komplett .

Bogennumeriert von I. bis IV. (I-III à 4 halbseits beschriebene Seiten, IV als einseitig beschriebenes Halbblatt) und beginnend mit – entsprechend dessen eigener Angabe –

„ Ludwig van Beethoven erblickte zu Bonn ahm 16ten December 1772 das Licht der Welt … “ (im Druck berichtigt in 17. Dez. 1770 unter Beachtung der im Manuskript vorgenommenen Satzumstellung),

endend mit

„ Wie das kunstsinnige Wien Beethovens Andenken ehrte, ist notorisch bekannt; auch Prag, Berlin, Breslau, ja die meisten Städte Deutschlands wetteiferten, dem Verewigten die letzte Huldigung darzubringen, und feyern jetzt noch alljährlich seinen Todestag auf die würdevollste Weise … Dieses (das Grabmal) wurde nun auch nach Jahresfrist beendigt, und denn feyerlich eingesegnet. / Es besteht. (Folgt Freiraum, sodann)

Über das Leichenbegängniß selbst erschien damals ein Aufsatz, dessen Authentizität von allen Augenzeugen verbürgt wird, und welcher, wörtlich abgedruckt, den Schluß dieser biographischen Scizze bilden soll.

(Folgt auf dem Halbblatt)

/: Nun wird eingeschaltet der Vorbericht zum Miserere.:/ (Folgt wiederum Freiraum, sodann)

Beylagen.

I. Rede, verfaßt von Grillparzer, und auf dem Währinger-Friedhofe gehalten von dem k.k. Hofschauspieler “

(Anschütz, doch per Seitenende zuvor abbrechend).

Die  Schilderung

Ignaz Ritter von Seyfried, Biographische Notitzen (über Ludwig van Beethoven)

» von  Ignaz  von  Seyfried ,

der  aber  damals  schon

mit  Beethoven  genauer  bekannt  war

und  daher  in  dieser  Sache

ein  zuverlässiger  Zeuge  ist «

(Ludwig Nohl , Beethoven nach den Schilderungen seiner Zeitgenossen, 1877)

Obigem Hinweis auf die vorgenommene Einweihung des Denkmals folgt im Druck ein 6zeil. Zusatz über den das Restdefizit abdeckenden Franz Kirchlehner aus Nußdorf bei Wien. – Der „den Schluß … bilden soll(ende)“ Aufsatz über das Leichenbegängnis erscheint im Druck unter eigenem Titel. Statt dessen enthält der Druck 7 Schlußzeilen über (Nicht-)Verheiratetsein und Körperbau, indes das Manuskript besagtermaßen fortfährt „(Nun wird eingeschaltet der Vorbericht …)“, wohl die erst innerhalb des „Leichenbegängniß“ wiedergegebene Entstehungsgeschichte, namentlich auch hinsichtlich des Seyfried’schen Beitrages.

Ansonsten reich durchsetzt mit all jenen

begehrten  reizvollen  Handschriften-Zeugnissen

als da sind Streichungen, Umstellungen und Änderungen im Text selbst und, vereinzelt und auch von anderer Hand und auch in Bleistift, auf den hierfür eigens freigehaltenen jeweils halben Seiten, die sich dann überwiegend im Druck entsprechend berichtigt wiederfinden. Unter den das Manuskript nicht minder durchziehenden  Höhepunkten vorweg

jene  höchst  importante  Abweichung  vom  Druck

betreffend das generöse 100 Pfund-Geldgeschenk

der  London  Philharmonic  Society ,

das den sich verarmt glaubenden Beethoven auf seinem Sterbelager vor Dankbarkeit so unsagbar erschütterte.

Am 14. März 1827, zwölf Tage vor seinem Tode, hatte Beethoven dem Freunde Moscheles geschrieben :

„ … Wahrlich ein hartes Loos hat mich getroffen! Doch ergebe ich mich in den Willen des Schicksals und bitte nur Gott stets, er möge es in seinem göttlichen Willen so fügen daß ich, solange ich noch hier den Tod im Leben erleiden muß, vor Mangel geschützt werde. Dies wird mir soviel Kraft geben, mein Loos, so hart und schrecklich es immer sein möge, mit Ergebenheit in den Willen des Allerhöchsten zu ertragen.

So mein lieber Moscheles, empfehle ich Ihnen nochmals meine Angelegenheit … “

(Kalischer 1215). – Hierzu heißt es in der Literatur :

„ Beethoven … hatte die Philharmonische Gesellschaft in London und Moscheles, der damals in England war, gebeten, für ihn ein Konzert zu arrangieren. Die Gesellschaft war großzügig genug, ihm umgehend 100 £ zu schicken, wovon Beethoven tief ergriffen war. Sein Freund Rau erzählt :

‚ Es war herzzerreißend, ihn zu sehen, wie er seine Hände faltete
und sich beinahe in Tränen der Freude und des Dankes auflöste. ‘

Durch die freudige Erregung verursacht, öffnete sich in der Nacht eine seiner Wunden … “

(Rolland 1918, SS. 128 ff.). – Entsprechend Beethoven wieder an Moscheles :

„ Mit welchen Gefühlen ich Ihren Brief vom 1. März durchlesen, kann ich gar nicht mit Worten schildern.

Dieser  Edelmuth  der  Philharmonischen  Gesellschaft ,

mit welchem man beinahe meiner Bitte zuvorkam, hat mich bis in das Innerste meiner Seele gerührt … [Sagen Sie diesen würdigen Männern daß, wenn mir Gott meine Gesundheit wieder wird geschenkt haben, ich mein Dankgefühl auch durch Werke werde zu realisiren trachten … Eine ganze skizzirte Symphonie {die zehnte} liegt in meinem Pulte, ebenso eine neue Ouvertüre … Kurz alles was die Gesellschaft nur wünscht, werde ich mich zu erfüllen bestreben, und noch nie bin ich mit solcher Liebe an ein Werk gegangen, als es hier der Fall sein wird. Möge mir der Himmel nur recht bald wieder meine Gesundheit schenken und

ich  werde  den  edelmüthigen  Engländern  zeigen ,

wie  sehr  ich  ihre  Teilnahme  an  meinem  traurigen  Schicksale

zu  würdigen  weiß .]

… Ihr edles Benehmen wird mir unvergeßlich bleiben, sowie ich noch insbesondere Sir Smart (Sir George S., Londoner Verleger) und Herrn Stumpff (siehe unten) meinen Dank nächstens nachtragen werde … “

(Kalischer 1218). – Dieser Brief datiert vom 18. März 1827, am 26. starb er.

Und in diesem Sinne denn auch Schindler in seinem Bericht vom 12. April 1827 an den Verleger Schott Söhne in Mainz, der nach ärztlichem Rat auf des Meisters Bitte hin seinerseits eine großzügige Partie 20 Jahre alten Rüdesheimers auf den Weg gebracht hatte, „über die letzten Lebensstunden des gewaltigen Van Beethoven“ (CÄCILIA VI, SS. 309-312) :

„ Darauf bat er mich nochmals, nicht an Schott zu vergessen und auch der philharmonischen Gesellschaft nochmals in seinem Namen für das große Geschenk zu danken, mit dem Beisatze, daß die Gesellschaft ihm seine letzten Lebenstage erheitert habe, und daß er noch am Rande des Grabes der Gesellschaft

und  der  ganzen  englischen  Nation

danken werde! Gott wolle sie segnen … “

(Kalischer 1220).

Mit seiner Bitte um vermittelnden Beistand hatte sich Beethoven am 8. Februar an Stumpff (der Harfenfabrikant J. A. St., der den Meister kurz zuvor erst mit “der großen Prachtausgabe der Werke Händels” unendlich erfreut hatte, hier irrtümlich mit Max St. übertitelt; vgl. Register und Anmerkung zu 1034) und am 22. Februar an Sir Smart und Freund Moscheles, alle London, gewandt. Sein nachfassender Brief an letzteren vom 14. März hatte sich mit dem schönen Antwortschreiben des ersteren vom 1. März gekreuzt, in dem sich Sätze finden wie

„ Wie sehr mich die Nachricht erschreckt und mit Schmerzen durchdrungen … kann ich mit Worten nicht ausdrücken! … oft stehe ich im Geiste in der Stube an dem Bette des Leidenden und frage so offen, so ängstlich den Arzt … und möchte ihm gerne die Versicherung abnöthigen, daß die Krankheit nicht gefährlich, und daß der Kranke bald gänzlich wiederhergestellt sein würde! … könnten heiße herzliche Wünsche eines Freundes die Genesung bewirken, so würden die Herzen Ihrer Verehrer bald auf den Wogen einer Ihrer Brust entströmten Dank=Symphonie zu dem sich erheben, der nur allem helfen kann …

Ihrem Wunsche gemäß, habe ich ohne den geringsten Verzug die Hrn. G. Smart und Moscheles für die gute Sache gewonnen, sowohl als die Direktoren der Philh. Gesellschaft davon benachrichtigt, worüber dann sogleich berathschlagt wurde:

daß  fürs  erste  ( sic! )  eine  Summe  von  100  Pfund

sogleich an den Baron Rothschild hier eingehändigt, mit der Bitte solche mit ersterer Post an Baron Rothschildsche Haus in Wien zu remittiren … “

(Kalischer 1200). – Hierzu berichtet Seyfried

nur  hier  im  Manuskript ,

also auch nicht zuvor 1828 in der „Caecilia“, daß der Jugendfreund Stefan von Breuning als nur wenige Wochen später (4. 6. 1827) seinerseits verstorbener lebenslanger Vertrauter und nunmehriger Vormund des Neffen Karl diese nicht mehr in Anspruch genommene Gabe zurückgegeben habe :

„ Das Gesammt-Vermögen belief sich beyläufig auf 20000 fl – im Druck benannt mit 9000 fl. Conv. Silbermünzen zuzgl. 125 St. Duc. Außenstände – , wodurch das Gerücht: daß B. nahe daran war, Mangel zu leiden, bündig entkräftet wird.

Aus  diesem  Grunde  wurde  auch  die  aus  England
großmüthig  überschickte  Unterstützung  von  (nicht  genannten  100)  Pfund
Sterling  durch  den  Testamentsvollstrecker  H.  Hofrath  von  Breuning ,
mit  dankbarer  Erkenntlichkeit  remittirt . “

Diese in Verbindung mit …

einem  der  bewegendsten  Momente  im  Leben  Beethoven’s

stehende

Ignaz Ritter von Seyfried, Biographische Notizen über Ludwig van Beethoven

England - Passage  von  schönster  Aussage ,

zu der im Manuskript auch keine Änderung erfolgte,

fehlt  im  Druck.

Bezüglich Testamentsvollstreckung seien in diesem Zusammenhang gleichwohl Beethoven’s Briefe an seinen juristischen Vertrauten Dr. Johann Baptist Bach vom 6. März 1823 + 3. Januar 1827 (Kalischer 879 + 1199) sowie Kalischers Fußnote zum Codizill vom 23. März 1827 (K. 1219) nicht übersehen. Wie auch nicht die von von Breuning und Schindler als ersuchte Zeugen unterzeichnete Erklärung Beethoven’s gegenüber Schott’s Söhne vom 20. März 1827 als Anhang zu eben obigem Brief 1220, begleitet von Kalischers résumé

„ Die englische Nation und die Firma Schotts Söhne in Mainz blieben also als

erhebendste  Schlußerinnerung  im  Wesen  des  sterbenden  Beethoven

zurück “.

Als Forschung und Allgemeinheit gleichermaßen faszinierend des weiteren herausgehoben der hier gleichfalls

erstmalige  Bericht

über die die Literatur als geradezu legendär bis heute beschäftigende Improvisationsmächtigkeit Beethoven’s. Wie Generationen später seitens von Dommer’s für die ADB rekapituliert :

„ Namentlich der hinreißenden Gewalt seiner Improvisation hat nicht leicht jemand widerstehen können, das bestätigen

aus  seinen  Biographien  bekannte  Erzählungen . “

Und Reclams Konzertführer konstatiert noch heute :

„ Seine  Kunst , frei  zu  fantasieren ,

wird  als  einzigartig  geschildert . “

Dazu Seyfried’s Erinnerung  ( Nohl :

» (Seyfried’s)  Äußerungen  über  Beethoven

sind  von  großem  biographischem  Wert «

Honegger-Massenkeil, Das große Lexikon der Musik, Bd. VII, 1987,

letzterer Direktor emeritus des Instituts für Musikwissenschaft der Universität

und 1972/74 kommissarischer Leiter des Beethoven-Archivs, beide Bonn

„ Jetzt  aber  folgt  die  Scene  eines  Ringkampfes … “ )

Ignaz von Seyfried's Original-Manuskript der Biographischen Notitzen über Ludwig van Beethoven
Ignaz von Seyfried's Original-Manuskript der Biographischen Notitzen über Ludwig van Beethoven

als  Ohren-  und  Augenzeuge  von  Anfang  an ,

also auch bei den Soirees im Hause Wetzlar (Baron Raymund von W., Protecteur Mozart’s, zu dessen „wahren guten Freunden“ der „reiche getaufte Jud“, so M. im Brief vom 24. 11. 1781 an den Vater, gehörte, der auch Wölfl beste Empfehlungen mitgegeben hatte), auf denen Beethoven und Joseph Wölfl (Salzburg 1772 – 1812 oder 1814 bei London, „Clavierspieler außerordentlichster Art“, ADB; Beethoven widmete ihm seine 1796er Klaviersonate, Die „verliebte“ Sonate, op. 7) miteinander wetteiferten, eigens geführt als Ereignis sui generis in Kerst’s periodischer Auflistung,

„1798. Klavierwettkampf  mit  dem  Virtuosen  Wölffl .“:

„ Dort verschaffte der höchst interessante Wettstreit beyder Athleten nicht selten … einen unbeschreiblichen Kunstgenuß; jeder trug seine jüngsten Geistesproducte vor; bald ließ der Eine oder der Andere den momentanen Eingebungen seiner glühenden Phantasie freien, ungezügelten Lauf; bald setzten sich beyde an zwey Pianos. improvisirten wechselweise über gegenseitig sich angegeben Themas, und schuffen also gar manches vierhändige Capriccio, welches, hätte es im Augenblicke der Geburt zu Papier gebracht werden können, sicherlich der Vergänglichkeit getrotzt haben würde. —

„ An mechanischer Geschicklichkeit dürfte es schwer, vielleicht unmöglich gewesen seyn, Einem der Kämpfer vorzugsweise die Sieges-Palme zu verleihen … Im Phantasieren verleugnete Beethoven schon damals nicht seinen mehr zum unheimlich Düsteren sich hinneigenden Charakter; schwelgte er einmal im unermeßlichen Tonreich, dann war er auch entrissen dem Irrdischen … jetzt brauste sein Spiel dahin gleich einem wild schäumenden Catarct, und der Beschwörer zwang das Instrument mitunter zu einer Kraftäusserung welcher kaum der stärkste Bau zu gehorchen im Stande war; nun sank er zurück, abgespannt, leise Klagen aushauchend … wieder erhob sich die Scala, triumphirend über vorübergehendes Erdenleiden, wandte sich nach oben in andachtsvollen Klängen … Doch, wer vermag zu ergründen des Meeres Tiefe? Es redet in geheimnisreicher Sprache, deren rethselhafte Hierogliphen nur der Eingeweihte zu lösen ermächtigt ist! —

„ Wölfl hingegen, in Mozarts Schule gebildet blieb immerdar sich gleich; nie flach, aber stets klar, und eben deswegen der Mehrzahl zugänglicher … Noch ein ganz eigenthümliches Vergnügen erwuchs dabey dem vorurtheilsfreyen, unbefangenen Beobachter im stillen Reflectieren beyder Mäcenaten (Fürst Lichnowsky von der Beethoven-, Baron von Wetzlar von der W.-Partei). Wie sie in gespannter Aufmerksamkeit den Leistungen ihrer Schützlinge lauschend folgten, beyfallspendende Blicke sich zusandten … “

Dies  also  nun  hier  als  Autograph

eines  solchermaßen  begnadeten  Dabeigewesenen !

Der im übrigen auch schon gleich zu Anfang vorwegnehmend hierzu vermerkt :

„ Aber das eigentliche Feld der Ehre des genialen Kunstjüngers war die freie Phantasie und die Fertigkeit, ein aufgegebenes Motiv zu bearbeiten, und thematisch durchzuführen; worin er, wie Gerber (Lexikon der Tonkünstler, 1812/14) … erzählt, zu Cöln, vor den gelehrten Componisten Junker aus dem Stehgreife eine höchst ehrenvolle Probe ablegte. “

» Die  insgesamt  umfangreichste  Erwähnung

erfährt  (Seyfried)

in  der  Beethoven-Literatur «

Die  Quelle  des  direkt  Mitbeteiligten

– auch in puncto nicht in die „Biographische(n) Notitzen“ eingeflossener physiognomischer Beobachtungen diente Seyfried als solche – ist dieser aber auch für das Desaster der ersten Fidelio-Aufführungen, worüber er in den hiesigen „Biographischen Notitzen“ berichtet :

„ Der jetzt zu einem europäischen Ruf gelangte Fidelio ging damals unter einer keineswegs glücklichen Constellation in die Scene … Auch für die Prager-Bühne entwarf B. eine neue, minder schwierige Ouverture … Im Verlauf der nächsten Jahre wählten die Regisseure des Kärtnerthortheaters … diese Oper zu ihrer Benefice-Vorstellung. Sie erhielt nunmehr ihre jetzige Gestalt, sie wurde in 2 Akte abgetheilt, und mit der imposanten Ouverture in E Dur ausgestattet. Aber auch diese war am ersten Abend (23. 5. 1814) noch nicht complett ausgeschrieben, und mußte Aushilfsweise durch jene zu den Ruinen von Athen … supplirt werden. “

In  diese  unerhörteste  Schaffensperiode

– für die von Dommer in der ADB die Zeit von 1800 bis etwa 1812/13 sieht, indes sich Rolland näher am Meister selbst orientiert :

„ The Eroica and the Appassionata were in Beethoven’s eyes the culminating peaks of his genius. Speaking generally, the works of this period of three years (1803-1806) remain his favourites until near his death … Among these privileged works Leonora occupies a special position. He placed it on the same height as the others, and he loved it more because it had suffered more … It is one of the Great Days of music. It  inaugurates an era “ (Beethoven the Creator, 1929, SS. 207 + 101). –

also  fällt

der  enge  Kontakt  zwischen  Beethoven  und  Seyfried ,

dessen Skizzierung die anstehenden „Biographischen Notitzen“ enthalten.

„ Von diesem Zeitabschnitte an datirt sich hauptsächlich der innige Freundschaftsbund mit dem Herausgeber dieser Blätter. Wir herbergten unter einem und demselben Dache, waren tägliche Tischgenossen … Alles was sein nie ruhender Genius in dem beschränkten Raum zweyer Jahre (Anmerkung: in teils erst Ansätzen) erschuf – die wundervolle Leonore, das Oratorium: Christus am Oehlberge, das Violin-Concert, die Sinfonia eroica, und pastorale, so wie jene in C-moll, die Pianoforte=Concerte in G, Es, und C-minore, welche er sämmtlich für mehrere, zu seinem Vortheile veranstalteten Academien setzte, und

„ mit  dem , unter  meiner  Leitung  stehenden ,

sehr  tüchtigen  Orchester  produzirte , –

alle  diese  Bürgen  der  Unsterblichkeit  war  ich  so  glücklich ,

zuerst  bewundern  zu  können . “

Mit den Geburtswehen dieser Kinder ist von Seyfried’s Name auf immer mitverbunden. Wir müssen uns dies vor Augen halten, wenn wir uns der geistigen Ein-, sprich Wertschätzung dieses Autographs nähern wollen .

Der  Erhaltungszustand

gesamthaft bestens bei leichter Bräunung der ersten + letzten Seite, kleinen Bugfaltenhinterlegungen und solchen von zwei unwesentlichen kleinen Tintendurchbrüchen. Adäquat hierzu denn auch

Die  Präsentation

in allseits eingeschlagener, vitrinenwirksamer Ziegenleder-Mappe mit dem

facsimilierten  Titel

„ Biographische  Notitzen.  (über)  Ludwig  van  Beethoven “

in  Blindprägung .

Würdig  seines  hohen  Ranges  als  eines  einzigartigen  Dokumentes

„ eine(r)  der  fruchtbarsten  Perioden  des  abendländischen  Musiklebens “

(FAZ).

 

B)  Zum  Manuskript  der  ineinanderübergehenden  Charakterzüge und Anekdoten  im  einzelnen :

À 17-30 Zeilen in brauner Feder auf 5 (4 beidseits beschriebenen) Blatt Bütten, davon die vier großen (23,8-24 x 18-18,5 cm) auf Formular-Papier mit geglätteter Mittelfalte bei 1seit. Aufdruck

„ Orchester=Rapport / aus dem kais. königl. priv. Theater / an der Wien. (dem Seyfried über Jahrzehnte als Kapellmeister angehörte) / vom  180 “ bzw. „ Orchester=Rapport. / Probe oder Vorstellung / Ganz ausgebliebene Mitglieder / Zu spät gekommene. / Zu früh gegangene. / Anmerkungen. “

sowie 4 einseits beschriebenen Blatt auf blauem Umschlag-Papier (21,4-22 x 12-12,5 cm; geglättete Mittelfalte) der von Seyfried mitherausgegebenen

„ Cæcilia / eine Zeitschrift / für die / musikalische Welt / herausgegeben / von einem Vereine von Gelehrten / Kunstverständigen und Künstlern. “

der Nrn. 3-6, Mainz, Schott, 1824/25. – Nahezu fließend lesbar , Transkription gleichwohl beiliegend. – Bis auf 1 aber gleichfalls gesetzte Seite vom Setzer als Zeichen des Erledigtseins kreuzweis mit Bleistift durchgestrichen, doch nur auf dem blauen Papier deutlicher sichtbar, ohne indes wirklich zu stören und ganz gegenteilig Merkmal der bei Autographen so geschätzten Spuren der Arbeit und des Werdens. Diesbezüglich denn auch Seyfried’sche Berichtigungen in Form von Einschüben , Wort- und Zeilenstreichungen Kenner wie Puristen auf ihre Kosten kommen lassen. – Von einigen Kleineinrissen im Oberrand zweier Blaublätter und einem hellen Papierrest am Außenrand eines weiteren abgesehen von tadelloser Erhaltung.

Präsent  hier  als  in  sich  abgeschlossene  Passagen  an Hand der von Pierson besorgten 1853er Neuausgabe die Eingangsseiten 14 bis 19, Absatz 1  mit  deren  im  Druck  als  selbständig  markierten  8  ersten  Berichten , nämlich

„ Beethoven  brachte die Sommermonate alljährlich auf dem Lande zu … (1)

Als der Meister seine Phantasie mit Orchester und Chor das erste Mal öffentlich zu Gehör brachte … (2)

Jemand sendete Beethoven eine Neujahrskarte … (3)

Je mehr der Mangel des Gehörsinns und die im Verlauf seiner letzten Lebensjahre … (4)

Im Dirigiren durfte unser Meister keineswegs als Musterbild aufgestellt werden … (5)

Als Beethoven noch nicht mit seinem organischen Gebrechen behaftet war … (6)

Unser Beethoven gehörte schlechterdings nicht zu den eigensinnigen Componisten … (7)

Als  Beethoven

Ignaz von Seyfried, Charakterzüge und Anekdoten BeethovensIgnaz von Seyfried, Charakterzüge und Anekdoten Beethovens

an seinem  Fidelio  componirte … ” (8)

sowie der große Schlußakkord der Seiten 26/27

„ Beethoven  war im eigentlichen Sinne des Wortes ein echter Deutscher … sogar das exotische Wörtlein:  Pianoforte  versuchte er auszumerzen, und wählte dafür den bezeichnenden Ausdruck: Hammer-Clavier  als zweckmässig passenden Stellvertreter … “ (9)

Entsprechend hatte der Meister mit Brief vom 23. Januar 1817 Steiner & Comp. in Wien verpflichtet, „daß hinfüro auf allen unsern Werken, wozu der Titel deutsch, statt Pianoforte Hammerclavier gesetzt werde …

Statt  Pianoforte  Hammerclavier –

(Zentrierung im Original) womit es sein Abkommen einmal für allemal hiermit hat“ (Kalischer 618 unter zusätzlichem Bezug auf hiesige Seyfried-Passage sowie dem Bemerken „Die Verdeutschung erhielten gleichwohl nur die Sonaten in A [op. 101] und B-Dur [op. 106]“.

Die (9) vorangehende lange Passage  der  Griesinger’schen  Überlieferung , Seiten 23 unten bis 26 oben, als spätere Pierson-Ergänzung (siehe Bettina von Seyfried, a. a. O., S. 63, Abs. 3) nicht Gegenstand der Seyfried’schen Arbeit und damit auch keine Auslassung innerhalb dessen anstehenden Manuskriptes.

Beginnend  also  mit dem Aufbruch in die Sommerfrische nach Mödling behufs dessen „ein vierspänniger Lastwagen mit wenig Mobilien zwar, dagegen aber mit einer ungeheuern Wucht von Musikalien befrachtet (wurde) … und der Besitzer dieser Schätze marschirte seelenvergnügt, per pedes Apostulorum, voraus …“. Doch kaum war die freie Natur erreicht, als der Meister auch schon alles um sich herum vergaß … Per pedes Apostulorum. Hier die Anfangs-,

in Horst Seemann’s großartigem 1976er DEFA-Film

Beethoven — Tage aus einem Leben die Schluß-Szene :

der umzugsfreudige Beethoven marschiert seinem Umzugswagen hinterdrein , unbeeindruckt von allem um ihn herum – einem automobilen Boulevardverkehr des fortgeschrittenen 20. Jahrhunderts.

Und  hiesige  vierte  Passage auf ihren zwei prallen Großseiten inspirierte Seemann zu seiner

umwerfenden  Dinner-Szene  „ Die  Suppe , die  Suppe “

Seyfried-Manuskript der Beethoven-Anekdoten, hier betr. Koch MehlschöberlSeyfried-Manuskript der Beethoven-Anekdoten, hier Koch Mehlschöberl

Der  Meister  als  Koch Mehlschöberl !

Hier  denn  die  Quelle  dieser  famosen  Anekdote ,

gespeist gleichwohl aus lange zurückliegenden Tagen. Denn bereits um 1799 endete der Meister ein humorvolles Billett an den Kollegen Hummel mit „… Dein Beethoven / auch Mehlschöberl genannt“ (Kalischer 28 nebst der Anmerkung

„ … Sehr interessant ist es, hieraus zu erkennen, daß der lustige Beiname Beethovens als ‚Mehlschöberl‘ schon im Freundeskreise dieser Zeit gang und gebe zu sein schien. In einer beliebten Burleske ‚Das lustige Beilager‘ spielt der ‚Koch Mehlschöberl‘ eine hervorragende Rolle. Wie uns nun Ignaz v. Seyfried erzählt, gefiel es Beethoven in den letzten Zeiten seines Erdenwallens zuweilen …“

Köstlichkeit  5  denn  führt den Meister aus dem Kreis seiner Mittagsgäste zurück vors Orchester, vor dem er bald „immer kleiner wurde und beym pianissimo  so zu sagen unter das Taktirpult schlüpfte. So wie die Tonmassen anschwellten, wuchs auch er wie aus einer Versenkung empor, u. mit dem Eintritte der gesammten Instrumentalkraft wurde er, auf den Zehen=Spitzen sich erhebend, fast riesengroß und schien, mit beyden Armen wellenförmig rudernd, zu den Wolken hinaufschweben zu wollen … Bey zunehmender Harthörigkeit entstand freylich öfters ein derber Zwiespalt … Auch kam ihm in solchen Fällen das Auge zu Hülfe; er beobachtete nehmlich den Strich der Bogeninstrumente, errieth daraus die eben vorgetragene Figur, und fand sich bald wieder zurechte.“

Überlieferung  6  verso desselben Blattes wie voriges Hochkarätiges bleibt vor Ort und beileibe nicht hinter jenem zurück, doch nun als Publikum von Kollegen-Darbietungen, „gerne und wiederholt Opern=Vorstellungen; besonders jene in dem damals so herrlich florirenden Theater an der Wien; mitunter wohl auch der lieben Bequemlichkeit zu Nutz u. Frommen, da er gewissermassen nur den Fuß aus seiner Stube („Wir herbergten [zu jener Zeit] unter einem und demselben Dache, waren tägliche Tischgenossen“, so Seyfried in seinen Biographische Notitzen), und ins Parterre hinein zu setzen brauchte. Dort fesselten ihn vorzugsweise Cherubini’s und Mehul’s Schöpfungen, welche gerade in selber Epoche anfingen, ganz Wien zu enthusiasmiren. Da pflanzte er sich denn hart hinter die Orchester=Lehne, und hielt, stumm wie ein Öhlgötze, bis zum letzten Bogenstrich aus. Dieß war aber auch das einzige Merkmal, daß ihm das Kunstwerk Interesse einflößte; wenn es ihm im Gegentheile nicht entsprach, dann … Ueberhaupt war es schwer, ja rein unmöglich, aus seinen Mienen Zeichen des Beyfalls oder des Mißbehagens zu entziffern; er blieb sich immer gleich, scheinbar kalt, und eben so verschlossen in seinen Urtheilen über Kunstgenossen; nur der Geist arbeitete rastlos im Innern, die animalische Hülle glich einem seelenlosen Marmor … dagegen das Anhören einer recht erbärmlich schlechten Musick … er auch mittelst eines brüllenden Gelächters proclamirte. Jedermann, der ihn genauer kannte, weiß (1853 wird es bei Pierson „wußte“ heißen!), daß er in dieser Kunst nicht minder Virtuose vom ersten Range war; nur schade … da er zum öftern die eigenen geheimsten Gedanken und Einfälle zu belachen geruhte, ohne weiters Rechenschaft darüber zu geben. “

Überlieferung  7  schließt sich auf einseits beschriebenem separaten Großblatt adäquat wie folgt an :

„ … Wenn er nun aber gewahrte, wie die Musiker in seine Ideen eingingen, mit wachsendem Feuer zusammenspielten,

von  dem  magischen  Zauber  seiner  Tonschöpfungen

ergriffen , hingerissen , begeistert  wurden ,

dann verklärte freudig sich sein Antlitz, aus allen Zügen strahlte Vergnügen und Zufriedenheit, ein wohlgefälliges Lächeln umspielte die Lippen, und ein donnerndes: ‚Bravi tutti!‘ belohnte die gelungene Kunstleistung.

Es  war  des  hehren  Genies  erster  und  schönster  Triumph=Moment ,

gegen welchen, wie er unumwunden gestand, selbst der Beyfalls=Sturm eines großen, empfänglichen Publikums im Schatten stand … kam aber, besonders in den Scherzo’s seiner Symphonien beym plötzlich unerwarteten Taktwechsel, alles auseinander, dann schlug (er) eine dröhnende Lache auf, versicherte: ‚er hätte es gar nicht anders erwartet; hätte schon zum voraus darauf gespitzt‘ und äusserte eine fast kindische Freude, daß es ihm geglückt: ‚so bügelfeste Ritter aus dem Sattel zu heben.‘ “

Sammler  hört  die  Fanfare ! So  nur  bläst  ein  Dabeigewesener !

Achtens  weiteres der frühen Jahre oder Seyfried assistiert dem Mästro bei den Klavierkonzerten 3-5

„ Als B: an seinem Fidelio componirte, domicilirte er, wie bereits in den biographischen Notitzen erwähnt wurde, in den Wohngebäuden des Theaters an der Wien, und veranstaltete mehrere Academien, die sowohl durch die Einführung seiner neuesten Geistesproducte, als durch das eigene Meisterspiel das höchste Kunst=Interesse gewannen. Beym Vortrag der Pianoforte=Concerte in C-moll, G und Es, lud er mich /: den Herausgeber nehmlich /: freundschaftlich zum Umwenden ein, und ergötzte sich an meiner Verwunderung, als ich in der aufliegenden Stimme, trotz der bewaffneten Augen, ausser dem Schlüssel, der Vorzeichnung und verschiedenen, über das Blatt hinlaufenden Kreuz= und Querstrichen wenig mehr als Nichts zu gewahren im Stande war. Er hatte sich nehmlich, einzig zur Erinnerung, blos die Ritornelle und die Eintritte der Solos mittelst nur ihm verständlicher Zeichen notirt … Bei solcher Gestalt der Sachen wurde also zwischen uns der Accord geschlossen, gemäß welchem ich jedesmal vor Beendigung einer Seite zum vertiren avisirt werden sollte. Während der Production jedoch konnte der damals noch so lebenslustige, für jeden harmlosen Scherz, und unschuldige Neckerey immerdar gestimmte Meister, sich die Lust nicht versagen, mich recht in die Enge zu treiben, und das verabredete Signal so lange als möglich, meistens bis zum letzten Entscheidungsmoment hinauszuschieben … “

Neuntens + Schluß :  der  politisierende  Beethoven  und  —  nochmals  Horst  Seemann !

„ Wiewohl der lateinischen, französischen und italienischen Sprache vollkommen mächtig, auch im Englischen kein Fremdling  (fehlt im Druck, gleichwohl dokumentiert mit Brief an Ferdinand Ries in London vom 9. Juli 1817 [Kalischer 637] betreffend den für spätestens Januar 1818 vorgesehenen Aufenthalt bei der London Philharmonic Society:

‚7tens: Noch bitte ich die … Bestätigung in englischer Sprache … ‘

[Sperrung nicht im Original]), bediente er sich dennoch, wo es immer nur angehen mochte, am liebsten seines vaterländischen Idioms. Hätte er seinen Willen durchsetzen können, alle seine Werke würden mit deutschen Titelblättern gedruckt erschienen seyn … Unter Deutschlands Dichtern war und blieb Göthe sein Liebling. Auch in andern schönen Künsten und Wissenschaften besaß er, ohne damit zu prunken, mehr denn oberflächliche Kenntnisse;

besonders  gerne  sprach  er  im  trautlichen  Zirkel

über  politische  Gegenstände  sich  aus ,

mit  solch  hellem  Überblick ,

richtiger  Auffassung , und  klarer  Ansicht ,

wie man es dem, nur in und für seine Kunst lebenden diplomatischen Proselyten nimmermehr zugetraut hätte. “

Wie steht er uns vor Augen , Horst Seemanns Zuträger bei Metternich berichtend , was der Beethoven abends zuvor im Wirtshaus wieder Unbotmäßiges geäußert habe und sich sagen lassen muß , was de Gaulle

» Karriere  stellt  sich  ein ,

wenn  man  die  Musik  liebt .

Und  wenn  die  Karriere  nicht  kommt ,

ist  das  auch  nicht  schlimm .

Weil  du  ja  die  Musik  liebst «

Lazar Berman

1930 – 2005

in Sachen Sartre’s zu sagen pflegte : ich kann doch Voltaire nicht verhaften ! Womit Seemann natürlich zugleich seinen Ost-Berliner Bonzen die roten Schienbeine traktierte .

Ohne  Zweifel ,

das  Kern-Manuskript  der  Charakterzüge und Anekdoten .

Schließend mit der Einschätzung

„ Während eine halbe Welt wiederhallt in Lob und Preis des verklärten Sängers, sind (im Druck ‚dürften‘) nur Wenige seinen hohen Menschenwerth im vollsten Umfange zu würdigen fähig … Weil die Mehrzahl … den inliegenden herrlichen Kern gar nicht einmal entfernt ahnen konnte … “

Ignaz von Seyfried  war  einer  dieser  Wenigen .

Es weht uns an aus auch diesen seinen Zeilen , seine Schriftzüge beginnen abermals zu atmen , widerspiegelnd , welche Anteilnahme auch hier die Feder geführt hat .

Und wie sehr Ignaz von Seyfried denn auch hiesiger Schluß am Herzen lag , offenbart der Nachtragssatz dieser letzten Manuskriptseite , mit dem er Ludwig van’s „besten aller Tobiasse“ , dem gemeinsamen Freunde Haslinger als Verleger auch der Studien im Generalbasse – nur hier per Manuskript ! – nahelegt

„ /: Vorstehendes  könnte  vielleicht  am  glücklichsten

den  gänzlichen  Schluß  der  Anekdoten und Charakterzüge  bilden. :/ “

Wie denn geschehen und somit auch hier vorliegend.

Gewiß , die Anekdoten handeln von „Vorkommnissen und Zitaten Beethovens, die neben Seyfried auch jeder anderen Person dieser ‚Szene‘ zur Kenntnis kommen konnten (und) es ist anzunehmen, daß nicht Seyfried der einzige war, der von diesen Dingen wußte,

sondern  der  einzige  war , der  diese  aufschrieb ,

um  sie  der  Nachwelt  mitzuteilen “

(Bettina von Seyfried, a. a. O., 72 und, Thayer [1910, SS. 567 ff.] zitierend, 70, Fußnote 104):

„ Die hier zusammengebrachten, an verschiedenen Stellen zerstreuten Notizen stimmen ihrem Inhalte nach völlig miteinander überein; sie bestätigen und ergänzen sich gegenseitig, und gewähren von Beethoven, der damals im kräftig blühenden Mannesalter , in den ersten Jahren seines großen Ruhmes und

in  der  wunderbarsten  Zeit  seines  Schaffens

stand ,

ein  so  deutliches  und  lebendiges  Bild ,

wie  wir  es  von  keinem  anderen

unserer  großen  Komponisten  besitzen . “

Und namentlich für eben diese Jahre steht Seyfried als Miterleber , nicht Nacherzähler . Wie wir unsererseits mittels dieser seiner Blätter den Geburtswehen ihrer Niederschrift beiwohnen , miterlebend ihr Werden . Einzig und unvergleichbar gegenüber der Distanz des späteren Druckwerks , von dessen Wiederauflage zwanzig Jahre später gar nicht zu reden. Was bei Seyfried noch „weiß“ heißt , wird halt zu einem „wußte“. Und „ein frommer Sinn und reine Herzens=Religion“ des Manuskripts liest sich anders als ein obrigkeitshörig gedrucktes „… und reine Religion“!

„ … wir  waren  dabei , als  sie  ihn  begruben ;

und  als  er  starb , haben  wir  geweint “

(Schluß der Grillparzer’schen Grabrede).

Und welchen Ranges Seyfried sich zu seiner Zeit erfreute, belegen die 1700 Aufführungen seiner Eigen-Kompositionen, womit er „bei weitem an der Spitze (stand), gefolgt von Wolfgang Amadeus Mozart mit 400“. Seine bleibende kompositorische Leistung indes sah Schletterer vor 125 Jahren in seinen Kirchen-Kompositionen, um mit den Worten zu enden :

„ Er  war  ein  ebenso  großer  Künstler
als  liebenswürdiger  Mensch .

Sein  Porträt , von  Kriehuber  lithographiert , erschien  (1829)  in  Wien .“

(Das von Alois Martin Stadler, 1792-1841, geschaffene Bildnis
erschien als Lithographie 1846 bei J. Höfelich.)

All diesem entsprach die Anzahl (92) seiner bis aus Petersburg, Moskau, Odessa, Amsterdam, Hamburg, Kopenhagen, Mailand und auf teils klangvolle Empfehlungen hin seit 1803, im wesentlichen aber wohl erst nach 1825, um ihn versammelten Schüler.

Sein Leichenbegängnis gestaltete sich „unter einem ungeheuren Zudrange von Menschen aus allen Volksklassen“ entsprechend. Und das „Österreichische Morgenblatt“ vom 1. September 1841 reihte ihn ein

„ in  die  Gesellschaft  der  unsterblichen  Tonkünstler

Beethoven  und  Franz  Schubert …

‚ Er  ist  in  ihrem  Bunde  der  Dritte‘ …“

Seinen Klavierunterricht hatte er nach Philosophie- und Jurastudien bei W. A. Mozart und L. Koželuch erfahren, während ihn Joh. Gg. Albrechtsberger (1736-1809), der berühmte Theoretiker und Lehrer auch Beethovens, Hoforganist und Kapellmeister am Stephansdom in der Kompositionslehre unterwiesen hatte, wie auch der ihm freundschaftlich verbundene P. von Winter. 1797 verpflichtete ihn E. Schikaneder als Kapellmeister an sein Freihaus-Theater auf der Wieden, das 1801 im neuerbauten Theater an der Wien aufging, letzterem er dann bis etwa 1825/28 angehörte.

„ Seit 1803 (Nohl: seit 1800, Thayer von 1802-1805) war er mit Beethoven befreundet (‚zu dessen wärmsten Verehrern er zählte‘, ADB) und

dirigierte  1805  ( recte 1806 )

die  beiden  Aufführungen  der  zweiten  Fassung  des  ‚Fidelio‘ “

(Honegger-Massenkeil).

Über gedachte Stabführung als Ganzes, oder auch nur teilweise (Kinsky-Halm: Leonoren-Ouvertüre III) unter Einschluß auch der Uraufführung und ihrer beiden Wiederholungen 1805 urteilt die Literatur unterschiedlich. Die zeitgenössischen Rezensionen sind diesbezüglich so wenig ergiebig wie die Erinnerungen der Zeitgenossen zuverlässig erscheinen. Und Bettina von Seyfried übt sich insbesondere auch zur Frage bestimmter Aufführungen in größter familiärer Zurückhaltung, verweist aber auf Seyfried selbst und dessen Mitteilung in der „Caecilia“ (1828, S. 219):

„ Die Symphonien und Concerte, welche (Beethoven) bei seinen Beneficen im Theater an der Wien zum erstenmale producirte, das Oratorium, und die Oper, studierte ich selbst, nach seiner Angabe, mit dem Sänger-Personale ein, hielt alle Orchester-Proben, und leitete persönlich die Vorstellungen. “

Entsprechend Beethoven selbst mit Brief vom April 1806 – Kalischer 105 – an den ihm befreundeten Pizarro-Sänger Friedrich Sebastian Mayer (auch Meier, 1773-1835, Schwager Mozarts) :

„ ich bitte dich den Hrn. v. Seyfried zu ersuchen,

daß  er  heute  meine  Oper  dirigiert ,

ich will sie heute selbst in der Ferne ansehn und anhören … “

Und nunmehr ex cathedra für dessen 1805/06er Aufführungen wie folgt abgesegnet:

„ Dirigent  der  Uraufführungen

von  Beethovens  Oper  ‚Fidelio‘  (‚Leonore‘) “

(Unterstreichung nicht im Original; Archiv Beethoven-Haus Bonn ad Seyfried-Autograph NE 304 als „einige[n] Erinnerungen an die Entstehungs-und Aufführungsgeschichte“ der Oper:

„ Fidelio. / 1805. / den 20ten November / “ 21ten “““ / “22ten “““ / zurückgelegt hinsichtlich des spärlichen Theaterbesuchs / während der feindlichen In= / vasion.: / 1806. / so nachstudiert mit einigen –/ geringfügigen – Abänderungen, / … den 29ten März, / u. 10ten April;  – in allem: / fünf Vorstellungen. / … Obwohl ich diese Oper selbst / einstudierte, u. auch [Unterstreichung nicht im Original] die bey= / den letzten Wiederholungen / dirigirte, so erinnere ich mich / den[n]och nicht mehr ganz genau, / ob nicht vielleicht schon da= / mals – übereinstim[m]end mit / dem gedruckten Textbuche – / die ursprünglich 3actige / Eintheilung auf 2 redu= /zirt wurde. – “).

Eine etwaige Erinnerungslücke redlich also ausdrücklich nur letzterem einräumend, nicht der kompletten Stabführung!

Gesichert schließlich, daß er die Choralmusik zur Totenmesse schrieb, die dann auch sein eigenes Leichenbegängnis begleitete. „Nach der heiligen Einsegnung wurde der Leichnam auf einem vierspännigen Paradewagen unter Fackelbegleitung … auf den neuen Währinger Friedhof hinausgeführt“ (B. v. S., Seite 36).

Dies  denn  also  der  Mann , dem  wir  das  vorliegende  Autograph  dieses

zeitgenössischen  Dokumentes

von  großer  Wärme

und  Schönheit  des  Ausdruckes

verdanken. Dessen Schriftzüge zumindest mit widerspiegeln, welche Anteilnahme hier die Feder geführt hat. Und im Geiste mögen wir dieselbe Rührung empfinden, der sich Felix von Weingartner bezüglich eines Gesprächs mit der greisen Sopranistin Grebner als Mitwirkender der 1824er Uraufführung der Neunten erinnerte : „Es war tief rührend … und dabei in ihr Auge zu blicken,

das  den  größten  Tondichter

noch  leibhaftig  erschaut  hatte “

(wiedergegeben von Kerst, a. a. O., II, SS. 81 f.).

Als musikalischer Schriftsteller – schreibt Wurzbach – „veröffentlichte (er) meist anonym (wie auch hier) …

„ In allen diesen … Artikeln sind ein rechter Schatz treffender Bemerkungen und den Gegenstand gründlich erfassender Urtheile, ferner in Biographien zuverlässige Beiträge niedergelegt. “

Speziell anstehenden wertet v. Dommer als eine jener

„ nicht lange nach (Beethovens) Tode erschienenen Schriften von Personen, die ihn noch gekannt haben und ihm nahegestanden haben … als Zeugnisse Mitlebender … (aus denen) man … sein Charakterbild doch am deutlichsten (wird) sich zusammensetzen können. “

Und da neben Seyfried’s Beitrag in der „Cäcilia“ praktisch auch kein zeitungsbiographisches Material existiert, nicht einmal Grillparzers Grabrede diesbezügliches enthält – Nekrologe der Leipziger musikal. Zeitung vom 28. 3. + der Berliner Nachrichten vom 5. 4. 1827 machen in Seyfrieds 1832er Anhang ganze 1½ bzw. 2½ SS. aus – , genießt Seyfrieds für „Notizen“ recht umfangreiche Niederschrift gegenüber Schlosser die Qualität der auf einem „über drei Decennien bestandene(n) freundschaftliche(n) Verhältnis“ fußenden Authentizität. Gestützt zudem von einer „Bruderschaft in Apollo“

(so Beethoven im Herbst [?] 1822 an Seyfried :

„ Mein lieber werther Bruder in Apollo!

Meinen herzlichen Dank für die Mühe, welche Sie sich um mein menschliches Werk gegeben, und ich freue mich, daß auch das Gelingen allgemein anerkannt geworden; ich hoffe, daß Sie mich nie vorbeigehen, wo ich im Stande bin, Ihnen mit meinen geringen Kräften zu dienen. Die löbl. Bürgerschaftscommission ist ohnehin von meinem guten Willen genugsam überzeugt; um ihr diesen neuerdings zu bethätigen, werden wir uns einmal freundschaftlich besprechen, auf welche Art ihr am besten gedient sei. – Wenn Meister wie Sie an uns Theil nehmen, so dürfen die Schwingen wohl nie lahm werden.

Mit herzlicher Hochachtung Ihr Freund

Beethoven. “

[Kalischer 849 mit dem Bemerken „Es war 1822 als Beethoven zu Ende September seine große fugierte Ouvertüre in C-dur zur Eröffnung des Josefstädter Theaters zur Aufführung brachte … In einem Konzert für den Bürgerspitalfonds, das Seyfried dirigierte, ward diese Ouvertüre ebenfalls zur vollen Zufriedenheit des Meisters vorgeführt. Seyfried erwarb sich so dieses enthusiastische Anerkennungsschreiben Beethovens … “] )

als einem Sockel der älteren Bekanntschaft, der gemeinsamen Arbeit, der Hausgenossenschaft während, es sei wiederholt,

„ one  of  the  Great  Days  of  music , “

wie unter den Biographen somit ausschließlich Seyfried qualifizierend, dessen gutes und herzliches Verhältnis zu Beethoven „in der Tat aus (dessen) Briefen hervor(geht)“ (Nohl). Dies alles denn also

die  nachvollziehbaren  Kriterien

anstehender beider Manuskripte als

miterlebter  Biographie

eines Lebens, von dem es 165 Jahre nach dessen Ende heißt :

„ (Vom Tage an da er starb war Beethoven unsterblich. Andere Komponisten – Bach, Mozart, Schubert, Bruckner, Mahler – brauchten Jahr um Jahr, um ähnlichen Status zu erlangen … ‚Kein Lebender [so Grillparzer’s Grabrede, siehe oben) betritt die Hallen der Unsterblichkeit. Der Körper muß sterben, bevor die Tore geöffnet werden. Er, den ihr betrauert, ist nun unter den Größten aller Zeiten. Unantastbar für immer‘ … denn es ist eine Mahnung, daß in Beethoven’s Genius in der Tat ‚ das festeste Versprechen von Unsterblichkeit‘ lag. Ist Mozart gleichermaßen gesegnet? Sind es Bach oder Schubert oder irgend einer der anderen Komponisten, deren Musik wir fortwährend feiern und denen die Nachwelt das Verdienst der Größe zuerkannt hat? Die Antwort, denke ich, ist nein. Zumindest kann ich nicht glauben, daß Mozart und alle in gleicher Weise unsterblich sind wie Beethoven es ist … Und so ist es kein Wunder, daß Beethoven’s herausgehobene Position niemals ernsthaft gefährdet war … es scheint, daß viele der in jenem Geist geborenen Gedanken fortwährenden Eingang in die abendländische Kultur gefunden haben … Beethoven war von seiner Zeit, aber er ist auch von unserer Zeit, weit mehr als irgend ein anderer seiner Gefährten in der Halle des Ruhms der Großen Komponisten. Achtzehn Jahre nach seinem Tode wurde ihm in Bonn ein Denkmal gestzt, 165 Jahre nach seinem Tode wird ihm in St. Louis ein Denkmal gesetzt, vermutlich aus den gleichen Gründen) “

(James Wierzbicki, St. Louis Post-Dispatch, September 13, 1992).

Und von dem ganz in eben diesem Sinne Jahrzehnte zuvor Oswald Spengler hinsichtlich der Möglichkeit einer Definition der Seele respektvoll vergleichend geschrieben hatte „Eher ließe sich ein Thema von Beethoven mit Seziermesser oder Säure zerlegen …“

(Untergang des Abendlandes I [1923], 386).

Und  für  einen  der  bewegendsten  Momente  im  Leben  eben  dieses  Unsterblichen  denn

obige  druckunbekannte  Passage

nur  hier

im Manuskript der Biographische(n) Notitzen. In Verbindung mit einer ganz großartig noblen Geste. Der der London Philharmonic Society. Die „der Sterbende … über Land und Meer um Hilfe“ angerufen hatte (Stefan Zweig, Sinn und Schönheit der Autographen).

Handschriftlich hier von dem Manne, dem man seinerseits nachrief :

„ Ihr  aber  Freunde

schenkt  (Ignaz  von  Seyfried’s)  Andenken  eine  Träne ,
er  war  nicht  nur  ein  großer  Künstler ,
er  war  auch  ein  –  großer  Mensch !
Sein  ganzes  Leben “

(August Schmidt 1841 in dem sich über drei Ausgaben erstreckenden Nekrolog in der „Allgemeine(n) Wiener Musikzeitung“, dann nochmals, unwesentlich verändert, 1848, in dessen „Denksteine“, zitiert nach B. v. Seyfried).

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