Nous y Voilà
da haben wir den Salat
Oder auch ein neues Jahr , wie man’s nimmt .
Gleichwohl , der Sprung ist gelungen . Und schon geht’s auf ,
den Einzug
des zweiten Jahrzehnts
unseres dritten Jahrtausends
zu begrüßen , dabei zu sein , wenn uns der Mantel der Geschichte umweht , wenn uns die Bilder erzählen , daß Leben Kampf ist , daß gleich Flut und Ebbe Höhen und Tiefen über uns kommen , wie im eigenen Alltag , so im großen Rundum von Wirtschaft , Politik und — Kultur .
Schauen wir uns um im Heutigen , weisen uns egalité und political correctness unseren Standort , vermag nur die Kunst als Anker uns Sinne und Augen zu öffnen für eine Epoche , in der sich
» Ganz sicher ging es dem fleißigen Sammler
RICHELIEU
weder um so etwas wie kleinbürgerliche Vornehmtuerei
noch um unsere heutigen , banalen Statussymbole ,
sondern um das Prestige ,
mit dem die Rarität
und die Menge der Erwerbungen
in den Augen der Durchschnittsmenschen zu einem
– sich eigentlich selbst genügenden –
Ruhm beitrugen … «
Marc Fumaroli , Richelieu – Patron der Künste ,
in
Richelieu
Kunst , Macht und Politik
Hrsg. von Hilliard Todd Goldfarb , Ghent 2002 , Seite 32
„ die Autorität des Staates in seiner Kultur offenbar(t)e
… und festigten (Jacques Lemercier’s Bauwerke) das Bild einer kulturellen Führungsrolle, das die Politik Colberts und Ludwigs XIV. bestimmte und das Selbstverständnis Frankreichs veränderte “
(Hillary Ballon, Richelieus Architektur, im Montreal/Kölner Ausstellungskatalog Richelieu – Kunst, Macht und Politik [ unübersehbar die Reihenfolge! ], 2002, Seite 258/II).
Schauen wir auf
„ d(iese) glanzvolle Kulturepoche Ludwigs XIV. “
(Leporini), blicken wir auf einen politischen und damit gesellschaftlichen Dreimaster von heute geradezu unvorstellbarem geistigen Tiefgang. Wo haben sich die Wogen der egalité noch jemals wieder wundgescheuert an einem Anker gleich dem Dreiklang Erster Minister wie
Richelieu – Mazarin – Colbert
In nahtloser Folge! Jeweils auf Empfehlung des Vorgängers! Drei Staatsmänner! Deren jeder sich als privater Kunstkenner und „leidenschaftlicher Sammler“ noch Jahrhunderte später dokumentiert sieht!
Kardinal-Herzog Richelieu , „der Paris mit der ersten großen öffentl. Bibliothek beschenken wollte … (und) auch die (die Zeiten überdauernde) Imprimerie Royale“ als der „bedeutendste(n) französ. Druckerei des 17. Jhdts.“ begründete und dessen glanzvolle Bibliothek der Großneffe – besessen neben eigener Sammlung! – später der Sorbonne vermachte als dem Lieblingsobjekt und letzter Ruhestätte des Onkels.
Richelieu , der die königliche Familie als letzter Machtinstanz in 1626er Predigt an ihre Grenzen mit den Worten erinnerte
„ Ihr , die Ihr groß seid in Ihm und durch Ihn allein ,
seid weniger als nichts ohne Ihn und ohne Seinen Schutz und Seine Gnade …“
Und von dem Peter der Große 1717 gelegentlich des Besuchs der Sorbonne die Denkwürdigkeit sprach
„ Großartiger Mann , ich würde die Hälfte meines Königreiches für einen Minister wie Dich geben , damit er mich lehrte , die andere Hälfte zu regieren. “
Und den Alexandre Dumas 1844 …
» Auch wenn ( RICHELIEU ) als guter Katholik
die Malerei nicht gering schätzte ,
so bevorzugte er
in seinem rationalen , schwarz-weiß geprägten Universum
doch eindeutig den Stich …
Während seiner Regierungszeit löste die Pariser Rue Saint-Jacques
Nancy und Antwerpen als wichtigste europäische Zentren
für die Herstellung und den Handel mit Druckgraphiken ab .
Madrid versäumte es , sich
dieses wichtige Agitations- und Propagandamittel
zu Nutzen zu machen ,
worunter der Ruhm von Velasques auf lange Sicht gesehen ,
Spaniens Interessen aber unmittelbar litten «
Marc Fumaroli , a. a. O., S. 36
für einen „der außergewöhnlichsten Männer (hielt) , die es je gab“ (Die drei Musketiere).
Literatur, Theater und den Künsten – und unter diesen nicht zuletzt der Graphik – zugewandt, ließ er seine diplomatischen Drähte heißlaufen, um den romverbundenen großen Poussin nach Paris zurückzuholen, wo er ihm, so letzterer selbst, „mit außergewöhnlicher Güte begegnete“ und ihn nahezu fürstlich einquartierte. Nicolas Poussin – einzige als künstlerisch übergeordnet akzeptierte Instanz für den vom Kardinal und seinem Kanzler Seguier, seinerseits Kenner und Sammler von Graden, geförderten jungen Charles Le Brun – siehe unten – als künftigem Pariser Nabel und künstlerischer Institution schlechthin. Bei enormem Fleiß und großer Sorgfalt in der Recherche.
Paris war „unter Richelieu zur europäischen Hauptstadt des Luxus , der Künste und des Geistes“ aufgestiegen. Der Kardinal selbst im übrigen „ein großer Liebhaber und Kenner von Pferden“.
„ Richelieus Autorität beruht primär auf seinem überlegenen Intellekt. In seinem rationalen Denken und Handeln kündigt sich bereits der Geist der Aufklärung an “
(Judith Prokasky in Leinwandmythos Richelieu – lt. Dictionnaire du Grand Siècle präsent in mindestens 50 Kinofilmen – , Seite 378 obigen Richelieu-Katalogs).
Kardinal Mazarin , „weniger genial und gewaltig als Richelieu , ohne dessen schöpferische Ideen , doch gewandter, vorsichtiger und listiger“ , bei „eisernem Fleiß , scharfblickender Menschenkenntniß und zäher Ausdauer … Sein Ruhm beruht auf seiner auswärtigen Politik, welche zwei große Erfolge aufzuweisen hat: den Westfälischen Frieden … und den Pyrenäischen Frieden“. 1640 hatte ihn „Richelieu endlich ganz aus dem päpstlichen in den französischen Dienst (gezogen) und ihm mehrere schwierige Missionen“ übertragen (Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., XI, 379). Seine zweite Bibliothek hinterließ er dem Collège Mazarin und „wurde dadurch der Gründer der heutigen Bibl. Mazarine“. Frühere Zeit bezeichnete die berühmte 42zeilige Gutenberg-Bibel beispielsweise schlichtweg als Mazarin-Bibel.
Colbert de Torcy , „dessen Gunst nur mit einem Büchergeschenk zu gewinnen war. Er verwaltete seine Bibl. selbst“. Ein späterer Familienerbe ließ die durchweg schön gebundenen 60000 Bände versteigern, „während die 15000 Bde H(andschriften) – die schönste Privatslg. dieser Art – … von Ludwig XV. … für die Bibliothèque du Roy erworben wurden“.
„ Streng rechtlich , von unermüdlicher Arbeitskraft und umfassendem Blick … Nach genauen vierjährigen Untersuchungen über den finanziellen Stand des Staats zeigte sich,
daß das Steuer= und Abgabensystem
in der vollkommensten Verwirrung sich befand
… gleichmäßige Besteuerung und einfacherere Erhebung der Steuern traten ein. Während C. die Steuern verminderte … deckte er den Ausfall durch (nicht zuletzt) Verminderung der Beamten und Pensionäre . “
Doch Kriege und höfische Prachtliebe forderten schlußendlich ihren Tribut und „Das System, die Steuern zu verpachten, führte zu furchtbaren Erpressungen seitens der Pächter“. Doch Kunst und Wissenschaften, Wirtschaft und Infrastruktur blieben auf nachhaltiger Gewinnerseite. Und er – Zeitgenossen hört die Signale –
„ scheute keine Opfer , der französischen Flagge
gegen die Seeräuber des Mittelländischen Meers
Sicherheit zu verschaffen “
(Meyers, a. a. O., IV, 201).
Und so, wie seinerzeit Richelieu Poussin nach Paris zurückholte, verdankte eine Generation später der zwischenzeitlich zu letzter Größe aufgestiegene Le Brun Colbert die Rückkehr des zunächst noch jungen, dann bald so großen Radierers und Kupferstechers Girard Audran aus Rom. Weil nur er nach Vorstellung des Meisters fähig sei, seinem für Ludwig XIV. geschaffenen gigantischen 5teiligen Gemälde-Zyklus der Batailles d’Alexandre, genannt auch Die Triumphe oder Historien Alexanders, in der vom König gewünschten Kupferübertragung,
„ die malerische und grandiose Wirkung “
zu verleihen, die dieser Folge von der Literatur bis auf den heutigen Tag attestiert wird.
Gipfelnd in Thieme-Beckers Wertung von 1912 …
„ Man kann sich kaum schönere Kupferstiche vorstellen … “
und im résumé des AKL von 1992 : „ Monumente der Geschichte der Druckgraphik .“
Karlheinz Stockhausen’s
„ Schönheit
bedeutet
Ordnung und Anmut .
Regelmäßige Begegnung
mit Schönheit
ist unbedingt erforderlich ,
sonst verkommt der Mensch “
drückt aus, was seit frühesten Tagen Menschen jenseits der Heerstraße der Masse Lebenselixier ist.
Möge das neue Jahr , das neue Jahrzehnt , ein Füllhorn dieses Balsams für den Alltag für Sie bereithalten , Sie antreffend bei Gesundheit und Wohlergehen rundum.
Dies denn mein heutiger Gruß und Wunsch . Versehen mit der Einladung , sich anzuschauen , mit welch einem Exemplar fernab jeglicher Mutter Natur unbekannter egalité des oben gedachten LeBrun/Audran’schen Leuchtturms französisch-europäischer Kultur des grand siècle
niemeyer’s in sein sechstes Jahrzehnt startet
und nach 350tägigem 50-Jahres-Jubiläums-Rolling seine monatliche Netz-AHA-Serie wiederaufnehmend fortsetzt. Es ist ein Stück des Korsetts fünfzigjährigen geschäftlichen Selbstverständnisses . Sie finden es derzeit per
Was ist schön ? — niemeyer’s AHA! Erlebnis November 2010
Herzlichst
LÜDER H. NIEMEYER
BUCH- UND KUNSTANTIQUAR
Unbezeichnet gebliebene Zitate entstammen obigem Richelieu-Katalog, ansonsten dem Lexikon des Gesamten Buchwesen von 1935/37.
“ I have now fetched the parcel and I am very satisfied. Its a good copy and I think it is telling a lot about Ekeman Alleson … Thank you for good envelope around it and for good service! ”
(Mrs. G. H., March 7, 2005)



