English

„ Clara “

Anno  1748.  „im  Monath  May  und  Junio“

in  Augsburg  gezeigt  und  von  Ridinger

ALS  ERSTE  WISSENSCHAFTLICHE  DARSTELLUNG

DES  RHINOCEROSSES

„ nach  dem  Leben  gezeichnet “

womit er „demjenigen Dürers als dem bislang unverändert für maßgeblich gehaltenen eine … den wissenschaftlichen Anprüchen seiner Zeit entsprechende Darstellung

von  größerer  Naturwahrheit  entgegen(setzte)“ (Stefan Morét) .

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Anno 1748. im Monath May und Junio ist dises Nashorn Rhinoceros (Rhinoceros indicus Cuv. / R. unicornis L.). In Augspurg lebendig gleich wie in den vornehmsten Staedten Deutschlandes gesehen worden, da ich es … nach dem Leben gezeichnet … . Das einhörnige Nashorn in seinem gescheckten Panzer stehend nach links vorne. Im Hintergrund See mit Palmen vor flacher Hügellandschaft. Rechts hinter Gebüsch hoch ansteigender Felsen. Radierung + Kupferstich. (1748.) Bezeichnet: 53. / J. El. Ridinger ad vivum del. fec. et excud. A. V., ansonsten wie vor und nachfolgend. 34,4 x 28

Thienemann + Schwarz 295; Slg. Reich auf Biehla 60; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, III.11 m. Abb.; schriften der ridinger handlung niemeyer 20, 1998, Nr. 29 nebst Abb.; Das XVIII. Jhdt. XXIV, 2, SS. 163 ff. – Fehlte der schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885). – Blatt 53 der seit spätestens 1735 erschienenen 101blätt. „Vorstellung der Wundersamsten Hirsche und anderer Thiere“.

ALS  ERSTE  WISSENSCHAFTLICHE  DARSTELLUNG  DES  RHINOCEROSSES

EIN  MEILENSTEIN  ZOOLOGISCHEN  WISSENS

mit 2zeil. Titel + 5zeil. Erläuterung zu Größe + Färbung im Unterrand :

„ In Augspurg lebendig gleich wie in den vornehmsten Staedten Deutschlandes gesehen worden, da ich es in zerschidenen (sic!) stellungen („von 6. Seiten“, so auf der Vorzeichnung Weigel 54, s. u.) nach dem Leben gezeichnet, in der höhe habe ich es 5 ½. in der laenge 11 ½. Schuh befunden, von farbe ware es dunckelbraun unten am Leibe an der Brust und in der tieffe der übereinander liegenden falten ist es gebrochen rothlicht, von dessen eigenschafften und ganzen structur hatt Dr. Parson ein Engellaender eine natürliche historie an He. Folckes Ritter und Praesidenten der Engl. Societet gestellet, welche an güthe seine beygefügte abbildunge(n) weit übertroffe(n). “

Dargestellt  ist  das  seltene  Panzernashorn  „Jungfer Clara“ ,

das Douwe Mout van der Me(e)r als Kapitän der Knapenhoff der Ostindischen Kompanie 1741 aus Asien nach Holland mitgebracht und bis zu dessen Tode 1758 (so Morét im Katalog Darmstadt; Rieke-Müller in Das XVIII. Jhdt. „Um 1741/48“) in Europa herumgezeigt hatte. Wobei er

„ als geschickter Schausteller Meßzettel und Stiche mit Beschreibungen … drucken (ließ, ‚war um 1745 wohl der erste, der seinen Namen auf Kupferstichen vom Rhinozeros ‚Jungfer Clara‘ erwähnen ließ und damit bewußt aus der Anonymität heraustrat‘, Rieke-Müller) … Interessanterweise orientierte man sich bei der Mehrzahl der in den 1740er Jahren entstandenen graphischen Darstellungen des Nashorns an Dürers berühmte(m) Rhinoceros-Holzschnitt von 1515 (Hollstein, Abb., + Meder 273; Katalog Darmstadt S. 24 mit Abb.). Dies ist insofern nicht verwunderlich, als die Dürer’sche Darstellung in zoologischen Werken bis ins 18. Jahrhundert hinein immer wieder kopiert worden war und somit die Vorstellung vom Aussehen des Tieres nachhaltig beeinflußt hatte.

Ridinger  nun  setzte  mit  seinem  Rhinoceros  demjenigen  Dürers

eine nach dem Leben gezeichnete und den wissenschaftlichen Ansprüchen seiner Zeit entsprechende Darstellung von größerer Naturwahrheit entgegen “

(Morét).

Gearbeitet nach der spiegelbildlichen, hinsichtlich der verschiedenen Stellungen mit sechs präzisierten, Zeichnung in schwarzer Kreide Weigel, Ridinger-Appendix des 1869er Katalogs der nachgelassenen Handzeichnungen, Nr. 54. Die dortigen Positionen 50-55 (Th. IX, 11) könnten besagten 6 Positionen entsprechen. Dem Nashorn-Komplex zugehörend des weiteren die drei Zeichnungen Weigel 707/09, davon eine mit 1754 datiert, sowie die beiden Bleistift-Umrisse Th. XII, 7, von denen einer vermutlich die Zeichnung des Kupferstichkabinetts Berlin betrifft (Bock, 1921, 8437; Katalog Darmstadt III.12 mit Abb.).

Seinem naturwissenschaftlichen Range folgend, ist

Ridinger’s  Rhinoceros

in  allen  seinen  Formen  ein  thematisch  wie  künstlerisch  gesuchtes  Sammlungsobjekt  von  Graden .

So schnellte die für die Übertragung auf die Platte bestimmte obige Vorzeichnung Weigel 54 zu anstehendem Blatte bei ihrer Versteigerung 1991 bei Sotheby’s, London, von geschätzten 2-3 Tausend Pfd. auf 20,000 Pfd. an Sammlung Ratjen, Vaduz (2007 von der National Gallery Washington erworben). Sie entstammte dem 95blätterigen Zeichnungs-Corpus der Gräflich Faber-Castell’schen Ridinger-Sammlung, der als Ganzes, darunter zwei weitere Rhinoceros-Zeichnungen (!) bei deren Versteigerung 1958 mit 7800 (!) Deutschmark bezahlt worden war.

Entsprechend spektakulär („Spectacle müssen sein“, Maria Theresia, „halb resignierend“) die Darbietung der „Jungfer Clara“ in Augsburg, welch letzterem damit zugleich die Reverenz als Metropole erwiesen wurde :

„ ‚Fremde‘ Tiere besaßen … auch außerhalb der höfischen Lebenswelt einen besonderen Kulturwert, wenn sie zur Steigerung der Attraktivität einer Weltstadt wie Wien und zur Zerstreuung ihrer Bewohner beitrugen … ‚Alle Ergetzlichkeiten, welche auf eine unschuldige Art die Sinne vergnügen … gehören unter die Annehmlichkeiten und Vorzüge großer Städte, die den Einwohnern und Fremden den Aufenthalt angenehm machen‘, hieß es in einer juristischen Abhandlung “

(Annelore Rieke-Müller in „‚ein Kerl mit wilden Thieren‘ – Zur sozialen Stellung und zum Selbstverständnis von Tierführern im 18. Jahrhundert“ in Das XVIII. Jahrhundert, wie vor, worin R.-M. auch auf die Konkurrenzsituation solch städtischer Veranstaltungen gegenüber den Höfen aufmerksam macht, wie denn der französische nur zu gern „Jungfer Clara“ für seine Menagerie in Versailles erworben hätte, auf Grund der hohen Kosten für solche Exoten, 100.000 ecus für selbige, 2000 Gulden 1690 für einen Elefanten, aber hatte verzichten müssen.

Entsprechend war die 2monatige Schau für Augsburg denn auch eines der ganz großen lokalen Ereignisse. War „CLARA“ doch nach Rieke-Müller

das  einzige  Rhinoceros  des  18.  Jahrhunderts  auf  dem  europäischen Kontinent .

Den von R.-M. für die 2. Hälfte des Jahrhunderts reklamierten und per 1775 ff. belegten Aspekt einer en vogue werdenden „zunehmend naturkundlichen Wißbegierde“ hatte Ridinger im übrigen – als lediglich weiteres Beispiel – per Titel zu seiner Fabel-Suite schon 1744 vorweggenommen.

Links schwache innerhalb der Wolkenformationen schon vom Druck herrührende kaum wahrnehmbare Quetschfalte. An den Seiten mit 2-2,5 cm etwas schmalrandiger, oben und unten mit 5,8 bzw. 8,4 cm schön breit.

Angebots-Nr. 15.275 / verkauft


“ Received the 2 parcels yesterday in A. M. I am very pleased with the books as well as the condition of them. Thank you again … I hope we can do business again in the near future ”

(Mr. L. A. F., March 11 and 1 resp., 2001)