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der  augsburger  rückbesinner

Nein, nein, nicht der dortige gegenwärtige Hirte, der jüngst mit gutem Wort zur richtigen Zeit in ein Wespennest stach und daraufhin sogleich von von der Leinen losgelassenen Meuten jeglicher Couleur nach, eben, Meuten Art mit Häme begeifert wurde, auf daß sich solche in erworben-neuen Purpur verwandelte. Es geht also schon um den immer aktuellen  Ridinger , der lange, lange vor tausendjährigem Lebensborn-Reich und sich anschließender zunächst kommunistischer Kinder-Krippen-Seligkeit in der – zuzüglich natürlich auch quantitativ kleinerer Glaubensgemeinschaften – Zwei-Konfessionen-Stadt Augsburg

ein  imperiales  Bild

Johann Elias Ridinger, Maria mit dem Kinde an der ionischen Säule

mütterlicher  Zugewandtheit

zeichnete (Maria mit dem Kinde an der ionischen Säule als hier erstmals beschriebene gar größerformatige Variante zu Schwarz 1521), wie naturseits der Specie Mensch zugedacht und von dieser bei freiheitlicher, sprich menschlicher Ordnung zu aller Wohl noch heute weitgehendst praktiziert wird. Und wo solche Naturgegebenheit staatsseits beschnitten zu werden auch nur droht, die Folgen zu folgen pflegen. Die zugleich symbolhafte „Flucht nach Ägypten“ einst war die Antwort auf den von purem Machterhalt getriebenen Griff der Staatsmacht des Herodes nach den Kindern Bethlehems.

Beiden Vorgaben verdanken wir herrliche Verbildlichtungen, wobei jene des geglückten Entkommens vor der Übergewalt des Molochs Staat subjektiv eindeutig als zugleich stärkend die favorisierteren sind. Ridinger las dem Machtmißbrauch anderweitig die Leviten. Aber wir verdanken ihm herrliche Kirchenväter-Kompositionen, herausragende Kreuzigungen, Marien-Blätter und solche der hl. Familie ebenso wie eine ganze Reihe durchweg schöner bis schönster Heiligen-Blätter, deren zuweilen prononcierter und dann hier und da möglicherweise berümpfter Augenaufschlag zeigt, wie kunsthistorisch sattelfest er sich auch auf diesem Terrain bewegte. Denn es ist dann

der  noch  dem  Manierismus  verpflichtete

charakteristisch  „ nach  oben  gerichtete , verschwimmende  Blick “

(Monika Heffels). Natürlich war das Kalkül des Protestanten Ridinger hierbei auch ein stark kommerzielles. Aber gehen wir diese von vielfachen Zustands-Überraschungen begleitete Reihe durch, entdecken wir bald jenen sich durchs Œuvre ziehenden roten Faden wieder, der zu Ridinger als einem meditierenden Didaktiker führt, zu dem „Mann des Vorsatzes, de(m) Planende(n) und Entwerfende(n), de(m) Gestalter aus künstlerischer Intelligenz“, so Hamburgs einstiger Graphik-Papst Wolf Stubbe in seiner 1966er Ridinger-Publikation. Und begegnen in den von ihm ausgewählten Gestalten säulenstarken Vorbildern christlicher und damit auch unserer westlichen Kultur.

Eines derselben sei gelegentlich anstehenden 500. Todestages in diesem Zusammenhang stellvertretend, aber ridingerbezogen auch besonders gedacht: des

Hl.  Franz  von  Paula

(Paola, Kalabrien, 1416 – Plessis lès Tours 1507,

Johann Elias Ridinger, St. Franz von Paula

sein Tag ist der 2. April)

als  dem

Stifter  der  „Paulaner“

die  zur  Ridinger-Zeit  ihren  Zenit  erlebten

In der braunen Ordenstracht der den „grauen“ Franziskanern nahestehenden Minimen, in Deutschland vom Volksmund Pauliner oder Paulaner genannt, mit dem Knotenstock als Symbol des wandernden Bettlers. Schabkunstblatt. Bezeichnet: Ioh. El. Ridinger exc. Aug. Vind. / S. Franc. de Pavla Fvnd. Ord. Minimor. / Ordinavit in me Charitatem. Cant. 2. Cap. 51,6 x 42,3 cm.

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

deren Ridinger-Versteigerung 1958
mit deren Lot-Nr. 140
auf dem Untersatzkarton

Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen

(1922-2004)

Th.-Stillfried (1876) 1416 ( „Ein sehr schönes Blatt“ ); Gräflich Faber-Castell (1958) 140. – Bei Schwarz (1910) unter mit Fragezeichen versehener gleicher Nummer nur eine mit 73 x 55,7 cm größere Variante vor der Schrift des auch dortigen Muschelschildes der Holzboiserie und einem „excud.“ gegenüber hiesigem mit Stillfried korrespondierenden „exc.“ („Mit Rücksicht auf die von St. divergierenden Massangaben … kaum identisch mit 1416“).

Nicht  bei  Thienemann (1856) , Weigel, Kunstlager-Catalog I-XXVIII (1838/57) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Gg. Hamminger (1895) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900) , Schwarz (1910; s. o.) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Mit WANGEN-Wz. wie für zeitgenössische Abdrucke stehend. – Zweiseits mit meist 5 mm Rand, unten 2 cm, rechts nur feinem Rändchen bei 3 cm Herangehen an Plattenkante. Gesamthaft berieben und leicht zeitspurig bei drei hinterlegten Randeinrissen, von denen einer 5,5 cm ins Bild reicht. Rückseitiger Wasserstreifen am Ober- und oberen rechten Seitenrand.

Die den Franziskanerorden an Strenge noch überbietenden Minimen (Mindeste Brüder, Minimi fratres Eremitae) begründete Franz 1435 und 1474 bestätigte sie Sixtus IV. als Kongregation.

„ Die Verleihung aller Privilegien der Bettelorden … sowie die Kanonisation seines Stifters (1519) trugen viel zu seiner Verbreitung bei. In der Mitte des 18. Jahrh. zählte (der Orden) über 450 Klöster mit 25,000 Religiosen in 31 Provinzen “

(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., XI, 660/1).

Die Seltenheit anstehenden sehr schönen Motivs im übrigen vorprogrammiert als die sich technisch bedingt extrem schnell abnutzende Schabplatte nach Urteil des Praktikers Sandrart (1675) nur 50-60 gute Abdrucke ermöglicht.

Entsprechend denn auch schon 1856 Thienemann, Seiten VIII + 270 :

„ Die  Schwarzkunstblätter  sind  im  Handel  fast  gar  nicht  mehr … zu  bekommen

… sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … . “

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Soweit  gebotener  heutiger  Herausgriff

aus  Ridinger’s  Nebenschauplatz-Parade

mit der sich der Meister, Geschäft hin, Geschäft her, rückbesinnend zugleich wesentlichen Wurzelwerkes abendländischer Kultur versicherte und dem langen Atem von Mutter Kirche seine tiefe Reverenz erwies. Einem Atem, der auch und gerade ein Familienbild umschließt, wie als zugriffsresistent gestern von jenen, heute von andern attackiert, sprich unter wechselndem Banner, bei gleicher Zielrichtung. Denkbar, daß der geistig wie technisch seiner Zeit ständig vorauseilende und zudem parabelsichere Ridinger seinem seinerzeitigen neuen Fabelbild heute einen nicht minder faszinierenden Rattenfängerzug hinzufügen würde. Mit vielleicht tiefrotem C – wie christlich – in der Standarte als Krone eines solchermaßen mißbrauchten Berliner Bären?

ridinger  –  immer  ein  erlebnis  der  extraklasse


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(Mr. L. A. F., July 1, 2004)