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Das  Augsburger  Stachelschwein

Ridingerus N.

ist  der  Stammvater

der  Familie  der  Ridingeriana

und trat während der ersten zwei Drittel des 18. Jahrhunderts in Süddeutschland und hier dominant bis fast ausschließlich in Augsburg auf, dem es denn auch seine deutsche Bezeichnung verdankt. Was aber nicht heißt, daß es sich nicht schon zu Lebzeiten mittels Viren global verbreitet und solchermaßen bis auf den heutigen Tag erhalten hätte. Wobei die Ansichten über die Gefährlichkeit dieser Viren nach Art wissenschaftlicher Disziplinen konträr erörtert werden und von harmlos (persönlich unbetroffene Mehrzahl) über gefährlich (in Kontakt zu Infizierten Stehende) bis zu wohlbefindenfördernd (eben die vom Stachel gleich einem Lebenselixier Getroffenen) reichen.

Letztere Spezie denn auch dank ihres geschmeidigeren Innenlebens weniger durch gesellschaftliche Geselligkeit auffällt, dafür aber umsomehr durch ihre Fertigkeit im Graben, sprich, im Heben gehaltvoller Substanzen. Wobei sie durchaus ihr stachliges Kleid, zunächst nur dessen biegsame dünne Phalanx, notfalls aber auch den kürzeren starken Kern einzusetzen weiß. Generell aber gilt die Gattung als harmlos und eine Ansteckungsgefahr bildungsbedingt als begrenzt. Und vor allem auch, reizt man sie nicht durch Futterentzug, als leicht zähmbar. Ganz so wie deren obiger, eben Augsburger Urvater als domestiziert von Generation zu Generation weitergereicht und von der Literatur beschrieben wurde. Bis 1994 L. H. Niemeyer denselben zunächst in der Weltkunst als ein unbekanntes, vier Jahre später auf öffentlicher Veranstaltung in Dresden gar als verharmlostes Wesen diskutierte und handfest belegte. Und seitdem nicht locker läßt,

johann  elias  ridinger

nicht allein über die ihm zugebilligte ausschließlich naturkundliche und jagdliche/hippologische Röhrenenge hinaus in der bel étage der Kunsthistorie ranggerecht zu etablieren, sondern vielmehr seine ganze Vielschichtigkeit, will nicht zuletzt heißen, sein geistiges Vorreitertum, seinen gesellschaftspolitischen Mut und damit seine Menschlichkeit erlebbar zu machen. Zurückweisend das vorgefaßt, aber auch kenntnisarm gefertigte Wunschbild eines Biedermanns, unerfaßt in seiner Komplexität, unterschätzt in seinem Künstlertum, unzulänglich gewürdigt in seiner Persönlichkeit.

Zu letzterer denn eben auch ein sehr stachlig Kleid gehörte. Mit dem Ridinger gemeinsam mit Hamburg’s Brockes künstlerisch wider den Machtmißbrauch seiner und aller Zeiten löckte. Nicht ungefährlich, gewiß, aber sagen Sie das mal einem aufrechten Manne.

ridinger  –  immer  ein  erlebnis  der  extraklasse

Und hier dessen heutiges Profil

Johann Elias Ridinger, Stachelschwein

Das Stachel Schwein. In gereiztem Zustande, die Stacheln erhebend, dem Zeitgeist entgegen. Radierung mit Kupferstich. (1740.) Bezeichnet: J. E. R. fec., ansonsten wie vor. 18,8 x 15,5 cm.

Blatt 90 (Thienemann + Schwarz 480) der Folge Entwurf einiger Thiere, Wie solche Nach ihren unterschiedenen Arten, Actionen und Leidenschaften, nach dem Leben gezeichnet („Diese Tafeln sind sehr gesucht und oft copirt“, Th. 1856). – Mit der für die Engelbrecht-Herzbergsche Neuausgabe von ca. 1824/25 in „87“ geänderten Numerierung entsprechend Thienemanns Klammerzusatz.

Ref.-Nr. 14.995 / Lagerware – nicht katalogisiert / Beschreibung + Angebot anfordern


“ Sir, yes, (the Rubens) is closer to the one in London (recte Dresden), but the one we have is on copper. Thank you for your time. Highest regards, D… A… (and yes America could use a blessing about now) ”

(Mr. D. A., November 4, 2003)