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OMNIA  MIHI  SUBDITA

Johann Elias Ridinger, Herrschaft des Todes II

Die  erlebnisreiche  Welt  der

Pietät  +  Vanitates

Von letzter Ölung über das Sterben selbst und den Abschied am offenen Sarge, übers Procedere der Trauerfeier, Unschicklichem während solcher nebst Regelung und freudiger Nutzung des Nachlasses hin zu erregender Verbildlichung der Auferstehung zu ewigem Leben oder Höllenfahrt + grandiosen Memento mori.

 

The  Company  of  Undertakers ,

den  Begräbnisunternehmern,

deren  Wappenbild  so  offen  wie  brutal  ist:

William Hogarth, Das Collegium Medicum oder das Wappen der Begräbnisunternehmer

Ein  Collegium  Medicum  —

als  Hoffnung  in  wirtschaftlicher  Flaute

Hogarth, William (1697 London 1764). Consultation of Physicians (Arms of the Undertakers). Das Collegium Medicum oder das Wappen der Begräbnisunternehmer. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). 1809. Signiert, datiert, bezeichnet. Bildgröße 17,1 x 14,2 cm.

Cook’s kleinere Fassung ohne den 6zeil. Untertext dieses geistreichen Standeswappens mit dem Motto Et plurima mortis imago. – Innerhalb des breiten Plattenrandes geschnitten und namentlich in dessen Oberrand etwas zeitfleckig. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 8.929 / EUR  125. (c. US$ 136.) + Versand

Memento  Mori

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Memento Mori. Auf der auf dem Tisch liegenden Bibel Totenschädel mit etlichen fehlenden Zähnen. Rechts davon Vase mit blätterndem Blumenbouquet, links, wie seltener, Schale mit Seifenblasen, auf der ein vierfingrig gezackter Stab mit anhängendem Siegel ruht, sowie heruntergebrannte(s) Kerze/Lebenslicht, auf dessen Ständer eine Kerzenschere, dahinter Sanduhr und darüber Vorhang mit großem zackigen Ausriß für den Vorhang des Lebens, seit dem Mittelalter aber auch Symbol des Geheimnisvollen, dessen ggf. religiöser Trost von dem Loch indes schon wieder konterkariert wird. Unter der Bibel hervorschauend und über den Tischrand hinausragend ein unbeschriebenes Blatt Papier mit Einriß und Eselsohr. Schabkunstblatt. Bezeichnet: Ioh. Elias Ridinger inv. et exc. Aug. Vind., ansonsten wie vor und nachfolgend. 51,6 x 42 cm.

Johann Elias Ridinger, Memento Mori

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

deren Ridinger-Versteigerung 1958

mit deren Lot-Nr. 145 auf dem Untersatzkarton

Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen

(1922  –  2004)

Stillfried (3. Nachtrag zu Thienemann, 1876) + Schwarz (Coll. Gutmann, 1910) 1426, offenbar beide III (von III); Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940), 434 (ohne Rand, wohl dito); Faber-Castell 145, Zustand I (von III) wie auch das Exemplar der Staatlichen Graphischen Sammlung München (1963:1644); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1, 289 (1975, Stillfried’s Beschreibung wiedergebend); Ridinger-Katalog Kielce (1997), 172, II (von III) nebst Abb.; Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger in Wunderlich (Hrsg.), L’Art Macabre 2, 2001, Abbildung S. 103 (III. Zustand).

Nicht bei Thienemann (1856), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Slg. Hamminger (1895), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1554 Positionen; 1900).

Mit  Untertext  „ … Was du thust so bedencke das Ende, so wirst du nimmermehr übels thun “.

Früheste  Fassung

dieses  bildhaft-schönen  Vanitas-Stillebens

als  Ridinger’s  ureigenstem ,

im  Stil  der  niederländischen  Vanitates  gearbeitetem

MEMENTO  MORI

als einer der interessantesten Raritäten des Ridinger-Œuvre, deren verschiedene drei Zustände hier offenbar erstmals festgestellt worden sind.

Bezüglich der kostbaren Schabtechnik aber – im hier vorliegenden hs. Faber-Castell’schen Inventar-Verzeichnis per Ausrufezeichen + Unterstrich hervorgehoben als „Schabk!“ – resümierte schon vor gut 140 Jahren Thienemann mit den Worten:

„ Die  Schwarzkunstblätter  sind  im  Handel  fast  gar  nicht  mehr

… zu bekommen … sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … “

(Seiten VIII + 270). An welcher Situation auch, wie hier, Neuauflagen wenig zu ändern vermochten, da die sich technisch bedingt extrem schnell abnutzende Schabplatte nach Urteil des Praktikers Sandrart (1675) nur 50-60 gute Abdrucke ermöglicht.

Anstehendes Blatt fehlte also auch in Dresden. Und konnte erst 20 Jahre später von Graf Stillfried erstmals beschrieben werden. Es dokumentiert den untrennbar-vielschichtigen Ridinger, den Künstler in seiner Ganzheit. Denn den „harmlosen“ Ridinger landläufigen Kunsthistorikerurteils hat es gottlob nie gegeben. Vielmehr blieb er

„ einer  der  wenigen  deutschen  Barockkünstler

… der … nie  in  Vergessenheit  geriet “

(Rolf Biedermann, Meisterzeichnungen des deutschen Barock, 1987, S. 338). Hier denn sein

Memento  Mori  im  Erstzustand  des  Exemplars  Gräflich  Faber-Castell .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 14.856 / Preis auf Anfrage

Oelung, Die Letzte. Kupferstich. (1679.) Bezeichnet. 8,8 x 6 cm.

Verso: (Die Beichte.) Kupferstich wie vor. – Arbeiten eines anonymen Stechers – an anderer Stelle signiert als „Stich fecit“, doch ein solcher nicht nachweisbar – eines Catechismus des Petrus Canisius SJ, Köln 1679. – Schwacher Wasserrand oberhalb des Bildes. Säurefrei hinterlegter Randeinriß.

Angebots-Nr. 13.087 / EUR  35. (c. US$ 38.) + Versand

Todt, Der. Nach Empfang der Sakramente erscheint der Sterbenden der geflügelte Tod mit Sanduhr und Pfeil. Kupferstich wie vor.

Verso: Das letzte Gericht. Die Erde bricht auf und entläßt ihre Toten, erfüllt von verschiedenerlei Staunen, Dank und – Erwartung. Wie vor. – Schwacher Wasserrand oberhalb des Bildes. Dortselbst und gleichfalls außerhalb des Bildes säurefrei versorgter größerer Ausriß unter Verlust einiger Buchstaben des allgemeinen Textes. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 13.085 / EUR  35. (c. US$ 38.) + Versand

Santomaso, Giuseppe (1907 Venedig 1990). Memento mori. Farb-Lithographie. 1964.  Hs.  signiert, datiert. 54,5 x 37 cm.

Santomaso, Memento mori

Nr. 17/100 Abzügen auf Papier Rives. – Trockenstempel Erker-Presse. – Santomaso war Gründungsmitglied von „Fronte Nuovo delle arti“. Verbindung zu Braque, Léger, Morandi. Entwicklung auf einen abstrakten Hermetismus. Professor an der Akademie Venedig. Zahlreiche internationale Ausstellungen.

Angebots-Nr. 14.548 / EUR  930. / export price EUR  884. (c. US$ 964.) + Versand

Bijapur / West- + Ostghuts – Bejapore, Sultan Mahomed Shah’s Mausoleum in. Der prächtige Kuppelbau oberhalb des Wassers. Stahlstich von Ad. Rottmann. Ca. 1855. Signiert, bezeichnet. 11,7 x 17,2 cm. – Schwacher Wasserrand im rechten Rand. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 11.262 / EUR  40. (c. US$ 44.) + Versand

Gehrts, Johannes (St. Pauli/Hamburg 1855 – Düsseldorf 1921). Der Heldentod der Stedinger. Holzstich von Rupert (so der Hamburger Hafen nach Bartels) oder Heinrich Schlumprecht nach/bei Adolf Cloß, Stgt. (1880/81.) Signiert, bezeichnet. 18 x 23,8 cm.

Angebots-Nr. 8.271 / EUR  71. (c. US$ 77.) + Versand

Marschkirche auf dem Stedinger Schlachtfeld. Im Winter, vorne der Gottesacker. Holzstich bei Adolf Cloß, Stgt. (1880/81.) 10,3 x 12,9 cm. – Beidseits in sich abgeschlossener Text zum Stedinger Freiheitskampf. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 8.272 / EUR  44. (c. US$ 48.) + Versand

Siegfrieds Leiche wird über den Rhein geführt. Getönter Holzstich nach Albert Baur (Aachen 1835 – Düsseldorf 1906) bei Adolf Cloß, Stgt. (1875-76.) Signiert, bezeichnet. 17,7 x 24 cm. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 14.392 / EUR  86. (c. US$ 94.) + Versand

Ein  spektakulärer  Fund

Um  den 14 ( sic! ) Konkurrenten  sich  balgten !

Anschließend  der  Kustos  einer  bedeutenden  öffentlichen  Sammlung :
„ Dann waren Sie es also , der uns das Blatt wegschnappte .

Gratuliere .
Ich  hätte  es  auch  gerne  gekauft . “

 

Johann  Elias  Ridinger

Ulm 1698 – Augsburg 1767

Andrea Andreani - Johann Elias Ridinger, Allegorie des Todes

Die  Allegorie  des  Todes

Kupferstich  +  Radierung

nach

Andrea  Andreani

(auch Andriani, Andreini, Andreasso, Andrea Mantuano; Mantua 1541 oder später – wahrscheinlich ebda. ca. 1623) auf Grund dessen Clair-obscur-Schnitt nach Giovanni Fortuna Fortunius (1535-1611, tätig in Siena). Bezeichnet: Joh. El. Ridinger excud. Aug. Vind. Blattgröße 57 x 40,6 cm.

Unbekannt  der  einschlägigen  Literatur

zu Ridinger bis hin zu Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik (1975), Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Joh. El. Ridinger (in L’Art Macabre, Bd. 2, 2001) und den maßgeblichen Sammlungs-, Verkaufs- und Ausstellungs-Katalogen von Weigel (1838) bis zur Gegenwart. Thematisch aber

in  seinem  ikonographischen  Reichtum  unerreicht

vom Kern seiner teils extrem seltenen, aber eben doch bekannten Mementi, den Schabblättern Thienemann-Stillfried 1426-1431. Und kompositorisch weit entfernt von deren letzten beiden, den von Johann Jacob nach Dieffenbrunner gearbeiteten brutal realistischen (1430 f.). Hier denn

das  Memento  mori  als  Virtuosenstück ,

als intellektuelle Herausforderung bei sprechend-reizvoller Bildhaftigkeit. Als

äußerst  selten  für  Andreani

(generell sprechen Thieme-Becker von „der großen Seltenheit der Blätter“) , als

Nahezu-Unikat  für  Ridinger .

Hier denn vorliegend in schönem, nicht mehr ganz zeitgenössischem Druck auf linienfreiem Papier mit Wortmarken-Wz. bei umlaufend feinem Rand um die Bildeinfassung. Nur hier und da knapp bis an diese beschnitten. Der gesamthaft gewissen Altersspurigkeit restaurativ professionell begegnet, wie auch die rückseitige (Wasser-)Fleckigkeit bildseits nur partiell ganz schwach durchscheint. Im schraffierten Randfeld unten rechts ein noch schwach sichtbarer Künstlerhinweis. Kurz ,

ein  seinesgleichen  suchendes  Rarissimum  von  schönem  Gesamteindruck .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 28.482 / Preis auf Anfrage

Im  Tode  vereint

Daumier, Honoré (Marseille 1808 – Valmondois 1879). L’Unité Allemande. Die Walze des Mars ebnet die Toten ein, als da sind Württemberger, Badenser, Bayern, Hannoveraner, Sachsen, Hessen. Lithographie. (1870-71.) Monogrammiert, bezeichnet. 22,2 x 18,1 cm.

Delteil 3831, III (von 3) mit Abb. dieses Zustands. – Sorgfältiger Druck auf beserem Papier ohne Rückseitentext und den Actualité-Serientitel.

Geschaffen  im großartigen Altersstil der letzten Jahre, alles Gegenständliche weglassend und „nur in symbolischen Gestalten Anklage erhebend gegen das Unrecht des Krieges“ (Glaser). – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 13.385 / EUR  404. / export price EUR  384. (c. US$ 419.) + Versand

Alter Gottesacker in Crefeld. Denkmal für die Gefallenen von 1813-14. Holzstich nach Theodor Alexander Weber (Leipzig 1838 – Paris 1907). (1875-76.) Signiert, bezeichnet. 15 x 9,1 cm.

Rückseits: Neuss / Oberthor mit Drususthurm. Holzstich wie oben. 15,3 x 10,5 cm. – Beidseits nicht abschließender Düsseldorf-niederrhein. Lokaltext.

Angebots-Nr. 6.230 / EUR  60. (c. US$ 65.) + Versand

Hogarth, William (1697 London 1764). Funeral Ticket. Einladungsvordruck zur Teilnahme an einer Bestattungsfeier. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). 1809. Signiert, datiert, bezeichnet. Bildgröße 16,3 x 18,6 cm.

William Hogarth, Funeral Ticket

Bildlich  reich  gestaltete , seltene  Geschäftsgraphik, geschaffen für Humphrey Dren Undertaker, in Kingstreet Westminster, und dort z. Zt. anstehender Stichfassung noch in Gebrauch gewesen. Zeigt eine reiche Trauerprozession vor dem Eingang zur Kirche. Darunter die hs. zu ergänzenden Daten. – Innerhalb des breiten Plattenrandes geschnitten und in diesem minimal zeitfleckig. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 9.015 / EUR  95. (c. US$ 104.) + Versand

– – Die Trauergesellschaft. Abschiednehmend von der zu Hause im noch teils offenen Sarg aufgebahrten Verstorbenen. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Pl. VI. / Designed by W. Hogarth. / Engraved by T. Cook. / London Published by G. G. & J. Robinson Paternoster Row October 1st. 1799. sowie Serientitel. 35,5 x 41,1 cm.

Harlot’s  Progress VI. – Abdruck von sehr schöner Hell-Dunkel-Wirkung auf festem Papier. – Die leichte Braunstelle im weißen Oberrand noch in den Bildhintergrund hineinreichend, doch dort praktisch nicht wahrnehmbar. – Im übrigen – im Gegensatz zu allen späteren Hogarth-Ausgaben – in dessen ursprünglichem Folio-Format. – Cook „machte sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher“ (Thieme-Becker).

„ Hier liegt sie nun endlich … ruhig und still im Sarge, sicher vor Sir John Gonsons (des Richters) Trabanten, Herrn M. Thwackums Hieben und – Dr. Misaubins Pillen. Was für eine kräftige Schutzwehr ein Sargdeckel nicht ist! “

(Lichtenberg). – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 7.510 / EUR  240. (c. US$ 262.) + Versand

– – – Dasselbe in Hogarth’s Eigen-Radierung im 1744er 3. Zustand. Bezeichnet: Plate 6. / † / Wm. Hogarth invt. Pinxt. et sculpt. 32 x 39 cm.

Nagler 17, 6; Abbildung Hogarth-Katalog Zürich, 1983, 18 (dieser Zustand). – Extrem breitrandiger Abdruck wohl von der vom kgl. Kupferstecher James Heath (1757 London 1834) um 1822 überarbeiteten Platte („Selbst diese Abzüge sind heute aber relativ selten geworden“, Kunstgalerie Esslingen 1970; und Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII [1888], 625: „Eine schöne Ausgabe“, geschätzt auch schon von zeitgenössischen Sammlern vom Range etwa eines A. T. Stewart [Catalog of the Stewart Collection, New York 1887, 1221, „fine plates“]).

Angebots-Nr. 8.810 / EUR  120. (c. US$ 131.) + Versand

– – – Dasselbe. Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840). Signiert. 20 x 24,8 cm. – Auf besonders festem Papier, wohl um 1850.

Angebots-Nr. 7.637 / EUR  50. (c. US$ 55.) + Versand

– – – Dasselbe in Lithographie. (1833/36.) Bezeichnet. 19,6 x 21,4 cm. – Ausführlicher Untertext à la Lichtenberg in Deutsch.

Angebots-Nr. 7.638 / EUR  59. (c. US$ 64.) + Versand

Das  unerhörte  Finale  (I)

Ridinger’s

schnörkellos  fulminantes  Hauptblatt

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). OMNIA MIHI SUBDITA. Die Herrschaft des Todes. Grabgewölbe mit Tod, von dessen Kopf, auf welchem ein mit Fledermausflügeln versehenes Stundenglas steht, rückseits und seitlich ein Schleier herabwallt, thronend über all dem Zeugs dieser Welt – für die rechts außen eine Globushälfte steht – , als da sind Gold, Gut, Siegel + Orden, Kronen, Szepter, Reichsapfel + Waffen, Folianten + Priesterkleidung, wissenschaftliche + landwirtschaftliche Instrumente und nolens volens Malerstock + Palette mit Pinseln. Die Rechte aber hält einen hohen Inschriftenstein, auf dessen besagte Schlußworte OMNIA MIHI SUBDITA die Linke mit als „Presens“ gekennzeichnetem Pfeil weist. Schabkunstblatt + Umriß-Gravur von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iac. Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger delin. et exc. Aug. Vind., ansonsten wie vor und unten. 55,7 x 42,2 cm.

Johann Elias Ridinger, Herrschaft des Todes I

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

wie vor mit deren Lot-Nr. 146/2
sowie sammlungsseits in Bleistift „Rchg v. 14/3 1914“

auf dem Untersatzkarton

Stillfried (3. Nachtrag zu Thienemann, 1876) + Schwarz (Coll. Gutmann, 1910) 1427 (ohne Erwähnung von Umriß-Gravur), hier indes als beiden unbekannter II Zustand (von II); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik I/1 (1975), 290 mit Kenntnisstand von Stillfried/Schwarz; Georg Hamminger 1886 (irrtümlich als St. 1527; „Aufgezogen. Von grösster Seltenheit“, 1895 ! Dito ohne Kenntnis von Zustand/Version); Faber-Castell 146 (ohne Erkennung als abweichender Zweitzustand, im übrigen zusammen mit Schwarz 1477); Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger in Wunderlich (Hrsg.), L’Art Macabre 2, 2001, Abbildung S. 105 (Explr. der SGS Mchn.).

Nicht bei Thienemann (1856), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1554 Positionen; 1900), Schwerdt (1928/35), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Der  Stillfried  wie  Schwarz  unbekannt  gebliebene  Zweitzustand

der  bislang  unerkannt  gebliebenen  Erstversion

dieses  unglaublich  fascinierenden  Blattes

von der oben verkürzten Platte bei gleichzeitig geänderter Signatur, beides entsprechend auch dem Exemplar der Staatlichen Graphischen Sammlung München.

Schwarz‘ Annahme, die Abweichungen seiner Stillfried unbekannt gebliebenen Variante 1477 beruhten lediglich auf Überarbeitung der Platte, ist unzutreffend. Wie unten belegt, handelt es sich um eine in der Inschriftaussage gleichwohl entscheidend umgewichtete Wiederholungsversion (siehe unten) von eigener Platte.

Bildlich  herrlicher  Zenit

der  auch  das  jagdliche  Œuvre  durchziehenden

Ridinger’schen  Vanitates

von großer kompositorischer Fülle, fußend auf eigener Zeichnung und im Einschluß der Malutensilien in die Vergänglichkeitsattribute über das 1767er zeichnerische „Selbstbildnis mit Tod“ des Berliner Kupferstich-Kabinetts (Farbabbildungen in L’Art Macabre 2, s. o., S. 94 + Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, S. 54, sowie, s/w, per I.5, S. 61) hinausgehend.

Alles im strahlenden Lichte dessen, von dessen Haupte Fledermausflügel das abgelaufene Stundenglas hinwegführen werden, der „Presens“-Pfeil die Richtung vorgibt und der „Preteritum“-Pfeil zu Boden zeigt. Aber im Köcher steckt der Pfeil „Futurum“, wie immer sich diese auch anlassen möge. Und dessen Schriftfähnchen weht, konträr zu den hängenden beiden anderen, in munterer Gewißheit.

Der von der Linken des Skeletts geführte Präsens-Pfeil ist zwischen die Worte OMNIA + MIHI gerichtet. Bei der Wiederholung Schwarz 1477 – siehe unten – hat Ridinger diese Aussage noch verdichtend präzisiert, indem die Pfeilspitze nunmehr unmißverständlich auf das M des MIHI weist.

Die gewichtige Steintafel selbst typisch für Ridinger als wir solcher im Werk wiederholt begegnen bis hin zum programmatischen Eigen-Exlibris (Schwarz 1569) mit seinen Malutensilien, wo sie ein mit dem Malerstock bewaffneter Knabe hält, und sie des Meister’s absolutes Lebensbedürfnis bekundet: „Nulla dies sine linea“ – Kein Tag ohne Pinselstrich. Im Vergänglichkeits-Gerümpel anstehenden Blattes das Malergerät im übrigen ein abermaliger Gleichklang mit Hogarth, der sein graphisches Œuvre mit dem Blatte der Sterbenden Zeit (Tail Piece, or The Bathos) vom April 1764, also sechs Monate vor seinem Tode, abschloß, auf dem die Palette aber noch zusätzlich demonstrativ zerbrochen ist.

Das  druck-  wie  erhaltensmäßig

sehr  schöne  Exemplar

Gräflich  Faber-Castell

in samtenem Braun-Schwarz bei greifbar-plastischem Hell-Dunkel und mit den für zeitgenössische Abdrucke stehenden Wz. WANGEN und separater IV bei umlaufendem Rand von 4-8 mm.

Die  extreme  Seltenheit

des  Blattes

anstehendenfalls  potenziert

durch  seinen  hier  erstmals  beschriebenen  2.  Zustand .

Das Blatt als solches, erst 20 Jahre nach Thienemanns Kabinett-Besuchen von Graf Stillfried erstmals vorgestellt, dokumentiert den untrennbar-vielschichtigen Ridinger, den Künstler in seiner Ganzheit. Denn den „harmlosen“ Ridinger landläufigen Kunsthistorikerurteils hat es gottlob nie gegeben.

1914  –  1958  –  2005

Sie  müssen  sehr  jung  sein ,

sollten  Sie  meinen ,

bei  anstehendem  Blatte  zuwarten  zu  können .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 14.857 / Preis auf Anfrage

Cassas, Louis François (Azay-le Ferron, Indre, 1756 – Versailles 1827). Mausolée d’Jamblichus. Innenansicht mit zwei Figurinen im Eingang, darüber das Epitaph mit dem aufgestützt lagernden, von drei Genien oder Schülern umstandenen Verstorbenen, wohl des neuplatonischen Philosophen aus Chalkis (gest. um 333). Radierung von Jean de la Porte (geb. ca. 1760), mit dem Grabstichel vollendet von Pierre Gabriel Berthault (St. Maur 1737 – Paris 1831). (1799.) Signiert. 46 x 29,4 cm. – Schöner  breitrandiger , dreiseits  unbeschnittener  Abdruck  vor  der  Schrift . – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 12.528 / EUR  302. / export price EUR  287. (c. US$ 313.) + Versand

– – – Vue générale de Néapolis. Gesamtansicht des römischen Neapolis, des alten und heutigen Sichems in Samaria,

der  Begräbnisstätte  Josephs , in  dessen  Nähe  der  Jakobsbrunnen

liegt. Kupferstich von Jean Baptiste Racine (Paris 1747 – ca. 1805). (1799.) Signiert. 29,7 x 46,3 cm. – Kleiner Wasserrand und meist nur stippenhafte Stockflecken im breiten weißen Rand. – Sehr  schönes  Blatt  im  Druckzustand  vor  der  Schrift . – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 12.540 / EUR  910. / export price EUR  865. (c. US$ 944.) + Versand

Kapelle mit Braubach. Mit schönem Blick auf die Marksburg. Vorn verwilderter Friedhof. Holzstich von Niedermann nach Richard Püttner (Wurzen 1842 – München 1913). Signiert, bezeichnet. 14,6 x 18,7 cm.

Verso: Blick auf Oberlahnstein. Holzstich nach P. 11,6 x 17,5 cm. – Beidseits fortlaufender Lokaltext. – Ein Seitenrand etwas stockfleckig.

Angebots-Nr. 8.799 / EUR  47. (c. US$ 51.) + Versand

Lady  Constances  Klage

Landseer, Thomas (1795 London 1880). Die Totenwache. In Trauer bei dem toten Gefährten hockend. Beide in Affengestalt. Radierung. (1827/28.) Bezeichnet: TL, ansonsten wie unten. 20,2 x 16,4 cm.

Rümann, Das Illustrierte Buch des 19. Jhdts., Leipzig 1930, SS. 99 ff.; Nagler 1; Thieme-Becker XXII, 305. – Auf besonders breitrandigem, schwerem Papier. – Namentlich Ober- und rechter Seitenrand in den Außenpartien ganz schwach stockfleckig. – Mit Lady Constances Klage aus Shakespeares Leben und Tod des Königs Johann:

Thomas Landseer, Now will canker Sorrow eat my bud

„ — now  will  canker  Sorrow  eat  my  bud ,
And  chase  the  native  beauty  from  his  cheek. “

Schöner  Abdruck  auf  großem  Papier  aus  der  berühmten  Monkeyana-Suite , einem der nur wenigen frühen und somit typischen Werke Landseers :

„ Daß man Thomas Landseer nur nach solchen Illustrationen beurteilen darf, beweist ein kleines Büchlein mit Holzschnitten, die so gut wie nichts von seinem Geist fühlen lassen “.

Ab 1827 geschaffen, erschienen die einschließlich Titel insgesamt 25 mit Untertexten aus Klassikern versehenen Radierungen lieferungsweise (The English Catalogue of Books: Januar bis Dezember) 1828 bei Moon, Boys & Graves in London in drei Ausgaben: Normalausgabe in Quart, Ausgabe auf größerem Papier in groß-4° sowie als Ausgabe mit Zustandsdrucken, gleichfalls in groß-4°. Daneben Exemplare auf aufgewalztem China.

Im übrigen qualifiziert Rümann unter anderem :

„ Viel  bedeutender  war  Edwins  Bruder  Thomas  Landseer …

in den zwanziger Jahren trat er selbständig mit einer Serie von 25 Blatt hervor, die 1828 unter dem Titel ‘Monkeyana’ … erschienen (Abb. 57).

Technisch  sind  seine  Radierungen  meisterlich ,

nicht minder bewundernswert ist die geistige Beherrschung des Stoffes. Mit viel Humor und scharfer Beobachtung versetzt er das bürgerliche Leben seiner Zeit ins Affenleben. “

Später widmete sich Thomas Landseer vorwiegend der Wiedergabe der Tierdarstellungen des Bruders Sir Edwin.

Angebots-Nr. 10.824 / EUR  199. (c. US$ 217.) + Versand

Liverpool – St. James Cemetery. Looking North / Looking South. 2 Blatt. Stahlstiche von Fenner nach Thomas Mann Baynes (1794 – nach 1854). 1831. Signiert, datiert, bezeichnet. 10,8 x 15,9 cm. – Unter Gemeinschafts-Passepartout mit Zwischensteg.

Angebots-Nr. 14.097 / EUR  71. (c. US$ 77.) + Versand

Aufferstehung des Fleisches. Die Posaunen des Jüngsten Tages lassen die Erde aufbrechen und das Heer der Toten voll verschiedenerlei Staunens, Dankes, doch auch ungewisser Erwartung dem Kommenden entgegensehen. Kupferstich. (1679.) Bezeichnet. 8,7 x 6,4 cm.

Verso: Vnd ein ewiges Leben, Amen. Die Auferstandenen, vorn Petrus mit dem Schlüssel, folgen dem das Kreuz haltenden Christus zum himmlischen Vater und seinen Heerscharen. Kupferstich wie vor. – Arbeiten eines anonymen Stechers – anderwärts signiert als „Stich fecit“, doch ein solcher nicht nachweisbar – eines Catechismus des Petrus Canisius SJ, Köln 1679.

Angebots-Nr. 13.084 / EUR  35. (c. US$ 38.) + Versand

Lebendigen und die Todten, Von dannen Er kommen wird zu richten die. Der von den Heiligen umgebene Christus oberhalb der Auferstehenden und Lebenden. Kupferstich wie vor. – Verso: Ich glaub in den hl. Geist. Kupferstich wie vor.

Angebots-Nr. 13.086 / EUR  35. (c. US$ 38.) + Versand

Höll, Die. Der Rachen der Hölle, versehen mit dem Auge der Gerechtigkeit, verschlingt die Verdammten. Kupferstich wie vor. – Verso: Das Himmelreich. Bedenck dann … deiner letzten Ding, so wirstu ewiglich nit sündigen. Die Auferstandenen, vorn Petrus mit dem Schlüssel, folgen dem das Kreuz haltenden Christus zum himmlischen Vater und seinen Heerscharen. Kupferstich wie vor. – Schwacher Wasserrand oberhalb des Bildes. Säurefrei hinterlegter Randeinriß.

Angebots-Nr. 15.347 / EUR  35. (c. US$ 38.) + Versand

Trauernder – Pu-Quà. Ein Reisender. Der zu Fuß reisende Chinese. Kolor. Punktierstich von Dadley. Ca. 1810. Signiert. 25,7 x 22 cm.

Aus Lipperh. Le 21. – „ Sein Anzug verrät, daß er um einen Verstorbenen trauert. Er trägt einen Stock, eine Art von Dorn, die in einigen Theilen von China wächst, deren man sich oft zu Reisestöcken bedient. “

Angebots-Nr. 14.635 / EUR  75. (c. US$ 82.) + Versand

„ Das  große  Totentanzblatt “

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Totentanz. Kreiskettenreigen von neun Frauen plus Gerippen um geöffneten Sarg mit zwei Gerippen inner- und außerhalb der Friedhofsmauer als Mittelstück. Darüberhinaus, zurückgesetzt, Kapelle + Beinhaus (?) samt Mauern. In den Ecken Sündenfall – Golgatha – Ewiges Leben + Fegefeuer, dazwischen zwei Textkartuschen. Umgeben im Außenfeld von 12 Medaillons nebst Textkartuschen für den Tanz der Männer, getrennt von 8 (6 verschiedenen) Vanitas-Attributen. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger excud. Aug. Vindel., ansonsten wie nachfolgend. 65,3 x 48 cm.

Th.-Stillfried + Schwarz 1428. – Abbildung in L’Art Macabre 2, Jahrbuch der Europ. Totentanz-Vereinigung, D’dorf 2001, innerhalb des hiesigen Beitrags „Die Vanitas-Symbolik bei Joh. El. Ridinger“. – II. Zustand (von 2?), wie auch das Explr. der Staatlichen Graphischen Sammlung München. – Die Exemplare Stillfried + Schwarz und das der Versteigerung Gräflich Faber-Castell (1958 als

„ Das  große  Totentanzblatt / Hauptblatt “

an Hand ihrer Beschreibungen zustandsmäßig nicht fixierbar. Hingegen erweist sich das von Patrick Pollefeys im Internet vorgestellte als früherer, derzeit zu unterstellender Erstzustand.

Johann Elias Ridinger, Totentanz

Nicht bei Thienemann und in Dresden, siehe unten, fehlend den umfangreichen Beständen Weigel (1857) , Coppenrath (1889/90) , Wawra (1890) , Helbing (1900) , Rosenthal (1940) u. a. m.

Typographisches + figürliches Wz. – Oben + rechts mit nahezu durchgehend feinem Rändchen, links + unten (hier gleichwohl bei 1,5 cm breitem Plattenrand) überwiegend auf Plattenkante geschnitten. – Hälftig alt per Eckmontage auf breitrandiges Bütten aufgelegt, wovon eine Ecke sich unter Rißbildung (restauriert) gelöst hat. Praktisch nicht störende Mittelfalte.

Das  druck-  und  erhaltensmäßig  sehr  schöne  Exemplar

einer gepflegten Sammlung von in allen Partien nuanciertem Hell-Dunkel. Und solchermaßen

von  größter  Seltenheit

nicht allein am Markt, wie oben belegt, sondern generell. Bezifferte doch schon 1675 der Praktiker von Sandrart „saubere Abdrucke“ der samtenen Schabkunst auf nur etwa „50 oder 60 (!). (H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet“. Entsprechend denn 1856 Thienemann (SS. VIII + 270) :

„ Die  Schwarzkunstblätter  sind  im  Handel  fast  gar  nicht  mehr …
zu  bekommen … sämmtliche  von  und  nach  Joh.  El.  Ridinger  gefertigte
(sind)  so  selten , dass  sie  fast  nur  in  einigen  öffentlichen ,
grossartigen  Kupferstichcabineten  zu  finden  sind .

Ich  habe  die  meisten  der  beschriebenen
nur  in  dem  berühmten  Dresdner  Cabinet  angetroffen … . “

Nicht  einmal  dort  denn  aber  das  hier  erstmals  vorliegende

großartige  Blatt  reichster  Thematik ,

das erst 1876 Graf Stillfried bekanntmachte. Die dortigen Zitate nicht ganz akkurat. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 28.933 / Preis auf Anfrage

Buochs (CH), Beinhaus in. Besucherstaffage vor dem Schädelregal. Holzstich bei Adolf Cloß (1840 Stgt. 1894; „seinerzeit einer der besten seines Faches in Deutschland“, Thieme-Becker). (1875/77.) 16 x 13,8 cm.

Verso: Melker von Buochs. Pfeiferauchend am offenen Fenster. Holzstich, wohl nach Charles Hermans (Brüssel 1839 – Mentone 1924). Monogrammiert: CH. 15,5 x 10,8 cm. – Beidseits in sich geschlossener Text zur Folklore, namentlich zum Älplerkilde zur Heimkehr der Herden.

Angebots-Nr. 9.655 / EUR  48. (c. US$ 52.) + Versand

Clemenskapelle und Falkenburg (Mittelrhein). Vorn die erstere, errichtet an der Stätte des von Rudolf von Habsburg gehaltenen Halsgerichts, mit vorgelagertem Friedhof. Holzstich von W. Werkmeister nach Richard Püttner (Wurzen 1842 – München 1913) bei Adolf Cloß, Stgt. (1875/76.) Signiert, bezeichnet. 12,1 x 18,8 cm. – Verso: Sooneck. Mit Elsternschwarm. Holzstich von R. Köber nach P. Signiert, bezeichnet. 22,4 x 11,6 cm. – Beidseits fortlaufender Lokaltext.

Angebots-Nr. 8.803 / EUR  40. (c. US$ 44.) + Versand

Todtenkapelle auf dem St. Gotthard. Holzstich nach 1875er Vorlage von Albert Hertel (1843 Berlin 1912, „Maler heroischer Landschaften“ und „ein echtes künstlerisches Verhältnis zur Natur“, Thieme-Becker). (1875/77). Bezeichnet: AH. (ligiert) 1875., ansonsten wie vor. 21,5 x 13,2 cm.

Verso: Hospiz auf dem St. G. Davor hochbeladene große Wagenstaffage. Holzstich wie vor, doch nach 1876er Vorlage. Bezeichnet: AH. (ligiert) 1876., ansonsten wie vor. 15 x 18,7 cm. – Beidseits fortlaufender Lokaltext.

Angebots-Nr. 9.795 / EUR  69. (c. US$ 75.) + Versand

Bauernfeind, Gustav (Sulz a. N. 1848 – Jerusalem 1904). Friedhof von Silenen. Holzstich nach B. (1875/77.) Bezeichnet: GBfd, ansonsten wie vor. 13,3 x 18,5 cm. – Verso: Zwing-Uri. Holzstich wie vor. 12,9 x 19,4 cm.

Angebots-Nr. 9.649 / EUR  48. (c. US$ 52.) + Versand

– – Das Innere eines etruskischen Grabes bei Perugia. Blick durch die mit allerlei Gebrauchsgegenständen und religiösen Zeichen bestückte Vorhalle auf das eigentliche Grabmal. Holzstich nach B. (1876.) Bezeichnet: G. Bauernfeind., ansonsten wie vor. 19,7 x 15,2 cm.

Beidseits lokaler Text. – „Perugia … die gewaltigste aller Etruskerstädte … einst eine so starke Festung, daß sie selbst Hannibal nach seinem großen Sieg am Trasimenersee nicht anzugreifen wagte.“ – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 10.192 / EUR  40. (c. US$ 44.) + Versand

– – Etruskische Felsengräber von Castel d’Asso bei Viterbo. Links die Grabeingänge, rechts hinten über der Ebene dieser malerischen Landschaft niedergehender Regen. Holzstich des Monogrammisten F. W. (Friedrich Weigand, geb. Wien 1842?). (1876.) Bezeichnet: GB. (ligiert) / F. W. Sc., ansonsten wie vor. 11,7 x 18,8 cm. – Beidseitiger Lokaltext.

Angebots-Nr. 10.199 / EUR  46. (c. US$ 50.) + Versand

Hogarth, William (1697 London 1764). The Idle ‘Prentice at Play in the Church Yard, during Divine Service. Der Zeugweberlehrbursche Faulhans mit Schuhputzer-Jungen und zwei weiteren Genossen beim Hazardspiel auf dem Kirchhofe während des Gottesdienstes, an einem  ausgehobenen  Grabe  gar, und vom Bettelvogt mit Nachdruck ihres lasterhaften Tuns verwiesen. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). 1795. Signiert, datiert, bezeichnet. 28,6 x 36,5 cm.

Industry and Idleness III. –  Herrlicher  Abdruck auf schwerem Papier. Dessen breiter Rand oben rechts mit schwachem Wasserstreifen. Im übrigen – im Gegensatz zu allen späteren Hogarth-Ausgaben –  in  dessen  ursprünglichem  Folio-Format. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 7.530 / EUR  373. / export price EUR  354. (c. US$ 386.) + Versand

– – Dasselbe. Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840). Signiert, bez. 22,5 x 28 cm.

Riepenhausens Stiche nach Hogarth („Sehr schätzbar“) zählen zu seinem Hauptwerk und werden teilweise sogar den Hogarth’schen Blättern vorgezogen. – Auf leicht getöntem minderen Papier.

Angebots-Nr. 5.645 / EUR  76. (c. US$ 83.) + Versand

– – Dasselbe. Stahlstich. Ca. 1850. 13 x 16 cm.

Angebots-Nr. 7.689 / EUR  43. (c. US$ 47.) + Versand

Unbußfertigkeit fürsätzlich verharren, In der. Diese Sünden werden in dieser und jener Welt gar nit, oder schwerlich verzihen. Eingehüllt in Decken weist der Sterbende die Sakramente, die ihm der links stehende, vom Erzengel begleitete Geistliche reichen will, zurück. Derweil von rechts der geflügelte Satan nach ihm greift. Ein zweiter das Kreuz des Heilands verhüllend. Rechts eine gefüllte Schatztruhe, der Pfeil des Todes dagegen die Taube des Heiligen Geistes treffend. Kupferstich. (1679.) Bezeichnet. 8,6 x 5,8 cm.

Verso: Ein verstocktes Herz haben. Der König auf dem Thron noch im Alter der Versuchung der Schlange zuneigend. Durch das Fenster Blick auf die Verdammung des Jüngsten Gerichts, das ihm seine Berater vor Augen halten. Wiederum der Pfeil des Todes gegen den Heiligen Geist gerichtet. Kupferstich wie vor. – Arbeiten eines anonymen Stechers – anderwärts signiert als „Stich fecit“, doch ein solcher nicht nachweisbar – eines Catechismus des Petrus Canisius SJ, Köln 1679. – Zwei bis in den Untertext reichende Einrisse unten rechts säurefrei hinterlegt.

Angebots-Nr. 14.372 / EUR  35. (c. US$ 38.) + Versand

Bracht, Eugen (Morges 1842 – Darmstadt 1921). Hünengrab auf der Lüneburger Haide. In malerischem Mondlicht, vorne auf dem Pfad Rammler mit Häsin. Holzstich bei Adolf Closs, Stgt. (1880/81.) Bezeichnet: A. Closs X. I. / Eugen Bracht, ansonsten wie vor. 17,4 x 23,6 cm.

„ (Bracht) hinterläßt ein umfangreiches maler. und zeichner. Œuvre, das sich nahezu ausschließl. der Landschaft widmet … Die erste Hauptschaffensphase (1875-93) zeigt versch. dt. Heidelandschaften (Lüneburger Heide, Rügen, Hohes Venn) mit pastoralen und historisierenden Motiven. Der überregionale Erfolg seiner kargen Landschaftsschilderungen bringt offizielle Aufträge … “

(Manfred Großkinsky, Allgemeines Künstler-Lexikon XIII, 1996, 511). – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 8.365 / EUR  64. (c. US$ 70.) + Versand

Wernerkapelle in Bacharach. Mit schöner Ansicht des vorgelagerten Friedhofes. Holzstich von A. Wolf bei Adolf Cloß, Stgt. (1875-76.) Signiert, bezeichnet. Ca. 19 x 18,8 cm. – VERSO: In der Pfalz (Caub). Holzstich nach Richard Püttner (Wurzen 1842 – Mchn. 1913). Signiert, bezeichnet. 14,3 x 8,3 cm. – Beidseits fortlaufender Lokaltext.

Angebots-Nr. 8.800 / EUR  35. (c. US$ 38.) + Versand

Frans Stroobant, Grabmal des Erzherzogs Ernst von Österreich, St. Gudula Kirche, Brüssel

Intérieur de l’Église Ste Gudule, a Bruxelles. Das Grabmal des Erzherzogs Ernst von Österreich in der gotischen Kathedrale St. Gudula und St. Michael. Im Vordergrund Pater nebst Meßjungen. Farblithographie von Frans Stroobant (Brüssel 1819 – Elsene 1916). Bezeichnet: F. S (18)51 / F. Stroobant del. et lith. / C. Muquardt éditeur. / Imp. Simonau & Toovey, Bruxelles., ansonsten frz.-dt.-engl. wie vor. 34,5 x 22,1 cm.

Boetticher II/2, 855. – „… belgischer Architekturmaler … machte sich durch Werke und Zeichnungen zur Geschichte der Kunst, seiner Heimat namentlich, bekannt.  Mehrere  der  Zeichnungen  hat  er  selbst  lithographiert .“ So  auch  die  hiesige .

Der  bedeutendste  Sakralbau  der  Stadt ,

neben dem Grabmal des jüngeren Bruder Rudolfs II auch die Grabkapelle der Maler mit u. a. dem Grab Roger van der Weydens beherbergend, während im Chor das Ordenskapitel vom Goldenen Vlies als Teil des „Glanzvolle(n) Höhepunkt(es) im Reigen der Abdankungen (um Karl V.) und Neuinthronisationen“ (Heinz Schilling) am 22. Oktober 1555 Philipp II. von Spanien zum neuen Großmeister wählte.

Angebots-Nr. 15.507 / EUR  148. (c. US$ 161.) + Versand

Mit  briefträgerlicher  „ehemännlicher  Genehmigung“

673.120  Mark  ( und  das  vor  115  Jahren ! )  für  die  Gattin

Erbschein für Louise Friederike Therese Schubert, geb. Häusser, Ehefrau des Briefträgers Johann Friedrich Carl Sch., Übertragung und Zusammenlegung des von dem Webermeister Johann Gottlieb Erdmann Häusser nachgelassenen Grundbesitzes zu Stadt- und Kirchremda (Sachsen-Weimar) betreffend. Ausgefertigt Blankenhain 17. Januar 1889. Handschrift auf Papier. Kl.-2°. 6 unnum. Bll. Mit Landesfarben-Kordelheftung und Amtsgerichts-Papier-Siegel.

„ Die Erben  bezüglich  ehemännlicher  Genehmigung  haben die Erbschaft des Verstorbenen angetreten. Witwe Heusser hat auf ihr Erbrecht am Nachlaßgrundbesitz zu Gunsten ihrer Tochter, unter deren Annahme, verzichtet.

„ Frau Luisa Frederike Therese Schubert geborene Heusser hat  mit  ehemännlicher  Genehmigung  um Übereignung des Nachlaßgrundbesitzes auf sie und um Ausfertigung eines Erbscheins über den dazugehörigen Grundbesitz gebeten … ”

Mit  beigeheftetem Katasterauszug (Formulardruck) nebst Amtsstempel und dataillierter Eintragung des der Witwe Marie Katharine Friederike Häusser, geb. Morgenroth, und der obengenannten gemeinsamen Tochter nachgelassenen Grundbesitzes des am 24. September 1888 verstorbenen und Zeugnis des infolge Erbverzichts der Witwe zu Gunsten der Tochter gebotene Zusammenlegung der verschiedenen in Stadt- und Kirchremda gelegenen Grundstücke im Gesamtwert von 663.120 Mark. Daran anschließend die Festlegung der Steuer- und Rentenzahlungen sowie Vorlagebestätigungen bei der Stadtsteuereinnahme und der Pfarrei als Ab- und Zugangsbehörde. Rückseits weitere Bestätigungen. – Mit Urkunden-Wz. bzw. Blindprägung Großherzogthum Sachsen nebst Wappen. – Unwesentliche Mittelfalte.

Angebots-Nr. 10.412 / EUR  118. (c. US$ 129.) + Versand

London – St. John the Baptist, Savoy. Im Vordergrund der offenbar aufgelassene alte Kirchfriedhof mit weidenden drei Schafen und einem Esel. Stahlstich von James Baylie Allen (Birmingham 1803 – London 1876) nach Thomas Hosmer Shepherd (Landschafter, Architekturzeichner, Aquarellist, 1793-1864). 1830. Signiert, datiert, bezeichnet. 10,7 x 14,6 cm.

Angebots-Nr. 9.237 / EUR  25. (c. US$ 27.) + Versand

Gold  –  Hypotheken  –  Wertpapiere

Hogarth, William (1697 London 1764). Die Erbschaft. Der frischgebackene Erbe des reichen Geizhalses Rakewell bereitet seinen Eintritt in die Gesellschaft vor. Im Vordergrund läßt er sich neue Beinkleider anpassen, indes sich der breit hinter ihm sitzende,

das  Nachlaßverzeichnis  zusammenstellende  Notar

vorab schon einmal mit dem Nötigsten versorgt, während Jung Rakewell Guineen feilhält für die, die sie nicht nehmen wollen, nämlich Sarah Young und ihre Mutter. Oben an der Decke bricht dem Tapezierer eine Leiste, worauf sich ein Goldregen bodenwärts ergießt. In der Kammer nebenan die etlichen Perücken des verblichenen

Sammlers  lukrativer  Wertpapiere  +  Hypotheken,

die nun, gebündelt und lose herumliegend, ihrer Verwertung entgegensehen. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Pl. I. / Hogarth pinxt. / T. Cook sculpt. / Published by Longman, Hurst, Rees, & Orme, Novr. 1st. 1806. Bildgröße 14,2 x 16,4 cm.

Blatt 1 der The Rake’s Progress-Folge, vertont von Igor Strawinsky (1882-1971). – Cook’s kleinere Fassung ohne den durch den Serientitel ersetzten mehrstrophigen Untertext. – Cook „machte sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher“ (Thieme-Becker). – Innerhalb des breiten weißen Plattenrandes geschnitten, der dreiseits im Außenbereich etwas altersgebräunt ist, rechts zudem zwei kleine säurefrei hinterlegte Randeinrisse. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 8.866 / EUR  95. (c. US$ 104.) + Versand

– – – Dasselbe in Kupferstich von Carl Heinrich Rahl (Hoffenheim 1779 – Wien 1843). (1818/23.) 21 x 27 cm. – Etwas blasser Druck.

Angebots-Nr. 7.641 / EUR  118. (c. US$ 129.) + Versand

– – – Dasselbe in Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840, Univ.-Kupferstecher ebda.). Bezeichnet: 13. / W. Hogarth inv pinx. 1735. E. Riepenhausen d. sc. / Plate. 1. 20,5 x 27.2 cm. – Auf leicht getöntem minderen Papier. – Namentlich im weißen Unterrand schwache Altersflecken. – Riepenhausens Stiche nach Hogarth („sehr schätzbar“, Nagler) zählen zu seinem Hauptwerk und werden den Hogarth’schen Kupfern teilweise sogar vorgezogen.

Angebots-Nr. 7.901 / EUR  165. (c. US$ 180.) + Versand

– – – Dasselbe in Lithographie von O. C. Apelt (vor 1829 – nach 1840). (1833/36.) Bezeichnet: 67. / O. C. Apelt 1834 / Der Weg des Liederlichen. 22,8 x 22 cm. – Ausführlicher Untertext à la Lichtenberg in Deutsch.

Angebots-Nr. 11.836 / EUR  240. (c. US$ 262.) + Versand

Von  graphisch  brillantester  Delikatesse

ein  potenziertes

OMNIA  MIHI  SUBDITA (II)

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). OMNIA MIHI SUBDITA. Die Herrschaft des Todes wie oben. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger delin. et excud. Aug. Vind., ansonsten wie vor. 57,3 x 41,4 cm.

Johann Elias Ridinger, Herrschaft des Todes II

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

wie vor mit deren Lot-Nr. 146/2 auf dem Untersatzkarton

Schwarz (Coll. Gutmann, 1910) 1477; Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik I/1 (1975), 270 mit Kenntnisstand von Schwarz; Faber-Castell 146 (zusammen mit Stillfried/Schwarz 1427 im II. Zustand als obige 14.857). – Vgl. Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger in Wunderlich (Hrsg.), L’Art Macabre 2, 2001, Abbildung S. 105 (II. Zustand von St./Schw. 1427 im Explr. der SGS Mchn.).

Nicht bei Thienemann (1856), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Slg. Gg. Hamminger (1895), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1554 Positionen; 1900), Schwerdt (1928/35), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Die  Stillfried  (1876)  unbekannt  gebliebene  und  auch  von  Schwarz  nicht  als  solche  erkannte

hier  erstmals  identifizierte  Zweitversion

dieses  unglaublich  fascinierenden  Blattes

in  einem  Exemplar  von  letzter  Schönheit

und  graphischer  Raffinesse

als von unter anderem entscheidender Umgewichtung begleitete Wiederholung von Stillfried/Schwarz 1427, für die hier gleichfalls erstmals ein II. Zustand mit gleichem Pedigree nachgewiesen und beschrieben werden konnte (siehe oben).

Schwarz‘ Annahme, die Abweichungen anstehender Variante 1477 beruhten lediglich auf Überarbeitung der 1427er Platte, ist unzutreffend. Wie unten belegt, handelt es sich um eine Arbeit von eigener Platte, deren thematisches Spotlight mittels kleiner Verschiebung eine präzisierte Botschaft erhellt :

der  auf  den  Blattitel  gerichtete  „Presens“-Pfeil

weist  nicht  mehr  zwischen  die  Worte  OMNIA + MIHI ,

sondern  direkt  auf  das  M  des  MIHI !

Erfolgte angesichts des Vorliegens beider, die Fakten aufdeckenden, Varianten die Katalogisierung für Faber-Castell unzulänglich, so ergibt sich Schwarz‘ irrtümliche Annahme eben aus seiner Unkenntnis des 1427er Zweitzustandes von der oben verkürzten Platte. Denn seine Variante 1477 repräsentiert in der Höhe wieder das ursprüngliche Format, endet also wieder erst 1,5 cm oberhalb des Bogens. Hingegen hat sie eine um ca. 8 mm geringere Breite mit der von ihm übersehenen Folge einer beidseitigen geringfügigen Bildverkürzung. Wie sich denn generell die abweichenden „kleinen Varianten“ (Schwarz) zu einer ansehnlichen, gleichwohl erst auf wiederholten Blick hin bemerkbaren Masse verdichten, die einander gegenüberzustellen hier zu weit führte und nicht zuletzt

dem  Kenner ,

der  „noch  an  die  Wichtigkeit  der  Etats  glaubt“

(Max Lehrs 1922 in Würdigung des Altmeister-Sammlers Julius Hofmann) die Freude, ja, das Glück, der eigenen Entdeckung schmälerte. Was geradezu als unfair empfunden werden muß angesichts hiesigen Vorliegens  beider Varianten, 1427 + 1477, und damit der Möglichkeit

eines  Erwerbs  beider  Blätter ,

ganz  so  wie  einst  Gräflich  Faber-Castell

bei indes noch Angewiesengewesenseins auf die Chance einer zweiten Zugriffsmöglichkeit.

Doch der Lust der Vergleichsmöglichkeit beider Blätter steht anstehendenfalls noch eine Befriedigung ganz anderer Qualität ins Haus, wie hier aus dem Stegreif für keinen anderen Fall Ridinger’scher Schabkunst erinnerlich. Denn zumindest im obigen Zweitzustand bedient sich 1427 zur Realisierung des thematisch bedingt so überaus komplexen Bildes vereinfachend gravierter Umrißlinien, statt – wie hiesige „Wiederholung“ 1477 – alles allein aus der Abstufung von Hell und Dunkel als dem Prinzip der Schabkunst herauszuarbeiten.

Wo gravierte Linien partiell zwangsläufig zu feinerer Ziselierung führen, ist es faszinierend, deren „gröbere“ Verwirklichung aus dem staunenmachend schwierigen Spiel von Licht + Schatten gebildet zu sehen. Und vergleichend zu beobachten, wie billig anderwärts solche Linien Faltenwürfe abhaken, die in der reinen Schabkunst aus sich selbst herauswachsen. Oder Hains Stirn krausziehen oder dessen Gliedmaße + Gelenke behandeln.

Beide Versionen stammen von der Hand Johann Jacob’s. Sie miteinander zu vergleichen, führt somit weit über das Nebeneinander von Abweichungen üblicher Art hinaus, ist vielmehr ein in medias res der Technik selbst gehen. Welch eine Chance des Lernens, des Einstiegs in das Raffinement graphischen Ausdrucksvermögens, der Verfeinerung der Qualitätserkenntnis!

Der mit seinem vergleichsweise nur schmalen geschabten Beitrag so ganz im Schatten von Vater und älterem Bruder stehende Johann Jacob, mit anstehendem Blatte von Schwarz 1477 zeigt er seine Ebenbürtigkeit,

seine  ganze  Meisterschaft  auf  dem  Felde  der  bravourösen  Schabkunst .

Wurde anstehendes Sujet erst 20 Jahre nach Thienemanns Kabinett-Besuchen von Graf Stillfried erstmals vorgestellt, doch, wohlgemerkt, nur im Erstzustand von 1427, überraschte erst 34 Jahre später Schwarz mit zusätzlich 1477, von letzterem mit weiterem Intervall von 48 Jahren das Exemplar von Faber-Castell marktgängig wurde, zusammen mit dem 1914 erworbenen Zweitzustand von 1427, beide dann absorbiert von anderer gräflicher Ridinger-Sammlung mit Schwerpunkt Schabkunst. Und nach 47jährigem dortigen Verbleib nun hier und heute.

Das  druckadäquat

herrlich  erhaltene  Exemplar

Gräflich  Faber-Castell

mit umlaufend 4-13 mm breitem Rand mit wohl Wasserzeichen WANGEN nebst separater IV wie für zeitgenössische Abdrucke stehend. – Von zwei aufeinander zulaufenden, gänzlich geglätteten Falten mittig die eine bei leichter Quetschung links außen rückseits verstärkt,. Zwei schwache parallele Faltspuren, alles bildseits kaum wahrnehmbar, zudem am oberen Bildrand, davon die eine noch den Abschluß des Gewölbebogens durchziehend. In diesem auch ein ungefärbt gebliebener haarrißfeiner Auslauf eines von oben kommenden Fältchens vom Druck her. Einige wenige stecknadelkopf/spitzenkleine Abreibungen. Rückseitiger leichter Stockstippenanflug unten nicht ins Bild durchschlagend.

Solchermaßen denn  eine  Trouvaille  von  rundum  extremer  Seltenheit  in hier nun

ganz  frühem  Druck

von  unvergleichlich  schöner  Plastizität .

In  einem  absoluten  samtenen  Braun  und  Schwarz ,

aus  dem  alles  körperliche  Weiß  braun-weiß  herausleuchtet .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 14.858 / Preis auf Anfrage


„ soeben wurde die (Ridinger-)Gams zugestellt - unversehrt. Herzlichen Dank für die prompte und professionelle Abwicklung “

(Herr G. R., 29. Juli 2016)