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Ridinger – Offerten

um  die

Johann Elias Ridinger, Vos estis Lux Mundi

die  Connaisseurs  sich  drängen

„ Hm ,

wieder  ganz  ridinger  handlung . “

„ Und  gräflicher  Provenienz  dazu ! “

„ Tja ,

wie  der  Rheinländer  sagt ,

‚ Geh  zum  Schmied  und  nicht  zum  Schmidtchen ’ . “

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

deren Ridinger-Versteigerung 1958

meist mit deren Lot-Nummern

auf dem Untersatzkarton

Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen

(1922 – 2004)

Mit Fixpunkt in der Ridinger-Zeit – 1768 wird das reichsunmittelbare Grafengeschlecht Castell mit dem Obermundschenkenamt des Fürstentums Würzburg belehnt – , reichen die Wurzeln weit tiefer in die Historie. 1323 wird Schloß Rüdenhausen erstmals als Wasserburg genannt, vom 14. bis zum 16. Jahrhundert wird es von den Grafen zu Castell an verschiedene Geschlechter zu Lehen gegeben. Seit 1555 ist es der eigene Wohnsitz der Grafen (seit 1901 Fürsten) zu Castell-Rüdenhausen.

Der diese Geschlechter immer wieder belebende lange Atem der Geschichte adelt im wahrsten Sinne des Wortes auch deren Sammlungen und fasziniert bei gelegentlichen Auflösungen das kurzatmige Heute. Kennzeichnend für die auf Ridinger gerichtete Castell’sche Sammeltätigkeit denn auch

die  ganze  Werkdurchdringung

des Œuvre, wie anderwärts vielfach zu eigener Lustminderung nicht einmal mehr angestrebt.

Dem  Ridinger

der  Historie , des  Glaubens , der  Schabkunst ,

kurz ,

dem  Meister  in  seiner  größten  Rarität ,

den  Beispielen  besonderen  graphischen  Raffinements ,

gehört hiesigerseits denn auch seit jeher das den Erhalt und die Fortentwicklung des

Ridinger’schen  Selbstverständnisses

und damit nicht zuletzt die Zukunft des Werkes im Auge habende künstlerische Interesse.

Soweit nicht anders erwähnt, stammen die anschließend als Auftakt eines neuen Ridinger-Jahres ausgewählten Stücke aus der Ridinger-Sammlung des Grafen Radulf zu Castell-Rüdenhausen als aktivem Teilnehmer der 1958er Ridinger-Versteigerung Gräflich Faber-Castell als wohl zu unterstellender Initialzündung für die nun jugendlich neu erblühende Ridingeriana-Versammlung, der sich nachträglich auch Rückgänge der Versteigerung ebenso zugesellten wie selbst dort nicht vertreten gewesene Pretiosen. Nicht zuletzt sah sich der Liebhaber auch der

Menzler’schen  Ridingeriana

(Verzeichnis deren hiesigen Bestandes aufliegend) in seiner Wertschätzung dieser gut hundert Jahre später als nicht allein wandtüchtige, vielmehr auch sammlungsbereichernde Ton-Lithographien – in ihrer Wirkung an die von Ridinger nicht mehr angewandte malerische Aquatinta-Technik erinnernd – bestätigt. In stilvoller Rahmung durchzogen sie in nahezu kompletter Reihe die Privatgemächer Graf Radulf’s. Und rundeten solchermaßen ein Ridinger-Selbstverständnis von Adel ab.

 

Der  größte  Ridinger  des  Œuvre

Johann Elias Ridinger, Der Saurüde von Th. 917

mit  dem  Saurüden  als  Markenzeichen

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Obsidio et expugnatio (siehe unten) Halicarnassi, urbis totius cariæ capitis. / Die Belagerung (und Eroberung) der Haupt=Stadt Halicarnassus unter Alexander dem Grossen. Das Schlachtgetümmel – mit mithetzendem Saurüden ganz vorn unten links oberhalb der Ridinger-Signatur, wie solcher auch auf der 331er Tigris-Überquerung (siehe unten) noch mitschwimmt und „Ridinger-Hunde“ auf 1723er Alexander-Zeichnung gleichfalls die Signatur bewachen, während in der 1722er Reitschule zwei Saurüden die Übungen von Th. 620 beaufsichtigen – gemäß nachfolgendem Untertext im ersten Jahr des Alexanderzuges, 334 v. Chr., mit Alexander auf Schimmel (Bukephalos?) rechts im Mittelgrund, zwei Kriegern zu Fuß Order erteilend. Kupferstich von Johann Daniel Herz I (1693 Augsburg 1754). Frühe 1720er. Bezeichnet: LXXXVII (Plattenrand oben Mitte) / Ioh. Elias Ridinger invent. et delin. (im Textrand unten links) / Senior Iohann Daniel Herz sculp et exc Aug. V. (im Bildrand unten rechts), ansonsten wie vor und per ausführlichem Untertext. Blattgröße 75,5 x 91,8 cm.

Provenienz

wie  vor

Thienemann 917 + Nachtrag SS. 296 ff. („jetzt nur selten vorkommende[s] Blatt“, 1856); Schwarz 917 (recte Zustand II von II statt Zustand I); Nagler, Ridinger, XIII, S. 162 ( „reiche Composition“ ); Thieme-Becker XXVIII (1934), 308-311: VII. Verschiedenes: (Zwei) Schlachten Alexanders d. Gr.; Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900) 1488 ( „Selten“ ).

Nicht unter den umfassenden Ridinger-Beständen bei Weigel, Kunstlager-Catalog I-XXVIII (1838/56), Coppenrath (1889/90) + Schwerdt (1928/35), wie denn auch hierselbst über die Jahrzehnte hinweg nun erstmals vorliegend.

Das  monumentale  Blatt

Johann Elias Ridinger, Die Belagerung und Eroberung von Halicarnassos

– Gegenstück  zur  331er  Tigris-Querung –

(siehe unten) im Zweitzustand nach Änderung der früheren Bezeichnung „Cum Privileg. Sac. Cæs. Majest. / Ioh. Daniel Hertz sculpsit / Hæred. Ieremiæ Wolffij excud. Aug. Vind.“, wie von Schwarz per 917a als irrtümlich Zweitzustand beschrieben,

herrlichen  Druckzustands  leuchtenden  Hell-Dunkels

mit seitlich feinem Rändchen um die Bildkante, unten 3 mm unterhalb des Textes und oben 5 mm oberhalb Bildkante mit der von Thienemann + Schwarz nicht erwähnten Nummer. – Alte Dublierung unter Glättung früherer vertikaler Mittelfalte und letztlich sehr guten Gesamtzustandes, wie bei solch schwer zu verwahrenden Übergrößen

– der  Druck  gleichwohl  von  nur  einer ( sic ! ) Platte ! –

nicht die Regel. – Unlesbarer Blindstempel zwischen den beiden Blöcken des Untertextes und dortige Gräflich Faber-Castell’sche Lot-Nr. 65 in Rot. Eine kleine leichte Überschwärzung am linken unteren Bildrand in jeweils ein Wort der ersten beiden lateinischen Textzeilen auslaufend.

Früharbeit  Ridingers

entstanden bald nach seiner nicht vor 1719 anzusetzenden Rückkehr vom dreijährigen Aufenthalt bei Baron (so ADB entgegen Kilian/Thienemann: Graf) Metternich in Regensburg, als „alle Kenner … seine erlangte Geschicklichkeit und Stärke sowohl in Historien- als Tierstücken bewunderten“ (Thienemann), er gleichwohl noch nicht selbst in Kupfer arbeitete. So „malte (er) da anfangs für den Kunsthändler Dan. Herz (recte Jeremias Wolff, zusätzlich auch für Herz belegt erst 1732, siehe unten) verschiedene historische Darstellungen“ (Nagler), davon alexanderbezogen neben anstehender Halicarnassos-Belagerung die 331er Überquerung des Tigris bei Bedzabde (Th. 918, siehe unten) zum Treffen gegen Dareios (III., letzter der Perser-Könige) mit der Entscheidungsschlacht am 1. Oktober bei Gaugamela unweit Arbelas. Beide seitens Naglers, der die Überquerung irrtümlich für den Granikos reklamiert, das Blatt also zumindest nur ohne dessen Untertext kannte, qualifiziert als „reiche Compositionen“, sind es zugleich

herrliche  Beispiele  früher  Reife  und  Vollendung

wie schon verschiedentlich an Hand anderer Frühwerke konstatiert („daher ist diese Zeichnung für die Kenntnis seines bereits perfekten Stils in jungen Jahren von Bedeutung“ , Nebehay 88,2 zur 1721er Zeichnung zu Th. 1). Vor allem aber Ridinger’s

Tribut  an  die  Alexander-Verehrung  seiner  Zeit

und  als  Ausdruck  seiner  ganz  persönlichen  Bewunderung .

Militär-, lokal- und kulturhistorisch von hohem Rang, dokumentiert der jugendliche Ridinger mit der Scenerie gerade dieses Umfeldes bereits seinen ganzen Spürsinn für die außerordentliche Situation, kulminierend nur wenig später in besagter 1723er Hyphasis-Zeichnung. Formatmäßig aber ist

Halicarnassos

der  monumentalste  Ridinger

des  Œuvre

von  extremster  Seltenheit

wie im übrigen generell belegt für die noch seitens Dritter gestochenen Blätter der frühen Jahre. Hier denn mit Provenienz Gräflich Faber-Castell!

„ Es  ist  immer  wieder  atemberaubend , was  für  Angebote  Sie  machen  können “ ,

so früher schon ein internationaler Verleger gelegentlich einer anderen hiesigen Ridinger-Offerte. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 14.869 / Preis auf Anfrage

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Zeus. Kupferstich. Bezeichnet: J E R. 19,8 x 16 cm.

Provenienz

wie  vor

Th. + Schwarz 845; Gräflich Faber-Castell (1958) 59 in irriger Annahme der Zugehörigkeit zu den drei Folgen der „Unterschiedliche Vorstellungen einiger aus dem Alterthum zur Historie dienlich(en) Figuren“, siehe diese sowie Thienemanns aktualisierte Abfolge (1. Separat-Nachtrag, SS. 5 ff.), entsprechend Schwarz I, SS. 111 f.

Ridinger’s

Johann Elias Ridinger, Zeus

seltener  Zeus

nicht  bei  Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57; mehr als 1000 R.-Bll. des rad./gest. Werkes) , Schles. R.-Slg. bei Boerner (1885; „von grösster Reichhaltigkeit … viele Seltenheiten) , Slg. Coppenrath (1889/90) , R.-Slg. bei Wawra (1890; neben 234 Zeichnungen 600 Graphiken) , Slg. Reich auf Biehla (1894; „Von allen [R.-Slgn.], welche seit langer Zeit [verhandelt wurden], kann sich keine in Bezug auf Vollständigkeit und Qualität auch nur annähernd mit der vorliegenden … messen … besonders die Seltenheiten und unbeschriebenen Blätter, welche in reicher Anzahl vertreten sind“; 1266 Blatt zuzgl. 470 Doubl. + 20 Zeichn.) , R.-Katalog Helbing (1900; 1554 Nrn.) , R.-Liste Rosenthal (1940; 444 Nrn.).

Die Seiten auf bis innerhalb der Plattenkante geschnitten, dabei rechts oben bis nahezu an die Bildeinfassung. Oben + unten mit 4-6 mm Rand. – Rückseits an den Rändern alte Montagespuren sowie drei Gesichtsskizzen in Bleistift.

Angebots-Nr. 15.229 / EUR  345. / export price EUR  328. (c. US$ 358.) + Versand

„ Was  nicht  durch  die  Phantasie  umgestaltet  wird ,

bleibt  Abklatsch “

Rubens–Urständ  bei  Ridinger

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Vos estis Lux Mundi Matth. 5. V. 14. Dicht beieinander stehende Vierergruppe je eines Papstes + Kardinals sowie zweier Bischöfe, davon der vordere mit Krummstab, in Dreiviertelfigur, der Auslegung des Kardinals von „Narrantes carmina scripturarum Eceti. 44. V. 5“ lauschend, wie in dem von ihm gehaltenen Buch auf auch vom Papst umfaßter aufgeschlagener Seite zu lesen. In Rahmenfassung mit blumenumwundenem gerundeten Oberteil nebst Muschel-Kartusche mit Titel als Mittelstück. Schabkunstblatt nach Details zweier Öle von Peter Paul Rubens (Siegen 1577 – Antwerpen 1640). Bezeichnet: Rubens pinx. / Ioh. Elias Ridinger excud. Aug. Vind., ansonsten wie vor. 55,4 cm Blatthöhe x 47,4 cm Plattenbreite.

Provenienz

wie  vor

Thienemann 1289; Gräflich Faber-Castell 116 („Selten“, 1958); Rosenberg, Rubens, 2. Aufl. (1906), 230 + 288 (Fehlpag. 228) nebst Abbilungen. –  Siehe  Eingangs-Abbildung .

Nicht  bei Weigel, Kunstlager-Catalog I-XXVIII (1838/57) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900) , Schwarz (1910) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940) .

Das  hier  seit  Thienemann (1856)

einzige  nachweisbare  Exemplar

mit allen Merkmalen 250jährigen Durchfahrens der Wellenkämme der Zeit. So denn mit namentlich vertikal sichtbarer sowie horizontaler Falte, indes die die Blumengirlande im oberen Bildabschluß durchziehende horizontale kaum auffallend und solchermaßen auf dickem wolkigen Papier altmontiert. Zweiseits mit 5-9 mm Rändchen, rechts auf Plattenkante geschnitten und unten unterhalb der Signaturen und der oberen Einfassung der dortigen Muschel-Kartusche unter etwa 6-8 cm Verlust der für Eintragungen individueller Natur gedachten, gleichwohl bei den erhaltenen Exemplaren in der Regel leergebliebenen – und hier denn offenbar als bildentbehrlich empfundenen – Schrifttafel. Der an sich sehr schöne Druck selbst stippenhaft berieben bei kleiner Papierabschabung ohne Buchstabenverlust innerhalb der Titelkartusche sowie einige haarrißfeine geglättete Fältchen und kleine Randeinrisse. Alles in allem nahe einer Ruine, gewiß, doch ebenso gewiß, daß Ruinen vielfach sehr reizvoller Betrachtung sicher sein dürfen. Ganz so wie anstehendenfalls

der  bildhafte  Charme  dieses  sympathischen  Sujets

mit dem Ridinger nach Bezogenheiten etwa auf Watteau, Roelant Savery, Jacob van Ruisdael ein weiteres Mal seine – hier ausgesprochen geistvolle – Könnerschaft zeigt, sich Einflüssen zu bedienen, die gleich Fürsten- und Adelsgeschlechter eben auch die Kunst durchziehen, wie schon Goethe fürs eigene Werk bekennend.

Hier  denn  nach  Rubens .

Doch während Thienemann – „Die Idee von Rubens’ Gemälde entnommen“ – nur an eine Vorgabe dachte, sind es zumindest deren zwei.

Am augenfälligsten inspiriert von der rechten Bildhälfte dessen „Die Taufe Konstantins“ (Rosenberg 230), vorgenommen seitens des Papstes, dem zwei Bischöfe und ein Kardinal zur Seite stehen, davon letzterer im zweiten Glied, wie einer der beiden Bischöfe bei Ridinger.

Thematisch und kompositionell gleichwohl noch näherstehender die Sechsergruppe „Die Verteidiger des Abendmahls“ (Rosenberg 288), innerhalb derer der Kardinal zwar zur Rechten separiert steht vom linksseitigen Papst nebst den beiden Bischöfen, doch ebenfalls in aufgeschlagenem Buche liest. Und Ridinger’s Einfassung seiner Vierergruppe in oben gerundetem und drapiertem Rahmen mit Muschel-Mittelstück entspricht ganz der Komposition Rubens’, der seine Scenerie wie auf einer Bühne arrangiert, beidseits betont begrenzt von je zwei Säulen, oben innerhalb von Kopfarchitektur vorhangartig gerundet und einschließlich Früchten verschiedenfältig drapiert mit großem Muschelstück als Aufsatz. Und wenngleich Ridinger seine Heiligen-Blätter bestimmungsgmäß nach unten ziemlich generell mit unterschiedlich breiter Schrifttafel nebst Muschelstück abschließt, so kommt anstehendenfalls dieser – hier abgeschnittene – Abschluß jenem bei Rubens sehr nahe, der den Bühnencharakter seiner Komposition nach vorn/unten mittels von Dekorationsstück unterbrochenem Mauerwerk unterstreicht.

„ Was nicht durch die Phantasie umgestaltet wird – notiert Otto Modersohn 1897 in seinem Tagebuch – , bleibt Abklatsch “ (zitiert nach Katalog Ausstellung Fischerhude, 1978, Seite 347).

Hier denn Ridinger’s gänzlich autonome, unter das schöne Wort aus der Bergpredigt „Ihr seid das Licht der Welt“ gestellte Komposition, gedanklich entnommen zwei Werken des Rubens. Und solchermaßen von zusätzlichem Dokumentationswert bei – für Ridinger wie für Rubens – zugleich hohem Seltenheitsrang.

„ Die  Schwarzkunstblätter – resümiert Thienemann –

sind  im  Handel  fast  gar  nicht  mehr … zu bekommen

… sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … “

(Seiten VIII + 270.

An welcher Situation auch etwaige Neuauflagen wenig zu ändern vermochten, da die sich technisch bedingt extrem schnell abnutzende Schabplatte nach Urteil des Praktikers Sandrart (1675) nur 50-60 gute Abdrucke ermöglicht.

Angebots-Nr. 14.872 / EUR  670. / export price EUR  637. (c. US$ 695.) + Versand

Des  Propheten  Daniel

Wunder  in  der  Löwengrube

Johann Elias Ridinger, Daniel in der Löwengrube

als  symbolträchtiges  Gleichnis

für  das  Volk  Israel

Hier  als

eine  der  größten  Ridinger – Zeichnungen

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Daniel in der Löwengrube. An dem in der Babylonischen Gefangenschaft der Juden aufgestiegenem, unter dem Perser Kyros I. von Neidern verleumdetem und der Löwengrube überantwortetem Daniel zeigt Jehovah, der Gott Israels, seine Macht und bringt den Hof auf der Empore zu ungläubigem Staunen. Lavierte Tuschpinselzeichnung in Graublau + Schwarz nebst Weißhöhung für Johann Daniel Herz I (1693 Augsburg 1754; ein „Kunstverleger mit Blick für Qualität“ [Rolf Biedermann, 1987], „[g]enannt seien besonders seine Blätter großen Formats“ [Thieme-Becker, 1923]). (1732.) Bezeichnet in Bister: Jo El. Riedinger (sic!) inv et del 1732. 837 x 533 mm + 32 x 20 mm zusätzliches Signaturfeld seitlich rechts unten.

Provenienz

wie  vor

Die bildhaft von breiter und schmaler Umrandung eingefaßte spiegelbildliche Vorzeichnung zu dem von Johann Jacob Wangner („Iun.“, ca. 1703 Augsburg 1781) gestochenem und der Literatur erst 1910 durch das Exemplar der von Gutmann’schen Sammlung bekanntgewordenem Blatte Schwarz 1440.

Die ie-Schreibweise der Signatur (bei Faber-Castell irrig als 1737 gelesen) in Übereinstimmung mit der gleichfalls imperialformatigen Zeichnung des offenbar unveröffentlicht gebliebenen Römischen Kaisers zu Pferd der Slg. Hamminger (1895, Kat.-Nr. 1932, „Joan Eli Riedinger del. 1734“), aber auch mit den das Eigen-Sculpsit tragenden Kupfern Th. 793-796 (1724/28; so auch Th. 1381 als 1728er Kupfer Kleinschmidt’s) sowie 249 + 251 (ca. 1738/40). Womit die bisher auch hiesige landläufige Annahme, zeichnerische ie-Signaturen seien generell anderer Hand zuzuweisen, sich zumindest bis in die 1730er als gegenstandslos erweist. Dies korrespondierend auch mit einem kürzlichen Hinweis einer Riedinger-Nachfahrin, der Name sei im Laufe der Zeiten unterschiedlich geschrieben worden. Unsere bisherige Katalogisierung hiesiger Daniel-Zeichnung, die Signatur stamme lediglich vom Verleger, ist somit unbegründet.

Hiesige  Arbeit  zählt  zu  den  größtformatigen  des  zeichnerischen  Œuvre

(„ Sie haben mir eine riesige Freude bereitet mit dem Foto … von Riedingers Darstellung von ‚Daniel in der Löwengrube‘. Die Löwen haben tatsächlich alle Raubtiergier verloren und schmiegen sich wie friedfertige Katzen an den gefangenen Daniel und machen ihm seinen Aufenthalt in der Grube erträglich. Ein wundervolles Bild! “ [Frau S. S., Schweiz])

und  folgt  der  Bibelüberlieferung  Buch  Daniel , Kap. 6 :

„ Und Dareios (recte Kyros der Ältere, siehe  Komplett-Beschreibung .) … (setzte) über das ganze Königreich hundertzwanzig Landvögte. Über diese setzte er drei Fürsten, deren einer Daniel war … Daniel aber übertraf die Fürsten und Landvögte alle, denn es war ein hoher Geist in ihm; darum gedachte der König ihn über das ganze Königreich zu setzen. Derhalben trachteten die Fürsten und Landvögte danach, wie sie eine Sache an Daniel fänden, die wider das Königreich wäre. Aber sie konnten keine Sache noch Übeltat finden. Da sprachen die Männer: Wir werden keine Sache an Daniel finden, außer seinen Gottesdienst … Da befahl der König, daß man Daniel herbrächte; und sie warfen ihn zu den Löwen in den Graben. Der (ob der Entwicklung sehr betrübte) König aber sprach zu Daniel: Dein Gott, dem du ohne Unterlaß dienst, der helfe dir! … Des Morgens früh … stand der König auf und ging eiland zum Graben … (u)nd sprach zu Daniel: … hat dich auch dein Gott … können von den Löwen erlösen? Daniel aber redete … daß sie mir kein Leid getan haben; denn vor (Gott) bin ich unschuldig befunden … Da ward der König sehr froh und hieß Daniel aus dem Graben ziehen … und man spürte keinen Schaden an ihm;  denn  er  hatte  seinem  Gott  vertraut . “

Wie dieser denn auch die ohnehin nicht mit Versklavung zu verwechselnde, die Juden gleichwohl mürbende Babylonische Gefangenschaft (597-537, also keine „70 Jahre“ wie Jeremia 25, Vers 11) seinem Volke zum Wohle gedeihen ließ, denn sie wurde

„ eine Periode der Läuterung, aus der das israelitische Volk national und religiös wie neugeboren hervorging. Der Gegensatz zu dem siegreichen, aber entarteten Heidentum stärkte das Nationalgefühl und den religiösen Glauben … (S)tatt eines beschränkten Stammgottes lernte man in Jehovah den Herrn der Welt erkennen,

unter  dessen  mächtiger  Obhut  man  sich  wußte “

(Meyers Konvers.-Lex., 4. Aufl., II [1888], 207).

Unter letzterem Aspekt erweist sich denn auch das spektakuläre Löwengruben-Geschehen unabhängig seines tatsächlichen zeitlichen Ansatzes, siehe unten,

als  das bis  auf  den  heutigen  Tag

fortwirkende  Gleichnis

von  Jehovah’s  schützender  Hand  über  dem  Volke  Israel ,

dessen Thema einen Ridinger angesichts dessen 1723er Reflektions-Zeichnung zu Alexanders des Großen Umkehrbeschluß am indischen Hyphasis 326 v. Chr. umsomehr fascinieren mußte, als nach biblischer Lesart Daniel das mit Alexander zu identifizierende Großreich eines mächtigen Königs prophezeit hatte, welchem er zehn Jahre zuvor seinen Alexander-Zyklus – neben der Hyphasis-Zeichnung die seitens Jeremias Wolff Erben bzw. Herz I auch im Stich veröffentlichten Blätter der Belagerung von Halicarnassos (siehe oben) und der Überquerung des Tigris (siehe unten) – gewidmet, und welchem Thema er in den 30ern in Gemeinschaft mit Brockes mit den ersten vier Blättern der Kämpfe reißender Thiere schließlich das Halali geblasen hatte.

Aber auch rein formatmäßig steht sein

imposantes  Löwengruben-Blatt

herrlichen  Hochformates

in Kontext zu jenen des Alexander-Zyklusses, von denen aber eben nur die beiden „heroischen“ (siehe oben + unten) anderwärts gestochen und veröffentlicht wurden, da zu jener Zeit noch nicht selbst in Kupfer arbeitend und verlegend. Gleichwohl blieb es auch beim späteren Löwengruben-Blatt bei solchem Procedere.

All jenen „Fremdarbeiten“ gemein ihre

exorbitante  Seltenheit  selbst  noch  im  Stiche ,

wie denn auch für das Kupfer der „Löwengrube“ hier kein zweites Markt-Exemplar seit Schwarz (1910) nachweisbar ist. Gestochen fehlte es ausdrücklich also auch Gräflich Faber-Castell (1958).

Die Wege der Vorzeichnungen wie der Platten waren – anders als die über Generationen von den Ridingers zusammengehaltenen und schließlich geordnet weitergegebenen Arbeiten – bestimmt von wechselnden Verlegerhänden bald früher, bald später und ihr Eingebettetsein in eine sich letztlich verlierende anonyme Mischproduktion. Ob solcher Vorgaben

der  Erhalt  hiesiger  Löwengruben-Zeichnung

ein  Ereignis  absoluten  Grades

ist, dem der schon zu Zeiten Faber-Castells bei anschließender Verwahrung seitens lediglich einer sorgsamen Hand gegebene Erhaltungszustand nachzuordnen ist.  Siehe  Komplett-Beschreibung .

Wie   elitär  einsam

die  überdies  nur  wenigen  historischen  Zeichnungen  Ridingers

aus  dem  noch  immer  beachlichen  Gros  seiner  Tierzeichnungen  herausragen ,

belegt

ihr  gänzliches  Fehlen

in nachfolgenden opulenten zeichnerischen Ridinger-Beständen … Siehe  Komplett-Beschreibung .

Erinnert sei in diesem Zusammenhang nicht zuletzt auch an Hans Möhle’s bereits 1947 gegebenen Hinweis, wonach

„ die  besondere  Leistung  des  deutschen  Barock

auf  dem Gebiet  der  Handzeichnung “

liege, worauf in neuerer Zeit Ruth Baljöhr wieder aufmerksam machte.

Und so bleibt als résumé

ein  auch  optisch  großartiges  Ridinger-Unikat

voll  ganzen  zeichnerischen  Könnens

und  adäquaten  Inhalts

kulturhistorisch  größten  Tiefgangs .

Ruht doch das heutige Judentum auf eben jenen Säulen, die Früchte des, richtiger gesagt, Babylonischen Exils als Mitquelle auch der auf einem „denn er hatte seinem Gott vertraut“ basierenden Löwengruben-Manifestation sind. Denn, es sei wiederholt,

„ In fact the Jews lived quite peacefully and had plenty of opportunity to practice their faith in exile in Babylon.

The  synagogue  and  the  canonization  of  the  Torah

have  their  origins  in  Babylonian  Judaism ,

as , of  course , does  the  Babylonian  Talmud “

(Bryan S. Rennie).

Wie sich der Bericht des Löwengruben-Ereignisses im übrigen als eine Verknüpfung der religiösen Drangsalen zur Zeit des Antiochus mit den historischen Gestalten des Babylonischen Exils erweist. Denn für den um Daniel besorgten König kommt zwangsläufig nicht der Tempelschänder und Religionstyrann Antiochus in Betracht, sondern eben der Perser Kyros, der 539 König von Babylon wurde und 538

das  schicksalwendende  Kyros’sche  Edikt

(vgl. 2. Buch der Chroniken 36, Verse 22 f. bzw. Buch Esra 1, Verse 1-3) als ein

„ entscheidendes  Ereignis  in  der  Geschichte  der  Religion  Israel’s “

(Rennie) erließ, da schlußendlich den Hebräern die Rückkehr nach Israel erlaubend.

Beide Fakten, Glaubensverfolgung unter Antiochus und königliche Hochherzigkeit unter Kyros, bilden den geistigen Gehalt des Löwengruben-Erlebnisses und dessen Botschaft,

als  auserwähltes  Volk  Gottes  unter  Jehovahs  besonderem  Schutze  zu  stehen ,

auch  und  gerade  in  den  Löwengruben  der  Zeitläufte .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 14.859 / Preis auf Anfrage

Johann Elias Ridinger, Figuren aus dem Altertum

Aus  dem  Jahr  der  Verlagsgründung

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Unterschiedliche Vorstellungen einiger aus dem Alterthum zur Historie dienlich Figuren invent. und verlegt. Folge von 23 (st. 24) Blatt in drei Teilen. Radierung + Kupferstich. Augsburg 1728. Bezeichnet: 10 Blatt mit variierend ligiertem Monogramm (J?)ER, davon eines mit spiegelbildlichem 1728, ansonsten wie vor unter Voranstellung von „Erster Theil“, gefolgt von „Ioh. Elias Ridinger Mahler in Augspurg 1728“, alles in Latein + Dt., im übrigen wie unten. Ca. 18,3 x 11,6-12,4 bzw., 3. Folge, 16,6-17,3 x 10,6-11 cm.

Provenienz

wie  vor

Thienemann per Aktualisierung Separat-Nachtrag 1, SS. 5-9: 836-843 (Tl. I), 844, 852-855, 1304, 1305, 1307 (Tl. II), 851, 856-859, 1306 (anstehendem Explr. fehlend), 1318, 1319 (Tl. III); Schwarz I, SS. 110-112 entsprechend nebst vier Abb. (S. 110 + Taf. XXVII f.); Slg. Coppenrath, Abt. II, 1595 („sehr selten“, 1889); Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger), 1459 („Seltene Folge“, 1900); Gräflich Faber-Castell (1958) 59 unter irrtümlichem Einbezug von Th. 845 , wie denn auch ein in den frühen 80ern am Markt als 30blättterig offeriertes Exemplar die großformatigere Eigenfolge 845-850 als zugehörig erachtet hatte.

Weigel, Kunstlager-Catalog, 18541 (nur Tle. 1 + 2 = 16 Bll., qualifiziert als „Selten“, 1851); Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940), 345-355 (nur 11 Blatt). – Bekannt hier des weiteren ein 17blätt. Torso aus 2002.

Die  seltene  Folge

Johann Elias Ridinger, Antiker KriegerJohann Elias Ridinger, Dame aus dem Altertum

in  Salvator  Rosa’s  Manier“

(S. R., Maler, Radierer, Dichter + Musiker, Neapel 1615 – Rom 1673; „Am berühmtesten wurde eine Folge von 72 kleineren Studienblättern, Soldaten u. Volkstypen darstellend, nach denen viel kopiert worden ist“, Thieme-Becker XXIX, 1), hier ohne Bl. 22 (Th. 1306). – Für Th. 837 siehe die Abbildung in schriften der ridinger handlung niemeyer XV, Seite 10 gelegentlich der nicht im Stich überlieferten 1723er Zeichnung „Alexander der Große im Herbst 326 v. Chr. am Hyphasis im Pandschab — Der Zenit eines Weltreiches, eine Wendemarke der Geschichte“.

Der Seltenheit der Folge zwangsläufig Reverenz erweisendes Misch-Exemplar von mehrheitlich schönster bis extremer Breitrandigkeit, nur Bll. 3, 6, 7, 10, 14, 15, 18, 21 + 24 mit nur schmalem, doch meist noch ca. 5-15 mm Rand um die volle Platte, davon die ersten drei grundlos altaufmontiert. – Von variierend gutem Gesamtzustand bei folgenden Abweichungen: Bll. 11-13 + 16 mit ausgedehnt hellem Fleck in Rand und (11, 13, 16) Bild. Blatt 17 gleichmäßig leicht gebräunt und mit Wurmspur dicht an der rechten oberen Plattenecke.

Angebots-Nr. 14.878 / EUR  1780. / export price EUR  1691. (c. US$ 1845.) + Versand

Das  zweite  der  Alexander-Blätter

Ridinger’ Saurüde durchschwimmt den Tigris auf Alexander’s Zug gegen Dareios 331 v. Chr.

mit  wiederum  dem  Saurüden  als  Markenzeichen

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). (Alexander M. Tigrim superat … / Alexander der Grosse sezet mit seiner Armée … über den ungeheuren Fluss Tygris … .) Alexanders tiefgestaffelte Tigris-Überquerung „ohne bedeutenden Widerstand“ (Meyers) 331 bei Bedzabde auf dem Zug zum Treffen gegen Dareios III. wie oben. Mitschwimmend ganz vorn unten rechts seitlich oberhalb der Ridinger-Signatur Saurüde, wie solcher schon in obigem Halicarnassus-Blatt mithetzt. Kupferstich von Johann Balthasar Probst (1673 Augsburg 1750) bei Johann Daniel Herz I (1693 Augsburg 1754; ein „Kunstverleger mit Blick für Qualität“ [Rolf Biedermann, 1987], „[g]enannt seien besonders seine Blätter großen Formats“ [Thieme-Becker, 1923]). Frühe 1720er. Bezeichnet: XCIV (Plattenrand oben Mitte) + 3zeilig im Bildrand unten rechts: Senior Ioh. Dan. Herz excud. Aug. Vind. / Iohann Elias Riedinger (sic!) pinxit / (Iohann Balthasar Probst sculps.), ansonsten mit dem hier fehlenden Untertext. Blattgröße 47,6 x 76,8 cm.

Provenienz

wie  vor

Th. + Schwarz 918; Nagler, Ridinger, XIII, S. 162 ( „reiche Composition“, gleichwohl irrtümlich als „Uebergang über den Granicus“ [Schlacht dortselbst Mai 334], damit in Unkenntnis des Untertextes bis hin zum Stecher [hiesiges Exemplar?] als fehlend in seiner Auflistung bei Probst [XII, SS. 80 f.] ); Weigel, Kunstlager-Catalog, XXVIII/Ridinger (1857) I, 61c;; Thieme-Becker XXVIII (1934), 308-311: VII. Verschiedenes: (Zwei) Schlachten Alexanders d. Gr.; Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900) 1489 ( „Selten“ ).

Nicht  unter den umfassenden Ridinger-Beständen bei Coppenrath (1889/90) + Schwerdt (1928/35), wie denn auch hierselbst über die Jahrzehnte hinweg nun erstmals vorliegend und auch ohne Kenntnis anderweitigen Marktvorkommens.

Das  kleinformatigere  Gegenstück

Johann Elias Ridinger, Alexanders des Großen Überquerung des Tigris 331 v. Chr.

zur  obigen  „Belagerung + Eroberung  von  Halicarnassos“

als Früharbeit innerhalb seines Alexander-Zyklusses wie vor.

Seitens Ridinger’s ist der Alexander-Zyklus ausweislich autographer Datierung spätestens 1723 mit der Hyphasis-Zeichnung als periodischem, künstlerbezogen vor allem aber geistigem Zenit, abgeschlossen, wie letzteres auch von den jeweils signaturnahen „Ridinger“-Hunden dokumentiert. Auf den beiden Schlachten der frühen Alexander-Jahre, wie von Thienemann geradezu sträflich übersehen, jeweils der mitagierende starke Saurüde, auf der 326er Einsichts-Scenerie Wind- + Parforce-Hund, in Ruhe der eine, hellwach der andere, wo doch bei sichtbarer Meuterei auch hier der Saurüde nicht fehl am Platz gewesen wäre.

Ausweislich der Wolff-Erben-Adresse des Halicarnassos-Blattes Schwarz 917a sind die Blätter erst nach Wolffens Ableben in 1724 (Naglers vorsorglicher Hinweis „Nach anderen lebte er noch 1730“ von Thieme-Becker [1947] nicht wiederholt) veröffentlicht worden. Von den Erben selbst offensichtlich – alles unter dem Vorbehalt derzeitigen Wissensstandes – nur Halicarnassos, da hiesiges von Probst gestochenes Tigris-Blatt (918) eben bereits Herzens Verleger-Adresse aufweist. Dieser dürfte die Platten also bald nach 1724 übernommen haben.

Hiesige Scenerie denn

„ Ein  ungemein  reiches , gut  gearbeitetes  Blatt ,

das Seitenstück des vorhergehenden (Halicarnassos, s. o.). Alexander steht auf erhabenem Ufer, umgeben von einigen Generalen, zeigend und schreiend, hinter ihm (zwei) blasende Hornisten. Bei den mit den Wellen (wie auch schon mit dem Gegner) furchtbar kämpfenden Soldaten ungemeine Abwechselung und Wahrheit “

(Thienemann).

Zweiseits mit feinem Rändchen um die Bildkante, oben mit 5 mm breiter und hier mit der von Thienemann + Schwarz nicht erwähnten Nummer, unten indes knapp auf Bildrand geschnitten unter Verlust noch der Probst-Signatur, vor allem aber des 4zeil. latein.-dt. Untertextes nach Curtius Rufus, Buch IV, Kap. 9 –

„ Alexander der Grosse setzt mit seiner Armee, davon das Fussvolk die Waffen über den Kopf hielt und von denen zu Pferd umgeben war, über den ungeheuren Strom Tigris. Er war der Erste so zu Fuss an das Ufer kam und zeiget mit der Hand denen Nachfolgenden den sichersten Weg, wenn man seine Stimme nicht vernehmen konnte “

(zitiert nach Thienemann) – , wie offenbar auch Nagler nicht anders bekannt gewesen bzw. vorgelegen, da ihm sonst der Irrtum Granikos/Tigris nicht unterlaufen und Probst als Stecher bekannt gewesen wäre – zu beidem siehe oben – , solchermaßen denn naheliegend, daß

hiesige  Faber-Castell’sche  Provenienz

bis  auf  den  Antiquar  Nagler  (1842/43)  erweiterbar

sein sollte. – Knapp 9 cm langer feiner Einriß im Unterfeld links der Mitte professionell beigelegt und kaum störend, ansonsten, wie bei solch großen Formaten eigens erwähnenswert,

ausgesprochen  schönen  Gesamtzustandes

bei  adäquater  Druckqualität  kontrastreichen  Hell-Dunkels .

Die Arbeiten des von Thieme-Becker nur als Reproduktionsstecher geführten Johann Balthasar Probst als der oder einer der Stammväter der Augsburger Stecher- + Verleger-Dynastie seitens Naglers qualifiziert als

„ zu  den  besten  damaliger  Zeit  gehören(d) “.

Zu der gemeinsam mit hiesigem Herz I gestochenen 1722er frühesten der Ridinger’schen Reitschulen steuerte er neun der gesamthaft 23 Blätter bei. Als Schwiegersohn und Nachfolger des renommierten Augsburger Stechers und Verlegers Jeremias Wolff führte Probst schließlich dessen Verlag weiter und besorgte die Erstauflage des noch vom Schwiegervater hereingenommenen und von Herz I gestochenen Halicarnassos-Blattes.

Mit der rotgeschriebenen Nr. 66 auf dem Untersatzkarton als Beleg für die Herkunft aus der 1958er Versteigerung der qualitativ wie quantitativ hochrangigen Ridinger-Sammlung Gräflich Faber-Castell bei brandfrisch-erstmaligem Wiedererscheinen am Markt nach nunmehr 48 Jahren, begleitet

von  extremster  Seltenheit

wie generell belegt für die noch seitens Dritter gestochenen Blätter der frühen Jahre. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 14.854 / Preis auf Anfrage

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die menschlichen Temperamente. Folge von 4 Blatt gegenüberstellender „charakteristischer Figuren in landschaftlicher Umgebung“ (Schwarz) in Schabkunst. Bezeichnet: Joh. Elias Ridinger inv. del. sculps. et excud. A.V. (Bl. 4: Aug. Vind.), ansonsten wie unten. 49,8-50,2 x 36.6-36,9 cm.

Provenienz

wie  vor

Thienemann + Schwarz 1231, 1233, 1232, 1234; Gräflich Faber-Castell (1958) 92.

Nicht  bei Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Die  seltene  Folge  menschlicher  Sinnesäußerung

mit jeweils 5zeil. dt.-latein. Untertext, von Thienemann als 2. Folge seiner Gruppe „Genrebilder vermischter Art“ geführt, in der Abfolge gleichwohl unter Außerachtlassung – so auf seinem Exemplar präsent – der „No. 3.“ unten Mitte des Freuden-Blattes (1232) als einziger Numerierung, wie auch von Schwarz notiert, woraus sich Ridinger’s Absicht einer Gegenüberstellung der Temperamente von

Lachen – Entsetzen

Johann Elias Ridinger, Das LachenJohann Elias Ridinger, Das Entsetzen

und

Johann Elias Ridinger, Die FreudeJohann Elias Ridinger, Der Zorn

  Freude – Zorn

ergibt, wie auch seitens Schwarz’ nicht erkannt.

Das  Lachen .

„ Es zeüget Mund und Aug von den beliebten Sachen, / So dieser Brieff enthælt, und weil der Lut die Brüst, / Zu eng, so bricht sie aus in ein Hüld=volles Lachen, / Und macht dardurch den scherz durch lauten Schall bewußt. “

Nicht bemerkbare Hinterlegung eines stecknadelkopfkleinen Löchleins in Bildmitte sowie kleine Rißhinterlegung am linken Plattenrand. Kaum erwähnenswerte gänzlich geglättete Faltspuren.

Das  Entsezen

„ Wann ein sröckhaffter Blick schnell in die Augen fället, / Erstaart der ganze Leib, das Herze wird zu Stein, / Der Mund schreyt förchterlich, die Minen sind verstellet, / Und aus der Ohnmacht findt der Geist sich langsam ein. “

Beriebenes Druckbild, durchzogen von gänzlich geglätteten Fältchen, störend gleichwohl 16 cm einer horizontalen Mittelfalte.

Die  Freude

„ Wie diesem sey zu Muth, entdecken Händ, und Füsse, / Mund, Aug und Stirne zeigt von lauter Frölichkeit, / Und daß das Hertz von Lüst und Anmuth überfliesse, / Lehrt Larv und helles Licht, zum freuden dienst geweyht. “

Drei hinterlegte Löchlein und eine ebenso kleine Dünnstelle, sämtlichs bildseits nicht bemerkbar, wohl aber, wenngleich nur wenig störend, zwei gänzlich geglättete vertikale Mittelfalten.

Der  Zorn.

„ Das Herze brennt vor Grimm, wie Bliz die Augen flammen, / Die Nase bläht sich auf, der Mund erblaßt und bebt, / Es knirschet das Gebiß, die Zung flucht als zusammen, / Biß endlich Hand und Schwerd sich zu der Rach erhebt. “

Beriebenes Druckbild, verschiedene restaurierte klein(er)e Läsuren, doch nur deren eine bildseits bedingt ins Auge fallend. Hinterlegter Eckausriß unten links, tangierend das Signatur-J. Schwache Vertikalfalte und einige Fältchen gänzlich geglättet, doch bemerkbar.

Sämtlichs mit WANGEN-Wz. wie für zeitgenössische Abdrucke stehend und umlaufendem Rand von etwa 5-8 mm, nur Blatt vier unten etwas schmaler. Die im Grunde sehr gute Druckqualität ggf. beeinträchtigt vom jeweiligen Erhaltensbefund, das Hell-Dunkel sehr schön bis leuchtend, die Seltenheit sprichwörtlich.

Angebots-Nr. 14.881 / Preis auf Anfrage

Von  größter  Schönheit

Johann Elias Ridinger, Pastor bonus

PASTOR  BONUS

im  bislang  unerkannt  gebliebenen  Zweitzustand

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Pastor bonus. Christus als Guter Hirte mit Schäferstab. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger del. A. V., ansonsten wie vor. 50,5 x 36,9 cm.

Provenienz

wie  vor

Thienemann + Schwarz 1270 (vgl. Schwarz II, Taf. XLI als „Variante“, recte Erstzustand, 1488); Gräflich Faber-Castell (1958) 108.

Nicht  bei Weigel, Kunstlager-Catalog I-XXVIII (1838/57; dort nur per 18.543 ein Pastor bonus in Oktav) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940) .

Das bildlich unerhört sympathische Sujet in herrlichem Exemplar leuchtenden Hell-Dunkels

als  bislang  unerkannt  gebliebener  Zweitzustand ,

bei sonstigen minimalen Abweichungen kenntlich an der stilistisch fortentwickelten Kartusche im unteren, ansonsten leeren Textfeld, von Schwarz als Routine faux pas ausdrücklich als Barockkartusche angesprochen, wie mit ihrem Muschel-Dekor und der geschwungenen Seitenführung mit Ornamentfuß tatsächlich nur auf 1488 zutreffend. Die hiesige hingegen mit Ausnahme der seitlichen, gleichwohl auch versachlichten Weinblätter jeglichen Dekors entkleidet und auch seitlich glatt-streng geschlossen. Im Unterrand derselben noch die obere Linenführung der unteren der beiden früheren Muscheln zart sichtbar.

Mit WANGEN-Wz. wie für alte Abdrucke stehend und mit 3-5,5 cm breitem Rand rundum bei partiell noch leichtem Plattenschmutz im seitlichen und unteren Plattenrand. Die gänzlich geglättete einstige Mittelfalte bildseits nicht wahrnehmbar.

Angebots-Nr. 14.876 / EUR  1995. / export price EUR  1895. (c. US$ 2067.) + Versand

Johann Elias Ridinger, Titelkupfer zur Folge Th. 860-877

Immerhin : 13  auf  einen  Streich

Davon  mochte  manch  Großer  nicht  einmal  träumen

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Vorstellungen sowohl Römisch= als Griechischer Krieges=Leuthe aus meinen Academischen Zeichnungen zum Gebrauch nach der Antiquitæt gewæhlet und entworffen. Bll. 1-12 + 17 (von 18) in Radierung + Kupferstich von Martin Elias Ridinger (1731 Augsburg 1780). Nicht vor 1759. Bezeichnet: 1. bis 12. + 17. / Mart. El. Ridinger Filius æri incid. (Bl. 1), sonst M. E. Ridinger sc. bzw., Bl. 17, J. El. Ridinger inv. del. et excud. Aug. Vind. / J. Gottfrid Seuter sc. A.V., ansonsten wie vor, gefolgt von „, von Johan(n) Elias Ridinger Mahler und Kupferstecher auch der Academie Director.“ Ca. 17-18,8 x 10,5-12,5 cm als bald Platten-, bald Blattgröße, siehe unten, bzw. (Bl. 17) 19,6 x 13,2 cm.

Provenienz

wie  vor

Thienemann + Schwarz (I, Tafel XXVIII) 860-871 + 876 (von 860-877); Gräflich Faber-Castell (1958) 60; Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900), 1481 (nur Th. 873 als Bl. 14, entsprechend qualifiziert als „Selten.“); Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940), 356 (nur Th. 871 als Bl. 12). – 11 Federzeichnungen hierzu, davon zwei datiert mit 1753 bzw. 1756, figurierten als Lot 122 auf der 1890er Wawra-Versteigerung „einer schönen Sammlung von Handzeichnungen und Kupferstichen Joh. El. Ridinger’s aus dem Besitze eines bekannten Sammlers“.

Weder  als Ganzes noch in Einzelblättern bei Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) + Slg. Coppenrath (1889 f.). – Ein teils beschnittener und aufgezogener Torso von 8 Blättern hier in 1956er Handel nachweisbar. Anstehend denn der mit 13 Blatt sichtbar üppigere Castell’sche

dieser  abwechslungsreich  komponierten  reizvollen ,

komplett  außerordentlich  raren  Suite

Johann Elias Ridinger, Antiker Krieger nach rechtsJohann Elias Ridinger, Antiker Krieger nach links

des  den  Connaisseurs  vorbehaltenen  Ridinger

in einem Misch-Exemplar als sprechendstem Beleg für die Schwierigkeit eines selbst nur Blatt für Blatt Zusammenbringens, wobei die teilweise originale Anordnung von jeweils zwei Blatt nebeneinander nebst Trennlinie auf einer Platte bei Vereinzelung – wie hier – den Verlust jeweils einer seitlichen Plattenkante bei aber im Normalfall Verbleib ausreichend weißen Plattenrandes vorprogrammierte. Dies ebenso voraussetzend wie einheitlich schöne Druckqualität auf festem Bütten ergibt sich folgender Erhaltensbefund:

Bll. 1, 2 (drei beigelegte kleine Eckläsuren im weißen Plattenrand), 5 (beigelegte Eckläsur oben links), 6 (beigelegte kleine Eckläsur oben rechts unter Beeinträchtigung der Nummer), 9 + 10 (knapp 2 cm in die untere Bildschraffur hineinreichender ebenso beigelegter Einriß wie die Numerierung betreffender kleiner Oberrandausriß, rechts indes abweichend zusätzlich mit 1 cm breitem Papierrand) auf bzw. innerhalb der Plattenkante geschnitten bei gleichwohl 5-10 mm breitem besagten weißen Plattenrand. Bll. 3 (leichter Braunfleck im den Plattenrand noch tangierenden weißen Oberrand), 4, 7 + 8 dreiseits mit 1,8-2,8 cm breitem Papierrand, ein Seitenrand jeweils wie vor. Bll. 11 + 12 unter Verlust der Numerierung dreiseits auf Bildrand geschnitten, unten aber mit die Signatur bewahrendem 5-8 mm breiten weißen Plattenrand, doch ohne dessen Abschlußkante. Blatt 17 schließlich mit allem versöhnend: allseitiger voller Plattenrand und 4 bis 5,5 (unten) cm breiter Papierrand rundum!

Nicht vor 1759 als dem Jahr der Berufung ins Amt des Augsburger Akademiedirektors herausgegeben, entstand die Folge offenbar peu à peu im Laufe der 50er Jahre. Gleichwohl findet der reich inszenierte Krieger von Blatt 17 seinen Vorgänger in der nicht im Stich überlieferten 1723er Zeichnung Alexander der Große im Herbst 326 v. Chr. am Hyphasis im Pandschab — Der Zenit eines Weltreiches, eine Wendemarke der Geschichte, wo er die gegen den König vordrängenden Meuterer zurückhält. Siehe deren Gegenüberstellung in schriften der ridinger handlung niemeyer XV, Seite 14.

Angebots-Nr. 14.879 / EUR  1300. / export price EUR  1235. (c. US$ 1347.) + Versand

Aber  ja  doch ,

Sie erinnern sich des voll fester Zuversicht wehenden Finale-Pfeils  FUTURUM  aus Schwarz 1427/77 ,

selbst  dem  Ridinger  der  Jagd

nachzupirschen kann auch zukünftig noch aufregend sein und etwa hier + heute

eine  Trophäe  ins  Visier  bringen

wie  sie  Ridinger-Nimrods wie Weigel (1838/57) , Ritter von Gutmann (1910) , Schwerdt (1928/35)  und  eben  auch  weder  Gräflich  Faber-Castell  noch  Graf  Radulf  zu  Castell-Rüdenhausen  ins Netz gegangen ist. Und Thienemann erst nachträglich zwischen 1857 + 1861. Und dann erst wieder und identisch (?)

Ihrer  ridinger  handlung

mit der Witterung fürs Absolute. Und dem Selbstverständnis , Unmögliches, das, da im Nachtrag versteckt, weitgehend

nicht  einmal  vom  Hörensagen  bekannt  ist ,

für  Sie  möglich  zu  machen .

Etwa

Th. 1314-1317 (!!)

(1. Separat-Nachtrag , SS. 1-4)

als  der

zweitfrühesten  Jagdfolge

– verkauft

 

Voilà

Die  Connaisseurs  stehen  beisammen ,

jeder  für  sich  hoffend ,

den  anderen  möchte  die  eigene  Erregung  verborgen  bleiben ,

er  möge  derjenige  sein ,

der  diese  Trophäe  in  seinen  Bau  trägt

und  sie  eines  Tages  den  anderen  vorweist .

Sammler , so  Goethe , sind  glückliche  Menschen .


„ Ich habe die letzten Tage auf Ihrer Website gestöbert, weil sie dem Uhu und anderen Eulen viel Platz gewidmet haben … Da haben Sie mir eine tolle Nachricht geschickt. Ich freue mich auf Ihre Post … Der Inhalt Ihrer Eulenbroschüre ist äußerst gelungen … (Da) haben Sie mir ein schönes vorweihnachtliches Geschenk gemacht! “

(Herr A. O., 19. November/19. December 2015)