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Auf der Talsohle

vor der Wiederkehr des Lichts

Andreani/Ridinger, Triumph des Todes
Das Wappen des Todes. Detail aus »Triumph des Todes« nach Andrea Andreani

Ridinger
Groß auch in den Vanitates

 

Memento  Mori

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Memento Mori. Auf der auf dem Tisch liegenden Bibel Totenschädel mit etlichen fehlenden Zähnen. Rechts davon Vase mit blätterndem Blumenbouquet, links, wie seltener, Schale mit Seifenblasen, auf der ein vierfingrig gezackter Stab mit anhängendem Siegel ruht, sowie heruntergebrannte(s) Kerze/Lebenslicht, auf dessen Ständer eine Kerzenschere, dahinter Sanduhr und darüber Vorhang mit großem zackigen Ausriß für den Vorhang des Lebens, seit dem Mittelalter aber auch Symbol des Geheimnisvollen, dessen ggf. religiöser Trost von dem Loch indes schon wieder konterkariert wird. Unter der Bibel hervorschauend und über den Tischrand hinausragend ein unbeschriebenes Blatt Papier mit Einriß und Eselsohr. Schabkunstblatt. Bezeichnet: Ioh. Elias Ridinger inv. et exc. Aug. Vind., ansonsten wie vor und nachfolgend. 51,6 x 42 cm.

Johann Elias Ridinger, Memento Mori

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

deren Ridinger-Versteigerung 1958

mit deren Lot-Nr. 145 auf dem Untersatzkarton

Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen

(1922  –  2004)

Stillfried (3. Nachtrag zu Thienemann, 1876) + Schwarz (Coll. Gutmann, 1910) 1426, offenbar beide III (von III); Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940), 434 (ohne Rand, wohl dito); Faber-Castell 145, Zustand I (von III) wie auch das Exemplar der Staatlichen Graphischen Sammlung München (1963:1644); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1, 289 (1975, Stillfried’s Beschreibung wiedergebend); Ridinger-Katalog Kielce (1997), 172, II (von III) nebst Abb.; Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger in Wunderlich (Hrsg.), L’Art Macabre 2, 2001, Abbildung S. 103 (III. Zustand).

Nicht bei Thienemann (1856), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Slg. Hamminger (1895), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1554 Positionen; 1900).

Mit  Untertext  „ … Was du thust so bedencke das Ende, so wirst du nimmermehr übels thun “.

Früheste  Fassung

dieses  bildhaft-schönen  Vanitas-Stillebens

als  Ridinger’s  ureigenstem ,

im  Stil  der  niederländischen  Vanitates  gearbeitetem

MEMENTO  MORI

als einer der interessantesten Raritäten des Ridinger-Œuvre, deren verschiedene drei Zustände hier offenbar erstmals festgestellt worden sind.

Bezüglich der kostbaren Schabtechnik aber – im hier vorliegenden hs. Faber-Castell’schen Inventar-Verzeichnis per Ausrufezeichen + Unterstrich hervorgehoben als „Schabk!“ – resümierte schon vor gut 160 Jahren Thienemann mit den Worten:

„ Die  Schwarzkunstblätter  sind  im  Handel  fast  gar  nicht  mehr

… zu bekommen … sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … “

(Seiten VIII + 270). An welcher Situation auch, wie hier, Neuauflagen wenig zu ändern vermochten, da die sich technisch bedingt extrem schnell abnutzende Schabplatte nach Urteil des Praktikers Sandrart (1675) nur 50-60 gute Abdrucke ermöglicht.

Anstehendes Blatt fehlte also auch in Dresden. Und konnte erst 20 Jahre später von Graf Stillfried erstmals beschrieben werden. Es dokumentiert den untrennbar-vielschichtigen Ridinger, den Künstler in seiner Ganzheit. Denn den „harmlosen“ Ridinger landläufigen Kunsthistorikerurteils hat es gottlob nie gegeben. Vielmehr blieb er

„ einer  der  wenigen  deutschen  Barockkünstler

… der … nie  in  Vergessenheit  geriet “

(Rolf Biedermann, Meisterzeichnungen des deutschen Barock, 1987, S. 338). Hier denn sein

Memento  Mori  im  Erstzustand  des  Exemplars  Gräflich  Faber-Castell .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 14.856 / Preis auf Anfrage

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). S. Bernardus. Der hl. Bernhardus in Halbfigur nach links, in der erhobenen Rechten ein mit den Marterinstrumenten bestücktes Kreuz haltend, gegen dessen Fußende die Linke zudem einen  Totenschädel  hält. Links auf einer Steinplatte zwei Folianten, darauf schmucklose Tiara und eine weitere Geißelrute. Schabkunstblatt. Bezeichnet: I. El. Ridinger excud. A. V., ansonsten wie vor. 52 x 42,4 cm.

Johann Elias Ridinger, St. Bernhard

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

wie vor mit deren Lot-Nr. 174 auf dem Untersatzkarton

Schwarz  1539 nebst Abb. II, Tafel L; Faber-Castell 174; Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik I/1 (1975), 215.

Nicht bei Thienemann (1856), Stillfried (1876), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Kontrastreicher tiefschwarzer Druck mit umlaufend feinem Rändchen, in der rechten oberen Bildecke mit rotem Kreidestift genummert „71.“. Leicht zeitspurig, doch von schönem Gesamteindruck. Und selten, wie belegt etc. wie vor.

Angebots-Nr. 14.864 / EUR  570. / export price EUR  542. (c. US$ 655.) + Versand

Vor  dem  Hintergrunde  dessen

was  Jerusalem’s  Unvergänglichkeit  ausmacht

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). In manus tuas com(m)endo Spiritum meum et hæc dicens expiravit. Luc. 23. Der nach rechts aufblickende alleingelassene Christus in seiner wolkenverdüsterten Karfreitagsstunde am Kreuz, an dessen Fußende

Totenschädel + Gebeine , fortwirkend  zischelnde  Schlange + verlockender  Apfel

als bezugreiche Gesellschaft. Breit dahintergelagert der Tempelberg mit linksseitiger Anschlußlokalität. Schabkunstblatt. Bezeichnet: I. N. R. I. am Kopf des Kreuzes / I. El. Ridinger excud. A. V., ansonsten wie vor. 51,7 x 39,2 cm.

Johann Elias Ridinger, Christus am Kreuz

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

wie vor mit deren Lot-Nr. 136 auf dem Untersatzkarton

Th.-Stillfried (1876) + Schwarz (1910) 1408; Faber-Castell 136; Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik I/1 (1975), 153.

Nicht bei Thienemann (1856), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Kontrastreicher schöner schwarzer Druck – nuancenreich  das  von  oben  einfallende  Licht – mit WANGEN-Wz. wie für zeitgenössische Abzüge stehend mit umlaufend 7-10 mm Rand. In der linken Hälfte, optisch von der Schabtechnik überspielt, leicht wellig und gesamthaft bildseits wenig bemerkbar stippig. Ein rundweg schöner Gesamteindruck gleichwohl gewahrt.

Hier  denn  das  Exemplar  Gräflich  Faber-Castell

einer der neun Ridinger’schen Kreuzigungen in ihrer immer wieder anderen Geschehens-Fascination.

Angebots-Nr. 14.863 / EUR  890. / export price EUR  846. (c. US$ 1023.) + Versand

Der  Hieronymus  „Schwarz 1549“

und  nun  als  ungewisser  Kantonist  enttarnt

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). S. Hieronymus. Die Inspiration des Heiligen. Kniestück als Eremit Links des Tisches gegen einen mächtigen Kardinalshut gelehntes Kruzifix. Der Hut seinerseits gegen ein zweifächriges Bücherbord gelehnt. Auf diesem  Folianten , Sanduhr , Totenschädel + Martergeißel Christi. Der Heilige selbst blickt rückwärts nach links oben, von wo in der Ecke zwischen Wolken die Posaune des Jüngsten Gerichts ihm Inspiration vermittelt. Der Löwe blickt streng unter dem Tisch hervor. Schabkunstblatt. Bezeichnet: S. HIERONYMUS. / rechts unten zwischen Rahmenleiste und Beschriftungsfeld Ioh. Elias Ridinger excud. Aug. Vind. 57,8 x 42,3 cm.

Johann Elias Ridinger, Hl. Hieronymus

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

wie vor mit deren Lot-Nr. 177 auf dem Untersatzkarton

Vergleiche Schwarz 1549 (51,1 x 38,5 cm; Schrift-Variante: „Elias“ abgekürzt nach „l“, im übrigen siehe unten); Faber-Castell 177 (unachtsam als Schwarz 1549); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975), 230 (wie Schwarz).

Nicht bei Thienemann (1856), Stillfried (1876), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Literaturunbekannte  vergrößerte + spiegelbildliche  Kopie  von  Schwarz  1549

auf tonigem Linien-Papier mit Lilien-Wz., denkbar zeitgenössisch, aber auch eher später. Anmerkenswert, daß sich das vergrößerte Format an anderen Ridinger’schen Heiligen-Blätter orientiert, wie etwa dem des von Johann Jacob geschabten Kardinals-Hieronymus nach Alessandro Maresini (Schwarz 1548), ohne daß letzteres gleichfalls „eingerahmt“ wäre, oder das des hl. Markus Stillfried 1404, auf das ähnlicher Scenerie halber – übrigens auch Löwe  und Totenkopf – ein Castell’scher Vergleichshinweis auf hiesiger Blattrückseite aufmerksam macht.

Herrlicher , tiefbrauner Druck mit umlaufend 1,5-2 cm breitem Rand bei tadelloser Erhaltung bei partiell minimalem Stippenanflug, drei schwach von rückwärts durchscheinenden Rostfleckchen und vier kleinen bis winzigen althinterlegten Löchlein am oberen Bildrand, verso links unten Montagerest, wie alles nicht zählend. – Auf dem Untersatzkarton neben Castell’schem Gutmann-Verweis (Schwarz) noch Beschriftung anderer Hand. Das Blatt scheint im englischen Handel erworben zu sein.

Sujet  aus  dem  Mark  der  Kirchengeschichte

zu deren hervorragendsten Lehrern der mit jugendlicher Vergangenheit beladene Hieronymus (Stridon/Sdrin, Kroatien, um 340/42 – Bethlehem 420 [419?]) zählt.

„ … er (ist) nicht bloß der gelehrteste, sondern auch der beredteste unter den lateinischen Vätern … (und) in seinen Lebensbeschreibungen des heil. Paulus, Hilarion, Malchus (hat er)

recht  eigentlich  den  frommen  Roman  begründet “

(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII (1888), 524.).

In seinen frühen Jahren  „verweilte  er  eine  Zeitlang  zu  Trier “ , in dessen berühmten Schulen er seine Studien fortsetzte und das Klosterleben kennenlernte. Seine Bischofsweihe wird in den Legenden des 15. Jhdts. als Kardinalswürde berichtet, worauf sich denn auch hiesiger Kardinalshut bezieht. 386 nahm er seinen Dauerwohnsitz in Bethlehem, wo er ein Mönchs- und Nonnenklöster gründete.

Im Rang gern mit Augustinus verglichen, wurde er der  Patron wissenschaftlicher Vereinigungen, der Lehrer, Studenten + Schüler, der theologischen Fakultäten + Bibelgesellschaften, doch

auch  gegen  Augenleiden ,

im übrigen von Dalmatien + Lyon. Der 30. September als sein Sterbetag gilt den christlichen Religionen als sein Gedenktag, deren orthodoxen der 15. Juni.

Interessant  hiesige  Berücksichtigung  aller Hieronymus-Attribute

als dem des Eremiten der übergroße Kardinalshut zur Seite gestellt ist und dem Löwen der Totenkopf. Eher gilt Eremit  oder Kardinal + Löwe  oder Totenschädel, wie denn auch auf obiger Ridinger-Wiedergabe des Marchesini-Bildes als Kardinal und nur mit dem Löwen, den Hieronymus einst von einem Dorn in der Pfote befreit hatte.

Angebots-Nr. 14.865 / EUR  485. / export price EUR  461. (c. US$ 557.) + Versand

Franz  von  Assisi

als

unbeschriebene  Variante  von  Th. 1288

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). S. Franciscus Seraphicus. Der hl. Franz von Assisi in Halbfigur nach rechts meditierend vor aufgeschlagenem Buch mit Aufschrift „DEUS MEUS ET OMNIA.“,  Totenschädel + gekreuzigtem Seraph neben oben grasbewachsenem Felsen. Die Rechte der gefalteten Hände mit Kreuzigungswundmal. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iac. Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger exc. Aug. Vind. / S. | FRANCISCUS | SERAPHICUS. (in der Oberschleife der sonst leeren muschelförmigen Kartusche in der breiten Unterkante). 54,6 x 42,5 cm.

Johann Elias Ridinger, Franz von Assisi

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

wie vor mit deren Lot-Nr. 115 auf dem Untersatzkarton

Vergleiche Th. 1288 (ca. 52,6 x 39,1 cm; ohne die Stecher-Signatur Johann Jacob’s und nur „A. V.“ statt „Aug. Vind.“; unerwähnt geblieben Buchaufschrift + Felsstaffage; vgl. Schwarz 1543, hingegen allein formatmäßig nicht identisch mit Schwarz 1288) – Schwarz 1288 (61,8 x 49,5 cm; ohne die Buchaufschrift, doch mit dem Felshintergrund; gekürzte Signatur wie Th. 1288, dessen Identität von Schwarz vorsorglich in Frage gestellt) – Schwarz 1543 (56,4 x 41,2 cm; mit Buchaufschrift, doch ohne den Felsen, gekürzte Signatur wie vor, doch „excud.“ statt nur „exc.“). – Faber-Castell 115 (unachtsam als Version Schwarz 1288). – Als Th. + Schwarz 1288 irrtümlich für identisch gehalten nicht bei Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975).

Nicht bei Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Unbeschriebene  Variante

zu  Th. 1288 , Schwarz 1288 + 1543

des  schönen  großen  Blattes  des  Ordensgründers

(1182-1226) in wärmendem groben Gewand mit zurückgeschlagener Kaputze mit deutlichem Bezug auf seine Vision eines gekreuzigten Seraphen, welcher ihm „unter brennendem Schmerz Jesu Wundmale ein(drückte), woher er den Namen des seraphischen Vaters , sein Orden den der seraphischen Brüder erhielt. Benedikt XI. gestattete den Minoriten ein eigenes Fest der

Wundmale  des  heil.  Franziskus

… und Paul V. verpflichtete sämtliche katholische Geistliche zur Feier desselben“ (Meyers Konv.-Lex., 4. Augl., VI, 588). Schon zwei Jahre nach seinem Tode ward er, gleichermaßen geehrt von Katholiken, Protestanten und selbst Nicht-Christen für „seine einzigartige Einfachheit und eine reine Gnade des Geistes“ (Paul Sabatier, Life of St. Francis of Assisi), durch Gregor IX., zuvor Kardinal Ugolino und Kardinal-Gouverneur des Franziskanerordens, heilig gesprochen.

Ridinger widmete dem Heiligen nach derzeitiger Kenntnis acht Versionen bzw. Varianten,

doch  einzig  die  hiesige  unbeschriebene  Variante

zusätzlich  mit  Johann Jacob’s  Stecher-Signatur .

Vorliegend in sehr schönem, nuancenreichem Druck. Letzteres namentlich in Bezug auf den von Thienemann mit „grobhären“ abgetanen  Mantel, der hier im Sinne von Ridinger’s von Wolf Stubbe gerühmter Fellbehandlung eher kostbar erscheint. Und der geistige Gehalt der körperlichen Aussage widergespiegelt vom Hell-Dunkel.

Mit WANGEN-Wz. nebst Nebenmarke wie für zeitgenössische Abdrucke stehend. Der umlaufende Rand ungleichmäßig auf zwischen 1 mm kurzem Extremfall und 15 mm bei dreiseits meist 10-15 geschnitten. Zwei längere und drei kurze Rißspuren, jeweils nur fein, professionell restauriert und solchermaßen ohne bemerkenswerte Störung des auch erhaltensmäßig sehr schönen Gesamteindruckes. Hinterlegt zudem drei Kleineinrisse im weißen Rand. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 14.860 / EUR  1730. / export price EUR  1644. (c. US$ 1988.) + Versand

„ Das  große  Totentanzblatt “

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Totentanz. Kreiskettenreigen von neun Frauen plus Gerippen um geöffneten Sarg mit zwei Gerippen inner- und außerhalb der Friedhofsmauer als Mittelstück. Darüberhinaus, zurückgesetzt, Kapelle + Beinhaus (?) samt Mauern. In den Ecken Sündenfall – Golgatha – Ewiges Leben + Fegefeuer, dazwischen zwei Textkartuschen. Umgeben im Außenfeld von 12 Medaillons nebst Textkartuschen für den Tanz der Männer, getrennt von 8 (6 verschiedenen) Vanitas-Attributen. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger excud. Aug. Vindel., ansonsten wie nachfolgend. 65,3 x 48 cm.

Johann Elias Ridinger, Totentanz

Th.-Stillfried + Schwarz 1428. – Abbildung in L’Art Macabre 2, Jahrbuch der Europ. Totentanz-Vereinigung, D’dorf 2001, innerhalb des hiesigen Beitrags „Die Vanitas-Symbolik bei Joh. El. Ridinger“ – II. Zustand (von 2?), wie auch das Explr. der Staatlichen Graphischen Sammlung München. – Die Exemplare Stillfried + Schwarz und das der Versteigerung Gräflich Faber-Castell (1958) als

„ Das  große  Totentanzblatt  /  Hauptblatt “

an Hand ihrer Beschreibungen zustandsmäßig nicht fixierbar. Hingegen erweist sich das von Patrick Pollefeys im Internet vorgestellte als früherer, derzeit zu unterstellender Erstzustand.

Nicht bei Thienemann und in Dresden, siehe unten, fehlend den umfangreichen Beständen Weigel (1857), Coppenrath (1889/90) , Wawra (1890) , Helbing (1900) , Rosenthal (1940) u. a. m.

Typographisches + figürliches Wz. – Oben + rechts mit nahezu durchgehend feinem Rändchen, links + unten (hier gleichwohl bei 1,5 cm breitem Plattenrand) überwiegend auf Plattenkante geschnitten. – Hälftig alt per Eckmontage auf breitrandiges Bütten aufgelegt, wovon eine Ecke sich unter Rißbildung (restauriert) gelöst hat. Praktisch nicht störende Mittelfalte.

Das  druck-  und  erhaltensmäßig  sehr  schöne  Exemplar

einer gepflegten Sammlung von in allen Partien nuanciertem Hell-Dunkel. Und solchermaßen

von  größter  Seltenheit

nicht allein am Markt, sondern generell, wie oben belegt. Hiesiges denn gleichfalls nicht im Dresdner Cabinett vorgefunden worden, vielmehr erst 1876 von Graf Stillfried bekanntgemacht. Die dortigen Zitate nicht ganz akkurat.

DAS  ERSTE  DER  GROSSFORMATIGEN  ZWEIBLÄTTERIGEN  FOLGE

mit der hier nicht präsenten „Allegorie der Lebensalter“ als Gegenstück (Th.-St. + Schwarz 1429; Abbildung des Exemplars in Augsburg in L’Art Macabre 2 wie oben)

ALS  EINEM  HÖHEPUNKT  DER  RIDINGER’SCHEN  VANITATES

in aktualisierter Wiederholung eines anonymen Flugblattes des späten 16. oder frühen 17. Jahrhunderts, jedenfalls „vor 1623“, als der „nachweisbar früheste(n) und bekannteste(n) Totentanzillustration dieser Art im deutschsprachigen Raum“ (siehe Imke Lüders, Totenreigen-Totentanz, Totentanzillustrationen auf Flugblättern des Barock und ihre Rezeption, in L’Art Macabre 1, D’dorf 2000, nebst Abbildungen.

HIER  ERSTMALS  AUFLIEGEND , VON  REICHSTER  THEMATIK .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 28.933 / Preis auf Anfrage

Die  blühende  junge  Frau

in  Kontrast  zu  Totenschädel + Kette

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die hl. Maria Magdalena in der Buße in der Wüste. Schabkunstblatt. 51,6 x 42,4 cm.

Johann Elias Ridinger, Maria Magdalena

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

wie vor mit deren Lot-Nr. 168 auf dem Untersatzkarton

Vergleiche Schwarz 1507 (51,2 x 38,6 cm; bezeichnet Ioh. Elias Ridinger exc.: Aug. Vind., mit links oben in den Wolken zwei schwebenden Engelsköpfen) als verkleinerte Wiederholung von Schwarz 1506 (66,5 x 48,8 cm; bezeichnet wie vor, doch statt des „exc.“ „invent. et delin.“ und ohne die Engelsköpfe); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975), 192 (Schw. 1507); Faber-Castell 115 (unachtsam als Schwarz 1506!).

Nicht bei Thienemann (1856), Stillfried (1876), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Unbeschriebene  Variante

zu  Schwarz 1507 + 1506

in  Probedruck  vor  aller  Schrift

mit dem weit aussagekräftigeren Lichtstrahl statt unverbindlicher Allerweltsputten, der zudem nicht, wie letztere, in den Wolken angesiedelt ist, vielmehr aus dem gänzlichen, konturenlosen breitflächigen Schwarz oberhalb derselben hereinbricht. Als 3,8 cm breiter als Schwarz 1507 und damit außerhalb der Toleriergrenze unterschiedlichen Arbeitens der Papiere liegend, ist von einer selbständigen Version und nicht nur von abweichenden Zuständen ein und derselben Platte auszugehen. Schon Schwarz beurteilte eine solche Maßdifferenz entsprechend, indem er eine Identität seiner lesenden Magdalena Nr. 1508 mit der ihm nicht vorliegenden inhaltsgleichen von Th.-Stillfried 1421 wegen differierender Breite (38,4 : 42 cm, also ähnlich hier) in Frage stellte.

Die  blühende  junge  Frau

–  nach den Evangelien eine der ersten bzw. (Joh. 20,1)

die  erste  Zeugin(nen) der Auferstehung  –

in  Kontrast  zu  Totenschädel

und Kette unvergleichlich reizvoller als namentlich das durch Stahlstich weitverbreitete Sujet der in idyllischer Landschaft lesenden Magdalena Correggio’s, doch auch exaltierter anderweitiger früherer Darstellungen. Daß Ridinger den Totenschädel auch in Verbindung mit dem Buch-Attribut einsetzte (besagte Schwarz 1508, Stillfried 1421) – wie übrigens auch sein italienischer Zeitgenosse Batoni, 1708-1787 – ergibt sich angesichts seiner das Œuvre vielfältig abgestuft durchziehenden Vanitates von selbst. Aber auch bildästhetisch ist seine anstehende Magdalena mit ihrem elegant drapierten Busen eine Klasse für sich.

Herrlicher  Druck  adäquater  Erhaltung

mit WANGEN-Wz. wie für zeitgenössische Abdrucke stehend bei umlaufend 5-10 mm Rand. Drei unterschiedlich lange professionell geglättete Querfalten bildseits ebensowenig wahrnehmbar wie eine kleine Restauriermaßnahme in Brusthöhe. Rostfleckchen in der Himmelspartie, drei stecknadelkopfkleine Löchlein rechts im weißen Papier- (2) bzw. Bildrand.

Angebots-Nr. 14.868 / EUR  1380. / export price EUR  1311. (c. US$ 1585.) + Versand

Vor  der  Silhouette  Jerusalems

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Consummatum est. Vor der Silhouette Jerusalems der sterbende Christus am Kreuz, herabblickend nach links auf Maria, zur Rechten Johannes, beide stehend, die Hände gefaltet und aufblickend. Am Fuß des Kreuzes  Totenschädel . Schabkunstblatt. Bezeichnet: I. N. | R. I. am Kopf des Kreuzes / Consummatum est. / I. El. Ridinger excud. Aug. Vind. 56,7 x 42,3 cm.

Johann Elias Ridinger, Christus am Kreuz

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

wie vor mit deren Lot-Nr. 109 auf dem Untersatzkarton

Vergleiche Th. 1274 (ungewiß als unter Verlust des Titel-/Signaturstreifens beschnitten) + Schwarz 1274 (56 x 39,2 cm, Schriftabweichung „CONSUMATUM EST.“ + „J. Elias … exc. …“). – Faber-Castell 109 (ohne Beachtung des „mm“ bei Consummatum).

Nicht bei Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Unbeschriebene  (?)  Variante

zu  Schwarz  1274

des  stimmungsvoll-zarten  großen  Blattes

fern aller Dramatik in sehr schönem Druck mit wohl WANGEN-Wz. bei umlaufend 1-1,5 cm breitem Rand und unbeschadet seiner Zeitspurigkeit – perfekt geglättete Knitterfältchen über das ganze Blatt, dünne Papierstellen, einige stecknadelfeine Löchlein, Sporfleckchen im unteren Bildfeld – von optisch rundweg sehr schönem Gesamteindruck.

Hier  denn  das  Exemplar  Gräflich  Faber-Castell

einer  Kreuzigungsscene  von  ganz  seltener  Intimität

mit  dem  herrlich  nuanciert  von  oben  einfallenden  Licht .

Angebots-Nr. 14.861 / EUR  956. / export price EUR  908. (c. US$ 1098.) + Versand


„ Herzlichen Dank für die sorgfältig verpackten Bände … “

(Herr H. M., 26. Mai 2007)