English

Auf  der  Talsohle

vor  der  Wiederkehr  des  Lichts

Ridinger

groß  auch  in  den  Vanitates

 

Memento  Mori

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Memento Mori. Auf der auf dem Tisch liegenden Bibel Totenschädel mit etlichen fehlenden Zähnen. Rechts davon Vase mit blätterndem Blumenbouquet, links, wie seltener, Schale mit Seifenblasen, auf der ein vierfingrig gezackter Stab mit anhängendem Siegel ruht, sowie heruntergebrannte(s) Kerze/Lebenslicht, auf dessen Ständer eine Kerzenschere, dahinter Sanduhr und darüber Vorhang mit großem zackigen Ausriß für den Vorhang des Lebens, seit dem Mittelalter aber auch Symbol des Geheimnisvollen, dessen ggf. religiöser Trost von dem Loch indes schon wieder konterkariert wird. Unter der Bibel hervorschauend und über den Tischrand hinausragend ein unbeschriebenes Blatt Papier mit Einriß und Eselsohr. Schabkunstblatt. Bezeichnet: Ioh. Elias Ridinger inv. et exc. Aug. Vind., ansonsten wie vor und nachfolgend. 51,6 x 42 cm.

Johann Elias Ridinger, Memento Mori

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

deren Ridinger-Versteigerung 1958

mit deren Lot-Nr. 145 auf dem Untersatzkarton

Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen

(1922  –  2004)

Stillfried (3. Nachtrag zu Thienemann, 1876) + Schwarz (Coll. Gutmann, 1910) 1426, offenbar beide III (von III); Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940), 434 (ohne Rand, wohl dito); Faber-Castell 145, Zustand I (von III) wie auch das Exemplar der Staatlichen Graphischen Sammlung München (1963:1644); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1, 289 (1975, Stillfried’s Beschreibung wiedergebend); Ridinger-Katalog Kielce (1997), 172, II (von III) nebst Abb.; Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger in Wunderlich (Hrsg.), L’Art Macabre 2, 2001, Abbildung S. 103 (III. Zustand).

Nicht bei Thienemann (1856), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Slg. Hamminger (1895), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1554 Positionen; 1900).

Mit  Untertext  „ … Was du thust so bedencke das Ende, so wirst du nimmermehr übels thun “.

Früheste  Fassung

dieses  bildhaft-schönen  Vanitas-Stillebens

als  Ridinger’s  ureigenstem ,

im  Stil  der  niederländischen  Vanitates  gearbeitetem

MEMENTO  MORI

als einer der interessantesten Raritäten des Ridinger-Œuvre, deren verschiedene drei Zustände hier offenbar erstmals festgestellt worden sind.

Bezüglich der kostbaren Schabtechnik aber – im hier vorliegenden hs. Faber-Castell’schen Inventar-Verzeichnis per Ausrufezeichen + Unterstrich hervorgehoben als „Schabk!“ – resümierte schon vor gut 140 Jahren Thienemann mit den Worten:

„ Die  Schwarzkunstblätter  sind  im  Handel  fast  gar  nicht  mehr

… zu bekommen … sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … “

(Seiten VIII + 270). An welcher Situation auch, wie hier, Neuauflagen wenig zu ändern vermochten, da die sich technisch bedingt extrem schnell abnutzende Schabplatte nach Urteil des Praktikers Sandrart (1675) nur 50-60 gute Abdrucke ermöglicht.

Anstehendes Blatt fehlte also auch in Dresden. Und konnte erst 20 Jahre später von Graf Stillfried erstmals beschrieben werden. Es dokumentiert den untrennbar-vielschichtigen Ridinger, den Künstler in seiner Ganzheit. Denn den „harmlosen“ Ridinger landläufigen Kunsthistorikerurteils hat es gottlob nie gegeben. Vielmehr blieb er

„ einer  der  wenigen  deutschen  Barockkünstler

… der … nie  in  Vergessenheit  geriet “

(Rolf Biedermann, Meisterzeichnungen des deutschen Barock, 1987, S. 338). Hier denn sein

Memento  Mori  im  Erstzustand  des  Exemplars  Gräflich  Faber-Castell .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 14.856 / Preis auf Anfrage

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). S. Bernardus. Der hl. Bernhardus in Halbfigur nach links, in der erhobenen Rechten ein mit den Marterinstrumenten bestücktes Kreuz haltend, gegen dessen Fußende die Linke zudem einen  Totenschädel  hält. Links auf einer Steinplatte zwei Folianten, darauf schmucklose Tiara und eine weitere Geißelrute. Schabkunstblatt. Bezeichnet: I. El. Ridinger excud. A. V., ansonsten wie vor. 52 x 42,4 cm.

Johann Elias Ridinger, St. Bernhard

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

wie vor mit deren Lot-Nr. 174 auf dem Untersatzkarton

Schwarz  1539 nebst Abb. II, Tafel L; Faber-Castell 174; Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik I/1 (1975), 215.

Nicht bei Thienemann (1856), Stillfried (1876), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Kontrastreicher tiefschwarzer Druck mit umlaufend feinem Rändchen, in der rechten oberen Bildecke mit rotem Kreidestift genummert „71.“. Leicht zeitspurig, doch von schönem Gesamteindruck. Und selten, wie belegt etc. wie vor.

Angebots-Nr. 14.864 / EUR  570. / export price EUR  542. (c. US$ 591.) + Versand

Vor  dem  Hintergrunde  dessen

was  Jerusalem’s  Unvergänglichkeit  ausmacht

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). In manus tuas com(m)endo Spiritum meum et hæc dicens expiravit. Luc. 23. Der nach rechts aufblickende alleingelassene Christus in seiner wolkenverdüsterten Karfreitagsstunde am Kreuz, an dessen Fußende

Totenschädel + Gebeine , fortwirkend  zischelnde  Schlange + verlockender  Apfel

als bezugreiche Gesellschaft. Breit dahintergelagert der Tempelberg mit linksseitiger Anschlußlokalität. Schabkunstblatt. Bezeichnet: I. N. R. I. am Kopf des Kreuzes / I. El. Ridinger excud. A. V., ansonsten wie vor. 51,7 x 39,2 cm.

Johann Elias Ridinger, Christus am Kreuz

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

wie vor mit deren Lot-Nr. 136 auf dem Untersatzkarton

Th.-Stillfried (1876) + Schwarz (1910) 1408; Faber-Castell 136; Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik I/1 (1975), 153.

Nicht bei Thienemann (1856), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Kontrastreicher schöner schwarzer Druck – nuancenreich  das  von  oben  einfallende  Licht – mit WANGEN-Wz. wie für zeitgenössische Abzüge stehend mit umlaufend 7-10 mm Rand. In der linken Hälfte, optisch von der Schabtechnik überspielt, leicht wellig und gesamthaft bildseits wenig bemerkbar stippig. Ein rundweg schöner Gesamteindruck gleichwohl gewahrt.

Hier  denn  das  Exemplar  Gräflich  Faber-Castell

einer der neun Ridinger’schen Kreuzigungen in ihrer immer wieder anderen Geschehens-Fascination.

Angebots-Nr. 14.863 / EUR  890. / export price EUR  846. (c. US$ 923.) + Versand

Das  unerhörte  Finale  (I)

Ridinger’s

schnörkellos  fulminantes  Hauptblatt

im  Exemplar  Gräflich  Faber-Castell

– erworben  mit  „Rchg  v. 14/3 1914“ –

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). OMNIA MIHI SUBDITA. Die Herrschaft des Todes. Grabgewölbe mit Tod, von dessen Kopf, auf welchem ein mit Fledermausflügeln versehenes Stundenglas steht, rückseits und seitlich ein Schleier herabwallt, thronend über all dem Zeugs dieser Welt – für die rechts außen eine Globushälfte steht – , als da sind Gold, Gut, Siegel + Orden, Kronen, Szepter, Reichsapfel + Waffen, Folianten + Priesterkleidung, wissenschaftliche + landwirtschaftliche Instrumente und nolens volens Malerstock + Palette mit Pinseln. Die Rechte aber hält einen hohen Inschriftenstein, auf dessen besagte Schlußworte OMNIA MIHI SUBDITA die Linke mit als „Presens“ gekennzeichnetem Pfeil weist. Schabkunstblatt + Umriß-Gravur von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iac. Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger delin. et exc. Aug. Vind., ansonsten wie vor und unten. 55,7 x 42,2 cm.

Johann Elias Ridinger, Herrschaft des Todes I

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

wie vor mit deren Lot-Nr. 146/2 sowie sammlungsseits in Bleistift „Rchg v. 14/3 1914“

auf dem Untersatzkarton

Stillfried (3. Nachtrag zu Thienemann, 1876) + Schwarz (Coll. Gutmann, 1910) 1427 (ohne Erwähnung von Umriß-Gravur), hier indes als beiden unbekannter II Zustand (von II); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik I/1 (1975), 290 mit Kenntnisstand von Stillfried/Schwarz; Georg Hamminger 1886 (irrtümlich als St. 1527; „Aufgezogen. Von grösster Seltenheit“, 1895 ! Dito ohne Kenntnis von Zustand/Version); Faber-Castell 146 (ohne Erkennung als abweichender Zweitzustand, im übrigen zusammen mit Schwarz 1477); Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger in Wunderlich (Hrsg.), L’Art Macabre 2, 2001, Abbildung S. 105 (Explr. der SGS Mchn.).

Nicht bei Thienemann (1856), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1554 Positionen; 1900), Schwerdt (1928/35), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Der  Stillfried  wie  Schwarz  unbekannt  gebliebene  Zweitzustand

der  bislang  unerkannt  gebliebenen  Erstversion

dieses  unglaublich  fascinierenden  Blattes

von der oben verkürzten Platte bei gleichzeitig geänderter Signatur, beides entsprechend auch dem Exemplar der Staatlichen Graphischen Sammlung München.

Die Verkürzung betrifft 1,5 cm bildlose Plattenfüllung oberhalb des Gewölberundbogens. Innerhalb der Signatur sind die ursprünglichen „Iacob“ + „excud.“ bei jeweils „c“ abgekürzt. Ob die Abweichungen in Schreibweise und Zeichensetzung der von Schwarz nur ansatzweise zitierten Steininschrift, siehe unten, tatsächlicher Natur sind oder auf Inkorrektheit Stillfrieds beruhen, muß weitgehendst dahingestellt bleiben. Das von Stillfried wie Schwarz in der 1. Zeile hinter „curo“ geführte Komma fehlt hiesigem Exemplar.

Schwarz’ Annahme, die Abweichungen seiner Stillfried unbekannt gebliebenen Variante 1477 beruhten lediglich auf Überarbeitung der Platte, ist unzutreffend. Wie unten belegt, handelt es sich um eine in der Inschriftaussage gleichwohl entscheidend umgewichtete Wiederholungsversion (siehe unten) von eigener Platte.

Bildlich  herrlicher  Zenit

der  auch  das  jagdliche  Œuvre  durchziehenden

Ridinger’schen  Vanitates

von großer kompositorischer Fülle, fußend auf eigener Zeichnung und im Einschluß der Malutensilien in die Vergänglichkeitsattribute über das 1767er zeichnerische „Selbstbildnis mit Tod“ des Berliner Kupferstich-Kabinetts (Farbabbildungen in L’Art Macabre 2, s. o., S. 94 + Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, S. 54, sowie, s/w, per I.5, S. 61) hinausgehend.

Alles im strahlenden Lichte dessen, von dessen Haupte Fledermausflügel das abgelaufene Stundenglas hinwegführen werden, der „Presens“-Pfeil die Richtung vorgibt und der „Preteritum“-Pfeil zu Boden zeigt. Aber im Köcher steckt der Pfeil „Futurum“, wie immer sich diese auch anlassen möge. Und dessen Schriftfähnchen weht, konträr zu den hängenden beiden anderen, in munterer Gewißheit.

Der von der Linken des Skeletts geführte Präsens-Pfeil ist zwischen die Worte OMNIA + MIHI gerichtet. Bei der Wiederholung Schwarz 1477 – siehe unten – hat Ridinger diese Aussage noch verdichtend präzisiert, indem die Pfeilspitze nunmehr unmißverständlich auf das M des MIHI weist.

Die gewichtige Steintafel selbst typisch für Ridinger als wir solcher im Werk wiederholt begegnen bis hin zum programmatischen Eigen-Exlibris (Schwarz 1569) mit seinen Malutensilien, wo sie ein mit dem Malerstock bewaffneter Knabe hält, und sie des Meister’s absolutes Lebensbedürfnis bekundet: „Nulla dies sine linea“ – Kein Tag ohne Pinselstrich. Im Vergänglichkeits-Gerümpel anstehenden Blattes das Malergerät im übrigen ein abermaliger Gleichklang mit Hogarth, der sein graphisches Œuvre mit dem Blatte der Sterbenden Zeit (Tail Piece, or The Bathos) vom April 1764, also sechs Monate vor seinem Tode, abschloß, auf dem die Palette aber noch zusätzlich demonstrativ zerbrochen ist.

Das  druck-  wie  erhaltensmäßig

sehr  schöne  Exemplar

Gräflich  Faber-Castell

in samtenem Braun-Schwarz bei greifbar-plastischem Hell-Dunkel und mit den für zeitgenössische Abdrucke stehenden Wz. WANGEN und separater IV bei umlaufendem Rand von 4-8 mm.

Die  extreme  Seltenheit

des  Blattes

anstehendenfalls  potenziert

durch  seinen  hier  erstmals  beschriebenen  2.  Zustand .

Das Blatt als solches, erst 20 Jahre nach Thienemanns Kabinett-Besuchen von Graf Stillfried erstmals vorgestellt, dokumentiert den untrennbar-vielschichtigen Ridinger, den Künstler in seiner Ganzheit. Denn den „harmlosen“ Ridinger landläufigen Kunsthistorikerurteils hat es gottlob nie gegeben.

1914  –  1958  –  2005

Sie  müssen  sehr  jung  sein ,

sollten  Sie  meinen ,

bei  anstehendem  Blatte  zuwarten  zu  können .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 14.857 / Preis auf Anfrage

Der  Hieronymus  „Schwarz 1549“

und  nun  als  ungewisser  Kantonist  enttarnt

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). S. Hieronymus. Die Inspiration des Heiligen. Kniestück als Eremit Links des Tisches gegen einen mächtigen Kardinalshut gelehntes Kruzifix. Der Hut seinerseits gegen ein zweifächriges Bücherbord gelehnt. Auf diesem  Folianten , Sanduhr , Totenschädel + Martergeißel Christi. Der Heilige selbst blickt rückwärts nach links oben, von wo in der Ecke zwischen Wolken die Posaune des Jüngsten Gerichts ihm Inspiration vermittelt. Der Löwe blickt streng unter dem Tisch hervor. Schabkunstblatt. Bezeichnet: S. HIERONYMUS. / rechts unten zwischen Rahmenleiste und Beschriftungsfeld Ioh. Elias Ridinger excud. Aug. Vind. 57,8 x 42,3 cm.

Johann Elias Ridinger, Hl. Hieronymus

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

wie vor mit deren Lot-Nr. 177 auf dem Untersatzkarton

Vergleiche Schwarz 1549 (51,1 x 38,5 cm; Schrift-Variante: „Elias“ abgekürzt nach „l“, im übrigen siehe unten); Faber-Castell 177 (unachtsam als Schwarz 1549); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975), 230 (wie Schwarz).

Nicht bei Thienemann (1856), Stillfried (1876), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Literaturunbekannte  vergrößerte + spiegelbildliche  Kopie  von  Schwarz  1549

auf tonigem Linien-Papier mit Lilien-Wz., denkbar zeitgenössisch, aber auch eher später. Anmerkenswert, daß sich das vergrößerte Format an anderen Ridinger’schen Heiligen-Blätter orientiert, wie etwa dem des von Johann Jacob geschabten Kardinals-Hieronymus nach Alessandro Maresini (Schwarz 1548), ohne daß letzteres gleichfalls „eingerahmt“ wäre, oder das des hl. Markus Stillfried 1404, auf das ähnlicher Scenerie halber – übrigens auch Löwe  und Totenkopf – ein Castell’scher Vergleichshinweis auf hiesiger Blattrückseite aufmerksam macht.

Herrlicher , tiefbrauner Druck mit umlaufend 1,5-2 cm breitem Rand bei tadelloser Erhaltung bei partiell minimalem Stippenanflug, drei schwach von rückwärts durchscheinenden Rostfleckchen und vier kleinen bis winzigen althinterlegten Löchlein am oberen Bildrand, verso links unten Montagerest, wie alles nicht zählend. – Auf dem Untersatzkarton neben Castell’schem Gutmann-Verweis (Schwarz) noch Beschriftung anderer Hand. Das Blatt scheint im englischen Handel erworben zu sein.

Sujet  aus  dem  Mark  der  Kirchengeschichte

zu deren hervorragendsten Lehrern der mit jugendlicher Vergangenheit beladene Hieronymus (Stridon/Sdrin, Kroatien, um 340/42 – Bethlehem 420 [419?]) zählt.

„ … er (ist) nicht bloß der gelehrteste, sondern auch der beredteste unter den lateinischen Vätern … (und) in seinen Lebensbeschreibungen des heil. Paulus, Hilarion, Malchus (hat er)

recht  eigentlich  den  frommen  Roman  begründet “

(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII (1888), 524.).

In seinen frühen Jahren  „verweilte  er  eine  Zeitlang  zu  Trier “ , in dessen berühmten Schulen er seine Studien fortsetzte und das Klosterleben kennenlernte. Seine Bischofsweihe wird in den Legenden des 15. Jhdts. als Kardinalswürde berichtet, worauf sich denn auch hiesiger Kardinalshut bezieht. 386 nahm er seinen Dauerwohnsitz in Bethlehem, wo er ein Mönchs- und Nonnenklöster gründete.

Im Rang gern mit Augustinus verglichen, wurde er der  Patron wissenschaftlicher Vereinigungen, der Lehrer, Studenten + Schüler, der theologischen Fakultäten + Bibelgesellschaften, doch

auch  gegen  Augenleiden ,

im übrigen von Dalmatien + Lyon. Der 30. September als sein Sterbetag gilt den christlichen Religionen als sein Gedenktag, deren orthodoxen der 15. Juni.

Interessant  hiesige  Berücksichtigung  aller Hieronymus-Attribute

als dem des Eremiten der übergroße Kardinalshut zur Seite gestellt ist und dem Löwen der Totenkopf. Eher gilt Eremit  oder Kardinal + Löwe  oder Totenschädel, wie denn auch auf obiger Ridinger-Wiedergabe des Marchesini-Bildes als Kardinal und nur mit dem Löwen, den Hieronymus einst von einem Dorn in der Pfote befreit hatte.

Angebots-Nr. 14.865 / EUR  485. / export price EUR  461. (c. US$ 503.) + Versand

Franz  von  Assisi

als

unbeschriebene  Variante  von  Th. 1288

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). S. Franciscus Seraphicus. Der hl. Franz von Assisi in Halbfigur nach rechts meditierend vor aufgeschlagenem Buch mit Aufschrift „DEUS MEUS ET OMNIA.“,  Totenschädel + gekreuzigtem Seraph neben oben grasbewachsenem Felsen. Die Rechte der gefalteten Hände mit Kreuzigungswundmal. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iac. Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger exc. Aug. Vind. / S. | FRANCISCUS | SERAPHICUS. (in der Oberschleife der sonst leeren muschelförmigen Kartusche in der breiten Unterkante). 54,6 x 42,5 cm.

Johann Elias Ridinger, Franz von Assisi

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

wie vor mit deren Lot-Nr. 115 auf dem Untersatzkarton

Vergleiche  Th. 1288 (ca. 52,6 x 39,1 cm; ohne die Stecher-Signatur Johann Jacob’s und nur „A. V.“ statt „Aug. Vind.“; unerwähnt geblieben Buchaufschrift + Felsstaffage; vgl. Schwarz 1543, hingegen allein formatmäßig nicht identisch mit Schwarz 1288) – Schwarz 1288 (61,8 x 49,5 cm; ohne die Buchaufschrift, doch mit dem Felshintergrund; gekürzte Signatur wie Th. 1288, dessen Identität von Schwarz vorsorglich in Frage gestellt) – Schwarz 1543 (56,4 x 41,2 cm; mit Buchaufschrift, doch ohne den Felsen, gekürzte Signatur wie vor, doch „excud.“ statt nur „exc.“). – Faber-Castell 115 (unachtsam als Version Schwarz 1288). – Als Th. + Schwarz 1288 irrtümlich für identisch gehalten nicht bei Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975).

Nicht bei Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Unbeschriebene  Variante

zu  Th. 1288 , Schwarz 1288 + 1543

des  schönen  großen  Blattes  des  Ordensgründers

(1182-1226) in wärmendem groben Gewand mit zurückgeschlagener Kaputze mit deutlichem Bezug auf seine Vision eines gekreuzigten Seraphen, welcher ihm „unter brennendem Schmerz Jesu Wundmale ein(drückte), woher er den Namen des seraphischen Vaters , sein Orden den der seraphischen Brüder erhielt. Benedikt XI. gestattete den Minoriten ein eigenes Fest der

Wundmale  des  heil.  Franziskus

… und Paul V. verpflichtete sämtliche katholische Geistliche zur Feier desselben“ (Meyers Konv.-Lex., 4. Augl., VI, 588). Schon zwei Jahre nach seinem Tode ward er, gleichermaßen geehrt von Katholiken, Protestanten und selbst Nicht-Christen für „seine einzigartige Einfachheit und eine reine Gnade des Geistes“ (Paul Sabatier, Life of St. Francis of Assisi), durch Gregor IX., zuvor Kardinal Ugolino und Kardinal-Gouverneur des Franziskanerordens, heilig gesprochen.

Ridinger widmete dem Heiligen nach derzeitiger Kenntnis acht Versionen bzw. Varianten,

doch  einzig  die  hiesige  unbeschriebene  Variante

zusätzlich  mit  Johann Jacob’s  Stecher-Signatur .

Vorliegend in sehr schönem, nuancenreichem Druck. Letzteres namentlich in Bezug auf den von Thienemann mit „grobhären“ abgetanen  Mantel, der hier im Sinne von Ridinger’s von Wolf Stubbe gerühmter Fellbehandlung eher kostbar erscheint. Und der geistige Gehalt der körperlichen Aussage widergespiegelt vom Hell-Dunkel.

Mit WANGEN-Wz. nebst Nebenmarke wie für zeitgenössische Abdrucke stehend. Der umlaufende Rand ungleichmäßig auf zwischen 1 mm kurzem Extremfall und 15 mm bei dreiseits meist 10-15 geschnitten. Zwei längere und drei kurze Rißspuren, jeweils nur fein, professionell restauriert und solchermaßen ohne bemerkenswerte Störung des auch erhaltensmäßig sehr schönen Gesamteindruckes. Hinterlegt zudem drei Kleineinrisse im weißen Rand. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 14.860 / EUR  1730. / export price EUR  1644. (c. US$ 1793.) + Versand

„ Das  große  Totentanzblatt “

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Totentanz. Kreiskettenreigen von neun Frauen plus Gerippen um geöffneten Sarg mit zwei Gerippen inner- und außerhalb der Friedhofsmauer als Mittelstück. Darüberhinaus, zurückgesetzt, Kapelle + Beinhaus (?) samt Mauern. In den Ecken Sündenfall – Golgatha – Ewiges Leben + Fegefeuer, dazwischen zwei Textkartuschen. Umgeben im Außenfeld von 12 Medaillons nebst Textkartuschen für den Tanz der Männer, getrennt von 8 (6 verschiedenen) Vanitas-Attributen. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger excud. Aug. Vindel., ansonsten wie nachfolgend. 65,3 x 48 cm.

Johann Elias Ridinger, Totentanz

Th.-Stillfried + Schwarz 1428. – Abbildung in L’Art Macabre 2, Jahrbuch der Europ. Totentanz-Vereinigung, D’dorf 2001, innerhalb des hiesigen Beitrags „Die Vanitas-Symbolik bei Joh. El. Ridinger“ – II. Zustand (von 2?), wie auch das Explr. der Staatlichen Graphischen Sammlung München. – Die Exemplare Stillfried + Schwarz und das der Versteigerung Gräflich Faber-Castell (1958) als

„ Das  große  Totentanzblatt  /  Hauptblatt “

an Hand ihrer Beschreibungen zustandsmäßig nicht fixierbar. Hingegen erweist sich das von Patrick Pollefeys im Internet vorgestellte als früherer, derzeit zu unterstellender Erstzustand.

Nicht bei Thienemann und in Dresden, siehe unten, fehlend den umfangreichen Beständen Weigel (1857), Coppenrath (1889/90) , Wawra (1890) , Helbing (1900) , Rosenthal (1940) u. a. m.

Typographisches + figürliches Wz. – Oben + rechts mit nahezu durchgehend feinem Rändchen, links + unten (hier gleichwohl bei 1,5 cm breitem Plattenrand) überwiegend auf Plattenkante geschnitten. – Hälftig alt per Eckmontage auf breitrandiges Bütten aufgelegt, wovon eine Ecke sich unter Rißbildung (restauriert) gelöst hat. Praktisch nicht störende Mittelfalte.

Das  druck-  und  erhaltensmäßig  sehr  schöne  Exemplar

einer gepflegten Sammlung von in allen Partien nuanciertem Hell-Dunkel. Und solchermaßen

von  größter  Seltenheit

nicht allein am Markt, sondern generell, wie oben belegt. Hiesiges denn gleichfalls nicht im Dresdner Cabinett vorgefunden worden, vielmehr erst 1876 von Graf Stillfried bekanntgemacht. Die dortigen Zitate nicht ganz akkurat.

DAS  ERSTE  DER  GROSSFORMATIGEN  ZWEIBLÄTTERIGEN  FOLGE

mit der hier nicht präsenten „Allegorie der Lebensalter“ als Gegenstück (Th.-St. + Schwarz 1429; Abbildung des Exemplars in Augsburg in L’Art Macabre 2 wie oben)

ALS  EINEM  HÖHEPUNKT  DER  RIDINGER’SCHEN  VANITATES

in aktualisierter Wiederholung eines anonymen Flugblattes des späten 16. oder frühen 17. Jahrhunderts, jedenfalls „vor 1623“, als der „nachweisbar früheste(n) und bekannteste(n) Totentanzillustration dieser Art im deutschsprachigen Raum“ (siehe Imke Lüders, Totenreigen-Totentanz, Totentanzillustrationen auf Flugblättern des Barock und ihre Rezeption, in L’Art Macabre 1, D’dorf 2000, nebst Abbildungen.

HIER  ERSTMALS  AUFLIEGEND , VON  REICHSTER  THEMATIK .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 28.933 / Preis auf Anfrage

Die  blühende  junge  Frau

in  Kontrast  zu  Totenschädel + Kette

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die hl. Maria Magdalena in der Buße in der Wüste. Schabkunstblatt. 51,6 x 42,4 cm.

Johann Elias Ridinger, Maria Magdalena

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

wie vor mit deren Lot-Nr. 168 auf dem Untersatzkarton

Vergleiche  Schwarz 1507 (51,2 x 38,6 cm; bezeichnet Ioh. Elias Ridinger exc.: Aug. Vind., mit links oben in den Wolken zwei schwebenden Engelsköpfen) als verkleinerte Wiederholung von Schwarz 1506 (66,5 x 48,8 cm; bezeichnet wie vor, doch statt des „exc.“ „invent. et delin.“ und ohne die Engelsköpfe); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I/1 (1975), 192 (Schw. 1507); Faber-Castell 115 (unachtsam als Schwarz 1506!).

Nicht bei Thienemann (1856), Stillfried (1876), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Unbeschriebene  Variante

zu  Schwarz 1507 + 1506

in  Probedruck  vor  aller  Schrift

mit dem weit aussagekräftigeren Lichtstrahl statt unverbindlicher Allerweltsputten, der zudem nicht, wie letztere, in den Wolken angesiedelt ist, vielmehr aus dem gänzlichen, konturenlosen breitflächigen Schwarz oberhalb derselben hereinbricht. Als 3,8 cm breiter als Schwarz 1507 und damit außerhalb der Toleriergrenze unterschiedlichen Arbeitens der Papiere liegend, ist von einer selbständigen Version und nicht nur von abweichenden Zuständen ein und derselben Platte auszugehen. Schon Schwarz beurteilte eine solche Maßdifferenz entsprechend, indem er eine Identität seiner lesenden Magdalena Nr. 1508 mit der ihm nicht vorliegenden inhaltsgleichen von Th.-Stillfried 1421 wegen differierender Breite (38,4 : 42 cm, also ähnlich hier) in Frage stellte.

Die  blühende  junge  Frau

–  nach den Evangelien eine der ersten bzw. (Joh. 20,1)

die  erste  Zeugin(nen) der Auferstehung  –

in  Kontrast  zu  Totenschädel

und Kette unvergleichlich reizvoller als namentlich das durch Stahlstich weitverbreitete Sujet der in idyllischer Landschaft lesenden Magdalena Correggio’s, doch auch exaltierter anderweitiger früherer Darstellungen. Daß Ridinger den Totenschädel auch in Verbindung mit dem Buch-Attribut einsetzte (besagte Schwarz 1508, Stillfried 1421) – wie übrigens auch sein italienischer Zeitgenosse Batoni, 1708-1787 – ergibt sich angesichts seiner das Œuvre vielfältig abgestuft durchziehenden Vanitates von selbst. Aber auch bildästhetisch ist seine anstehende Magdalena mit ihrem elegant drapierten Busen eine Klasse für sich.

Herrlicher  Druck  adäquater  Erhaltung

mit WANGEN-Wz. wie für zeitgenössische Abdrucke stehend bei umlaufend 5-10 mm Rand. Drei unterschiedlich lange professionell geglättete Querfalten bildseits ebensowenig wahrnehmbar wie eine kleine Restauriermaßnahme in Brusthöhe. Rostfleckchen in der Himmelspartie, drei stecknadelkopfkleine Löchlein rechts im weißen Papier- (2) bzw. Bildrand.

Angebots-Nr. 14.868 / EUR  1380. / export price EUR  1311. (c. US$ 1430.) + Versand

Vor  der  Silhouette  Jerusalems

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Consummatum est. Vor der Silhouette Jerusalems der sterbende Christus am Kreuz, herabblickend nach links auf Maria, zur Rechten Johannes, beide stehend, die Hände gefaltet und aufblickend. Am Fuß des Kreuzes  Totenschädel . Schabkunstblatt. Bezeichnet: I. N. | R. I. am Kopf des Kreuzes / Consummatum est. / I. El. Ridinger excud. Aug. Vind. 56,7 x 42,3 cm.

Johann Elias Ridinger, Christus am Kreuz

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

wie vor mit deren Lot-Nr. 109 auf dem Untersatzkarton

Vergleiche  Th. 1274 (ungewiß als unter Verlust des Titel-/Signaturstreifens beschnitten) + Schwarz 1274 (56 x 39,2 cm, Schriftabweichung „CONSUMATUM EST.“ + „J. Elias … exc. …“). – Faber-Castell 109 (ohne Beachtung des „mm“ bei Consummatum).

Nicht bei Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Unbeschriebene  (?)  Variante

zu  Schwarz  1274

des  stimmungsvoll-zarten  großen  Blattes

fern aller Dramatik in sehr schönem Druck mit wohl WANGEN-Wz. bei umlaufend 1-1,5 cm breitem Rand und unbeschadet seiner Zeitspurigkeit – perfekt geglättete Knitterfältchen über das ganze Blatt, dünne Papierstellen, einige stecknadelfeine Löchlein, Sporfleckchen im unteren Bildfeld – von optisch rundweg sehr schönem Gesamteindruck.

Hier  denn  das  Exemplar  Gräflich  Faber-Castell

einer  Kreuzigungsscene  von  ganz  seltener  Intimität

mit  dem  herrlich  nuanciert  von  oben  einfallenden  Licht .

Angebots-Nr. 14.861 / EUR  956. / export price EUR  908. (c. US$ 990.) + Versand

Ein  spektakulärer  Fund

Um  den 14  ( sic! )  Konkurrenten  sich  balgten !

Anschließend  der  Kustos  einer  bedeutenden  öffentlichen  Sammlung :
„ Dann waren Sie es also , der uns das Blatt wegschnappte .

Gratuliere .

Ich  hätte  es  auch  gerne  gekauft . “

Äußerst  selten  für  Andreani  –  Literaturunbekannt  für  Ridinger

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die Allegorie des Todes. Kupferstich + Radierung nach Andrea Andreani (auch Andriani, Andreini, Andreasso, Andrea Mantuano; Mantua 1541 oder später – wahrscheinlich ebda. ca. 1623) auf Grund dessen Clair-obscur-Schnitts nach Giovanni Fortuna Fortunius (1535-1611, tätig in Siena). Bezeichnet: Joh. El. Ridinger excud. Aug. Vind. Blattgröße 57 x 40,6 cm.

Andrea Andreani, Allegorie des Todes

Unbekannt  der  einschlägigen  Literatur

zu Ridinger bis hin zu Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik (1975), Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Joh. El. Ridinger (in L’Art Macabre, Bd. 2, 2001) und den maßgeblichen Sammlungs-, Verkaufs- und Ausstellungs-Katalogen seit Weigel (1838). Ein unter Bildverlust beschnittenes Exemplar in aufgelöster fränkischer Sammlung bekannt geworden. Thematisch aber

in  seinem  ikonographischen  Reichtum  unerreicht

vom Kern seiner teils extrem seltenen, aber eben doch bekannten Mementi, den Schabblättern Th.-Stillfried 1426-1431. Und kompositorisch weit entfernt von deren letzten beiden, den von Johann Jacob nach Dieffenbrunner gearbeiteten brutal realistischen (1430 f.). Hier denn

das  Memento  mori  als  Virtuosenstück ,

als intellektuelle Herausforderung bei sprechend-reizvoller Bildhaftigkeit.

Formatmäßig  sichtbar  größer

als Andreani’s während seiner besten Periode in Siena geschaffener Farbholzschnitt von 1588 (51,1 x 33,9 cm Bildgröße), von dem hier in zahllosen Altmeister-Katalogen der letzten Jahrzehnte nur ein Exemplar des II. Zustandes nachweisbar ist, das seine Schätzung entsprechend nahezu verfünffachte (1994). Als Ganzes denn auch fehlend innerhalb der nicht miteinander identischen jeweils sieben Andreanis der Sammlungen Lanna (1895, + 3 Varianten) + Davidsohn (1920/21).

Diese  äußerste  Seltenheit  der  Andreani-Vorlage

( schon 1858 Nagler, Monogrammisten I, 86: sehr selten )

verleiht  Ridinger’s  Blatte  zusätzlichen  hohen  Belegwert .

Andreani’s generell nur schmales Œuvre wird heute auf ca. 70 Arbeiten beziffert (AKL, 1990, und

„ ist sein Wirken heute historisch und kunsthistorisch bedeutsam einzuschätzen“, wie Nagler, Monogrammisten I, 86, bereits 1858 festhielt: „… die ausserordentliche Thätigkeit eines Mannes … über welchen seit Bartsch oft ein zu strenges Urtheil gefällt wurde … Andreani muss von einem anderen Standpunkte aus betrachtet werden …“ und ebda. per 1017: „der berühmte Formschneider“ ),

von denen ein Großteil aber auf die Zeit nach 1600 entfällt, da er sich in Mantua nur noch als Händler und Verleger betätigte, wobei er gleichwohl die erworbenen Fremdstöcke mit seinem Monogramm versah. Zwei Arbeiten aus 1608 bzw. 1610 gelten aber als nochmals originär. Bartsch’s Kernbestand von 25 und zweier ungewisser in Anzahl wie Zusammensetzung nicht mehr ganz aktuell. Unberührt hiervon aber

die  Allegorie  des  Todes .

Findet sich Andreani’s sogenannte „Melancholie“, die über einem Totenschädel meditierende Frau, als „künstlerisch ein Hauptblatt“ nebst Beisatz „thematisch ungewöhnlich“ qualifiziert, um wieviel mehr dies seine hier von Ridinger als ein

„ Pasticcio ikonographischer, ikonologischer und künstlerischer Zitate “

aufgegriffene „Allegorie des Todes“. Als

äußerst  selten  für  Andreani

(generell sprechen Thieme-Becker von „der großen Seltenheit der Blätter“ ) ,

als

Nahezu-Unikat  für  Ridinger .

Hier denn vorliegend in schönem, nicht mehr ganz zeitgenössischem Druck auf linienfreiem Papier mit Wortmarken-Wz. bei umlaufend feinem Rand um die Bildeinfassung. Nur hier und da knapp bis an diese beschnitten. Der gesamthaft gewissen Altersspurigkeit restaurativ professionell begegnet, wie auch die rückseitige (Wasser-)Fleckigkeit bildseits nur partiell ganz schwach durchscheint. Im schraffierten Randfeld unten rechts ein noch schwach sichtbarer Künstlerhinweis. Kurz ,

ein  seinesgleichen  suchendes  Rarissimum  von  schönem  Gesamteindruck .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 28.482 / Preis auf Anfrage

Von  graphisch  brillantester  Delikatesse

ein  potenziertes

OMNIA  MIHI  SUBDITA (II)

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). OMNIA MIHI SUBDITA. Die Herrschaft des Todes wie oben. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger delin. et excud. Aug. Vind., ansonsten wie vor. 57,3 x 41,4 cm.

Johann Elias Ridinger, Herrschaft des Todes II

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

wie vor mit deren Lot-Nr. 146/2 auf dem Untersatzkarton

Schwarz (Coll. Gutmann, 1910) 1477; Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik I/1 (1975), 270 mit Kenntnisstand von Schwarz; Faber-Castell 146 (zusammen mit Stillfried/Schwarz 1427 im II. Zustand als obige 14.857). – Vgl. Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Johann Elias Ridinger in Wunderlich (Hrsg.), L’Art Macabre 2, 2001, Abbildung S. 105 (II. Zustand von St./Schw. 1427 im Explr. der SGS Mchn.).

Nicht bei Thienemann (1856), Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Slg. Gg. Hamminger (1895), Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1554 Positionen; 1900), Schwerdt (1928/35), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Die  Stillfried  (1876)  unbekannt  gebliebene  und  auch  von  Schwarz  nicht  als  solche  erkannte

hier  erstmals  identifizierte  Zweitversion

dieses  unglaublich  fascinierenden  Blattes

in  einem  Exemplar  von  letzter  Schönheit

und  graphischer  Raffinesse

als von unter anderem entscheidender Umgewichtung begleitete Wiederholung von Stillfried/Schwarz 1427, für die hier gleichfalls erstmals ein II. Zustand mit gleichem Pedigree nachgewiesen und beschrieben werden konnte (14.857).

Schwarz’ Annahme, die Abweichungen anstehender Variante 1477 beruhten lediglich auf Überarbeitung der 1427er Platte, ist unzutreffend. Wie unten belegt, handelt es sich um eine Arbeit von eigener Platte, deren thematisches Spotlight mittels kleiner Verschiebung eine präzisierte Botschaft erhellt :

der  auf  den  Blattitel  gerichtete  „Presens“-Pfeil

weist  nicht  mehr  zwischen  die  Worte  OMNIA + MIHI ,

sondern  direkt  auf  das  M  des  MIHI !

Erfolgte angesichts des Vorliegens beider, die Fakten aufdeckenden, Varianten die Katalogisierung für Faber-Castell unzulänglich, so ergibt sich Schwarz’ irrtümliche Annahme eben aus seiner Unkenntnis des 1427er Zweitzustandes von der oben verkürzten Platte. Denn seine Variante 1477 repräsentiert in der Höhe wieder das ursprüngliche Format, endet also wieder erst 1,5 cm oberhalb des Bogens. Hingegen hat sie eine um ca. 8 mm geringere Breite mit der von ihm übersehenen Folge einer beidseitigen geringfügigen Bildverkürzung. Wie sich denn generell die abweichenden „kleinen Varianten“ (Schwarz) zu einer ansehnlichen, gleichwohl erst auf wiederholten Blick hin bemerkbaren Masse verdichten, die einander gegenüberzustellen hier zu weit führte und nicht zuletzt

dem  Kenner ,

der  „noch  an  die  Wichtigkeit  der  Etats  glaubt“

(Max Lehrs 1922 in Würdigung des Altmeister-Sammlers Julius Hofmann) die Freude, ja, das Glück, der eigenen Entdeckung schmälerte. Was geradezu als unfair empfunden werden muß angesichts hiesigen Vorliegens  beider Varianten, 1427 + 1477, und damit der Möglichkeit

eines  Erwerbs  beider  Blätter ,

ganz  so  wie  einst  Gräflich  Faber-Castell

bei indes noch Angewiesengewesenseins auf die Chance einer zweiten Zugriffsmöglichkeit.

Doch der Lust der Vergleichsmöglichkeit beider Blätter steht anstehendenfalls noch eine Befriedigung ganz anderer Qualität ins Haus, wie hier aus dem Stegreif für keinen anderen Fall Ridinger’scher Schabkunst erinnerlich. Denn zumindest im obigen Zweitzustand bedient sich 1427 zur Realisierung des thematisch bedingt so überaus komplexen Bildes vereinfachend gravierter Umrißlinien, statt – wie hiesige „Wiederholung“ 1477 – alles allein aus der Abstufung von Hell und Dunkel als dem Prinzip der Schabkunst herauszuarbeiten.

Wo gravierte Linien partiell zwangsläufig zu feinerer Ziselierung führen, ist es faszinierend, deren „gröbere“ Verwirklichung aus dem staunenmachend schwierigen Spiel von Licht + Schatten gebildet zu sehen. Und vergleichend zu beobachten, wie billig anderwärts solche Linien Faltenwürfe abhaken, die in der reinen Schabkunst aus sich selbst herauswachsen. Oder Hains Stirn krausziehen oder dessen Gliedmaße + Gelenke behandeln.

Beide Versionen stammen von der Hand Johann Jacob’s. Sie miteinander zu vergleichen, führt somit weit über das Nebeneinander von Abweichungen üblicher Art hinaus, ist vielmehr ein in medias res der Technik selbst gehen. Welch eine Chance des Lernens, des Einstiegs in das Raffinement graphischen Ausdrucksvermögens, der Verfeinerung der Qualitätserkenntnis!

Der mit seinem vergleichsweise nur schmalen geschabten Beitrag so ganz im Schatten von Vater und älterem Bruder stehende Johann Jacob, mit anstehendem Blatte von Schwarz 1477 zeigt er seine Ebenbürtigkeit,

seine  ganze  Meisterschaft  auf  dem  Felde  der  bravourösen  Schabkunst .

Wurde anstehendes Sujet erst 20 Jahre nach Thienemanns Kabinett-Besuchen von Graf Stillfried erstmals vorgestellt, doch, wohlgemerkt, nur im Erstzustand von 1427, überraschte erst 34 Jahre später Schwarz mit zusätzlich 1477, von letzterem mit weiterem Intervall von 48 Jahren das Exemplar von Faber-Castell marktgängig wurde, zusammen mit dem 1914 erworbenen Zweitzustand von 1427, beide dann absorbiert von anderer gräflicher Ridinger-Sammlung mit Schwerpunkt Schabkunst. Und nach 47jährigem dortigen Verbleib nun hier und heute.

Das  druckadäquat

herrlich  erhaltene  Exemplar

Gräflich  Faber-Castell

mit umlaufend 4-13 mm breitem Rand mit wohl Wasserzeichen WANGEN nebst separater IV wie für zeitgenössische Abdrucke stehend. – Von zwei aufeinander zulaufenden, gänzlich geglätteten Falten mittig die eine bei leichter Quetschung links außen rückseits verstärkt,. Zwei schwache parallele Faltspuren, alles bildseits kaum wahrnehmbar, zudem am oberen Bildrand, davon die eine noch den Abschluß des Gewölbebogens durchziehend. In diesem auch ein ungefärbt gebliebener haarrißfeiner Auslauf eines von oben kommenden Fältchens vom Druck her. Einige wenige stecknadelkopf/spitzenkleine Abreibungen. Rückseitiger leichter Stockstippenanflug unten nicht ins Bild durchschlagend.

Solchermaßen denn  eine  Trouvaille  von  rundum  extremer  Seltenheit  in hier nun

ganz  frühem  Druck

von  unvergleichlich  schöner  Plastizität .

In  einem  absoluten  samtenen  Braun  und  Schwarz ,

aus  dem  alles  körperliche  Weiß  braun-weiß  herausleuchtet .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 14.858 / Preis auf Anfrage


“ Thanks for shipping the print. It has arrived here in excellent shape. Happy holidays ”

(Mr. H. A. P., December 12, 2001)