English

„ Septemberschrei “*

nach

Septemberwahl

*( Ludwig Meidner’s von 19 Lithographien begleitete Textsammlung von 1920.
Siehe daraus den

„ Horcher  in  die  Zeit “

abgebildet bei Soergel, S. 300. )

 

Ähnlichkeiten
mit  aktuellem  Zeitgeschehen  nicht  ausgeschlossen :

Der  „ Versuch … die  Willkür …

an  die  Stelle  der  rechtlichen  Formen  zu  setzen “

wurde  seinerzeit  noch  von  Oberrichter  Pratt

als  ungesetzlich  gestoppt

Hogarth, William (1697 London 1764). John Wilkes Esqr. Das Sitzporträt zeigt den Herausgeber des North Briton Journals, wenig schmeichelhaft, aber echt, in entschlossener Haltung mit dem auf langer Stange mitgeführten Freiheitshut. Auf dem Tischchen neben ihm die die Thronrede Georgs III. zerfetzende berüchtigte Nr. 45 des Blattes sowie die 17. Ausgabe, in der Wilkes das 1. Blatt von Hogarth’s Times kritisiert hatte. Kupferstich + Radierung. Bezeichnet: Drawn from the Life and Etch’d in Aquafortis by Willm. Hogarth. / Publish’d according to Act of Parliament May ye 16. 1763., ansonsten wie vor. 35,7 x 23,3 cm.

Harmonischer, breitrandiger Abdruck von der vom kgl. Kupferstecher James Heath (1757 London 1834) um 1822 überarbeiteten Platte („Selbst diese Abzüge sind heute aber relativ selten geworden“, Kunstgalerie Esslingen 1970; und Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII [1888], 625: „Eine schöne Ausgabe“, geschätzt auch schon von zeitgenössischen Sammlern vom Range etwa eines A. T. Stewart [Catalog of the Stewart Collection, New York 1887, 1221, „fine plates“]).

John  Wilkes

(Publizist, 1727-1797, und Held „der damals schon höchst wichtigen Zeitungspresse“)

„ gab … seit Juni 1762 die Zeitschrift ‚North Briton‘ heraus, in der er die Politik des Ministeriums (von Lord Bute) scharf geißelte und selbst die Person des Königs (George III.) nicht schonte. Der Staatssekretär Halifax erließ hierauf einen gegen die Habeaskorpusakte verstoßenden Haftbefehl, der nicht gegen eine bestimmte Person, sondern gegen die Urheber des Blattes im allgemeinen (Schriftsteller, Drucker und Verkäufer) gerichtet war. W. wurde darauf verhaftet; das Gericht aber ordnete seine Freilassung an … Dieser Ausgang war für ganz England insofern wichtig, als fortan die Haftbefehle ohne Namen beseitigt blieben. W. veranstaltete darauf einen Neudruck des ‚North Briton‘ … “

(Meyers Konvers.-Lex., 4. Aufl., XVI, 648 in großer Ausführlichkeit

und  dies  nach  noch  130  Jahren !) .

William Hogarth, John Wilkes

„ … dieses Portrait, welches den Charakter dieses Mannes, wie er geschichtlich überliefert ist, vollkommen darstellt; man erkennt sogleich den ausgelebten Wüstling ohne alle Grundsätze, welcher die Volksgunst, die er durch Umstände und Keckheit gewann, zum Geldmachen benützte. Man erkennt auch neben dem Heuchler im Patriotismus den kecken Spötter …

„ Hogarth hat die Figur portraitiert, als Wilkes während des Processes, der ihn zum Helden der Freiheit machte, vom Tower vor den Gerichtshof der Common Pleas gebracht … wurde. Man sollte das Bild für eine Caricatur halten; dies ist aber nicht der Fall, denn alle Zeitgenossen erkannten sogleich die vollkommenste Aehnlichkeit … Das Blatt erschien (am 16. 5. 1763) während der Aufregung, die Wilkes’ Proceß bewirkte, und hatte deßhalb einen solchen Erfolg, daß mehrere tausend Abdrücke in der ersten Woche abgesetzt wurden …

„ Der persönliche Charakter von Wilkes war nicht von der Art, daß eine bleibende Achtung einem Manne wie ihm hätte zu Theil werden können …

Es  fehlte  ihm  sowohl  an  Consequenz  in  politischen  Grundsätzen ,

wie  an  Moralität  im  öffentlichen  und  Privatleben …

Als ruinierter Wüstling versuchte er den Weg, welcher bei der damaligen Zusammensetzung des Parlaments bis zur Reform gewöhnlich war; er bemühte sich in das Unterhaus zu kommen, um durch den Verkauf seiner Stimme und durch geschickte Benützung derselben bei Parteikämpfen ein Amt von der Regierung zu bekommen … Pitt’s (William Pitt I, 1708-1778) Schwager und College, Lord Temple, nahm sich seiner an, wahrscheinlich, weil er … dessen Fertigkeit in der Feder in der damals schon höchst wichtigen Zeitungspresse benützen zu können glaubte …

„ Er benützte die freie Presse … Seine hauptsächlichste Wirksamkeit begann jedoch (Juni 1762) mit seiner Zeitschrift: The North Briton, (die) bald als die gefährlichste Waffe der Opposition von der Regierung (Pitt) erkannt wurde … Durch persönlichen Einfluß des Königs wurde indes die Regierung bald bestimmt, einen Versuch zur Unterdrückung jenes Blattes zu machen … Die Minister benahmen sich bei dieser Angelegenheit auf eine Weise, welche

der  Neigung  des  Königs  zur  Willkür  entsprach ;

sie brachten ein altes Rechtsverfahren in Anwendung, welches während der tyrannischen Zeiten der Stuarts in solchen Fällen benützt worden war. Der Staatssekretär des Innern (Halifax) erließ einen sogenannten  allgemeinen  Verhaftsbefehl  (general warrant) … Wilkes wurde verhaftet … Dies Rechtsverfahren war schon lange nicht mehr gewöhnlich und widerstrebte der Habeas corpus–Akte. Wilkes wußte dies sehr gut … Man brachte ihn in den Tower, allein mußte ihn bald darauf vor den Gerichtshof der Common Pleas stellen, wo der

Oberrichter  Pratt  die  Ungesetzlichkeit  der  Verhaftung  erklärte ,

so daß der Gerichtshof seine Freigebung dekretierte. Der Hof hatte hierin um so unverständiger gehandelt, da Staatsmänner anderer Art, da Leute, die zur bloßen Volksmasse gehörten, oder die Wilkes aus Parteirücksichten vertraten, sich ebenfalls dieses Mannes annahmen, weil sie mit Recht in jenem Verfahren einen Versuch erkannten,

die  Willkür  im  gerichtlichen  Verfahren

an  die  Stelle  der  rechtlichen  Formen  zu  setzen “

(Lichtenberg, dessen sich die Republik zum 200. Todestag noch so arglos-dankbar erinnerte).

Geurteilt ohne Ansehen der Person, siehe oben, und der Institutionen. Und solchermaßen ein Lehrbeispiel der Geschichte, ein Qualitätssiegel für die Güte der Augenbinde Justitias, fördernd im Volke Rechtsempfinden, mehr noch, Rechtsgewißheit. Und damit nicht zuletzt eine Attacke gegen Politverdrossenheit als Ausfluß des Empfindens von einer „verkommenen Gesellschaft“ wie sie Hogarth auch in seiner Wahlfolge so treffend bloßstellte. Womit dieser sich, aufs Heute übertragen, erneut als von

geradezu  erschreckender  Zeitlosigkeit  und  Aktualität

erwiese.

Und  das  résumé  zu  Wilkes

als  geradezu  einer  Einladung  zur  Schärfung  der  Menschenkenntnis ?

Aber ja doch, dessen unverhohlenes Ziel war es, in den politischen Parteikämpfen sein Glück zu machen. Als er dieses Ziel schließlich mit dem einträglichen Amt des Chamberlain (Kämmerer) der Londoner City erreicht und sich in diesem behaglich eingerichtet hatte, „ersuchten ihn seine ehemaligen Freunde vergebens“, sich weiterhin ihrer Ziele anzunehmen, zog sich solchermaßen zurück und – so der unbestechliche Lichtenberg weiter – „wurde bis zu seinem Tode 1797 … mit Ausnahme von 1780, wo er übrigens eine ehrenvolle Rolle spielte … nicht weiter bemerkt … “

„ Man erkennt in ihm den unreinen Charakter, welcher die Aufregung des Volkes und die dadurch bewirkte Popularität zu seinem Vortheil benützte, und der sich sogleich zurückzog, als er eine einträgliche Stellung erlangt hatte. “

Und  seine  Anhänger  betreffend  gelegentlich seiner zweiten Bewerbung um den Parlamentssitz von Middlesex auf dem Wahlgerüst seinen Konkurrenten, Oberst Luttrel, befragt haben soll,

ob sich unter seinen (Wilkes) Anhängern inmitten des versammelten Wählervolks

„ mehr  Narren  oder  Schufte … befänden “.

„ Der Oberst antwortete: ‚Ich werde dies sogleich sagen, damit es mit Ihnen aus ist.‘ – Als er aber bemerkte, daß Wilkes ruhig blieb, fügte er hinzu: ‚Sie können doch nicht daran denken, nur noch eine Stunde hier zu bleiben, wenn ich Ihre Worte bekannt mache.‘ – ‚Gewiß, Sie würden keinen Augenblick länger leben.‘ – ‚Wie so?‘ – ‚Ich würde sagen, Sie hätten gelogen, und der Pöbel würde Sie im Augenblick todtschlagen.‘ “

Soweit der Wahlkämpfer Wilkes. Gleichwohl, es sei ein drittes Mal plakatiert, gab er Oberrichter Pratt die Gelegenheit, den

„ Versuch  (der Regierung) …

die  Willkür … an  die  Stelle  der  rechtlichen  Formen  zu  setzen “

als  ungesetzlich  zu  stoppen .

Angebots-Nr. 14.845 / EUR  198. (c. US$ 216.) + Versand

– – – Dasselbe in Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840, Univ.-Kupferstecher ebda.). Bezeichnet: 56 / W. Hogarth del. 1763. / R. f., ansonsten wie oben. 23,5 x 18,6 cm. – Abdruck auf leicht getöntem minderen Papier. – Riepenhausens Stiche nach Hogarth („sehr schätzbar“, Nagler) zählen zu seinem Hauptwerk und werden nicht zuletzt der Seitenrichtigkeit wegen den Hogarth’schen Kupfern teilweise sogar vorgezogen.

Angebots-Nr. 14.846 / EUR  118. (c. US$ 129.) + Versand

– – – Dasselbe von Riepenhausen wie vor, doch in leuchtendem Abdruck auf besonders festem Papier, wohl um 1850.

Angebots-Nr. 14.847 / EUR  148. (c. US$ 161.) + Versand

– – – Dasselbe in Lithographie. (1833/36.) Bezeichnet: Johann Wilkes. / Lith. v. C. F. Heinz. 25,1 x 14,5 cm. – Ausführlicher, indes die Vorgänge unrichtig bzw. entstellend wiedergebender Untertext in Deutsch.

Angebots-Nr. 14.848 / EUR  98. (c. US$ 107.) + Versand


“ Many years ago I bought from you the print/litho from Mourot ‘Sophia....’ We are still very happy with this acquisition. For my collection and family history/genealogy I am looking for some very special prints … ”

(Mijnheer P. van de W., May 19, 2012)