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Aha,

niemeyer’s  setzt  sein  historisches  quartal  fort

Hier  denn

Höchstedt’s  300.  Jahrestag

Die  Sieger  des  13. August

Prinz  Eugen  von  Savoyen  +  der  Herzog  von  Marlborough

die „dem  spanischen  Erbfolgekrieg – einem  europäischen  Ereignis  von  Graden –
eine entscheidende Wendung gab(en)“,
nachdem  zu  Anfang  1704
Erzherzog  Karl  von  Österreich
durch  seine  Landung  auf  der  Iberischen  Halbinsel
Habsburg’s  Anspruch  auf  das  spanische  Imperium  bekräftigt  hatte.

Schließlich gehörte der kinderlos zu versterben trachtende Karl II. von Spanien zum Hause Habsburg. Letzteres gleichwohl durch Hinzugewinn der spanischen Monarchie den Seemächten England/Holland wie Frankreich zu dominierend würde. Wofür man in Wien Verständnis zeigte. Jeder mit jedem ohnehin versippt und verschwägert, bot sich Bayerns Kurprinz Joseph Ferdinand als Erbe an, der Enkel Kaiser Leopold I. und dessen spanischer Gemahlin. Indes: der junge Spielverderber starb (1699) noch vor dem Erbfall (1700). Noch vor dessen Eintritt hatten sich schon zu Anfang des Jahres Wilhelm III. von England, letzter Vertreter der „ältere(n) berühmte(n) Linie des Hauses Oranien, deren Besitzungen Preußen erbte“, Ludwig XIV. von Frankreich und eben Karl II. von Spanien auf Ludwig’s Enkel Philipp, den Herzog von Anjou verständigt. Eine Rechnung, die ohne kaiserlichen Segen blieb. Am Ende aber unter Auflagen aufging  und nach 13jährigen Feldzügen den Enkel als Philipp V. von Spanien 1714 endgültig inthronisierte. Was der Sonnenkönig weit früher hätte erleben dürfen, hätte er nicht gar zu sichtbar lüstern von französisch-spanischer Machtallianz und der Sperre der südamerikanischen und westindischen Häfen für die Seemächte England und Holland geträumt. Was letztere zwei zu Koalitionären des Kaisers machte. Versus Frankreich und das diesem verbündete Bayern. Und beide Seiten setzten große Feldherren in Marsch, doch die Koalition mit dem Prinzen Eugen und dem ersten John Churchill Herzog von Marlborough die besseren, geradezu genialeren. Die nicht zögerten, nachdem Frankreichs Marchall Villars die Kaiserlichen unter Graf Styrum am 20. September 1703 bei Höchstedt in die Flucht geschlagen hatte und am 13. Dezember Augsburg gefallen war, nach den Bayern (2. 7. 1704 am Schellenberg bei Donauwörth) nunmehr den Franzosen

am  13.  August  1704  bei  Höchstedt / Blindheim

die  Niederlage ihres Sonnenkönigtums beizubringen :

„ … die Tür der Scheune und die Vorhänge vom Bett seines Herrn aufreißend, enthüllte (der Diener) ein brillantes und erstaunliches Schauspiel. Die weite Ebene, im Licht der Morgensonne gebadet, war mit feindlichen Schwadronen und Bataillonen bedeckt, schon in Reichweite und unentwegt voranmarschierend. Doch hinter diesem großartigen Aufgebot, so der Graf (von Mérode Westerloo) sie hätte wahrnehmen können, erhoben sich die Gestalten großer Dinge und die Schicksale vieler mächtiger Nationen. Europa protestierte gegen die militärische Vorherrschaft einer einzigen Macht. Das Heilige Römische Reich plädierte für ein weiteres Jahrhundert seiner Existenz. Die alten Rechte des Papsttums gegenüber Gallikanismus und die Überlegenheit einer universalen über eine nationale Kirche standen – der verfehlten Parteinahme des herrschenden Papstes zum Trotz – schicksalhaft auf dem Spiel. Die Holländische Republik suchte ihre Unabhängigkeit zu bewahren und Preußen seine Stellung als Königreich. Und von jenseits des Meeres in England rückten mit zuversichtlichem Schritt die protestantische Nachfolge, parlamentarische Regierung und die Zukunft des britischen Empires vor. All diese hatten ihre Sache vor das gegenwärtig in dieser Donauebene errichtete fürchterliche Tribunal gebracht “

(Winston Churchill, Marlborough: His Life and Times [Chicago 2002] Bd. I, S. 843 f.).

„ Das  war  die  Sensation “

(Roswin Finkenzeller in Vorgriff auf die Höchstedter Ausstellung – bis 7. November – am 1. 7. 04 in der FAZ). Herbeigeführt namentlich dank

„ Marlboroughs  revolutionäres  taktisches  Konzept ;

( Stoß  ins  Zentrum  der  gegnerischen  Aufstellung )

bei  Höchstedt  wandte  er  es  zum  ersten  Mal  an ,

mit  verheerendem  Erfolg …

Fast  vierzig  Jahre  lang  wagte  kein  französisches  Regiment  mehr  den  Marsch  auf  Wien “

(Andreas Kilb in Besprechung der Höchstedter Ausstellung am 22. 7. 04 in der FAZ).

Mit dem Ergebnis, daß der Kaiser den großen Verbündeten 1706 zum deutschen Reichsfürsten erhob und „ihm das aus konfiszierten bayerischen Besitzungen gebildete Fürstentum Mindelheim“ verlieh, das er gleichwohl 1714 im Frieden zu Rastatt (nicht bereits 1713 im nur zwischen den Verbündeten und Frankreich geschlossenen Utrechter) entschädigungslos wieder verlor. Das Vaterland aber hatte ihn schon 1702 zum Marquis von Blandford + Herzog von Marlborough befördert, für Höchstedt (Blenheim für England) aber schenkte das Parlament ihm die Domäne Woodstock „und die Königin (Anna) ließ ihm daselbst das Schloß Blenheim bauen“, ein 19jähriges, für den Duke lebenslängliches Unterfangen.

„ M. war ein ebenso gewandter Diplomat … wie ein genialer Feldherr, welcher mit persönlichem Mut einen sichern und schnellen Blick verband, der jeden Fehler des Gegners erspähte und zu benutzen wußte. Seine Schattenseiten waren maßloser Ehrgeiz und niedrige Habsucht “

(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., XI [1889], 263 ff. und, zu Mindelheim, 644, dem auch die nichtindividualisierten Zitate verdankt werden).

Letztere denn spielte auch in Eugène Scribe’s (1791-1861) „Das Glas Wasser“ eine zentrale Hintergrundrolle, unvergessen durch die Käutner-Verfilmung mit Gründgens + Hilde Krahl (Lady Churchill) als Gegenspieler in den Hauptrollen. Doch immerhin: der ihm kongenial und freundschaftlich verbundene Eugen, nicht minder groß als Bibliophiler,

„ (bekehrte)  ihn  auch  zum  Büchersammeln.

Er ist der Gründer der Blenheim Library “

Kein Zweifel,  solche  Charaktere mußten einen Mann wie den älteren

GEORG  PHILIPP  RUGENDAS

1666 Augsburg 1742

– „ein Talent ersten Ranges, um nicht zu sagen, ein Genie, das „Zweifellos, unter bessere Verhältnisse versetzt, etwa in den Niederlanden um 1650 lebend, ein Künstler geworden sei, der

seine  sämmtlichen  Pferde-  und  Schlachtenconcurrenten  überflügelt  hätte “

(Wilhelm Schmidt 1889 in der ADB, XXIX, 600) – umsomehr faszinieren, als er ja nicht einfach nur ihr Zeitgenosse war, nein, weitmehr, in hautengster Fühlungnahme zum Geschehen stand, dessen Augenzeuge und Bildberichterstatter er wurde. So sind „1703/1704 für Rugendas auch künstlerisch von Bedeutung. Denn er hält die Ereignisse in einer Vielzahl von vor Ort gemachten Zeichnungen ‚nach wirklichen Beyspielen‘ [Füessli] fest“ (Andrea Teuscher in Die Künstlerfamilie Rugendas 1666-1858, 1998, S. 2).

Darunter denn eben auch, nebst Titelei bezeichnet mit Georg Philipp Rugendas inv. et fec(it). Aug. V(ind).,

die  monumentalen  Reiter-Porträts

Georg Philipp Rugendas I, Prinz Eugen von SavoyenGeorg Philipp Rugendas I, John Churchill Herzog von Marlborough

der  Sieger  des  13. August  von  Höchstedt ,

Prinz  Eugen  von  Savoyen

  und

John  Churchill  Herzog  von  Marlborough

auf  Schimmeln ,

wie gerade für letzteren so sprichwörtlich. Beide mit ihrem Marschallstab in ausgestreckter Rechten und nach rechts bzw. links, also pendantartig auf sich zu sprengend,

wie  optisch  besonders  wandschön .

Geschaffen innerhalb der literaturseits mit keinem kompletten Exemplar mehr belegbaren 6blätterigen „Schimmel“-Folge der Fürsten zu Pferde von 1713/14 (Teuscher 53-58) in der nur Kleinstauflagen von ca. 50-60 schönen Abdrucken (so 1675 der Praktiker von Sandrart) zulassenden

samtenen  Schabkunst

von  46,9 x 36,2 cm, davon Eugen (T. 55) nicht bei Stillfried + Nagler, die beide nur die nicht zugehörige Version T. 59 kennen. Nicht eines der sechs Blätter aber innerhalb der etwa 27.600 Positionen der Abt. I-XXVIII des Weigel’schen Kunstlager-Catalogs (1838/57)!

Hier denn zudem qualifiziert durch Vorbesitz der auf Anfang des 19. Jahrhunderts zurückgehenden

Portrait-Sammlung  von  Vater + Sohn  von  Roemer ,

in Leipzig, die 1871 auf das dortige nachmalige Museum der Bildenden Künste überging und von diesem 1924 offenbar als Ganzes (nicht nur in Doubletten, wie Lugt vermerkt; siehe Versteigerung Boerner 142) veräußert wurde. Recto unten rechts dessen Bestandsstempel „Staedtisches Museum zu Leipzig“ (Lugt 1669e), verso der Ausscheidungsstempel „Abgegeben v. Museum d. b. K. Leipzig“ (L. 1669f).

Die von den von Roemers – offensichtlich als einziges, zwischenzeitlich nun vereinzeltes Exemplar! – noch komplett besessene Folge auf besagter Versteigerung „Kupferstichsammlung von alten Meistern des XV.-XVIII. Jahrhunderts“ unter Pos. 1670 wie folgt beschrieben:

„ Die  schönen , großen  Reiterporträts

in  prachtvollen , gleichmäßigen , frischen Abdrucken …

Sämtlich  auf  blauem  Karton  altmontiert “,

dessen Ränder recto rahmenmäßig mit blau-grauem Papier kaschiert sind. Die Bilder selbst dann mit schwarzer Einfassungslinie paspeliert.) Im übrigen knapp bis an Plattenkante, stellenweise auf dieser selbst und rechts 3,5 cm auf Bildkante geschnitten. Das Eugen-Blatt zusätzlich leicht berieben, zwei winzige bzw. ganz kleine Abschabungen rechts im Rand, nur minimal bemerkbare Vertikalfalte von unten bis unter den Bauch des Pferdes.

Summa summarum denn eine über das diesjährige Höchstedter Gedenken weit hinausstrahlende

Augen- + Sammlungslust  sui  generis  von  superber  Seltenheit .

Und letztere eben nicht allein besonderer Umstände halber am Markt, sondern vorprogrammiert technisch bedingt generell, siehe oben. Oder, am Beispiel Ridinger’s, 1856 bei Thienemann :

„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr …

zu bekommen … und (deren) bei Weitem größten Theil …

(habe ich) allein (im Kupferstichcabinet Dresden) gefunden. “

Nicht einmal dort denn aber die Rugendas’sche große Folge der „Fürsten zu Pferde“ als Ganzes, der später sein gleichnamiger Sohn eine mit 34 x 22 cm sichtbar kleinformatigere eigene folgen ließ, und sie Ridinger als Anregung zu seiner eigenen der Fürstliche(n) Personen zu Pferde diente.

Erwerbbar als Gegenstücke zu ermäßigtem Pendantpreis

per Angebots-Nr.  14.365 / Preis auf Anfrage

oder apart per 14.364 (Eugen) bzw. 14.363 (Marlborough)


“ Received the 2 parcels yesterday in A. M. I am very pleased with the books as well as the condition of them. Thank you again … I hope we can do business again in the near future ”

(Mr. L. A. F., March 11 and 1 resp., 2001)