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Der  Tanz  der  Toten

oder

Knochen  um  Knochen  formt  das  Skelett

 

Giuseppe Santomaso, Memento Mori

Santomaso, Giuseppe (1907 Venedig 1990). Memento mori. Der Knochen im Erdreich. Farb-Lithographie. 1964. Bezeichnet in Bleistift: 17/100 / Santomaso ’64. 54,5 x 37 cm.

Auf Papier Rives. – Trockenstempel Erker-Presse. – Santomaso war Gründungsmitglied von „Fronte Nuovo delle arti“. Verbindung zu Braque, Léger, Morandi. Entwicklung auf einen abstrakten Hermetismus, hier gleichwohl gegenständlich bildhaft-schön. Professor an der Akademie Venedig. Zahlreiche internationale Ausstellungen.

Angebots-Nr. 14.548 / EUR  930. / export price EUR  884. (c. US$ 1022.) + Versand

William Hogarth, Anatomie

Die  Sitzung  der  anatomischen  Fakultät

Hogarth, William (1697 London 1764). The Reward of Cruelty. Der Körper des hingerichteten Unmenschen Tom Nero ist der Anatomie übergeben worden, die sich ihrerseits mit Perfektion an die Arbeit macht. Die Ausschlachtung leitet der Ordinarius persönlich, während das Auskochen von Schädeln und Knochen vorn links sich selbst überlassen bleiben kann. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Hogarth pinxt. / T. Cook sculpt. / Published by Longman, Hurst, Rees, & Orme, Novr. 1st. 1807. Bildgröße 16,8 x 13,8 cm.

The Four Stages of Cruelty IV. – Cook’s kleinere Version unter Fortfall des 12zeil. Untertextes. – Von schönem Hell-Dunkel. – Innerhalb des im Außenbereich etwas altersfleckigen breiten weißen Plattenrandes geschnitten.

Hogarth’s  prachtvoll-detaillierte  Darstellung  der  Anatomie :

„ Behold the Villain’s dire disgrace! / Not Death itself can end. / He finds no peaceful Burial-Place; / His breathless Corse, no friend.

Torn from the Root, that wicked Tongue, / Which daily swore and curst! / Those Eyeballs, from their Socket’s wrung; / That glow’d with lawless Lust!

His Heart, expos’d to prying Eyes, / To Pity has no Claim: / But, dreadful from his Bones shall rise, / His Monument of shame. “

Links und rechts in Mauernischen die präparierten Skelette des schon früher gehängten Boxers James Field bzw. des Straßenräubers MacLeane. Letztere – kommentiert  Lichtenberg  trocken – „ stehen da gleichsam als Schildhalter des Wappens der ärztlichen Facultät, worauf sie beide hinweisen. Dies Wappen über dem Sessel des Präsidenten, welches dem würdigen Haupte des Letzteren gleichsam als Krone dient, besteht in einer Hand, die einer anderen den Puls befühlt, und zwar auf sehr zierliche Weise, mit dem kleinen Finger. Ireland bemerkt hiebei, eine Hand, welche eine Guinea – das gewöhnliche Honorar bei einer Consultation – nehme, eigne sich besser für die gelehrte Facultät “. – Zusammen mit den Blättern 1-3 als die komplette Folge. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 14.404 / EUR  390. / export price EUR  371. (c. US$ 429.) + Versand

Tod

Todt, Der. Nach Empfang der Sakramente erscheint der Sterbenden der geflügelte Tod mit Sanduhr und Pfeil. Kupferstich. (1679.) Bezeichnet. 8,8 x 6,2 cm.

Verso: Das letzte Gericht. Die Erde bricht auf und entläßt ihre Toten, erfüllt von verschiedenerlei Staunen, Dank und – Erwartung. Wie vor. – Schwacher Wasserrand oberhalb des Bildes. Dortselbst und gleichfalls außerhalb des Bildes säurefrei versorgter größerer Ausriß unter Verlust einiger Buchstaben des allgemeinen Textes.

Angebots-Nr. 13.085 / EUR  35. (c. US$ 40.) + Versand

Buochs (CH), Beinhaus in. Besucherstaffage vor dem Schädelregal. Holzstich bei Adolf Cloß (1840 Stgt. 1894; „seinerzeit einer der besten seines Faches in Deutschland“, Thieme-Becker). (1875/77.) 16 x 13,8 cm.

Verso: Melker von Buochs. Pfeiferauchend am offenen Fenster. Holzstich, wohl nach Charles Hermans (Brüssel 1839 – Mentone 1924). Monogrammiert: CH. 15,5 x 10,8 cm. – Beidseits in sich geschlossener Text zur Folklore, namentlich zum Älplerkilde zur Heimkehr der Herden.

Angebots-Nr. 9.655 / EUR  48. (c. US$ 55.) + Versand

Das  Collegium  Medicum  —

als  Hoffnungsträger  in  wirtschaftlicher  Flaute

Hogarth, William (1697 London 1764). Consultation of Physicians (Arms of the Undertakers). Das Collegium Medicum oder das Wappen der Begräbnisunternehmer. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Hogarth pinxt. / T. Cook sculpt. / Published by Longman, Hurst, Rees, & Orme, Jany. 1st. 1809. Bildgröße 17,1 x 14,2 cm.

William Hogarth, Wappen der Begräbnisunternehmer

Cook’s kleinere Fassung ohne den 6zeil. Untertext dieses geistreichen Standeswappens mit dem Motto Et plurima mortis imago. Darstellend der Unternehmer letzte Hoffnung in schlechten Zeiten – die Ärzte. – Innerhalb des breiten Plattenrandes geschnitten und namentlich in dessen Oberrand etwas zeitfleckig. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 8.929 / EUR  125. (c. US$ 144.) + Versand

„ Das  große  Totentanzblatt “

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Totentanz. Kreiskettenreigen von neun Frauen plus Gerippen um geöffneten Sarg mit zwei Gerippen inner- und außerhalb der Friedhofsmauer als Mittelstück. Darüberhinaus, zurückgesetzt, Kapelle + Beinhaus (?) samt Mauern. In den Ecken Sündenfall – Golgatha – Ewiges Leben + Fegefeuer, dazwischen zwei Textkartuschen. Umgeben im Außenfeld von 12 Medaillons nebst Textkartuschen für den Tanz der Männer, getrennt von 8 (6 verschiedenen) Vanitas-Attributen. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger excud. Aug. Vindel., ansonsten wie nachfolgend. 65,3 x 48 cm.

Th.-Stillfried + Schwarz 1428. – Abbildung in L’Art Macabre 2, Jahrbuch der Europ. Totentanz-Vereinigung, D’dorf 2001, innerhalb des hiesigen Beitrags „Die Vanitas-Symbolik bei Joh. El. Ridinger“.

II. Zustand (von 2?), wie auch das Explr. der Staatlichen Graphischen Sammlung München. – Die Exemplare Stillfried + Schwarz und das der Versteigerung Gräflich Faber-Castell (1958) als

Johann Elias Ridinger, Dance Macabre

„ Das  große  Totentanzblatt  Hauptblatt “

an Hand ihrer Beschreibungen zustandsmäßig nicht fixierbar. Hingegen erweist sich das von Patrick Pollefeys im Internet vorgestellte als früherer, derzeit zu unterstellender Erstzustand.

Nicht bei Thienemann und in Dresden, siehe unten, fehlend den umfangreichen Beständen Weigel (1857), Coppenrath (1889/90) , Wawra (1890) , Helbing (1900) , Rosenthal (1940) u. a. m.

Typographisches + figürliches Wz. – Oben + rechts mit nahezu durchgehend feinem Rändchen, links + unten (hier gleichwohl bei 1,5 cm breitem Plattenrand) überwiegend auf Plattenkante geschnitten. – Hälftig alt per Eckmontage auf breitrandiges Bütten aufgelegt, wovon eine Ecke sich unter Rißbildung (restauriert) gelöst hat. Praktisch nicht störende Mittelfalte.

Das  druck-  und  erhaltensmäßig  sehr  schöne  Exemplar

einer gepflegten Sammlung von in allen Partien nuanciertem Hell-Dunkel. Und solchermaßen

von  größter  Seltenheit

nicht allein am Markt, wie oben belegt, sondern generell. Bezifferte doch schon 1675 der Praktiker von Sandrart „saubere Abdrucke“ der samtenen Schabkunst auf nur etwa „50 oder 60 (!). (H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet“. Entsprechend denn 1856 Thienemann (SS. VIII + 270) :

„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr … zu bekommen … sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … . “

Nicht  einmal  dort  denn  aber  das  hier  vorliegende , das erst 1876 Graf Stillfried bekanntmachte. Die dortigen Zitate nicht ganz akkurat.

Das  erste  der  großformatigen  zweiblätterigen  Folge

mit der hier nicht präsenten „Allegorie der Lebensalter“ als Gegenstück (Thienemann-St. + Schwarz 1429; Abbildung des Exemplars in Augsburg in L’Art Macabre 2 wie oben)

als  dem  Höhepunkt  der  Ridinger’schen  Vanitates

in aktualisierter Wiederholung eines anonymen Flugblattes des späten 16. oder frühen 17. Jahrhunderts, jedenfalls „vor 1623“, als der „nachweisbar früheste(n) und bekannteste(n) Totentanzillustration dieser Art im deutschsprachigen Raum“. Die Kartuschen-Texte jeweils in latein. + deutscher Version. – Im Mittelstück zwischen Golgatha + Ewigem Leben „Der Todt Christi zu nicht hat gemacht / Den Todt, und Sleben wider-bracht.“ + unten zwischen Südenfall + Fegefeuer „Den Todt und ewige höllische Pein / Hat veruhrsagt die Sünd allein.“

Das Außenfeld führt im Uhrzeigersinn die gesellschaftlichen Stationen des großen Endeinerleis von 1-12 vor, wobei die Statussymbole achtlos auf der Erde liegen. Nur dem Narren ist die Schellenkappe belassen und umfaßt die Rechte die Pritsche.

„ Papa. / Pabst. … Des Pabst gewalt den Tod nicht halt. // Imperator. / Kayser. … Das haupt der welt dem Tod heim fällt. // Rex. / König. … Des haupts gekront der Tod nicht schont. // Cardinalis. / Cardinal. … Den Cardinal ich auch hin hal. // Episcopus. / Bischoff. … Byder (nicht Stillfried’s ‚Vader‘; latein.: Et Episcopalis mitra juris est mei), Bischoff, führ ich aufn Frythoff. // Dux. / Herzog. … Seyst Herr oder Fürst dem Tod zletz wirst. // Comes. / Graf. … In Graffn und Knecht der Tod hat recht. // Nobilis. / Edelman(n). … Kein Edel blut dem Tod ist zu gut. // Civis. / Burger. … Kein mensch hie hat ein bleibend Statt. // Rusticus. / Baur. … Der baur auch muß unters Tods fuß. // Mendicus. Bettler. / Miles. Kriegsman(n). … Kriegsman(n), Bettler, gleich halten her. // Stultus. Narr. / Enfans. Kind. … Kindt Narrn Zugleich gehören in mein reich. “

Das  hier  erstmals  aufliegende  großartige  Blatt  reichster  Thematik .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 28.933 / Preis auf Anfrage

Beim  Spiel  am  offenen  Grabe …

Hogarth, William (1697 London 1764). The Idle ‚Prentice at Play in the Church Yard, during Divine Service. Der Zeugweberlehrbursche Faulhans mit Schuhputzer-Jungen und zwei weiteren Genossen beim Hazardspiel auf dem Kirchhofe während des Gottesdienstes und gar noch auf einem Sarg neben dem ausgehobenen Grabe und mit entsprechendem Nachdruck vom Bettelvogt ihres lasterhaften Tuns verwiesen. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Design’d by Wm. Hogarth / Plate 3. / Engraved by T. Cook. / Published by T. Cook No. 11 Little Britain, & G. G. & J. Robinsons No. 25 Pater Noster Row, Octr. 1st. 1795. 28,6 x 36,5 cm.

William Hogarth, Idle 'Prentice at Play

Industry & Idleness III. – Herrlicher Abdruck auf schwerem Papier. In dessen geradezu üppigem breiten weißen Rand einige wenige schwache Stockflecken und oben rechts leichter Wasserstreifen. Darüberhinaus – im Gegensatz zu allen späteren Hogarth-Ausgaben – im Ursprungsformat. – Cook „machte sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher“ (Thieme-Becker). – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 7.530 / EUR  373. / export price EUR  354. (c. US$ 409.) + Versand

– – – Dasselbe in Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840, Univ.-Kupferstecher ebda.). Bezeichnet: W. Hogarth inv & pinx. / Pl. 3. / Riepenhs. f. 22,5 x 28 cm. – Auf leicht getöntem minderen Papier. – Riepenhausens Stiche nach Hogarth („sehr schätzbar“, Nagler) zählen zu seinem Hauptwerk und werden den Hogarth’schen Kupfern teilweise sogar vorgezogen.

Angebots-Nr. 5.645 / EUR  76. (c. US$ 88.) + Versand

„Triumphbogen des Todes“

Andrea Andreani, Triumph des Todes

Äußerst selten für Andreani — Nahezu-Unikat für Ridinger

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Triumph des Todes. Kupferstich + Radierung nach Andrea Andreani (Andrea Mantuano + weitere Schreibweisen; 1558/59 Mantua 1629) an Hand dessen nach einer Zeichnung von Giovanni Fortuna Fortunius (1535 Siena 1611) geschaffenen Clair-obscur-Schnitts von 1588 im Zweitzustand. Bezeichnet: Joh. El. Ridinger excud. Aug. Vind. Blattgröße 57 × 40,6 cm (22½ × 16 in).

Buijs (Hrsg.), Un Cabinet Particulier. Les estampes de la Collection Frits Lugt, 2010, Nrn. 10 (Andreani; Allégorie de la mort/Memento mori; stark restauriert; via Sponsor erworben 2005 zu € 25000) + 10a (Ridinger, hiesiges Explr.) nebst Abbildungen.

Unbekannt der einschlägigen Literatur

zu Ridinger bis hin zu Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik (1975), Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Joh. El. Ridinger (in L’Art Macabre, Bd. 2, 2001) und den maßgeblichen Sammlungs-, Verkaufs- und Ausstellungs-Katalogen von Weigel (1838) bis zur Gegenwart mit Ausnahme des signifikant bildbeschnittenen Torsos bei früher Graf Radulf zu Castell-Rüdenhausen. Thematisch aber

in seinem ikonographischen Reichtum unerreicht

vom Kern seiner teils extrem seltenen, aber eben doch bekannten Mementi, den Schabblättern Th.-Stillfried 1426-1431. Und kompositorisch weit entfernt von deren letzten beiden, den von Johann Jacob nach Dieffenbrunner gearbeiteten brutal realistischen (1430 f.). Hier denn

das Memento mori als Virtuosenstück ,

als intellektuelle Herausforderung bei sprechend-reizvoller Bildhaftigkeit.

Formatmäßig sichtbar größer

als Andreani’s während seiner besten Periode geschaffene Vorlage oder die unten beigezogene abweichende Version Edmé Moreau’s (51,6 × 34,9 bzw. 52,7 × 33,5 cm [20¼ × 13¾ bzw. 20¾ × 13¼ in]), von ersterer hier in zahllosen Altmeister-Katalogen der letzten Jahrzehnte nur ein Exemplar des II. Zustandes nachweisbar ist, das seine Schätzung entsprechend nahezu verfünffachte (1994; das jetzige Lugt-Explr.). Als Ganzes denn auch fehlend innerhalb der nicht miteinander identischen jeweils sieben Andreanis der Sammlungen Lanna (1895, + 3 Varianten) + Davidsohn (1920/21).

Diese äußerste Seltenheit der Andreani-Vorlage

( schon 1858 Nagler, Monogrammisten I, 86: sehr selten )

verleiht Ridinger’s Blatte zusätzlichen hohen Belegwert .

Andreani’s generell nur schmales Œuvre wird heute auf ca. 70 Arbeiten beziffert (AKL, 1990, und

„ ist sein Wirken heute historisch und kunsthistorisch bedeutsam einzuschätzen“, wie Nagler, Monogrammisten I, 86, bereits 1858 festhielt: „… die ausserordentliche Thätigkeit eines Mannes … über welchen seit Bartsch oft ein zu strenges Urtheil gefällt wurde … Andreani muss von einem anderen Standpunkte aus betrachtet werden …“ und ebda. per 1017: „der berühmte Formschneider“ ),

von denen ein Großteil aber auf die Zeit nach 1600 entfällt, da er sich in Mantua nur noch als Händler und Verleger betätigte, wobei er gleichwohl die erworbenen Fremdstöcke mit seinem Monogramm versah. Zwei Arbeiten aus 1608 bzw. 1610 gelten aber als nochmals originär. Bartsch’s Kernbestand von 25 + besagten beiden späteren in Anzahl wie Zusammensetzung wohl unverändert aktuell (Cat. Lugt, 2010: 25). Unberührt hiervon aber sein

Triumph des Todes ,

versinnbildlicht an Hand einer architektonischen Fassade, von Achim Gnann (ALBERTINA Slgn. Online, 2013) als „in der Art eines Grabmonuments“ gelesen, in der Moreau-Version, s. u., als Triumphbogen bezeichnet. Mit einem in Verbindung mit einem Baldachin einem Wappenschild plastisch aufgesetzten Totenschädel, durch dessen Kiefer sich eine Schlange als hier „Verkörperung von Sünde und Tod“ (Riese, Seemann’s Lexikon der Ikonografie, 2007, S. 371) ringelt, als Kopfstück unterhalb eines Stundenglases, aus dem sich zwei einen schweren Felsstein zum Schleudern haltende Skelettarme nach oben strecken, wie literaturbelegt Hans Holbein’s d. J. Wappen des Todes der ca. 1525er Totentanz-Folge entnommen. Darunter in einer Rotunde die drei Parzen. Beidseits jeweils Obelisk mit griech. Untertext – ΜΝΗΜΟΝΕΥΕ ΑΠΟΨΥΧΕΙΝ / Gedenke daß du sterben mußt – und unterschiedlich agierendem Totenkopf unter dem Kreuz auf der Spitze und zwei gleichfalls variierenden Schädeln am Sockel. Auf den teils von zwei Skeletten an Säulenstatt getragenen Quadern darunter ITER AD VITAM / Weg zum Leben.

Beidseits außerhalb dieser Skelette herabhängende Wappenschilde mit der Inschrift BONIS BONA bzw. MALIS MALA / Gute Dinge den Guten / Schlechte Dinge den Schlechten. Nach innen flankieren die Freunde das unmittelbar unterhalb der den Lebensfaden spinnenden Schicksals-Göttinnen plazierte

Rad des Todes , des Glückes , des Menschenalters

mit acht sich auf der Achsenscheibe vereinigenden themenbezogen beschrifteten Speichen (Nagler spricht gelegentlich des Fortunuus von acht sich auf der Achsenscheibe vereinigenden und mit deren Text kommunizierenden Strahlen), auf dessen Oberteil zur Linken Adam und zur Rechten Eva als schöne Sterbliche figurieren. Letztere reicht, sehnsüchtig schauend, den berüchtigten Apfel, wobei ihre Linke beziehungsvoll-lockend ihre rechte Brust liebkost. Adam, nicht zu ihr hinblickend, streckt seine Linke entgegen. Beider Hände treffen über einem Totenschädel zusammen.

Diese Gruppe der beiden fleischlichen und skelettierten Paare bildet in ihrer Kommunikation

das Szeneereignis welches .

Beide Tode stoßen ihre knöchernen Ellenbogen dem Menschenpaar in die Seite. Wovon Eva keine Notiz nimmt. Entsprechend Kopfhaltung + Mimik ihres Gevatters:

Oh , diese Frauen !

Sein Pendant aber spricht zu Adam von Mann zu Mann. Entsprechend nachdenklich jener gesenkten Hauptes, zusätzlich die Rechte überlegend an die Stirn haltend.

Zwischen den Speichen des großen Rades der achtmalige Tod. Stehend oben für die Geistlich-, unten für die Weltlichkeit. Die umlaufende Außenbeschriftung STATVTVM EST OMNIBVS HOMINIBVS SEMEL MORI POST HOC AVTEM IVDICIVM. In der Mitte der Nabe SVM, vertas, omnibq idem. Zweizeilig herumlaufend CORNVA VENTRE GERO, NVMEROS IN VERTICE MILLE, / IN PEDE SERPENTEM, DIC MIHI, SVM QVIS EGO? Und zulaufend auf den Nabentext im Uhrzeigersinn

Vnde superbi / Vt deo placea / Et ideo studea / Terra est quasi fi / Cum nos Terra si / Mortem vitare nequi / De limo homo pri / Quid est nisi li .

Unterhalb des Rades und zugleich oberhalb eines offenen Sarges mit Totem — indifferent bei Andreani + Ridinger, bei Moreau, s. u., wohl eher Nonne als Mönch; Gnann, s. o., vermutet in ihm hohen Geistlichen — nebst Kreuz in den Händen der geflügelte Kopf von Vater Zeit, sprich Kronos als „Vorstellung von der alles verschlingenden Zeit“ (Riese, a. a. O., S. 251), beidseits flankiert von zwei großen Trauernden, über denen links ein Harfenkopf in Strahlenglanz, rechts eine Eule angesiedelt sind.

Vor und unterhalb des Sarges zunächst ein großes Schrifttuch TRIA SVNT VERE QUAE ME FACIVNT FLERE, flankiert vom symbolisierten geflügelten Tod, zwei kleinen Totenschädeln am Boden des Sarges, sowie geistlichen und weltlichen Attributen mit zwei verschlossenen Folianten als Verbindungsgliedern. Ganz außen auf den Sockeln der beiden Skelette zwei stehende Kleintode, jeweils eine ovale Schrifttafel haltend: MEMENTO MORI + MEMORARE NOVISSIMA. Den Abschluß bildet eine das Ganze verbindende Schrifttafel mit Primum quidem durum, quia scio me moriturum Secundu(m) verò plango, quia moriar, et nescio quando. Tertium autem flebo, quia nescio ubi manebo. Das Gemäuer im übrigen durchsetzt mit Zeichen seiner Vergänglichkeit.

Findet sich Andreani’s sogenannte „Melancholie“, die über einem Totenschädel meditierende Frau, als „künstlerisch ein Hauptblatt“ nebst Beisatz „thematisch ungewöhnlich“ qualifiziert, um wieviel mehr sein hier von Ridinger als ein

„ Pasticcio ikonographischer , ikonologischer und künstlerischer Zitate “

aufgegriffener „Triumph des Todes“. Als

äußerst selten für Andreani

(generell sprechen Thieme-Becker von „der großen Seltenheit der Blätter“),

als

Nahezu-Unikat für Ridinger .

Hier denn vorliegend in schönem, nicht mehr ganz zeitgenössischem Druck auf linienfreiem Papier mit wohl WANGEN Wz. bei umlaufend feinem Rand um die Bildeinfassung. Nur hier und da knapp bis an diese beschnitten. Der gesamthaft gewissen Altersspurigkeit restaurativ professionell begegnet, wie auch die rückseitige (Wasser-)Fleckigkeit bildseits nur partiell ganz schwach durchscheint. Im schraffierten Randfeld unten rechts ein noch schwach sichtbarer Künstlerhinweis. Kurz ,

ein seinesgleichen suchendes Rarissimum von schönem Gesamteindruck .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 29.077 / Preis auf Anfrage

… doch  schließlich  hat  auch  der  Tod  ausgetanzt

William Hogarth, Tail Piece

Hogarth, William (1697 London 1764). Tail Piece. / The Bathos, or Manner of Sinking, in Sublime Paintings, inscribed to the Dealers in Dark Pictures. Das Ende aller Dinge. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). 1798. Bezeichnet: Designed by W. Hogarth. / Engraved by T. Cook. / Published by G. G. & J. Robinson Pater-noster Row December 1st. 1708. (recte 1808), ansonsten wie vor. 34 x 36,7 cm.

Hogarth-Katalog der Tate Gallery, 1971/72, 222 + Hogarth-Katalog Zürich, 1983, 94, jeweils die 1764er Hogarth-Fassung und mit Abb.; Christoph Wulf, Dying Time, in Anthropology. A Continental Perspective, 2013, S. 133, Abb. 5.1 (dieses Exemplar). – Ausführlicher Untertext mit, neben Versen von Tacitus + Maximus Tyrius, wichtiger Bezugnahme auf die Analysis of Beauty.

„ Selten  hat  sich  ein  Künstler

so  ergreifend  von  der  Welt  verabschiedet “

(FAZ vom 8. 11. 1997).

Es ist Hogarth’s letzte graphische Arbeit, sieben Monate vor seinem Tode. Künstlerisch ein Rückgriff auf Salvator Rosa, fußt der Titel auf Pope’s poetischem Gegenstück „Peri Bathous“ als seinerseits „a parody of Longinus’s ‚Peri Hypsous‘“.

Die Szenerie selbst von unerhörter Radikalität. Denn betroffen vom Verfall sind auch und besonders jene Attribute, die sonst ihrerseits das Ende der Zeit signalisieren. Wie Sense und Sanduhr, die hier ebenso zerbrochen sind wie Krone, Pfeife, Palette, Flasche, Glocke, das Wirtshaus „The Worlds End“ mit der brennenden Weltkugel als Schild, die Kirche sowie etliche andere Vanitassymbole. Die Uhr hat die Zeiger verloren, die Bäume sind so tot wie der Gehenkte – und Phoebus im brennenden Himmelswagen mitsamt seiner Pferde, allesamt in den bodenlosen Abgrund stürzend.

Zu allem Überfluß haucht Saturn selbst als Gott sowohl der Zeit, sprich geflügelter Tod, als des im Ackerbau begründeten Wohlstandes sein letztes „Finis“, derweil ihm das von den drei Parzen – Clotho, Lachesis, Atropos – bezeugte Testament entgleitet: alles dem Chaos. Kurz, „H. Nature Bankrupt“.

Mit Ausnahme des Mannes in der schmalen Sichel des abnehmenden Mondes, der sich noch ein wenig Lebens zu erfreuen scheint. Wie denn auch der Galgen noch steht. Denn „(d)en scheint auch die künftige Welt nicht entbehren zu können“ (so auf der Heintz-Lithographie nachfolgender Nr. 14.087). Untergemischt schließlich verschiedene Wortspiele wie Schusterriemen + -leisten, im Englischen cobbler’s end bzw. last, sowie das Tau-Ende und der Lichtstumpf (candle’s end).

Herrlicher, nur wenig späterer Abdruck von strahlendem Hell-Dunkel und adäquater Breitrandigkeit und Frische dieses schönen Blattes Cook’s, der „sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher“ machte (Thieme-Becker) und als einziger der postumen Ausgaben das Originalformat wahrte. – Mit Wz. „1811 W Balston“; vgl. die Doppelmarke „J Whatman & W Balston 1813“ Heawood 117. – Im rechten Außenrand zwei kleine schwache Wasserränder. Die rückseitige partielle schwache Stockigkeit bildseits nur an zwei Stellen der Himmelspartie ganz minimal wahrnehmbar. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 7.545 / EUR  291. / export price EUR  276. (c. US$ 319.) + Versand

– – – Dasselbe in Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840, dortiger Univ.-Kupferstecher). (1794-1835.) Bezeichnet: 44 / W. Hogarth inv. / R. d sc f. 21,5 x 23,5 cm.

Früher Abdruck mit deutlichem Plattenton und sehr breiten Seitenrändern. – Gleichfalls nur die reine Bildversion. Angesichts des breiten Plattenunterrandes scheint die Unterrandgestaltung zunächst wohl vorgesehen gewesen zu sein. Später wurde die Platte unten entsprechend gekürzt (siehe Nr. 12.144).

Riepenhausen’s Hogarth-Ausgabe („sehr schätzbar“, Nagler) ist sein Hauptwerk, dessen Blätter tlw. sogar den Hogarth-Stichen vorgezogen werden.

Angebots-Nr. 7.740 / EUR  125. (c. US$ 144.) + Versand

– – – Dasselbe in Lithographie von C. F. Heintz. (1833-36.) Bezeichnet: 34. / Das Ende aller Dinge. / lith. v. C. F. Heintz. 20,5 x 20,7 cm.

Gleichfalls nur die reine Bildversion, doch mit ausführlichem deutschen Untertext à la Lichtenberg: „… Nur eines hielt aus – Der Galgen. Den scheint auch die künftige Welt nicht entbehren zu können, darum bleibt er gleich stehen …“ – Die ganz schwachen Stockflecken fast nur gegen das Licht bemerkbar. – Gesamthaft zwar kräftiger, aber nicht ganz gleichmäßig zeichnender Abdruck.

Angebots-Nr. 14.087 / EUR  87. (c. US$ 101.) + Versand

  1. Rund 240 Jahre später wird Robert Murray Kapitel XV von The Decline and Fall of the American Empire (2002) überschreiben mit: The Chaos to come.

„ als passionierte Reiterin sind Bilder Ridingers ein Muß! “

(Frau G. G., 9. Januar 2012)