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Der  Tanz  der  Toten

oder

Knochen  um  Knochen  formt  das  Skelett

 

Giuseppe Santomaso, Memento Mori

Santomaso, Giuseppe (1907 Venedig 1990). Memento mori. Der Knochen im Erdreich. Farb-Lithographie. 1964. Bezeichnet in Bleistift: 17/100 / Santomaso ’64. 54,5 x 37 cm.

Auf Papier Rives. – Trockenstempel Erker-Presse. – Santomaso war Gründungsmitglied von „Fronte Nuovo delle arti“. Verbindung zu Braque, Léger, Morandi. Entwicklung auf einen abstrakten Hermetismus, hier gleichwohl gegenständlich bildhaft-schön. Professor an der Akademie Venedig. Zahlreiche internationale Ausstellungen.

Angebots-Nr. 14.548 / EUR  930. / export price EUR  884. (c. US$ 964.) + Versand

William Hogarth, Anatomie

Die  Sitzung  der  anatomischen  Fakultät

Hogarth, William (1697 London 1764). The Reward of Cruelty. Der Körper des hingerichteten Unmenschen Tom Nero ist der Anatomie übergeben worden, die sich ihrerseits mit Perfektion an die Arbeit macht. Die Ausschlachtung leitet der Ordinarius persönlich, während das Auskochen von Schädeln und Knochen vorn links sich selbst überlassen bleiben kann. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Hogarth pinxt. / T. Cook sculpt. / Published by Longman, Hurst, Rees, & Orme, Novr. 1st. 1807. Bildgröße 16,8 x 13,8 cm.

The Four Stages of Cruelty IV. – Cook’s kleinere Version unter Fortfall des 12zeil. Untertextes. – Von schönem Hell-Dunkel. – Innerhalb des im Außenbereich etwas altersfleckigen breiten weißen Plattenrandes geschnitten.

Hogarth’s  prachtvoll-detaillierte  Darstellung  der  Anatomie :

„ Behold the Villain’s dire disgrace! / Not Death itself can end. / He finds no peaceful Burial-Place; / His breathless Corse, no friend.

Torn from the Root, that wicked Tongue, / Which daily swore and curst! / Those Eyeballs, from their Socket’s wrung; / That glow’d with lawless Lust!

His Heart, expos’d to prying Eyes, / To Pity has no Claim: / But, dreadful from his Bones shall rise, / His Monument of shame. “

Links und rechts in Mauernischen die präparierten Skelette des schon früher gehängten Boxers James Field bzw. des Straßenräubers MacLeane. Letztere – kommentiert  Lichtenberg  trocken – „ stehen da gleichsam als Schildhalter des Wappens der ärztlichen Facultät, worauf sie beide hinweisen. Dies Wappen über dem Sessel des Präsidenten, welches dem würdigen Haupte des Letzteren gleichsam als Krone dient, besteht in einer Hand, die einer anderen den Puls befühlt, und zwar auf sehr zierliche Weise, mit dem kleinen Finger. Ireland bemerkt hiebei, eine Hand, welche eine Guinea – das gewöhnliche Honorar bei einer Consultation – nehme, eigne sich besser für die gelehrte Facultät “. – Zusammen mit den Blättern 1-3 als die komplette Folge. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 14.404 / EUR  390. / export price EUR  371. (c. US$ 405.) + Versand

Tod

Todt, Der. Nach Empfang der Sakramente erscheint der Sterbenden der geflügelte Tod mit Sanduhr und Pfeil. Kupferstich. (1679.) Bezeichnet. 8,8 x 6,2 cm.

Verso: Das letzte Gericht. Die Erde bricht auf und entläßt ihre Toten, erfüllt von verschiedenerlei Staunen, Dank und – Erwartung. Wie vor. – Schwacher Wasserrand oberhalb des Bildes. Dortselbst und gleichfalls außerhalb des Bildes säurefrei versorgter größerer Ausriß unter Verlust einiger Buchstaben des allgemeinen Textes.

Angebots-Nr. 13.085 / EUR  35. (c. US$ 38.) + Versand

Buochs (CH), Beinhaus in. Besucherstaffage vor dem Schädelregal. Holzstich bei Adolf Cloß (1840 Stgt. 1894; „seinerzeit einer der besten seines Faches in Deutschland“, Thieme-Becker). (1875/77.) 16 x 13,8 cm.

Verso: Melker von Buochs. Pfeiferauchend am offenen Fenster. Holzstich, wohl nach Charles Hermans (Brüssel 1839 – Mentone 1924). Monogrammiert: CH. 15,5 x 10,8 cm. – Beidseits in sich geschlossener Text zur Folklore, namentlich zum Älplerkilde zur Heimkehr der Herden.

Angebots-Nr. 9.655 / EUR  48. (c. US$ 52.) + Versand

Das  Collegium  Medicum  —

als  Hoffnungsträger  in  wirtschaftlicher  Flaute

Hogarth, William (1697 London 1764). Consultation of Physicians (Arms of the Undertakers). Das Collegium Medicum oder das Wappen der Begräbnisunternehmer. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Hogarth pinxt. / T. Cook sculpt. / Published by Longman, Hurst, Rees, & Orme, Jany. 1st. 1809. Bildgröße 17,1 x 14,2 cm.

William Hogarth, Wappen der Begräbnisunternehmer

Cook’s kleinere Fassung ohne den 6zeil. Untertext dieses geistreichen Standeswappens mit dem Motto Et plurima mortis imago. Darstellend der Unternehmer letzte Hoffnung in schlechten Zeiten – die Ärzte. – Innerhalb des breiten Plattenrandes geschnitten und namentlich in dessen Oberrand etwas zeitfleckig. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 8.929 / EUR  125. (c. US$ 136.) + Versand

„ Das  große  Totentanzblatt “

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Totentanz. Kreiskettenreigen von neun Frauen plus Gerippen um geöffneten Sarg mit zwei Gerippen inner- und außerhalb der Friedhofsmauer als Mittelstück. Darüberhinaus, zurückgesetzt, Kapelle + Beinhaus (?) samt Mauern. In den Ecken Sündenfall – Golgatha – Ewiges Leben + Fegefeuer, dazwischen zwei Textkartuschen. Umgeben im Außenfeld von 12 Medaillons nebst Textkartuschen für den Tanz der Männer, getrennt von 8 (6 verschiedenen) Vanitas-Attributen. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger excud. Aug. Vindel., ansonsten wie nachfolgend. 65,3 x 48 cm.

Th.-Stillfried + Schwarz 1428. – Abbildung in L’Art Macabre 2, Jahrbuch der Europ. Totentanz-Vereinigung, D’dorf 2001, innerhalb des hiesigen Beitrags „Die Vanitas-Symbolik bei Joh. El. Ridinger“.

II. Zustand (von 2?), wie auch das Explr. der Staatlichen Graphischen Sammlung München. – Die Exemplare Stillfried + Schwarz und das der Versteigerung Gräflich Faber-Castell (1958) als

Johann Elias Ridinger, Dance Macabre

„ Das  große  Totentanzblatt  Hauptblatt “

an Hand ihrer Beschreibungen zustandsmäßig nicht fixierbar. Hingegen erweist sich das von Patrick Pollefeys im Internet vorgestellte als früherer, derzeit zu unterstellender Erstzustand.

Nicht bei Thienemann und in Dresden, siehe unten, fehlend den umfangreichen Beständen Weigel (1857), Coppenrath (1889/90) , Wawra (1890) , Helbing (1900) , Rosenthal (1940) u. a. m.

Typographisches + figürliches Wz. – Oben + rechts mit nahezu durchgehend feinem Rändchen, links + unten (hier gleichwohl bei 1,5 cm breitem Plattenrand) überwiegend auf Plattenkante geschnitten. – Hälftig alt per Eckmontage auf breitrandiges Bütten aufgelegt, wovon eine Ecke sich unter Rißbildung (restauriert) gelöst hat. Praktisch nicht störende Mittelfalte.

Das  druck-  und  erhaltensmäßig  sehr  schöne  Exemplar

einer gepflegten Sammlung von in allen Partien nuanciertem Hell-Dunkel. Und solchermaßen

von  größter  Seltenheit

nicht allein am Markt, wie oben belegt, sondern generell. Bezifferte doch schon 1675 der Praktiker von Sandrart „saubere Abdrucke“ der samtenen Schabkunst auf nur etwa „50 oder 60 (!). (H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet“. Entsprechend denn 1856 Thienemann (SS. VIII + 270) :

„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr … zu bekommen … sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … . “

Nicht  einmal  dort  denn  aber  das  hier  vorliegende , das erst 1876 Graf Stillfried bekanntmachte. Die dortigen Zitate nicht ganz akkurat.

Das  erste  der  großformatigen  zweiblätterigen  Folge

mit der hier nicht präsenten „Allegorie der Lebensalter“ als Gegenstück (Thienemann-St. + Schwarz 1429; Abbildung des Exemplars in Augsburg in L’Art Macabre 2 wie oben)

als  dem  Höhepunkt  der  Ridinger’schen  Vanitates

in aktualisierter Wiederholung eines anonymen Flugblattes des späten 16. oder frühen 17. Jahrhunderts, jedenfalls „vor 1623“, als der „nachweisbar früheste(n) und bekannteste(n) Totentanzillustration dieser Art im deutschsprachigen Raum“. Die Kartuschen-Texte jeweils in latein. + deutscher Version. – Im Mittelstück zwischen Golgatha + Ewigem Leben „Der Todt Christi zu nicht hat gemacht / Den Todt, und Sleben wider-bracht.“ + unten zwischen Südenfall + Fegefeuer „Den Todt und ewige höllische Pein / Hat veruhrsagt die Sünd allein.“

Das Außenfeld führt im Uhrzeigersinn die gesellschaftlichen Stationen des großen Endeinerleis von 1-12 vor, wobei die Statussymbole achtlos auf der Erde liegen. Nur dem Narren ist die Schellenkappe belassen und umfaßt die Rechte die Pritsche.

„ Papa. / Pabst. … Des Pabst gewalt den Tod nicht halt.  //  Imperator. / Kayser. … Das haupt der welt dem Tod heim fällt.  //  Rex. / König. … Des haupts gekront der Tod nicht schont.  //  Cardinalis. / Cardinal. … Den Cardinal ich auch hin hal.  //  Episcopus. / Bischoff. … Byder (nicht Stillfried’s ‚Vader‘; latein.: Et Episcopalis mitra juris est mei), Bischoff, führ ich aufn Frythoff.  //  Dux. / Herzog. … Seyst Herr oder Fürst dem Tod zletz wirst.  //  Comes. / Graf. … In Graffn und Knecht der Tod hat recht.  //  Nobilis. / Edelman(n). … Kein Edel blut dem Tod ist zu gut.  //  Civis. / Burger. … Kein mensch hie hat ein bleibend Statt.  //  Rusticus. / Baur. … Der baur auch muß unters Tods fuß.  //  Mendicus. Bettler. / Miles. Kriegsman(n). … Kriegsman(n), Bettler, gleich halten her.  //  Stultus. Narr. / Enfans. Kind. … Kindt Narrn Zugleich gehören in mein reich. “

Das  hier  erstmals  aufliegende  großartige  Blatt  reichster  Thematik .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 28.933 / Preis auf Anfrage

Beim  Spiel  am  offenen  Grabe …

Hogarth, William (1697 London 1764). The Idle ‚Prentice at Play in the Church Yard, during Divine Service. Der Zeugweberlehrbursche Faulhans mit Schuhputzer-Jungen und zwei weiteren Genossen beim Hazardspiel auf dem Kirchhofe während des Gottesdienstes und gar noch auf einem Sarg neben dem ausgehobenen Grabe und mit entsprechendem Nachdruck vom Bettelvogt ihres lasterhaften Tuns verwiesen. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Design’d by Wm. Hogarth / Plate 3. / Engraved by T. Cook. / Published by T. Cook No. 11 Little Britain, & G. G. & J. Robinsons No. 25 Pater Noster Row, Octr. 1st. 1795. 28,6 x 36,5 cm.

William Hogarth, Idle 'Prentice at Play

Industry & Idleness III. – Herrlicher Abdruck auf schwerem Papier. In dessen geradezu üppigem breiten weißen Rand einige wenige schwache Stockflecken und oben rechts leichter Wasserstreifen. Darüberhinaus – im Gegensatz zu allen späteren Hogarth-Ausgaben – im Ursprungsformat. – Cook „machte sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher“ (Thieme-Becker). – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

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– – – Dasselbe in Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840, Univ.-Kupferstecher ebda.). Bezeichnet: W. Hogarth inv & pinx. / Pl. 3. / Riepenhs. f. 22,5 x 28 cm. – Auf leicht getöntem minderen Papier. – Riepenhausens Stiche nach Hogarth („sehr schätzbar“, Nagler) zählen zu seinem Hauptwerk und werden den Hogarth’schen Kupfern teilweise sogar vorgezogen.

Angebots-Nr. 5.645 / EUR  76. (c. US$ 83.) + Versand

Ein  spektakulärer  Fund

Um  den 14  ( sic! )  Konkurrenten  sich  balgten !

Anschließend  der  Kustos  einer  bedeutenden  öffentlichen  Sammlung :
„ Dann  waren  Sie  es  also , der  uns  das  Blatt  wegschnappte .

Gratuliere .
Ich  hätte  es  auch  gerne  gekauft . “

Andrea Andreani, Allegorie des Todes

Äußerst  selten  für  Andreani  –

Literaturunbekannt  für  Ridinger

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die Allegorie des Todes. Kupferstich + Radierung nach Andrea Andreani (auch Andriani, Andreini, Andreasso, Andrea Mantuano; Mantua 1541 oder später – wahrscheinlich ebda. ca. 1623) auf Grund dessen Clair-obscur-Schnitts nach Giovanni Fortuna Fortunius (1535-1611, tätig in Siena). Bezeichnet: Joh. El. Ridinger excud. Aug. Vind. Blattgröße 57 x 40,6 cm.

Unbekannt  der  einschlägigen  Literatur

zu Ridinger bis hin zu Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik (1975), Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Joh. El. Ridinger (in L’Art Macabre, Bd. 2, 2001) und den maßgeblichen Sammlungs-, Verkaufs- und Ausstellungs-Katalogen von Weigel (1838) bis zur Gegenwart. Thematisch aber

in  seinem  ikonographischen  Reichtum  unerreicht

vom Kern seiner teils extrem seltenen, aber eben doch bekannten Mementi, den Schabblättern Thienemann-Stillfried 1426-1431 ( 1428 siehe oben ). Und kompositorisch weit entfernt von deren letzten beiden, den von Johann Jacob nach Dieffenbrunner gearbeiteten brutal realistischen (1430 f.). Hier denn

das  Memento  mori  als  Virtuosenstück ,

als intellektuelle Herausforderung bei sprechend-reizvoller Bildhaftigkeit.

Formatmäßig  sichtbar  größer

als Andreani’s während seiner besten Periode in Siena geschaffener Farbholzschnitt von 1588 (51,1 x 33,9 cm Bildgröße), von dem hier in zahllosen Altmeister-Katalogen der letzten Jahrzehnte nur ein Exemplar des II. Zustandes nachweisbar ist, das seine Schätzung entsprechend nahezu verfünffachte (1994). Als Ganzes denn auch fehlend innerhalb der nicht miteinander identischen jeweils sieben Andreanis der Sammlungen Lanna (1895, + 3 Varianten) + Davidsohn (1920/21).

Diese  äußerste  Seltenheit  der  Andreani-Vorlage

( schon 1858 Nagler, Monogrammisten I, 86: sehr selten )

verleiht  Ridinger’s  Blatte  zusätzlichen  hohen  Belegwert .

Andreani’s generell nur schmales Œuvre wird heute auf ca. 70 Arbeiten beziffert (AKL, 1990, und

„ ist sein Wirken heute historisch und kunsthistorisch bedeutsam einzuschätzen“, wie Nagler, Monogrammisten I, 86, bereits 1858 festhielt: „… die ausserordentliche Thätigkkeit eines Mannes … über welchen seit Bartsch oft ein zu strenges Urtheil gefällt wurde … Andreani muss von einem anderen Standpunkte aus betrachtet werden …“ und ebda. per 1017: „der berühmte Formschneider “ ),

von denen ein Großteil aber auf die Zeit nach 1600 entfällt, da er sich in Mantua nur noch als Händler und Verleger betätigte, wobei er gleichwohl die erworbenen Fremdstöcke mit seinem Monogramm versah. Zwei Arbeiten aus 1608 bzw. 1610 gelten aber als nochmals originär. Bartsch’s Kernbestand von 25 und zweier ungewisser in Anzahl wie Zusammensetzung nicht mehr ganz aktuell. Unberührt hiervon aber

die  Allegorie  des  Todes ,

versinnbildlicht an Hand einer architektonischen Fassade. Mit einem in Verbindung mit einem Baldachin einem Wappenschild plastisch aufgesetztem Totenschädel, durch dessen Mund sich eine Schlange ringelt, als Kopfstück unterhalb eines Stundenglases, aus dem sich zwei einen schweren Felsstein zum Schleudern haltende Skelettarme nach oben strecken. Darunter in einer Rotunde die drei Parzen. Beidseits Kirchtürme mit Untertext und unterschiedlich agierendem Totenkopf unter dem Kreuz auf der Spitze und zwei gleichfalls variierenden Schädeln am Sockel. Auf den teils von zwei Skeletten getragenen Quadern darunter ITER AD VITAM .

Beidseits außerhalb dieser Skelette herabhängende Wappenschilde mit der Inschrift BONIS BONA bzw. MALIS MALA . Nach innen flankieren die Freunde ein Wagenrad mit acht beschrifteten Speichen (Nagler spricht gelegentlich des Fortunuus von acht sich auf der Achsenscheibe vereinigenden und mit deren Text kommunizierenden Strahlen), auf dessen Oberteil zur Linken Adam und zur Rechten Eva als schöne Sterbliche figurieren. Letztere reicht, sehnsüchtig schauend, den berüchtigten Apfel , wobei ihre Linke beziehungsvoll-lockend ihre rechte Brust liebkost. Adam, nicht zu ihr hinblickend, streckt seine Linke entgegen. Beider Hände treffen über einem Totenschädel zusammen.

Diese Gruppe der beiden fleischlichen und skelettierten Paare bilden in ihrer Kommunikation

das  Szeneereignis  welches .

Beide Tode stoßen ihre knöchernen Ellenbogen dem Menschenpaar in die Seite. Wovon Eva keine Notiz nimmt. Entsprechend Kopfhaltung + Mimik ihres Gevatters:

Oh , diese  Frauen !

Sein Pendant aber spricht zu Adam von Mann zu Mann. Entsprechend nachdenklich jener gesenkten Hauptes, zusätzlich die Rechte überlegend an die Stirn haltend.

Zwischen den Speichen des großen Rades der achtmalige Tod. Stehend oben für die Geistlich-, unten für die Weltlichkeit. Die umlaufende Außenbeschriftung STATVTVM EST OMNIBVS HOMINIBVS SEMEL MORI POST HOC AVTEM IVDICIVM. In der Mitte der Nabe SVM, vertas, omnibq idem. Zweizeilig herumlaufend CORNVA VENTRE GERO, NVMEROS IN VERTICE MILLE, / IN PEDE SERPENTEM, DIC MIHI, SVM QVIS EGO? Und zulaufend auf den Nabentext im Uhrzeigersinn

Vnde superbi / Vt deo placea / Et ideo studea / Terra est quasi fi / Cum nos Terra si / Mortem vitare nequi / De limo homo pri / Quid est nisi li .

Unterhalb des Rades und zugleich oberhalb eines offenen Sarges mit einer jungen Frau mit dem Kreuz in den Händen der kleine Kopf eines älteren bärtigen Mannes – ein noch kleinerer weiterer am Kopfende des Sarges – , beidseits flankiert von zwei großen Trauernden, über denen links ein Harfenkopf in Strahlenglanz, rechts eine Eule angesiedelt sind.

Vor und unterhalb des Sarges zunächst ein großes Schrifttuch TRIA SVNT VERE QUAE ME FACIVNT FLERE, flankiert vom symbolisierten geflügelten Tod, zwei kleinen Totenschädeln am Boden des Sarges, sowie geistlichen und weltlichen Attributen mit zwei verschlossenen Folianten als Verbindungsgliedern. Ganz außen auf den Sockeln der beiden Skelette zwei stehende Kleintode, jeweils eine ovale Schrifttafel haltend: MEMENTO MORI + MEMORARE NOVISSIMA . Den Abschluß bildet eine das Ganze verbindende Schrifttafel mit Primum quidem durum, quia scio me moriturum Secundu(m) verò plango, quia moriar, et nescio quando. Tertium autem flebo, quia nescio ubi manebo. Das Gemäuer im übrigen durchsetzt mit Zeichen seiner Vergänglichkeit.

Findet sich Andreani’s sogenannte „Melancholie“, die über einem Totenschädel meditierende Frau, als „künstlerisch ein Hauptblatt“ nebst Beisatz „thematisch ungewöhnlich“ qualifiziert, um wieviel mehr dies seine hier von Ridinger als ein

„ Pasticcio  ikonographischer , ikonologischer  und  künstlerischer  Zitate “

aufgegriffene „Allegorie des Todes“. Als

äußerst  selten  für  Andreani

(generell sprechen Thieme-Becker von „der großen Seltenheit der Blätter“ ) ,

als

Nahezu-Unikat  für  Ridinger .

Hier denn vorliegend in schönem, nicht mehr ganz zeitgenössischem Druck auf linienfreiem Papier mit Wortmarken-Wz. bei umlaufend feinem Rand um die Bildeinfassung. Nur hier und da knapp bis an diese beschnitten. Der gesamthaft gewissen Altersspurigkeit restaurativ professionell begegnet, wie auch die rückseitige (Wasser-)Fleckigkeit bildseits nur partiell ganz schwach durchscheint. Im schraffierten Randfeld unten rechts ein noch schwach sichtbarer Künstlerhinweis. Kurz ,

ein  seinesgleichen  suchendes  Rarissimum  von  schönem  Gesamteindruck .

Angebots-Nr. 28.482 / Preis auf Anfrage

… doch  schließlich  hat  auch  der  Tod  ausgetanzt

William Hogarth, Tail Piece

Hogarth, William (1697 London 1764). Tail Piece. / The Bathos, or Manner of Sinking, in Sublime Paintings, inscribed to the Dealers in Dark Pictures. Das Ende aller Dinge. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). 1798. Bezeichnet: Designed by W. Hogarth. / Engraved by T. Cook. / Published by G. G. & J. Robinson Pater-noster Row December 1st. 1708. (recte 1808), ansonsten wie vor. 34 x 36,7 cm.

Hogarth-Katalog der Tate Gallery, 1971/72, 222 + Hogarth-Katalog Zürich, 1983, 94, jeweils die 1764er Hogarth-Fassung und mit Abb.; Christoph Wulf, Dying Time, in Anthropology. A Continental Perspective, 2013, S. 133, Abb. 5.1 (dieses Exemplar). – Ausführlicher Untertext mit, neben Versen von Tacitus + Maximus Tyrius, wichtiger Bezugnahme auf die Analysis of Beauty.

„ Selten  hat  sich  ein  Künstler

so  ergreifend  von  der  Welt  verabschiedet “

(FAZ vom 8. 11. 1997).

Es ist Hogarth’s letzte graphische Arbeit, sieben Monate vor seinem Tode. Künstlerisch ein Rückgriff auf Salvator Rosa, fußt der Titel auf Pope’s poetischem Gegenstück „Peri Bathous“ als seinerseits „a parody of Longinus’s ‚Peri Hypsous‘“.

Die Szenerie selbst von unerhörter Radikalität. Denn betroffen vom Verfall sind auch und besonders jene Attribute, die sonst ihrerseits das Ende der Zeit signalisieren. Wie Sense und Sanduhr, die hier ebenso zerbrochen sind wie Krone, Pfeife, Palette, Flasche, Glocke, das Wirtshaus „The Worlds End“ mit der brennenden Weltkugel als Schild, die Kirche sowie etliche andere Vanitassymbole. Die Uhr hat die Zeiger verloren, die Bäume sind so tot wie der Gehenkte – und Phoebus im brennenden Himmelswagen mitsamt seiner Pferde, allesamt in den bodenlosen Abgrund stürzend.

Zu allem Überfluß haucht Saturn selbst als Gott sowohl der Zeit, sprich geflügelter Tod, als des im Ackerbau begründeten Wohlstandes sein letztes „Finis“, derweil ihm das von den drei Parzen – Clotho, Lachesis, Atropos – bezeugte Testament entgleitet: alles dem Chaos. Kurz, „H. Nature Bankrupt“.

Mit Ausnahme des Mannes in der schmalen Sichel des abnehmenden Mondes, der sich noch ein wenig Lebens zu erfreuen scheint. Wie denn auch der Galgen noch steht. Denn „(d)en scheint auch die künftige Welt nicht entbehren zu können“ (so auf der Heintz-Lithographie nachfolgender Nr. 14.087). Untergemischt schließlich verschiedene Wortspiele wie Schusterriemen + -leisten, im Englischen cobbler’s end bzw. last, sowie das Tau-Ende und der Lichtstumpf (candle’s end).

Herrlicher, nur wenig späterer Abdruck von strahlendem Hell-Dunkel und adäquater Breitrandigkeit und Frische dieses schönen Blattes Cook’s, der „sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher“ machte (Thieme-Becker) und als einziger der postumen Ausgaben das Originalformat wahrte. – Mit Wz. „1811 W Balston“; vgl. die Doppelmarke „J Whatman & W Balston 1813“ Heawood 117. – Im rechten Außenrand zwei kleine schwache Wasserränder. Die rückseitige partielle schwache Stockigkeit bildseits nur an zwei Stellen der Himmelspartie ganz minimal wahrnehmbar. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 7.545 / EUR  291. / export price EUR  276. (c. US$ 301.) + Versand

– – – Dasselbe in Kupferstich von Ernst Ludwig Riepenhausen (1765 Göttingen 1840, dortiger Univ.-Kupferstecher). (1794-1835.) Bezeichnet: 44 / W. Hogarth inv. / R. d sc f. 21,5 x 23,5 cm.

Früher Abdruck mit deutlichem Plattenton und sehr breiten Seitenrändern. – Gleichfalls nur die reine Bildversion. Angesichts des breiten Plattenunterrandes scheint die Unterrandgestaltung zunächst wohl vorgesehen gewesen zu sein. Später wurde die Platte unten entsprechend gekürzt (siehe Nr. 12.144).

Riepenhausen’s Hogarth-Ausgabe („sehr schätzbar“, Nagler) ist sein Hauptwerk, dessen Blätter tlw. sogar den Hogarth-Stichen vorgezogen werden.

Angebots-Nr. 7.740 / EUR  125. (c. US$ 136.) + Versand

– – – Dasselbe in Lithographie von C. F. Heintz. (1833-36.) Bezeichnet: 34. / Das Ende aller Dinge. / lith. v. C. F. Heintz. 20,5 x 20,7 cm.

Gleichfalls nur die reine Bildversion, doch mit ausführlichem deutschen Untertext à la Lichtenberg: „… Nur eines hielt aus – Der Galgen. Den scheint auch die künftige Welt nicht entbehren zu können, darum bleibt er gleich stehen …“ – Die ganz schwachen Stockflecken fast nur gegen das Licht bemerkbar. – Gesamthaft zwar kräftiger, aber nicht ganz gleichmäßig zeichnender Abdruck.

Angebots-Nr. 14.087 / EUR  87. (c. US$ 95.) + Versand

  1. Rund 240 Jahre später wird Robert Murray Kapitel XV von The Decline and Fall of the American Empire (2002) überschreiben mit: The Chaos to come.

“ I am very late to thank you for your kind and detailed e-mail of Sept. 21. – We are back in the US since early Oct. and are catching up with privat and business matters.

The visit with you was a pleasure and so nice to meet you in person … The advise and first pass evaluation you gave us were realistic and appreciated … ”

(Mr. + Mrs. N. Sch., November 6, 2009)