Die vier Jahreszeiten
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die vier Jahreszeiten. Große sitzende Dreiviertelfiguren vor Landschaftsstaffage (1-3) bzw. daheim. Folge von 4 Blatt. Schabkunstblätter. Bezeichnet: Ioh. Elias Ridinger excud(it). A. V., ansonsten wie nachfolgend. 53,9-55,1 x 42,6-43,5 cm.




Thienemann + Schwarz 1193-1196. – Leicht verkleinerte und etwas zurückhaltender componierte Wiederholung der dritten (von fünf) Jahreszeitenfolge Th. 1181/84 – „Die Ideen aus den Werken (Hyacinthe) Rigaud’s (1659-1743) und anderer französischer Bildnismaler entnommen“ (Th.), inhaltlich-generell indes in Nachfolge von Antike und Mittelalter, wonach die Naturwahrnehmung mittels der Elemente + Jahreszeiten im „Profanierungsprozeß der Kunst des 16. Jahrhunderts … eine wichtige Rolle“ spielte (Robels, Frans Snyders, 1989, S. 25) – unter Verzicht auch auf die Unterverse. Hier nur souverän im breiten, mittels Rolleiste vom Bild abgesetzten Unterrand in großer Typographie die Titel.
Ver. / Frühling.
Junge Frau nach links an einer Ballustrade, auf den Betrachter blickend. Die Rechte hält eine Centifolie, die Linke einen Blumenkorb in ihrem Schoße.
Aestas. / Sommer.
Junge Dame nach rechts in aufgekremptem, mit Ähren und Cyaneen verziertem Strohhut, mit der Rechten auf ein in dieser Fassung imaginäres Getreidefeld weisend, indes die Linke auf einem Mauerwerk ruht.
Avtvmnvs. / Herbst.
Stattliche Dame nach rechts, den aus dem Bild blickenden Kopf wehmütignachdenklich gesenkt haltend. In der Rechten die Weinhippe, hält die auf Mauerwerk – hinter diesem Weinstock mit Traube – ruhende Linke eine Rebe mit Traube.
Hyems. / Winter.
Am Kamin im Lehnstuhl sitzender Herr nach rechts in Mantel mit Pelzbesatz + Pelzmütze, gleichwohl in durchaus noch guter Verfassung und keineswegs im Sinne Thienemann’s 1184 („Ein Greis“) und dortigem Verse („Durch warme Wasser will der Alte sich erhitzen“; also analog dem „Greis“ auf Watteau’s „Koketten“ in Petersburg, von dem Pierre Rosenberg im 1984/85er Ausstellungskatalog schreibt „… vermag aber trotz seines Stockes uns nicht von seinem hohen Alter zu überzeugen“). In jeder Hand eine Schale haltend, blickt er seitlich aus dem Bild heraus. Auf dem Tisch Teekanne und je eine Schale mit Backwerk und Zucker (Thienemann).
Alt per Eckmontage auf schweres Bütten aufgelegt, welches an zwei/drei Außenrändern angebräunt ist. – Das Winterblatt dreiseits mit feinem Rändchen, sonst teilweise solchem oder auf Plattenkante geschnitten.
Das druck- und erhaltensmäßig herrliche Exemplar
einer gepflegten Sammlung von in allen Partien nuanciert leuchtendem Hell-Dunkel. Und solchermaßen von ganz außerordentlicher Seltenheit nicht allein am Markt, sondern generell. Bezifferte doch schon 1675 der Praktiker von Sandrart „saubere Abdrucke“ der samtenen Schabkunst auf nur etwa „50 oder 60“ (!). „(H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet“. Entsprechend denn 1856 Thienemann :
„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr …
zu bekommen … und (deren) bei Weitem größten Theil …
(habe ich) allein (im Kupferstichcabinet Dresden) gefunden. “
Neben Thienemann’s vermutlichem Dresdner Exemplar sind hier für anstehende Folge neben dem Gutmann’schen (Schwarz, 1910) eines bei Rosenthal (1940) und das Gräflich Faber-Castell’sche (1958) nachweisbar. Die Vorfassung 1181/84 fehlte letzteren beiden, doch hatte sie Helbing (1900, „Prächtige Schabkunstblätter. Aeusserst selten.“) in Abzügen vor der Schrift als Ganzes und mit der Schrift in drei Einzelblättern. – Somit hier + heute
die trouvailleske Gelegenheit
zur Inbesitznahme eines prachtvollen , wandschmeichelnden Sets .
Angebots-Nr. 28.413 / Preis auf Anfrage
„ Das Bild ist heute zu meiner vollsten Zufriedenheit eingetroffen … Für die reibungslose und prompte Lieferung dankend, verbleibt mit den besten Endjahreswünschen, freundlichst Ihr … “
(Herr K. v. F., 16. Dezember 2008)

