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Politiker  mögen  kommen  +  gehen  –

Sachsen  bleibt  bestehen

Sächsisches  aus  18. + 19.  Jahrhundert

 

Saxe, Carte de la Haute, et de la Lusace. Mit Titelkartusche + Meilenzeiger. Landkarte von Edme Mentelle (1730-1815), Historiograph des Grafen von Artois, in Kupferstich von P. F. Tardieu (d. i. Antoine François Tardieu L’Estrapade, 1757 Paris 1822). (1788.) Signiert, bezeichnet. 35,6 x 47 cm. – Wasserzeichen.

Mittelpunkt: Leipzig , Dresden schön im rechten Mittelfeld . – Bis Goslar – Potsdam – Fürstenwalde – Sagan – Greiffenberg – Eger – Schweinfurt – Eschwege .

Angebots-Nr. 7.355 / EUR  138. (c. US$ 151.) + Versand

Dresden. Zentralansicht. Holzstich nach einer Photographie. (1886.) Bezeichnet. 13,2 x 19,8 cm. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 15.530 / EUR  85. (c. US$ 93.) + Versand

DEUTSCHE  EINHEIT  VOR  145  JAHREN

Daumier, Honoré (Marseille 1808 – Valmondois 1879). L’Unité Allemande. Die Walze des Mars ebnet die Toten ein, als da sind Württemberger, Badenser, Bayern, Hannoveraner,  Sachsen , Hessen. Lithographie. (1870-71.) Monogrammiert, bezeichnet. 22,2 x 18,1 cm.

Delteil 3831, III (von 3) mit Abb. dieses Zustands. – Sorgfältiger Druck auf besserem Papier ohne Rückseitentext und den Actualité-Serientitel.

Geschaffen  im großartigen Altersstil der letzten Jahre, alles Gegenständliche weglassend und „nur in symbolischen Gestalten Anklage erhebend gegen das Unrecht des Krieges“ (Glaser). – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 13.385 / EUR  404. / export price EUR  384. (c. US$ 419.) + Versand

Sächsischen Länder, Karte der Großherzogl. + Herzoglich. Mit Titel-, 2 Erläuterungskartuschen + Separatkärtchen der westl. Besitzung Idar-Oberstein – Birkenfeld – Ottweiler . Detailkarte von Walther nach Friedrich Wilhelm Streit (Ronneburg, Thüringen, 1772 – Berlin 1839) in grenzkolor. Stahlstich von A. Heimburger. (1833-37.) Signiert, bezeichnet. 23,4 x 27,5 cm.

Reiche Lokalkennzeichnungen, u. a. „Kunststr(aßen)“ mit und ohne Schnellposten, Poststationen, Landstraßen, Schiffbarkeiten, Gebirgs Pass, Unis + Gymnasien. – Bis Bleicherode – Halle – Penig – Plauen – Münchberg – Thurnau – Haßfurt – Hünfeld – Waldkappel . – Mittelpunkte: Weimar – Rudolstadt .

Angebots-Nr. 11.383 / EUR  86. (c. US$ 94.) + Versand

„ Das  politische , wirtschaftliche  und  kulturelle  Leben

Europas  und  Nordamerikas

(beeinflußt  von  der  Reformation).

SIE  IST  SACHSENS  BEITRAG

ZUR  WELTGESCHICHTE . “

Die  sächsische  Kirchenvisitation

als  Auslöser  für  Luther’s  Großen + Kleinen  Katechismus.

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Evangelische Kirchen Visitation. Blick durch eine von mit Palmenzweigen bestückten Rocaille-Titelkartusche zusammengehaltene Draperie auf eine „bühnenhaft im Sinne eines geschlossenen Schauplatzes“ (Schöne) komponierte Konsistoriumssitzung mit Luther und seinem Landesherrn als Mittelpunkt der unter der Losung Joh. V, 39 „Suchet in der Schrifft“ versammelten, diskutierenden und Schriften studierenden Welt- und Geistlichkeit. Der engere Kreis vorn am Tisch, der erweiterte in weitem Halbkreis um diesen herum placiert. Zwischen den Oberlichtern der ansonsten verhangenen Fenster Bilder zu I. Sam. VII, 16 / II. König 11, 1 , 4 + 5 / Matth. IX, 35 / Act. VIII, 14 + Act. XV, 36. Kupferstich von Johann Jacob Kleinschmidt (1687 Augsburg 1772). (1728.) Bezeichnet: Elias Riedinger (sic!) delin. / Ioh. Iacob Kleinschmidt Sculpsit, sonst wie oben. 23,6 x 31,7 cm.

Provenienz

Sammlung  Alfred  Coppenrath,  Regensburg,

dessen  Versteigerung  Abt. II  (Leipzig 1889), Nr. 1606
und  dort  qualifiziert  als

„ Höchst  seltenes , fliegendes  Blatt , in  unbeschriebenem  Zustand “,

zu letzterem siehe indes unten

Marsch, Bilder zur Augsburger Konfession und ihren Jubiläen, Weißenhorn 1980. – Stillfried (1876) + Schwarz (1910) 1381; Reich auf Biehla 282 ( „Aufgezogen. / Interessantes Blatt … Höchst selten“, 1894 !); Boerner CXXII, 1385 (das Explr. Graf Constanza C.....a, Mailand, „Äußerst selten“, 1913) + Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I,1 (1975), Ridinger 43.

Das im Rahmen der „Augsburger Friedens-Gemälde“ (1650/1-1789) geschaffene Bild gilt der Jahresgabe für 1728. Wobei der typographische Begleittext „häufig nur angeklebt“ (Gode Krämer; so denn auch die Explre. Stillfried, Schwarz, Faber-Castell), also separat gedruckt ist. Bei dem Exemplar der Kunstsammlungen Augsburg findet er sich rückseits des Bildes als mutmaßlichem Merkmal der Herkunft aus einem der chronologisch, gleichwohl mehr oder weniger zwanglos zusammengestellten seltenen Augsburger Sammelbände der Reihe. So zunächst seitens Baumgartner’s, dann Joh. Michael Roth’s (1732, eine weitere mit 1749er Vorwort).

Nach 1789er Auslaufen der Friedens-Gemälde präsentierte Roth 1790 dann die Gesamtreihe, wobei bis einschließlich 1731 die Bilder – wie denn auch hier – auf die Rückseite der Texte des Vorjahres gedruckt wurden. Sowohl in seiner Abfolge als auch in seiner viel großzügigeren Typographie weicht hiesiger 1727er vom Augsburger früheren Exemplar ab. Größer auch die Initiale, die abweichende Textanordnung mit zudem zurückhaltenderer Bordüre. Dieser Ausgabe also dürfte hiesiges Exemplar entstammen: das Ridinger/Kleinschmidt’sche Kupfer zu 1728 findet sich auf der Rückseite des Textes zum „Friedens=Gemähld“ von 1727. Was immer wieder zur Fehleinschätzung als eines unbeschriebenen Zustandsdruckes führt.

Generell im übrigen nicht bei Thienemann (1856), im Weigel’schen Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838-1857), beim Marktleerfeger Hamminger (1895), in Helbing’s (Ridinger-)Katalog XXXIV (1900, 1554 Positionen!) !

Kronen-Wappen-Wz. – In der linken Oberecke des breiten weißen Randes hinterlegter dreieckiger Ausriß von ca. 1-1,5 cm, die Oberkante ganz schmal angeschmutzt, ansonsten quasi blütenrein + unberührt bei bildseits nicht wahrnehmbarer geglätteter Mittelfalte. – Verso 2spaltig zu 50 Zeilen typographisch :

„ Friedens = Gemähld ,
Der  Evangelischen  Schul=Jugend  in  Augspurg,  bey  wiederholtem
Danck=  und  Frieden=Fest,  den  8. Augusti  Anno  1727.  ausgetheilet.
Genommen  aus  der  Heil.  Schrifft  und  der  Reformations=Historia.

… Es hat auch damals nicht an manchen Sturm gefehlet, Den der Verfolgungs=Geist hat hier und dar erregt, Darunter wird mit Recht der schwere Haß gezehlet, Den einst

Hertzog  Georg  zu  Sachsen

hat gehegt Wider den Prediger bey Hofe, … Noch mehr und härtere Verfolgung muste leyden Ein Priester eines Dorffs, so Kayser war genannt, … Der …

Mit  Feur … zu  Scharding  wurd  verbrandt … “

Den eminent wichtigen historischen Hintergrund des Reformationsgedenkens dieses Flugblattes bildet die von Luther angeregte und ab Oktober 1528 auch selbst geleitete

„ berühmte  sächsische  Kirchenvisitation,

durch  welche  die  neue  Kirche  erst  recht  in  die  Erscheinung  trat“

(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., IX, 781 + X, 1023, mit – analog zum hiesigen Flugblatt – 1527 als Startjahr; die neuere Literatur nennt hierfür bereits 1726).

„ Im Kurfürstentum – im ernestinischen – Sachsen war inzwischen unter den Nachfolgern Friedrichs des Weisen … nach den wilden Jahren des Anfangs mit dem Aufbau einer evangelischen Landeskirche begonnen worden. Als Vorbild diente der erste evangelische Staat, das … Herzogtum Preußen … So erfolgte beispielgebend für andere evangelische Territorien, von 1526 bis 1530 die kursächsische Kirchen- und Schulvisitation, für die Melanchthon 1528 den ‚Unterricht der Visitatoren‘ verfaßte … Das Ergebnis offenbarte eine erschreckende Unkenntnis in Glaubensdingen bei Pfarrern und Gemeindegliedern. Luther sah sich veranlaßt, 1529 für die Pfarrer den ‚Großen Katechismus‘ und für den Gebrauch der Hausväter den ‚Kleinen Katechismus‘ … zu verfassen … Für die kirchliche Gerichtsbarkeit … werden … Konsistorien  errichtet … Für die Visitatoren entwirft Justus Jonas die sogenannte ‚Heinrichsagende‘ … die zur offiziellen Kirchenordnung wird “

(Christian Zühlke, Die Reformation in Sachsen, in Von der Liberey zur Bibliothek – 440 Jahre Sächsische Landesbibliothek, 1996, Seiten 133 f.).

Eingebettet das Ganze in Zühlkes Statement (a. a. O., Seite 123):

„ Sachsen  ist  das  Mutterland  der  Reformation.

Sie  ist  Sachsens  Beitrag  zur  Weltgeschichte.

Die aus der Reformation hervorgehenden Konfessionskirchen der Lutheraner, Reformierten und Anglikaner sowie die spiritualistischen Bewegungen

beeinflußten  das  politische, wirtschaftliche  und  kulturelle  Leben

Europas  und  Nordamerikas.“

Dies denn das Umfeld dieses in so vielerlei Hinsicht interessanten und seltenen Einblattdruckes. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 28.970 / EUR  670. / export price EUR  637. (c. US$ 695.) + Versand

Willkommen  am  großen  Traditionsplatz

Leipziger Messe – Einladung. Rose als von von fünffacher Goldlinie auf schwarzem Grund eingefaßtes Eingangsmotiv. Deckfarbenmalerei. Rückseits Design-Muster einer typographischen Einladungs-Gestaltung in Gold + Schwarz sowie zweifach wiederholter Rosenvignette mit ausgeführtem Mitteltext

„ Ausstellung  zur  Leipziger  Messe “.

Ca. 1920. Bezeichnet wie vor. 142 x 90 mm.

Eleganter  Illustrationsentwurf  auf Karton. – Rückseits unten rechts hs. Reg.-Nr. R. 473. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 28.911 / EUR  130. (c. US$ 142.) + Versand

Aus  dem  Jahrhundert  des  Meßaufschwungs

Leipzig, Frau aus. 1592. Goldgehöht kolor. Holzschnitt. (1877-84.) Bezeichnet. 20,5 x 14 cm. – Lipperh. Ad 46. – BLÄTTER FÜR KOSTÜMKDE. NF. 201.

Historische Tracht aus dem Jahrhundert des Meßaufschwungs. Denn die sich aus Jahrmärkten entwickelnden „Leipziger Messen … erlangten erst eine größere Bedeutung, als 1507 Kaiser Maximilian I. der Stadt Stapel- und Niederlagsrecht verlieh“ (Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., Lpz. 1889, X, 665/I). Um ab 1711 die älteren Reichsmessen von Frankfurt/M zu überholen. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 16.077 / EUR  110. (c. US$ 120.) + Versand

„ eine  vielleicht  vielen  befremdliche  Cur=Art

dem  gewissen  Tode  des  Kranken  vorziehen. “

Mandat (Friedrich Augusts, Herzogs zu Sachsen), die wider das Herumlaufen und die Wuth der Hunde vorzukehrenden Anstalten betreffend. Nebst den Beilagen „Ursachen der Wuth der Hunde, und die Kennzeichen solcher Wuth“ sowie „Anweisung wie man sich bey dem Bisse toller Hunde zu verhalten habe und dessen traurigen Folgen vorbeugen könne“. Gegeben Dresden 7. Sept. 1782. Dresden, Chur-Fürstl. Sächs. Hof-Buchdruckerey, (1782). 2° (34,8 x 21 cm). Mit Eingangs- + Schluß-Vignette in Holzschnitt. 12 Bll. Mit gedruckter hzgl. Unterschrift nebst „L(oco) S(igilli)“-Marke und ebensolchen Gegenzeichnungen George Wilhelm v. Hopffgarten’s sowie des Sekretärs Chr. Gottlieb Kretzschmar. Geheftet. Unbeschnitten.

Aktenvermerk „Nom: 13.“ von alter Hand auf Titel. – Namentlich der Hauptteil in schöner, großer Typographie. – Breitrandig.

Außerordentlich  inhaltsreiche  Verordnung

zu  Bekämpfung  +  Heilung  der  Tollwut ,

beginnend mit der Verminderung der überhaupt gehaltenen Zahl sowie dem regelmäßigen Einfangen streunender Hunde und der generellen Art der Haltung und Mitführung. Ferner soll durch öffentlich zu bestellende Personen „allen Hunden, ohne Ausnahme, der sogenannte Toll=Wurm geschnitten … werden“ sowie in Apotheken, aber auch andernorts, stets ein ausreichender Vorrat „aus Mäy-Würmern zubereitete(r) Artzney“ vorgehalten werden.

Von ganz überragendem Interesse aber die 2seitige „umständliche Beschreibung“ der Ursachen der Tollwut, vor allem aber

die  8seitige  Anweisung  zur  Behandlung  eines  Gebissenen

mit allen Einzelheiten zu Reinigung der Wunde, Hygiene, Ruhe, Nahrung – Holunder-Blüthen-Tee – und aufmunternder Pflege.

Dieser Detail-Reichtum macht anstehende Verordnung zu einer wahren Fundgrube. Zum einen hinsichtlich des sogenannten Tollwurms, dessen Entfernung später – so in einer preußischen Verordnung von 1797 – als unwirksam erkannt wurde. Ganz besonders aber im Vergleich mit der mit 16 Blatt deutlich umfangreicheren Nachfolge-Verordnung von 1796 (siehe im folgenden 13.082 + 13.083), die bei Tier + Mensch generell, besonders aber bei der „Entsorgung“ kranker Hunde wie auch der Pflege gebissener Menschen die Hygiene nunmehr in grundlegender, sichtbar über die Wundpflege hinausgehender, Weise gewichtet. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 13.081 / EUR  496. / export price EUR  471. (c. US$ 514.) + Versand

Eines  der  beiden  einzigen  sächsischen  Eigen-Motive  Ridinger’s :

Ausgegraben  zur  Vollendung  Schloß  Hubertusburg’s ,

gekupfert

zur  Begrüßung  des  1763er  Friedensschlusses  dortselbst

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Diser sehr rare weiße Dachs, welcher mit gelb röthlichten und dunckel castanien flecken gespringet war, ist Ao. 1724. den 5. 9bris im Parck bey St. Hubertusburg ausgegraben und behäzt worden. Auf einem Paßweg zukunftsgewiß nach rechts, sich in der Sonne aalend. Dahinter Felsen und Wald, vorne krautbewachsene niedere Felsen. Radierung + Kupferstich von Martin Elias Ridinger (1731 Augsburg 1780). (1763.) Bezeichnet: Joh. El. Ridinger inv. del. et exc. Aug. Vind. / Mart. El. Ridinger sculpsit., ansonsten wie vor. 35,4 x 26,3 cm.

Thienemann + Schwarz 316; Slg. Reich auf Biehla 71. – Fehlte der schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885). – Blatt 74 der erst postum abgeschlossenen Folge der Wundersamsten Hirsche und anderer Thiere, zugleich das erste vom Sohn Martin Elias ausgeführte derselben, der damit die um 1756 einsetzende väterliche Projektmüdigkeit überwand. Die solchermaßen mit dem

Hubertusburger  „Friedens“-Dachs

für das Œuvre gegebene Zäsur liegt auf der Hand. Die ihm nachfolgenden und gleichfalls von Martin Elias radierten Blätter betreffen Ereignisse aus 1763 und erlauben somit die zeitlich generelle Einordnung auch des hiesigen.

Doch analog zur durch Datierung (1744) und textliche Aktualisierung („Keyserliches“ Lustschloß) historisch gesichert als „Begrüßungsarbeit“ zur 1744er Rückkehr des Wittelsbacher Kurfürsten Karl Albert als römisch-deutscher Kaiser Karl VII. nach München ausgewiesenen Arbeit Th. 274 darf, gestützt auf ihr belegtes enges zeitliches Ohnehin-Umfeld und somit unbeschadet ihrer Nichtdatierung, auch die hiesige Arbeit des Hubertusburger Dachsen

als  jenem  Friedensschlusse  dortselbst  gewidmet

gewertet werden.

Lokalbezogen indes ist die zoologische Dachs-Rarität zusammen mit dem Reiter-Portrait Kurfürst Friedrich August II. als polnischer König August III. (Th. 830; „lebte als eifriger Jäger meist auf dem Schloß Hubertusburg“, Meyers Konvers.-Lex., 4. Aufl., Bd. II, S. 96/I)

eines  der  beiden  einzigen  sächsischen  Eigen-Motive  Ridinger’s .

Prachtvoller, kontrastreicher Abdruck von warmer Tonigkeit auf festem Bütten mit von früherer Rahmung herrührender rückseitiger Randhinterlegung und damit korrespondierendem bildseitigen Lichtstreifen im 2,8-5,1 cm breiten weißen Rand. Kleiner hinterlegter Einriß unten links.

Angebots-Nr. 13.222 / EUR  654. / export price EUR  621. (c. US$ 677.) + Versand

Mandat (Friedrich Augusts, Herzogs zu Sachsen), wegen Einschränkung des Hundehaltens, und der wider das freye Herumlaufen der Hunde, auch sonst zu Verhüthung der von wüthenden Hunden zu besorgenden Gefahr, zu treffenden Vorkehrungen. Nebst den Beilagen „Ursachen der Wuth der Hunde und die Kennzeichen solcher Wuth“ sowie „Anweisung, wie man sich bey dem Biße toller Hunde zu verhalten habe, und dessen traurigen Folgen vorbeugen könne“. Gegeben Dresden 2. April 1796. Dresden, Chur-Fürstl. Sächs. Hof-Buchdruckerey, (1796). 2° (34,8 x 22 cm). Mit großer Anfangs-Vignette in Holzschnitt + Eingangs-Initiale. 16 Bll. Mit gedruckter hzgl. Unterschrift nebst „L(oco) S(igilli)“-Marke und ebensolchen Gegenzeichnungen Friedrich Adolph v. Burgsdorff’s sowie des Sekretärs Frdr. Moßdorf. Geheftet. Unbeschnitten.

Hs. Aktenvermerk „Nom. 23“ von alter Hand auf Titel. – Letzte vier Blatt mit kleiner Wurmspur im breiten weißen Oberrand, Schlußblatt unten im Rand mit zwei Braunflecken. – Namentlich der Hauptteil in schöner, großer Typographie. – Breitrandig.

Außerordentlich  inhaltsreiche  Verordnung

zu  Bekämpfung  +  Heilung  der  Tollwut ,

mit direktem Bezug zu der vorhergehenden Verordnung vom 7. September 1782, siehe oben, „da die Absicht nicht hinlänglich erreichet worden ist … haben wir Uns … bewogen gefunden … ein anderweites Mandat zu erlaßen, und darinnen,

nach  den  seit  Erlaßung  des  obangeführten  Mandates  gemachten  Erfahrungen ,

alles dasjenige, was künftig in Ansehung dieses Gegenstandes beobachtet werden soll, zusammen zu faßen“.

Beginnend mit der Verminderung der überhaupt gehaltenen Zahl Hunde und ihrer Haltung + Führung, wird die seinerzeitige strafbewährte Verpflichtung zum Schneiden des sogenannten Toll-Wurms

–  da  als  unwirksam  erkannt  –  hier  nicht  mehr  erwähnt.

Dagegen hat nunmehr

– das  ist  die  Einführung  der  vorsorgenden  Quarantäne! –

„ jeder Eigenthümer eines Hundes … denselben auf das Genaueste zu beobachten, und bey Verspürung auch nur der entferntesten Kennzeichen – wie in Beilage I beschrieben – von einer ihn anwandelnden Tollheit sofort einzusperren … daferne aber die entstandene Vermuthung … sich bestätiget, selbigen ohne Verzug zu tödten. “

Und  dann  folgt  auf  die  Quarantäne  vollkommene  Hygiene :

„ Ein getödteter toller Hund … so wie alles andere von einem wüthenden Hunde gebißene und getödtete Vieh, ist wenigsten zwey Ellen tief unter die Erde zu verscharren – so auch schon 1782 – und mit Kalk zu bedecken; auch ist dabey die Vorsicht zu gebrauchen, daß selbiges nicht mit bloßen Händen berührt, sondern

mit  Handschuhen , oder  mit  Hülfe  kurzer  hölzerner  Stangen ,

fortgeschafft und die dabey gebrauchten Instrumente oder Handschuhe mit in die Grube geworfen werden … nicht etwa in einen vorbeyfließenden Fluß oder Bach. “

Desgleichen ist alles, was von einem tollen Hund oder einem Erkrankten berührt sein möchte „unter Beachtung derselben Vorsicht … in Ansehung des getödteten Hundes selbst und der bey dessen Verscharrung gebrauchten Instrumente vorgeschrieben worden, verbrannt, oder tief in der Erde verscharrt, und mit Kalk überschüttet werden.“

Von überragendem Interesse im weiteren aber die 3½seitige „umständliche, von Unserm Sanitäts=Collegio abgefaßte, Beschreibung“ der Ursachen der Tollwut,

gegenüber  der  seinerzeitigen  um  neue  Aspekte  angereichert  und

im  Umfang  rund  verdoppelt ,

vor  allem  aber  die  nicht  zuletzt  auch  von  einigen  Ungereimtheiten  befreite

6½seitige  Anweisung  zur  Behandlung  eines  Gebissenen

mit allen Einzelheiten zu Reinigung der Wunde, Hygiene, Ruhe, Temperatur, Nahrung – Holunder-Blüthen-Tee – und aufmunternder Pflege, ohne damit die möglichst schnelle Hinzuziehung eines Arztes oder – wenigstens – befähigten Baders ersetzen zu wollen. Gegenüber der obigen 1782er – siehe auch folgende 13.083 – Verordnung indes auch ergänzend

die  Anleitung  zu  erster  Selbsthilfe

wie  auch  die  Abbindung  des  betroffenen  Körperteils ,

„ damit  die  Einsaugung  des  Gifts  verhindert  werde “ .

Solchermaßen aber ein

medizin-  +  hygiene-geschichtlicher  Beleg  allerersten  Ranges .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 13.082 / EUR  496. / export price EUR  471. (c. US$ 514.) + Versand

Die  Hygiene  wird  als  Schutz  vor  Krankheit  begriffen :

„Außerdem sind die Hunde beständig reinlich zu halten;
sie müßen daher öfters gebadet, gestriegelt oder gekämmt,
ihre Hütten, Ställe, Freß= und Sauftröge gereiniget … werden“

Vorschriften, für die Bewohner der Städte und des Landes, aus dem unterm 2. April 1796 – siehe obige 13.082 – , wegen Einschränkung des Hundehaltens und der von wüthenden Hunden zu besorgenden Gefahr, publicirten Mandate, nebst den darzugehörigen Beilagen „Ursachen der Wuth der Hunde und die Kennzeichen solcher Wuth“ sowie „Anweisung, wie man sich bey dem Biße toller Hunde zu verhalten habe, und dessen traurigen Folgen vorbeugen könne“. (Dresden) 1797. Kl.-4° (20,5 x 17 cm). 24 SS. Geheftet und mit Garnschlaufe oben links.

Hs. Aktenvermerk „Nom: 24“ von alter Hand auf Titel. Dieser gebräunt und etwas schmutzstippig sowie mit kleiner unauffälliger, das zweite Blatt noch ganz minimal berührender Wurmspur.

Die  zum  Aushang  verwandte  Version

der  außerordentlich  inhaltsreichen  Verordnung

zu  Bekämpfung  +  Heilung  der  Tollwut ,

die Bestimmungen des im Vorjahr als Neufassung der Verordnung vom 7. September 1782 – siehe obige 13.081 – erlassenen Mandates in teils abgeänderter Reihenfolge in

ebenso  knappen  wie  einprägsamen  Sätzen  zusammenfassend .

Von überragendem Interesse vor allem aber die nicht zuletzt auch von einigen Ungereimtheiten befreite

10seitige  detailierte  Anweisung  zur  Behandlung  eines  Gebissenen .

Gegenüber der 1782er Verordnung indes auch ergänzend die Anleitung zu erster Selbsthilfe wie schon in 13.082.

Solchermaßen nicht nur die Umsetzung des Kanzlei-Rechtes in den Alltag beispielhaft aufzeigend, sondern auch hier vor allem ein medizin- + hygiene-geschichtlicher Beleg allerersten Ranges. Zusätzlich reizvoll schließlich als

kordelversehene  Aushang–Version .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 13.083 / EUR  343. / export price EUR  326. (c. US$ 356.) + Versand

Meißen – Mannfeld, Bernhard (Dresden 1848 – Frankfurt/Main 1925). Meissen. Zentralansicht von oberhalb auf Stadt, Frauenkirche, Dom und Albrechtsburg. Vorn große, auf den Straßen kleine Figurinen. Radierung in Braundruck. Ca. 1875. Bezeichnet: Orig.-Rad. v. B. Mannfeld. / Druck v. O. Felsing. Berlin., ansonsten wie vor. 24,3 x 18,2 cm.

Ansicht aus den Jahren der Restaurierung der Albrechtsburg (1873-83). Die beiden Türme des Doms hingegen erst 1902-08 aufgesetzt. – Mit Drucker- und Verlegeradressen von O. Felsing bzw. Alexander Duncker, beide Berlin. – Aus einer 1889er Suite. – Der breite weiße Rand des leichten Kartons hier und da minimalst stockfleckig. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 11.304 / EUR  97. (c. US$ 106.) + Versand

Dediciert

Christian  Ludwig  von  Hagedorn

(Hamburg 1712 – Dresden 1780)

sächsischer  Legationsrat

+

Generaldirektor  der  Dresdner  Akademien  +  Galerien

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die vier Tageszeiten der Hirsche. Folge der 4 Blatt in Radierung + Kupferstich. Ca. 1746. Bezeichnet: J. E. Ridinger Pictor ac Sculptor Augustan. (1) bzw. J. E. Ridinger fec. (2-4), ansonsten wie nachfolgend, dabei das Tages-Motto jeweils oberhalb des Bildovals, dessen Ecken ausschraffiert sind. 34,3-34,6 x 27,7-28,2 cm.

Thienemann 238 bezeichnet mit „J. E. Ridinger Pictor ac sculptor Agustan.“ unter der Dedication für den sächsischen (Geheimen) Legationsrat des Königs von Polen und späteren Generaldirektor der Dresdner Akademien und Galerien, den Bruder des Dichters,

CHRISTIANO  LUDOVICO  AB  HAGEDORN

Pontiff  Poloniae  Regis  a  Consiliis  Legationum,
Viro  et  avitae  Nobilitatis  Splendore
et  artis  graphicæ  usu, cultu, amore  inter  graviora  negotia  Spectabili
D. D. D.,

bzw., Th. 239-241, mit „J. E. Ridinger fec.“. Dazu jeweils oberhalb des Bildovals, dessen Ecken ausschraffiert sind:

Lucem  revehit  tenebris  Aurora  fugatis

Auf hohem Felsen ein Spießer, unten ein Zwölfender, beide der Sonne zugewandt. Des weiteren ein Zehnender und zwei Stück Wild.

Sol  mediam  coeli  terit  arduus  arcem

Dreiergruppe eines starken Hirschen, eines stattlichen Zehnenders und eines Gablers.

Ast(e)rifero  procedit  Vesper  olympo

Dreiergruppe eines Zwölfenders, einer Hirschkuh und eines Spießers.

Jam  medio  volvuntur  Sidera  lapsu

Mondschein zur Brunftzeit. Sechzehnender mit einem Serail von sieben Stück Wild, dem Nebenbuhler jenseits des Wassers Bescheid rufend.

Das herrliche , warmtonig-kontrastreiche Exemplar eines alten adeligen Sammelbandes und somit

über  die  Jahrhunderte  hinweg  bestverwahrt  geblieben

mit Wz. WANGEN als von den Ridingers besonders geschätzter Qualität. Oben + unten 5-6,8, seitlich 1,9-3,2 cm breitrandig, linksseits der alte Heftrand. Das Abendblatt mit stecknadelkopfkleiner Schabstelle in Felspartie oberhalb der Dreiergruppe, sonst bestens. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 15.701 / Preis auf Anfrage

Meißen mit der Albrechtsburg. Blick vom jenseitigen Ufer mit der Brücke. Holzstich bei Carl Angerer (1838-1916), Wien. (1886.) Bezeichnet: CA (ligiert) ph., ansonsten wie vor. 8,9 x 11,9 cm. – Beidseits fortlaufender Text zu Dresden und Umgebung. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 9.431 / EUR  25. (c. US$ 27.) + Versand

Freiherrlicher  Brunnen-Spezialist

+

Marketing-Experte  vor  285  Jahren

FREUND  AUGUST  DES  STARKEN

Kyaw – Des Welt-berühmten Königsteiner Brunnens Anrede aus seiner Tieffe an Diejenigen So ihn von oben her besehen. 24 Zeilen. Ca. zwischen 1715 und 1733. Kl.-2°. 1 Blatt.

Breit eingefaßtes, höchst launisches Gedicht (Einblattdruck?), die Geschichte des Brunnens erzählend und das Lob der Bekömmlichkeit seines Wassers singend:

„ … bin ich nunmehr wohlschmeckend, frisch und rein / Auch besser vor den Durst, als Alicanten Wein … / Labt Euch vergnügt an mir, ihr meine werthen Gäste / Und Fürcht Euch oben nicht, denn ich steh unten feste. “

Die Datierung dieser

ganz  einzigartig  frühen  Werbebotschaft

ergibt sich durch Erwähnung des Kurfürsten August des Starken und des für die Entwicklung des Brunnens besonders eingetretenen Friedrich Wilhelm von Kyaw (auch Kyau), der als kursächsischer Generalmajor 1715 Kommandant des Königsteins geworden war und, 1723 zum Generalleutnant befördert, auf diesem 1733 verstarb. Gleichen Jahres wie sein ihm befreundeter Kurfürst, der bei Erscheinen des Druckes noch lebte, denn

„ Den Becher, der allhier, als ein Gedächtniß, stehet / Hat Chur-Fürst August selbst mit seiner Hand gedrehet / Drum giest auf Wohlseyn des, der mich  noch  schützet ein … “

Die Urheberschaft des urwüchsigen Kyau’s dürfte sich aus der Nennung des ihm zugetanen August ebenso ergeben wie aus seiner eigenen engen Bindung zum Brunnen, „wo er vieles noch jetzt Bestehende schuf“ (Poten in der ADB), die sich auch aus dem Druck selbst ergibt:

„ Der Freyherr Kyau hat mein Brunnen-Hauß vollführt / Daß mich nun weder Eyß, noch Schnee, noch Regen rührt. / Was man durch viertzig Jahr auf meinen Grund gewendet / Das hat mein General in einem Jahr geendet / Dadurch bin ich nunmehr wohlschmeckend … “

Von nicht störenden Faltkniffen abgesehen, gleichmäßig ganz leicht gebräunt bei nur vereinzelten zusätzlichen, unwesentlichen Stock- und Altersflecken, ansonsten schön + breitrandig, in satter Typographie, mit großem Wasserzeichen.

Für  die  sächsische  Lokal-  wie  deutsche  Kulturhistorie

ebenso  wie  für  den  Freund  eines  bekömmlichen  Wassers

höchst  reizvoller  Sammlungs-i-Punkt .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 14.420 / EUR  199. (c. US$ 217.) + Versand

Witzel, K. (Hrsg.). Praktischer Forstwegweiser für Holzkäufer, Holzindustrielle und Forstbeamte. Einschlags-, Bestands-, Holzqualitäts-, Wege-, Arbeiter-, Abtransport-, Unterkunftsverhältnisse, Fernsprech-, Post-, und Eisenbahnverbindungen der Forstdienststellen und Reviere. Nach den Auskünften der staatl. Oberförster. 2 Bände. Berlin, Parey, 1926. VIII, 432 SS. incl. 4 SS. Anz.; X, 496 SS. incl. 6 SS. Anz. OLwd.-Bde. mit Rücken- u. Deckelprägung.

Mantel I, 56 – Reich erläuterter Führer zu den ost- und norddeutschen Forsten : I: Ostpreußen / Grenzmark / Brandenburg; II: Pommern / Schlesien /  Sachsen-Thüringen  / Schleswig-Holstein / Hannover. – Verschiedene Stempel und Inv.-Nrn. auf Innenspiegeln, Titeln sowie innen im Unterrand (2 bzw. 6). – Ausgeschiedenes Explr. der Forsthochschule Eberswalde.

Angebots-Nr. 12.221 / EUR  151. (c. US$ 165.) + Versand

„ Vortrefflich  und  das  beste  von  diesem  Meister

allhier “  in  Dresden

( J. W. v. Goethe )

Ruisdael, Jacob van (Haarlem 1628/29 – Amsterdam 1682). Die Hirschjagd. Lichte Waldlandschaft mit ausgedehntem Sumpf, durch den im Vordergrund die Parforcejagd geht. Tier- und Figurenstaffage von Adriaen van de Velde (1636 Amsterdam 1672). Sepiagetuschte Umrißradierung von Adrian Zingg (St. Gallen 1734 – Leipzig 1816). Blattgröße 43,3 x 57,5 cm.

Kuhlmann-Hodick u. a. (Hrsg.), Adrian Zingg, Wegbereiter der Romantik (2012), 3 (partiell grau laviert, vor der Schrift; Blattgröße 46,7 x 64,9 cm) nebst Abbildung; Nagler, Zingg (1852), 4, II (von II; I vor der Schrift) und, Ruysdael, XIV, Seite 101.

Slive, Jacob van Ruisdael, 1982, per 37 bzw. Jacob van Ruisdael, Master of Landscape, 2005, per 38, beide Male unverändert  irrig  als  spiegelbildlich , obgleich 2005 ausdrücklich als Rezeptionsarbeit für die Dresdener Akademie bezeichnend, also nicht mit der von ihm gleichfalls erwähnten seitenverkehrten Radierung des Zingg-Schülers Christian August Günther für das Dresdener Galeriewerk verwechselnd. So mag sich seine Angabe auf jene kleinformatige (24 x 28,5 cm) seitenverkehrte Radierung beziehen, die in Braunschweig mit Adrian Zingg als Stecher geführt wird (Inv.-Nr. AZingg V 2.6176). Sofern er nicht einfach von der, wie die Regel, tatsächlichen Spiegelbildlichkeit der zweiten Rezeptionsarbeit Zingg’s, der Abendlandschaft mit Reisenden nach Jan Both (K.-H. 4), auf die Ruisdael-Hirschjagd schloß.

Von Zingg’s anstehender Rezeptionsarbeit wäre somit Slive nicht einmal auch nur eine Abbildung zu Gesicht gekommen. Deren ausdrücklich festzuhaltende Bildgleichheit mit dem Original überdies ein Glücksfall innerhalb der durchweg seitenverkehrten Reproduktionsgraphik. Und das denn auch noch im Falle von

Ruisdael’s  unendlich  berühmter

Dresdner  Jagd ,

von Wurzbach (1906/11) den „bedeutendsten und schönsten (seiner Bilder), die existieren“ zugerechnet und als erstes der dortigen zwölf genannt. Wie er ihn denn praktisch unisono mit Vorgängern und Nachfolgern als

„ unbestritten  der  bedeutendste  Landschaftsmaler ,

den  die  Kunstgeschichte  kennt “

klassifiziert. Und speziell zu den Waldmotiven denkt er an die Umgebung von Cleve, die er durchwandert haben mag.

Und Slive (1982) SS. 70 f. gedenkt Goethe’s mit den Worten

„ (Im von ihm während seines 1790er Besuchs der Dresdner Galerie annotierten Katalog von 1771 machte er keine Anmerkungen zum Dresdner ‚Friedhof‘ … Indessen machte er solche zu sechs anderen Ruisdaels der Sammlung.

Das  eine , welches  den  stärksten  Eindruck  machte

war  des  Künstlers  ‚Hirschjagd‘

‚Vortrefflich  und  das  beste  von  diesem  Meister  allhier‘ …

(doch) blieb das Bild unerwähnt in seinem sechzehn Jahre später veröffentlichten Essay ‚Ruisdael als Dichter‘. Der Wechsel in Goethe’s Geschmack für Ruisdael’s Werk kann uns hier nicht beschäftigen, aber erwähnenswert, daß seine tiefe Bewunderung für den Künstler eine lebenslängliche war und er Arbeiten von und nach dem Künstler sammelte). “

Zingg verdankte seine Entwicklung im namentlich auch koloristischen Landschaftsfach Aberli in Bern, der ihn an Wille in Paris vermittelte, bei dem er sieben Jahre blieb und nun auch das Stechen nach Gemälden erlernte. 1766 ließ ihn Christian Ludwig von Hagedorn, dem Ridinger’s einzige eigene gestochene Dedication per der Vier Tageszeiten der Hirsche galt,

als  Professor  für  Kupferstichkunst  nach  Dresden  berufen ,

dem er zeitlebens treu blieb. Wo er aber entgegen dortiger Anstellungserwartung mit den Arbeiten nach Ruisdael + Both „die einzigen großformatigen Kupferstiche nach fremden Vorlagen … schuf … (und sich vielmehr) nun selbst der Landschaft (zuwandte), die er vor der Natur zeichnete und in seiner Werkstatt reproduzierte“, so Anke Fröhlich in obigem K.-H., Seite 101.

Jacob van Ruisdael, Die Hirschjagd (Dresden)

Seine anstehende Ruisdael-Wiedergabe in der Literatur diejenige welche. Dabei der Morast gegenüber dem Original im Vordergrund ausgeweitet. Bei wundervoller Bildtiefe ist

die  originale  Ausmalung

in  ihrem  hellen  Braun  von  großem  Charme .

„ Er bildete hier viele Schüler, die meistens für seine eigenen geschäftlichen Zwecke helfen mußten, und etablirte einen schwungvollen Handel mit getuschten Sepiazeichnungen und Umrißradierungen “

(ADB XLV, 323) als „einer neuen, eigenen Art der Reproduktionsgraphik, die den

Eindruck  einer  originalen  Zeichnung

erweckte“ (Claudia Schnitzer in K.-H., Seite 37). Ergänzend hierzu Sabine Weisheit-Possél ebda. SS. 67 ff.:

Zeichnung  und  Druckgraphik

oft  mit  bloßem  Auge  schwer  zu  unterscheiden  sind …

Eine Verwechslung der Technik ist keine Seltenheit … In den allermeisten graphischen Sammlungen finden sich als Handzeichnungen geführte Werke Zinggs, die in Wirklichkeit lavierte Umrissradierungen sind … Nach dem Druck … wurden die Abzüge per Hand laviert und

danach  bis  zum  Bildrand  beschnitten ,

sodass der sich ins Papier eingegrabene Plattenrand, das Charakteristikum der Druckgraphik schlechthin, wegfällt … All dies setzte der Künstler mit dem Ziel ein, seine beliebten Zeichnungen möglichst genau, jedoch massenhaft zu reproduzieren und ihnen zugleich die

‚ Aura  eines  Originals ‘

zu geben. “

Wobei „massenhaft“ gleichwohl sehr relativ, eher gedanklich zu verstehen ist. Denn seine Blätter sind, wie der mit 1852 viel zeitnahere Nagler als Kenner auch des Marktes von Graden überliefert, selten. Denn er „war mit den Abdrücken sparsam, da er den Erlös für seine späteren Jahre sichern wollte, falls Arbeitslosigkeit oder Schwäche eintreten sollte. Erst 1804 bewog ihn … Tauchnitz zur Herausgabe seiner Werke. Sie erschienen in 4 Lieferungen (so denn wohl auch die Hirschjagd) … vor der Schrift, und … mit derselben … Er galt lange als der grösste Landschaftszeichner der neueren Zeit, und auch seine landschaftlichen Stiche wurden als Muster gepriesen. Im Verlaufe der Jahre wurde er aber von anderen Künstlern überboten, und besonders von (William) Woollett (1735-1785) verdunkelt“.

Schlagender  Seltenheitsbeweis  anstehenden  Falles  dessen obige offensichtliche Unkenntnis in natura bei Slive und die scheinbar nur mutmaßliche Kenntnis eines getuschten Exemplars in Dresden („Auf der Akademieausstellung 1770 stellte er sicherlich eine mit Sepiatusche bearbeitete Version aus …“, so Anke Fröhlich in K.-H., Seite 100, gelegentlich des nur partiell grau lavierten Dresdner Zustandsdruckes).

Was den gegenüber letzterem sichtbaren  Randbeschnitt  hiesigen  Exemplars  – betroffen das knapp mit den auslaufenden Ästen des Hauptbaumes endende linke Bildfeld sowie unten das gegenüber dem Original ohnehin erweiterte Wasserfeld bei immerhin noch 1,5 cm Spielraum zur tiefsten Linie der beiden Linksaußen-Hunde – umsomehr ausgesprochen relativiert, als für möglich zu halten, daß dieser original sein könnte und lediglich über den schon oben belegten Beschnitt hinausgeht. Denn die in den Eckzwickeln dreimal jeweils zwei (u. l. + o. r jeweils schräg zueinander, u. r. untereinander) und oben links einfach aufscheinenden stecknadelkopfkleinen Löchlein lassen an eine Werkstattbefestigung denken.

Rückseits umlaufend alt mit grobem breiten Papierstreifen randhinterlegt, sind die beiden Oberecken im Braunton der Ausmalung etwas störend fleckig. In der Himmelspartie links oben 8 cm tiefer geschlossener Randeinriß, ein weiterer von 1,5 cm im Unterrand. Die linke Unterecke übersehbar berieben. Gesamthaft also wohl altersspurig, gleichwohl noch immer schön, ansehens- und rahmungswürdig, ja, ein prächtiges großes Blatt.

Résumé :

Zingg’s  adäquates  großes  Blatt

in  Original-Tuschung

nach  einem  der  gefeiertsten  Ruisdaels

in  Dresden .

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 28.995 / EUR  1380. / export price EUR  1311. (c. US$ 1430.) + Versand


„ … wieder eine große Freude, Post von Ihnen zu erhalten und in eine Lektüre eintauchen zu können, die sich so wohltuend von dem journalistischen Einheitsbrei der täglichen Presse unterscheidet “

(Herr T. L., 9. Januar 2011)