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Zum  175.  Todestag

Ludwig  van  Beethoven’s

August von Kloeber, Ludwig van Beethoven

„ Als nun der Morgen des 26. Märzes 1827 keinen Zweifel mehr übrig ließ … begab sich (der Musikverleger) Hr. Haslinger mit diesem (Miserere-)Manuscripte zum Herrn Capellmeister von Seyfried, um mit demselben die Möglichkeit zu besprechen, aus diesen Equales zu den Worten des Miserere einen Choralgesang zu bilden … Diese Composition wurde nun hier in doppelter Gestalt angewendet …

„ Der prächtig ornierte Sarg, getragen von den genannten Herren Operisten und umrungen von den Herren Kapellmeistern Eybler, Hummel, Seyfried u. Kreutzer … In der Kirche angelangt, stimmten während der Einsegnung obige 16 Sänger des Libra me Domino de morte aeterna an, von Herrn Capellmeister v. Seyfried ursprünglich zum Gebrauche bey Aufführungen des Mozart’schen Requiems für vier Singstimmen mit Orchesterbegleitung componiert … “

(Ignaz von Seyfried, Leichenbegängniß, Eigenartikel innerhalb des Anhangs zur 1832er Druckfassung zu „Ludwig van Beethoven, Studien im Generalbasse … Aus dessen handschriftlichem Nachlasse gesammelt und herausgegeben von … Seyfried“).

 

Als  naher  Weggefährte  und  Dirigent

der  wichtigen  frühen  Jahre

schrieb  Ignaz  Ritter  von  Seyfried

neben  obiger  Choralmusik

1831  als  zweitfrüheste  ausführlichere  Mitteilungen

die

„ Biographische(n)  Notitzen “ (über  Ludwig  van  Beethoven) ,

die  hier  in  ihrem  in  sich  kompletten

druckabweichenden

Original-Manuskript

vorliegen .

Reich durchsetzt mit all jenen

begehrten  reizvollen  Handschriften-Zeugnissen

als da sind Streichungen, Umstellungen und Änderungen im Text selbst und, vereinzelt und auch von anderer Hand und auch in Bleistift, auf den hierfür eigens freigehaltenen jeweils halben Seiten, die sich dann überwiegend im Druck entsprechend berichtigt wiederfinden. Unter den das Manuskript nicht minder durchziehenden Höhepunkten vorweg

jene  höchst  importante  Abweichung  vom  Druck

betreffend  das  generöse  100 Pfund-Geldgeschenk

der  London  Philharmonic  Society ,

das den sich verarmt glaubenden Beethoven auf seinem Sterbelager vor Dankbarkeit so unsagbar erschütterte.

Am 14. März 1827, zwölf Tage vor seinem Tode, hatte Beethoven dem Freunde Moscheles geschrieben :

„ … Wahrlich, ein sehr hartes Los hat mich getroffen! Doch ergebe ich mich in die Fügung des Schicksals und bitte Gott stets nur, er möge es in seinem göttlichen Ratschluß so lenken, daß ich, solange ich noch hier den Tod im Leben erleiden muß, vor Mangel geschützt werde. Dies würde mir so viel Kraft geben, mein Los, so hart und schrecklich es immer sein möge, mit Ergebenheit in den Willen des Allerhöchsten zu ertragen.

So mein lieber Moscheles, empfehle ich Ihnen nochmals meine Angelegenheit … “ .

Hierzu heißt es in der Literatur :

„ Beethoven … hatte die Philharmonische Gesellschaft in London und Moscheles, der damals in England war, gebeten, für ihn ein Konzert zu arrangieren. Die Gesellschaft war großzügig genug, ihm umgehend 100 £ zu schicken, wovon Beethoven tief ergriffen war. Sein Freund Rau erzählt:

‚ Es  war  herzzerreißend , ihn  zu  sehen , wie  er  seine  Hände  faltete
und  sich  beinahe  in  Tränen  der  Freude  und  des  Dankes  auflöste . ‘

„ Durch die freudige Erregung verursacht, öffnete sich in der Nacht eine seiner Wunden. Er hatte vor, einen Brief an die ‚edelmütigen Engländer‘ zu diktieren, die an seinem traurigen Schicksal teilnahmen. Er versprach der Philharmonischen Gesellschaft ein Werk, seine zehnte Symphonie, eine Ouvertüre, oder was sie sonst wünschen möchten.

‚ Ich verpflichte mich,
der Gesellschaft dadurch meinen wärmsten Dank abzustatten …
Möge der Himmel mir recht bald wieder meine Gesundheit schenken. ‘

Dieser Brief ist vom 18. März 1827 datiert, am 26. März starb er “

(Rolland 1918, SS. 128 ff.).

Hierzu  berichtet  Seyfried

nur  hier  im  Manuskript ,

also auch nicht zuvor 1828 in der „Caecilia“, daß der Jugendfreund Stefan von Breuning als Testamentsvollstrecker diese nicht mehr in Anspruch genommene Gabe zurückgegeben habe :

„ Das Gesammt-Vermögen belief sich beyläufig auf 20000 fl – im Druck benannt mit 9000 fl. Conv. Silbermünzen zuzgl. 125 St. Duc. Außenstände – , wodurch das Gerücht: daß B. nahe daran war, Mangel zu leiden, bündig entkräftet wird.

Aus  diesem  Grunde  wurde  auch  die  aus  England
großmüthig  überschickte  Unterstützung  von
(nicht  genannten  100)  Pfund  Sterling
durch  den  Testamentsvollstrecker  H.  Hofrath  von  Breuning ,
mit  dankbarer  Erkenntlichkeit  remittirt . “

Diese in Verbindung mit

einem  der  bewegendsten  Momente  im  Leben  Beethoven’s

stehende

Ignaz Ritter von Seyfried, Biographische Notizen über Ludwig van Beethoven

England-Passage  von  schönster  Aussage ,

zu der im Manuskript auch keine Änderung erfolgte,

fehlt  im  Druck.

 

Als Forschung und Allgemeinheit  gleichermaßen  faszinierend  des weiteren herausgehoben der hier gleichfalls

erstmalige  Bericht

über die die Literatur als geradezu legendär bis heute beschäftigende Improvisationsmächtigkeit Beethoven’s. Wie Generationen später seitens von Dommer’s für die ADB rekapituliert :

„ Namentlich der hinreißenden Gewalt seiner Improvisation hat nicht leicht jemand widerstehen können, das bestätigen

aus  seinen  Biographien  bekannte  Erzählungen . “

Und Reclams Konzertführer konstatiert noch heute :

„ Seine  Kunst , frei  zu  fantasieren ,

wird  als  einzigartig  geschildert . “

Dazu Seyfried’s Erinnerung (Nohl:

„ Jetzt  aber  folgt  die  Scene  eines  Ringkampfes … “ )

Ignaz von Seyfried's Original-Manuskript der Biographischen Notitzen über Ludwig van Beethoven
Ignaz von Seyfried's Original-Manuskript der Biographischen Notitzen über Ludwig van Beethoven

als  Ohren-  und  Augenzeuge  von  Anfang  an ,

also auch bei den Soirees im Hause Wetzlar, auf denen Beethoven und Joseph Wölfl (1772/3-1812, „Clavierspieler außerordentlichster Art“, ADB) miteinander wetteiferten.

Dies  also  nun  hier  als  Autograph

eines  solchermaßen  begnadeten  Dabeigewesenen !

 

Die  Quelle  des  direkt  Mitbeteiligten

– auch in puncto nicht in die „Biographische(n) Notitzen“ eingeflossener physiognomischer Beobachtungen diente Seyfried als solche – ist dieser aber auch für das

Desaster  der  ersten  Fidelio-Aufführungen ,

worüber er in den hiesigen „Biographischen Notitzen“ berichtet …

In  diese  unerhörteste  Schaffensperiode

– für die von Dommer in der ADB die Zeit von 1800 bis etwa 1812/13 sieht, indes sich Rolland näher am Meister selbst orientiert :

„ (Die Eroica und die Appassionata waren in Beethoven’s Augen der Kulminationsgipfel seines Genius. Generell gesprochen, blieben die Arbeiten dieser 3jährigen Epoche [1803-1806] seine Favoriten bis nahe zu seinem Tode … Unter diesen privilegierten Arbeiten nimmt Leonore [Fidelio] eine Sonderstellung ein. Er stellte sie den anderen Werken gleich, und er liebte sie mehr als sie ihn mehr hatte leiden lassen … Sie ist einer der Großen Tage der Musik. Sie eröffnet eine neue Epoche) “ (Beethoven the Creator, 1929, SS. 207 + 101) –

also  fällt

der  enge  Kontakt  zwischen  Beethoven  und  Seyfried ,

dessen Skizzierung die anstehenden „Biographischen Notitzen“ enthalten.

Und welchen Ranges von Seyfried sich zu seiner Zeit erfreute, belegen die 1700 Aufführungen seiner Eigen-Kompositionen, womit er „bei weitem an der Spitze (stand), gefolgt von Wolfgang Amadeus Mozart mit 400“. Seine bleibende kompositorische Leistung indes sah Schletterer vor 125 Jahren in seinen Kirchen-Kompositionen, um mit den Worten zu enden :

„ Er  war  ein  ebenso  großer  Künstler  als  liebenswürdiger  Mensch .

Sein  Porträt , von  Kriehuber  lithographirt , erschien  (1829)  in  Wien .“

Seyfried’s eigenes Leichenbegängnis gestaltete sich „unter einem ungeheuren Zudrange von Menschen aus allen Volksklassen“ entsprechend.

Und das „Österreichische Morgenblatt“ vom 1. September 1841 reihte ihn ein

„ in  die  Gesellschaft  der  unsterblichen  Tonkünstler

Beethoven  und  Franz  Schubert … ‚Er ist in ihrem Bunde der Dritte‘ …“

 

Dies denn also der Mann, dem wir das vorliegende Autograph dieses

zeitgenössischen  Dokumentes

von  großer  Wärme

und  Schönheit  des  Ausdruckes

verdanken. Dessen Schriftzüge zumindest mit widerspiegeln, welche Anteilnahme hier die Feder geführt hat. Damit aber Saiten zum Klingen bringend, wie sie nur eine Handschrift zu rühren vermag. Denn

„ nur  von  der  Seele  her … kann  die  Schönheit

und  der  geistige  Wert  der  Autographen

verstanden  werden “

( Stefan Zweig ) .

Zwischenzeitlich in Fortsetzung der Notitzen um das Kern-Manuskript der Charakterzüge und Anekdoten erweitert. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

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„ Herzlichen Dank für die schnelle Antwort … Mit Freuden werde ich weiterhin Ihre wunderschön gestaltete Homepage besuchen … Mit besten Grüßen “

(Herr W. S., 16. Februar 2009)