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Stille  Nacht  –  Heilige  Nacht

Das  Triptychon  Mariæ  nach  Lucas

von

Johann  Elias  Ridinger

Ulm 1698 – Augsburg 1767

 

MARIÆ  VERKÜNDIGUNG

Das  Initialereignis  für  das  Neue  Testament

Gegrüßt  seist  du,  Holdselige !
Siehe,  du  wirst  einen  Sohn  gebären ,
des  Namen  sollst  du  Jesus  heißen .

Der vor einem Zelt an einem Tisch vor aufgeschlagenem Buch sitzenden Maria erscheint Erzengel Gabriel mit reichem Engelsgefolge, auf den Heiligen Geist – die Taube – deutend, durch dessen um das IHS erweiterten Strahl Maria erleuchtet wird. Diese mit neunsternigem Strahlenkranz als Symbol der Schwangerschaft. Rechts Torbogen, unten Gemäuer mit Gewölbe und Stufen. Die Engel u. a. mit Rosenkranz, Ring und Iris als Zeichen späterer Auferstehung. Schabkunstblatt von sicher Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784) nach Johann Georg Bergmüller. Unten links in Handschrift-Typographie bezeichnet: Joh. Georg Bergmiler pinxit / Joh. Elias Ridinger excud. 63 x 44,7 cm.

Links unten bis fast an die Plattenkante beschnitten, ansonsten mit bis zu 2 mm breitem feinen Rändchen.

 

MARIA  MIT  DEM  KINDE

Nirgendsonst  im  Œuvre  Ridinger’s
ist Maria’s Seele so vollkommen schön nach außen gekehrt,
erscheint uns die stille Zweisamkeit mit dem Kinde so rein
als  das  Wunder  der  Heiligen  Nacht

Vor einer mittels Vase abgeschlossenen Balustrade sitzend, dahinter herrschaftliche Zypressen-Allee. Maria mit von 12 Sternen für den Weihnachtsmonat besetztem Strahlenkranz, das Kind nur mit einfachem. In der Mitte des freigelassenen Schriftfeldes im Unterrand Ornamentrahmen. Schabkunstblatt von sicher Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet in Druckschrift-Typographie: I. El. Ridinger excud. Aug. Vind. 62,6 x 44,8 cm. Umlaufend mit 1-3 mm breitem feinen Rändchen.

 

DIE  ANBETUNG  DER  HIRTEN

Hier
mit  dem  spektakulären  Ausblick  auf  die  Karfreitags-Erfüllung

Vorn rechts auf einer Strohkiste das von Maria am Arm gehaltene Kind, hinter ihr der Verkündungsengel Gabriel (Lucas 1, 26-37) und, zur Mitte, Joseph. Links vorn die Gruppe der drei Hirten, einer ein Schaf haltend. Über den Irdischen in und oberhalb der Wolken zahlreiche Putti, vorwegnehmend Dornenkrone , Nägel , Lanze und Kreuz mit sich führend, doch vom Erzengel mit Blick auf die Krippenszenerie noch zurückgehalten. Im Mittelgrund links wiederholte, heranziehende Hirtengruppe. Rechts Andeutung des Stalles. Schabkunstblatt von sicher Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784) nach – für Schwarz und gleich der „Unter einem Baume ruhenden Heiligen Familie“ – wahrscheinlich Johann Georg Bergmüller. Unten links in Handschrift-Typographie bezeichnet: Joh. Elias Ridinger excud. A.V. 63,2 x 44,5 cm.

Unten im Rand noch Plattenschmutz. An den beiden Oberecken auf Plattenkante geschnitten, ansonsten mit bis zu 2 mm breitem feinen Rändchen. – Mit ganz minimaler Bereibung oberhalb Joseph’s in den Wolken sowie einem nur im Gegenlicht erkennbaren stecknadelspitzenwinzigen Löchlein.

Schwarz, Katalog einer Ridinger-Sammlung, 1910, Band II, Nrn. 1516, 1520 + 1486, doch  nicht  in der Sammlung Horn enthalten gewesen, die der von Gutmann’schen 1903 einverleibt worden war.

Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, 1975, Band 1,1, Nrn. 173, 177 + 147; erlebnis ridinger, 1998, Nr. 30 nebst Abb.

Nicht  bei Thienemann (1856) + Graf Stillfried (1876). –  Nicht  bei Coppenrath (1889/90), Reich auf Biehla (? 1894), Helbing (1554 Nrn. umfassender Kat. XXXIV, Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900), Horn (1903), J. Rosenthal (444 Nrn. umfassende Liste 126, Joh. El. Ridinger, 1940), Gräflich Faber-Castell (1958), Kunstsammlungen Augsburg (1996).

Mit den für frühe hervorragende Ridinger-Abdrucke bekannten Wasserzeichen WANGEN + (Große) Krone mit Anhänger FAvI (ligiert) und an fünf Punkten auf schweren Bütten-Untersatzbögen mit zweizeiligem typographischen Wz. montiert. – Abgesehen von den genannten individuellen Zustandsmerkmalen von nahezu unberührter, bestverwahrter Frische.

Von  herrlich  sattem  Hell-Dunkel

und  größter  Vollkommenheit ,

wie für die alten Schabblätter schon rein technisch dem Sammler vielfach so unerreichbar, da – so der Praktiker von Sandrart 1675 – die geschabten Platten nur etwa „50 oder 60 saubere Abdrucke (ermöglichen.) Hernach aber schleift (das Bild) sich bald ab“. Diese generelle Seltenheit anstehenden Falles potenziert noch vom Gebrauchskunst-Charakter der Heiligen- und Thesenblätter.

Die letztlich erst durch Baron Gutmann’s (Schwarz-Katalog) Sammeltätigkeit bekanntgewordene, über 120blätterige Schabkunst-Gruppe der religiösen Inhalte eröffnet

den  weitgehendst  unbekannten  Ridinger  des  Glaubens

(seit 1757 Assessor des Ehegerichts Augsburger Confession), den als wesentlichen Werkaspekt engagiert zu erschließen vor diesem nach derzeitigem hiesigen Kenntnisstand Th. Reich auf Biehla unternommen hat, dessen reiche Ridinger-Sammlung bei ihrer Auflösung 1894 (Boerner LV) immerhin bereits 28 und ausnahmslos damals schon als

„sehr  selten“  +  „äußerst  selten“

qualifizierte Heiligen- und Thesenblätter enthielt. Ob sich darunter auch die hiesigen des Marien-Triptychons befanden, muß derzeit dahingestellt bleiben. Hier nachweisbar sind sie allein für den weit über Ridinger und sein Jahrhundert hinausgehenden hochkarätigen von Gutmann’schen Kunstbesitz.

Die beiden Seitenbilder mit dem linken gesichert, mit dem rechten von Ignaz Schwarz (Ridinger-Sammlung von Gutmann) unterstellt nach Bergmüller gearbeitet.

 

JOHANN  GEORG  BERGMÜLLER

Türkheim, Schwaben, 1688 – Augsburg 1762

ist dem Ridinger-Sammler bekannt vor allem durch das von Johann Jakob Haid in Schabkunst übertragene Ridinger-Porträt mit Diana, Thienemann XX, 2. Generell geschätzter Portraitmaler, schuf er daneben – als bischöflicher Kabinettsmaler – Historienbilder und Fresken, vor allem geistlichen Inhaltes. Unter letzteren präzisieren Thieme-Becker vier Deckenbilder zum Leben Mariæ in der Pollheimschen Kapelle des Augsburger Doms sowie einen 17teiligen Zyklus der Leidensgeschichte in der Kreuzkirche.

„ Bergmüller ist bis Anfang der 20er Jahre vor allem als Tafelmaler (Hochaltarbilder) … tätig … In seinem reifen Werk agieren voluminöse plastische Gestalten … “

(Allgemeines Künstler-Lexikon IX, 417).

Angebots-Nr. 13.198 / verkauft


„ … sind die Dachse perfekt verpackt und verschnürt bei mir … angekommen. Schon das Auspacken des Bildes hat mir große Freude gemacht und der ‚Ridinger‘ gefällt mir sehr gut, da es eine realistische Stimmung am Bau wiederspiegelt … werde ihn unter meiner Dachsschwarte aufhängen … Ich nehme dies zum Anlaß auch weiterhin in ihrem Fundus zu suchen … Besonderen Dank auch für die Beilage der Dez. 08 Ausgabe von Wild & Hund mit dem gelungenen (Ridinger-)Artikel … Ihnen nochmals herzlichen Dank für ihre fabelhafte Arbeit … “

(Herr K. R., 19. Juni 2009)