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Pergament-Urkunden

1604  –  1671  –  1775  –  1776

 

Lehensrevers  für  einen  Kufsteiner  Forst

Kufstein – Oberlangskampfen – Lehnsrevers (im Text Kaufbrief genannt) seitens Christan Mayr’s „zu Oberlangskampfen Kuefstainer Herrschafft“ gegenüber Carl Schurffen zu Schen(m?)(v?)ört „Freiherr auf mariastein und Niderpraitenpach“ über „Holz und Holzwerg“ zu Oberlangskampfen. Deutsche Handschrift auf Pergament. 19. April 1604. 97 (+ 20 mm Umschlag) x 640 mm.

Rückseits zeitgenössische und alte Beschriftungen samt Reg.-Nrn. – Mit Siegelband, doch ohne Siegel. – 140 x 350 mm kleiner, minimal noch die zweite Zeile tangierender  Braunfleck im Oberrand. – Drei bei Unter-Passepartoutlegung kaum störende Faltspuren.

Rahmungsmäßig  reizvoll  friesformatige  413  Jahre  alte  Urkunde

in sorgfältiger Schrift mit „HERR Cristan Mayr“ als kalligraphischem Aufgalopp der abgehoben geschriebenen Erstzeile. Von auf Anhieb bedingt guter Lesbarkeit, bietet die Handschrift das Vergnügen einer peu à peu Erschließung ihrer umständlichen Formulierungen.

Lagemäßig schloß sich das Grundstück mit einer Seite an Schurffen’schen Besitz an, ansonsten an das „Haßlacher Feld“, an „Matheisen Meyels Überfürners (?) Holz … und mit der andern untern seiten an Petern Meyels Holz Langkämpfer Pfarr und Gerichts Khuefstain“ liegend. Die jährlichen Leistungen sind jeweils „des ersten Montags nach dem Sonntag vor Allerheyligen Tag“ auf Schloß Mariastein zu erbringen. Bei der Vertragsbindung „für mich, meiner Erben, und Nachkhomen“ freiherrlicherseits reizvoll die Beschränkung auf dero „adeliche“ Erben und Nachkommen. Unter den Vertragszeugen Hanns Georg Geyrer Erbarpropst zu Kuefstain, des Verkäufers leiblicher Bruder und weitere aus Unter- und Oberlangskampfen, Niderpraitenpach und Kufstein.

Der Oberste Tiroler Jägermeister Schurff auf Mariastein etc. war kaiserlicher Rat und als geheimer Rat zugeordnet Erzherzog Maximilian d. Ä., seit 1602 Verweser und seit 1612 Landesfürst von Tirol.

Angebots-Nr. 28.303 / verkauft

Sächsischer  Lehensbrief  über  Ländereien

Johann Georg II., Kurfürst von Sachsen (1613-1680, reg. seit 1656). Lehensbrief über Ländereien für Andreas Siegel im/beim sächsischen Eibenstock/Sosa. Deutsche Handschrift auf Pergament mit reicher kalligraphischer Anfangszeile. Gegeben Dresden 12. Dezember 1671. Mit Schreiber-Unterschrift Johann Georg Churfürst, gefolgt von handschriftlicher des churfürstl. Rats Reinhard Dieterich, Frhr. von Taube und eines C. Schindler nebst Paraphrase. 421 x 605 mm.

Rahmungsgerecht plano vorliegend, gleichwohl mit den alten Faltungen für ein Format von ca. 18 x 15 cm bei rückseitiger leichter Fleckigkeit und schriftseits schwach durchscheinender Bräunung fast nur der beiden Außensegmente. Auf letzteren von alter Hand groß „12 December 1671“ und klein 2 x „1671(.)“, davon einmal mit verblaßter 2zeiliger Beischrift betreffend das nicht mehr präsente Siegel als 2 x 2,5 cm Ausschnitt im breiten weißen Unterfeld. Ansonsten von schöner Frische. – Transkription beiliegend.

WANDDOMINANTES  DOKUMENT  BAROCKER  LEBENSFÜLLE

unter dem ebenso kunst- wie prunkliebenden „Johann Georg de(m) Ander(n) Herzog Zu Sachßen Julich Cleve und Berg, des Heiligen Romischen Reichs Ertztmarschalch und Churfürst, Landgraf in Thüringen, Marggraff Zue Meißen, auch Ober: und Niederlausiz, Burggraf zu Magdeburg, Graf zu der Marg und Ravensberg, Herr Zu Ravenstein“, dessen Hofstaat „ins Ungemessene vermehrt (wurde),

Jagden , Löwenhetzen , Turniere … Vogelschießen

und ähnliche Inventionen lösten einander ohne Unterbrechung ab. Namentlich aber die Musik wußte J. … der Verherrlichung seines Hofes dienstbar zu machen … durch ihn

erhielt  (Dresden)  das  erste  feste  und  ordentliche  Theater  in  Deutschland …

so  daß  Dresden  damals  als  die  schönste  Stadt  Deutschlands  erschien “

(ADB XIV [1881], 381).

Angebots-Nr. 15.616 / verkauft

Pergament-Zunftbrief

eines  literaturberühmten  hessischen  Geschlechtes

von  zudem  auch  lokal  herausragender  Seltenheit

Jäger-Lehrbrief Georg Ludwig Freiherr von  Breidenbach’s, genannt Breidenstein, Wirklicher Geheimer Rat + Ober-Jägermeister Sr. Hochfürstl. Gnaden Heinrich Bischof + Abt zu Fulda, Erzkanzler Ihro Majestät der römischen Kayserin (Maria Theresia) für David Weber aus Hammelburg über die beim fürstl. Revierjäger Franz Christoph Molter in Kothen im kleinen und großen Weidwerk abgeleistete dreijährige Lehrzeit. Deutsche Handschrift auf Pergament. Fulda 3. September 1775. Mit eigenh. Unterschrift Breidenbach’s nebst freiherrl. Siegel. 348 (mit Unterrand-Umschlag 385) x 628 mm.

Kalligraphisch reich gestaltete , sehr schöne und bestens lesbare Urkunde von tadelloser Frische, nur die beiden Außenseiten der taschenformatigen früheren, nunmehr geglätteten Faltung etwas altersfleckig, namentlich die vordere mit dem Titel „Lehrbrief des David Weber von dem 3 ten September 1775“. – Für das im Text erwähnte „gewöhnliche Oberforst Amts Insiegel“ wohl die beiden Einschnitte vorhanden, die indes nicht erkennen lassen, ob es ursprünglich tatsächlich hinzugefügt worden ist. Zusätzliche Unterschriften waren ohnehin nicht vorgesehen. Das Siegel mit nur wenigen feinen Haarrissen ohne bildliche Beeinträchtigung des Wappens.

Die familiäre Berühmtheit zurückgehend auf Bernhard von B., Sohn des hessischen Ritters Gerlach des Jüngeren, seit 1450 Mitglied des Mainzer Domkapitels und ab 1484 Domdekan dortselbst, dessen  Reisebericht über seine 1483/84 gemeinsam mit Graf Johann von Solms und Ritter Philipp von Bicken unternommene Pilgerreise ins Heilige Land schon bei Erscheinen 1486 „großes Aufsehen“ erregte und heute namentlich dank seiner „nach der Natur aufgenommen(en) Illustrationen“ des Utrechter Malers und Formschneiders Erhard Rewich, „welcher die ganze Reise auf Kosten Breidenbach’s mitmachte“, eine der großen Kostbarkeiten des Jahrhunderts Gutenberg’s ist.

Angebots-Nr. 14.108 / verkauft

„ Schein  der  Freyheit “

als  Dokument  der  Aufhebung  der  Leibeigenschaft

in  der  preußischen  Grafschaft  Lingen / Emsland

unter  Friedrich  dem  Großen

Frey Brief Friedrich’s (II.) König von Preussen für Anna Maria (?)allmann aus der Vogtey Schapen (Emsland, Krs. Lingen). Lingen 27. August 1776. Deutsche Handschrift auf Pergament. 213 x 325 mm. Mit dem Siegel (u. a. Preußenadler mit Fridericus Rex-Monogramm) der Kgl. Kriegs- und Domänenkammer-Deputation sowie drei Unterschriften „Anstatt und von Wegen Sr Königl Majestaet von Preußen“.

Mit kalligraphischer Anfangszeile, darüber – beidseits des Stempels „Lingensches Stempell Pappier“ – der Acht-Groschen-Stempel mit dem Preußenadler + Monogramm-Stempel F(ridericus) R(ex) unter Krone. – Auf besonders dickem Pergament mit geglätteter Längs- + Querfalte. Bildlich unwesentlicher Ausbruch im Siegel unten rechts, minimale weitere meist außerhalb der Außenrand-Umschrift. Schriftseits nur wenige Fleckchen, nur die weißen beiden Außenseiten der taschenformatigen früheren Faltung altersfleckig. – Tadellos lesbar und rahmumgswürdig bei lichtschonender Placierung.

Marktseltenes  kulturhistorisch  bedeutsames  Dokument

– im Katalog der Wanderausstellung „Spuren Preußens in Nordrhein-Westfalen“ des Preußen-Museums Nordrh.-Westf. innerhalb der Gruppe „Verfassung, Verwaltung, Justiz“ per 2.4 f. nur anderweitige Druck-Verordnungen der 70er Jahre – zu

Preußens  Vorreiterrolle  bei  der  Abschaffung  der  Leibeigenschaft ,

die in Deutschland-Österreich im Prinzip erst eine Sache des ausgehenden 18. Jhdts. war und sich, so für die sächsische Oberlausitz, bis 1832 hinzog. So hob sie Joseph II. von Österreich 1781 zunächst für Böhmen und Mähren und 1782 für die deutschen Erblande auf. „Auch das preußische Landrecht von 1794 bezeichnete die L. als unzulässig (Einleitung § 83: ‚Die allgemeinen Rechte des Menschen gründen sich auf die natürliche Freiheit …‘), aber erst durch Gesetz vom 9. Okt. 1809 erfolgte die gänzliche Aufhebung derselben für die preußische Monarchie …“ (Meyers Konvers.-Lex., 4. Aufl., X, 645/I; Klammereinschub a. o. a. Preußenkatalog, 1992, S. 26).

Gleichwohl „hatten sich schon zu Anfang des 18. Jahrh. einzelne Versuche zur Aufhebung der L. gezeigt, z. B. in der preußischen Dorfordnung von 1702 für die königlichen Domänen“ (Meyers), also just in dem Jahre, in dem Westfalen an Preußen fiel. Anstehender Frei-Brief mag in diesem Zusammenhang stehen.

„ Wir Friderich von Gottes Gnaden König von Preußen Marggraf zu Brandenburg und Heil. Römischen Reichs Erz Kämmerer und Churfürst …

„ … Thun Kund und fügen hiermit zu wißen daß Wir guten Willens und wohlbedachten Rats haben befreyet, quit, ledig und losgegeben Unsern und Unserer Grafschaft Lingen eigenbehörige Tochter … Schatzes, Dienstes und Pflichten, da mit Uns und zu Lasten Unserer Grafschaft Dieselbe des Leib=Eigenthum wegen verwand gewesen und setzen solche aus dem Eigenthümlichen in einen freyen Stand und Condition also und dergestalt … Und wollen Wir besagte … dieser Freylassung halber jedes … Zeugnis leisten und Garand seyn. Dahingegen solche weder an Uns, noch an Unsere Eigenbehörigen Stetten den geringsten Anspruch zu machen hat. Urkundlich haben wir diesen Schein der Freyheit … “

Angebots-Nr. 14.109 / verkauft


„ nachdem die wunderbare Stangenabwurf-Folge (Wintter’s Aufsezen oder wachstum des Hirschgeweihes hiesiger Lieferung) nun meine Wand ziert, habe ich zwei (Desiderata-)Bitten an Sie. Es fehlt mir … Können Sie mir behilflich sein? “

(Herr C. R., 28. Januar 2015)